Seit längerem war ich heute mal wieder in einer Autowerkstatt. Termin gestern vereinbart, heute morgen pünktlich da. Der “Serviceberater”, der meinen kleinen BMW (116 d) fit für den TÜV machen wird, steht neben der Hebebühne und leuchtet alles ab. “Hier tropft etwas Öl”, sagt er – dann schaut er in die Digitalanzeige, alle Balken leuchten grün, einer ist rot. “Da müssen wir nachschauen”, geht wohl um die Stabilierung. Der Mann steht da im Anzug und ist locker wie einst Franz Beckenbauer, als er Nationaltrainer (darf man das noch sagen?) wurde. Statt mit Trainingsanzug im Maßanzug am Spielfeldrand. Gezeitenwechsel. So ähnlich kommt es mir auch hier vor – Espresso und Fingerfood gibts nicht wegen Corona, aber sonst perfekt. “Kann mir jemand vielleicht ein Taxi rufen?” frage ich meinen “Serviceberater”, den ich eigentlich im ölverschmierten Overall erwartet hatte. “Ich kümmere mich drum”, verspricht er, und zwei Minuten später kommt eine sympathische Frau, stellt sich als die vom hauseigenen Fahrdienst vor und bringt mich bis vor unsere Haustür. Von wegen Servicewüste Deutschland, manches funktioniert auch heute noch bravourös.

 

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Dieser Artikel wurde 19 mal kommentiert

  1. Stefan Antworten

    Habe mir von Nevzad einen gebrauchten Benz gekauft. Nach 10 Kilometern spüre ich, etwas stimmt nicht. Sofort zu Mecedes in die Werkstatt, die Hinterachse ist gebrochen. Wird auf Kulanz getauscht.
    Ich liebe Marktwirtschaft!

    • GJ Antworten

      Sehr vertrauensförderlich, wenn Sie von Nevzad ein Auto mit gebrochener Hinterachse verkauft bekommen. Das hätte tödlich enden können!

  2. Achim Koester Antworten

    Gerade habe ich ein Schreiben meiner Vertragswerkstatt (Suzuki) erhalten, mit der Aufforderung kurzfristig zur “Serviceaktion 97DC” einen Werkstatttermin zu vereinbaren. Grund für die Aktion sei “eine aktualisierte Motorsoftware, die die Emissionen im realen Fahrbetrieb weiter verbessert”. Als misstrauischer Mensch, was Ver(schlimm)besserungen im Emissionsbereich für Dieselfahrer bedeuten, habe ich telefonisch weitere Informationen eingeholt. Kunden, die die Aktion schon hinter sich haben, klagten teilweise über höheren Verbrauch, andere wiederum verbrauchten angeblich weniger, prozentual hat die Werkstatt das allerdings nicht ausgewertet, ich vermute aber, es liegt so um die 95:5%.
    Die Aktion, und das ist das Fatale, ist nicht freiwillig, Verweigerer müssen mit dem Entzug der Betriebserlaubnis oder wenigstens der grünen Plakette rechnen.
    Schöne neue Welt, Aldous Huxley lässt von Big Brother grüßen.

  3. Alexander Droste Antworten

    Irgendwie habe ich einen Wahn – lese KZ-Werkstatt.

    Werkstatt hat ja trotz Krone immer auf. Wegen einem unschönen Aufsetzer in einer Pfütze war ich heute in der Werkstatt des Vertrauens um den Schaden begutachten und reparieren zu lassen. Ich klage nur über meine eigene Ungeschicklichkeit. Hätte auch ‘ner Frau passieren können. 😀

  4. GJ Antworten

    Verstehe ich jetzt nicht, warum das abdriftet in Richtung “Frauen am Steuer”. War doch gar nicht das Thema. Aber wenn es hilft: Ich (Frau) habe seit 39 Jahren den Führerschein und noch nicht einen selbstverursachten Unfall auf der Rechnung, keinen Punkt und ich kann rückwärts einparken. Und natürlich gibt es Frauen, die sollten lieber nicht fahren. 8 Berufsjahre habe ich Fahrerlaubnisse entzogen und über deren Neuerteilung entschieden. Sie dürfen versichert sein, dass meine Kundschaft großteils aus Männern bestand, die allesamt der Meinung waren, Deutschlands bester Autofahrer zu sein😉

    • H.K. Antworten

      Das Leben ist ernst genug, da darf ruhig etwas Humor ins Spiel kommen.

      ( Über Blondinen am Steuer hat ja noch nicht mal jemand geredet … ).

      😂

      Abgesehen davon: meine Holde fährt auch besser als ich …

    • Alexander Droste Antworten

      War da irgendwas mit “Frau am Steuer”? Ich habe drei mal geguckt und nirgends was gefunden, was irgendwie ehrverletzend für weibliche Autofahrer wäre. Eher so:

      Frau hat (vorgeblich) weniger Interesse am Thema, Bestätigung einer Frau mit Humor, Frauen sind dafür kommunikativ und Männer bauen Pannen, das könnte Frauen auch passieren (obwohl sie bessere Autofahrer wären).

      Und dann kommt etwas wirklich weibliches: Rechtfertigung für nichts!

      • H.K. Antworten

        „ … Hätte auch ‘ner Frau passieren können.“

        Herr Droste, SIE haben damit angefangen !

        Und DANN noch nen „ 😁 “ drangehängt !

        Wenn DAS keinen shitstorm nach sich zieht …

        😂

        • Alexander Droste Antworten

          Wer frei von Pannen ist, werfe den ersten shit.

          Sie war’s, sie wa…, äh, er war’s, er da …

          😀

  5. GJ Antworten

    Es war’s (m/w/d) 😂😎 Und Sie haben recht: Ich neige zu reflexartigen Rechtfertigung. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!

    • H.K. Antworten

      „ … Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!“

      Wer gehen kann, der gehe.

      Wer fahren kann, …

      😂

  6. Andreas Schneider Antworten

    So unterschiedlich kann eine Wahrnehmung bzw. Erfahrung sein!

    Ich war von 1987 – 2007 bei einem Vertragshändler (bzw. -werkstatt) beschäftigt. Ein altes Familienunternehmen mit 2 Betrieben, inhabergeführt in 3. Generation. Solide Arbeit, gute Einbindung in den ländlichen Raum meiner Heimat. Die Serviceberater trugen keine(!) Anzüge, sondern bedienten/berieten die Kunden im Arbeitskittel – man machte sich halt schon einmal die Finger schmutzig.

    2006 dann das Ende – eine unselige Gemengelage aus gesundheitlichen und Altersgründen veranlaßte die Familie, den Geschäftsbetrieb abzutreten.

    Das neue, “urban” geprägte Führungstrio trat tatsächlich nur im Anzug auf. Und vergraulte bereits im 1. Quartal seiner Tätigkeit ca. 15 % der Kundschaft. Meine anfängliche Erwartung, daß die Herrschaften aus ihren Fehlern lernen würden, zerschlug sich nach 7 Monaten, als beiden Belegschaften bei einer groß angelegten Präsentation de facto erklärt wurde, daß der bisherige, über Jahrzehnte hinweg von Wachstum und Solidität geprägte Firmenkurs fehlerhaft gewesen sei und man nun Folgendes umzusetzen habe…

    Danach begann ich, mich ernsthaft um eine neue Tätigkeit zu bemühen. Der Hammer fiel endgültig, als eines Abends meine Frau heulend von ihrer Arbeit im Nachbarort heim kam – einer unserer Kunden, der von den neuen Chefs herausgeekelt worden war, hatte sie recht erbost gefragt, “was denn in dem Puff bei ihrem Mann” eigentlich los sei.

    Letztlich verschlug es ich 2008 nach Köln. Und kaum 3 Monate später erhielt ich von daheim die knappe Meldung, daß “sie” es jetzt geschafft hätten – mein alter Arbeitgeber über 20 Jahre “stehe mit schwarzem Rand in der Zeitung”. Und um die 50 Kollegen vor einer höchst unsicheren Zukunft, in einer sehr strukturschwachen Region.

    Man sehe es mir nach – aber Anzugträgern, die sich an schmutzgefährdeten Arbeitsstellen nicht einmal die Ärmel aufkrempeln, begegne ich mit einigem Mißtrauen.

    • Alexander Droste Antworten

      Es gibt sie dennoch, die freien “Schrauberschmieden”, allesamt Familienbetriebe, wo schmutzige Finger noch zum guten Ton zählen. Da gehe ich gerne hin, denn sie sind menschlich, kulant und flexibel dazu auch noch günstiger.

  7. Paul Kersten Antworten

    Danken für den tollen Beitrag. Es freut mich zu hören, das bei Ihrem Werkstattbesuch alles so reibungslos ablief. Toll, das Sie sogar von bis vor die Haustür gefahren wurden, sowas nennt man wirklich Service. Ich muss bald auch wieder zu einer Werkstatt um mein Auto “fit für den TÜV” zu machen. Aus diesem Grund suche ich gerade nach einer zuverlässigen Autowerkstatt für eine Autoreparatur in der Wiener Neustadt.

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