Mark Reckless heißt der zweite Unterhaus-Abgeordnete der europafeindlichen United Kingdom Independence Party, kurz Ukip, der am Donnerstag den Wahlkreis Rochester/Strood für sich gewinnen könnte. In Großbritannien bahnt sich eine Entwicklung an, wie sie zuvor schon andere EU-Länder – auch Deutschland mit der AfD – erlebt haben. Wenn die etablierten Parteien nicht mehr darauf reagieren, was ihre Wähler umtreibt, suchen die sich eine neue politische Heimat. Auch in Großbritannien hat alles mit der Euro-Krise begonnen, doch der Vertrauensbruch geht tiefer. Wie in Deutschland sind viele Briten besorgt über eine in Teilen gescheiterte Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen, vornehmlich aus dem islamischen Kulturkreis. Auch in England sind viele Menschen die zunehmenden Eingriffe des Staates zum Zwecke der Volkserziehung leid. Und Ukip macht sich zum Fürsprecher etwa der Pub-Wirte, die unter übertriebenen Nichtraucher-Reglementierungen stöhnen. Die Parteiensysteme verändern sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Waren es in der Vergangenheit eher linke Strömungen wie die grünen Parteien, so ist nun in vielen Ländern ein Strom aus der Mitte nach rechts unübersehbar. Alle, die jetzt lamentieren und betroffen sind, sollten sich klarmachen, dass sie selbst, ihre Ignoranz gegenüber den Sorgen der kleinen Leute, aber auch der Leistungsträger, die Ursache für das Erstarken konservativer und rechter Parteien sind. Großbritanniens Premier Cameron warnte jetzt öffentlich, weitere Wahlerfolge der Ukip würden die linke Labour Party zurück an die Macht bringen. Der gleiche tragische Fehler, der auch anderswo gemacht wurde. Man reagiert nicht politisch, man bietet keine Lösungsvorschläge für die drängenden Probleme an, sondern man agiert funktional, mit Angst, es könne alles noch schlimmer werden. Ich bin überzeugt, das wird nicht mehr reichen. Nur eine klare Neujustierung untauglicher Politikansätze kann das Vertrauen eines beträchtlichen Teils der Wählerschaft wieder herstellen. Sonst erleben wir in diesen Monaten erst den Anfang einer radikalen Kräfteverschiebung in den westlichen Ländern.

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Dieser Artikel wurde 3 mal kommentiert

  1. Fritz-Diederich Plette Antworten

    Hallo Herr Kelle,
    Ihre Kommentare treffen immer die brennenden Themen unserer Zeit und finden meine uneingeschränkte Zustimmung.
    Ich hoffe, dass der Ruck nach rechts in ganz Europa so gewaltig wird, dass die etablierten Politiker gezwungen werden, ihr verantwortungsloses Handeln zu überdenken. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich nichts dagegen hätte, wenn die Britten als Ergebnis des Referendums über ihren Verbleib in der EU ( leider erst ) 2017 (?) aus der Gemeinschaft austreten würden. Unsere Politiker sind dermaßen ignorant, dass der Schuss vor den Bug nicht groß genug sein kann.
    Wie gut, dass wir die AfD in Deutschland haben. Diese Partei hat eine historische Aufgabe und ich hoffe sehr, dass sie dieser Aufgabe voll und ganz gerecht wird.

    Mit besten Grüßen
    Fritz-Diederich Plette

  2. H. Urbahn Antworten

    Die einzige Strategie, die unseren Politikern insbesondere in Deutschland einfällt, ist das dämonieren der neu auftretenden Parteien. Selber haben sie nur das Weiterso zu bieten.

  3. St.Ex Antworten

    Nun, die etablierten Parteien müssen sich nicht nur nicht wundern, wenn ihnen ihre Stammwähler abhanden kommen, sondern Sie sind es schuld wenn dadurch Parteien an die Macht kommen, die, ob links oder rechts den Staat in den Abgrund fahren. Sie haben doch zugesehen und nichts unternommen oder sogar gemeinsame Sache mit den Kamikazepiloten gemacht.

    Wenn ich die Reaktionen der öffentlichen Stellen auf die Vorkommnisse unter den Asylanten im Alexianer in Neuss lese bekomme ich einen dicken Hals. Wenn wir es nicht schaffen unter den Asylbewerbern die Spreu vom Weizen zu trennen, dann sollten wir ganz die Finger davon lassen. Es passt mir schlicht und einfach nicht, dass die Leute, die ich beherberge und mit Unterhalt und Aufenthalt in Vorleistung trete, das die mir zum Dank auch noch in den Hintern treten.
    Insofern wundere ich mich, dass wir in unserem Staat immer noch hübsch artig ja und Amen sagen.

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