Heute hui, morgen pfui: Wie Herr Bollinger drei Tage nach seinem Wahlerfolg abserviert wurde

Die AfD, wir sprechen gelegentlich darüber, ist eine etwas andere Partei als die anderen. Sie zeichnet sich besonders dadurch aus, dass ihre Anführer immer große Helden sind, alleine in der Lage – bitte ankreuzen – a) Deutschland b) Europa c) den Frieden oder d) wenigstens die eigene Partei zu retten.

Ich weiß das, weil mir einst, so um 2013, ein guter Freund versicherte, wenn Europa noch eine Chance habe, dann nur, weil Bernd Lucke uns alle rette. Nun, wir wissen, wie es endete. Und Frauke Petry und Jörg Meuthen erlebten das dann auch – heute super hui, morgen bäh und pfui.

Heute fügt die AfD in Rheinland-Pfalz ein weiteres Mosaiksteinchen zu dieser spannenden Geschichte hinzu.

Erinnern Sie sich noch an den fröhlichen und selbstbewussten Spitzenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten? Jan Bollinger mit einem starken 19,5%-Ergebnis vor jubelnden Anhängern und Fernsehkameras mit hochgerissenen Armen?
Heute, gut zwei Tage später ist Bollinger von der neuen AfD-Landtagsfraktion gestürzt worden
Mit 18 gegen 6 Stimmen entschieden sich die neuen AfD-Abgeordneten für Michael Büge (60) gegen Bollinger als Fraktionsvorsitzenden und damit auch Oppositionsführer im Mainzer Landtag.
Bollinger scheint jetzt ein wenig missvergnügt zu sein, teilte aber vorhin mit, er werde „das Ergebnis als Demokrat akzeptieren“ und wolle sich auch in Zukunft „konstruktiv in der Fraktion einbringen“.
Allerding habe er nicht erwartet, dass er als Spitzenkandidat nach diesem Wahlergebnis nicht wiedergewählt werde. Die Fraktion müsse das gegenüber den Mitgliedern und Wählern der AfD wohl erklären – ganz konstruktiv natürlich.
Ich habe Michal Büge vorhin zu seiner Wahl gratuliert, wir haben uns vor Jahren in Mainz kennengelernt. Büge war lange in der CDU, unter anderem Beigeordneter in Berlin-Neukölln und sogar zwei Jahre lang stellvertretender Bezirksbürgermeister dort.  Danach von 2011 bis 2013 war er in Berlin Staatssekretär für Soziales und Amtschef in der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Der Mann ist ein Profi und kein Sprücheklopfer. Sowas tut der AfD gut.
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Dieser Artikel wurde 15 mal kommentiert

  1. Johannes Antworten

    Das ist auch für mich eine Riesenüberraschung und eine kleine Sensation!

    Die mich riesig freut.

    Vielleicht markiert diese Neuaufstellung an der Fraktionsspitze zugleich einen Neuanfang im Umgang mit den übrigen Parteien in Tonalität und Umgangskultur. Und eröffnet so erstmalig realistische Chancen für einen sachlichen Dialog.

    Und: der Herr Büge hat offensichtlich gut vorgearbeitet 😉 von Listenplatz 14 an die Fraktionsspitze heißt, dass auch er gut Netzwerken kann. Allerdings wird er jetzt öfters über die Schulter schauen müssen, denn der geschasste Fraktionschef ist immer noch Landesvorsitzender und sehr nachtragend.

    • Günther M. Antworten

      @Johannes,
      falls Sie ein Parteimitglied der AfD sein sollten oder waren, hätten Sie gründlich überlegen sollen, ob denn ausgerechnet der Kommentarbereich dieses Blogs der richtige Platz ist, um Ihrer Aversie gegenüber eines Ihnen missliebigen Parteimitgliedes Ausdruck zu verleihen.
      Die Überschrift des Artikels spricht doch wieder mal Bände, finden Sie ähnlich Wiederkehrendes in Summe zur CDU?
      – Nein, denn was die Ihnen, Ihren Kindern und Kindeskindern einbrocken, ist hier nicht eingeplant, oder soll ich sagen eingepreist?

      Wenn Sie zu den ca. 98,5 Prozent parteiloser Bürger Deutschlands gehören, ist obiges gegenstandslos.

    • Klaus Kelle Antworten

      Guten Morgen, @Johannes!

      Ich möchte mich entschuldigen bei Ihnen für Schreiber hier, die mit Sätzen wie

      Die Überschrift des Artikels spricht doch wieder mal Bände, finden Sie ähnlich Wiederkehrendes in Summe zur CDU?

      eindrucksvoll dokumentieren, dass sie trotz jahrelanger Aktivität hier überhaupt nichts begriffen haben!

      Ob oder was Sie wählen ist hier vollkommen egal, was Sie denken oder schreiben ist allein Ihre Sache, und Sie können es hier veröffentlichen und zur Diskussion stellen – alles fein.

      Allein der Gedanke, ich müsste abzählen, welche Überschrift ich zu einem Artikel über die AfD und anderen über die CDU formuliere, ist so grotesk, dass man es kaum für möglich hält. Demnächst beginnt er damit, Worte und Buchstaben zu zählen…

      Meine Philosophie ist: ich denke und schreibe, was mir wichtig ist. Und wenn ich hier mal über das „Bündnis C“ drei Aufmacher veröffentliche, dann muss ich nicht gleichzeitig auch drei über das „Zentrum“ machen. Die AfD wird ja sowieso immer ganz doll benachteiligt…

      Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Denken und schreiben Sie hier einfach, was Sie möchten!

      Klaus Kelle

      • Günther M. Antworten

        Was zimmern Sie sich denn da zusammen?
        Meine erste Wortmeldung heißt „Vergiftetes Äpfelchen“ und bezieht sich auf die Wortwahl in der Überschrift: hui, pfui, abserviert und anschließenden herablassenden Absatz.
        Es ist doch auffällig, wie gern Sie der AfD etwas am Zeug flicken, während Sie bei der CDU wesentlich geschmeidiger agieren – verstärkt nach Ihrem Ausflug zur Werte Union und der Rückwärtsrolle zu Beginn der Kanzlerkandidatur von Herrn Merz.
        Zur Begrifflichkeit des Begreifens:
        Wie jemand seine Meinung in Wort und Schrift äußert, ist allein seine Sache.
        Wer sich aber als AfD-Mitglied bei Ihnen negativ über einen Kollegen auslässt, gibt Ihnen Wasser auf die Mühle und erweist seiner Partei einen Bärendienst.

  2. H.K. Antworten

    Wenn im Bundestag „die da“ wieder mal keinen Ausschußvorsitz oder zum x-ten Mal keinen Parlamentsvize durchsetzen können, heißt es hier immer wieder „das ist Demokratie !“

    Und selbst, wenn in Thüringen „die da“ mit 32,8% klar vorne liegen, meint die CDU mit knapp 10% weniger Stimmen, sie müßte die Regierung und den MP stellen – und das mit einem unter Plagiatsverdacht stehenden Vorsitzenden.

    Wenn „die da“ nach der Wahl einen anderen zu ihrem Vorturner wählen, dann ist das „heute hui, morgen pfui“ und „abservieren“.

    Warten wir mal die Landtagswahlen im Herbst ab.

    Wenn die – Entschuldigung: „Wählerverarsche“ so weitergeht wie bisher, ich bin nicht sicher, wie lange „das Volk“ da noch mitspielt.

    Wir sollten aufhören, immer und überall alles mit zweierlei Maß zu messen.
    Es ist der Glaubwürdigkeit nicht zuträglich.

    Und die Spielchen mit den Verfassungsschutzberichten, erstellt von unter Weisungsbefugnis der jeweiligen Regierung stehenden Behörden, gehen auch nicht mehr lange gut.

    Fragt sich, wann die Presse, die Medien. endlich aufwachen und ihre Arbeit machen.

    • S v B Antworten

      @H.K.

      „Fragt sich, wann die Presse, die Medien, endlich aufwachen und ihre Arbeit machen.“

      Lieber H.K., Sie sind doch nicht wirklich der Meinung, dass die von Ihnen Genannten aufwachen müssten? Ich bin mir sehr sicher, sie alle sind hellwach, putzmunter und wissen genau, was sie tun und was zu unterlassen haben. Mit arglosem Schlafwandeln hat all dies rein gar nichts zu tun. – Dennoch verstehe ich natürlich,, was Sie bemängeln und zum Ausdruck bringen wollen. – Schönes Wochenende übrigens!

      • H.K. Antworten

        Aufwachen, gemeint im Sinne von „tut endlich eure Arbeit und macht mal dem Namen „vierte Gewalt“ wenigstens ein bißchen Ehre“.

        Danke vielmals ! Ihnen auch ein schönes, hoffentlich weniger verregnetes Palmsonntags-Wochenende !

  3. H.K. Antworten

    Abgesehen davon, daß alle von Minister Pistorius angekündigten Pläne zur Weiterentwicklung der Bundeswehr, die „zu Ostern“ ( möglich, daß allerdings Ostern des NÄCHSTEN Jahres gemeint war ) dem Parlament von ihm vorgelegt werden sollten, nicht vorliegen und die letzte Sitzung des Bundestages vor Ostern gestern stattfand, der Herr „Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“ es aber vorzog, mit seiner Frau auf dienstliche Fast-Weltreise zu gehen und dann direkt anschließend noch seinen Urlaub zu nehmen, wundert es nicht, wie die „große, alte Arbeiterpartei“ im Ranking bei den Bürgern dasteht ( inzwischen bei 13 %, während die Grün*/-/:/_/•/Innen mit 15 % vorbeigezogen sind ).

    Wenn „die da“ einen Verwandten oder Familienangehörigen eines anderen von „denen da“ einstellen und beschäftigen, ist das ein „Skandal“, „“Vetternwirtschaft“, geradezu ein mit Todesstrafe zu ahnendes Schwerverbrechen und die „demokratische Welt“ regt sich auf bis zum Herzstillstand.

    Wenn der „beliebteste Politiker Deutschlands“ auf seine Dienstreise nach Japan, Singapur und Australien seine Ehefrau im Luftwaffenjet auf SteuerInnenzahlerkosten mitnimmt und nach dem letzten Termin seine private Urlaubsreise mit ihr in Australien startet, dann, ja dann – passiert genau: NICHTS.

    Tja, da sind sie wieder, die „kleinen, aber feinen Unterschiede“.

    • S v B Antworten

      Tja, und das alles während man dem Volke ans Herz legt, mehr zu arbeiten. Für wie dämlich hält man das Wahlvolk eigentlich? Das Selbstbild mancher Politiker ist schon ein recht bemerkenswertes.

      • H.K. Antworten

        Es ist alles nir noch zum Fremdschämen …

        Während Verfahren gegen CDU-Fraktionschefs wegen Milliardenschäden in Form von Masken sang- und kla(n)glos eingestellt wären, als würde dieses Land mit seiner Kohle nicht wissen, wohin damit und das Zeug schon aus Verzweiflung in die Sofakissen stopft, werden Rentnern, die sich über einen politikenden Märchenonkel lustig machen, vom „Überfallkommando“ die Türen eingetreten.

        Könnte es sein, daß in diesem Lande so einiges nachdenklich machen könnte und könnte es sein, daß hier so einiges schieflaufen könnte ?

          • S v B

            Endlich, endlich wieder ein Lebenszeichen von Tina Hansen! Ich hatte Sie bzw. Ihre Beiträge schon vermisst. Um ehrlich zu sein – ich hatte mir ernsthafte Sorgen gemacht… Auch Beiträge von GJ gehen mir schon seit einer Weile ab. Man will hoffen, dass es nichts Besorgnis erregendes ist, was sie vom Kommentieren abhält. Hm.

  4. Tina.Hansen Antworten

    Meine Nachricht wurde, sicher aus gutem Grund gelöscht.
    Gelöscht wurde im Jahre 2012 auch die Forma kelle.com, mit der Herr Kelle hier sein Profil verbindet.
    Und…. löschen, Klaus Kelle!

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