Putztag im Saarland

Seit mehr als 20 Jahren regiert die CDU das Saarland. Peter Müller, Annegret Kramp-Karrenbauer, jetzt (noch) Tobias Hans waren die Ministerpräsidenten. Tobias Hans ist es noch, aber nur noch bis morgen Abend. Und das ist logisch.

Hans ist ein Relikt der Merkel-Ära, ein Parteisoldat. Sein Vater Peter Hans war früher (1999 bis 2007) Fraktionsvorsitzender der CDU im sächsischen Landtag. Sohn Tobias hat die klassische Unions-Karriere durchgezogen, Junge Union, Stadtverband, Kreisvorsitzender, Stadtrat in Neunkirchen, dann Landtag, jetzt Ministerpräsident. Viele Karrieren in der Union und anderswo sind so oder ähnlich verkaufen, daran ist nichts anstößig. Und dass er bei Verfassen seines Lebenslaufes…sagen wir…einige Fragen offenließ? Geschenkt, das ist heute so üblich in Deutschland.

Tobias Hans kämpfte innerparteilich gegen Friedrich Merz, als es um das trostlose Erbe Merkels in der CDU ging. Das ist erlaubt. Er unterstütze Kramp-Karrenbauer, seine Vorgängerin, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Auch das verständlich. Aber dieses gönnerhafte „Friedrich Merz hat viel gelernt“ in Interviews und „Viele Parteimitglieder sind positiv überrascht von Merz“, das sagt wenig über Merz und viel über den aus, der so redet. Wie ein Anpasser, ein Apparatschik. Einer der vollzieht, was die Partei ihm vorgibt. So auch im Februar 2020, als der Saarländer seinem Parteifreund, dem ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen den Austritt aus der CDU empfahl, weil der ja – ganz schlimm – ein Konservativer ist.

Alles spricht dafür, dass Tobias Hans morgen von den Saarländern abgewählt wird. Die Umfragen sprechen eine deutliche Sprache für die SPD-Kandidatin Anke Rehlinger. Kann sein, dass es danach dann wieder eine GroKo gibt unter anderen Vorzeichen. Gut möglich aber auch, dass es wie im Bund zu einer Ampel-Koalition kommen wird, je nachdem welche der kleinen Parteien morgen den Einzug in den Landtag in Saarbücken schafft. Und wenn nach Oskar Lafontaines Demission sogar die Linke an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, dann mache ich morgen Abend ein Fläschchen Rotkäppchen auf.

Ich denke, es ist gut für die CDU, wenn alle Personalien an der Spitze Schritt für Schritt bereinigt werden, wenn alle, die die einstmals stolze Partei Konrad Adenauers und Helmut Kohls heruntergewirtschaftet haben, in den Ruhestand gehen (müssen). Friedrich Merz ist CDU-Chef und in seinen Bundestagsreden blitzt zunehmend das auf, was die Union einst war, und das vorgetragen mit erwachender Angriffslust. Ist das eine Trendwende? Noch lange nicht.

Angela Merkel hat 20 Jahre dafür gebraucht, die CDU – ihre Partei, mag ich nicht schreiben – zu halbieren. Friedrich Merz kann keine kurzfristigen Erfolge erwarten, und wird sie auch nicht ernten. Weder im Saarland, noch in Schleswig-Holstein, und wie ich persönlich glaube auch nicht in Nordrhein-Westfalen, wenngleich man Hendrik Wüst nun wirklich nicht für das kollektive Versagen der CDU-Nomenklatura in den Merkel-Jahren verantwortlich machen kann.

Wahltag ist Zahltag, so sagte man früher. Ich würde die anstehenden Landtagswahlen für die CDU nicht als Zahltag, sondern als Putztag bezeichnen, als Beitrag für das  christdemokratische Klima. Den Prozess der konsequenten inhaltlichen und personellen Ausmistung derjenigen vorantreiben, die die Union nahe an der Abgrund gebracht haben. Der innerparteiliche Reinigungsprozess ist mit der Wahl von Merkel keineswegs abgeschlossen, er hat erst begonnen. Merkel, Kramp-Karrenbauer, Altmaier, Laschet – sie alle wissen, was ich meine. Tobias Hans wird es spätestens morgen auch erfahren.

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Dieser Artikel wurde 16 mal kommentiert

  1. H.K. Antworten

    „ Ich denke, es ist gut für die CDU, wenn alle Personalien an der Spitze Schritt für Schritt bereinigt werden, wenn alle, die die einstmals stolze Partei Konrad Adenauers und Helmut Kohls heruntergewirtschaftet haben, in den Ruhestand gehen (müssen). “

    In den Ruhestand ?

    Der Regierungschef des wohlhabensten ( oder heißt es wohlsthabenden ? ) und gleichzeitig bevölkerungsreichsten Bundeslandes ist mittlerweile 44.

    In den Ruhestand mit 44 ?

    Davon träumt so mancher, der mit 64 noch nicht gehen darf.

    Also wird der Herr wohl noch anderweitig seine Brötchen verdienen müssen.

    Nur wo und womit ?

    Ein Mensch in einer herausragenden, vorbildhaften Führungsposition, der nichts Richtiges gelernt hat, der sich in Talk shows ganz toll findet, wenn er erzählt, daß er die Weihnachtsgrüße eines europäischen Regierungschefs „in den Müll“ wirft, der Ungeimpften öffentlich droht „Ihr seid jetzt raus aus dem gesellschaftlichen Leben“ – WER bitte soll einen SOLCHEN Menschen für WAS einstellen ?

    Für eine hochdotierte Führungsposition ist jemand mit derart spalterischen Charaktereigenschaften sicherlich bei der Stasi geeignet – aber nicht in einem halbwegs vernünftig geführten und erfolgsorientierten Unternehmen.

    Und wer sich nicht scheut, öffentliches Mobbing eines ( Partei-) Kollegen zu betreiben, wird das immer wieder tun.

    Mir fällt dazu nur „der Bömmel“ aus der Feuerzangenbowle ein:

    „Bah, wat habt ihr für ’ne fiese Charakter!“

    ( Vielleicht findet der stets nette und charmante Herr Pofallera ja ein Pöstchen bei der „Eisenbahn“.)

  2. Andreas Schneider Antworten

    Lieber Klaus, einige mir persönlich Bekannte sind unverdrossene SPD-Anhänger; dies u. a. schon seit der gemeinsamen Schulzeit. Wenn ich beobachte, was aus diesen Kreisen in den „sozialen Netzwerken“ landet, so ist das auffällig häufig ein (aus meiner Sicht) recht verklärter Blick auf die Kanzlerschaft Willy Brandts.

    Was hat nun aber die SPD des Jahres 2022 noch mit der SPD der ersten Hälfte der 70er Jahre zu tun (bei allem Respekt vor Brandt)? Wie soll ich diese so offen vorgetragene Haltung beurteilen, die mit unserer heutigen Realität doch kaum mehr etwas zu tun hat? Wer wollte ernsthaft annehmen (können), daß die SPD wieder einmal die politische Kraft abbilden mag wie vor 50 Jahren?

    Und nun ersetze ich einmal (ohne damit jemand auf den Schlips treten zu wollen) „SPD“ durch „CDU“ und „Brandt“ durch „Kohl“.

    Wo – ganz konkret – soll ich da entscheidende Unterschiede festmachen?

  3. Gerd Rau Antworten

    In Deutschland ist eben nichts und niemand da, dem man eine politische Trendwende zu besseren zutrauen kann, zugegeben nur meine Meinung. Allerdings wenn ich mich im Bekanntenkreis so unterhalte, ich haben noch keinen Wiederspruch auf diese Meinung bekommen

  4. Wkrueger Antworten

    Volle Zustimmung Herr Kelle,
    bei mir hat Herr Wüst an dem Punkt verschissen, als die Impflicht mit der abschätzigen, verfassungsrechtlich ungültigen und gerade rachsüchtigen Aussage begründete: jetzt sind eben mal die Ungeimpften dran.

    Übrigens Update zu meiner früher eher zurückhaltenden Haltung gegenüber ukrainischen Flüchtlingen. Von denen, die ich bisher kennen gelernt habe kann ich nur Positives berichten. Eine vierköpfige ukrainischer Flüchtlingsfamilie ist gerade bei mir eingezogen.

    • H.K. Antworten

      Ja, schön blöd.

      Aber: WAS sonst tun ?

      Die, die uns seit Jaaaahren dummes Zeug erzählen und ver…., wiederwählen ?

      Putschen ?

      Monarchie wieder einführen ?

      Immer mehr Bundesländer tendieren wohl dahin, auch nach Ablauf der Übergangsfrist am 02.04. alles „so weiterlaufen zu lassen“, in dem sie das ganze Bundesland kurzerhand zum Hotspot erklären.

      Und, wer regt sich auf ? Wer tut etwas dagegen ?

  5. H.K. Antworten

    Tja, Herr Hans, Zeit, über so manche Aussage der jüngeren Vergangenheit einmal nachzudenken …

    Es ist wie auch bei der Bundestagswahl:
    Die SPD gewinnt nicht, weil sie so gut ist, sondern weil der Spitzenkandidat der CDU so desaströs schlecht ist.

  6. GJ Antworten

    Zu dem Ergebnis der Linken: Lassen Sie sich den Rotkäppchen-Sekt schmecken, Herr Kelle. Und lieben Gruß an Ihre Frau! Bei mir wird es Rotwein sein. Von Sekt kriege ich Kopfschmerzen. Und davon habe ich ohnehin genug, seitdem ich Erlasse und Anordnungen von Na… Fa…. umzusetzen habe.

    • H.K. Antworten

      Vielleicht sollten Sie mit dem Rotwein so lange warten, bis definitiv klar ist, daß die Mauerschützenpartei nicht doch noch wegen 3 „Direktmandaten“ in den Landtag einzieht ( so es die denn im Saarland gibt ) …

  7. H.K. Antworten

    Vielleicht sollten Sie mit dem Rotwein noch so lange warten, bis definitiv feststeht, daß die Mauerschützenpartei nicht doch noch wg. 3 gewonnener Direktmandate in den Landtag kommt ( so es die denn im Saarland gubt ) …

  8. Hildegard Dr. Dr. Königs-Albrecht Antworten

    Gut, daß Hänschen gestolpert ist.
    Von so einem Schnösel will ich mir nicht die Welt erklären lassen.

    Seine SPD-Gegnerin macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Und als ehemalige Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Energie kann man ihr zutrauen, daß sie weiß, wie wichtig es in diesen verrückten Zeiten ist, daß die Menschen Arbeit haben und die Wirtschaft läuft.

    Eigentlich ist die SPD keine Option für mich, aber in diesem Fall scheint mir ihr gutes Abschneiden im kleinen Saarland ein Hoffnungszeichen zu sein.

    Im Ausblick auf die Wahl in NRW weiß ich schon jetzt, daß ich diesen Scharfmacher und Corona-Angsthasen Wüst nicht wählen werde. Nicht nur das sture Festhalten an den Maßnahmen, sondern auch die Verteufelung der Impf-Gegner und der angesagte Impfzwang werden mich niemals dazu bringen, einen Vertreter dieser Politik zu wählen.

  9. GJ Antworten

    Frau Dr. Königs-Albrecht: Einer war doppelt, zieht Hans (Rosendahl) ab. Dalli Dalli. Liebe Grüße 😉

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