Wundertüte AfD: Von „Deals“, Chatgruppen und einem prominenten Rücktritt

Sie war seit der Gründung der AfD im Jahr 2013 dabei, sie leitete viele Jahre das Bundesschiedsgericht ihrer Partei – nun hat sie hingeschmissen. Die Münchner Rechtsanwältin Monica-Ines Oppel  ist zum Monatsende aus der AfD ausgetreten, wie die Süddeutsche Zeitung heute meldet. Zu den Gründen ihrer Entscheidung hat sich Oppel bisher noch nicht geäußert, die Bundespartei wollte sich zu dem Vorgang bisher auch nicht äußern. In der Partei ist aber zu hören, dass ihre Entscheidung mit den Ergebnissen und dem Verlauf des jüngsten Bundesparteitag in Riesa zusammenhänge

Im neugewählten Bundesvorstand der AfD wurde kurzer Prozess mit der Ära Meuthen gemacht, der vor Monaten – für viele überraschend – unvermittelt als Bundessprecher hingeschmissen und seinen Austritt erklärt hatte. Kein Einziger aus seiner damaligen Vorstandsriege sitzt heute noch im neuen Bundesvorstand. Stattdessen zogen Vertraute des rechten AfD-Fügelmanns Björn Höcke ein wie Harald Weyel, Christina Baum und Maximilian Krah, der gerade von der eigenen AfD-Delegation im EU-Parlament einstimmig suspendiert wurde und bis Ende September aus der ID-Fraktion ausgeschlossen ist. Wie die Süddeutsche schreibt, habe Frau Baum in Riesa in ihrer Bewerbungsrede gefordert, einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu ziehen. Die „Trümmer einer jahrzehntelangen Schuldhaftigkeit“ müssten „endlich beiseite“ geräumt werden. Na, wunderbar, da wird der Verfassungsschutz eifrig mitgeschrieben haben.

Die AfD dieser Zeit ist wie eine Wundertüte, aus der täglich Überraschungen geholt werden…oder auch nicht. Der Verlauf des Bundesparteitages in Riesa und das Ergebnis der Vorstandswahlen waren nämlich wenig überraschend. Um den nach Meuthens Abgang alleinigen Bundessprecher Tino Chrupalla bastelte man eine Namensliste, die durchgewählt wurde. Alice Weidel ist jetzt auch Bundessprecherin neben Chrupalla, nachdem beide auch schon die Bundesfraktion führen. Der Kandidat der Gemäßigten, Norbert Kleinwächter aus Brandenburg, hielt eine starke Bewerbungsrede und holte immerhin noch 36 Prozent der Delegiertenstimmen, was respektabel ist, wenn man weiß, dass das Chrupalla-Lager und Höckes Leute vor dem Parteitag einen Deal eingefädelt hatten, der Chrupallas Vorstandsliste damit eine deutliche Mehrheit sicherte.

Der Deal sah vor, dass der Thüringer AfD-Chef auf eine eigene Kandidatur für den BuVo verzichtet, im Gegenzug aber Vorsitzender  einer neuen Kommission „zur Vorbereitung einer Parteistrukturreform“ werden sollte. Und – Parteifreunde halt – damit nicht…zufällig…die Absprache noch scheitert, wollte Höckes Truppe, dass die Strategiekommission noch vor den Vorstandswahlen beschlossen wird, also bevor seine Freunde der Doppelspitze Chrupalla/Weidel zum Erfolg verhilft. Man weiß ja nie, was so Absprachen noch wert sind, wenn die Wahlgänge erst einmal vorbei sind.

Und woher wissen wir das alles? Der Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider aus Magdeburg, ein Höcke-Vertrauter vom rechten Parteirand, hat es öffentlich gemacht, was in einer internen Chat-Gruppe mit zahlreichen AfD-Funktionären vereinbart und diskutiert wurde. Er resümierte nach dem Parteitag:

„Was Teile der Führung zusammen mit der Parteitagsleitung am Sonntag in Riesa abgezogen haben, war nichts anderes als die Fortsetzung des Krieges gegen die eigene Partei. Ich vermute hinter dem Geschehen ein Kalkül.“

Der Parteitag in Riesa wurde übrigens nicht wie geplant zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht, sondern vorzeitig abgebrochen. Wegen eines heftigen öffentlich ausgetragenen Streits um eine EU-Resolution. Aber das ist eine andere Geschichte aus der AfD-Wundertüte…

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Dieser Artikel wurde 3 mal kommentiert

  1. aha Antworten

    Ich bin auch der Meinung, dass die Selbstkasteiung wegen der braunen Zeit aufhören muss. Wenn man sich anschaut, was neben Judenvernichtung und Krieg damals noch gelaufen ist, kommt man doch zu der Erkenntnis, dass die meisten Braunen heute Grüne wären.

    Hitler hat was Chronisches im Magen-Darmtrakt und war deshalb Vegetarier. Der wäre heute ein treuer Bio- Esser.

    In diversen KZs (Auschwitz, Dachau…) gabs Demeter-Höfe und die SS hat in den eroberten Gebieten Demeter eingeführt.

    Die Nazis hatten das fortschrittlichste Tierschutzgesetz der damaligen Zeit. Tierversuche galten als jüdisch und waren weitgehend verboten.

    Göring wurde gemobbt, weil er Jäger war.

    Die komischen Beziehungskisten vieler Grüner erinnern an diverse braune Politiker.

    Die Anfänge der Grünen gehen auf – wie damals- relativ ungebildete junge Leute zurück.

    Warum haben wir in den westlichen Bundesländern wohl doppelt so viele Grüne als im Osten? Meine Meinung dazu:

    Im Westen haben die Grünen schon längst die Leute, die früher heiße Nazis geworden wären, angezogen.

    Die meisten Bio-Aktivitäten haben die Deutschen und die Österreicher. Das waren auch die „Nazi-Länder“. In Deutschland sollen die Nürnberger die heißesten Nazis gewesen sein. Die machen heute auf „Bio-Metropolregion“.

    • H.K. Antworten

      Auch ich bin der Meinung, daß die ständige Fremd- und Selbst-Schuldzuweisung wegen der Verbrechen im II. Weltkrieg endlich aufhören muß.

      Für die Untaten, die in dieser Zeit vollbracht wurden, sind die Nachkriegsgenerationen nicht verantwortlich.

      Selbstverständlich gab es bei den Nazis Dinge, die sie „erfunden“ haben und die bis heute und noch lange Zeit funktionieren werden.

      Allerdings bin ich keinesfalls der Ansicht, daß – unter dem Strich – irgend etwas Positives in dieser Zeit entstanden ist.

      Ein paar Millionen Tote, Soldaten, viele Frauen, Kinder, Alte, völlig Unschuldige, können, sollen, dürfen nicht vergessen werden..

      Wir Nachkriegsgenerationen sind für die Verbrechen nicht verantwortlich – aber wir sind dafür verantwortlich, daß etwas Derartiges NIE WIEDER passiert.

      Und NIE WIEDER ist keine Worthülse – NIE WIEDER gilt schon in den kleinsten Ansätzen.

      NIE WIEDER gilt insbesondere für unsere Politiker, allen voran die Regierungen in Bund und Ländern, Städten und Gemeinden.

      Und NIE WIEDER gilt auch und insbesondere für Kulturstaatsminister*/-/:/_/Innen …

      Aber Anstand, Verantwortung, Ehre sind Begriffe, mit denen ( manche ? viele ? ) Politiker*/-/:/_/Innen nichts anfangen können.

      Manche finden sogar „Vaterland“ zum K….

      Und sowas wählen wir …

      • aha Antworten

        Dank moderner Informationstechnologie wird so etwas in entwickelten Ländern eh NIE WIEDER möglich sein. Den Kampf für ein „NIE WIEDER “ halte ich für Opportunismus interessierter Kreise.

        Wenn Höcke das Narrativ „Umvolkung“ benutzt, gibt es einen Nazi-Skandal. Aber Bauern, welche die Landwirtschaft der Nazis (Demeter) betreiben, schiebt unser Staat massig Subventionen rüber. So wird es nichts mit dem Kampf gegen dümmlichen Fanatismus.

        Ich war ein paar Mal auf AFD-Veranstaltungen im Nachbar-Wahlkreis. Ich dachte da kennt mich niemand, aber beide Male war der Führer unserer lokalen Demeter-Bauern anwesend. Einmal hatte man einen Dr.-Ing. als Referenten . Ein sehr guter Mann. Die dümmlichst- aggressiven Nachfragen kamen von dem Tisch, wo unser Demeter-Bauern -Führer saß.

        Im Kampf gegen den Faschismus würde ein Verbot von Demeter mehr nutzen, als ein Verbot der NPD.

        Momentan frage ich mich, warum der Ausbau der Windenergie so schleppend verläuft. Steckt da vielleicht mal wieder ein Argument dahinter, das nicht an die Öffentlichkeit kommen soll? Im Zusammenhang mit der Dürre in Italien hat man festgestellt, dass sich die Windströmungen verändert haben. Es kommt mehr Sahara-Luft nach Italien. Dazu meine Theorie:

        Wir schwächen mit den WKA´s die Kraft der Winde in Mitteleuropa. In der Folge können der Leveche und der Schirokko (Windsysteme Mittelmeer) leichter Sahara-Luft nach Mitteleuropa blasen. Dann wären unsere Windräder schuld an der Dürre in Italien und auch an den Dürren hier.

        Das wäre ein Thema für die AfD für Journalisten.

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