Der größte Erfolg der AfD-Veranstaltung am Donnerstagabend in Dresden bleibt, dass sie überhaupt stattgefunden hat. Die Chefredakteure des ZDF und von ARD aktuell, Peter Frey und Kai Gniffke, wagten sich in die Höhle der Rechtspopulisten, zur AfD in Sachsen. Das hätten sie nicht tun müssen, aber sie wollten sich der Kritik auch dieser Gebührenzahler stellen, wohl wissend, dass sie hier wenig Zuneigung zu erwarten hatten.

Schön, dass ich als „Systemjournalist“, wie man das in diesen Kreisen so nennt, zusammen mit dem wunderbaren Kollegen Amdreas Lombard (CATO) ein Podium moderieren durfte, das mit den beiden Chefredakteuren und den wortmächtigen Publizisten Nicolaus Fest und Michael Klonovsky perfekt besetzt war.

Erwartungsgemäß fielen einige Medien in der Berichterstattung am nächsten Morgen aus der Rolle, so, als hätten sie ihre Texte schon geschrieben, bevor die Diskussion überhaupt begonnen hatte. Und ich frage mich – gestatten Sie mir die persönliche Anmerkung – wie es möglich ist, dass beim Intelligenzblatt des deutschen Bürgertums „Die Zeit“ eine Autorin namens Doreen Reinhard zwar die Veranstaltung runterschreiben darf, aber nicht einmal in der Lage ist, die Namen der Teilnehmer richtig zu schreiben. Mich nannte sie Michael Kelle und legte mir ein Zitat in den Mund, das tatsächlich von Niocolaus Fest stammte. Der Qualitätsjournalismus ist auch nicht mehr das, was er einmal war…

Gniffke und Frey machten ihre Sache gut. Natürlich kassierten sie Widerspruch und auch mal Gelächter, wenn sie behaupteten, Unvoreingenommenheit sei für ihre Redaktionen das oberste Prinzip. Aber es gab einen zivilisierten Dialog, bei dem das Publikum auch den beiden Staatsfunkern mehrfach Beifall und Respekt zollte, während die auch engagiert dagegenhielten und sogar – Gniffke zumindest – einräumten, dass es zu Fehleinschätzungen gekommen sei vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Und das man die Kritik ernst nehme und daraus lernen wolle.

Alles in allem ein gelungener Abend, vielleicht der zarte Beginn eines Dialogs zwischen AfD und Medien. Jedenfalls deutlich besser als die Kommentatoren und Geisterjäger, die sich empören, dass man überhaupt mit der größten Oppositionspartei im Bundestag zu sprechen wagt. Um Rupert und Lilly habe ich mir echt Sorgen gemacht, als ich ihre Postings nach der Veranstaltung in Dresden auf Facebook gelesen habe…

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Dieser Artikel wurde 9 mal kommentiert

  1. Franz Reinartz Antworten

    Als jemand, der versucht, sich die politischen Entwicklungen des Tages möglichst unvoreingenommen im ÖRR (phoenix – Der Tag) präsentieren zu lassen, komme ich aber nicht darum herum festzustellen, dass der Oppositionsführerin AfD auch bei phoenix nicht der entsprechende zeitliche Rahmen eingeräumt wird (ARD und ZDF lassen wir mal weg). Ich messe das natürlich nicht nach Sekunden. Aber mein Eindruck ist, dass die Oppositionsstatements der AfD – wenn überhaupt – voreingenommen auf Platz vier und am kürzesten kommen. Oppositionsführer scheint Hofreiter, gefolgt von DIE LINKE und der FDP zu sein.
    Da macht EINE Podiumsveranstaltung in DD, die im Internet – und da auch kaum hör- bzw. verstehbar – verfügbar ist und ansonsten beschwiegen wird, auch keinen Unterschied mehr.

  2. Ir. Ha. Antworten

    Sehr geehrter Herr Kelle, herzlichen Dank für Ihre Moderation am Donnerstag.
    Wohl auch hier gilt das abgewandelte Nietzsche-Zitat: „Alles Sehen ist perspektivisches Sehen“.
    Aus Ihrer Perspektive mögen die Herren Gniffke und Frey einen guten Job gemacht haben; aus meiner als Zuhörer einen denkbar schlechten.
    Ich fand diesen Theoriegrundkurs über freien und ausgewogenen Journalismus, den man doch betreiben würde, wirklich schwer erträglich.
    Mit Verlaub Herr Kelle, haben Sie oder die Herren Frey und Gniffke eigentlich eine Vorstellung davon, wer da in Ihrem Publikum saß? Kann es sein, dass Sie Opfer Ihrer eigenen Vorurteile bezüglich der Zusammensetzung der Sächsischen AFD geworden sind?
    Dresden ist nicht Düsseldorf. Gebildete hier erkennt man nicht an Rolex oder Maßanzug. Ich darf Ihnen versichern, es waren viele davon da: Doktoren der Mathematik, Physik, Chemie … Ingenieure, Ärzte, Architekten.
    Diese Menschen sind gebildet aber bodenständig, in der Regel exzellent informiert von der Tagespresse bis zum cicero.
    Die große Diskrepanz zwischen journalistischem Anspruch und Realität der ÖR ist diesem Publikum nur all zu gut bekannt.

    Zwei Beispiele aus Sachsen:
    1. Bautzen – der Brand im Husarenhof: die Ursache bis heute nicht sicher geklärt. Insider hatten schon früh den Verdacht, es könne sich auch um Versicherungsbetrug handeln. Dennoch haben Presse und Politik eine ganze Stadt unter Generalverdacht gestellt und moralisch vorverurteilt.

    2. Pegida: Jeder, der mutig genug war, sich ein eigenes Bild von den Spaziergängern zu machen, hat sehen müssen, dass es sich beim weit überwiegenden Teil um Otto- Normalbürger gehandelt hat. Spätestens nach der ersten Studie von Prof. Patzelt in 2015 hätten sich Presse und Politik revidieren müssen: weit über 90% der Pegidianer hat man zu Unrecht als Fremdenfeinde und Rassisten verunglimpft.

    Das bleibt bei den Menschen nicht ohne Folgen. Dann kommen die Herren Gniffke und Frey und haben außer Plattitüden nichts im Angebot.

    Es war die Presse höchstselbst, die Vertrauen beim Bürger verspielt hat.
    Der Auftritt von Gniffke und Frey in Dresden war bestenfalls mutig; er war weder ehrlich noch glaubhaft. Auf dem seichten Debattenniveau dieser beiden Herren wird sich verloren gegangenes Vetrauen wohl nicht zurückgewinnen lassen.

    Von Ihnen, sehr geehrter Herr Kelle, würde ich mir wünschen, dass auch Sie Ihre Wortwahl überdenken. Sie betiteln auch mich hier als Rechtspopulisten, dabei kennen Sie mich doch dar nicht.

    • Klaus Kelle Antworten

      Liebe Ir.Ha.,

      ja, ich weiß genau, welches Publikum dort saß, und wie Sie sicher in meinem heutigen Text gelesen haben, fühle ich mich in Sachsen und Thüringen auch persönlich sehr wohl.

      Herr Gniffke von der ARD hat in seinen Beiträgen mehrfach Fehleinschätzungen seiner Redaktion – etwa bei Trump – ausdrücklich eingeräumt. Nach der Veranstaltung mischte er sich mit einem Bier in der Hand unter die Leute und diskutierte engagiert und kontrovers mit seinen Kritikern weiter. Was erwarten Sie denn mehr an so einem ersten Abend? Und Rechtspopulist? So werde ich selbst jeden Tag geschmäht – und ich lache darüber…

      Beste Grüße, Klaus Kelle

      • IrHa Antworten

        Vielen Dank für Ihre Antwort Herr Kelle. Womöglich hat das Entspannungsbier bei Herrn Gniffke ein Nachdenken angeregt. Bei Herrn Frey ist eher das Gegenteil eingetreten. Man lese seinen Beitrag in der Zeit: „Hämisch, empfindlich – und hungrig“.
        Genau diese Arroganz und Distanz der journalischen und politischen Eliten zu den Leistungsträger unserer Gesellschaft sind es, die eine Gefahr für unsere Demokratie darstellen – die AFD ist es nicht.
        Herzliche Grüße.

  3. Dorothea Hohner Antworten

    Sehr geehrter Herr Kelle,

    Qualitätsjournalismus ist tot….töter geht es nicht mehr….Ausnahmen bestätigen jede Regel, Sie sind eine solche!!!

    Orthographie , Namensgedächtnis….das sind Dinge, die man anscheinend nicht mehr braucht….die Frau Schmierenschreiberling/In handelte danach!!

    • HB Antworten

      Wenn ich noch ergänzen darf: historischer Hintergrund und Zusammenhang. Da kommt dann von einem halbgaren Regierungssprecher des Außenministeriums nur die lapidare Antwort: „Sein Geschichtsunterricht liegt schon länger zurück!“

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