„Afrikanische Bischöfe sollen uns nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“ – mit diesem Satz in einem Interview der katholischen Nachrichtenagentur „Zenit“ eröffnet uns der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper heute einen völlig neuen Blick auf die Brüderlichkeit im Bischofskollegium. Selten zuvor blitzte derart unverstellter Rassismus bei einem hochrangigen Würdenträger der katholischen Weltkirche auf. Es muss also um etwas ganz besonders Wichtiges gehen, wenn der Mann so aufbraust. Und was ist das Wichtigste heutzutage überhaupt? Na klar, die Homosexualität. Bei der Bischofssynode in Rom, wo es in diesen Tagen um Familie und auch um das Thema Homosexualität ging, stellte Kaspar erstaunt fest, dass seine ausgesprochen liberale Sicht der Dinge von vielen Bischöfen aus Regionen der Welt wie Afrika und Asien ganz und gar nicht geteilt wird. Auf Nachfrage der „Zenit“-Journalisten behauptete der Kardinal, den afrikanischen Bischöfen werden bei diesem Thema wohl in Afrika, nicht aber in der Bischofssynode mehr zugehört. Seltsam das alles. Gibt es neuerdings Bischöfe erster und zweiter Klasse? Entscheiden jetzt eine Handvoll Geistliche aus dem reichen und zunehmend säkularen Westen darüber, welchen Bischöfen bei welchem Thema zuzuhören ist? Oder hat sich da einer, der auf seine alten Tage gern noch einmal richtig modern sein will, einfach verrannt?

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Dieser Artikel wurde 6 mal kommentiert

  1. Sigrid Ganter Antworten

    Schade, daß dér Kardinal aus D solche
    Ansichten äußert, es zeigt jedoch klipp
    und klar, wes Geistes Kind er ist!
    Hochmut kommt vor dem Fall!
    Sigrid Ganter

  2. Dieter Krüll Antworten

    Sehr geehrter Herr Kelle,
    ich kann das nicht glauben, wie ich Kardinal Kasper bisher kenne.
    Wie sicher und genau ist die Quelle der kath. Nachrichtenagentur ZENIT? Können Sie das nochmal recherchieren.
    Der Kampf der Konservativen gegen die Modernisten ist (wie seit 150 Jahren) so hart, dass ich jede Fälschung oder Verdrehung für möglich halte.
    Auch der Gesamtzusammenhang der Aussage wäre zu hinterfragen.
    Die Aussage, so wie Sie sie dargestellt haben, ist sicherlich nicht zu akzeptieren.

    Dieter Krüll

  3. Klaus Kelle Antworten

    Lieber Herr Krüll,

    das Interview ist mitgeschnitten und inzwischen von Zenit in voller Länge im Internet veröffentlicht worden. Die Darstellung von Zenit ist richtig. Ehrlich gesagt bin ich auch entsetzt, welchen Ton der Kardinal gegenüber anderen Bischöfen anschlägt.

    Gruß, Klaus Kelle

  4. Brigitte Storz Antworten

    „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“
    Ich befürchte, dass jetzt auch in der katholischen Kirche viele meinen, die Deutschen hätten die Wahrheit gepachtet.

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