Zwei Monate noch, dann ist Bundespräsident Joachim Gauck Privatier. Für heute hat der erste Mann im Staate Gäste zu einer Abschiedsrede ins Schloss Bellevue in Berlin eingeladen. Das Thema: „Wie soll es aussehen, unser Land?“ Eine Frage, die sich in der Tag viele Bürger in diesen Tagen stellen. Auf Gaucks Antwort dürfen wir gespannt sein. Für eine Bewertung seiner Amtszeit ist es noch zu früh. In der Bevölkerung ist Gauck überwiegend populär. Er ist ein politischer Bundespräsident, der nicht singt und durch Wälder wandert, sondern sich eingemischt hat. Wenn er über Freiheit geredet hat, habe ich ihm immer gern zugehört. Zu dem Thema kann er eine Menge beitragen bei seinem Lebenslauf.

In negativer Erinnerung ist mir eine Weihnachtsrede geblieben, in der er sinngemäß sagte, dass sich viele Migranten in Deutschland fürchteten, abends in U-Bahnhöfe zu gehen. Sofort kam mir der Gedanke, dass ich eigentlich nur deutsche Mitbürger kenne, die sich abends in U-Bahnhöfen fürchten – vor Migranten, oder wie das im modernen Deutschland heißt „jungen Männern“.

Verehrter Herr Bundespräsident, bevor Sie am 18. März aus dem Amt scheiden: Fahren Sie doch mal an einem beliebigen Samstagabend mit der Straßenbahn durchs Ruhrgebiet! Ohne Bodyguards. Dann bekommen Sie zum Abschluss noch ein Gefühl dafür, was die Menschen in Ihrem, in unseren Deutschland derzeit mehr als alles andere bewegt!

Am 12. Februar wird Gaucks Nachfolger gewählt, vermutlich der jetzige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Günter Munz Stuttgart Antworten

    Mich hat die damalige Weihnachtsansprache des noch Bundespräsidenten auch empört. Darf man öffentlich die Bürger so anlügen habe ich mich gefragt. Es gab keinen Aufschrei der Empörung in den Medien. So habe ich gedacht, muss es sich damals bei Weihnachtsansprachen in der DDR angefühlt haben.

  2. Siegfried Kieselbach Antworten

    Guten Morgen Herr Kelle,
    die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln nach Einbruch der Dunkelheit wünsche ich mir schon lange für unsere politischen Führungskräfte. Selbstverständlich ohne Eskorte und ohne begleitende Fernsehkameras! Gleiches gilt für den Besuch der Kölner Domplatte zu Silvester und die Teilnahme bei Karnevalsumzügen ( am Straßenrand! ). Das würde den Erfahrungsschatz, besonders der Grünen Damen, gewaltig erweitern. Nur leider wird das ein Wunschtraum bleiben.

  3. S v B Antworten

    Ich mag in das Hohelied, welches Herr Kelle über Person und Qualitäten des scheidenden Bundespräsidenten anstimmt, eher nicht einstimmen. Hat dieser doch der politischen Spaltung Deutschlands mit seiner berüchtigten Unterscheidung der Bürger in Hell- und Dunkeldeutsche wohl ganz bewusst betrieben.

    Auch die oft vernommene Darstellung von Herrn Gauck als mutiger Vorkämpfer für die Freiheit zu Zeiten der DDR erscheint mir recht fragwürdig. Es gibt durchaus Stimmen, die anderes behaupten. Seine Reden, seine Mimik, hatten, jedenfalls für mich, oft etwas Einstudiertes, Aufgesetztes, ja mitunter Schulmeisterliches. Mich jedenfalls konnte er selten überzeugen.

    Nun nimmt Herr Gauck Abschied von Schloss Bellevue, vom höchsten Amt, das Deutschland zu besetzen hat, und lässt die Bürger tatsächlich wissen, dass es ein besseres Deutschland nie gegeben hätte; und dass es nicht auf Herkunft, sondern auf Haltung ankäme. Auslassungen dieser Art zeugen nun wahrlich von einem gerüttelten Maße an Realitätsfremdheit.

    Trotz allem wünsche ich Herrn Gauck selbstverständlich Gottes Segen für seine Zeit als Pensionär.

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