Sommerhitze am Niederrhein und kein Urlaub geplant. Für den Publizisten nahezu alternativlos, im öffentlichen Freibad nach Abkühlung zu suchen. Und dabei die Mitmenschen ein wenig zu beobachten. Ist Ihnen mal aufgefallen, wie viele Leute in der bunten Republik inzwischen tätowiert sind? Ich will das gar nicht werten, ich finde ein gelungenes Tattoo mit einem ansprechenden Motiv durchaus schön. Wohlgemerkt: ein gelungenes Tattoo mit einem ansprechenden Motiv…

Wir Deutsche neigen ja dazu, uns über die Amerikaner an sich zu erheben. Sie wissen schon: deren Wohlstand beruht ja einzig darauf, dass sie 1945 unsere Wissenschaftler und unsere Raketenpläne über den großen Teich geschafft und deshalb die Computer und Smartphones erfunden haben. Schwachsinn, sagen Sie? Klar ist das Schwachsinn, aber Sie glauben nicht, wie oft diese Dinge auch heute noch erzählt werden, kommt das Gespräch auf die Vereinigten Staaten. Und zu den Vorurteilen, die wir so haben, gehört IMMER, dass „die Amerikaner“ alle ungesund essen und unglaublich fett sind.

Erstaunlich, dass man so etwas heute auf offener Straße noch behaupten darf, ohne dass man direkt einen mit der Rassismuskeule abbekommt. Aber mal ernsthaft: Gehen Sie in ein deutsches Freibad und schauen sich das Publikum an. Anscheinend alles Amerikaner, praktisch 90 Prozent der Badegäste – männlich wie weiblich – mit deutlichem Übergewicht.

Einzige Ausnahme sind übrigens die jungen Männer, augenscheinlich türkischer Herkunft, und das sage ich ohne jeden Neid. Durchtrainiert, kein Gramm Fett zu viel, braungebrannt, coole Sonnenbrillen. Und Motivation für mich, endlich wieder mehr Sport zu machen…

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Dieser Artikel wurde 18 mal kommentiert

  1. colorado 07 Antworten

    Warum eigentlich nicht? Hat man(n) Angst vor seinen eigenen Brüdern und Schwestern?

  2. W. Lerche Antworten

    Diese Tattoos sind tatsächlich ein Phänomen, dem man allerorts begegnet, sogar bei hohem Kragen, wenn die Stempelfarbe bis zur Glatze hoch klettert. Ich sehe keinen Unterschied, ob hübsch oder hässlich – alle Haut-, Gesichts- und Körpertypen sind dabei. Ob die wohl daran denken, wie das in späteren Jahren aussehen wird, ob sie es dann noch wollen? Vermutlich denken alle diese Tätowierten, dass sie ewig jung bleiben und das Älterwerden nur die anderen betrifft. Besonders lecker erscheinen dazu Piercings im Gesicht, an der Lippe, auf der Zunge, in der Nase. Bei einigen medialen Darstellern ist noch die Narbe über dem Auge zu erkennen, wo vermutlich mal Metall war. Ich kann natürlich nur für mich sprechen: Was kann schöner sein als Natürlichkeit, so wie uns die Natur schuf? Wie kann man dieses Geschenk der Natur dauerhaft verunstalten?
    Früher erkannte man am Tattoo, wer schon mal im Knast war. Damals im Knast wurde tätowiert, ob freiwillig oder unfreiwillig. Heute lassen sich Knastis nicht mehr am Tattoo erkennen. Auch bei Seeleuten war das Mode.
    Besonders irritieren mich junge Frauen, denen das Tattoo vom Knöchel über die Beine, den Body, Arme praktisch überall hin reicht. Dagegen sind die „Geweihe“ in der Lendengegend nichts mehr.
    Und was die Bilder dieser Tattoos aussagen sollen, dahinter komme ich nicht.
    Vielleicht zahlt irgendwann die Krankenkasse das Wegmachen solcher Verunstaltungen, wenn diese Generation dann in Regierung und Gerichten das sagen haben wird.
    Aber das ist ein Thema, mit dem kann ich gut leben, denn es geht mich nicht persönlich an. Von daher soll jeder nach seiner Fason sich glücklich verunstalten.

  3. KJB-Krefeld Antworten

    Lieber Herr Kelle,
    man sollte die Amerikaner nicht dauernd „herabwürdigen“ Einverstanden. Was ihre Bildung angeht, dazu meine folgende Geschichte.
    Meine erste Reise in die USA war dienstlich im Auftrag meines damaligen Englischen Brötchengebers in Sierre Leone. Nach Ankunft in Hibbing/Minn bei grimmiger Februar Kälte machten wir (meine Frau begleitete mich)“Taxi Sharing“ mit einem Amerikaner. Nach seiner Erkenntnis, wir wären gerade aus Deutschland gekommen, fragte er uns, ob wir per Bahn oder Flug aus Deutschland angereist wären. Ordnungsgemäß erklärten wir unsere Flugreise.
    Am, nächsten Tag traf ich diesen Herren als Chefingenieur des Betriebes, durch den er mich führte.
    So viel zum Bildungsstand der Amerikaner.

  4. S v B Antworten

    Tja, die Tattoos. Wenn sie doch bloß in schönen, leuchtenden Farben daher kämen! Da sie irgendwie öde und schmutzig wirken, lassen sie ihre stolzen Träger oft geradezu ungepflegt erscheinen. Echt. Bei allen Tattoos, auf die mein neugieriger Blick bisher gefallen ist, blieben die Farben weit unter ihren Möglichkeiten. Rot war nie anregend feuerrot, blau nie optimistisch kornblumenblau, und auch das gestochene Grün ließ regelmäßig die gleichermaßen beruhigende wie Aufbruch signalisierende Färbung eines Blättchens im Mai vermissen. Was das angeht, scheint mir Nachbesserung dringend geboten. Alleine schon deshalb, weil die Tattoos später auf der gealterten, welken Haut dann vielleicht nicht gar so garstig auf Träger und Betrachter wirken könnten.

    Tattoos und andere Verzierungen sind fast so alt wie die Menschheit selbst. „Der Mensch als Kunstwerk“ wandelt also seit vielen Jahrtausenden auf diesem Planeten. Seien wir doch froh, dass, abgesehen von der Wiederentdeckung des Tattoos, diverse andere archaische Sitten und Gebräuche unsere Breiten, bzw. Zeiten, (noch) nicht (zurück?) erobert haben. Kaum auszumalen, wenn sich die Sitte der mexikanischen Maya, Kindern während ihres Schädelwachstums die Stirn mittels eines Holzbretts unnatürlich zu verformen, sodass der nach weit nach oben und hinten verzogene Kopf danach einen Anblick geboten haben musste, der für uns heute gewiss nicht leicht zu ertragen wäre.

    Dem gegenüber muten respektable Löcher in Ohrläppchen oder Unterlippe, welche mit immer größeren, meist runden Gegenständen in ihre endgültige Form gedehnt wurden, geradezu harmlos an.

    Bis heute ist es in einigen afrikanischen Gegenden Usus, die Wangen von Heranwachsender beidseits mit Schmucknarben zu versehen. Auch das Überkronen völlig gesunder Schneidezähne mit Gold ist in manchen Regionen Afrikas – aber auch anderswo auf der Welt – keine Seltenheit. Hierzulande würde dies bestenfalls als dentale Geschmacksverirrung angesehen, die es unter allen Umständen zu vermeiden gilt.

    „Der Mensch als Kunstwerk“, ein riesiges globales Forschungsfeld, auf dem die Kunst des Tätowierens lediglich einen Platz unter vielen anderen einnimmt. Sollten Tattoos wieder einmal im Laufe der Menschheitsgeschichte irgendwo Einzug gehalten und der für Moden so signifikanten Schnelllebigkeit erfolgreich Widerstand geleistet haben, wird man sich letztlich irgendwann auch an sie gewöhnt haben. Sie werden zur Normalität.

    Auch der Körper des vor mehr als viertausend Jahren zu Tode gekommenen Ötzi war tätowiert. Bei den auf seiner Mumie entdeckten Tattoos soll es sich angeblich um heilpraktische oder auch spirituell zu begründende Zeichen handeln. Aber – „nichts Genaues“ weiß man dann doch nicht.

    Soweit mir bekannt, ist das einzige Tattoo, welches sich in meinem persönlichen Umfeld ausmachen lässt, ein ominöses, für mich völlig unverständliches, chinesisches Schriftzeichen auf dem Nacken einer meiner Nichten. Ganz in ihrem Sinne will ich hoffen, dass es etwas richtig Nettes ist, was da vielleicht auf Mandarin zu lesen steht. Auf keinen Fall ist der Frau zu wünschen, dass die Übersetzung vielleicht auch lauten könnte „Ich bin echt blöd“. Gesetzt den Fall jedoch, dass Letzteres zuträfe, wäre meiner Nichte anzuraten, zumindest nach Fernost nur in Rollkragenpullovern zu reisen. Die beste Reisezeit wäre dann gewiss der Winter.

    • W. Lerche Antworten

      Ist die „Verschönerung“ als Verunstaltung der Natur ein Zeichen für Unzufriedenheit mit sich selbst? Möchten alle diese Leute womöglich jemand anderes sein, als sie sind?

      • S v B Antworten

        Gewiss könnte auch eine solche Motivation dahinter stecken. Andere sind eher spiritueller Natur, oder es geht um Zeichen der Gruppenzugehörigkeit, um Initiationsriten oder einfach auch nur um die Freude am Experiment. Die Fantasie des Homo sapiens sapiens ist unbändig. Wie schön.

  5. Hans Wolfgang Schumacher Antworten

    Mein Eindruck ist, dass in den letzten Jahren auch die jungen deutschen Menschen ohne Migrationshintergrund zunehmend ihre Körper trainieren. Ob in der Muckibude oder mit Kampfsport oder beides. Nach dem Vorbild der Türken und Kurden.

    Das macht auch Sinn, denn wer will in unserem zunehmend gewaltbereiten Umfeld schon von seiner äußerlichen Erscheinung sofort als potentielles Opfer angesehen werden.

    Tattoos können übrigens unglaublich schöne und beeindruckende Kunstwerke sein. Allerdings können Tattoos auch Selbstverstümmelung bedeuten, welche man sein Leben lang bereut.

    • S v B Antworten

      „…die jungen deutschen Menschen ohne Migrationshintergrund zunehmend ihre Körper trainieren.“ Ja, und auch die Zahl der Vollbärte hat unter selbigen stark zugenommen. Instinktiv spürt die eigentlich eher blässliche deutsche Männerwelt wohl, dass sie von den „rassigen“ orientalischen oder stahlmuskulösen afrikanischen Super-Machos schon bald aus dem Rennen um die Gunst vieler paarungsbereiter Weibchen gekegelt werden könnten. Es ist interessant, wenn man ab und an Zeuge werden darf, dass es nach wie vor die Natur selbst ist, die die Regeln festlegt; allen Gender-ProtagonistInnen und FeministInnen zum Verdruss. Für mich ist der Gedanke eher beruhigend.

  6. W. Lerche Antworten

    Nichts mehr ist, wie es scheint: …eine junge Dame…, mein Blick lenkt sich wie magisch auf ihre Strumpfhose… die Maschen…, tolles Design, edler Sitz, sehr natürlich. Ich traute mich nicht, sie zu fragen, warum sie damit ins Wasser springt.

  7. W. Lerche Antworten

    Worauf sollen wir nach der Tattoo-Mode gefasst sein?
    Womit werden sich Kinder, deren Eltern tätowiert sind, von ihnen unterscheiden wollen?
    Also wenn das mit der „künstlichen Intelligenz“ voran geht, dann könnte ich mir vorstellen, dass einige ganz Moderne sich ganze Körperteile durch Module mit KI ersetzen lassen.
    Oder um mit den potenten gestählten Neubürgern mithalten zu können, lassen sie sich beeindruckende zusätzliche Körperteile anbauen, jedoch anders als die eigenen von echter Intelligenz gesteuert.

    • W. Lerche Antworten

      So stelle ich mir vor, wie der künstliche kleine Zeh inteligenter ist als der Kopf des Amputierten.

  8. Wolfgang Andreas Antworten

    Schwabbel, schwabbel, Fettgebabbel…

    Fünfzehn Jahre soll es dauern, bis etwas aus Amerka zu uns kommt. Es stimmt! Auf meiner ersten Amerikareise 1981 mit 50 Studenten, fragte einer einen Amerikaner, warum diese so übermäßig dick seien. Die Antwort war: COLA – CHIPS and TV. Weiter lachte man sich kaputt über die Waschmitteltonnen, die kein Waschpulver enthielten sondern – Chips! Wir haben alles inzwischen im Übermaß. Junge Leute mir überfetten Bäuchen, von den Kindern (!) ganz zu schweigen. Was wir noch nicht haben, sind die Helfer hinter der Ladenkasse, die einem alles fein in Papiertüten packen und zum Auto fahren. Wir werden immer noch bei Aldi & Co über die Ladentheke gejagt und müssen den Einkaufswagen wieder selbst zurückschieben. Die Profiteure reiben sich die Hände! Wenn man bei manchen Leuten auf das Fließband vor der Kasse schaut, möchte man sagen, daß die einen Monat gar nichts mehr essen müßten. ICH BITTE UM ENTSCHULDIGUNG! Ein gesundheitliches Trauerspiel. Der erste Schritt ist jedoch getan: Die Butter ist um 100% teurer geworden…
    Und noch etwas: Manche brauchen gar keine Badehose mehr, denn der herabhängende Specklappen des Bauches verdeckt die unkeusche Stelle total…

  9. amanita Antworten

    Tattoos? Nein danke! Das Erkennungszeichen nicht des „Proletariers“ im marxistischen Sinn, sondern des „Proleten“ im feuilletonistischen Sinn.

    Bei Naturvölkern mögen (bestimmte) Tattoos ihren kultischen Sinn haben, bei Knackis, Seeleuten, Prostituierten und natürlich Tattookünstlern ihren Sinn als Erkennungszeichen und erlebtes Leben, aber bei Menschen, die diese Milieus nur aus Romanen, Filmen und Ähnlichem kennen, nur Zeichen schlechten Geschmacks.

    Noch schlimmer finde ich Nickelpickel im Gesicht oder an Geschlechtsteilen. Bleib raus aus meinem Schlafzimmer, ist da mein erster Reflex! Ein Mensch mit Stil, der sich repräsentieren will, trägt abnehmbaren Schmuck (meinetwegen sogar aus Nickel, an den Zehen oder im Haar 🙂 )

    Vielleicht wollen diese Menschen beweisen, dass sie Schmerzen nicht fürchten (obgleich die meisten von ihnen schon beim Anblick einer Zahnarztspritze gequält aufjaulen). Oder es gibt generell zu wenig Schmerz in ihrem Leben (gewaltfreie Kindererziehung, seit 70 Jahren kein Krieg, seit längerer Zeit keine Bundeswehr…) 🙂

  10. Clavan Antworten

    Habe auch ein Tattoo am linken Unterarm. Vom Kumpel gestochen, mit drei eng nebeneinander fixierten Stecknadeln und etwas Tinte in die Haut gestochert. Anschließend habe ich drauf gepinkelt, zum desinfizieren. So jedenfalls wird das im Knast gemacht, hat mir mein Kumpel gesagt. Ich war 17 und trage es schon 45 Jahre mit mir rum. Es ist schon ein bisschen verschwommen – das Wort – aber noch immer gut lesbar. PALMER Der Name PALMER steht da zu lesen. Genau, Emerson Lake & Palmer, das war meine absolute Lieblingsband. Der Drummer Carl Palmer hat mir dermaßen gut gefallen mit seinem riesigen Drumsets, das ich mir selber eins gekauft habe. Mein Tattoo verblasst so langsam, Keith Emerson und Greg Lake sind auch nicht mehr da. Aber, ihre großartige Musik hat inspiriert und für Ableger gesorgt.
    Ich spiele immer noch Schlagzeug und komponierte mittlerweile Musik für Filme.
    Tja, soviel zu meinem selbsgebastelten Tattoo?
    Mit freundlichem Gruß aus Hessen, Clavan

  11. Clavan Antworten

    Lengsfeld und Broder haben mit ihrer Petition außer Spot und Hohn nichts erreicht.
    Das Gleiche wird mit der Petition gegen den Migrationspakt geschehen. Die „Verschwörungstheoretiker“ vermuten hinter diesen Dingen einen größeren Plan, der von langer Hand vorbereitet wurde. Mittlerweile kann ich deren Ansichten nicht mehr als bloße Spinnerei abtun. Die nächsten zwei oder drei Jahre werden zeigen, wo die „Reise“ hingeht.

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