Das Debattenportal „The European“ im Internet ist eine wunderbare Erfindung. Der freie Austausch von Meinungen wird dort seit langer Zeit kultiviert, jede gut begründete Meinung findet hier ein Forum. Genau das, was eine demokratische Gesellschaft an dauerndem Diskurs braucht. Lange Zeit ging das alles sehr gut, so dass ich mich ernsthaft frage, was auf diesem Weg schiefgegangen sein muss, dass plötzlich eine Meike Büttner dort auftaucht. Die einzige Erklärung, die ich finde, ist, dass sie beherzt die Chance ergriffen hat, als der Redakteur vom Dienst gerade in der Mittagspause und der Zugriff auf den Server ungeschützt war.
Unter der Überschrift „Jörg Thadeusz hat sie alle gehabt“ dilletiert sie da über die Frage, wie es nur sein kann, dass der öffentlich-rechtliche RBB im Rahmen der ARD-Toleranzwoche auch Interviews mit Thilo Sarazzin, Akif Pirinci und Birgit Kelle geführt und gesendet hat. Wirklich schlimm, die von uns allen bezahlten Sender lassen einfach Menschen zu Wort kommen, deren Veröffentlichungen jeweils ein vieltausendköpfiges Publikum gefunden und breiteste Diskussionen in der Bevölkerung hervorgerufen haben. Im Fall von Birgit Kelle empfinde ich es als besonders ärgerlich, weil ich mit ihr glücklichst verwandt bin.
Frau Büttner, eine Autorin, die im Portal für freie Debatten fordert, andersdenkende Autoren aus der Debatte in den öffentlich-rechtlichen Medien auszuschließen. Auf so etwas muss man erst einmal kommen. Wahrscheinlich hat sie in der Schule gefehlt, als über unser Grundgesetz und die freie Meinungsäußerung gesprochen wurde. Möglicherweise kennt sie auch die deutsche Geschichte nicht so recht. Hatten wir ja früher schon einmal, dass unliebsame Meinungen verbannt wurden. Raus aus den Zeitungen, raus aus den Sendern, und wer immer noch keine Ruhe gab, ab ins Lager. Fräulein Büttner erscheint mir wie ein spätes Exemplar dieser Spezies, die jede Diktatur unbedingt benötigt, um das jeweilige Staatsvolk ruhig zu halten.
Nun ist natürlich auch ihre demokratiefeindliche Haltung in einer freien Gesellschaft erlaubt, wenngleich ihr Schreibversuch besser in die „Pjöngjang Times“ passen würde, als zu einem Magazin für freie Debatten. Aber dass sie die drei Autoren auch noch als „Hass-Prediger“ bezeichnet, ist dann doch ein bisschen arg doof. Als „Hass Prediger“ bezeichnet man gemeinhin islamistische Aufwiegler, die zum Dschihad aufrufen, zum Töten und Köpfen von Ungläubigen. Das auf diese drei Autoren zu beziehen, ist nichts als die schmierige Beleidigung von einer Autorin, deren Texte mangels intellektuellem Tiefgang sonst keine größere Beachtung finden. Zur Erinnerung: Birgit Kelle kämpft für das Recht von Frauen, selbst über ihr Leben zu entscheiden. Sie engagiert sich dafür, dass unser Staat ein Gesellschaftsmodell – die traditionelle Familie nämlich – bei der Förderung nicht aus den Augen verliert. 80 Prozent der Kinder in Deutschland leben bei ihren verheirateten Eltern. Und wer daran erinnert, ist für Frau Büttner „Hass-Prediger“. In welch einer Matrix, in welch einer Umnachtung muss ein Mensch leben, der dermaßen hilflos auf sachliche Argumente Andersdenkender reagiert? Sie kann einem leidtun.
Ich werde nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Ich werde sie nicht als „Nazi-Meike“ oder einfach „dusselige Kuh“ bezeichnen, weil es sich nicht gehört, so über Menschen zu sprechen, die man nicht persönlich kennt. Aber ich erlaube mir, nachfolgend eine Videoaufzeichnung von einem Vortrag zu empfehlen, den Birgit Kelle jüngst in Wien gehalten hat. Da kann sich jeder selbst ein Bild machen, was für die feine Frau Büttner eine „Hass-Predigt“ ist.

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Dieser Artikel wurde 7 mal kommentiert

  1. Markus Fuchs Antworten

    Unter dem Deckmäntelchen von Meinungsfreiheit und Toleranz gerieren sich die Blockwarte der veröffentlichten (nicht öffentlichen) Meinung wie Vertreter der Reichsschrifttumskammer, die bestimmen wollen, wer öffentlich zu Wort kommt und wer nicht!

    Frau Büttner wäre mit Ihrer Einstellung in jeder Diktatur (ob braun oder rot) bestens aufgehoben.
    Kann es sein, dass die Dame mit dem Konzept der Meinungsfreiheit überfordert ist?

    Ist ja auch schön einfach: Wenn man mit Andersdenkenden gar nicht mehr spricht, muss man auch seine Argumente nicht mehr auf den Prüfstand stellen!

    Meinungsfreiheit als Grundlage der Demokratie, liebe Frau Büttner, setzt fundamental den Respekt vor der Meinung des Andersdenkenden voraus! Es steht keiner Gruppe zu, sich über das Gesetz zu stellen und als Gesinnungswächter eigene Standards zur gesellschaftlichen Norm zu erheben.

  2. Arnulf Knieriem Antworten

    Weiter so!
    Ein ganz kleiner Hinweis: Sehr gute Argumente und Informationen bekommt man aus dem Buch „Die globale sexuelle Revolution“ von Gabriele Kuby,; auch wenn sie von einer sehr religiösen Überzeugzung her argumentiert, mindert dies dennoch nicht die Qualität ihrer Argumente. Ich selber bin Atheist, aber das hindert mich nicht, dieses festzustellen. Auch das Buch „Genug gegendert“ von Tomas Kubelik gibt sehr viel her. Sehr viel hat mir auch das Buch „Das unbeschriebene Blatt“ von Steven Pinker gegeben.
    Mit freundlichem Gruß
    Arnulf Knieriem

  3. Klaus Kelle Antworten

    Das Buch von Gabriele Kuby kenne ich, zweifellos ein Standardwerk zur Thematik, aber – wie sie schon schreiben – eher etwas für religiöse Feinschmecker.

  4. Klaus Kelle Antworten

    Im Diskussionsforum des „European“ hat sich Frau Büttner heute selbst zu Wort gemeldet:

    „Wer sich hier geärgert hat, dass Frau Kelle in meinem Text als „Hasspredigerin“ bezeichnet
    wurde, ist damit natürlich völlig im Recht. Sie hat in dieser Reihe nichts verloren. Es tut mir leid,
    dass ich diesen Fehler gemacht habe und ich bitte um Entschuldigung für diese Unüberlegtheit.
    Reuevoll, Meike Büttner.“

    Das ist honorig und verdient Anerkennung. Bei meiner grundsätzlichen Kritik bleibe ich. In einem freien Land dürfen nicht nur Volker Beck und Sarah Wagenknecht in den Medien ein Forum für ihre bisweilen seltsamen Ansichten in Anspruch nehmen, sondern selbstverständlich auch Akif Pirinci und Thilo Sarazzin. Freiheit ist IMMER die Freiheit des Andersdenkenden. Das unterscheidet Deutschland und die anderen westlichen Länder von den unfreien.

  5. Thelse Schliebs Antworten

    Lieber Herr Kelle,
    ich melde mich erst jetzt zu Wort, weil ich der Sache nichts hinzuzufügen habe, Sie haben alles gesagt. Ihre flammende Philippika zur Ehrenrettung Ihrer Frau hat mich wahnsinnig gefreut. Durch Ihre zutiefst emotionale Argumentation haben Sie Ihren Lesern einmal mehr deutlich gemacht, dass Sie sich nicht nur der Sache, sondern auch dem Menschsein verpflichtet fühlen. Und das ist etwas, was wir bei unseren Politikern weitgehend vermissen, gar nicht zu reden davon, dass eine gewisse Spezies sich nur der Parteilinie und nicht einmal der Sache verpflichtet sieht.
    Eine kleine Randbemerkung: Mit Ihrer Frau sind Sie sicherlich seelenverwandt, aber – Gott sei Dank! – nicht verwandt, sonst gäb’s womöglich Komplikationen (-:.
    Alles Gute für Herrn und Frau Kelle!
    Thelse Schliebs

  6. Helmut Schliebs Antworten

    Sehr geehrter Herr Kelle, gerade habe ich das Video gesehen (Vortrag Ihrer Frau in Wien). Beeindruckend, wirklich beeindrucken.
    Ich gratuliere Ihnen zu dieser Frau! Davon brauchen wir viel, viel mehr!
    Sie hat diese Versuche, die Familie zu zerstören durch finanzielle Taktiken, so deutlich dargelegt, dass sich alle Politiker schämen müssten, die hier eine falsche Richtung vorgeben wollen.
    Weiter so; alles Gute und viel Erfolg!
    Helmut Schliebs

  7. St.Ex Antworten

    Was kommt wenn die Familie geht – nun, dann marschieren sie wieder, entweder bei den Jungen Pionieren oder bei der HJ, je nachdem ob die Vordenker links oder rechts sind, aber marschieren tun sie auf jeden Fall.

    Die Rolle von Frau Büttner ist klar, sie übernimmt dann das Wahrheitsministerium („Miniwahr“ – Orwell läßt grüßen).

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