Kann diese CSU-Frau Bundespräsidentin? Natürlich kann sie das – sie sollten Ilse Aigner nominieren

Die CSU ist sich einig: Nach 75 Jahren sind wir endlich mal dran mit der Besetzung eines deutschen Bundespräsidenten aus Bayern, nein, halt, aus der CSU. Denn ein Bayer war ja schon mal Bundespräsident. Roman Herzog nämlich, der wurde 1934 in Landshut geboren und studierte und promovierte dann in München. Aber Herzog ging nicht zu CSU, sondern er trat 1970 in die CDU ein. Seine politische Karriere fand in Rheinland-Pfalz und dann als Innenminister in Baden-Württemberg statt. 1994 wurde er zum Bundespräsidenten gewählt.
Beim jüngsten CSU-Parteitag konnte der Gast von der CDU, Parteivorsitzender und Bundeskanzler, die Grundstimmung bei den Bayern hautnah erleben, als aus den Reihen der Delegierten lautstark „Ilse, Ilse, Ilse“-Sprechchöre aufbrandeten. Gemeint ist die heutige bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner, eine starke Persönlichkeit, der das höchste Staatsamt durchaus zuzutrauen ist und die Ansehen auch bei den Parteien der politischen Gegner genießt.
Doch Merz ließ sich nicht dazu hinweißen, Farbe zu bekennen. Warum auch, macht er ja auch sonst kaum.
Zum einen denkte die CDU, sie könnte immer noch die Marschrichtung der Union insgesamt diktieren und wehrt sich dagegen, von CSU-Chef Markus Söder vorgeben zu lassen, was nun zu tun sei.
Auf so demonstrierte Friedrich Merz bei der CSU zwar Höflichkeit gegenüber Aigner, vermied es aber konsequent, sich in der Kandidatenfrage festzulegen. Nach seinem Auftritt reiste er direkt zu einer mehrtägigen Asienreise ab.
Viele in der CDU sind der Meinung, jemand der ihren müsste ins Schloss Bellevue einziehen. Dumm nur, dass man im Kanzleramt und dem Konrad-Adenauer-Haus keinen überzeugenden Kandidaten vorzeigen kann. Bundesbildungsministerin Karin Prien, die ernsthaft immer wieder genannt wird, muss wohl eine Art Aprilscherz sein. Julia Klöckner, die strenge Bundestagsprüsidentin könnte es sicher auch gut machen, aber im Grunde macht sie ihren Jobim Parlament zu gut, um sie jetzt ziehen zu lassen.
Und eine Frau soll es wohl werden
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bricht jetzt aus der CDU-Phalanx aus. Im ARD-„Bericht aus Berlin“ stellt er sich öffentlich hinter Aigner und bezeichnet sie als „ganz herausragende Persönlichkeit“. Auch in anderen CDU-Landesverbänden wächst das Murren, jetzt erneut einen Zwist zwischen den Bruderparteien anzufangen, wo diese Bundesregierung und Deutschland wahrlich andere Probleme hat derzeit.
Das CDU-Präsidium will am 9. November intern über die Kandidatenfrage beraten. Bundeskanzler Merz hat angekündigt, dann einen finalen Vorschlag in der Unionsfraktion einzubringen. Ob die CDU letztlich „mitspielt“, entscheidet sich in den vertraulichen Verhandlungen zwischen Merz und Söder in den nächsten Wochen. Bleibt die CDU starr, droht ein offener Machtkampf in der Union kurz vor der Wahl eines neuen Staatsoberhauptes am 30. Januar.

6 Kommentare

  1. „Kann diese CSU-Frau Bundespräsidentin? Natürlich kann sie das – sie sollten Ilse Aigner nominieren“

    Oh, was muss man da können?

  2. Merz ist einfach ein Fiasko. In vielen Bereichen kündigt er wortgewaltig Entscheidungen an, um sie dann in die Versenkung zu schicken.
    Warum stellt er sich hier quer?
    Mehr und mehr erscheint er mir wie ein Autist, der die Umgebung nicht wahrnehmen kann.
    Aber man sollte bedenken:
    Wird Ilse Aigner Bundespräsidentin, scheidet eine Kanzlerschaft von Markus Söder aus. Er wäre der Einzige, dem man noch zutrauen kann, die Karre Union nicht in den Dreck zu ziehen.

    1. Liebe Dr. Hildegard Königs-Albrecht

      Unsere Kommentare haben sich gerade überschnitten.

      Ich stimme Ihnen vollumfänglich zu. Markus Söder ist der einzige in der Union dem ich es zutraue, die Unionskarre aus dem Dreck zu ziehen. Er ist nah beim Volk, führt das erfolgreichste Bundesland und ist rhetorisch der mit Abstand versierteste Politiker im Land. Das muss der Neid ihm lassen.

      Und er ist mit allen politischen Wassern gewaschen. Sowas braucht es, um in dem Amt des Bundeskanzlers zu bestehen.

  3. Ich glaube, in der Gleichung fehlt noch ein weiterer Faktor. Und dieser heißt Markus Söder.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass es der bayerische Ministerpräsident höchstpersönlich ist, der Friedrich Merz hinter verschlossener Türe nahegelegt hat, Ilse Aigner nicht zuzustimmen. Er möchte sich als Nachfolger von Merz im Spiel halten. Entweder schon während der aktuellen Legislatur oder spätestens Anfang 2029.

    Und ein CSU-Kanzler neben einer CSU-Bundespräsidentin wäre dann doch eine zu große Kränkung der großen Schwesterpartei.

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