GASTSPIEL PHILIPP FELS: Die Politik trägt die Schuld an der Misere der deutschen Bauern

„Wir müssen …“, „wir können …“ „sehe uns alle in der Pflicht …“ – zum Auftakt der „Grünen Woche“ in Berlin hat Julia Klöckner (CDU) eine exemplarische Rede gehalten. Exemplarisch, weil sie so typisch politisch war, also unverbindlich und wenig konkret. Immerhin: Die Landwirtschaftsministerin scheint inzwischen erkannt zu haben, dass ihr Hinhalten der Bauern, die ungehobelte Verweigerung der Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und eine sture Kanzlerin, sehr viel Resignation und Wut schüren. Deshalb hielt sie sich zumindest beim Rundgang öffentlich mit Forderungen gegenüber den Landwirten bedeckt und verteilte ihre Ermahnungen gleichermaßen auch auf die Verbraucher und den Handel.

Das könnte man als positive Entwicklung bewerten. Zwar mahnte Klöckner die Verbraucher, für die geforderte und gelieferte Qualität höhere Preise zu zahlen, zwar rügte sie die oft rüden Methoden des Lebensmittelgroßhandels gegenüber den Landwirten, die oft kaum Herstellungspreise erzielen können, aber auf das Kernproblem ging sie nicht ein: Die Politik. Denn hier liegt, spätestens seit Ende des Zweiten Weltkrieges, grotßteils Verantwortung für die heute oft öffentlichkeitswirksam beklagten und der Verantwortung der Bauern zugeschobenen Zustände in der Landwirtschaft.

Die Konditionierung der Deutschen beim Einkauf von Lebensmitteln, war politisch gesteuert und gewollt. Die Menschen im Nachkriegsdeutschland sollten möglichst wenig Geld fürs Essen ausgeben müssen. Und so wurden Subventionen an die Landwirtschaft bezahlt, damit diese ihre Erzeugnisse billig in den Handel geben konnte. Das Land sollte flächendeckend eine bäuerliche Struktur aufweisen, um im Krisen- oder Kriegsfall eine Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sicherstellen zu können. Auch dafür wurden bäuerliche Unternehmen vom Staat gestützt, die am Markt nicht zu halten gewesen wären. Der Handel gewöhnte sich daran, dass die Bauern „ihre Ernte“ bereits zum Teil „vom Staat“ bezahlt bekamen. Und die Verbraucher durchschauen bis heute nicht, dass sie ihre „günstigen“ Lebensmittel im Voraus mitfinanzieren: über Steuern, die in Subventionen oder Direktzahlungen an die Bauern gehen.

Ein geldgesteuertes System ruft Abhängigkeiten und ein Anspruchsdenken des Gebers gegenüber dem Nehmer hervor. Der Ärger der Landwirte über die Abhängigkeit vom Staat wuchs mit jeder weiteren Einschränkung ihrer unternehmerischen Freiheit. Die Bauernverbände haben dennoch bis heute kaum andere Ideen, als von der Politik zu fordern, die erdrückende Auflagenlast der Landwirtschaft mit weiteren „Schmerzensgeldern“ zu kompensieren. Doch irgendwann reicht es auch dem Leidensfähigsten: Weder Geld aus Brüssel noch aus Berlin kann noch aufwiegen, was man Bauern seitens der Politik heute abverlangt: Abgesehen von ständig strenger werdenden Regelungen wie z. B. die scharfe Begrenzung der Ausbringung von Pflanzennahrung in Form von Gülle und Dünger und die Pflicht zum Anlegen von Blühstreifen, gibt es immer striktere Vorschriften in der Tierhaltung, die massive Um- oder Neubauten der Ställe notwendig machen. Mit Geld ist das nicht mehr zu kompensieren.

Das Überleben der heimischen Bauern haben Bundesregierung und EU darüber hinaus gerade mit dem fatalen MERCOSUR-Handelsabkommen weiter in Frage gestellt: Dieser Vertrag mit den Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay öffnet den Markt für billig produzierte landwirtschaftliche Produkte, die nicht nach europäischen, geschweige denn nach deutschen Qualitätsstandards produziert werden: So werden in Übersee noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die hier in Deutschland seit Jahren streng verboten sind. In der Tiermast werden Stoffe eingesetzt wie unter anderem der Wachstumsförderer „Ractopamin“, die hier nicht erlaubt sind. Die Lebensbedingungen der Rinder sind teils erbärmlich und würden in Deutschland zur sofortigen Schließung des Betriebes führen. Dennoch überschwemmen derart hergestellte Produkte künftig wohl den europäischen und deutschen Markt. Sie werden hier wegen ihrer billigen Preise auch Abnehmer finden. Zumindest einem Teil der regionalen Landwirtschaft kann MERCOSUR das Genick brechen. Diese Verantwortung der Politik vergaß Julia Klöckner zu erwähnen. Ist ja auch komplex.

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Dieser Artikel wurde 19 mal kommentiert

  1. colorado 07 Antworten

    Ist ja auch komplex. Für manchen führenden Politiker wohl zu komplex.
    Dazu kommt aber auch meiner Meinung nach die “Geiselnahme” der Regierung durch NGOs.

  2. GJ Antworten

    Ja, das ist schon komplex. Es sagt sich so leicht daher, der Verbraucher solle bitteschön mehr für Lebensmittel zahlen. Das kann man sagen, wenn man selbst soviel Geld zur Verfügung hat, dass man immer reichlich über hat. Wenn Frau Klöckner eine Wohnung vermietet, dann hat sie sicher kein Problem damit, wenn der Mieter ihr sagt, dass er von seinem Lohn ab sofort weniger an Miete zahlen wird, weil er mehr für Lebensmittel ausgeben will. Ein anderer Punkt ist die grüne Umerziehung weg vom Fleisch, hin zu vegan. Wo kommen denn die Grundstoffe für vegane Lebensmittel her? Vom Bauern aus der Region? Wüsste nicht, dass der Soja anbaut oder Avocados.

  3. Friedrich Pape Antworten

    Bauern sollen und möchten Unternehmer sein und zwischen welche Mühlsteine sie durch Prämienzahlungen geraten sind kann nur begreifen wer vor 1990 schon eigenständig denken konnte. Es benötigt in Deutschland mehr Vertrauen in fachliche Arbeit unter allen Gesellschaftsschichten. Die berufliche und private Spezialisierung erzeugt sonst Unverständnis, weil die Zusammenhänge einzelner Themen zu komplex geworden sind, und selbst Infos in den neuen Medien schwirren wo man nicht sicher ist: Sieht das wirklich so aus??
    Medien recherchieren nur noch wenig, kaufen Infos von Nachrichtenagenturen oder folgen Meinungen der bei ihnen Anzeigen schaltenden NGOs. Diese schüren Ängste weil sie Spenden benötigen.
    NGOs und Interessenverbände sind nötig, doch sollten sie nicht im politischen Tagesgeschäft verwoben sein!
    Parteimitglieder fühlen sich gut ihren Kandidaten zujubeln zu können, wo sie gerade auch intern diese immer wieder zurechtweisen sollten. Dadurch hat Politik abgehoben, alla DDR u.ä. Staaten.
    Wissen Minister um Arbeitnehmer, Unternehmer, Bauern, Beamte, Arbeitslose, Rentner, Sozial Bedürftige ihres Faches wirklich? Weiß man es in den Parteien?
    Vertrauen heißt nicht unbedingt mit Wissen zu überzeugen. Vorleben, zeigen, ins Gespräch kommen, Ideologien über Bort werfen, sich öffnen und eigenen Verstand gebrauchen, damit es endlich wieder um Sachergebnisse und nicht nur um Statistiken geht. Diese bestimmen heute für den politischen Kurs.

  4. HB Antworten

    Noch nie gab es knapp acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten zu ernähren. Noch nie wurden in unseren Breiten die Menschen so alt und noch nie wurden so viele Lebensmittel weggeworfen, wie heute. Aber die Bauern sind schuld an unserer Vergiftung und der unserer Heimat!
    Ich kann es nicht mehr hören und bewundere den Mut unserer Bauern. Endlich ein Verband, der kollektiv auf die Straße geht! Ich wünsche Euch viel Erfolg!

  5. Konrad Kugler Antworten

    Es ist etwa 60 Jahre her. Der BR brachte täglich von 11:15 bis 12:00 Uhr den Landfunk. Ein Dr. Geiersberger redete den (damals) Bauern zu, sie müßten sich spezialisieren. Das war das Schlagwort. Jetzt haben wir Landwirte!!!
    Und die haben Konkurrenz. Das unterbesiedelte Neuseeland, SA, Argentinien, USA und so weiter drücken mit ihren Produkten auf den hiesigen Markt. Der Handel ramscht weltweit zusammen.
    Am Weihnachten Spargel aus Peru, grüne Bohnen aus Senegal, Trauben aus Indien, Pitahaya aus Vietnam, Heidelbeeren, Himbeeren alles per Luftfracht. Sucht einmal alle Angebote heraus, die wöchentlich per Prospekt offeriert werden. Ich habe selbst eine Luftfracht von 4,75 Tonnen aus Hongkong am Münchner Flughafen gesehen: billigste Salz- und Pfefferstreuer mit Schnappdeckel.
    Mit Agrarprodukten werden technische Exporte bezahlt.
    Vera Lengsfeld hat den Brief eines Landwirts aus nördliche Gefilden veröffentlicht.
    Der geht etwas ins Detail. Wie soll ein Stall mit hunderten Rindern vom Besitzer persönlich unter Aufsicht gehalten werden bezüglich des Zustandes der Tiere?.
    Das ist bei Weitem nicht alles, was angesprochen werden müßte.

    Es muß auch ein weiterer Punkt angesprochen werden. Wozu braucht man 40 % Abiturienten? Von denen die Hälfte unfähig ist. (Vortrag bei Bonelli). Sollen sie
    die Böswilligkeit der linken Menschenfeinde als Natur-, Umwelt- und Tierschützer in NGO´s und Verwaltung durchsetzen und Meßstationen für Luft und Grundwasser ideologisch “korrekt” platzieren?

    Das ist ein Bruchteil der Baustellen, nur angekratzt.

    • Werner Meier Antworten

      Sie erwähnen den “Öffentlich-Rechtlichen” Bayerischen Rundfunk, der wie mittlerweile alle bedeutenden Medien in Deutschland nur so vor Rot-Grün-Lastigkeit strotzt! Am Tag der Bauernproteste berichtete beispielsweise der Lokalsender “BR Heimat”, den man dem Namen nach für einen solchen halten könnte, dass beispielsweise (Stunden vor dem Beginn) “noch nicht so viele Bauern mit ihren Traktoren angekommen sind, wie offiziell angemeldet wurden.” Erinnerte irgendwie an die Ernennung Trumps zum US-Präsidenten, wo völlig unterschiedliche Zeiten verglichen wurden und Obama zum angeblich “beliebteren Präsidenten” erklärt wurde. Wenig später kam dann ein kurzer “Bericht”, der an Einseitigkeit nicht zu überbieten war! Da wurde keine einziger Interessenvertreter der Bauern befragt, sondern nur Vertreter von irgendelchen Wasserwerken, die über zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser klagten, die angeblich “allein” auf die “zu starke Düngung in der Landwirtschaft” zurückzuführen seien. Die Bauern forderten ein dichteres Netz am Meßstellen, um den Ursachen besser auf den Grund gehen zu können, was die Wasserwerke aber als angeblich “sinnlos” ablehnten. Das hat mich irgendwie an die Klimadebatte erinnert, wo man einfach Behauptungen aufstellt, die wissenschaftlich überhaupt nicht eindeutig erwiesen sind. Anschließend nörgelte der BR-Moderator, der von Landwirtschaft überhaupt keine Ahnung hat, an den Bauernprotesten herum und meinte, die neue Düngeverordnung sei schließlich “nicht zum Spaß” erlassen worden! Apropos “Spaß”: der ist mir seit einigen Monaten an den ÖR-Agitprop-Programmen vergangen, v.a. seit den jüngsten Entgleisungen mit der “Umweltsau-Oma” und Ähnlichem. Die GEZ bzw. der Rundfunkbeitrag wurde nicht eingeführt, um Propaganda zu finanzieren, sondern für sachliche und ausgewogenen Information, damit sich der Wähler ein eigenes Bild machen kann. Deswegen beteilige ich mich nun am GEZ-Boykott und hoffe, dass diesem linken “Volkserzieher”-Filz bald das Handwerk gelegt wird. https://www.steinhoefel.com/2019/12/neujahrsgruesse-an-den-beitragsservice-zahlungen-einstellen.html

      • Konrad Kugler Antworten

        Das war damals!
        Ich nutze schon seit Jahren weder Radio noch Fernsehen. Es gab Zeiten, da kam die für mich wichtigste Sendung des Jahres aus Mainz und machte Freude. Auch die ist mir vergangen.

        Der Dauerauftrag ist gelöscht. Jetzt wird gezögert, verschleppt usw.

        • Konrad Kugler Antworten

          Ein kleiner Traum: 100000 Zahlungsverpflichtete stornieren zum 5. Februar
          die Einzugsermächtigung . Dann fehlen zwar nur gute 5 Millionen, aber der Schock dürfte wirken.

  6. Wolfgang Heppelmann Antworten

    Auch in der Landwirtschaft wird das heutige Deutschland der ehemaligen DDR immer ähnlicher. Die kapitalistische und die sozialistische Wirtschaft, obwohl im Ansatz völlig verschieden, bewirken ähnliche Folgen. Eine DDR- LPG und ihr LPG- Vorsitzender ist für mich nichts anderes, als der letzte verbliebene Großbauer, der seine ehemaligen Berufskollegen am Ort verdrängt und deren Äcker aufgekauft oder zugepachtet hat. Die ehemaligen Kleinbauern im ort, befinden sich in der gleichen Lage, wie die ehemaligen Kleinbauern der LPG’s. Sie leisten Hand- und Spanndienste beim Großbauern.

    Auch ich glaube, daß von den Bundesdeutschen LPG- Großbauern Gefahren für die Umwelt, das Grundwasser und die Artenviefalt ausgeht. Aber die Verursacher sind sie nicht die wenigen verbliebenen Großbauern. Unter dem Vorwand, bäuerliche Betriebe fördern zu wollen, hat die Deutsch-Europäische Landwirtschaftspolitik ausschließlich Großstrukturen wie Massentierhaltung gefördert. Darüberhinaus wurden die Betriebe in völlige Abhängigkeit von Saatgut-, Düngemittel und Giftmischerfirmen wie zB. Monsanto gedrängt und das nicht nur in Europa. Das waren nicht die Bauern. Das war die Lobbyismusgesteuerte Deutsche- und Europäische Politik.

    Der ständige Schweinegyllegestank kommt nicht von den Äckern, sondern aus dem Bundestag und aus dem Europaparlament und die Grundwasservergiftung auch!!!

  7. Felix Becker Antworten

    Die Bauern wurden zum Opfer der Konsumpolitik gemacht (amerikan Way of Life)! Lebensmittel sollten billig, um Konsumartikel und -leistungen erschwinglich zu machen. Jetzt meinen satte, verwöhnte Konsumbürger aus städtischen Ballungszentren, die z.B. nie auf ein Wetterrisiko achten mußten oder im Stall gearbeitet haben den Bauern sagen zu müssen, was diese denn endlich richtig machen müssen. Am Wochenende nutzen sie dann die schöne deutsche Landschaft und lassen manchmal sogar ihren Konsummüll dort liegen. Damit unsere Konsumwirtschaft mehr exportieren kann, ermöglicht unsere Politik zudem landwirtschaftliche Produkte, die oft extrem umweltfeindlich hergestellt wurden auf unseren Markt zu importieren. Hoffentlich wehren unsere Bauern sich jetzt endlich immer deutlicher. Keine Scheu vor massivem Protest am besten noch intensiver als die Gelbwesten! Und Klagerechte hat unsere Politik NGOs gegeben!

  8. Querdenker Antworten

    Heute ernährt ein Landwirt ca. 130 Menschen, vor 100 Jahren waren es nur 4 und selbst vor 50 Jahren gerade einmal 10 Menschen. Wesentliche Voraussetzungen für diese Steigerung waren die zunehmende Spezialisierung und das Wachstum der Betriebe. Diese Fakten müssten der Politik bekannt sein. Es müsste ihnen auch bewusst sein, dass es bei explodierender Weltbevölkerung kein Zurück gibt. Unverantwortlich wird es wenn grün/linke Rattenfänger von einer Agrarwende schwadronieren und damit ein zurück zu bäuerlichen Kleinbetriebe meinen. Am schlimmsten ist es, wenn den Rattenfängern und Träumern aus Feigheit vor dem Konflikt nicht widersprochen wird. Tägliche neue Appelle der Politik und eine mediale Gehirnwäsche sind ja auch viel bequemer. Die schweigende Mehrheit möge aufstehen und ihre Stimme zur Rettung des vermurksten Systems erheben. Es ist immer das gleiche Prinzip, das Regime hat sich in die Sackgasse manövriert und nun soll die Bevölkerung durch ihr Verhalten die vermurkste Situation irgendwie retten. Heute zahlen wir angeblich zu wenig für unsere Lebensmittel. Aber ein Kotelett aus dem Großschlachthof wird qualitativ nicht automatisch besser, wenn ein Fleischverkäufer es mit seinen Händen betatscht und im Papier eingepackt über die Theke reicht. Wenn heute ein Landwirt 130 Menschen ernährt, dann finanzieren die 130 Konsumenten im Umkehrschluss einen Landwirten. Wenn kleinere ökologische Betrieben bedeuten, dass die Quote bei 1:65 liegt, dann ist das mindestens eine Verdopplung der Erzeugerpreise. Ob diese Lebensmittel dann ihren Preis wert sind, ist sehr zweifelhaft. Unsere Lebensmittel müssen preiswert sein, wörtlich „den Preis wert sein“, das ist das einzige überzeugende Kaufkriterium und keine dummen Politikerphrasen. Es ist ein Lichtblick, das dass tägliche „wir müssen … wir können … sehe uns in der Pflicht …“-Bla-bla als eine unnötige Umweltbelastung durch vermeidbare Geräusche empfunden wird.

    • Alexander Droste Antworten

      Wo haben Sie denn diese erstaunlichen Zahlen her?

      Das Höfesterben trägt sicherlich nicht dazu bei 130 Menschen zu ernähren und auch nicht zur Qualitätssteigerung der Produkte.

      Marktwirtschaft funktioniert so: Viele Betriebe wetteifern um den besten Preis für die beste Ware. Bei der EU-Planwirtschaft ist weder das Eine noch das Andere wichtig. Deswegen bedarf es dann einer neuen Behörde: Das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz.

      Die Biolandwirtschaft ernährt vielleicht nur 120 anstatt 130 Menschen, die dann eventuell etwas umsichtiger mit den Lebensmitteln umgehen. Die Qualität der Erzeugnisse sind vielleicht optisch nicht so “schön”, aber sie sind ganz sicher nicht schlechter. Sie sind noch nicht einmal wesentlich teurer. Den Preis macht der Supermarkt, nicht der Bauer.

  9. Charismatiker343 Antworten

    Wir brauchen eine Misch-Politik. Die Politik sollte teilweise rechtskonservativ sein, teilweise öko-konservativ. Eine christlich-konservative Haltung ist wichtig. Zudem muss die christliche Mystik gefördert werden. Es sollte eine Regierungskoalition aus Bündnis C und ÖDP geben. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

    • Alexander Droste Antworten

      So etwas Ähnliches gab es ja zwischen 1950 und 2015. Nannte sich soziale Marktwirtschaft. Jetzt wurden die Redaktionen und alle politischen Institutionen von rot-grünen “Weltverbesserern” gekapert. Die daraus resultierende Gesinnungsdiktatur macht aus einem Erfolgsmodell BRD eine planwirtschaftliche DDR 2.0 mit allem was uns als liberal konservative bis hin zur patriotischen Gesellschaft ausmachte. Sie haben es bereits schwer beschädigt, weil seltsamer weise eine scheinbare Mehrheit genau diesen Trend wählt oder zumindest duldet.

      Man lese und staune: Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine zweite Amtszeit von Bundespräsident Steinmeier. Der Obersozialist, der Empfehlungen für linksextremistische Bands ausspricht, die gewaltverherrlichende verfassungsfeindliche Texte herausbrüllen.
      Es ist auch noch völlig offen, wer die Nachfolge der rotgrünen Bundeskanzlerin anstrebt. Es wird mit Sicherheit keine konservative Person sein. Denn alle relevanten Parteien jenseits der AfD sind inzwischen rot-rot-grün. Und diese einzige Partei wird ganz offensichtlich mit antidemokratischen Methoden bekämpft. Die Antifa ist deren gewaltbereiter Arm, die SS sozusagen. Sie wird nicht nur geduldet, obwohl sie eindeutig terroristische Züge hat, es wird sich mit ihr auf ganzer Breite des Spektrums jenseits der AfD mit ihr gegen sie verbrüdert. Das ist eindeutig totalitär. Aber der deutschen Gesellschaft gefällt das. Sie machen fast alle mit (im Bundesdeutschen Durchschnitt gefühlt 90%). Wir sind also nicht mehr Demokratie, definitiv.

      Die Bauern sind die Basis der Gesellschaft. Sie sind die Ernährer der Weltbevölkerung (natürlich nicht nur die deutschen Bauern). Aber mit ihnen geht man am schlechtesten um. Sie zerstören (meistens) nicht freiwillig die Natur.

  10. aha Antworten

    Das Problem ist heute, dass durch die Technisierung der einzelne Bauer immer mehr Fläche/Tiere bewirtschaften kann. So müssen immer mehr Bauern hinausgedrängt werden. Das ist ein ähnlicher Effekt wie bei der Erfindung des automatischen Webstuhls.
    Die Technisierung hat ja auch ihre Vorteile. So misst, bspw, ein Melkroboter neben der Milchmenge auch die Temperatur und die Leitfähigkeit der Milch. Daraus kann man dann, früher als ehemals, Schlüsse über den Gesundheitsstatus der ableiten.

    Die Bauern sollten diese Daten( und ein paar neue) nutzen um eine neue Milchqualität zu entwickeln.

    Ob die neuen gesetzlich geplanten Vorgaben sinnvoll sind ist aber schon zu bezweifeln.
    Für das größte gesundheitliche Problem bei den Lebensmitteln halte ich momentan die Pflanzenzüchtung. Ausgehend von dem Buch “Weizenwampe” weiß ich auch von Problemen mit neuen Sorten bei Äpfeln und Tomaten.

    In der Richtung wird aber aus der Bio-Richtung nichts kommen. Wenn nämlich die Biobauern besonders gesunde Sorten anbauen um nicht spritzen zu müssen, dann ist nur die Pflanze gesund. Im Verzehr werden solche Sorten eher bedenklich sein, da dort “giftig” wirkende Substanzen gleich in die Pflanzen hineingezüchtet werden.
    Wenn wir heute überall “Ohne Gentechnik” drauf schreiben, dann schließen wir sorgfältig geprüfte Sorten aus. Statt dessen essen wir Sorten die mittels Mutagenese giftig gezüchtet wurden. Die Biobauern sollen ihre angebauten Sorten erst mal so sorgfältig prüfen wie Monsanto das macht, bevor sie gesunde Lebensmittel verkaufen wollen.

  11. Wolfgang Heppelmann Antworten

    @ aha,

    “Das Problem ist heute, dass durch die Technisierung der einzelne Bauer immer mehr Fläche/Tiere bewirtschaften kann……..Die Technisierung hat ja auch ihre Vorteile….

    Ja, das mag so sein. Diese Technik zerstört aber auch die Böden. Gewaltige Maschinen pressen alles Bodenleben aus den Äckern und das Regenwasser sickert kaum noch ein. In der Folge trocknen die Felder kaum noch ab. Das überschüssige Regenwasser schwemmt dann die feineren Sedimente zusammen mit Gülle, Düngemitteln und Pflanzenscutzmitteln in die Gräben, Flüsse und Seen usw. Das wiederum erzeugt die allgegenwärtige Algenblüte, mit den bekannten Folgen für die Tiere in den Gewässern und für die die Badegäste an den Ständen.

    Es wäre besser für das Land, wenn die Industrie sich nicht der Äcker bemächtigt hätte. Gegen Soja- und Palmölkonzerne kann Deutschland nicht konkorieren, das ist aussichtslos. auch die neuerdings gesteigerte Schweineproduktion für China wird, wenn sich die dortige Schweineproduktion nach der Schweinepest wieder erholt hat, verkleinert werden müssen. Die Folge wird ein neues Höfesterben nach sich ziehen. Deutschland sollte in kleineren Höfen, mit wenigerbodenschädlichen Maschinen, ausschließlich Qualitätsprodukte herstellen und keine Billige Massenware.

    • Alexander Droste Antworten

      Hallo Herr Heppelmann,

      die von Ihnen angesprochenen Probleme sind bereits seit mindestens 50 Jahren bekannt und bewusst. Es ist einerseits ein Problem der globalisierten Weltwirtschaft, andererseits eine Frage des Konsumverhaltens. Weil immer mehr Menschen die Probleme erkennen, bevorzugen sie regionale Produkte und schauen auf Produktionsmethoden. Viele sind auch bereit, für eine nachhaltige und naturverträgliche Landwirtschaft mehr zu bezahlen. Die industrielle Landwirtschaft erfährt dadurch eine Korrektur. Und es muss noch mehr passieren, weil die modernen Pflanzenschutzmittel in ihrer Kombination verheerende Wirkungen haben. Das ist aber noch nicht hinlänglich bekannt.
      Die Landmaschinen sind inzwischen so, dass sie kaum strukturelle Schäden anrichten. Die Bodenpflege mit Humusanreicherung muss der Düngung mit Gülle oder Düngesalzen vorgezogen werden. Die Gülleverklappung muss generell verboten werden, sie schadet mehr als sie nützt. Gülle sollte besser für die Energiegewinnung genutzt werden. Das haben viele Bauern auch schon erkannt und haben ein eigenes Biogaskraftwerk. Die Gülle wird in unwürdigen Massenzuchtbetrieben erzeugt und ist mit Antibiotika verseucht. Diese Zuchtmethode muss ohnehin gründlichst hinterfragt werden – weltweit.

      Mit diesen Beispielen möchte ich dokumentieren, dass es eine positive Entwicklung gibt. Aber mit dem ständigen Eingreifen unserer Planwirtschaftlichen EU-Diktatur und der Gängelei in der deutschen Politik, werden die Bemühungen extrem erschwert.

      • Wolfgang Heppelmann Antworten

        Hallo, Herr Droste, nichts für ungut,

        so weit liegen wir garnicht auseiander. Aber das mit den leichteren Maschinen und der geringeren Bodenverdichtung lasse ich Ihnen nicht durchgehen. Mitnichten wird das Bodenleben heute geschont.

        Vor vielen Jahren, zu DDR- Zeiten, bin ich häufig zwischen Güstrow und Teterow hin- und hergefahren. Etwa auf halber Strecke liegt Lalendorf. Das Dorf liegt etwas abseits der Landesstraße 104. Vor dem Beginn der Industriealisierten LPG- Landwirtschaft, gab es dort Tiefbraune Ackerkrume. Das konnte man nach dem Pflügen in dem schmalen Ackerstreifen zwischen Dorf und Landstraße, der weiter auch zu DDR- Zeiten Bäuerlich genutzt wurde, sehr schön sehen. Der LPG- Acker auf der anderen Seite der 104, der Jahrzehntelang von der LPG genutzt wurde, mit schweren Maschinen, Dünger und Pflanzenschutzmitteln traktiert, war darüber zu hellem Sand verkommen. Die Böden waren schon damals derart verdichtet, daß schon in den 70-gern darüber nachgedacht wurde, die Ackerflächen mit Bodenmeißeln bis zu 2 m. tief aufzureißen, um die Verdichtung zu reduzieren. Das führte zu heftigen Reaktionen der Bodendenkmalplege und wurde dann nicht durchgeführt. Die heutigen Maschinen sind noch ungleich schwerer.

        Glauben Sie mir, Herr Droste; seit etwa meinem 10. Lebensjahr beobachte ich sehr genau die Ackerflächen meiner jeweiligen Umgebung, denn ich betreibe etwa seit 1960 Freizetarcheologie. Die Zerstörung der Böden macht nicht bei den Bodenlebewesen halt. Die in der Erde liegenden archäologischen Altertümer werden ebenfals zerquetscht und totgedüngt; vorallem die metallenen Altertümer, die seit der Broncezeit dort eingelagert sind. Früher haben die Bauern ihre Ackerfurchen regelhaft konzentrisch um Hügel herumgezogen, um das Abschwemmen der Böden zu verhindern. Das geht mit Großgeräten heute nicht mehr. Darum schwimmt die Ackerkrume heute sehr schnell den Berg herunter und die Hügelkuppen, auf denen früher oft Hügel- oder Großsteingräber lagen werden eifach weggepflügt, nachdem die meisten schon im 19. Jhd. dem Chausseebau zum Opfergefallen waren.

        Ist das der Fortschritt, den wir brauchen?

    • aha Antworten

      Das mit der Bodenverdichtung sind doch Ausnahmefälle bei Extremwetter oder Terminzwang. Wird durch die Dürre aber weiter reduziert werden.

      Die Dürre kommt von den Windrädern. Dazu empfehle ich nach Dr. Peter Adel auf achgut.de zu goockeln. Die Insekten verdursten oder können sich in der Hitze nicht vermehren. Wir verbieten deshalb Glyphosat.
      Wenn mehr bio gut für die Insekten wäre, müssten eigentlich schon Wirkungen erkennbar sein, denn die Zahl der Biobauern steigt ja rasant.

      Mist macht mehr Lachgas als Gülle und Mineraldünger.
      Beim Kompostieren entweicht auch viel Lachgas,
      Ebenso bei dem bei Bio beliebten Grünlandumbruch.

      Die Biobauern streuen ihren Tieren bevorzugt konventionelles gespritztes Kunstdüngerstroh von Glyphosatäckern. Da sind keine Unkrautsamen drin. Das sagt halt niemand.

      In einem Punkt gebe ich Höcke recht:
      Der Wahn in unserer Gesellschaft ist schlimmer als in der Nazi-Zeit.

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