Weihnachten, also das Fest der Geburt Jesu, ist für mich jedes Jahr auch ein besonderer Quell der Ruhe. Keine Termine, keine Anrufe, nichts außer meiner Familie. Doch Jahr für Jahr stelle ich fest, dass die Ruhepause kürzer wird. Selbst am Heiligen Abend finden sich zwischen Weihnachtskarten und bisweilen Geschenkpäckchen für die Kinder Geschäfts- und Behördenbriefe und am Morgen des 24. Dezember gab es in diesem Jahr einen geschäftlichen Anruf – so, als wäre ein ganz normaler Tag. Ich muss zugeben, dass mich diese Banalisierung des Weihnachtsfestes zunehmend nervt. Das beginnt bei lieblosen Weihnachtsmärkten, die ja mancherorts inzwischen „Wintermärkte“ genannt werden, auf denen man mir Pfannen und Holzlöffel verkaufen will. Das setzt sich fort in den nachmittäglichen Gottesdiensten, die zu Versammlungen von Menschen werden, die ihren Glauben längst verloren haben aber traditionell oder „wegen der Kinder“ alljährlich einmal eine Stunde in der Kirchenbank „absitzen“, Handklingeln und Dauergequatsche inklusive. Und das endet beim Ausflug am zweiten Weihnachtstag zum Beispiel in einen Vergnügungspark im rücksichtslosen Gedränge um die besten Plätze in der Achterbahn. Meiner Schwiegermutter, die uns gestern in einen solchen eingeladen hatte, wurde dabei das Handy geklaut. Frohe Weihnachten.
Am Besten, man geht an diesen Tagen gar nicht mehr raus, außer vielleicht sehr früh am Morgen oder sehr spät am Abend in eine Messe, wenn der Anteil der Gläubigen deutlich überwiegt. Gott sei Dank ist das Fernsehprogramm an diesen Tagen durchgehend dermaßen belanglos und unattraktiv, dass man dann wirklich einfach ein wenig SkipBo mit den Kindern spielen, ein gutes Buch lesen und die ein oder andere Flasche Rotwein öffnen kann, ohne abgelenkt zu sein. Ich frage mich nur, wann, wenn nicht an diesen Tagen, wollen Menschen in unserer Gesellschaft überhaupt noch zur Ruhe kommen?

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Dieser Artikel wurde 3 mal kommentiert

  1. Werner Theisen Antworten

    lieber Klaus, der Wunsch nach Entschleunigung hat nun nichts mit dem Weihnachtsfest zu tun. Es ist eher ein übersteigerter , idealisierter Anspruch an das Weihnachtsfest, dem sehr viele Menschen schon aus ihrer beruflichen Situation nicht folgen können. Vor allem auch all die Menschen im kirchlichen Dienst finden an diesen Tagen keine Entschleunigung. Gar nicht zu denken an die vielen Schichtarbeiter und die Menschen im Dienstleistungsgewerbe! Für wen soll also die „Entschleunigung“ an Weihnachten gelten? Für ein paar Privilegierte? Die dann anschließend zu wenig Entschleunigung beklagen!

  2. Klaus Kelle Antworten

    Lieber Werner,

    ich würde mir wünschen, dass der Zeitraum um das Weihnachtsfest herum viel stärker dem Innehalten als dem Weiterhasten dient – so, wie es früher einmal war. Und die Menschen im kirchlichen Dienst werden das Feiern der Heiligen Messe vermutlich nicht als Stress empfinden.

  3. Verena v. Buch Antworten

    Ich habe mir seit ein paar Jahren angewöhnt, nicht mehr jede Weihnachtsfeier mitzumachen, auch auf den wöchentlichen Kinobesuch zu verzichten. Einfach zu Hause sein, lesen, Kerzen anzünden , Briefe zu schreiben mit Füllfederhalter und zwar für jeden etwas anderes anstatt der Rundbriefe, Es interessiert über haupt nicht jeden, was wir mit Tante Erna im Sommer gemacht haben oder über welchen Felsen wir in diesem Jahr wieder gestolpert sind. Das bringt mich innerlich zur Ruhe, und ich freue mich auf die Weihnachtstage.

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