Freigang

Ich hatte gestern nach drei Wochen zum ersten Mal wieder „Ausgang“, d. h. nach meiner Bypass-OP durfte ich – begleitet – den Abend beim Classic Open Air auf der Berliner Gendarmenmarkt verbringen. Ich habe es genossen, möchte ich Ihnen erzählen.

Blauer Himmel, 26 Grad. Gastgeber war der herausragende Jazz-Pianist Joja Wendt, für den richtigen Sound sorgte die Big Band der Bundeswehr – in weißen Marine-Uniformen. Aus der Schweiz trat Jodok Cello auf und für HipHop und Beatbox sorgten die „Naturally 7“. Zugegeben, nicht wirklich Klassik, aber dit is Berlin.

Was ich Ihnen erzählen möchte:

Vor Konzertbeginn kamen die Veranstalter auf die Bühne, um als Gast den von uns allen verehrten Polizeigewerkschafter Rainer Wendt zu begrüßen – unter lautem Beifalls Tausender. In der Pause traf ich den früheren Berliner Innensenator und guten Freund, Frank Henkel (CDU). Gunnar Schupelius war auch da, früher Springer, jetzt NIUS.

Mitten in der deutschen Hauptstadt, die doch angeblich so sehr „failed State“ ist und in der demnächst die DDR wiederbegründet werden soll.

Vergessen Sie all das!

Mir hat der Abend gestern mehr für meine Gesundung gebracht als so manche Pille, die ich in den vergangenen Wochen einnehmen musste. Es ist noch nichts entschieden, gar nichts.

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Dieser Artikel wurde 17 mal kommentiert

  1. Sobiech Christoph Antworten

    früheren Berliner Innensenator und guten Freund, Frank Henkel (CDU)

    ————-
    Wäre der noch aktiv, wollte noch was werden und hätte was zu sagen in der CDU würde er Sie, Reiner Wendt und alle dort verfluchen, zu Nazis erklären und Pinochio sowie die Brandmauer für das allergeilste halten.
    Verrottete Union halt in ihren letzten jahren.

  2. H.K. Antworten

    Na, fa kann Berlin ja von Glück sagen, daß wenigstens mal ein bewachter Freigänger wieder zurückgekehrt ist …

    Normalerweise laufen oder fahren die davon …

  3. S v B Antworten

    Dass Berlin Show kann – und wie! -, hat es in der Vergangenheit hinlänglich bewiesen. Bestritten hat dies wohl niemand. Einzelne Rosinen kann man sich natürlich herauspicken, lieber Klaus, aber es geht eben um das Gesamtpaket Berlin. An einzelnen Events kann man sich gerne festklammern, aber für jeden entdeckten hellen Punkt lässt sich zumindest ein – wenn nicht gar mehrere – dunkle Punkte ausmachen, die den vermeintlich guten Eindruck von Berlin flugs wieder relativieren.

    • Klaus Kelle Antworten

      Liebe @S v B,

      aber genau das machst Du doch auch – und einige andere hier. Ich weiß um die Unzulänglichkeiten Berlins und Deutschland recht genau. Ich kann Dir hier eine ganze Menge positiver Aspekte Berlins akribisch auflisten. Hier wohnen vier Millionen Menschen, hier wählt man in der Regel falsch (links). Aber es geht hier nicht um Rosinen rauspicken. Wenn in Neukölln Araber aufeinander schießen, dann ist das eben auch nur eine negative „Rosine“ und nicht Alltag. Ich fahre viel mit U- und S-Bahn und habe mich noch nie bedroht gefühlt. Und wenn dann irgendein Affe mit Messer jemanden angreift, dann heißt es: typisch Berlin. So ist die Realität aber nicht. Die Polizei hier ist wahrscheinlich die beste, die wir irgendwo in Deutschand haben, Kultur, Grünanlagen…man kann hier sehr gut leben.

      Klaus

  4. Karl-Christian Hausmann Antworten

    Lieber Klaus, nimmst du auch Stimmungsaufheller?

    „Mitten in der deutschen Hauptstadt, die doch angeblich so sehr „failed State“ ist und in der demnächst die DDR wiederbegründet werden soll.

    Vergessen Sie all das!

  5. Gerd Franken Antworten

    „Es ist noch nichts entschieden, gar nichts.“

    sagte der Falschfahrer auf der Autobahn kurz vor dem Crash. Entschuldigen Sie bitte werter Herr Kelle, aber im Vergessen sind die Deutschen wirklich Weltmeister und gehen ohne Niederlage ständig ins Finale, was sie dann haushoch gewinnen.

    Am Rande erwähnt also Off Topic: In Spanien wurde der ehemalige Verkehrsminister José Luis Abalos zu 24 Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er Teil eines Korruptionsnetzwerks war, das während der Pandemie in die Vergabe lukrativer Maskenaufträge eingriff. Jens Spahn läuft immer noch frei herum und will nun B. Höcke die Grundrechte entziehen. Tut mir leid aber das alles kann ich nicht vergessen. Daran ändert auch ein Konzertbesuch irgendetwas.

  6. Martin Ludwig Antworten

    Ich verstehe diesen Beitrag nicht.
    Was hat denn die Tatsache, dass dort ein früherer Innensenator, ein NIUS Journalist und ein Polizeigewerkschaftler auf einem Open-Air Festival waren mit dem Zustand von Berlin zu tun?

    Menschen bewegen sich oft in Meinungsblasen. Innerhalb dieser trifft man dann sehr viele Gleichgesinnten. Das ist schön, sagt jedoch über die Gesamtsituation absolut nichts aus. Das ist ja genau das Problem der unsäglich lauten, linken Minderheit in Deutschland.
    Die meinen ja auch, nur weil irgendwo bei einer Demo tausende arbeitslose unrasierte ein paar Euro von NGOs zugesteckt bekommen, um deutschlandweit immer und immer wieder für die gleiche Sache einzustehen, eine Mehrheit für deren Anliegen besteht.

    Jede demokratische Gesellschaft leidet unter diesem Phänomen. Diejenigen, die für eine Sache einstehen machen dies öffentlich und laut. Der Großteil der Menschen interessiert sich jedoch nicht für LGBTQabcdefg…Unsinn oder noch mehr Klimawahnsinn. Die bleiben dann diesen Veranstaltungen fern.

    Aus den Bildern der Menschenmassen an einem Ort dann Rückschlüsse über den Zustand einer Gesellschaft zu ziehen, ist weder sinnvoll noch repräsentativ, weil auf die 100.000 Kai-Uwe’s und Luisa-Greta’s nunmal 84.900.000 Menschen kommen, die deren Anliegen einfach nicht interessiert.
    Die werden aber nicht wahrgenommen – weil sie vermutlich einer anständigen Arbeit nachgehen oder sich vom Stress selbiger erholen müssen, während desinformierte Gutmenschen mit „natürlichem Körpergeruch“ und ohne anständige Hobbys sich zu als Demos getarnten „Partys“ treffen und Ringelpiez mit Anfassen spielen.

    Berlin ist ein failed State, wenn wir es anhand harter Fakten betrachten. Diese wären für den Anfang:

    • das Bildungsniveau
    • die Staatsverschuldung
    • die öffentliche Sicherheit und Ordnung
    • die Eigentumsquote bzw. das Medianvermögen
    • die Sauberkeit
    • die Wohnungssituation
    • …

    Wer einmal in seinem Leben in München war, wird das Kalkutta an der Spree für immer und ewig mit anderen Augen sehen. Wer jedoch München vor 2015 kannte, der muss sich eingestehen, dass das was Berlin zu dieser Zeit bereits war, nun München wurde und die Abwärtsspirale sich auch hier in Bayern schneller und schneller dreht.
    Ich bin erst ende 30, lieber Klaus und ich bemerke den Niedergang dieses einst schönen Landes an quasi jeder Ecke. Du hast einige Lenze mehr auf dem Buckel… du kannst mir nicht erzählen, dass du nicht siehst, wovon ich hier spreche und dass die Erinnerungen an deine Jugend bereits so verblasst sind.

    • Klaus Kelle Antworten

      Doch klar sehe ich das, lieber @Martin!

      Mir geht es darum, dieses ewige Schwarz-Weiß-Denken vieler Leute zu durchbrechen. Da ist so ein Sommerabend mit 5000 Leuten und Rainer Wendt natürlich nur ein Mosaikstück.

      Aber so wie die AfD nicht nur edel und gut und die CDU nicht nur niederträchtig und verrucht ist, so ist auch Berlin nicht nur Müll, Drogen und Araberclans. Diese Differenierung macht heute kaum noch jemand.

      P.S. Wendt hat mir übrigens gestern eine Nachricht geschrieben. Er liest hier auch gern mal…

      • Martin Ludwig Antworten

        Insoweit kann ich mich deinen Worten vollumfänglich anschließen – danke für die Klarstellung.

        Zur Personalie Rainer Wendt werde und möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Wenn er hier mitliest, kann er vll. mal einen Gastbeitrag verfassen. Seine Ansichten zur Polizeiarbeit und zur politischen Rückendeckung unserer Beamten, sowie zur Justiz insgesamt decken sich in weiten Teilen mit den meinen – dann würde ich allerdings auch all die unschönen Dinge ansprechen, die seine Person betreffen. Davon gibt es nämlich leider auch eine nicht unbeachtliche Menge.

  7. H.K. Antworten

    Berlin ist ein „failed state“.

    Ich lebe dort nicht – Gottseidank – aber ich war oft genug dort.

    In den 70er Jahren war Berlin für mich als jungen Kerl etwas Besonderes. Die Mauer, Checkpoint Charlie, die gesamte Geschichte – wirklich beeindruckend.

    In den 80ern, beim ersten Besuch in Ostberlin, war ich mehrmals beeindruckt.
    Wachablösung der NVA unter den Linden, die Neue Wache, zum ersten Mal „drüben“ zu sein, war schon mehr als bemerkenswert.

    Unmittelbar nach dem Mauerfall all das live und in Farbe selbst mitzuerleben, war schlicht atemberaubend.

    Die paar Stückchen Mauerreste haben noch heute einen besonderen Platz.

    Aber was in Berlin seit spätestens 10, 15 Jahren abgeht, veranlasst mich, wann immer möglich, mich vor einem Besuch in Berlin zu drücken.

    Genauso wie ich nicht freiwillig in Frankfurter Bahnhofsviertel gehen würde oder nach Duisburg-Marxloh oder sonstwohin, wo ich mich mehr als „fremd im eigenen Land“ fühle.

    Gute Bekannte sind bereits vor 10 Jahren von Berlin weggezogen. Begründung: Es geht einfach nicht mehr, es wird immer schlimmer.

    Und der Länderfinanzausgleich, und zwar NUR der, hält diesen failed State noch am Laufen.

    Ich hoffe sehr, daß die Menschen in den Geberländern über kurz oder lang aufwachen und sich querstellen.

    Wenn das Kalkutta an der Spree nicht baldigst „aufgeräumt“ wird, ist es endgültig zu spät.

    Leider gilt das mittlerweile für das ganze Land – ansonsten steht die „Übernahme“ und Islamisierung unmittelbar bevor.

    Daß wir hierzulande für Alles und Jedes Verständnis haben, ALLES tolerieren und nie auch nur „ja, aber“ zu sagen wagen, wird uns noch mehr als schmerzhaft auf die Füße fallen.

  8. Gerd Franken Antworten

    Aus Berlin, genauer gesagt aus dem Schloss Belleveau, können wir eine besondere Form des Schwarz-Weiß-Denkens vernehmen:
    „Es gibt heute einen erklecklichen Anteil die wählen nicht richtig oder falsch oder links oder rechts, sondern die wählen gegen das System der Demokratie!“

    Kann das mal jemand aufbröseln? Mein Denken reicht momentan nicht aus, diese Analyse unseres Bundespräsidenten auch nur ansatzweise zu verstehen.

    • Martin Ludwig Antworten

      Unseres Bundespräsidenten?
      Dier Mann ist NICHT MEIN PRÄSIDENT! Er ist fachlich ungeeignet und Menschlich ein Totalausfall und hat das wichtigste Amt dieses Landes nachhaltig beschädigt. Hauptsache sein Schloss wird nun für 1 Milliarde Euro saniert – damit der Elfenbeinturm seinem Ego gerecht wird.
      Lustig ist hierbei auch, dass der Steingeier diese unvorstellbaren Sanierungskosten mit Auflagen zum Brandschutz, energetischer Sanierung, Sicherheit etc. rechtfertig aber die Regulierungsflut bemängelt. Diese Gesetze hat der Mann größtenteils selbst unterzeichnet. Er verweist auch darauf, dass das Gebäude ja 250 Jahre alt sei, unterschlägt dabei jedoch ganz ausversehen, dass es erst vor 20 Jahren aufwändig saniert wurde.

      Aber hey, ist ja das Geld anderer Leute – damit ist die SPD gewohnt großzügig und vll. schafft er es ja so, am Ende seiner Amtszeit nochmal in den fertig sanierten Palast eingeladen und mit einem Orden behangen zu werden. Auf seinen Wunsch hin kommt bestimmt auch „Feine Sahne Fischfilet“ und spielt ein paar Stücke zur Feier des Tages.
      Ich schlage folgende Lieder vor:

      Staatgewalt – „Die Bullenhelme, sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein.“

      Wut – „Hey, wir warten auf Kommando, Knüppel schlagen Köpfe ein […] niemand muss Bulle sein.“

      und zum Finale:

      Manchmal finde ich dich scheisse – Deutschland springt an die Decke, weil der Abschaum sich vereint, der Frauenfeind vom Ballermann, und das fette zeckenschwein, eure Texte nur Kalendersprüchee ihr seid Steinmeier-Punks, früher warst du asozial, heut staatlich anerkannt.

      Wenn dann Frau Merkel unsere Präsidentin ist, wird die Nationalhymne vorsichtshalber ausgelassen und Deutschlandfahnen vom Gebäude entfernt. Wir wollen schließlich nicht riskieren, dass Angela deswegen einen Schwäche- oder Wutanfall bekommt.

      • H.K. Antworten

        Ich stelle mir das Szenario gerade in Washington, in Paris, in London, in Rom, in Madrid oder in sonst einer Hauptstadt auf diesem Planeten vor.

        Deutsche ist einzig-artig …

      • Gerd Franken Antworten

        @Martin Ludwig

        Was genau meint Steinmeier denn jetzt mit der Feststellung, dass man gegen das System der Demokratie wählt? Kann man gegen etwas wählen, dass durch Wahlen erst entstehen kann? Oder meint er einfach, dass die Bürger nicht so wählen wie er das erwartet? Das wäre dann im Gegensatz zum Schwarz-Weiß-Denken ein Wunschdenken.

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