Auf einmal also „Heimbüro“

Fast bin ich heute Morgen zurückgeprallt, als ich die aktuellen dpa-Meldungen zum Start in den neuen Tag las. „Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie ist das Heimbüro zum weltweit verbreiteten Arbeitsplatz geworden…“

Heimbüro? Wat? Haben wir nicht jetzt verinnerlicht, dass das „Home-Office“ zu heißen hat? Und nun kommt ausgerechnet Deutschlands führende Nachrichtenagentur daher, die sonst bei Gender-Unsinn gern brav mitmacht, und schafft einen Anglizismus wieder ab?  Eindach so? Das kommt einer Revolution gleich, also im Rahmen des im deutschen Journalismus möglichen.

Ich finde es gut. Ich bin nicht gegen Anglizismen an sich, überhaupt nicht. Weil Laptop eleganter als Klapprechner und Cheeseburger in meinen Ohren einfach geschmeidiger als Käse-Frikadellen-Brötchen oder für unsere bayerischen Leser Fleischpflanzerl-in-der-Semmi-mit-Scheiblette klingt.

Aber Heimbüro statt Home Office, das kann, ja, das sollte man machen! Punkt für die dpa!

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Dieser Artikel wurde 18 mal kommentiert

  1. Romana de Lorenzo Antworten

    Hallo Herr Kelle,
    wahrscheinlich hat der dpa endlich jemand gesagt dass der Begriff „Home-Office“ in England mit „Innenministerium“ übersetzt wird.😉

  2. H.K. Antworten

    Bei manchen Begriffen sollte es bleiben, wie es ist.

    „Königin“ – das kann auch eine Weinkönigin ( Klöckner ? ) sein.

    „Queen“ – da gibt es nur eine. Und jeder weiß, wer gemeint ist.

  3. Wolfgang Heppelmann Antworten

    Gibt es nicht schon genug Fremdwörter in Deutschland, wie zB. „Ne halve Hahn“, oder das Röggelchen“ in Köln?
    Da nimmt man „Klapprechner“ doch eher wohlwollend in Kauf.

    Überhaupt sollte ein neuer Passus in das Grundgesetz aufgenommen werden. Etwa: DIE SPRACHE IN DEUTSCHLAND IST DEUTSCH.

    Um sowas sollten „wir“ uns einmal kümmern.

    • S v B Antworten

      Bei unseren direkten westlichen Nachbarn, die Franzosen, wurde das Thema Anglizismen traditionell meist sehr entschieden zugunsten der Landessprache behandelt. Zu Zeiten, als der noch recht junge Computer (den Physiklehrer Benner zumindest bis zum Ende meiner Schulzeit phonetisch stur mit Komputer, also mit „komm‘ Puter“, betitelte) weltweit auf Eroberungskurs war, wurde das neuartige Gerät in Frankreich weiterhin unbeirrt Ordinateur genannt. Ob dies bis heute noch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Durchaus vorstellbar, dass auch das so elegante Französische zwischenzeitlich vor der Weltsprache Englisch eingeknickt ist. Zumindest immer dann, wenn’s sich’s um Digitales handetn sollte.

    • S v B Antworten

      Das Wort Klapprechner scheint mir eine fast schon geniale Alternative zum Begriff des Laptop zu sein. Gerade auch, weil von Fachleuten davor gewarnt wird, den Klapprechner, also den Laptop(!), über längere Zeit auf dem Schoß zu lagern. Zudem klingt Klapprechner – zumindest für meine (deutschen) Ohren – gar nicht mal so schlecht. Irgendwie… zackig.

  4. Achim Koester Antworten

    Na ja, vor hundert Jahren (?) gab es schon einmal Versuche, bestimmte Fremdwörter einzudeutschen, mit recht mäßigem Erfolg (zu Recht). Ich erinnere mich da an den „Gesichtserker“ (die Nase) oder den „Knallzündtreibling“ (Verbrennungsmotor), ziemlich blödsinnige Begriffe, oder?
    Allerdings sind manche Anglizismen nicht weniger blödsinnig, denn es gibt entsprechende deutsche Begriffe, die nicht an den Haaren herbeigezogen sind, z.B vermeide ich das Wort „Event“ und verwende „Veranstaltung“. Am schlimmsten sind Verballhornungen wie „gedownloaded“, da sträuben sich mir sämtliche Haare,
    „Do you speak English?“ – „See I so out?“

    • S v B Antworten

      Die Frage, mit der Ihr Kommentar endet, lieber Achim Koester, dürfte manchen vielleicht an ein ehemaliges deutsches Staatsoberhaupt erinnern, dessen Englisch angeblich auch so einiges zu wünschen übrig gelassen haben soll… Sollten auch Sie sich noch erinnern können, attestiere ich Ihnen gerne, dass Sie noch „heavy on the wire“ sind.

      PS: Den Ausdruck Heimbüro finde ich gar nicht mal so daneben. Warum machen wir nicht mal einen Anfang – so wie Sie in Ihrem Kommentar -, Begriffe wie „Event“ wieder der deutschen Sprache zurück zu geben – als Veranstaltung eben. Schwierig dürfte solches mitunter beispielsweise im Medizinischen fallen. Im medizinischen Dialog bedeutet der Begriff „Event“ nämlich oft gar nichts Gutes, nicht selten sogar etwas akut Lebensbedrohliches. Hier würde sich, ganz spontan, vielleicht das Wort „Vorfall“ als Ersatz anbieten. Demnach ist also auch immer dann ein gerüttelt Maß an Sachverstand und Feinsinn vonnöten, wenn’s um sprachliche Rückführungen von Anglizismen ins Deutsche gehen sollte. Dennoch könnte man ja mal ganz unverbindlich damit anfangen…

  5. Wolfgang Heppelmann Antworten

    Ich möchte daran erinnern, daß der heute so geliebte „Komputer“ eine Erfindung aus Deutschland war. Damals nannte man ihn „Rechner“, oder seiner raumfüllenden Größe wegen, „Großrechner“. Der Erfinder hieß Konrad Zuse. Er endwickelte den ersten brauchbaren und programmierbaren Rechner ab 1934 bis 1941. Warum das Ding nun Computer heißen soll, ist mir schleierhaft.

    In vielen Sprachen gibt es die „Autobahn“ und andere deutsche Ausdrücke, deren zugrunde liegende Erfindungen von Deutschen Stammen. Wir brauchen das allgemeine englische Weltgetöse nicht. Ein wenig Selbstbewußtsein und Stolz über eigene Leistungen kann eigendlich nicht schaden.

    Diese Anbiederung wie etwa bei dem Worte „Handy“, das einer etwas dümmlichen und peinlichen Vereglischung und eine Anbiederung an den vermeintlichen Weltgeist darstellt, wird von englisch sprechenden Menschen zu Heiterkeit führen, wie „Heimarbeit“, die man hier „Innenministerium“ nennt.

    Wir Deutsche machen uns damit nur lächerlich!

    • H.K. Antworten

      „ Ein wenig Selbstbewußtsein und Stolz über eigene Leistungen kann eigendlich nicht schaden.“

      NEIN, Herr Heppelmann !

      WIR sind doch die „Bösen“ ! Wie könnten wir da auf irgend etwas stolz sein ?!

      ( Abgesehen davon: Inzwischen können wir doch nichts mehr – GAR nichts … ).

    • H.K. Antworten

      Ach ja:

      „Handy“ sagt m.W. weder in „England“ noch in Amerika auch nur irgend jemand.

      Da heißen diese Sklavenbeaufsichtigungsgeräte wohl „Mo-Beil“ …

      • S v B Antworten

        … oder auch schon mal cell (phone)… . Obwohl’s ja nicht ganz daneben wäre, wenn das Handy auch im angelsächsischen Sprachraum als solches bezeichnet würde. Das wär‘ dann zwar ein Adjektiv, würde übersetzt handlich oder auch praktisch bedeuten, aber die heutigen Dinger, bis auf ihre Größe und ihr Gewicht vielleicht (hahaha), einigermaßen treffend beschreiben.

        • H.K. Antworten

          Auch damit können wir wohl alle leben.

          Origineller wird es dann mit eingedeutschten Anglizismen.

          „Teenagerin“, „Show-Starin“, „Managerin“, „Coachin“ und ähnliche intelligente Wortschöpfungen z.B.

    • S v B Antworten

      Konrad Zuse, … der Onkel eines lieben verstorbenen Freundes. Freilich war Letzterer schon sehr stolz auf seinen genialen Onkel; allerdings sprach der Neffe selbst stets vom Computer.

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