Lehnen wir uns mal einen Moment zurück und schließen die Augen! Lassen wir alles bei Seite: die Polterei des neuen Präsidenten Trump gegen die Medien, den peinlichen ersten Auftritt des White House-Sprechers und das Gezanke über die Teilnehmerzahlen der Amtseinführung. Lassen Sie uns mal einen kleinen Augenblick wieder über Politik nachdenken.

Donald Trump hat klare Ansagen gemacht: Amerika zuerst! Wer sein Unternehmen außer Land verlegt und Arbeitsplätze in den USA abbaut, muss künftig mit schmerzhaften Strafzöllen rechen, wenn er in den Vereinigten Staaten seine Produkte verkaufen will. Das sind ungewohnte Töne in Zeiten von Globalisierung und offenen Grenzen. Aber ist es deshalb falsch? Nur weil wir es nicht mehr gewohnt sind? Weil Trump eine deutlich andere Sprache spricht, als die US-Präsidenten vor ihm?

Amerika zuerst! Das ist nicht nur eine Drohung für Europa und damit auch für Deutschland. Das ist das Denken eines Unternehmers. Und so etwas ist erst einmal nicht schlecht, zumindest für seine eigenen Leute, seine Wähler.

Statt zu Jammern und Wehzuklagen kann Trumps Vorgehen auch ein Weckruf sein für uns im alten und im neuen Europa. Er hat doch recht, wenn er uns als träge und wenig innovativ ansieht. Klar bauen Deutsche immer noch die besten Autos der Welt, sind globale Marktführer in vielen Nischenbereichen. Aber Innovation, Kreativität? Da spielt die Musik immer noch deutlich und wachsend zuerst in Kalifornien und nicht auf unserem Kontinent.

Wir sollten die Herausforderung annehmen. Wenn der neue US-Präsident erst einmal nur an sein Land denken will, dann ist das eine Chance für uns. Europa und seine souveränen Staaten können auch was, wir müssen uns nur auf die eigene Kraft besinnen. Zu lange haben wir es uns gemütlich eingerichtet, übrigens auch bei der Verteidigung. Warum müssen 300 Millionen Amerikaner 500 Millionen Europäer schützen – vor wem auch immer? Warum kümmern wir uns nicht selbst darum, dass unsere Armeen wieder leistungsfähiger werden? Dass wir Marine-Hubschrauber produzieren, die auch über großen Wasserflächen noch funktionieren…

Donald Trump ist eine Herausforderung vor allem für die Staaten Europas. Vielleicht kitzelt er uns bewusst, provoziert und und fordert uns heraus, um unsere eigene Leistungsfähigkeit neu zu wecken.

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Tina Hansen Antworten

    Vorweg: Ich mag Donald Trump überhaupt nicht und konnte auch den zurückhaltend-positiven Kommentaren in diesem Blog deshalb nie zustimmen. Ein Mann, der Behinderte beleidigt, sich sexueller Übergriffe rühmt und über die Eltern eines gefallenen Soldaten herzieht, ist in meinen Augen charakterlich nicht in der Lage, das höchste Amt in den Vereinigten Staaten auszuüben. Allerdings: Dies hatte ich nicht zu entscheiden, und ich respektiere selbstverständlich das Votum der US-Wähler. Das Volk hat gesprochen, Punkt.
    Was nun diesen Beitrag angeht, so kann ich Ihnen, lieber Herr Kelle, nur zustimmen, insbesondere auch, was die Frage der Verteidigung betrifft. Wir hatten uns so schön daran gewöhnt, dass die USA uns schon schützen, egal was passiert. Und dass wir sie dafür beschimpfen dürfen, wenn wir Lust dazu haben. Wenn wir uns jetzt einmal mit der Frage auseinandersetzen müssen, als Europäer, v.a. aber auch das Deutsche, was wir selber für unsere Verteidigungsbereitschaft tun können, sollen und müssen, dann kann das ein sehr positiver Impuls sein. Marine-Hubschrauber, die auch über Wasser fliegen können, wären ein Beginn.

  2. Helga Antworten

    „Vielleicht kitzelt er uns bewusst, provoziert und und fordert uns heraus, um unsere eigene Leistungsfähigkeit neu zu wecken.“

    Ihr Wort in Gottes Ohr. Ich glaube ja eher, dass sich die echten „Leister“ eher in Richtung Donald verabschieden werden. Ein Land , in dem man sich solche Profecs leistet , die solche genialen weltmarkttauglichen Produkte entwickeln, wie:

    „Ich verstehe mich als entzweigendernd. Das heißt: ich verstehe mich weder als Mann noch als Frau und lebe auch nicht als Frau oder Mann. Dies lebe ich auch darüber, dass ich neue Sprachformen für mich wähle. Diese fordern die Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit heraus. Momentan benutze ich die Endung –ecs und das Pronomen ecs als Bezugnahme 3. Person Singular.
    Ecs steht für Exit Gender, das Verlassen von Zweigeschlechtlichkeit. Diese Formen haben Lio Oppenländer und ich zusammen uns ausgedacht.
    Ein Beispielsatz: „Lann liebt es mit anderen zu diskutieren. Ecs lädt häufig dazu ein, einen Roman zu besprechen. Lann ist Lesecs von vielen Romanen.“
    Die Endung kann an den Stamm von Personenbezeichnungen angehängt werden: Schreibecs, Schwimmecs, Musikecs. Die Form drückt aus, dass die Person, die so bezeichnet wird, sich als entzweigendernd versteht, als nicht weiblich oder männlich. Die Form ist identisch in allen Fällen. Ein Beispielsatz: „Lann und ecs Freundecs haben ecs Rad bunt angestrichen.“

    hat die Staffel schon längst an intelligentere Lebensformen abgegeben, die die Stufe Schreibecs , Schwimmecs und Musikecs kräfteschonend umgehen.

    Die Hysterie-Weltmeister wären gut beraten mal über Hillary Clinton , der sie ganz offensichtlich nachtrauern, nachzudenken.

  3. colorado 07 Antworten

    Demokratie ist auch dazu da, eingelassene Geleise verlassen zu können. Amerikas Demokratie funktioniert noch, wie die Trump-Wahl beweist. Und Amerika zieht sich auf die eigenen Interessen zurück. Das ist auch eine Konsequenz dafür, dass wir unser antiamerikanisches Gegrummel nie ganz losgeworden sind.
    Nun sind wir Europäer herausgefordert, selbständiger zu werden. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, aber die Zeit drängt, endlich eine zukunftsträchtige Linie zu finden. Allein, das Parteiengezänk hierzulande ist diesbezüglich nicht gerade ermutigend. Sagt der eine „Hü!“, sagt der andere reflexartig „Hott“.
    Wie Sie, Herr Kelle, richtig sagen, müsste das Umdenken mit der Verteidigungsbereitschaft zu beginnen. Es wird schon lange so getan, als gäbe es nichts mehr zu verteidigen. Unter dem Schutz Amerikas konnte man so vor sich hinträumen. Da dieser nun aber schwächer zu werden scheint, wäre die Beibehaltung dieser Haltung verantwortungslos.

  4. Günter Munz Stuttgart Antworten

    Donald Trump steht für eine echte Veränderung. Und dass Globalisierung nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein kann, muss wohl nicht näher erläutert werden. Eine ungeregelte Globalisierung bringt den starken Ländern Macht und Einfluss und schwächt die schwachen Länder. Deshalb kann und muss man die weltweite Globalisierung auch kritisch hinterfragen. Nichts Anderes wird gerade in den USA vom neuen US-Präsidenten gemacht. Er stellt erst einmal Alles in Frage und steht für echte Veränderungen. Wenn wir diese Änderung als Chance begreifen und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, haben Deutschland und Europa eine Zukunft. Auf die aktuellen Krisen bezogen heißt das, wir müssen aufpassen, dass der Einfluss von Fremden und von außen nicht zu groß wird und uns belastet, oder sogar uns in eine neue Fremdbestimmung führt. Das dürfen wir nicht zulassen. Deshalb ist es geradezu unsere Pflicht, die angebliche Alternativlosigkeit der aktuellen Politik zu hinterfragen.

  5. Walter Lerche Antworten

    Angenommen, ich befinde mich in einer Gruppe von …sagen wir mal 27 Teilnehmern: 6 davon wirtschaften und ticken ähnlich wie ich, 5 davon haben ein deutlich besseres Management, alle anderen wollen und können nicht mit Geld umgehen, haben andere Interesssen und zudem ein unfähiges Management. – Warum sollte ich in dieser Gruppe sein? Und falls doch, wie sollte ich mich in diese Gruppe einbringen, so dass auch ich davon profitiere?

    Wenn die 5 mit kompetenten Management fähig sind, mit jedem anderen Teilnehmer oder mit jedem außerhalb dieser 27er-Gruppe vorteilhafte Vereinbarungen erarbeiten und darüber entscheiden kann, dagegen die gesamte Gruppe dafür schwerfällt Jahre für ein mittelmäßiges Ergebnis braucht, warum sollte ich mich dieser 27er-Gruppe unterordnen?

    Wenn die Unfähigen sich in einer Gruppe verstecken, weil sie selbst nichts Vorteilhaftes zustande bringen können, warum sollte ich das bewahren?

    Wenn ich zu den Unfähigen gehörte, warum wohl lasse ich die aktiven Erfolgreichen nicht ziehen? Wenn ich zu den Erfolgreichen gehörte, was hält mich und warum lasse ich mich halten?

    Bedeutet ein „Zusammenrücken innerhalb der Gruppe“ mehr Beton oder Reduzierung auf das Nützliche?

    Die Engländer hatten großen Verstand, nicht in die Euro-Zone eingetreten zu sein.
    Wenn Frau Mey neben Herrn Trump stehend öffentlich sagt, sie und auch Trump arbeiten jetzt daran, dass es der arbeitenden Bevölkerung in Zukunft wieder besser gehen wird, indem sie am Erfolg und den Vorteilen ihrer Politik partizipieren sollen, dann stelle ich dies den Aussagen unserer Regierung und Parteien gegenüber. Wie kann man in Deutschland, ohne bewusst zu lügen, der Bevölkerung Besserung versprechen, ohne den Betonklotz „Euro“ und „EU“ anzusprechen? Die Beendigung Draghis EZB-Geldentwertung als Ursache für die Vernichtung unseres Wohlstandes müsste ehrlicher Weise als oberste Priorität von allen Gutmeinenden gefordert und betrieben werden!

    Stattdessen versprechen Parteien Verbesserungen für vielleicht wahlentscheidende Minderheiten, indem das soziale Opfergruppen zu zahlen haben.

    Das Beispiel England wird zeigen und Schule machen, was der bessere und ehrlichere Weg ist. Die einfallsreichen Störfeuer der Medien und deren Geldgeber werden das nicht verhindern können.

    Und plötzlich ist wieder gesellschaftssystemischer Wettbewerb da! – Diesmal nicht zwischen Kapitalismus und Sozialismus, sondern zwischen Kapitalismus und Kapitalismus.

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