Endlich, endlich zeigen sie es „der Merkel“ mal so richtig. Gellende Pfeifkonzerte in den Ost-Bundesländern, „Hau Ab!“-Sprechchöre auf dem Münchner Marienplatz. Da klopft sich so mancher auf den Schenkel – auch diejenigen, die selbst Opfer von massiven Beeinträchtigungen und sogar im Fall der AfD von körperlichen Angriffen geworden sind.

Ein sehr guter Freund von mir, verriet mir vor einigen Wochen, er werde dieses Mal AfD wählen. Und als ich ihn fragte, warum, antwortete er entwaffnend: „Weil ich die Schnauze voll habe.“ Das konnte ich nachvollziehen, denn auch ich habe solche Momente, wo ich „die Schnauze“ vom politischen Einheitsbrei in Deutschland, von Political Correctness und einer desaströsen Flüchtlingspolitik voll habe. In dieser Woche telefonierten mein Freund und ich wieder einmal. Er erzählte mir, er habe es sich überlegt, als er die Bilder von Störungen und Beleidigungen auf einer Merkel-Kundgebung in Ostdeutschland gesehen habe. Er sei nicht zufrieden mit ihr, aber es gehöre sich nicht, so mit unserer vom Volk gewählten Regierungschefin umzugehen. Und weil offenkundig erkennbar viele AfDler unter den Störern waren, werde er halt mit der Faust in der Tasche wieder CDU wählen.

Es geht hier nicht um CDU oder AfD, diese Diskussion hängt mir zum Halse raus. Soll jeder wählen, was er oder sie Lust oder Frust hat. Mir egal! Demokratie ist mein Thema, zivilisierten Meinungsstreit will ich. Hitzige Diskussionen, geistreich, polemisch, auch laut – aber einer freiheitlichen Gesellschaft würdig. Zuhören können, andere Meinungen tolerieren und notfalls aus Verachtung für diese Meinungen weggehen oder gar nicht hingehen – das zeichnet eine demokratische Gesellschaft aus. Ich fand es beschämend, dass keiner der führenden Köpfe von CDU und SPD von Grünen und FDP die Angriffe auf AfD-Politiker öffentlich kritisiert haben. Als Infostände und Großplakate zerschlagen , Plakatkleber mit körperlicher Gewalt angegangen und Autos von Kandidaten abgefackelt wurden. Wo war da der Aufstand der Anständigen? Wo waren Lichterketten und Stellungnahmen von Merkel, Schulz, Lindner und Özdemir? Gegen „Rechtspopulisten“ ist scheinbar alles erlaubt im bunten Deutschland, die Rollen sind klar verteilt.

Aber dass sich dieselben Leute, die jedes beschmierte Wahlplakat der AfD beweinen nun feixend hinstellen und sich über die Störungen bei Merkel diebisch freuen, hat mehr als ein Geschmäckle.

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Dieser Artikel wurde 33 mal kommentiert

  1. Franz Reinartz Antworten

    Mit Verlaub: Wenn ich ansonsten keine Möglichkeit habe, mein Mißfallen zum Ausdruck zu bringen, was soll ich denn tun? Sicher sind Buh-Rufe und Trillerpfeifen nicht unbedingt das Mittel der Wahl im demokratischen Diskurs. Wenn aber argumentativ niemand auf die Bedenken eines nicht kleinen Teils der Bevölkerung eingeht und diese a priori in die „rechte Ecke“ stellt, dann – so will mir scheinen – sind Trillerpfeifen ein durchaus adäquates Mittel und um Längen besser, als z.B. AfD-Sympatisanten und -Mitglieder physisch und psychisch anzugreifen, wie z.B. beim AfD-Programmparteitag in Köln.
    Insofern – werter Herr Kelle – widerspricht – nach meinem Empfinden – die Überschrift Ihres Artikels dem Inhalt des Artikels.
    Zwar lautet das deutsche Sprichwort „Wer schreit, hat Unrecht!“, aber: Wenn Argumente systematisch unterdrückt bzw. marginalisiert werden, dann bleibt möglicherweise nur noch Geschrei. – Leider!
    Frau Dr. Merkel ist nicht und wird sich nicht auf Argumente wider ihre Politik einlassen.

    • Klaus Kelle Antworten

      „Mit Verlaub: Wenn ich ansonsten keine Möglichkeit habe, mein Mißfallen zum Ausdruck zu bringen, was soll ich denn tun?“

      Lieber Herr Reinartz, gehen Sie morgen zur Wahl“ Engagieren Sie sich in einer Partei! Kandidieren Sie für irgendwas! Engagieren Sie sich gesellschaftlich! Gehen Sie zu einer Demonstration und halten ein Schild „Merkel muss weg“ in die Höhe! Spenden Sie Geld für die, die an Merkels Sturz arbeiten…u.s.w… Ich bin sicher, Ihnen fällt mehr ein als rumzuschreien und zu pöbeln….

      • Klaus Beck Antworten

        Metapolitik, lieber Herr Kelle, vollzieht sich eben nicht nur im glattgeleckten Erwartungskorridor des selbst ernannten Establishments, sondern – das beweist die Geschichte hundertfach – auch spontan und teils anarchisch, was uns im Übrigen gerade die links-grünen Lehrer*/-innenx seit den 60er-Jahren gelehrt und auch vorgelebt haben. Jene elitäre Burgeouise, die heute noch beim Gedanken an ihre wilde „Demo-Zeit“ feuchte Träume erlebt, ist heute qua selbstreferentieller Metamorphose in Personalunion Axiom-Erfinder und Gralshüter der gesellschaftlichen Benimmregeln geworden, was eigentlich richtig lustig, in der Realität jedoch meist eine psychiatrische Diagnose ist.

        BTW: Schon mal meine Gewerkschaftsdemo in den letzten Jahrzehnten ohne Gehörschutz besucht? Schon irgenwann mal in einem Uni-Hörsaal mit ungeliebtem Prof gesessen? Schon mal in eine der Polizisten-Demos in den letzten Tagen am Berliner Hauptbahnhof geraten? Also kein Grund für Empfindlichkeiten am Gehörorgan oder des limbischen Systems bei AfD-Protesten gegen Merkel.

        Die von Ihnen angegebenen, angeblich so zivilisierten Tools der Demokratie haben uns im Übrigen erst an jenen Punkt gebracht, an dem wir heute stehen. Und was machen die heutigen Hüter des Konservatismus und der Moral: Unbedingt stilvoll weiter das Orchester spielen lassen, während das Schiff schon Schlagseite bekommt und ganz ziviliert das Stößchen mit dem Sektkelch genießen, wenn auch die Grammophonnadel im Keller durch die näher kommenden Einschäge ein wenig auf dem Schellack hüpft …

        Das Tröstliche daran: Kein Land irgendwo auf der Welt kann so schön stilvoll leiden wie wir.
        Schon in Frankreich, Herr Kelle, würde man Ihre Ausführungen nicht verstehen.

      • Franz Reinartz Antworten

        Hallo Herr Kelle,

        ich war natürlich wählen und ich würde übrigens nie „rumpöbeln“. Wie ich gesagt hatte, wer schreit, hat Unrecht.
        Jedoch will mir scheinen, dass der politische Diskurs zumindest in meinem Umfeld nicht mehr stattfindet. Noch vor wenigen Jahren konnte man sich über Politik im Kollegenkreis unterhalten. Das ist heute – zumindest nach meiner Erfahrung – nicht mehr möglich. Und daran hat die PC schuld.
        Einen Schönen Sonntag und auch morgen wird die Sonne wieder aufgehen.
        F.Reinartz

    • S v B Antworten

      Ich stimme Ihren Ausführungen vollinhaltlich – wie es so schön heißt – zu. Dass es keinen vernünftigen Diskurs in diesem Lande mehr gibt, haben sich nun wahrlich ganz andere als die nun Krakeelenden zuzuschreiben. Das sollte doch bitte, anlässlich des für die Altparteien zu erwartenden Wahldebakels, nicht verleugnet werden.

      Auch ich bin gewiss kein Mensch der lauten Töne und schaffe es für gewöhnlich, eventuell angestauten Missmut auf anderem Wege abzubauen. Aber bevor man droht, sich am Ende ein Magengeschwür, Herzrhythmusstörungen oder gar Schlimmeres einzuhandeln, weil man es einfach nicht mehr ertragen kann, dass in unserem Land andere Meinungen mit teils perfiden Mitteln unterdrückt werden, dass sich dieses Land in einen Staat verwandelt hat, in dem, abgesehen von vielfältigen politischen „Irrationalitäten“, ausgemachte Gesinnungsschnüffeleien und auch die Beschneidung der Meinungsfreiheit bedenklich an Boden gewonnen haben, scheint es mir durchaus verzeihlich, wenn sich manche Individuen geradezu dazu gezwungen sehen, sich auf diese Art einmal so richtig Luft zu machen. Wie jeder Therapeut weiß, wirkt das „einmal etwas richtig Herauslassen dürfen“ psychisch und auch physisch entlastend und ist folglich der Gesundheit förderlich.

      Es gibt etliche Ethnien auf der Welt, wo der lautstarke Protest in der Gruppe ganz einfach dazugehört, wenn man seinen Missfallen und Unmut zum Ausdruck bringen will. Den Mitgliedern dieser Gesellschaften ist vermutlich nicht einmal bewusst, dass sie intuitiv richtig handeln; wirkt sich der Abbau des Aggressionsstaus, welcher laut ist und meist auch mit großer körperlicher Dynamik verbunden ist, letztlich positiv auf ihr Wohlbefinden aus.

      Wer sind wir „ach so Gestitteten“ eigentlich, dass wir unseren Landsleuten eine solche Möglichkeit nicht zuzubilligen wollen? Seien wir, in Vorbereitung auf unsere absehbare Zukunft als multikulturelles Einwanderungsland mit ausgeprägten orientalischen und afrikanischen Einflüssen, nicht so erschreckend spießig!

  2. Tina Hansen Antworten

    Danke für diesen Beitrag! Es ist Samstag und ich bin immer noch nicht entschieden. Erststimmw CDU, Zweitstimme AFD? Mein Herz wispert: Trau dich Deutschland! Mein Kopf sagt: International brauchen wir Merkel.

    • Klaus Kelle Antworten

      Liebe Frau Hansen, willkommen im Club! Noch nie in meinem ganzen Leben wusste ich am Tag vor einer Bundestagswahl noch nicht, was und wen ich morgen wählen werde. Ich weiß allerdings schon, was und wen ich auf keinen Fall wählen werde… 🙂

      • S v B Antworten

        All die Unentschlossenen tun mir wirklich leid. Hoffentlich ist ihnen wenigstens die Nachtruhe gesichert. Meine Entscheidung steht seit vier Jahren. Nichts, aber auch gar nichts, konnte mich in all diesen Jahren von ihr abbringen. Dieses Land braucht dringend frische Luft. Ein immer weiter so kommt für mich jedenfalls nicht in Frage. Wie gut, dass es wenigsten diesmal eine Alternative gibt. Ich wünsche mir, das es in diesem verkrusteten Parlament endlich wieder mal eine echte Oppositionspartei gibt.

        Schönen, und vor allem entspannten, Wahlsonntag allenthalben!

    • Walter Lerche Antworten

      Ich denke auch so: Weil hier die Erststimme für den/die AfDler keine Chance hat, wähle ich den CDUler, nur um die SPD-Tante zu verhindern.
      Die Zweitstimme für die AfD ist klar.

      Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, ob es auf längerfristige Sicht besser wäre, wenn Schulz mit den Kommunisten und den sozialistischen Grünen (mit oder ohne Mehrheitsbeschaffer FDP) der nächste Kanzler wird?
      a) Merkel wäre weg.
      b) Die Wand bzw. der Abrund käme schneller näher und die Leute würden endlich begreifen, was Sozialismus bedeutet. Nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
      c) Schon in der Vergangenheit gab es gesellschaftskritische Themen, welche die CDU nicht lösen konnte, ohne Sitzblockaden der Rot-Grünen-Gewerkschaften auszulösen. Und als diese dann in der Verantwortung waren, lösten die es. Beispiel Hartz4, Ostverträge, … das gilt für beide Seiten. Vielleicht würden die Links-Rot-Grünen das Flüchtlingsthema konsequent über ein Einwanderungsgesetz lösen und dabei „Härtefälle“ und schlimme Bilder in Kauf nehmen?
      War es nicht die CSU viele Jahre, die ein Einwanderungsgestz verhinderte?

  3. Helmut Zilliken Antworten

    Doch, lautstarker Protest muß sein. Wenn beim Bürger das Faß überläuft ist es Schuld der Politik und nicht des Bürgers. Dialoge finden statt und haben in der Regel einen anderen Ort, als öffentliche.

      • Tina Hansen Antworten

        Das wird sich alles legen. Die AfD holt morgen 14 Prozent. Und danach sprechen wir neu. In dieser Republik.

      • S v B Antworten

        Nun, die Art und Weise, in welcher „Linke“ Veranstaltungen stören (oder sehr oft gar nicht erst zustandekommen lassen!!!) dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Solch zutiefst undemokratisches, ja menschenverachtendes, Verhalten habe ich weder bei Pegida-Demonstranten noch bei Anhängern der AfD beobachten können. Aber in diesem Land werden Verstöße dieser Art bekanntlich mit zweierlei Maas gemessen.

      • Helmut Urbahn Antworten

        Werter Herr Kelle,

        Öffentliche Wahlkampfveranstaltungen sind nun mal nicht auf Dialog angelegt, sondern schlichte Parteipropaganda- Es ist außerdem ein riesen Unterschied, ob ich Buh rufe oder Kandidaten bzw Angehörige eine anderen Partei krankenhausreif schlage, wovon im Übrigen vor den Buh-rufen gegen Merkel kaum bzw. garnicht die Rede war. Ich darf auch daran erinnern , daß zu den Zeiten von Kohl und Strauß diese von den Linken gebrüllt wurde. Da sah die Presse dies mit großem Wohlwollen und fanden das als Ausdruck einer lebendigen Demokratie.

  4. Ruth Antworten

    Sehr geehrter Herr Kelle,

    mir ging es ähnlich wie Ihnen – ich wußte schon länger ganz genau, wen ich nicht bzw. nicht mehr wählen werde. Und zwar ganz konsequent niemand von diesen Politikern, die in den letzten Jahren für die Probleme in Deutschland maßgeblich verantwortlich waren!

    Hilfreich war hier auch ein erst kürzlich erschienener Gastbeitrag von Jörg Hardt – Gedanken eines Bürgers – Immigration und andere Herausforderungen Deutschlands – erschienen auf Tichys Einblick. Selten so einen fundierten Artikel über die aktuelle Situation Deutschlands gelesen. Generell recht lesenswert, was dort veröffentlicht wird. Zur Vollständigkeit würden nur noch Kolumnen von Ihnen und Herrn Kissler dort fehlen – das aktuelle Buch Ihrer Frau wird dort schon beworben 😉

    Ich befürchte aber wie so oft zitiert in der letzten Woche: es ist noch nicht vorbei.

    Die Frechheit, die sich diese Regierung mit unserem Land und unseren schon immer hier lebenden Bürgern erlaubt, wird erst mal munter so weiter gehen. Schade – sehr schade.

    Dennoch Ihnen allen, ein gutes Wochenende.

  5. Klaus Beck Antworten

    Lieber Herr Kelle,

    wer physische Gewalt gegen Sachen und Menschen mit Unmutsäußerungen wie Trillen und Buh-Rufen vergleicht und damit „Gewalt“ relativiert, kommentiert sein Rechtsverständnis und seine Vorstellung von Moral trefflich selbst. Ist das eine zumindest theoretisch strafbar, ist es das andere ganz offensichtlich nicht, wie schon die von den Politikern selbst in den geselleschaftlichen Diskurs gebrachten, veritablen Beleidigungen gegen Teile des Volks ja eindrucksvoll zeigen.

    Die gleiche „bürgerliche“ Gesellschaftsschicht lobhudelt übrigens interessanterweise noch heute über die Montagsdemonstrationen im Herbst 1989, die Freedom Rides des schwarzen Civil Rights Movements, die Warschauer Stundentenproteste oder den Anschlag im Bürgerbräukeller im Jahre 1939 und gebraucht mit wohligem Bauchgefühl und ohne Gewissensbisse den heroischen Begriff des „zivilen Ungehorsams“, will aber im gleichen Atemzug der nicht durch eine einzige Meldung im Polizeibericht aufgefallenen, friedlichen Bevölkerung von München die grundgesetzlich garantierte Meinungsäußerung mit Trillern und Plärren exakt an jenem Ort verbieten, wo der Nationalsozialismus aus dem fruchtbaren Schoß des damals kontagiösen Zeitgeists hervorgekrochen ist.

    Na, wenn mich eine solche Haltung nicht nicht an Eugen Roths „Ein Mensch“ erinnert ….

    • S v B Antworten

      Völlig richtig, Herr Beck. Übrigens: Dissidenten und die entsprechenden Manifestationen ihres politischen Widerstands sind sowohl der Politik als auch den Medien hierzulande stets eine Herzensangelegenheit. Sie werden ausnahmslos und oft erschreckend unkritisch in ihrem Widerstand gegen das jeweilige Staatswesen unterstützt. Voraussetzung hierbei ist allerdings immer, dass sich das Ganze im Ausland abspielt und – um Himmels willen! – nicht hier, im Lande der Merkelschen Schonlängerhierlebenden.

  6. colorado 07 Antworten

    Man sollte bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass unsere Bürgerschaft nicht nur aus feingeschliffenen Rhetorikern sondern auch aus einer ganzen Menge von „Stammtischbrüdern“ besteht, die ihren Unmut eben nicht in diskursfähiger Art auszudrücken gewohnt sind. Ich meine das gar nicht abwertend. Aber die kommen doch auf jeder politischen Versammlung zu kurz, weil sie nicht mundfertig genug dafür sind und immer die Schnellsprecher das Wort haben. Also schlucken sie ihren Groll hinunter und warten auf die Gelegenheit, wo sie mitschreien können. Ist das so unverständlich?

    • Klaus Beck Antworten

      Richtig erkannt. Dieses „Mitschreien“ nennt man „Demokratie“.
      Wohin stilvolles, von Casting-Agenturen, Rhetorik-Trainern, Jounalisten-Darstellern und Demoskopen sorgfältig inszeniertes Schauspiel führt, sieht man, wenn man aus dem Fenster schaut, den Polizeibericht verfolgt, Gespräche im privaten Kreis mit wirklichen Funktionsträgern führt oder ausländische Zeitungen liest.

      Gerade die konservativen Parteien haben es in den letzten 20 Jahren geschafft, sich weg vom „Stammtischbruder“ hin zum tertiären Dienstleister und einer ganz speziellen Form des Transferleistunsgempfängers in Form der Beamtenschaft zu orientieren, und sich notgedrungen alle vier Jahre dem tumben Volk (= „den Menschen da draußen“) zuzuwenden, weil es das Gesetz blöderweise nun mal so vorschreibt.

      Gut, dass diese Menschen mitschreien, kann ich nur sagen.

  7. Juvenal Antworten

    Mir dreht sich mein Magen um, wenn ich die Duells der Spitzenkandidaten im Fernsehen sehe, die feinabgezirkelt sich der gegenseitigen Nettigkeit und poltischen Korrektheit versichern – ohne auch nur ein konkretes Wort darüber zu sagen. Wie man den bitte die Millionen, die schon da sind (gab ja schon viele, die vor der Krise unsere Systeme gemolken haben), und die vielen Millionen die noch nachkommen werden irgendwie an normale Arbeit und vor allem an die Demokratie heranführen soll. Alles nach der Wahl. Ja klar! Und arabische Großclans haben – wie Herr DeMaziere weiß ja nur einen Familiennachzug von eins. Das ist ja Märchenstunde für die Bescheuerten, die immer noch meinen, das werde besser, wenn man die Verursacher wieder an die Macht bringt.
    Und die langen Klatschorgien für Frau Merkel auf dem CDU-Parteitag und die 100%Wahl von Herrn Schulz erinnern an beste SED-Tage oder schlimmeres.
    Und wenn sich dagegen Unmut äußert mit so etwas schlimmen wie Trillerpfeiffen. Dann ist das ganz, ganz, ganz schlimm.
    Wer das so handhabt, ist einer Totengräber dieser Demokratie.
    Man muss ja schon froh sein, dass tapfere Seelen ihrem Unmut – gewaltlos – per Wort und Trillerpfeiffe überhaupt Ausdruck geben. Denn die mediale Hexenjagd auf jeden Abweichler ist ja ungeheuer.
    Ich erlebe gerade überall in meinem Umfeld (gebildet / sehr gut verdienend / führungsposition), dass sich alle unwohl fühlen, aber jeder nur Kritik mit abgesenkter Stimme übt — weil man darf das ja nicht sagen. Wir sind auf den Weg in die Gesinnungsdikatatur. Jede Abweichung ist Rassismus, hate-news, fakee-news usw.
    Ich bin absolut entsetzt! Denn in der Tat wiederholt sich die Geschichte. ABer nicht die AfD ist die Ursache, sondern die politisch Hyperkorrekten.
    Und wenn die erste islamistische Partei hier 15% holt, weil die geschlossen von allen Muslimen gewählt wird, dann Gnade uns der liebe Gott. Denn der Islamismus, den wir gerade mit vollen Zügen (keine Ironie) importieren, ist der neue Faschismus. Nicht die AfD

  8. Walter Lerche Antworten

    Da gab es dieser Tage den „Bus der Meinungsfreiheit“ mit dem Thema „Ehe ist Ehe“.
    Da wurde stundenlang kräftig getrillert und „haut ab“ gerufen, so dass man bei der leichten Tontechnik der Veranstalter so gut wie nichts verstehen konnte.

    • Hildegard Königs-Albrecht Antworten

      Ich habe in Düsseldorf an der Kundgebung mit dem „Bus der Meinungsfreiheit“ teilgenommen. Eine Vielzahl von Gegendemonstranten störte mit Trillerpfeifen, extrem lauter Musik und Megaphon-Durchsagen. Es wurde „Haut ab“ und „Ihr seid braun“ gebrüllt. Meinungsfreiheit gibt es bei uns schon lange nicht mehr. In Köln wurde der Bus sogar 4 Stunden lang blockiert. In der ersten Reihe der Gegendemonstranten stand das SPD-Mitglied Elfie Scho-Antwerpes. Die Kölner Polizei gab sich machtlos, erst eine Truppe Aachener Polizisten schaffte es, daß die Kundgebung nach fast 4 Stunden an einem anderen Platz stattfinden konnte.
      Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kritisierte vor einigen Tagen die Störungen bei Wahlkampfauftritten der Bundeskanzlerin. Behinderungen von AfD-Versammlungen werden dagegen von Medien, Kirchen(!) und Politikern beworben. Meinungsfreiheit?

  9. colorado 07 Antworten

    Es gibt einen subtilen Verstoß gegen die politischen Sitten von denen, die die Hinterhältigkeit gut hinter der Maske gespielter Höflichkeit verstecken können. Und es gibt eben auch den plumpen Verstoß gegen die politischen Sitten von denen, die das Subtile nicht so beherrschen. Es sind die zwei Seiten einer Medaille. Man braucht sich nicht darüber zu wundern.

  10. Alexander Droste Antworten

    Keine von den Etablierten ist vertrauenswürdig, ebensowenig die AfD. Das alte System, das auf vielen Irrtümern ruht oder wirkt, ist zum Scheitern verurteilt. Vieles muss man neu denken und sukzessive umbauen, wenn Staat weiterhin Sicherheit, Wohlstand und Lebensqualität gewährleisten soll. Krank ist es überall: In der Staatsführung, in der Justiz, im Gesundheitswesen, in der Produktion oder anderen Gewerben. Es ist nur großes Glück, dass es uns noch besser geht als z.B. den Griechen. Es findet ein großer Umbau der Weltordnung statt. Und ich kann nicht erkennen, dass irgend eine Partei der Etablierten eine adäquate Antwort darauf hat. Und die AfD verschlimmert unsere Situation noch, davon bin ich überzeugt. Neoliberalismus ist das Gespenst der heutigen Zeit, enthemmter Marktliberalismus. Alles arbeitet für Zinsen und Zinseszinsen bis zum Burn-out und hat am Ende nicht mehr als Sozialhilfe zum Leben. Darauf steuern wir zu. Verarmte Landschaften, degradierte Böden, ein Gesundheitssystem als Luxusgut mit überfordertem Personal, ständige Kriegsdrohungen um Verteilung von Ressourcen oder um Besserwisserei und Wichtigtuerei anstatt fairem Handel oder Erfindungsgeist. Bildung, die gerade noch ausreicht um eine Steuererklärung auszufüllen – allerdings ohne die legalen Abstriche zu kennen, Kindergärten als Aufbewahrungsanstalten mit überfordertem Personal, Grundschulen, wo schon die ganz Kleinen fest verkabelt werden, keinerlei Kulturgut mehr wie Volkslieder, Gedichte, Geschichte … Es ist ja jetzt schon bitter. Ich bezweifele, dass eine jetzige CDU-Regierung daran etwas ändert. Stattdessen wird Sicherheit gleichgesetzt mit Generalverdacht und Totalüberwachung. Wann das Bargeld endgültig vom Giralgeld abgelöst wird, ist nur eine Frage der Zeit. Dann hat man jeden in der Hand: „Funktionierst du nicht, sperren wir dein Konto.“ Das kann man dann einfach so machen. All diese Entwicklungen kann man schon ausmachen. Widerspricht man denen, die jetzt das Sagen haben, ist man per se rechtspopulistisch oder -radikal, antisemitisch oder Verschwörungstheoretiker. Kann man hier im Blog rauf und runter lesen. Eine AfD wird das nicht beheben, manches vielleicht, aber dafür gibt es ganz andere, noch schlimmere Probleme: Pauschalverunglimpfung bestimmter Bevölkerungsgruppen mit deren widerlichen Bekämpfungsmethoden als Folge. Im Hintergrund wirken Kräfte nach der Maxime „teile und herrsche“ und keiner bekommt das mit. Jede Initiative etwas zu ändern, die sich organisiert, wird zersetzt. Die Politik wie die Medien sind darauf getrimmt. Das war einmal anders, heute ist es so. Das kann man ganz deutlich spüren, wenn man eine systemkritische Organisation sein will. Angefangen von der Identitären Bewegung über PEGIDA und natürlich die AfD. Wenn man sich sachlich damit auseinander setzen würde, wären Probleme durch Unterwanderung von Extremisten ein kleineres Problem. Schiebt man diese Kritiker einfach zur Seite oder verunglimpft man sie gar, dann kommt der Zulauf durch Radikale erst recht. Wer das mit wachsamen Augen beobachtet, kann das deutlich sehen. Undemokratische Methoden ziehen undemokratische Kräfte nach sich.

    Wenn es keine Alternativen dazu gäbe, wüsste ich ebenfalls nicht, wem ich mein Kreuzchen geben sollte. Aber eine kleine Gruppe hat eine Idee, wie Recht wieder hergestellt, Friede garantiert, Wohlstand breitflächig etabliert werden kann und das über die Landesgrenzen hinaus. Sehr ambitioniert und sachlich fundiert. Patriotisch, liberal, humanistisch, sozial. Lacht nur über die Deutsche Mitte ganz dem Zeitgeist entsprechend oder diskutiert sachlich und denkt mit im Sinne einer notwendigen Zeitenwende. Meine Einladung.

    • Walter Lerche Antworten

      Eine kleine vernünftige Gruppe wird nicht wahrgenommen. Sie kann nichts ausrichten. Eigentlich schade um diese Wählerstimmen.
      Würde diese Gruppe wachsen und den Etablierten zu stark werden, dann wird sie aufgerieben, geteert und gefedert. Mit „Vernunft“ kommt man öffentlich nicht weiter, weil jegliche Art von Öffentlichkeit unvernünftig ist.
      Öffentlichkeit beginnt ab der 3. Person.

  11. Juvenal Antworten

    Die Wahl ist um: Vor dem Gebäude der AfD sammelt sich der lautstarke Mob. Erste Flaschen fliegen …. das ist der Geist der sogenannten Demokraten.

    PS: Danke an alle Wutwähler. Tatsächlich wollen doch manche Parteien darüber nachdenken, warum manche Bürger so unzufrieden sind. Na denne.

    • Klaus Beck Antworten

      Lieber Juvenal,

      nein, niemand will nachdenken.

      Statt Nachdenken regiert die nackte Panik des ebenso tief wie vulgär im Brokatsessel lümmelnden Systems, von den spendablen Futtertrögen der Macht und den vielen Spiegeln in den Betonbunkern an der Spree weggejagt zu werden. Eine soziale Zurückweisung im Sinne des gekränkten Narzissmus wird vor allem von fachlich inkompetenten und schlecht sozialisierten Individuen als massive Bedrohung und auch Schmerz* erlebt, was man gestern auch durch den Fernseher förmlich „riechen“ konnte. Wer gerne in Gesichtern liest, konnte gestern seine Studien an jedem dieser entglittenen und verzerrten Antlitze treiben.

      Was gestern die Elefantenrunde und der Will-Talk an Psychopathentum – von ganz links bis ganz rechts inklusive zwei journalierender Mietmäuler – an den Tag gelegt haben, ist eindruckvoll: Das gesamte Inhaltsverzeichnis höchst untauglicher Aspekte von Abwehrmachnismen (u. a. Verdrängung, Vermeidung, Verschiebung, Verleugnung, Spaltung, Rationaliserung, Introjektion, Derealisation und die schon mitleiderregende Regression des Herrn Gauland) wurde abgearbeitet, durchaus eines Lehrfilmes über Psychopathie würdig.

      * Eisenberger N.: Does rejection hurt? Science (2003)

  12. Edgar Timm Antworten

    Lieber Klaus Kelle,

    beim Nachrichten-Quercheck in focus-online bin ich wegen Ihres Kommentars „Es müsste endlich einer aufstehen und sagen: „Danke, Kanzlerin, aber es reicht!““ erstmals auf diesen Blog gestoßen.

    Besonders gefallen haben mir auch die unaufgeregten und gut durchdachten Kommentare Ihrer Community – der Fairness halber möchte ich hier niemanden hervorheben. Aber ich habe den Link auf „Denken …“ gleich in die Symbolleiste aufgenommen – neben Cicero,Achgut und TE. Ich werde noch ein paar Wochen dabeibleiben und dann entscheiden, ob ich diesen Blog finanziell unterstütze.

    Mit freundlichen Grüßen
    Edgar Timm

    • Tina Hansen Antworten

      Lieber Herr Timm,
      Als einfache Leserin und Kommentatorin ohne jegliche finanzielle Interessen lassen Sie mich Ihnen sagen, dass es wirklich dauerhaft so ist: klug, höflich, meistens unaufgeregt. Wenn es Missverständnisse gibt, gibt es oft sogar eine Art Entschuldigung. Ich habe diesen Blog hier gefunden, als ich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsdebatte eine Oase zur Erholung von unserer Presse suchte und bin seitdem dabei! Schönen Abend noch!

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