Im Gottesdienst ging es heute Morgen um einen bekannten Text aus dem Markus-Evangelium über den Moment, als zwei seiner Jünger Jesus baten, rechts und links von ihm sitzen zu dürfen. Das gefiel den anderen zehn überhaupt nicht, und Jesus mahnte: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Unser Pfarrer entwickelte daraus einen interessanten Zickzackkurs zur derzeit in Rom tagenden Familiensynode. Er hoffe und bete, schloß unser Geistlicher seine Ausführungen, dass auch die versammelten Synoden-Teilnehmer nicht nur dogmatisch über das Thema Familien denken und reden, sondern es vor allem menschlich betrachten. Eigentlich war ich schon fast erstaunt, dass an dieser Stelle nicht – wie sonst vielerorts üblich – Beifall der versammelten Gemeinde aufbrannte. „Menschlich“, das klingt super, oder? Der Kölner sagt ja gern „man muss auch jönne könne“. Seht doch alles nicht so eng! Die 10 Gebote, die Lehren von Jesus – ist ja schön und gut, aber warum denn immer alles so ernst nehmen? Übersetzen wir unseren Glauben an Gott und die Lehre seines Sohnes doch einfach mal ins „Menschliche“. Schauen wir nur, was die Leute haben möchten, und dann sagen wir: „Ja, genau! Das meinte Jesus auch!“ Allerdings sollten wir die Kirche dann direkt danach auflösen.

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. I. K. Antworten

    Der ganze Mensch [und nicht nur nette „Menschlichkeit“]:
    Ohne festen Standpunkt als Fundament hat man möglicherweise keine Basis – und alles schwimmt, – bei gutmeinenden Intellektuellen bleibt’s dann wenigstens horizontal in etwa ein harmonisierter Einheitsbrei. Da hilft dann vielleicht höchstens noch ein nebulöser Steiner oder das „Goethe-Brevier“ durchs Jahr. Grundlage für Vereinbarungen, Konsens, Gemeinschaft und Eigenkorrekturen [überzeugte Meinungsänderung] betreffen das (hoffentlich gemeinsame) Welt- und Menschenbild; anders lässt sich m. E. – weder religiös noch sozial {oder politisch?} – keine Gemeinschaft aufbauen und pflegen …

    • Alexander Droste Antworten

      Hups, Steiner nebulös? Ich glaube eher, dass die Fähigkeit, ihn zu verstehen bisweilen nebulös ist.

      Der feste Standpunkt ist im Einzelfall das ICH. Menschliche Fähigkeiten machen es zu einem WIR durch Konsens und Zurücknahme von Interessen, die über die reine Bedürftigkeit hinausgehen. Für eine gemeinsame Wertebildung ist die Bereitschaft zur Selbstkorrektur unabdingbar, allerdings auch das Interesse am Andersmeinenden. Das bloße ICH dagegen setzt die Grenzen des Ertragbaren. So ist der Satz völlig richtig: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Das heißt nämlich: Ich bin nicht wichtiger als du oder ihr, es sei denn du oder ihr willst/wollt es. Das heißt nicht: Ich mache euch alles recht. Soweit die Essenz aus christlichem Glauben als Anleitung für das Diesseitige. Für das Jenseitige steht der Glaube an den einen Gott fest, der alles stets aufs neue erschafft.

      Was die Betrachtung der Familiensynode über das Thema Familie anbelangt, so sollte sie vor allem menschlich sein, denn Dogmen richten sich nach dem, was im allgemeinen Sinn macht und nützlich ist. Dogmata sind veränderbar mit dem Zuwachs an Erkenntnis. Was augenscheinlich kurzfristig Befriedigung verschafft, ist noch lange nicht nützlich, vor allem nicht im Sinne einer Allgemeinheit. Von daher sind die verschiedenen Ansinnen von Begehrlichkeiten stets zu hinterfragen. Es ist auch nicht unbedingt nützlich, um spirituelle Erkenntnis zu erlangen oder sein Heil in Gott zu finden. Diese Art von Heilssuche ist hedonistisch und pflegt lediglich Egoismus. Und genau dafür brauchen wir die Kirche! Sie muss nicht überholte Dogmen pflegen, sondern sie muss immer die Empfehlung zu einem Besseren (Genaueren) Welt-und Menschenbild sowie für Gemeinsinn bereithalten bzw. entwickeln. Kirche, dass ist nicht das buntgeschmückte Haus mit dem Glockenturm und dem Weihrauch oder die Liturgie, sondernder das sind die Menschen, die innerhalb eines bestimmten sachlichen Rahmens miteinander diskutieren und interagieren, also wir. Das besagte Haus leistet allenfalls einen Beitrag zur angemesseneren Gemütsverfassung, die zu den entscheidenden Ideen führen. Die Priester liefern sachdienliche Erkenntnisse, die für eine zielführende Diskussion hilfreich sind.

      Familie ist also ein Begriff, der zunächst einmal Menschen (oder Sachen, Tiere … ) in einem bestimmten Beziehungskontext benennen. Hier Vater, Mutter, Kinder. Im erweiterten Sinne stehen auch noch nahe Verwandte im Beziehungskontext einer Familie. Doch durch aktuelle Entwicklungen können auch weitere Verflechtungen von Beziehungen den Familienbegriff erweitern. Also wäre z.B. auch eine Patchwork-Familie oder eine gleichgeschlechtliche Beziehung ergänzt mit der Aufgabe der Kindererziehung als Familie anzusehen. Im Mittelpunkt steht die Verantwortlichkeit. Ob und in wiefern das Sinn macht und/oder nützt, sei ein Thema für inspirierte Diskussionen.

      Kommt die katholische Kirche aus ihrem bisherigen starren Welt- und Menschenbild heraus, kann sie als Institution für spirituelle Entwicklung des Menschen weiter bestehen. Verharrt sie darin, so gibt es keine Entwicklung und sie geht unter oder verkommt zu einer Ideologie. Damit grenzt sie sich ab und interessiert sich nicht mehr für die Menschheit als ganze, sondern nur noch für Beifallklatscher. Die Welt wandelt sich, mit ihr die Menschen und die Kirche muss angemessene Fragen aufwerfen und passende Lösungen suchen. Zum Beispiel: Was bringt uns das derzeitige Wirtschaftssystem? Macht uns das frei oder engt uns das ein? Wird es den Menschen gerecht? Was muss ein jeder für sich tun, damit er nicht schädliche Verhaltensweisen entwickelt, die eine Belastung für andere Menschen werden? Also eine Frage der Moral. Ein freier Mensch erst kann nämlich seinen Weg zu Gott suchen, wenn er nicht mit Existenzkämpfen oder Egoismen belastet ist. Das ist die Aufgabe der Kirche. Diskussionen und Empfehlungen (anstatt Vorschriften) mit dem Ziel, den Mensch für seinen Weg zu Gott frei zu machen. Das ist die Zielmarke.
      Kirche darf sich auch nicht anmaßen, sich politisch zu betätigen außer verwaltend innerhalb ihrer Institution. Sie muss alle Menschen im Blickfeld haben, sich ihnen öffnen und sich interessieren und mit ihnen bereit sein zu diskutieren. Nur das steht ihr als Führer zu Erlangung von Spiritualität zu. Ihre Empfehlungen richten sich allein an den Einzelnen, der Sinn und seinen weg zu Gott sucht. Der Ritus, die Liturgie ist eine Einladung, es auf diesem Wege zu versuchen, keine Vorschrift (außer für den Priester). Also muss sie menschlich sein. Ihr Erfolg richtet sich nach dem Erfolg, die Menschen für Gott frei zu machen, was gelingt, wenn sie es schafft, einen Ausgleich zwischen dem ICH und dem WIR herzustellen. Nur damit ist ein „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ keine Phrase.

  2. Franz Platz Antworten

    An einem festen Standpunkt ist gar nichts schlecht. Und wenn die katholische Kirche schon keinen mehr hat, wer sollte ihn dann noch haben? Alles, was den Menschen in die Hände fällt, wird dehnbar gemacht. Deshalb fragte Jesus nicht „Was mein Ihr dazu?“, sondern „Ich aber sage euch……“

  3. Hanna Antworten

    Die Katholen haben Dogmen, die mehrheitlich nirgends in der Bibel zu finden sind. Sie stehen, wie der restliche Quark an Feiertagen und Ritualen samt und sonders mit dem Heidentum in Verbindung und stehen somit sogar der Bibel konträr und gegnerisch gegenüber. Der Katholizismus ist, wie der Evangelismus auch, genau die Art Sekte, die von Jesus vorhergesagt wurden, sie sind der Abfall, vor dem er ausdrücklich gewarnt hat.
    Jaja, der „Heiige“ „Vater“ in Rom – diese Bezeichnung verstößt ganz klar gegen ein absolutes Verbot, jemand anders in christlichem Sinn als Vater zu bezeichnen, außer Gott selbst.

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