Der deutsche Autobauer BMW macht sich heute in einer atemberaubenden Weise vor den Augen der deutschen Öffentlichkeit lächerlich. Die deutsche Vorzeigemarke hat nämlich das Leasingangebot für das Fahrzeug des neuen Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt zurückgezogen.
Am Dienstag war ja der AfD-Politiker Tobias Rausch als bundesweit erster AfD-Politiker in ein solches politisches Spitzenamt gewählt worden. Der BMW-Konzern ist dann auch noch zu feige, seine Entscheidung zu begründen. Aber wir ahnen natürlich, dass es um räääächts geht.
BMW-Chef Milan Nedeljković ist kein Freund der AfD, und das muss man ja auch nicht sein. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) hatte er jedoch für sich klargestellt: „Rechtspopulismus und Nationalismus sind Gift für einen weltoffenen Wirtschaftsstandort, der vom Welthandel lebt“. Und: „Wer Abschottung und Isolationismus fordert, der kann nicht im Interesse des Standorts Deutschland und unseres Wohlstands handeln.“ Das sehen auch viele andere Manager in deutschen auch Unternehmen so.
Nedeljković hat aber den Job, BMW wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Da gibt es gerade jede Menge zu tun.
Man musste die Jahresprognose drastisch senken. Im Autogeschäft wird nur noch mit einer operativen EBIT-Marge von 1 bis 3 Prozent gerechnet (kalkuliert waren 4 bis 6 Prozent). Der Münchner Autobauer hat das größte Stellenstreichungsprogramm seit 20 Jahren gestartet. Und bis Ende kommenden Jahres sollen 8.000 Stellen wegfallen – gut, im Vergleich zu VW ist das ein Klacks.
+++Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus mit Ihrer Spende+++Konto DE18 1005 0000 6015 8528 18—PayPal @Vers 1 Medien Gmbh+++
Bis Ende des kommenden Jahres sollen weltweit rund 8.000 Jobs abgebaut werden – vor allem in der Verwaltung, der Entwicklung und in Bürojobs in Deutschland. Der extrem wichtige chinesische Markt schwächelt massiv für BMW, da die einheimische Konkurrenz bei E-Autos extrem stark ist.
Dazu kommen natürlich noch die Belastungen durch hohe Energiepreise und die geopolitischen Unsicherheiten des aktuellen Iran-Kriegs. In einer solchen Zeit betreibt der BMW-Konzern solchen Pillepalle?
Normalerweise stehen der Landesregierung und der Landtagsverwaltung ein ganzer Fuhrpark an Fahrzeugen zur Verfügung. In Sachsen-Anhalt sind die meisten Dienstwagen von BMW. Wenn BMW konsequent ist, müsste der Konzern alle Geschäftsverbindungen mit der sachsen-anhaltinischen Landesregierung aufkündigen, wenn Ulrich Siegmund demnächst zum Ministerpräsidenten gewählt wird.
O.K., Magdeburg ist nicht der Nabel der Welt, und die anderen 15 Landesregierungen werden von CDU/CSU, SPD und einem Grünen geführt. Gut möglich, dass die bayerische Staatskanzlei oder auch jemand aus der Bundesregierung beim BMW-Chef angerufen und Druck gemacht hat. Denn Leasingverträge können natürlich auch durch Regierungen gekündigt werden – und so, wie die Mehrheitsverhältnisse noch sind, ist da viel zu verlieren.
Aber nach der Wahl ist vor der Wahl
Thüringen und Sachsen dürften in absehbarer Zeit auch von der AfD regierungstechnisch übernommen werden. Da wird es auch bereits einige BMW-Verträge geben. Was soll das alles? Wird irgendein Wähler wegen des BMW-Aktionismus nicht die AfD wählen? Stürzt Landtagspräsident Rausch? Greift die NATO ein?
Nichts wird passieren, außer dass BMW einen Imageschaden durch seinen Gratismut erleidet. Der nicht einmal gratis ist, weil bei elf Millionen AfD-Wählern und mehr in Deutschland manch ein BMW-Fahrer dabei sein wird, der sich nun erinnert, dass auch Audi, VW und Mercedes schöne deutsche Autobauerkunst pflegen.
Die AfD ist inzwischen von ihren Erfolgen dermaßen getragen, dass sie auch auf solches aufgeregte Gegacker bei BMW und in den Medien mit einer souveränen Leichtigkeit reagiert.
So schrieb die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Beatrix von Storch auf X direkt an Tesla-Chef Elon Musk und fragte keck: „@elonmusk, would @Tesla be willing to provide him with an official car?“. Wenn BMW nicht will, dann statten wir die Landesverwaltung demnächst eben mit Teslas aus, lautet die Botschaft wohl.
Die Frau von Storch ist wirklich gut…
4 Kommentare
Das dürfte ein ordentliches Eigentor von BMW gegen BMW sein.
Ich schrieb es bereits in dem Artikel „Sachsen-Anhalt auf der Weltbühne“.
Dem BMW-Chef könnte durchaus ein Satz heißer Ohren vom Aufsichtsrat gut tun – und die vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter des Autobauers werden sich bei ihrem Chef bedanken …
Ja, man muss sich entscheiden:
Haltung oder Umsatz 😎
Davon abgesehen wählen statistisch gesehen zwischen 27 und 30 % der BMW Beschäftigten die AfD.
Der neue BMW Chef hat einen super Einstand…
Dämlich, dämlicher, Haltung …
Politiker und ihre Automarken – das ist schon seit jeher ein Tanz um das goldene Kalb respektive des Deutschen Lieblingskind. Nicht umsonst nannte der DDR-Volksmund die Siedlung Wandlitz „Volvograd“, weil einen Stern des Klassenfeindes konnte man natürlich nicht als DDR-Staatskarosse bewegen und vorm Staatsbungalow parken.
Frau von Storchs X-Post ist peinlich wie durchsichtig gleichermaßen. Sonst E-Mobilität sehr kritisch sehend und gegen die Tesla-Fabrik in Brandenburg an vorderster Front demonstrierend, aber jetzt beim ihrem Gspusi Elon anfragen – das hat was von Realsatire. Ob Frau von Storch vergessen hat, dass Tesla keine Verbrenner baut? Den Ausbau der eher dünnen Ladeinfrastruktur im Osten will die AfD ja auch nicht weiter staatlich fördern.
Gott, was machen wir uns peinlich. In aller Öffentlichkeit. Und auch im Ausland.
Und da schließe ich BMW mit ein.
@Harald
Ja, bei dem Post musste ich auch nur lachen.
Zumal der bisherige LT-Präsident in 9 Monaten ca. 50.000 km gefahren ist. Die anderen LT-Präsidenten haben ähnliche Fahrleistungen und fahren deshalb Verbrenner, meist Diesel. E-Fahrzeuge sind für solche extrem hohen Laufleistungen in sehr kurzer Zeit nicht gut, da das laden viel Zeit in Anspruch nimmt.
Bin mal gespannt, wie sich die Sache (für BMW) entwickelt.