Ein Patriot ist jemand, der eine emotionale Beziehung zu seinem Land hat. Ein Nationalist ist jemand, der sein Land für höherwertiger als andere Länder hält. Geht man von dieser allgemeinen Definition aus, würde ich mich selbst als Patrioten bezeichnen. Ich würde nicht sagen, dass ich mein Land liebe, diesen Begriff behalte ich meiner Frau, meinen Kindern und meinen Eltern vor. Aber ich bin gern Deutscher und lebe gern in diesem Land, auch wenn ich nichts dafür kann, zufällig hier geboren zu sein und im Alltag jede Menge Dinge entdecke, die mir nicht gefallen. Deutschland hat einen beachtlichen Beitrag zur Weltkultur geleistet, ist technologisch und wirtschaftlich eine der führenden Nationen. Wenn ich politische Themen betrachte, dann unter der Prämisse, was ist gut für mein Land und die Menschen, die hier leben? Ich denke, so weit, werden wir hier große Einigkeit feststellen können. Wenn ich dann aber zu dem Ergebnis komme, dass es aus meiner Sicht für mein Land gut ist, zu einem vereinten Europa zu gehören (als selbständiger Nationalstaat) und „zum Westen“ insgesamt, wird es Widerspruch geben – und das ist auch gut so, denn die Freiheit zum Widerspruch gehört eben auch zu den Voraussetzungen, die das Leben in Deutschland so großartig macht.
Was mich in letzter Zeit zunehmend stört, ist jedoch das Verhalten von anderen Deutschen, die sich als „Patrioten“ bezeichnen, aber kein gutes Haar an unserem Land lassen. Ich meine nicht die Sachkritik, die dringend geboten ist, sondern das herablassende Gerede von der „Baanenrepublik BRD“, vom „System“, von der „zweiten DDR“ und das Verächtlichmachen von den Organen unseres Staates und vor allem seinen Repräsentanten. Niemand muss Frau Merkel mögen oder sie gar wählen, aber sie ist die frei gewählte Regierungschefin Deutschlands. Wird sie nächstes Mal abgewählt – fein, das gehört zu einer Demokratie dazu. Aber die Beleidigungen und der Hohn, der bisweilen ausgegossen werden, sind unwürdig. Besonders von Menschen, die behaupten, Patrioten zu sein.

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Dieser Artikel wurde 7 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Guten Morgen, Herr Kelle. Ich bin ganz Ihrer Meinung. Der Stil, der in der Öffentlichkeit gegen Repräsentanten unserer Regierung von mancher Presse wie von Kabarettisten gepflegt wird, schlägt auch mir ins Gesicht, obwohl ich nicht zur regierenden Kaste gehöre. Man darf Kritik üben, dann aber sachlich!

    Was den Patriot anbelangt, kann ich ganz auf das Deutschsein verzichten und beschränke mich auf eine gemeinsame Sprache und auf die Liebe zu meinem Heimatdorf und seiner Region, in der ich meine Freunde und Bekannten finde. Natonalistentum ist völlig unnötig. Einzig die Bewunderung mancher Menschen und ihre Leistungen oder für bestimmte Regionen, in denen ich Freundlichkeit und Schönheit erlebe könnte ich damit verbinden.
    Dann bin ich aber auch nationalsympathisch zu allen anderen nichtdeutschen Regionen, in denen ich Gleiches erlebe.

    • Alexander Droste Antworten

      Nachgesetzt: Wenn Sie auf PEGIDA anspielen, so kann ich dazu nur sagen, dass das Wort Patrioten Europas Unfug ist und auch gegen eine diffuse Angst vor Islamisierung nichts weiter als Nationalismus. Wenn man sich die Kommentare von einigen Demonstranten anhört, so zeugen diese einzig von Unkenntnis und Hilflosigkeit. Aktionismus, den unsere Volksvertreter entwickeln um die Mengen zu besänftigen, ist genauso ignorant und hilflos. Denken ist also angeraten.

      • Hans-Georg Streubel Antworten

        Guten Morgen Herr Droste,
        Haben Sie sich einmal vorurteilsfrei mit Pegida beschäftigt?
        Haben Sie sich einmal wertneutral mit dem Umfeld und der Motivation dieser Bewegung beschäftigt? Es ist sehr einfach, alles „klein und runter“ zu schreiben und zu zerreden.

        Was ich zur Zeit dazu lese und höre, deckt nun real nur einen kleinen Teil ab. Plötzlich, wie aus dem Nichts, gibt es die Pegida-Bewegung und reflexartig stellen sich der Bundespräsident, die Kanzlerin, politische Vertreter der Parteien und viele Presseleute hin und reduzieren diese Bewegung nur und ausschließlich auf einen angeblich aufkommenden Rechtspopulismus und auf eine angebliche Islamfeindlichkeit. Das ist aber falsch. Sie sind nicht der Auffassung, dass die Reduzierung nur auf diese beiden Themenbereiche deutlich zu kurz gesprungen ist? Es ist auch falsch, dass in dieser Bewegung nur verblendete und rechtsradikale Personen und Schreihälse unterwegs sind. Allerdings verharmlose ich die Gefahr nicht. Was glauben Sie, warum die Bereitschaft, wählen zu gehen, immer mehr abnimmt? Worin äußerst sich Protest? Welche Möglichkeiten bestehen, sachlich zu protestieren, wenn es keine andere Möglichkeit gibt?

        Es mögen sich unter Pegida unbestritten auch schlimme Personen verstecken. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass Pegida dafür steht, den unfähigen und eingeschliffenen Politikern, die nur auf Karriere ausgerichtet sind, einmal den Spiegel vorzuhalten. Es gibt eine Vielzahl von Themen, bei denen die Politik versagt.

        die Verschwendung von Steuergeldern,
        die Verwerfungen in den Steuersystemen,
        die Abkoppelung der Rentner von der Einkommensentwicklung,
        die teuren Verwerfungen im DB AG-System,
        die Verwerfungen im Gesundheitswesen,
        die Ungerechtigkeiten zwischen den Renten und Pensionen,
        das unsinnige Gesetz der Rente mit 63 nach 45 Berufsjahren und die Ungerechtigkeiten bei der Finanzierung dieses Gesetzes (die Rentner zahlen mit gesunkenen Rentenanhebungen,
        das in Vorbereitung befindliche Belügen bzw. Betrügen der Menschen bezüglich der „Abschaffung“ des Solis,
        die widerliche Untersuchungsausschuss-Komödie um Herrn Edathy,

        Das sind die Themenbereiche, die die Menschen bewegen und keine leider ritualisierten im Plural gehaltenen Fernsehansprachen. Die Vielzahl der Pegida-Protestler sind gegen die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft und sie beklagen deutlich die Themen, die ich beschrieben habe.

        Auf den Bundestag zu hoffen, ist vertane Zeit. Ich habe mir die letzten Debatten angehört und ich komme zu einem vernichtenden Urteil über diese nur mit sich selbst beschäftigte, selbst versorgende und abgehobene Gruppe. Es gibt im Bundestag ca. 630 Abgeordnete. Bei den Sitzungen sind lediglich max. 1/3 (eher weniger) der Abgeordneten anwesend. Von diesen anwesenden Abgeordneten sind wiederum 50% während den „Debatten“ mit Ihren Handy, Tablet und Smartphon beschäftigt. Dieses Phänomen greift auch auf die Regierungsbank über. Es hört kaum einer noch zu. Kürzlich gab es einen sehr interessanten Kameraschwenk, der dieses ständige Online-sein-müssen eindrucksvoll unter Beweis stellte.

        • Alexander Droste Antworten

          Danke, Herr Streubel,

          Ihre Anmerkung ist richtig und die Thesen sind mir nicht entgangen. Nur gefällt mir der Aufhänger, der Name der Bewegung nicht, suggeriert er doch, dass der Islam oder irgendwelche Einwanderer daran schuld sind, dass so einiges hier schief läuft. Aber ich bin gerne bereit, einen neuen Namen zu kreieren, wie z.B. Patriotische Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes. Bei denen würde ich auch mitgehen.

          Beste Grüße

          • Johannes Fritz

            Der Name „suggeriert“ lediglich, dass eine Islamisierung stattfindet, oder?

  2. Ursula Biermann Antworten

    Ich würde es so interpretieren: Ein großer Teil unserer Landsleute ist total „sauer“ auf den Weg, der von unserer Regierung beschritten wird, und ich könnte mir eine wesentlich größere Zahl derer, die sich dem Marsch der Pegida angeschlossen haben, vorstellen, wenn unsere Landsleute besser und tiefgreifender die Politik unserer Regierung analysieren könnten. Ohne gründlichen Durchblick darüber, was in unserem Lande Sache ist, ist die Bevölkerung total irritiert. Denn so dumm sind die Leute nun auch wieder nicht, dass sie nicht bemerkten, was sozial bei uns abläuft. Sie werden verunsichert und ängstlich, weil sie spüren, dass in ihren immer weiter ausgegrenzten Lebensumständen die Würmer sich mehr und mehr ausbreiten. Sie packt die Wut, gegen die sie keinen Weg erkennen können, sind aber nicht dazu „erzogen“, wie unsere Kanzlerin sich anmaßt zu behaupten, Proteste zu wagen. Alle diese Darstellungen der Unzumutbarkeit, die Herr Streubel so real aufgelistet hat, erspüren die Menschen zwar, gehen aber kein berechtigtes Wagnis ein.

    Und nun macht Pegida sich mausig – ich distanziere mich, dazu meine Ansicht zu erläutern – eine Gruppierung, die plötzlich alle Welt zum Zittern bringt. Und jetzt werden auch diejenigen munter, die ganz einfach n u r die Nase so voll haben, weil die Berliner Politik – ebenfalls n u r – zum Wohle ihrer eigenen Befindlichkeiten und finanzieller Abbrüche anderer Länder im Auge hat, während die Menschen selbst nicht mehr wissen, wie weiter kommen. DAS sollte uns beunruhigen! Es sollte unsere Regierung hellhörig machen, dass die braven Bürger anlässlich einer zufälligen Bewegung (Entschuldigung, mir fällt im Moment kein anderes Wort ein!) plötzlich total außer Rand und Band geraten. Pegida ist zwar eine blitzartige politische Erscheinung; das Anwachsen des Zulaufs könnte allerdings die Qualität eines Zündfunken haben.
    Also: Lasst das Licht an!

  3. Thorsten Antworten

    Moin,
    Nachdem ich viel gelesen und mich auch viel im Bekanntenkreis über diverse Misstände in unserem Land unterhalten habe, komme ich bei jedem Thema auf das gleiche Ergebnis. Egal ob Europa, Geldsystem, die Bunte Republik und auch den Islam.
    Mir als blöder Hauptschüler und Klempner geht mir mein selbstgestrickter 3-Punkte Plan nicht aus dem Kopf. Diese wären für mich die Eckpunkte die ich auf Demos verbreiten würde und die leider bei PEGIDA/HOGESA/AfD fehlen:
    1. Das Grundgesetz hat sein Zenit überschritten und die Deutschen müssen sich endlich eine Verfassung geben. Als Fundament und als demokratischer Rahmen sollten die 9 Gebote dienen (nicht 10, glauben kann man auch an Mickey Maus) gepaart als Gegenpendant die 7 Todsünden. Damit wäre unser Deutschland seit `45 zum ertsenmale wieder Souverän.
    2. Demokratie ist bekantlich nur ein Wort, wenn man es nicht lebt. Deshalb müsste eine Wahlpflicht eingeführt werden. Nicht nur das. Direktdemokratie nach dem Schweizer Vorbild. Und Steuergerechtigkeit nach dem Skandinavaschem Vorbild (direkte Steuern und verbindlichen Zwang die Steuern dort eizusetzten wofür sie erhoben wurden).
    3. Überdenken des Geldsystems und gerechte Steuerabgaben. Wer ist die Wirtschaft? Der Mittelstand kann es nicht sein und die „großen“ haben sich aus den meisten Soldarpakten rausgeklinkt.
    Wenn ich dann schaue wer wo/was/wen unterstützt um seine eigene Vorteile zu erhöhen, komme ich leider immer auf einen Nenner.
    Unsere Besatzungsmacht:
    Die Vereinigten Staaten von Amerika mit der Bankenmacht des Vereinigtem Königreiches von England.
    MfG

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