Mit der Wahl von Frei ist gar nichts gut für Merz und die CDU

„Die Personal-Rochade, die Friedrich Merz vorgenommen hat, finde ich schwierig, weil sie auf einer persönlichen Ebene ganz seltsam und unschön gelaufen ist. Ich finde sie aber auch schwierig, weil ich nicht nachvollziehen kann, inwiefern das ein Zeichen nach vorne sein soll.“

Das hat die Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) Brandenburg, Laura Strohschneider, in ihrer Rücktrittserklärung und zum gleichzeitigen Austritt aus der CDU geschrieben. Und die Frau ist dabei beileibe nicht die einzige, die so empfindet.

Wer nach der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gestern und der Wahl von Thorsten Frei mit überzeugenden 92 Prozent in die Nachfolge von Jens Spahn an der Spitze der Fraktion meint, nun sei die Krise der Union und ihres Bundeskanzlers Friedrich Merz vorbei und diese könne nun locker im Sommerloch versickern, der hat keine Ahnung, wie Politik funktioniert.

Natürlich denken Abgeordnete der Union auch ans persönliche politische Überleben. Das ist systemimmanent.

Und natürlich wäre jedes Ergebnis unter 90 Prozent bei der Wahl zum Fraktionschef peinlich gewesen. Aber die Wahl von Thorsten Frei ist die Wahl von Thorsten Frei. Ganz sicher ist sie kein Zeichen des Vertrauens in den Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz.

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Allein wie Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder nach der Fraktionssitzung in Berlin und in Anwesenheit von Merz den aus dem Amt gedrängten Jens Spahn geradezu überschwänglich lobte und ihm eine politische Zukunft attestierte, das war ganz großes Polit-Kino. Und man sah Merz an, wie sehr ihn das anko… ihm das missfiel.

„Ich glaube, dass der Weg von Jens Spahn noch nicht beendet ist“, so Söder und weiter: „Jemand mit solchen Talenten und so einer politischen Kraft, der wird sicher irgendwann wieder eine führende Rolle übernehmen.“

Wir alle sind gespannt

Und da ich die CDU über Jahrzehnte in der Innenansicht erlebt habe, halte ich das nicht einmal für unwahrscheinlich. Masken-Milliarden, Leihmutter-Kind, Brosius-Gersdorf – was schert mich mein Geschwätz von gestern, oder?

Der Unmut in der Union ist bei Funktionären, Abgeordneten, Mitgliedern und Wählern immens.

Dabei kocht die Empörung besonders um das Hickhack mit Verkehrsminister Patrick Schnieder hoch, der in der Fraktion offenbar ein gutes Standing hat. Am Donnerstag vergangener Woche rief der Bundeskanzler mit dem Händchen für richtige Zeitpunkte Schnieder am letzten Urlaubstag auf einem Campingplatz in Island an, um ihm mitzuteilen, dass er gefeuert sei.

Dumm nur, dass der von Merz vorgesehene Nachfolger im Ministeramt, Fritz Güntzler, am folgenden Freitagmorgen um 4 Uhr in der Nacht dem Kanzler eine SMS schickte, dass er es sich anders überlegt habe und nicht Minister werden wolle, weil er vom Verkehrssektor keine Ahnung habe.

Man wünschte sich, auch andere Ministeranwärter in der Vergangenheit hätten so viel Schneid gehabt. Dann hätten wir auf manchen Baer-Bock verzichten können.

Carsten Linnemann, jetzt neuer Gesundheitsminister, hatte einen Ministerjob bei Merz im vergangenen Jahr abgelehnt, weil er selbst einräumte, er hätte – nur als Beispiel – Beispiel als Gesundheitsminister keinerlei Fachkompetenz. Ein Jahr später ist nun alles tutti!

Wahrscheinlich hat er als Generalsekretär im Konrad-Adenauer-Haus nebenbei ein paar Fachbücher über Gesundheitspolitik gelesen und ist jetzt unser bester Mann dafür…

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Gerd Franken Antworten

    Eine Portion Spekulatius gefällig? Ich nehme mal an, dass Fritz Güntzler in der Nacht ein intensives Gespräch mit seiner Frau führen musste, die ihm dann um 4 Uhr morgens ein Ultimatum gestellt hat. Die „beste“ Personalie ist allerdings Philipp Amthor, der mittlerweile ein passables Double für Alfred E Neumann abgibt. Die älteren unter uns erinnern sich an MAD….Dieser Chef-Einpeitscher und Dauerklatscher für Merz ist an Peinlichkeit wirklich nicht zu überbieten. Was soll das Friedrich Merz?

    • Johannes Antworten

      „ Alfred E Neuman“

      Einfach klasse!!

      Und MAD hat inzwischen umfirmiert: BRD

  2. Martin Ludwig Antworten

    Herr Merz und seine CDU befinden sich auf dem direkten Weg zur Bedeutungslosigkeit – sie scheinen es nur noch immer nicht verstanden zu haben. Am 06.09.2026 sind Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, am 20.09.2026 in Meck Pomm. Ich prophezeie den Untergang der Ära Merz anfang Oktober. Anschließendes Parteiengeklüngel und Postengeschachere in den Landtagen. Als Druckmittel werden dort bereits mögliche Posten in einer neu gewählten Bundesregierung verschachert. Anschließende Auflösung des Bundestags zur Mitte Dezember und Neuwahlen ende Januar 2027.
    Linnemann weiß über diesen Plan bescheid und hat die Zusicherung bekommen, dass er seinen Job als Gesundheitsminister, den er in der Vergangenheit kategorisch ausgeschlossen hatte, nur über die Zeit retten muss und er anschließend seine Wunschposition bekommt.
    Um beim Schach-Vergleich zu bleiben: Nach der Rochade kommt das Damenopfer in Form von F. Merz. Dieser hat längst die Kontrolle über die folgenden Spielzüge verloren und weiß nichts von seinem „Glück“. Als Springer und Türme bringen CDU und SPD vorher ausgewählte Leute (vermutlich Wüst, Amthor, Linnemann, Klingbeil, Bas, Pistorius…) in Stellung um die AfD in den Landtagen „Schach“ zu stellen um diese zum Abwehren des Schachgebots in Zugzwang zu versetzen.
    Die AfD hat jedoch noch ihre Dame an der Spitze und weiß vermutlich bereits jetzt, welcher Zug die Schwarzen sofort so richtig unter Druck setzen wird. Es wird eine spannende Partie und ich setzte mein Geld auf „Weiß“.

  3. Nobby Antworten

    „er hätte … keinerlei Fachkompetenz.“
    Offensichtlich inzwischen die wichtigste Voraussetzung um in Deutschland Spitzenpolitiker zu werden!

    • S v B Antworten

      So wird’s wohl sein…

      Bisher dachte man, dass die Regierung Scholz, im Volksmund Ampel genannt, diesbezüglich den Vogel abgeschossen hätte. Aber nein, es geht noch doller… wie man sieht. Der Vertrauensschwund in der Bevölkerung vollzieht sich nicht grundlos.

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