Es gibt Sachen, die kann man sich gar nicht ausdenken, aber sie passieren wirklich.

Die evangelische Versöhnungskirche in Oldenburg schafft den Gottesdienst am Sonntag ab. Gebet und Segen sind out, stattdessen will der Gemeinde-Kirchenrat künftig sonntags um 18 Uhr Diskussionen veranstalten mit Politikern und Gästen aus Gesellschaft und Kultur.

Kein Witz!

Den meisten meiner Leser hier wissen selbstverstndlich, um was es beim Christsein geht, wie wichtig der Glaube auch heute für Millionen Menschen in Deutschland und für Milliarden auf der Welt als Ordnungsrahmen ist. Die Kirche lehrt – meistens jedenfalls – was richtig oder falsch ist, sie gibt Halt in Krisen des Lebens, sie pflegt liebgewonnene Traditionen, die zu unserem Alltag selbstverständlich dazu gehören.

Zugegeben, in einer Wohlstandsgesellschaft wie der deutschen meinen viele, den Glauben und die Kirche nicht mehr zu benötigen. Es gibt ja Rente und Krankenversicherung. Und dennoch weiß jeder, der glaubt, dass es in jedem Leben auch Trauer, Verzweiflung, Mutlosigkeit gibt, wo man sich plötzlich wieder erinnert, dass es da möglicherweise noch etwas anderes gibt… Auch solche, die längst ausgetreten sind aus der Amtskirche, weil sie sich über ihren Pastor geärgert haben oder einfach Kirchensteuer sparen wollen.

Die evangelische Amtskirche schafft sich mit solchen Aktionen endgültig ab – ganz anders als Freikirchler und Evangelikale, die das Feuer des Glaubens längst in die Zukunft tragen. Auch mit dem regelmäßigen Gottesdienst.

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Dieser Artikel wurde 13 mal kommentiert

  1. Helmut Zilliken Antworten

    Schon als kleiner (katholischer) Junge und Meßdiener fand ich die Evangelen reichlich unsakral und höllisch liberal. Die Entwicklung bis heute hin ist somit nur folgerichtig. Noch liberale und weniger sakral.

  2. Hans-Joachim Leyh Antworten

    Da kann man nur Rufen Hallo ihr gläubigen Menschen von Oldenburg gestaltet doch Kirche von unten!
    Macht euren Gottesdienst doch selber. Das Herrenhuter Losungsbüchle gibt duch den Predigttext vor und wenn der Pastor euch nicht in die Kirche Läst dann macht den Gottesdiens vor der Kirche.
    Und irgendwo in der Satzung muss ja stehen wie man einen Gemeinderat abwählen kann.
    Kirche von unten!

  3. ALP Antworten

    Eine Gemeinde mit einer neuen Idee. Kein Gottesdienst, sondern Gemeindeaustausch – oder doch nur politische Indoktrination? Wenn kaum noch Mitglieder dieser Gemeinde Sonntags morgens den Weg zur Kirche finden, müssen neue Möglichkeiten gefunden werden. Andere Uhrzeit, ein neues Format – und für einen Segen und ein Gebet besteht hier auch eine Chance – sozusagen der Austausch mit Gott. Das ist für einen gläubigen Christen vielleicht ganz furchtbar, aber ich weiss, das in vielen Gemeinden der Pastor jeden ’normalen‘ Sonntag vor weniger als 10 Leuten tritt, um den Gottesdienst abzuhalten. Damit zerfällt jede glaubens-Gemeinschaft.

  4. Markus S. Antworten

    Nur weil es diese Dinge gibt muss man die noch lange nicht nachmachen…
    Eine Kirche(ngemeinde) deren Mittelpunkt nicht Gott / Jesus Christus ist, mit der kann ich nichts anfangen… und viele andere auch nicht… diese Vereine werden irgendwann von alleine eingehen.

  5. Wolfgang Heppelmann Antworten

    „Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“

    Soweit ein Auszug aus der 2. Barmer Erklärung von 1934. Die Hauptaugabe der Pfarrer ist die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus, -(Von der Kanzel)- wie es uns in der Heiligen Schrift und in den Bekenntnissen der Reformation neu an’s Licht getreten ist und der Sakramente. Das ist die Aufgabe der Pfarrer der EV. Kirche. Wenn die Amtskirche dieser Aufgabe nicht nachkommt, ist sie überflüssig. Die Predigt ist ein zentraler und notwendiger Teil dieses Bekenntnisses, auch, wenn die Gemeinde nur aus einem Gläubigen besteht.

    Aber es gibt in den Reihen der Pfarrer einige, die zu noch höheren Erkenntnissen gelangt sind. Mutter Gottes war gestern, jetzt steigt das Greta auf, sitzend zur Linken Gottes, denn zur Rechen, und Namit bei den Nazis, sitzt immer noch Jesus und muß langsam um seine Berufsbezeichnung fürchten, denn wenn es so weitergeht, geht sein Titel bald an das Heilige Greta, das dann „Greta Christine“ genannt werden Muß.

    Leider kann ich so manchen Prediger verstehen, der erleben muß, was vor ihm schom ein gewisser König erleben mußte: „Sehet, dort läuft mein Volk, ich muß ihm nach, ich bin sein Führer“. -Aber auch für Pfarrer und deren übergeordnete Berufsgläubige gilt: „Die ersten werden die letzten sein“. das sollten die eiligen Heiligen auch beherzigen. Neue Moden werde sehr schnell durch noch neuere ersetzt, denn sie sind Flüchtigun ohne Bestand und Inhalt.

  6. S v B Antworten

    Sind Sie ganz sicher, lieber Herr Kelle, dass Sie sich nicht vertippt haben? Die Bezeichnung Versöhnungskirche muss irrtümlich erfolgt sein. In Anbetracht eines so sinnvollen Entschlusses wie der kompletten Abschaffung des Gottesdienstes scheint mir die Bezeichnung Verhöhnungskirche auf jeden Fall treffender. Ja, Evangelische Verhöhnungskirche. So muss es heißen.

  7. Stefan Schmidt Antworten

    Ich bin ja selbst schuld ihren Blog vor dem ersten Kaffee zu lesen. -.-
    Kirche die aufgibt Kirche zu sein.

    Vielleicht aber auch nicht schlecht….die evangelische Kirche in Deutschland hat sich sowieso anders entwickelt, als die frühen Reformatoren sich das gedacht hatten.
    Es ergab sich schnell eine Verflechtung von politischer Ordnung und Kirche.
    Landesherrliches Kirchenregiment.
    Das besteht zwar heute nicht mehr, aber die Prägung wirkt bis heute nach.

    Vielleicht wird es erstmal noch schlimmer werden, aber eventuell steht am Ende die Hoffnung, dass sich die evangelische Kirche in Deutschland neu aufstellen kann, vielleicht so wie sich das die frühen Reformatoren gedacht haben.
    Lutheraner z.B. sind weltweit einfach auch in Bistümern organisiert, siehe hier vor allem die skandinavischen Kirchen.

  8. Alexander Droste Antworten

    Als überzeugter aber nicht frommer Christ, evangelisch getauft, kämpfe ich um meine Kirche. Ich desertiere nicht und zahle Kirchensteuer, weil mir etwas an der Botschaft Christi liegt. Ich bin hier zuhause und verwurzelt.
    Zwar gehe ich nicht regelmäßig in einen Gottesdienst, weil jeder Tag und jede Handlung am Mensch und an der Schöpfung Gottesdienst ist. Nicht der altertümliche Ritus und die „Jesus-hat-euch-alle-lieb“ -Predigt, die etwas für Kinder und Einfältige ist, ist meine Gläubigkeit, sondern Wahrheit, Aufrichtigkeit, Dienst am Nächsten (es wird nicht gefordert alle Menschen zu lieben und den Fremden mehr als den Nachbarn!), Zuversicht, dass mit dem Tod das Leben noch lange nicht zu ende ist, das ist mein Glaube und das ist der immer wiederkehrende Tenor in Jesus auftreten. Ich gehe in den Gottesdienst um mich zu vergewissern, ob mein Zuhause noch mein Zuhause ist, und ja, da sammelt sich der Dreck in den Ecken. Jetzt gerade einmal in den linken.

    Ich kämpfe um meine Kirche indem ich protestiere gegen die Anbiederung an den Mainstream, die Vereinnahmung durch sozialistische Gängelei, gegen Bigotterie und Heuchelei. Und ich gebe zu, dass mir ausgerechnet der Islam dazu Aufwind gibt. Denn Heuchelei ist einer der Hauptthemen im Koran. Hier gibt es außer Abschreckendem auch eine Menge durchaus Wahres (Mohammed war übrigens ein großer Jesusverehrer als einen der größten Propheten).

    Ja, ich nutze das Angebot auch unseres Pfarrers, der den „Männerkreis“ einberufen hat um über gesellschaftliche Phänomene zu diskutieren und auch über Literatur zum Thema. Dafür bin ich dankbar. Einen entsprechenden „Frauenkreis“ betreibt seine Ehegattin, ihres Teiches zweite Pastorin in unserer Gemeinde (geteilte Stelle). Meine Anwürfe an die EKD werden angenommen und diskutiert. Unser Pfarrer geht damit konform und kämpft seinerseits für die Wahrhaftigkeit.

    Je mehr die Kirche desertiert wird von Menschen, die sich gegen die Tendenzen sträuben, desto schwächer wird sie natürlich. Das ist das Hauptproblem. Man kann Missstände nicht beheben, indem man wegläuft. Damit wachsen die Missstände, weil sie keinen Widerstand mehr erfahren. Genauso, wie im „richtigen“ Leben. So ergeht es allem und wir erleben es überdeutlich. Der Misstand erobert die Welt, weil er keinen Widerstand erfährt. Individualismus und Selbstliebe (Hedonismus und Narzissmus) sind eben nicht immer trumpf. Dieser Kampf gegen die üblen Tendenzen ist meine Christenpflicht. Deswegen bin ich noch da.

    • Klaus Kelle Antworten

      „Ich gehe in den Gottesdienst um mich zu vergewissern, ob mein Zuhause noch mein Zuhause ist, und ja, da sammelt sich der Dreck in den Ecken. Jetzt gerade einmal in den linken.“

      Alexander, für mich schon jetzt Dein Forums-Beitrag des Jahres 20ß20. Große Klasse!

    • Alexander Droste Antworten

      Vielen Dank, Klaus, für die Lorbeeren. Ich bin viel zu bescheiden um mir diesen Kranz aufzusetzen, weil ich doch die Notwendigkeit ganz allgemein sehe. Ja, die Kirchen machen sich selbst überflüssig, wenn sie ihre Kernkompetenz verlässt.
      Nachfolgend ein Auszug aus meiner Diskussion mit meiner Gemeinde. Die Diskussion entzündete sich an einem Aufsatz über die Kirche als Bettvorleger der Antifa, verfasst von einem Pastor. Den habe ich bei Vera Lengsfeld gefunden. Ihr vorangegangen war ein Aufsatz von Dir, lieber Klaus, über Vulven malen am Kirchentag. Diesen Workshop und auch die Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei hatte ich damals auch schon scharf kritisiert – auch hier im Blog zu lesen.

      Eine Bemerkung unseres Pastors: „inzwischen hat sich ja deutschlandweit herumgesprochen, dass die Gesprächslage sowohl von rechts als auch von links nichts Demokratisches mehr hat. (U.a. der Fall Lucke in Hamburg und Herr Maaßen in Hannover?, die auch beide niedergeschrien wurden) Was das Grundsatzprogramm der AfD angeht, so habe ich mir die knapp 100 Seiten auch mal durchgelesen und bin der Meinung, dass das nicht allzuweit von vielen CSU Positionen entfernt ist. Das Problem der AfD ist aber nicht ihr Grundsatzprogramm, sondern ihr öffentliches, nicht schriftliches, sondern mündliches Auftreten in Gestalt von Herrn Höcke auf Plätzen, Märkten und sozialen Medien.“
      Und mündlich: „Gott liebt die Sünder aber nicht die Sünde. Von daher gebe ich dir Recht.“

      Kritik ist ja angebracht. Mich stört es aber eklatant, dass man den linken Gesinnungsterror völlig ignoriert oder gar befeuert. Und wenn das die Kirche tut, dann schmerzt mich das.

      Das ist mein Handschuh, den ich den Kirchenoberen hinwerfe:

      Diskutant M.: „… Aber möchtest Du der Kirche zugunsten der AfD den Mund verbieten? Kommen da nicht Erinnerungen hoch?“

      Ich: „Wie kommst Du, M. , eigentlich darauf, dass ich der Kirche den Mund verbieten will? Kann ich sowieso nicht. Es ist nun mal nicht ihre Kernkompetenz, sich mit der Politik gemein zu machen. Solches ist in Hinblick auf unsere Geschichte auch zu bedenken. Da hat sie sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Ich erinnere mal an Jesus: Jesus und die Ehebrecherin, Jesus und der Zöllner, Jesus und die Steuern …, klingelt´s?
      Wendet Euch denen zu, die Ihr verachtet. Vielleicht trügt ja der Schein. „Liebet eure Feinde.“ „Vergeltet nicht Böses mit Bösem.“ Da sind Menschen, die irren. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Und so weiter. Wenn Kirche linksgrüne Partei sein will, dann ist sie nicht meine Kirche. Genauso wenig, wenn sie schwarz oder braun sein will. Die Wahrheit soll sie sein, unbequem, wahrhaftig, liebevoll, gerecht. So, das zur Kernkompetenz eines Christen.“

  9. colorado 07 Antworten

    „Skandale in der Kirche ( auch die Umwidmung oder Ersetzung von Gottesdiensten ) dürfen für uns kein Anlass sein, die Kirche zu verlassen, denn die Kirche verlassen heißt Christus verlassen, dessen mystischer Leib sie ist“ ( Tolkien )

  10. Jens P. Antworten

    Es wird Zeit, dass die Kirchensteuer nicht mehr durch den Staat eingezogen wird, sondern die Kirchen sich selbst um die Beiträge kümmern muss. Die Kirche ist wie der öffentliche Rundfunk, egal was sie machen, die Gelder fließen, sofern man nicht Austritt.
    Ohne die staatliche Kirchensteuer sind die Kirchen wieder mehr angewiesen, auf alle Gemeindemitglieder zuzugehen. Vielleicht merken sie ja dann, wieweit sich die Funktionärskaste von den Mitgliedern entfernt hat.

  11. Rainer Ostendorf Antworten

    Nicht nur der Glauben kann Trost in schweren Zeiten geben. Die Philosophie kann es auch. „Die Philosophie schenkte mir die Fertigkeit, jeder Wendung des Schicksals gegenüberzutreten.“ Diogenes von Sinope
    Schöne Grüsse aus Osnabrück

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