Zero Points for Germany – warum mag uns niemand?

Alles wie erwartet. Beim European Song Contest, kurz ESC, gewann das Kalush Orchestra aus der Ukraine. Alles andere wäre einer Sensation gleichgekommen. Natürlich hatte diese Entscheidung nichts mit Musik oder Wettbewerb zu tun, sondern war politisch, was eigentlich beim ESC nicht erlaubt ist.

Schön war, dass die Entscheidung nicht von Juroren am Grünen Tisch getroffen wurde, sondern durch das überwältigende Publikums-Voting zustande kam. Und das ist wirklich gut, denn es beweist, dass es hier nicht um die bösen Politiker geht, alle ferngesteuert von den Bilderbergern und mit Soros-Milliarden und vom politisch-militärischen Komplex ferngesteuert. 200 Millionen Menschen in Europa haben sich das gestern angeschaut, und viele von ihnen haben abgestimmt. Und sie haben der ganzen Welt gezeigt, was wir in Europa von Diktaturen halten, die mit Gewalt Grenzen verschieben und andere Völker unterwerfen wollen. Nämlich nichts. Null. Eat this, Putin!

Aber kommen wir zu einem kleinen Nebeneffekt, der heute wieder – wie fast jedes Jahr – heißt diskutiert wird: Warum schneiden wir Deutschen immer so grottenschlecht ab? Warum werden wir immer Letzter oder – ein großer Erfolg – auch mal Vorletzter beim ESC? Warum hassen uns die anderen Europäer bloß so? Das kann doch nicht nur an Ursula von der Leyen liegen.

Stimmt! Die Erklärung ist viel banaler. Was schicken wir bloß jedes Jahr für Mutanten in diesen „Wettbewerb“? Untalentiert, der breiten Öffentlichkeit zu recht vollkommen unbekannt, mit schlechter Musik und belanglosen Zeitgeist-lalala-Texten.

Es ist nicht so, dass die anderen uns alle nicht leiden mögen. Wir schicken einfach jedes Jahr die schlechtesten Barden der Welt ins Rennen.

Kann bitte irgendwer Stefan Raab zurückholen? Dann klappt’s auch wieder mit dem „Voting“ (der Abstimmung).

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Dieser Artikel wurde 10 mal kommentiert

  1. GJ Antworten

    Grand Prix de la Chanson, den habe ich vor Jahrzehnten gerne und stets geschaut. Damals waren bekannte und beliebte Künstler vertreten. Abba, Vicky Leandros, Johnny Logan. Die Melodien könnte man danach noch über Jahre mit – und nachsingen. Heute weiß ich weder irgendeinen Namen noch könnte ich melodiös etwas erinnern, was dort geträllert wird oder wurde. Am nächsten Tag vergessen und vorbei. Deutschland zahlt die meiste Kohle, nur deshalb ist man dort dabei. Schon dies gehört abgeschafft. Soll jeder den selben Beitrag zahlen, sich mit einer Gitarre oder am Klavier auf die Bühne stellen und singen. Gleiche Chancen für alle. Und jetzt: Krieg vorbei, weil nächstes Jahr ist Grand Prix in Kiew, oder wie?

  2. GJ Antworten

    Ich habe mir jetzt doch die Mühe gemacht und in einige Beiträge reingehört. Um es vorwegzunehmen: Mein Vater war u.a. Musiklehrer. Zuhause wurde musiziert und ich denke, ich habe ein Ohr für Harmonien und Wohlklang. Der Beitrag mit den meisten Punkten war für mich genauso wenig preiswürdig (in meinen Augen/Ohren geeignet zum Kinderschreck) wie der Beitrag mit den wenigsten. Der junge deutsch-amerikanische Mann kommt aus einer musikalischen Familie, seine Stimmme ist das, was ich als dünn bezeichnen würde. Sein Vater ist ein bekannter Schwarzamerikaner (darf ich das sagen?) und der Junge erfuhr in der Schule Rassismus. Sorry, das allein macht es dann leider nicht. Da kam nichts rüber, nicht einmal deutsche Sprache. Der spanische Beitrag war schwungvoll, eine gute Mischung, viel sexy-Körpereinsatz – wie ein Bohlen sagen würde: Das Gesamtpaket hat gepasst. Serbien, für mich furchtbar. Schweden hat mich angesprochen.

    Ist natürlich alles Geschmackssache oder -heute- eine Frage der Haltung. Vom ursprünglichen Geist der Veranstaltung ist nicht mehr viel übrig.

    Mehr habe ich nicht gesehen. Wenn ich überlege, was diese ganze Veranstaltung kostet. Das hätte eine ordentliche Spende für die Ukrainehilfe gegeben.

  3. Andreas Schneider Antworten

    Irgendwann in der Vergangenheit habe ich bisweilen die Übertragungen des „Grand Prix Eurovision De La Chanson Européenne“ beiläufig verfolgt. Wenn ich nun sagen sollte, wann dies das letzte Mal war, müßte ich lügen.

    Anno 2010 war ich dann von den Juchheirassa-Rufen um eine Lena völlig überrumpelt, die da den „ESC“ gewonnen haben sollte. Was mich insoweit auf dem falschen Fuß erwischte, als ich zunächst mit „ESC“ nichts anzufangen vermochte. Schon die Umbenennung ist an meiner Wahrnehmung unbemerkt vorübergegangen.

    Diesen kleinen Exkurs zur Darstellung meines Interesses. Eine überholte Veranstaltung, überflüssig wie z. B. auch der ÖRR.

    • GJ Antworten

      Genau, daß Lied von Lena, das habe ich damals noch recht gut verfolgt. Peppiger Auftritt, jung, frisch, etwas durchgeknallt, super produziert. Aber: Keine Melodie, die man nachsingen kann. Für Lena ein Karrierestart. Leider ist der Auftritt dort für bereits bekannte Sänger oft eher ein Karriereknick nach unten. Sonst würde eine Helene Fischer dort mitmachen und alles abräumen. Was Stefan Raab dort bewirken konnte, finde ich enorm.

  4. H.K. Antworten

    Tja, was soll ich sagen.

    Früher ( ja, ich weiß; früher … ) da habe ich den ESC gerne geschaut, mitunter auch mangels entsprechenden Alternativprogramms.

    Inzwischen zappe ich mal kurz rein, so wie gestern abend ( besser: gestern nacht, es war glaube ich bereits gegen 01:00 ).

    Das Jury-Ergebnis wurde durch die Zuschauervotings nahezu komplett durcheinandergewürfelt, was die Frage aufwirft, wer denn nun mehr Ahnung von Musik hat bzw. mit welcher Intention abgestimmt wurde.

    Und da das Endergebnis ja weit vorher bereits feststand, wäre alles andere auch verwunderlich gewesen.

    Ich muß zugeben, daß ich weder den Namen des Siegers, des absoluten Verlierers noch deren Titel auch nur annähernd wiedergeben könnte.

    Soeben habe ich dann mal durch die Nachrichten gezappt und bei focus online einen „Newsticker“ zum ESC entdeckt.

    „Mit Erlaubnis des Herrn Präsidenten“ gebe ich mal nur einen kleinen Teil davon wieder.

    Und wenn ich dann sehe, daß der ESC zu einer politischen Veranstaltung verkommen ist ( jetzt erst ? ), frage ich mich, wie es mit anderen Ereignissen wie Fußball-EM/-WM und Olympia etc etc aussieht.

    „11.28 Uhr: Russische Hacker versuchten am Samstagabend die ESC-Votings lahmzulegen, um den Sieg der Ukraine zu verhindern. Doch die italienische Polizei konnten die Cyberattacke verhindern. Das berichtet die österreichische Nachrichtenagentur APA und bezieht sich auf eine Pressemitteilung der italienischen Beamten.

    Die Pressemitteilung erklärt, dass der Angriff der prorussischen Hackergruppe Killnet abgewendet werden konnte. Die genauen Verursacher seien noch nicht identifiziert. Jedoch wurde ein möglicher DDoS-Angriff bereits vor dem ESC von Killnet angekündigt. Dafür seien extra 100 Spezialisten im Einsatz gewesen, um dies zu verhindern – mit Erfolg.

    07.32 Uhr: Bei den Ergebnissen von sechs Ländern wurden beim diesjährigen Eurovision Song Contest „irreguläres Abstimmungverhalten“ bei der Jurywahl registriert, teile die European Broadcasting Union (EBU) in einer offiziellen Pressemitteilung in der Nacht zum Sonntag mit. Deswegen habe die EBU im zweiten Halbfinale sowie im Finale ein aggregiertes Ersatzergebnis berechnet, basierend auf den Ergebnissen von anderen Ländern mit ähnlichem Abstimmungsaufzeichnungen, heißt es in der Mitteilung.

    Die EBU teilt mit, dass sie jegliche vermutete Versuche, die Abstimmung zu manipulieren, „extrem ernst“ nimmt und das Recht habe, solche Stimmen zu entfernen, unabhängig davon, ob dies das Ergebnis beeinflusst. Im Netz wird nun vermutet, dass Georgien, Aserbaidschan, Montenegro, Polen, Rumänien und San Marino die sechs betroffenen Länder sind. Ihre nationalen Jurys wurden 2022 vom ESC ausgeschlossen und werden auch nicht mehr auf der Webseite aufgelistet.

    01.59 Uhr: Nach dem Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest 2022 zeigt sich Präsident Wolodymyr Selenskyj überglücklich und will den Wettbewerb im nächsten Jahr in seinem Land austragen. „Unser Mut beeindruckt die Welt, unsere Musik erobert Europa! Im nächsten Jahr empfängt die Ukraine den Eurovision! Zum dritten Mal in unserer Geschichte“, teilte Selenskyj im Nachrichtenkanal Telegram am Sonntagmorgen mit. Er glaube daran, dass dies nicht der letzte Sieg sei.

    Selenskyj nahm auch Bezug auf den Aufruf der Band Kalush Orchestra beim ESC, die von russischen Truppen belagerte Hafenstadt Mariupol zu retten. „Wir tun alles dafür, damit eines Tages das ukrainische Mariupol die Teilnehmer und Gäste der Eurovision empfängt. Ein freies, friedliches, wieder aufgebautes!“, schrieb Selenskyj.

    “Ich danke dem Kalush Orchestra für den Sieg und allen, die dafür ihre Stimme gaben! Ich bin überzeugt, dass unser siegreicher Akkord in der Schlacht mit dem Feind nicht mehr fern liegt.“ Selenskyj geht davon aus, dass die Ukraine den am 24. Februar begonnenen Krieg gegen Russland gewinnt. „Ruhm der Ukraine!“, sagte Selenskyj. Kulturminister Olexander Tkatschenko sagte, er denke nun schon über den Austragungsort in der Ukraine nach. …“

  5. S v B Antworten

    Vielleicht hätte Nicole mit ihrem von eigenem Gitarrenspiel begleiteten „Ein bisschen Frieden“ noch 40 Jahre warten sollen. Diesmal wäre es wahrhaftig der richtige Song zur richtigen Zeit gewesen. Und ich wette, dass die blutjunge Sängerin damit den diesjährigen Song Contest – trotz des unbestreitbaren „Kriegsbonus“ des Teams Ukraine – auch gewonnen hätte. Gewonnen hätte sie zwar gegen die Gruppe aus der Ukraine, aber gewidmet hätte sie ihren Song mit Sicherheit just diesem Land und seinen Menschen. Na, und den nächsten ESC hätte man dann eben trotzdem in einem bis dahin hoffentlich längst befriedeten Kiew stattfinden lassen können. Soviel Flexibilität hätte einfach sein müssen.

    Im übrigen würde ich beim ESC von einem Song- also Lied(er)-Wettbewerb schon lange nicht mehr sprechen. Das Festival di San Remo z. B. dürfte dem Anspruch, echte Lieder zu präsentieren, sehr viel eher gerecht werden. Auf überzogene Licht- und andere Technik-Effekte kann man dort gut verzichten. Diese sind schlicht nicht notwendig, um das Publikum von der mittelmäßigen, gar schlechten künstlerischen Qualität mancher Darbietung ablenken zu müssen. Auf dem in Italien so beliebten Festival wird wirklich noch gesungen, und zwar im besten Sinne des Wortes. Und dies auch noch sehr gekonnt.

  6. Wolfgang Heppelmann Antworten

    Möglicherweise hätte Nikol den Krieg mit „Ein bischen Frieden“ beenden können, oder hieß das „Ein bischen Schwangerschaft“? – oder…?

    Ich meine, daß diese „Veranstaltung“, jedenfalls hier im Blog, indiskutabel ist. Auf jeden Fall eine gigantische Kitsch- Parade.

    Wir sollten uns hier wieder ernsthaften Themen zuwenden.

    • H.K. Antworten

      Spätestens, wenn ein Teilnehmer nicht aus musikalischen, sondern aus politischen, da mit einem Krieg verbundenen Gründen, einen solchen Contest gewinnt, steht nicht mehr die Musik, sondern der „Ernst des Lebens“ an erster Stelle.

      Wäre das nicht der Fall, hätte der Hausherr wohl nie über diesen Wettbewerb ein Wort verloren – jedenfalls nicht in diesem Blog.

      • S v B Antworten

        Wobei anzumerken ist, dass die Abstimmungsergebnisse immer schon eine durchaus wahrnehmbare politische „Untermalung“ aufwiesen. Weitaus subtiler als diesmal, gewiss, aber dennoch war sie unbestreitbar vorhanden. Entsinnen Sie sich? – Gesehen habe ich das Spektakel schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Ich glaube, der letzte ESC, den ich von Anfang bis Ende verfolgt habe, dürfte der Düsseldorfer gewesen sein, den uns Lena seinerzeit beschert hatte. Damals verstärkten sich deutlich die Ansätze zur visuellen Effekthascherei. Optisch und akustisch sind die Darbietungen – bis auf immer weniger Ausnahmen – mit den Jahren immer schriller und hektischer geworden. Kostümierung und Choreographie lassen die „Singenden“, ihre Stimmen und Aussagen oft fast völlig in den Hintergrund treten. Der ESC ist so zu einer ziemlich kitschigen Show verkommen, die immer öfter auch dem politischen Mainstream eine riesengroße Öffentlichkeit dafür bietet, seinen manchmal ganz besonderen Messages weitestmögliche Verbreitung zu verschaffen. Was man fast schon als eine Art des Missbrauchs deuten könnte. Schade, ursprünglich war diese TV-Veranstaltung eine recht nette und wenigstens noch einigermaßen „unschuldige“ Möglichkeit, die Völker Europas auf friedliche, doch spannende und zugleich sehr fröhliche Weise miteinander in Kontakt zu bringen. So ist mir der Song-Wettbewerb jedenfalls in Erinnerung geblieben.

  7. gerd Antworten

    „Null. Eat this, Putin!“

    Nach dem Voting zeigte sich Putin zuversichtlich: „Endlich zeigt es Europa mal den Deutschen und verweisen dieses Volk von Speichelleckern an die Stelle wo sie hingehören.“

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