In den sozialen Netzwerken des Internets werden täglich viele Bilder mit mehr oder weniger intelligenten Sinnsprüchen verbreitet. Oft sind kreative und witzige Ideen dabei, oft handelt es sich aber auch um billige Hetze und dümmliche Scherzchen. Und manchmal ist etwas für Romantiker dabei. Gestern fand ich ein Zitat von Malala Yousafzai, einer weltbekannten pakistanischen Kinderrechtlerin, die vergangenes Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Zweifellos eine bessere Wahl als es US-Präsident Obama und einige andere vorher waren.

„Wenn Ihr den Krieg beenden wollt“, so steht da auf diesem Bild im Internet, das helle Kieselsteinchen und bunten Blütenblättern zeigt, „sendet Bücher statt Waffen. Sendet Stifte statt Panzer. Sendet Lehrer statt Soldaten.“ Ist das nicht schön? Ich bin zu Tränen gerührt, allerdings nicht über die Botschaft, sondern über die grenzenlose Naivität, die sie ausdrücken und die von zahlreichen Fans begeistert gefeiert wird. Da werden „die Regierungen“ angeprangert, die den Krieg wollen – allen voran natürlich die USA. Da wird über Weltherrschaft fabuliert, über die Milliardenumsätze der Rüstungsindustrie und, und, und…. das Übliche halt. Nicht einer wirft die Frage auf, was Boko Haram in Nigeria wohl mit einer Schiffsladung Bücher tun würde. Oder wie es um die Köpfe von Lehrern im Islamischen Staat (IS) bestellt wäre, die zum Beispiel Mädchen unterrichten wollen würden. Mir ist auch nicht bekannt, dass die Kurden den Westen um Buntstifte zur Verteidigung gegen die mordenden Banden gebeten hätte.

Man soll ja nicht lästern, und ich gebe zu, dass ich Menschen wirklich mag, die sich eine bessere Welt wünschen. Insofern ist es durchaus schön, was Frau Yousafzai da gesagt hat. Aber es ist weltfremd, es ignoriert die grausame Realität dort draußen, und es trägt dazu bei, dass all die Träumer in unseren Wohlstandsgesellschaften denken, so funktioniere die Welt. So lange nicht ein paar Lehrer mit Büchern und Stiften in den Nahen Osten reisen und den IS dazu bewegen, das Morden, Kreuzigen und Enthaupten zu beenden, werde ich den oben geäußerten Gedanken weiterhin Schwachsinn nennen, auch wenn viele jetzt weinen und Räucherstäbchen entzünden werden.

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Dieser Artikel wurde 8 mal kommentiert

  1. Jürgen Backhaus Antworten

    Aus 10000 m Höhe abgeworfen erzielen Bücher, besonders gebundene Ausgaben bestimmt eine gewisse Wirkung, ansonsten haben Sie natürlich Recht. Das Einzige was vielleich Wirkung zeigen könnte ist der Entzug von Geld, ohne welches kein Krieg geführt werden kann.

  2. Pingback: Wenn der IS doch bloß ein paar Bücher bekommen würde.... –Denken erwünscht – der Kelle-Blog - Wertewandel

  3. Alexander Droste Antworten

    Ich zitiere mich mal selber: Die Menschheit besteht aus Illusionen, die wie Seifenblasen zerplatzen oder realität werden.
    Die Grausamkeit im Orient wird genährt von Ignoranz und Arroganz auf der einen sowie Brutalität und viel Primitivität auf der anderen Seite. Die Anführer beider Seiten sind klug, gerissen und gewiss nicht ungebildet.
    Die Naivität dieses reizenden Mädchens ist die reine Hoffnung. Wenn Hoffnung denn Schwachsinn ist …

  4. Alexander Droste Antworten

    Nun, mit Buntstiften und Büchern kann man diese Orientnazis nicht stoppen. Deren Illusion ist es die Welt in ihrem Sinne islamisch machen zu können, zumal ihr Handeln nach Aussage mir bekannter Moslems antiislamisch ist.
    Es ist auch eine Illusion diese Nichtmenschen mit Flugzeugattaken stoppen zu können. Meiner Einschätzung nach erreicht man nur das Gegenteil.
    Ohne eine Allianz von Moslems und der westlichen Welt bekommt man sie ebenfalls nicht gestoppt.
    Damit sind wir in einem Dilemma. Die islamische Welt dulden den IS und BokoHaram, weil sich dieser dem verhassten Westen offensichtlich machtvoll entgegen stellt. Dabei sind die Ermordeten und Vertriebenen nur recht und billig, weil sie ihnen ohnehin zu westorientiert sind.
    So bleibt eine weitere Illusion, dass der Spuk alsbald beendet werden kann. Einzige Hoffnung ist, dass sie sich im Blutrausch selber vernichten.
    Das Pakistanische Mädchen dagegen kann die Welt verändern. Und zwar durch Mitnahme der jungen Generation der islamischen Welt in die Moderne. Das ist meine naive Hoffnung zu der sich die jüngste Mahnung des weltweit beliebten Dalai Lama gesellt: „Ethik ist wichtiger als Religion.“

  5. S v B Antworten

    Naiv zu denken, zu reden und zu handeln ist ein Privileg der Jugend; ist es auch immer gewesen. Deshalb kann ich der rührenden Malala Yousafzai – so sie die Zeilen wirklich selbst verfasst hat (wovon ich ausgehe) – leicht verzeihen. Nicht zu verzeihen hingegen vermag ich den – besonders in diesen Tagen und Wochen geäußerten – erschreckend naiven Verlautbarungen vieler deutscher Politiker und Mitbürger. Sie alle sind erwachsen und können die Unerfahrenheit der jungen Jahre wahrhaftig nicht mehr für sich reklamieren.

  6. Uwe_aus_DO Antworten

    In meiner Studentenzeit hat unser AStA Studentenschaftsgeld gespendet – „Waffen für Nicaragua“. Man merke: Es gibt gute und schlechte Waffen…

    Und es gibt Menschen, die wollen angeblich nur unser Glück, in Wahrheit erreichen sie das Gegenteil. Auch wenn ich mangelnde Bildung (auch bei denen, die z.B. in Heidenau unerträgliche Parolen brüllen) sehr beklage, IS und Boko Haram kann man meiner Meinung nciht mehr mehr „entradikalislamifizieren“, sondern man muss sie zerschlagen. Und je länger man wartet, um so größer wird das Problem, und die Bedrohung für uns.

  7. Dieter Krüll Antworten

    Auch der Aufruf: „Waffen zu Pflugscharen!“ klingt toll, wurde aber politisch missbraucht.
    Nicht Naivität, sondern nur Stärke hat den Sozialismus besiegt.

    Dieter Krüll, Neuss

  8. Felix Becker Antworten

    Ich denke, dass man Illusionen und Träume unterscheiden muss. Seit der Vertreibung aus dem Paradies scheint mir eine friedliche Welt Illusion zu sein! Illusion für die es aber zu kämpfen lohnt.
    Träume sind irreal! IS und den anderen können wir mit Träumen nicht beikommen. Offensichtlich ergeben sich aber Teile unserer Politik der träumerischen Sehnsucht unserer Gesellschaft nach Frieden – sie lehnen unpopuläre Maßnahmen feige ab! Deshalb ist solche Politik für mich populistisch! Ich finde, dass man nicht nur mit dem „Maul“ die unfassbaren Handlungen von IS und anderen brandmarken soll, sondern dass man unsere ganze Kraft – auch die militärische – einsetzen sollte. Die Alliierten haben das Gott sei Dank im 2.Weltkrieg auch getan!

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