Die CDU vor dem Sturm am Bremer Rathaus vorbei

Die Bremer CDU hat einen Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl im kommenden Jahr aufgestellt. Den 53-jährigen Landwirt, Frank Imhoff, jetzt Präsident der Bürgerschaft, weil die Christdemokraten tatsächlich beim vergangenen Wahlgang stärkste Partei in der tiefroten Hansestadt geworden ist. Mit rund einem Viertel der abgegebenen Stimmen. Aber auf dem Parteitag hat er immerhin 100% bekommen. Mit persönlich ist es immer unheimlich, wenn ein Kandidat bei einer Wahl wirklich nur Ja-Stimmen bekommt, aber das ist ein anderes Thema.

25 Prozent – das war für die Christenunion in Bremen ein riesiger Wahlerfolg. Aber auch nur der Gedanke, die CDU werde im kommenden Jahr die Amtsgeschäfte im Bremer Rathaus übernehmen, ist absurd. So war es auch zuletzt – CDU stärkste Partei, SPD, Grüne und Kommunisten bilden die Regierung. 3:1 – reicht immer.

Ich empfehle ja gern, sich der Mathematik nicht grunsätzlich zu verweigern. Bremen – ich habe dort mal zwei Jahre gewohnt, schöne Stadt, zweifellos. Mein ältester Sohn ist da zur Welt gekommen, Schnoor Viertel, Becks vom Fass, SV Werder – kann man alles machen. Aber, liebe Freunde, linker als Bremen kann eine Stadt kaum sein.

Als ich 1985 hingezogen bin, dachte ich: was müssen die bei der CDU da für Pfeifen sein mit solchen Wahlergebnissen. Aber das stimmt gar nicht. Es ist die Soziostruktur, die es für die Union unmöglich macht, dort die Mehrheit zu erringen. Keine Katholiken, keine Vertriebenen, die Besserverdienenden wohnen im Umland. Sie verdienen fette Kohle in Bremen und leben in Delmenhorst, Stuhr, Oyten oder Achim. Da bezahlen sie ihre Steuern, und da wählen sie CDU. Die Lehrer, Sozialarbeiter, Uni-Mitarbeiter und Empfänger sozialer Transferleistungen bleiben. Und wer sonst noch arbeitet, richtet sich in kleinen Biotopen ein, unternimmt Radtouren nach Lilienthal, hört Vorträge beim Rotary-Club oder tankt Bildung im Übersee-Museum. Und endlich ist auch wieder Freimarkt.

Für die CDU ist es völlig egal, ob sie 20, 25 oder 30 Prozent holt – wie wird nicht regieren. So wie es egal ist, ob die AfD bei der Bundestagswahl 12, 15 oder 20 Prozent bekommt. Auch sie regieren nicht. Punkt.

Immerhin ist Werder wieder in der Ersten Liga.

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Dieser Artikel wurde 4 mal kommentiert

  1. Andreas Schneider Antworten

    Das Bremer Umland (in erster Linie Lilienthal) habe ich durch die Tätigkeit bei einem früheren Arbeitgeber etwas kennenlernen können. Bremen selbst beschränkte sich fast nur auf den Hauptbahnhof. Insoweit kann ich nur die recht gute und pünktliche ÖPNV-Verbindung dorthin hervorheben.

    Ein Stellenangebot aus dem Kreis Osterholz könnte mich glatt zum Umzug bewegen. Ein guter Eindruck! Bremen ist für das alte Landei eben „nur eine Stadt“ – und sein Status eines „Stadtstaates“ hat mir nie einleuchten wollen. Insofern vorbelastet – ich wäre allenfalls auch einer der beschriebenen Pendler.

  2. H.K. Antworten

    Merkwürdig – ich habe auch mal zwei Jahre in Bremen gewohnt.

    Eigentlich eine schöne, liebens- und lebenswerte Stadt. Vieles ist zu Fuß bzw. nahezu alles mit dem Fahrrad erreichbar.

    Und solange die Bremer*/-/:/_/Innen sich nicht dagegen wehren, daß in der Politik trotz anderslautender Wahlergebnisse gekungelt wird, bis alles nur nich rot sieht, haben sie selber Schuld.

    Und im Übrigen bin ich dafür, daß wir ein Wahlrecht nach englischem Vorbild bekommen.
    Aber angesichts unserer bevorstehenden Wahlrechtsreform ist eher damit zu rechnen, daß die Parlamente, insbesondere der Bundestag, noch größer und ineffektiver werden – mit noch mehr naseweisen grünen Küken und noch mehr Abgeordneten mit Migrationshintergrund.

  3. Frank Schubert Antworten

    Die politisch gewollte Verwahrlosung in Bremen kann ich bestätigen, darum
    lebe ich seit 20 Jahren in Lilienthal. Sehr schön lebenswert hier, nur ziehen immer mehr „Grüne“ ins Grüne, weil sie zwar einerseits die o.g. Politik befürworten, andererseits mit deren Folgen für ihre Familien nicht leben wollen. Das hat und wird allerdings zunehmend leider eine „grünere“ Politik hier zur Folge haben.

  4. Almut Rosebrock Antworten

    Bremen, rot-rot-grün regiert seit Jahren – man erlebt die Auswirkungen der Politik.
    Ich bin noch bei Bonn, wo Katja Dörner, die „neue“ grüne Bürgermeisterin mit ihrer rot-grün-Volt-Koalition gerade den Verkehr und Alles in Bonn zerstört (so sehe ich es!) In ein paar Monaten ziehen wir nach Bremen-Nord, ins Elternhaus meines Mannes. Nach früher CDU unterstütze ich heute die AfD. Da wertkonservative Themen bei der CDU NICHT mehr vertreten werden. Es brauch KOALITION statt Ausgrenzung und Distanzierung, um wichtige konservative INHALTE voranzubringen. In meinen Augen macht die AfD gute und kompetente Arbeit. TROTZ aller massiven Gegenpropaganda und AUSGRENZUNG / AUSSCHLUSS auf allen Ebenen.
    Mal sehen, wie es weitergeht. In Bonn, Bremen, Deutschland, Europa, UA- RU und der Welt. Mit GOTTES HILFE stehen wir hier.

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