Wenn Trump Europa „weitgehend gleichgültig“ ist – dann muss Europa einen eigenen nuklearen Schutzschild haben
Der CDU-Chef und vermutlich nächste Bundeskanzler Friedrich Merz ist auf dem Weg nach Paris. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in zum Abendessen in sein Haus eingeladen, um am Abend über die Rolle der beiden EU-Führungsmächte zum Aufbau eine selbstbewussten und starken Europas zu sprechen.

Schwer vorstellbar, dass es dabei – nach den Rochaden des neuen US-Präsidenten Trump – nicht auch um einen europäischen Atom-Schutzschirm für die EU-Staaten gehen wird, den Macron vor wenigen Tagen angeboten hat.

Noch am Wahlabend hatte Friedrich Merz die neue Trump-Regierung ungewöhnlich deutlich kritisert und gesagt, dem sei das Schicksal Europas „weitgehend gleichgültig“. Es sei nun die Zeit, dass Europa seine Zukunft selbst in die Hand nehme und unabhängig von den USA werde. Starke Aussagen, die zeigen, dass es auch in Deutschland wieder eine Bereitschaft gibt, international selbstbewusst aufzutreten und Verantwortung auch für die eigene Verteidigung zu übernehmen.

Die Rede von US-Außenminister J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Deutschland  „in ihrem Stolz“ getroffen, sagte der Politikwissenschaftler Joseph de Weck von der Pariser Denkfabrik Institut Montaigne, Vance haben einen wahren „Weckruf“ ausgelöst. Und: Merz sei „der gaullistischste Kanzler, den Deutschland je hatte.“

Ein Atom-Abwehrschild für Europa ohne die Amis?

Wie soll das praktisch funktionieren? Werden Deutsche, Polen und andere nun eigene nukleare Kapazitäten aufbauen? Oder verlässt man sich auf die Franzosen und die Briten, die bereits Atomraketen und nukleare Sprengköpfe besitzen?

Immerhin ist Frankreich nicht Teil der „Nuklearen Planungsgruppe“ der NATO. Nach Rückkehr in die integrierte Kommandostruktur des westlichen Verteidigungsbündnisses, wollte Paris die Autonomie über die eigenen Nuklearwaffen behalten.

Die Bedrohung, das wissen alle, kommt aus Russland, kommt auch durch Putins schaurige Verbündete in China, Nordkorea und dem Iran. Wenn Donald Trump nun beginnt, mit einigen von denen irgendwelche „Deals“ abzuschließen, ist Europa selbst, und damit auch Deutschland gefragt. Frankreich verfügt über etwa 300 Atomsprengköpfe, die in der Mehrzahl mit ballistischen Raketen von U-Booten abgefeuert werden können.

Der deutsche Sicherheitsexperte Maximilian Terhalle brachte jüngst einen interessanten Gedanken auf den Tisch, als er vorschlug, einen Deal mit Trump zu schließen, und den Amerikanern 1000 Nuklearsprengköpfe abzukaufen und in die Länder der EU zu verteilen. Warum eigentlich nicht?

Der britische Premierminister Keir Starmer hat sich in dieser Frage bisher noch nicht positioniert, aber kürzlich einen Vertrag über neun Millionen Pfund mit Rolls Royce unterschrieben. Das Unternehmen soll sich um Modernisierung und Wartung der Atomreaktoren für die britische U-Boot-Flotte kümmern.

Bleibt die Frage eigener deutscher Atomwaffen

Völkerrechtlich ist das derzeit nicht möglich, da Deutschland den Nichtverbreitungsvertrag unterschrieben hat, der eine atomare Aufrüstung untersagt.

Allerdings kann man auch aus diesem Vertrag austreten, zumal in Zeiten, in denen Welt- und Regionalmächte daran arbeiten, das Völkerrecht durch ein Recht des Stärkeren zu ersetzen, was wir gerade bei möglichen Zugeständnissen an Russlands Führer zu dessen Ukraine-Angriffskrieg erleben.

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    So ein nuklearer Schutzschild ist aber auch wirklich sicher, wenn er einmal gezündet wird. Da bleibt kein Auge der nicht Verdampften trocken.

    • H.K. Antworten

      Sie haben völlig recht.

      Die Allermeisten denken, wenn irgendwelche feindlichen Raketen angeflogen kämen und abgeschossen würden, sei „alles gut“.

      Leider denkt kaum jemand so weit, daß der ganze Rotz nicht etwa an den Absender zurückgeschickt wird, sondern irgendwo herunterkommt – und zwar in unmittelbarer Nähe.

      Und irgendwelche ( atomaren ? ) Sprengköpfe fallen so oder so vom Himmel. Vielleicht nicht genau dort, wo sie hinfliegen sollten, aber sicher irgendwo auf unserem Territorium.

      Ähnliches war übrigens auch in 2001 ff. der Fall, als es um den möglichen Befehl zum Abschuß entführter Passagierflugzeuge ging.

      Auch die dürften nicht in der Luft zerplatzen, sondern in teils größeren Trümmern vom Himmel fallen ( an die, die da drin sitzen, möchte ich dabei besonders denken ).

      In jedem Fall hat Helmut Schmidt immer wieder ( oder immer noch ? ) recht, wenn er sagt „lieber 100 Stunden umsonst verhandeln als 1 Minute schießen“.

    • Klaus Kelle Antworten

      Irgendwie hat es 75 Jahre funktioniert. Und wenn die Ukraine nicht freiwillig ihre Atomraketen abgegeben hätte, wäre da jetzt auch kein Krieg.

  2. H.K. Antworten

    Vielleicht sollten wir nicht nur über einen nuklearen Schutzschild nachdenken, sondern auch über einen „inneren Schutzschild“.

    Es ist schon interessant, wie z.B. über „die Aufnahme von gefährdeten Menschen aus Afghanistan“ soeben im heute journal berichtet wird. Der gestern in Berlin „mit 155 Aghaninnen und Aghanen“ gelandete Charterflieger habe „nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt“ unter den Eingereisten „27 Ortskräfte mit ihren Angehörigen“ transportiert.

    Nach anderen Angaben waren mit dem Flieger FÜNF „frühere Ortskräfte mit 22 Familienangehörigen“ gekommen.

    Daß noch „einige Tausend Afghaninnen und Afghanen“ in Islamabad auf ihren Flug nach Deutschland warten, deren Papiere für den Aufenthalt in Pakistan in Kürze ablaufen, wurde – merkwürdigerweise – nicht berichtet.

    Auch, daß unmittelbar nach der Landung drei Festnahmen erfolgten, erfährt der/ die/ das interessierte Zuhörende ebensowenig wie der/ die/ das noch interessiertere Zuschauende.

    Früher ( jaaa, ich weiß … ) KONNTE Deutschland INNERE und ÄUSSERE Sicherheit.

    Heute können wir BEIDES nicht mehr …

  3. Dr. Hildegard Königs-Albrecht Antworten

    Würde uns ein nuklearer Schutzschild wirklich schützen?
    Ich kann es mir nicht vorstellen und noch weniger glauben.

    Müsste Europa dann nicht ein ebenso großes nukleares Waffenarsenal aufbauen wie Rußland? Wer soll das finanzieren?

    Und was ist mit den weiter entfernten möglichen Feinden wie Nordkorea zum Beispiel?

    Ist nicht inzwischen die Möglichkeit von Cyber-Attacken zur Zerstörung der Infrastruktur eines Landes eine viel größere Gefahr als ein herkömmlicher Krieg?

    Daß die USA sich aus der Position der Schutzmacht für Europa lösen, kann ich verstehen und akzeptieren. Es gibt Europa und speziell Deutschland die Möglichkeit erwachsen zu werden und uns auf unsere eigenen Stärken zu besinnen.
    Natürlich müssen wir eine gewisse militärische Stärke zur Sicherheit unserer Grenzen aufweisen. Davon sind wir zur Zeit weit entfernt.
    Ein Global-Player werden wir nicht mehr werden, denn die Musik spielt demnächst in Indien und China. Das ist für die USA eine große Herausforderung, die Trump erkannt hat.,

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