Das Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung in Brüssel ist eine eher kleinere Einrichtung, die man neudeutsch als „Think Tank“ bezeichnen darf, und die der FDP nahe steht. Gestern jedoch ist dem Leiter des Büros, Hans H. Stein, etwas Besonderes geglückt. Sechs Wochen vor dem NATO-Gipfeltreffen der Staatschefs von 28 Ländern in Warschau hatte er 150 Teilnehmer zu einem – auch neudeutsch – „Pre-Summit Briefing“ versammelt. Dazu als Diskussionsteilnehmer den amerikanischen NATO-Botschafter Douglas E. Lute, den deutschen NATO-Botschafter Dr. Hans-Dieter Lucas, aus Polen den Politologen und liberalen Politiker Dr. Bartolomiej E. Nowak und ebenfalls aus Polen Renata Zaleska, NATO-Expertin für Afghanistan. Besonders ist das, weil es die einzige größere Veranstaltung dieser Art im Zentrum der EU zu diesem Thema vor dem überaus wichtigen Treffen in Warschau ist.

Der NATO-Gipfel am 8. und 9. Juli wird eine Zäsur des westlichen Verteidigungsbündnisses bringen, da waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Der deutsche Botschafter Hans-Dieter Lucas sprach gar von „fundamentalen Fragen der Verteidigungsfähigkeit“ Europas. Ja, das Bündnis, das 40 Jahre lang Frieden und Freiheit in Europa gesichert hat, ist träge geworden in den Jahren nach dem Kalten Krieg. Eine neue Ära wollte man nach den Umbrüchen 1989 und 1990 entdeckt haben. Wir alle sind fortan Freunde, auch die früheren Gegner aus den Warschauer Pakt-Staaten um Russland, die zu einem beachtlichen Teil selbst in das Lager des Westens „rübermachten“.

„Out of Area“ lautete in den folgenden 25 Jahren die Marschrichtung. Der Krieg auf dem Balkan, Afghanistan, wo bis heute 13.000 Soldaten der NATO-Staaten im Einsatz sind, beschäftigten und beschäftigen die Bündnis-Manager. Doch nun ist eine neue Phase angebrochen. Flüchtlingskrise, Internationaler Terrorismus, der längst kein regionales, sondern ein globales Problem ist, und die neue aggressive Politik Russlands sind die neuen Herausforderungen für das Bündnis. Und das vor dem Hintergrund dramatischer Budget-Kürzungen der Mitgliedsstaaten, von denen kein einziger die finanzielle Selbstverpflichtung des vergangenen Gipfels in Wales 2014 eingehalten hat. Dougles Lute appellierte an die Staaten der NATO, angesichts zunehmender Instabilität und dem „aggressiven Nachbarn im Osten“, mehr Geld aufzuwänden, um das Büdnis zu modernisieren, aber nicht zu einem Kalten Krieg zurückzukehren.

Es war Bartolomiej E. Nowak von der größten polnischen Oppositionspartei, der Salz in die Suppe der Harmonie schüttete. Verständlich, den Polen ist direkter Nachbar Russlands und hat daher eine andere Sichtweise auf die Dinge als Paris oder Washington. „Ich würde begrüßen, wenn Russland unser Partner wäre“, bekräftigte er, aber „Russland hat alle Regeln gebrochen, die ein Land überhaupt brechen kann. Und das verlangt nach einer Antwort.“ Was bedeuten die Solidaritätsbekundungen praktisch für die baltischen Staaten und Polen? Wie muss die NATO auf den hybriden Krieg reagieren, den der Kreml heute bereits aktiv führt? Durch Cyber-Attacken gegen westliche Regierungen und übrigens auch gegen politische Stiftungen in Brüssel. Durch „Touristen“, die ohne Hoheitsabzeichen an ihren Uniformen in Nachbarländer einmarschieren? Die mit Desinformationen die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern verunsichern wollen. Auch eine junge Frau von einer ukrainischen Lobby-Organisation bei der EU spitzte die Ängste der russischen Nachbarstaaten zu. „Es wäre gut, wenn man in Europa nicht einem Wunschdenken folgt, sondern endlich beginnt, die Wirklichkeit anzuerkennen.“

Der NATO-Gipfel in Warschau wäre der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen.

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Dieser Artikel wurde 24 mal kommentiert

  1. Walter Lerche Antworten

    Aufrüstung ist auch für Umverteiler ein geeignetes Thema. Militär kostet viel Geld. Wenn Prioritäten im Staatshaushalt nicht neu gesetzt werden, wenn keine neuen Schulden aufgenommen werden sollen, wenn das Wirtschaftswachstum Europas überschaubau ist, die Super-Reichen, Hochfinanz und Lobbies von ihren bzw. unseren Volksvertretern geschützt bleiben, dann müssen wohl wieder mal die fleißigen Leute dafür herhalten. Mit anderen Worten: weitere Absenkung des Lebensstandards für die arbeitende Bevölkerung.
    Auf der anderen Seite, als die großen Einsparungen für Bundeswehr und Infrastruktur Geld freimachte und als die großen Vorteile offener Grenzen in Europa zu Rekord-Wachstum und -Steuereinnahmen führten, was davon ist bei der Bevölkerung angekommen? Es ist wie eine Hysterese-Schleife: Wenn Geld gebraucht wird, holt man es von den Leuten, wenn Geld zurück kommt, macht man damit was anderes. Aber was?
    Ich weiß nicht, ob es schon mal jemand aufgefallen ist: alle europäischen Staaten und alle G7-Staaten haben jeweils eigene spezielle, größte Probleme, sie surfen am Limit.
    So richtig mächtig sind sie wohl nicht mehr, Asien mit China lässt grüßen. Man trifft sich, lächelt in die Kameras, spiegelt Einigkeit vor. Global gesehen ist Europa nicht auf dem aufsteigenden, sonder auf einem absteigenden Ast. Man setze sich mal in ein Flugzeug und schaue sich in der Welt die Regionen an, wo etwas passiert, wo Projekte realisiert werden anstatt jahrelang über Gerichtsinstanzen blockiert und zudem durch unfähigstes Polit-Management in den Bankrott geführt wird. Wie sonst ist der Zustand z.B. eines BER oder Stuttgart 21 zu bezeichnen!
    Ich persönlich bin sehr dafür, dass die europäischen Länder gemeinsam und ohne die USA ein auf unsere euroäischen Interessen ausgerichtetes Verteidigungsbündnis modern aufbauen, ohne ständig für die geostrategischen Interessen der USA herhalten zu müssen. Die Amerikaner sind bei uns ebenso weit weg von zu Hause wie sie es in Vietnam sind.
    Und wenn wir noch diejenigen Politiker in Verantwortung hätten, die einen Krieg selbst erlebt haben, dann wäre ich mir sicher, dass wir nicht in eine neue, unsäglich dumme Konfrontation gegen Russland hineingezogen würden. Das Leben unserer Kinder und meines möchte ich für solchen Unfug nicht hergeben.
    Schade um jeden jungen Menschen, der wie eine Schachfigur für die Großen geopfert wird. Mir kommt es langsam so vor, als suche man einen Konflikt mit Russland. Die Baltischen Staaten reden von Angst vor Russland. Mir machen die Baltischen Staaten und die Nato Angst.

  2. Felix Becker Antworten

    Ironie der Geschichte ist doch, dass die pazifistischen Ostermarschierer damals gegen den Natodoppelbeschluss kämpften (sie hätten wohl lieber die Sowjets gleich hier gehabt), der Grundlage dessen ist, dass man im Wolkenkukucksheim meinte, wir wären nun von Freunden umzingelt! Jetzt müssen sie Realismus lernen!

    • Walter Lerche Antworten

      Diese Friedensbewegung seinerzeit hofierte das Motto „Lieber Rot als tot“ und wurde aus der Sowjetunion über die DDR finanziert. Mit Ende dieses Geldes endete diese Friedensbewegung ersatzlos. Mein Respekt gilt Helmut Schmidt, der diesen Doppelbeschluss gegen seine eigene Leute durchsetzte, und kostete es sein Amt.

  3. Alexander Droste Antworten

    Da ja wieder gegen den aggressiven Nachbar im Osten geätzt wird mit allerlei Schlagworten. Was genau machen die Russen jetzt anders und schlimmer als der Westen, speziell unsere amerikanischen Freunde? Welcher Völkerrechtbruch ist schwerwiegender als die Annektion Tibets oder die Bombardierung des Iraks oder Lybiens? Ich glaube, bei beiden waren keine Russen beteiligt.
    Ich glaube kein Wort von der Antirusslandpropaganda.

    • Walter Lerche Antworten

      Vermutlich dient sie nur zur Schaffung von Akzeptanz in unserer Bevölkerung, dafür kurz- und mittelfristig mehr Geld abdrücken zu müssen. Nach Ende des Kalten Krieges und extremer Schrumpfung der Militärausgaben in Gesamtdeutschland bekamen wir Leute keine finanzielle Erleichterung.
      Gegen Russland kann man keinen Krieg gewinnen, der nicht mit der Zerstörung der zivilisierten Welt enden könnte.
      Der Großteil unserer Gas- und Ölversorgung basiert auf Importen aus Russland. Es wäre arrogant und überheblich zu sagen: „Wir brauchen die Russen weniger als die Amerikaner, weil die angeblich nur Schnaps haben“!
      Die „Wahrheit“ erfahren wir sowieso nicht. Nahe an richtige Antworten gelangt man immer über die Frage über den Nutzen, d. h. wem dieses oder jenes nutzt, in diesem Fall das Krisen-Gescharre gegen Russland.
      Die US-Amerikaner drohen mit Abzug aus Europa, wenn Europa nicht mehr Geld für die Nato aufbringt. Wir sollten ihnen den Gefallen tun und sie ziehen lassen. Wetten, die gehen niemals freiwillig.
      Wenn die USA nicht mehr stark genug sind, um für Europa eine Schutzmacht darzustellen, dann sollten wir uns mittel bis langfristig nach einer neuen umschauen. Übrigens würde ich mir auch kein amerikanisches Auto kaufen…

      • Klaus Kelle Antworten

        Russland als „Schutzmacht“ – darauf muss man erst mal kommen. Das habe ich noch nie gehört. Ich mag Ihren Humor, lieber Herr Lerche…

        • Walter Lerche Antworten

          Danke lieber Herr Kelle! Da sehen Sie mal, welch kreatives Potential durch Ihren Blog gehoben werden kann. Kreative Zielführung behinhaltet die Erschließung von Lösungen, an die vorher nie ein Mensch gedacht hat. Die Gedanken sind frei, leider nur noch die Gedanken! Sie brauchen sich aber in unserer verbleibenden Lebenszeit davor nicht zu fürchten, denn Vernunft hat es bekanntlich schwerer als Unvernunft. Auch wenn Sie sich als kein Befürworter von Schnaps und Autos aus Russland und Freund von Burger und HotDogs aus USA festgelegt haben, ist mir Ihr Blog mit Ihren Beiträgen und sehr guten Gastbeiträgen Ihrer Frau lieber und wertvoller als andere, zumeist oberflächlich und ideologisch geführte Blogs sowie in zensierten Mainstream-Medien zu kommentieren. Ihre CDU-Affinität schmälert das nur gelegentlich, vor allem, wenn Sie sich zu Russland äußern. Ich sehe diese Reibung positv und kann gut damit leben. Bin sicher Sie auch.

          • Klaus Kelle

            Ich sehe das genau so, lieber Herr Lerche. Ein Blog hätte keinen Sinn, wenn nicht auch mal unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen. Ich kann gut mit Widerspruch leben, genau genommen, mag ich Widerspruch, denn es regt den Geist an.

            Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Morgen können wir weiter streiten, wenn Sie mögen.

      • Alexander Droste Antworten

        Ich fürchte, die einzige Schutzmacht sind wir selber. So sehr ich die Russen achte und auch für eine Zusammenarbeit mit ihnen plädiere und einen Ausgleich zwischen den USA und Russland wünsche – den Russen ist auch nicht so ohne weiteres über den Weg zu trauen.

        In Hinblick auf uns in Europa besagt ein altes Sprichwort: Einigkeit macht stark. Leider sind wir derzeit in Europa weiter davon entfernt, als es notwendig wäre eine Macht in der Welt darzustellen.
        Ich habe auch nichts gegen ein Verteidigungsbündnis NATO. Jedoch bin ich strikt gegen den Missbrauch derselben um z.B. die Macht einzelner Nationen auszuweiten oder womöglich einen bewaffneten Konflikt mit Russland heraufzubeschwören. Im Moment ist der Verdacht mehr als berechtigt.
        Europa ist ein Wirtschaftsraum, ein Handelsgemeinschaft mit großem Einfluss. Eine zentrale Koordinierung der nationalen Verwaltungen wäre eine große Erleichterung. Dafür braucht es Ermächtigungen aus den Staaten. Dazu braucht es eine Harmonisierung der Fiskalverwaltungen etc. und eventuell braucht es auch eine gemeinsame Armee, wenn die NATO nicht mehr das Vertrauen verdient, die sie mal hatte.

        Wir brauchen eine weitsichtige und gerechte Außenpolitik, die niemanden übervorteilt und auch den Staaten in Asien und Afrika ein Auskommen und Entwicklungsmöglichkeiten einräumt. Deren Entwicklung muss uns nicht gefallen, die Völker dort müssen ihre Probleme selber lösen. Aber es bedeutet vor allem fairer Handel und gemeinsame Naturschutzprojekte. Auch die sind dringlicher denn je. Und die armen Länder können dafür nicht aufkommen. Wir sollten unsere Macht also nutzen zu helfen und nicht auszubeuten und zu unterdrücken. Wir müssen Hilfestellungen so gestalten, dass sie nicht missbraucht werden können. Und wir müssen die Mentalitäten und deren Realität, deren Kultur und Religion respektieren. Und von einer Weltpolizei halte ich gar nichts. Allenfalls Geleitschutz für Handelswege, Handelsbeziehungen und Flotten finde ich richtig.

        Was die Reden des Herrn Putin anbelangt, so klingen sie für mich oft vernünftig, gerecht und großmütig. Ich hoffe, dahinter steckt mehr als nur Gerede. Zum Beispiel sagt er in der derzeitigen Situation, in der er sich befindet, er habe kein Problem mit anderen Völkern, er hat Probleme mit einzelnen Politikern. Seine Aktionen sind erschreckend hart und machtvoll, kurz und gezielt, jedoch kann ich die Beweggründe nachvollziehen. In Anbetracht der Rohheit weiter Gesellschaftskreise, deren Inkompetenz oder auch Armut, habe ich Respekt vor seiner Politik der Härte. Er sagt: Russlands Weg zur Demokratie ist lang und steinig. Das Volk muss allmählich da hineinwachsen. Es ist noch nicht reif dafür. Er wundert sich über die Kritik, ein Autokrat zu sein oder eine Oligarchie in Russland, ist sie doch weniger oligarchisch als die der USA, wo die Politik von der Wallstreet bestimmt wird. Er hat auch zu kämpfen mit dem Zusammenhalt des Riesenreiches, was ihm bisweilen gelingt. Die Bevölkerung ist sehr arm, jedoch ist der Lebensstandard in einigen Regionen sehr gewachsen. In den Großzentren sind die Menschen bereits fast wie bei uns. Ich mag Russland und die Russen und ich wünsche mir, dass man auf Augenhöhe miteinander redet und diskutiert und auch über Streitpunkte sachlich bleibt. Krieg nützt niemanden etwas. Deswegen müssen wir einen solchen unbedingt verhindern. Wir müssen auch die Sanktionen endlich beenden, auch wenn noch Fragen bezüglich des Minsker Abkommens offen sind.

        In diesem Zusammenhang will ich noch mal auf eine ältere Diskussion zurückkommen. Um gerecht über Russland und die ihm vorgeworfenen kriegerischen Aktionen zu urteilen, sollten wir die genauen Gründe dafür nennen. Die haben etwas damit zu tun, was von westlicher Seite, deren Geheimdienste, eingestielt wurde. Bei Licht betrachtet ist die Ukrainekrise keine von Russland initiierte. Da bin ich sicher. Und wir müssen die kriegerischen Handlungen Russlands nach 1990 einmal gegen diejenigen der USA, GB oder Frankreich aufwiegen. Und wir sollten uns auch an die eigene Nase fassen als drittgrößter Waffenexporteur weltweit. Ich glaube, dagegen kommt Russland schon als „friedliche“ Nation weg.

        • Friedrich Albrecht Antworten

          Sie nennen nur das Minsker Abkommen und kein Wort zur russischen Okkupation der Krim? Auch eine Aufrechnung anderer Völkerrechts-Verletzungen ändert nichts daran, daß Rußland sich widerrechtlich fremdes Staatsgebiet angeeignet hat.

    • Uwe Monheimius Antworten

      Herr Droste.
      Wie kann man Russland so, typisch deutsch, so Sozi- Schroeder, noch so hofieren?

      Gehns doch mal n. Ihren russischen Freunden u. nehmen gleich auch meinen US – Freund mit, u. vergleichen Sie bitte schoen.

      Ich habe mir …als Deutscher Zeitzeuge die hundertfachen u. riesigen Denkmaeler in der Normandie angesehen!!!

      Die …boesen…US haben uns geholfen u. uns befreit u. nicht Ihre
      offensichtlichen Ostfreunde jenseits
      von Ostpreussen.

      Die Toten der Invasion Ende ..44
      sollten wir endlich ehren in Form eines Befreiungstages!

      Das Sie heute so reden koennen, verdanken Sie nicht, mit Verlaub,
      Ihren Freunden jenseits der Memel, sondern den US.

      Vergessen die Luftbruecke Berlin i.v.a. Herr Lerche???

      • Walter Lerche Antworten

        Und ich gedenke auch der vielen deutschen Soldaten der Wehrmacht und der zivilen Opfer und des unendlichen Leids infolge Bombenangriffe und aller Kriegshandlungen. Die Menschen in Westdeutschland hatten insofern Glück, dass die Allierten 1944 dann doch noch die Westfront verlustreich wagten, zu einem Zeitpunkt, als die Niederlage Deutschlands an der Ostfront bereits entschieden war. Russen und Amis trafen sich an der Elbe bei Torgau. Dort ist dieser Tag heute wieder ein großes Event. Die Russen hatten Berlin und die Amis weite Teile Mitteldeutschlands (später DDR). Die Allierten wollten unbedingt ein Teil von Berlin haben. Dafür zogen sie sich zurück bis an die spätere DDR-Westgrenze. West-Berlin gegen Fläche war der Deal. Ohne diesen Deal gehörten alle Leipziger, Erfurter, Weimarer immer schon zur BRD, die damit viel größer und somit reicher gewesen wäre. Heute betrachtet sehe ich diese Deal als genial und als Schlüssel zum Erfolg an, die DDR-Bevölkerung über den aus West-Berlin ausgestrahlten Fernseh- und Rundfunk am westlichen Wohlstand teilhaben zu lassen und somit als „besseres Gesellschaftsmodell“ in den Köpfen der Leute die Ideologie des Sozialismus der Lächerlichkeit Preis zu geben und die DDR brökeln zu lassen.

        Wenn Sie und andere glauben wollen, dass die Westmächte oder die Russen (in Relation deren ökonomischen Möglichkeiten zu sehen) irgendetwas zu Ihrem Wohle, für den Humanismus oder aus reiner Menschlichkeit getan haben, dann genießen Sie diesen Glauben und lassen sich dabei nicht stören!

        Bevor es in Westdeutschland mithilfe des Marshallplanes aufwärts ging, gab es dafür weniger erfreuliche Pläne! Der Plan, das wohlhabende westliche Gesellschaftsmodell gegen den Sozialismus „als Waffe“ einzusetzen, funktionierte und viele Menschen im Westen konnten dadurch ein finanziell angenehmes Leben führen. Nach dem Ende des Ostblocks wird diese „Waffe“ nicht mehr benötigt, was vor allem die arbeitende Bevölkerung spürt, z. B. in Form „weniger Netto vom Brutto“. Damit schließt sich der Kreis. Damit lassen sich die Handlungsmotive aller Allierten begreifen.

        Meine Sichtweise passt übrigens genau auch zur Situation der kurdischen Stadt und vieler Orte auf syrischem Boden an der türkischen Grenze, deren Bevölkerung vor laufenden Kameras und pausenloser Berichterstattung durch den IS abgeschlachtet worden ist und kein Staat der Welt Anstalten machte, diesen Menschen zu helfen. Antwort: diese Menschen waren nicht „Gegenstand“ des Interesses der Mächtigen. – Ja, welches Interesse hatten die US-Amerikaner wohl an Ihnen in Westdeutschland seinerzeit und heute?

        Es ist schade um alle jungen Männer und Frauen, die im Krieg damals, heute und in Zukunft ihr Leben oder ihre Gesundheit und mindestens ihre besten Jahre wie Schachfiguren für große mächtige Player hergeben müssen.
        Wer Krieg will, der soll selbst und seine Kinder dorthin gehen, wo gestorben wird!!!

        Was der Gas-Gerhard Schröder als Bundeskanzler und kurz danach fabrizierte, beschreibt den moralischen Zustand unserer Republik. Da bin ich ganz bei Ihnen.

      • Alexander Droste Antworten

        Wir befinden uns in der Gegenwart. Dank Russland ist Deutschland wiedervereint. Die Franzosen und die Briten wollten es verhindern und die USA sahen ihre Chance in der NATO-Osterweiterung.
        Die bösen Russen haben mit Deutschland nach der Wende einen blühenden Handel aufgebaut. Und wegen der Krim, deren Streit sehr fragwürdig ist, wird das alles zerschlagen und gleichzeitig werden ganz andere Agressoren als Partner und Freunde hofiert.
        Ich bitte hier um mehr Ausgewogenheit.
        Wer den Streit sucht, beginnt mit Diffamierungen. Wir befinden uns in einer Situation, die für uns eine Wiederholung der Geschichte wird, wenn wir das Spiel mitmachen.

        • Klaus Kelle Antworten

          Lieber Herr Droste,

          bei allem Respekt:

          „Wir befinden uns in der Gegenwart. Dank Russland ist Deutschland wiedervereint. Die Franzosen und die Briten wollten es verhindern und die USA sahen ihre Chance in der NATO-Osterweiterung. Die bösen Russen haben mit Deutschland nach der Wende einen blühenden Handel aufgebaut.“

          Habe selten so einen Quatsch gelesen.

          Russland hat die Wiedervereinigung für 11 Milliarden DM verkauft. Dank Russland war Deutschland 28 Jahre geteilt!

          Briten und Franzosen waren tatsächlich nicht begeistert, dass Deutschland als wirtschaftlicher Riese aufersteht. Das ist legitim, denke ich. Sie haben es nicht verhindert.

          Und ihre Aussage zu den USA ist grotesk. Die Vereinigten Staaten waren die ersten, die ohne Wenn und Aber die Wiedervereinigung Deutschlands befürwortet haben. Reagan und Bush sen. haben den Weg dazu geebnet. Es ist geradezu eine böswillige Verdrehung der historischen Ereignisse, was sie hier schreiben.

          Und das ein Entwicklungsland wie Russland „blühenden Handel“ mit Deutschland „aufgebaut“ hat, ist der größte Witz. Was handeln die denn außer Bodenschätze, die sie zufällig haben? Vodka? kalaschnikows? 🙂 Russland hat ein Bruttosozialprodukt in der ähnlichen Größenordnung wie Nordrhein-Westfalen. Im globalen Maßstab ein Zwerg. Ohne ihre Atomraketen sind sie nichts.

          • Walter Lerche

            Wenn Russland das Gas abstellt, dann lockern sich vielleicht die Gedanken, um zu erkennen, wie wertvoll Russlands Bodenschätze und dessen Vertragstreue für uns sind. Das ist die Realität!
            Übrigens sind russischer Vodka und Krimsekt (traditionell russisch) von hervorragender Qualität, vor allem, wenn sie richtig gemeinsam mit den Richtigen getrunken werden. Sehr zu empfehlen!

          • Klaus Kelle

            Wenn Russland das Gas abstellt, ist es pleite. Weil es sonst nichts zustande bringt. Und Krimsekt reicht nicht, um das Geld für den Einmarsch in Nachbarländer zu finanzieren.

          • Walter Lerche

            In einem Weltkrieg hat Geld keinen Wert. Man wird davon weder satt noch gesund. Alle Ihre Bewertungsmaßstabe wären Vergangenheit. Für das verwöhnte, anspruchsvolle bis hin zum dekadenten Gender-Bio-Leben in Deutschland hätte das katastrophale Folgen.

            Und dass Russland eigentlich Pleite sei (obwohl heute ohne Staatsschulden, im Gegensatz zu USA und Europa), das können Sie ja dann Herrn Putin sagen, damit er es nicht übersieht und falsch kämpft.

            Haben Sie schon mal daran gedacht, dass das Europäische und überhaupt das westliche Finanzsystem mit Euro, Dollar, Yen,… mit den vielen geschönten Staatsschulden, Geldentwertungen, Umverteilungen viel näher am Crash sein könnte, als man uns weis macht? Viele Indizien sprechen dafür. Wenn Sie mögen, zähle ich sie auf.
            Wenn ein solcher selbst fabrizierte Crash kommen sollte, dann wird es einen Restart des Finanzsystems geben, verbunden mit einer möglichen Änderung der globalen Machtverteilung. Dann hätten wir den Salat ganz ohne Krieg, der Unvernunft geschuldet.

            Und weil Sie oft über die Rückständigkeit Russlands referieren: Haben Sie schon mal daran gedacht, dass ein ganz anderes System, als wir es haben, durchaus eine Alternative zum westlichen Lebenstil sein kann, auch wenn es technologisch 50 Jahre hinterher hinkt? Nämlich dann, wenn es sich selbst reproduzieren kann und somit nachhaltig ist! So sagte ich früher über das DDR-System , als es noch Thema war, dass es seine Berechtigung trotz Technologierückstand gehabt hätte, wenn es aus sich heraus Zukunft gestalten könnte, wenn es Selbstheilungskräfte hätte, welche hätten Schwachstellen reformieren können. Man hätte dort sehr viel stressfreier, bei gesichertem Arbeitsplatz für jeden, bei weniger Geld, bei weniger Geschwindigkeit, bei weniger Konsum, bei weniger Wohlstand eine alternative Gesellschaftsform als Angebot gehabt.
            Was ich damit sagen will, lieber Herr Kelle, ist, dass Sie mit hiesigen westlichen Bewertungsmaßstäben bitte nicht über andere Länder und Kulturen in der Welt urteilen mögen. Das ist ein Fehler, den sehr viele Deutsche machen, vor allem Westdeutsche.

            Das erinnert mich an einen General der Bundeswehr, der in Afghanistan im KRIEG eine harte Entscheidung teffen musste, und die Grünen ihn dann hier in Deutschland vor ein Zivilgericht zerrten.
            Auch hier betrachtete man den Krieg und die Welt aus sicherer, aufgeklärter, moderner, rechtsstaatlicher, ökologischer, voll versorgter Positon heraus.

            Wenn irgendwo die Karten neu gemischt werden, dann ist das nicht im Westen sondern im Osten. Wir sollten uns da selbst nicht drüber stellen.

          • Alexander Droste

            Ihre Argumente streite ich gar nicht ab. Aber eine alternative Sichtweise als bösartig zu bezeichnen, ist nicht richtig. Um etwas wirklich objektiv beurteilen zu können, ist es sinnvoll, die Positionen zu wechseln. Die Teilung Deutschlands geschah durch ein stalinistisches Russland. Ein putinisches Russland sehnt sich diese Teilung nicht mehr zurück.
            11 Milliarden wurden wohl benötigt, um den Abzug zu organisieren. Der Betrag ist vergleichsweise ein Klachs.

            Die Sowjetvergangenheit hat Russland sehr verarmen lassen. Rohstoffe sind das Einzige, womit die Russen pfründen können. Was ist daran schlimm, an diesem Punkt eine Handelsbeziehung aufzubauen? Die Herablassung von Ihnen ist ziemlich typisch für den Westen und aus meiner Sicht ein grober Fehler.

            Dass die USA der Wiedervereinigung so entschieden zugestimmt haben, taten sie nicht aus Liebe zu Deutschland sondern aus Liebe zu einem größeren Machtausbau, bei dem Deutschland geeinigt sehr nützlich ist. Schließlich ist Deutschland auf der „richtigen Seite“.

            Die Furcht der Briten vor dem wiedervereinigten Deutschland war die Furcht vor einem Nazi-Deutschland und wenn nicht, sondern vor der Wirtschaftsmacht Deutschland, so war sie nicht legitim sondern ein Hinweis auf die eigene nationale Schwäche. Sie haben es nicht verhindert, weil Kohl weitreichende Versprechen gemacht hat. Ihm ging es nämlich um ein vereinigtes Europa, in dem ein starkes Deutschland sehr nützlich werden sollte.

            Nur ein kleiner Perspektivwechsel.

  4. Friedrich Albrecht Antworten

    Mancher Kommentar hier oben nährt in mir der Verdacht auf, möglicherweise Teil der Putin nachgesagten Desinformationskampagne zu sein.

  5. reiner tiroch Antworten

    zur Hölle mit all´ den Kriegstreibern die pausenlos Müll ablassen um endlich krieg spielen zu können.

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