Berlin hat die Wahl: Wer Wohnraum will, wählt links – wer links wählt, verhindert Wohnraum
Wenn Sie sich im Tennis ein bisschen auskennen, dann wissen Sie, was man unter einem „Matchball“ versteht. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat das Kunststück geschafft, innerhalb weniger Wochen zwei Matchbälle zu versemmeln, die ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Amtszeit im Roten Rathaus beschert hätten.
Beim Stromausfall im Südwesten zum Beispiel, als wir statt eines mitfühlenden Landesvaters, der Probleme der frierenden Bürger gleich vor Ort löst und heißen Tee an die Helfer verteilt, einen Regierenden erleben mussten, der sich Zeit für seine Tennisstunde nahm, während Zehntausende unter den Folgen eines linksradikalen Terroranschlags litten.
Und dann das Glatteis-Chaos mit zahlreichen Unfällen und Verletzten durch Stürze auf vereisten Gehwegen. Und Wegner, der Richtlinienkompetenz hat, ordnet nicht etwa an, dass sofort Salz gestreut wird, auch wenn das der Umweltlobby nicht in den Kram passt. Einen führungsstarken Regierenden hätten wir da gerne erlebt. Hätten wir …
Ist also Schwarz-Rot nur eine kurze Episode?
Wenn am 20. September das Abgeordnetenhaus neu gewählt wird, blickt unsere Stadt auf dreieinhalb Jahre schwarz-rote Koalition zurück, die mit dem Versprechen angetreten ist, Berlin einfach mal machen zu lassen. Doch die Realität sieht für viele Berliner anders aus.
Die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Senats unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ist in aktuellen Umfragen auf einem Höchststand. Mehr als 60 Prozent der Berliner geben an, mit der Regierungsarbeit unzufrieden zu sein. Man wirft Wegner vor, bei den großen Themen wie der Verwaltungsreform oder dem Wohnungsbau zu wenig geliefert und sich zu oft in internen Streitigkeiten mit dem Koalitionspartner SPD verheddert zu haben.
Aber in der Sonntagsfrage liegt die CDU mit etwa 23 Prozent weiter deutlich auf Platz eins. Wegner profitiert von der Zersplitterung seiner Gegner und von der schieren Verzweiflung der Bürgerlichen, die nach dem Hinscheiden der FDP und der Putinisierung weiter Teile der AfD heimatlos geworden sind. So gilt Wegner vielen Berlinern als kleineres Übel gegenüber einem drohenden rot-rot-grünen Block, der die angeschlagene Hauptstadt definitiv weiter in die Grütze führen würde.
Es ist ja seit vielen Jahren für Außenstehende rational nicht nachzuvollziehen, warum eine deutliche Mehrheit der Berliner immer wieder diejenigen wählt, die die offenkundigen Probleme nicht nur nicht lösen, sondern verschlimmern.
Ein Beispiel ist der fehlende Wohnraum
Berlin ist weiter ein Magnet für den alljährlichen Zuzug tausender Menschen. Das hängt damit zusammen, dass hier Deutschlands Regierung sitzt, mit allerlei Begleitzug aus Wirtschaftsverbänden, Kreativagenturen, Beratern und NGOs. Gut bezahlte „Jobs, Jobs, Jobs“, wie der aktuelle US-Präsident rufen würde.
Der ideale Nährboden für Stadtentwickler und kapitalkräftige Investoren. Berlin, da hatte Klaus Wowereit (SPD) einst völlig recht, ist „arm, aber sexy“. Aus dieser Stadt könnte man etwas Großes machen, eine pulsierende und vor allem prosperierende Metropole im Herzen Europas, wie man so schön sagt.
Aber die Wähler in Berlin wollen das nicht
Warum auch immer. Wollten sie mehr Bautätigkeit, Investitionen, einfache Genehmigungsverfahren und mehr staatliches Geld für diesen Sektor, dann müssten sie die Parteien wählen, in denen diese Leute ihre Repräsentanz haben. Früher waren das in Berlin CDU und FDP, bei denen sich – ich sage es mal salopp – allerlei „Bauluden“ tummelten. Das Problem dabei: Wenn diese Leute investieren und bauen und auch Risiken eingehen sollen, was angesichts einer massiv gestiegenen Nachfrage dringend notwendig wäre, dann wollen sie auch Profit machen. „Money makes the world go round“, wusste schon Liza Minnelli. Und ja, Kapitalismus ist angetrieben von Profitstreben; wir in Deutschland haben die Soziale Marktwirtschaft erfunden, die ungehemmten Kapitalismus eindämmt. Eine gute Erfindung.
Aber so tickt der Berliner eben nicht
Der Berliner liebt seine „Kieze“, seine Pluderhosen-Muttis, seine bräsige Multikulti-Romantik sonntagsnachmittags am Mauerpark. Und er wählt links, was für die linken Parteien eine Win-win-Situation ist. Die verhindern nämlich nach Kräften, dass gebaut und Gewinn erwirtschaftet wird, trommeln und stimmen dagegen.
Am 26. September 2021 stimmten 59,1 % der Berliner – mehr als eine Million Bürger (ca. 1,03 Millionen Menschen) – für die Verstaatlichung großer Immobilienkonzerne, um „die Mieten bezahlbar zu halten“. Gott sei Dank hat so ein Volksbegehren in Berlin nur appellativen Charakter; der Senat ist nicht gezwungen, das Ergebnis dann auch umzusetzen. Warum sollte ausgerechnet so was hier klappen?
Der Senat setzte eine Expertenkommission ein, die nach zwei Jahren Beratung zu dem Ergebnis kam, dass man Verstaatlichung rechtlich machen könne, die Hürden aber hoch seien. In Deutschland sind die Hürden immer hoch – wegen irgendwas.
Die schwarz-rote Koalition unter Wegner hat dann im Dezember 2025 einen Entwurf für ein Rahmengesetz vorgelegt, das so geschrieben ist, dass Enteignungen faktisch verhindert oder extrem erschwert werden. Ich liebe diese Stadt … irgendwie.
Also zusammengefasst …
Der Berliner fordert mehr bezahlbare Wohnungen, lehnt aber die Kapitalisten und Parteien ab, die ihm die notwendigen Häuser bauen können, weil die damit auch Geld verdienen würden. Stattdessen wählt man linke Parteien, die Bautätigkeit nach Kräften verhindern – und das mit zum Teil irren Begründungen.
So verzögerten sogenannte Naturschutzverbände in Pankow das Großprojekt „Pankower Tor“ mit seinen 2.000 neuen Wohnungen um Jahre, weil dort die seltene Kreuzkröte ihr Zuhause hat. Ein anderes Wohnbauprojekt wurde für ein ganzes Jahr gestoppt, weil man zuvor die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf die heimische Insektenpopulation prüfen wollte.
Schön auch: In Reinickendorf durften hunderte Wohnungen nicht gebaut werden, weil das Land Berlin den Bau einer Grundschule aus Geldmangel streichen musste. In Berlin gibt es aber ein Gesetz, das keine Baugenehmigungen zulässt, wenn im Nahbereich nicht auch eine Grundschule existiert. Und so weiter – man könnte endlos erzählen vom täglichen Irrsinn in unserer Metropole, die aber erstaunlicherweise irgendwie noch zu existieren scheint.
Zusammengefasst: Der Berliner wählt links, was dazu führt, dass er keinen bezahlbaren Wohnraum bekommt. Und weil er deshalb zu wenig Wohnraum hat, ist er unzufrieden und wählt auch wieder links, weil er glaubt, das würde automatisch den Wohnungsmangel stoppen. Ein ewiger Kreislauf. Glauben Sie mir, es sieht hier zwar anders aus, aber die DDR ist in den Köpfen vieler Berliner quicklebendig. Der Staat wird’s schon richten.
Neben der Achillesferse Mieten und Wohnen hat Berlin zwei weitere Hauptprobleme
Innere Sicherheit und Migration: Das ist weiter ein Konjunkturprogramm für die AfD, die vermutlich weiter deutlich zulegen wird. Obwohl die CDU bei der Polizeireform eine Menge richtig gemacht hat. Und die Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich haben hier eine lange, liebgewonnene Tradition. Das ist dann das Konjunkturprogramm für die Linke.
Kenia oder linker Block?
Stand heute haben CDU und SPD keine eigene Mehrheit mehr. Nach der Wahl könnte Wegner vielleicht die Grünen mit ins Regierungsboot locken. Die haben keine gemeinsamen Ziele außer dem Willen zur Macht. Bleibt als Alternative, da die „Alternative“ nicht mitspielen darf, nur der linke Block aus SPD, Grünen und Linken, vielleicht sogar BSW. Das wäre der Super-GAU für Berlin, denn die SPD wäre mit Grünen und Linken nur der Juniorpartner am Katzentisch und die Destruktiven könnten tun und lassen, was sie wollen.



Vielleicht braucht unsere phantastische, nach allen Seiten offene Hauptstadt einfach nur genau das: einmal vor die Wand laufen, aber richtig und mit Anlauf.
Vielleicht entsteht ja dann etwas „Neues“, „Großes“…
„Ich weiiiiß es wirrrrd einmal ein Wunderrrr geschehn …“
Das Berlin, in dem ich vor 60 Jahren studierte, gibt es nicht mehr, das heutige defiliert mir am Gesäß, also sollen sie, wie H.K. treffend formulierte, mit Anlauf gegen die Wand fahren.
Und dann müßte nur noch „der Maggus“ den Geldhahn zudrehen …
Lieber gestern als morgen
Berlin kann nur zwischen Pest und Cholera wählen.
Wegner hat es vom ersten Tag an versemmelt. Für mich ist er noch nicht einmal das kleinere Übel.
Der Wegner ist in einer sozialistischen Stadt aufgewachsen, da wird auch unter die schwarze Farbe eine Menge Rot gemischt.
Wenn der zu Zeiten von FJS in Bayern aufgewachsen wäre, täte er anders denken.
Vorletztes Wochenende war ich in Berlin. Hauptsächlich wegen Futurium und Don Giovanni. In der Tram hat sich eine alte Frau neben uns gesetzt und zu jammern begonnen:
„Die haben unsere Stadt so häßlich gemacht!“
Berlin hat inzwischen jegliches Maß an politischer Vernunft verloren. Mir tun die Menschen, die diese Politik ertragen müssen, aber inzwischen immer weniger leid.
Sie könnten anderes wählen und ihren Leiden ein Ende setzten.
Es würde nichts ändern.
Eine Stadt,
• in der ausschließlich rote Politik gemacht wird,
• in der die Clans von Bürgergeld in Millionenvillen leben,
• in der die Polizeianwärter Nachhilfe in Deutsch brauchen,
• in der Milliarden statt für Notstromaggregate und funktionierende Infrastruktur für Bäume ausgegeben werden,
• in der der Regierende weder die geringste Nähe zum Bürger und nicht due geringste Ahnung vom Regieren hat,
• in der man(n) jedes Jahr aufs Neue vom unerwarteten Phänomen „Winter“ überrascht wird
ist nichts Anderes als ein „failed state“, der schnellstmöglich abgewickelt oder „übernommen“ werden sollte.
Alternative: „Mutti“ lässt Berlin „rückgängig machen“ …
Es würde einen oder eine vom Typus Javier Milei erfordern – dann bestünde womöglich Aussicht auf Besserung.
Ohne Kettensäge ginge in Berlin gar nichts mehr – da bin ich ganz bei Ihnen.
In Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ war Berlin für einen jeden „Wessi“ so etwas wie ein „Großstadt-Abenteuer“, ein Besuch in Ost-Berlin erst recht.
Die Begeisterung der allermeisten Menschen dort beim Mauerfall und kurz danach werde ich sicher nie vergessen.
Aber was dann aus dieser Stadt geworden ist, der ganze Dreck, die Dysfunktionalität, das gesamte Siechtum – nein danke.
Ich kenne nicht nur einen Berliner, der mit weinendem Auge dort weggezogen ist.
Sie haben wahrscheinlich recht: da hilft nur noch die Kettensäge – am besten im Dutzend …
Es gibt Städte, da möchte man „nicht tit überm Zaunpfahl hängen“. Berlin steht an erster Stelle – unangefochten.
„TOT“ möchte da keiner überm Zaunpfahl hängen, nicht „TIT“. Auch nicht „TIT for TAT“ …
Ich fahre morgen für ein verlängertes Wochenende nach Berlin. Ich mache das jedes Jahr, und ich genieße es. Ein bisschen fühlt es sich an wie Zoo. Man schlendert durch die Gegend und blickt rechts und links auf erbärmliche Gestalten, die ein erbärmliches Leben in einer tristen Umgebung fristen.
Der große Unterschied zum Zoo ist nur, dass der Eisbär sich nicht ausgesucht hat, im Hochsommer in einem viel zu kleinen Gehege ein trauriges Leben führen zu müssen. Die Berliner aber sind stolz auf ihren armseligen Käfig, auch wenn dieser vor Dreck und Fäkalien überquillt und die Ratten sich offensichtlich die Behausung mit ihnen teilen. Man ist so gefangen in seiner Welt, dass man sogar ein Herz für das Ungeziefer entwickelt und sich für den Schutz dieser lieben Tierchen einsetzt.
Berlin ist einfach anders und jedes Jahr entdecke ich etwas neues, was mich gleichzeitig verwundert und schockiert. Der Zustand verschlechtert sich zusehens, aber die Schaafe sind weiterhin glücklich und zufrieden.
Es ist ein makaberes Spektakel und für einen Außenstehenden schlicht nicht zu verstehen. Am Montag werde ich dann diese Zustände mit einem Lächeln auf dem Gesicht hinter mir lassen und freue mich auf meine Heimat in Bayern. Dort ist zwar auch nicht alles Gold, aber zumindest verstehen wir die Mülltrennung und haben eine eigene Sprache, mit der wir uns untereinander tatsächlich verständigen können.
Mir ist zu Berlin noch etwas eingefallen:
Wir waren auch am Judendenkmal. Da sind einige Blöcke schon bandagiert und viele haben eh Risse.
Um ein Denkmal für Vergänglichkeit und Veränderung zu setzen würde ich da nichts mehr investieren. Dann kommen Kräuter, Büsche und langfristig wird es Wald.
Der Zippert hat gezappt und vorgeschlagen gar kein Endlager für Atommüll zu suchen. In einigen Jahrzehnten ist Berlin Sondermüll und wir könnten den Atommüll darunter entsorgen