Zum Beginn meiner Frühjahrs-Vortragsreise (und natürlich zur Promotion meiner Buches) war ich gestern Abend in Leipzig, einer Stadt mit einer spürbar guten Atmosphäre. Mit solch alten Straßenbahnen bin ich seit den 70er Jahren nicht mehr gefahren, aber es war sehr stimmungsvoll. Eingeladen hatte die CDU, und da ist überall in Deutschland die Stimmung seit zwei Jahren mächtig angespannt. Moderator gestern war Michael Weickert, ein sympathischer junger Stadtrat, der sich mir als einer der 27 Ausgestoßenen vorstellte. Vergangene Woche hatte er beim Bundesparteitag vom Rednerpult aus der “Mutti” seine kritischen Gedanken direkt gesagt…und anschließend gegen den Koalitionsvertrag gestimmt. Einer von 27…

Das Publikum ist altersmäßig gut gemischt, die Hälfte junge Leute, die andere eher älter. Einer meldet sich, er ist seit 60 Jahren CDU-Mitglied und wie seine CDU unter Frau Merkel deformiert wird, gefällt ihm gar nicht. Mein launiger Vortrag aber sehr, sagt er. Das freut mich.

Was sollen wir denn tun? Diese Frage wird oft gestellt, wenn ich bei der Union unterwegs bin. Ein Student vom RCDS meldet sich zu Wort. Auch er hat die Nase gestrichen voll. Wenn es stimme, dass Fraktionschef Volker Kauder mit den Sozis einen Deal geschlossen hat, dass die mit den Linken und der FDP das Werbeverbot für Abtreibungen kippen, werde er austreten.

Mein Schlusswort: Wir Christen und Konservativen sind immer noch viele in dieser traditionsreichen Partei. All die selbsternannten Modernisierer, die den programatischen Kern der CDU seit Jahren Stück für Stück zerstören, freuen sich über jeden von UNS, der geht. Sie wollen keine Diskussion mit uns. Sie wollen nicht einräumen, dass sie schlimme Fehler gemacht haben, in der Flüchtlingspolitik, bei der Inneren Sicherheit, bei der Familienförderung. Sie wollen keinen Widerspruch auf Parteitagen, sie wollen Leute, die klatschen und die Schnauze halten. Und genau deshalb, müssen wir bleiben und weitermachen.

Anschließend kommen zwei junge Bundeswehrsoldaten zu mir, die für einen Medienworkshop ein Interview führen möchten über Leipzig und meine Eindrücke hier. Die Soldatin, gut gelaunt, bildhübsch und in Zivil, stellt die Fragen, ihr männlicher Kamerad, blonde Haare, sportlicher sympathischer Typ (erinnert mich spontan an unseren Sohn Paul) hält die Kamera. Wir sprechen über Frau von der Leyen, ihre Dienstherrin, über den Stolz auf das eigene Land. Sie erzählen davon, wie gern sie Soldaten sind und dass sie sich darauf freuen, in Auslandseinsätze kommandiert zu werden. Aber auch die andere Seite: Beleidigungen von Wildfremden, die junge Frau ist mal angespuckt worden, als sie in Uniform durch den Leipziger Hauptbahnhof ging. Zum Schluss gebe ich beiden die Hand und danke Ihnen dafür, dass sie unserem Land und uns allen als Soldaten dienen.

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Dieser Artikel wurde 6 mal kommentiert

  1. Tina Hansen Antworten

    Es gibt wenig, was in dieaem Land erfrischender und ermutigender ist als der Kontakt mit jungen Soldatinnen und Soldaten.

  2. Wolfgang Andreas Antworten

    Sehr gespannt…

    …bin ich, wie die es wieder hinkriegen, das Werbeverbot für Abtreibungen den CDUWählern als alternativlos, barmherzig, notwendig, demokratisch, menschlich und sonst noch was darzustellen. Da scheinen doch tatsächlich auch katholische Bischöfe mitzumachen. Wahnsinn. Ihre Beratungsstellen gieren wohl schon wieder auf zu erwartende Moneten, verbunden mit Pöstchen? Die Kampmann-Rache an von Eltz hat ja auch prächtig funktioniert; beste 68er- Agitprop-Methode: Von hinten durch die Brust ins Auge! (Ich möchte den Bischof sehen, der sich zur Gestaltung von Kloschüsseln in die Pläne seines Bauamtes einmischt…!). Ist aber die Sau erst einmal die ersten Meter durchs Dorf getrieben, kommt sie durch die Vernetzung der “freien” Medien nicht mehr zum Stillstand. Da ist man sich einig! Das gleiche ist mit dem Diesel passiert: Nur die FAZ brachte einen wissenschaftlich fundierten Artikel eines namhaften Professors unserer Eliteuniversität KIT in Karlsruhe. Keiner hörte zu. Dagegen wurde ich in Stuttgart als “Dieselmörder” beschimpft. Also, ergo: Wir dürfen gespannt sein, wie wir wieder mit dem Werbeverbot zu Abtreibungen verar….. werden. Da fällt mir nur Angelus Silesius ein: “Wir sind ja mehr, ja mehr denn ganz verdorben…!” Oder Ernst Raupach: “Gebt mir die Bühne frei und frei die Presse, so hetz´ich Euch die Engel gegen Gott…!”

    • Friedrich Albrecht Antworten

      Obwohl Ihr Artikel schlimme Zustände beschreibt, sieht so leider die heutige Realität in unserem Heimatland aus; Gott sei Dank, es gibt noch einige Ausnahmen.

  3. Alexander Droste Antworten

    Neulich habe ich Zitate gelesen von Helmut Schmidt und Willi Brand. Eindeutig rassistisch und rechtsextrem, diese SPD Spitzenleute. Sie wären heute in der AfD.

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