Morgen ist es so weit. Sachsen-Anhalt wählt und das politisch interessierte Deutschland schaut mit angehaltenem Atem auf das, was sich am Abend nach Schließung der Wahllokale ereignen wird.
Persönlich glaube ich, dass es wenig spektakulär wird.
Natürlich werden Ulrich Siegmund und die AfD mit Abstand als Sieger durchs Ziel rennen. Um das zu wissen, muss man kein Hellseher sein. Und, liebe Freunde, die CDU arbeitet ja auch seit Jahren intensiv daran, dass die AfD immer größer und einflussreicher wird.
Und wenn wir in die demoskopische Glaskugel schauen
Ich persönlich halte es für unwahrscheinlich, dass die AfD die absolute Mehrheit der Mandate im Landtag von Magdeburg erreichen wird. Die finanziellen Möglichkeiten der linksgestrickten Kampagnenmacher von NGOs wie „Campact“ zeigen natürlich Wirkung. SPD und Grüne, die vor wenigen Wochen noch am Fünf-Prozent-Abgrund zu scheitern drohten, sind inzwischen in den Umfragen spürbar erholt. Und je mehr Parteien es in den Landtag schaffen, desto mehr schrumpft die Chance für Siegmund, mit 42 Prozent allein regieren zu können.
Aber will er das überhaupt?
Kurz vor Öffnung der Wahllokale irritiert der smarte Wahlkämpfer die Öffentlichkeit mit der Aussage, man müsse jetzt erst mal warten, bis gewählt wurde, und sich dann am Montag das Ergebnis anschauen.
Im Gespräch bei der BILD sagte er: „Was mache ich, wenn mal ein oder zwei oder drei Abgeordnete im Krankenhaus sind? Soll ich die dann mit der Trage in den Landtag reintragen zum Abstimmen?“
Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wurde mit einer Stimme Mehrheit gewählt – seiner eigenen. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte bei seiner Wiederwahl im Dezember 1976 genau eine Stimme Mehrheit im Bundestag, und sein Nachfolger Bundeskanzler Helmut Kohl 1994 exakt zwei Stimmen Mehrheit.
Beide gewählt, Mund abwischen und weiter!
Siegmunds Aussage irritiert wirklich. Ich verstehe, wenn er sagt, er will nur mit absoluter Mehrheit regieren, dann kann ich das nachvollziehen. Aber ein politischer Spitzenjob – und die Wahl des ersten AfD-Ministerpräsidenten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wäre ein historisches Ereignis – ist nicht mit einer Vollkasko-Mentalität zu erreichen.
Was machen die Kirchen eigentlich?
In den vergangenen Tagen habe ich immer wieder Bischöfe und andere einflussreiche Stimmen aus den christlichen Kirchen vernommen, die ihre Schäfchen intensiv davor warnen, die AfD zu wählen. Bei der evangelischen Amtskirche wundert das niemanden mehr, seit sie zu einer rot-grünen Vorfeldorganisation verkümmert ist, für die alles rechts von Dunja Hayali eine Gefahr für den Fortbestand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist.
Aber dass ein gestandener Mann wie Berlins Erzbischof Heiner Koch auf dieses Niveau herabsteigt, hätte ich so nicht erwartet.
In einem Interview auf dem Portal katholisch.de sagt Koch, man müsse als Kirche „auch das Risiko eingehen, dass sich AfD-Wähler innerhalb der Gemeinde abwenden“. Solche Fälle sind mir nicht bekannt, aber ich kenne viele Fälle, in denen die Kirche gläubige AfD-Mitglieder zum Beispiel aus Pfarrgemeinderäten und anderen Funktionen rausgeschmissen hat.
Ausgrenzung statt ausgestreckte Hand
Denken Sie an den saarländischen AfD-Landtagsabgeordneten Christoph Schaufert, der 2024 aus dem Verwaltungsrat der Kirchengemeinde St. Marien in Neunkirchen entlassen wurde!
Oder im Erzbistum Paderborn, wo man Julian-Bert Schäfer, einem Beisitzer im AfD-Kreisvorstand, untersagte, weiter Messdiener sein zu dürfen und in seiner Gemeinde die Orgel zu spielen.
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Mir scheint, in den Kirchenverwaltungsgremien und beim hohen Klerus hat man den Blick dafür verloren, was eigentlich Auftrag als christliche Kirche ist. Das erfahren wir etwa im Lukasevangelium (5,31-32). Da sagt Jesus Christus:
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.“
Politiker der SED-Nachfolgepartei wie Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Jan van Aken dürfen übrigens bisweilen als Gastprediger in Gottesdiensten auftreten. Da hört man wenig Kritik von Bischöfen. Aber was waren schon DDR-Mauerschützen und Stasi gegen so einen gefährlichen Beisitzer im AfD-Vorstand von Paderborn, oder?
54 Kommentare
„Siegmunds Aussage irritiert wirklich.“
Ich kann sie nachvollziehen. Wenn ausnahmslos alle politischen Gegner eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen und selbst die CDU mit den ehem. Mauerschützen zusammen arbeiten will, muss die absolute Mehrheit solide stehen. Siegmund hat überhaupt nichts zu verlieren, seine Gegner haben alles zu verlieren. Das ist eine sehr komfortable Position für den charismatischen Jungpolitiker.
Sven Schulze beendet seinen Wahlkampf auf einer Veranstaltung wo die Deutschlandfahne verboten ist. Ulrich Siegmund lässt die Nationalhymne anstimmen. Letzteres würde Adenauer und Kohl sicher gefallen.
„Aber ein politischer Spitzenjob – …. – ist nicht mit einer Vollkasko-Mentalität zu erreichen.“
Wenn Siegmund seine angeblich so irritierende Aussage ernst meint, dann macht ihn genau das in meinen Augen sympathisch.
Er will eben nicht einfach nur den „Spitzenjob“.
Das ist doch genau eines der Symptome unseres in die Jahre gekommenen „Politikbetriebes“: das Streben nach Ämtern, Posten und Diäten bei offenbar recht flexiblen Überzeugungen.
Es geht doch darum, wieder vernünftige Politik zu machen, die dem Volk, dem Land und der Nation nützt, statt zu schaden.
Und das geht ganz offensichtlich mit den anderen Parteien nicht.
Ohne absolute Mehrheit wird er einiges nicht durchsetzen können, und das könnte ihm und der AfD am Ende eher schaden. Dann lieber noch abwarten. Auch wenn es schmerzlich ist, der Politik der Kartellparteien weiter zuzusehen.
Mir wäre es auch lieber, wenn z. B. die CDU zumindest auf Landesebene mit der AfD in wesentlichen Punkten zusammenarbeiten würde. Die wollen das aber offensichtlich nicht.
Und mir ist auch klar, daß Siegmund letztlich auch „nur“ ein Politiker ist.
Daher warten wir mal den Sonntag ab und schauen, was hinterher wirklich passiert und gesagt wird.
@Andreas Roller
Zustimmung zu Ihrem Kommentar!
Ich bin zudem auch zuversichtlich, dass es in Sachsen-Anhalt den einen oder anderen CDUler im kommenden Landtag gibt, der sich das Wahlergebnis sehr genau ansehen wird.
„Mir wäre es auch lieber, wenn z. B. die CDU zumindest auf Landesebene mit der AfD in wesentlichen Punkten zusammenarbeiten würde. Die wollen das aber offensichtlich nicht.“
Beide wollen es nicht. Ulrich Siegmund will „alleine oder gar nicht.“
Doch selbst wenn beide wollten stellt sich mir die Frage: In welchen wesentlichen Punkten gibt es denn auch nur eine einzige und sei es noch so kleine Schnittmenge?
Migration
@ Klaus Kelle
Selbst wenn das ein Punkt wäre, was kann man auf Landesebene einhebeln, das über das hinausgeht, was Dobrindt auf Bundesebene nicht schon längst tut? Das schlägt sich übrigens auch in Umfragen für den Bund nieder, wo Migration zwar nach wie vor vorkommt, aber in der Bedeutung deutlich abgenommen hat.
Was die nächste Frage aufwirft: Ist Migration für die Wähler in Sachsen-Anhalt wirklich eines der größten Probleme?
Infratest dimap im Auftrag von MDR u.a. kommt zu dem Ergebnis: ja! Bei 15% der Befragten, dicht gefolgt von Wirtschaft und Bildung, also schon eher landespolitische Themen.
Das Politbarometer Extra Sachsen-Anhalt kommt zu einem anderen Ranking. Hier liegt Wirtschaft mit 22% und Arbeitslosigkeit sowie Bildung mit 17% deutlich vorne, Migration erst weiter hinten.
Selbst wenn man der ersten Erhebung mehr Glauben schenkt stellt sich mir die Frage, warum Migration in Sachsen-Anhalt ein so dominierendes Thema ist, das der AfD die Wähler zutreibt. In Sachsen-Anhalt haben etwa elf Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, gegenüber rund 30 Prozent bundesweit. Ich könnte ja verstehen, wenn deswegen 40% der Wähler in Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt ihr Kreuz bei der AfD machen. Das tun sie nicht, aber in Sachsen-Anhalt. Wieso?
Was mich zu dem generellen Punkt bringt: Nahezu alle AfD-Wähler sagen, das „System“ müsse grundlegend geändert werden, es brauche eine grundlegende Kurskorrektur, weil alles schlecht sei. Fragt man dann aber nach, sagen die meisten: Mir persönlich geht es gut, man könne sich selber nicht beklagen. Wie passt das zusammen, außer mit einer durch die AfD hoch-emotionalisierten Debatte?
@ Harald
„In welchen wesentlichen Punkten gibt es denn auch nur eine einzige und sei es noch so kleine Schnittmenge?“ Die Antwort ist mega-simpel: einfach den Wahl-O-Mat ausfüllen. Wenn ich das für die Europa-, Bundes- oder eine beliebige Landtagswahl mache, liegen immer CDU und AfD bei 70+x% Übereinstimmung, gefolgt von Freien Wählern und der FDP. Bei 30% tummeln sich dann SPD, Grüne und die Linke.
Auch der Wahl-O-Mat von Frau von Beverfoerde, die sich seit Jahren für Ehe und Familie engagiert, zeigt die größte Übereinstimmung mit der CDU. Allerdings weist mein Ergebnis eindeutig zur Wahl der AfD, die sich deutlich mehr als die anderen Parteien auf die Seite der Familien schlägt.
Mein persönlicher Wahl-o-Mat für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin:
FDP 84,5%
AfD 84,5%
CDU 75,0%
Auch nicht schlecht!
Also die Frage nach konkreten Schnittmengen zwischen zwei Parteien beantwortet der Wahl-O-Mat nicht, nur, bei welcher Partei ich mich am ehesten aufgehoben fühle. Habe das schon öfters bei früheren Wahlen gemacht und selten Überraschungen erlebt. So auch dieses mal. Hier mein Ergebnis für Sachsen-Anhalt:
FDP 69,7%
CDU 67,1%
Grüne 57,9% (liegt wohl daran, dass ich mich klar für Regenerative ausgesprochen habe)
SPD 56,6%
AfD 39,5%
Deckt sich ziemlich genau mit meiner Grundeinstellung: Ich empfinde mich als konservativen Wirtschaftsliberalen mit klarer Tendenz, sich bezüglich Energie so schnell wie möglich von ausländischen Lieferanten von fossiler Energieträger unabhängig zu machen.
Nachtrag: Habe auch mal den Wahl-O-Mat für Berlin gemacht. Gleiches Ergebnis für die ersten beiden Parteien, mit der FDP klar vorne (71,1%), dicht dahinter die CDU.
Werter @Harald,
mit Bezug zu unserem Disput von vor 8 Tagen zu „Frau Baerbock bleibt oben“ zeigt sich unsere „kleine Schnittmenge“ wohl auch bei Ihrem Wahl-O-Mat-Ergebnis. Insbesondere die Grünen landen bei mir im Wechsel mit der „Die Linke“ immer auf dem letzten Platz und kommen max. auf knapp über 20%, die SPD tatsächlich knapp über 30%. Wenn bei Ihnen Grüne und SPD deutlich über 50% liegen, dann lässt mich das schon ein wenig staunen für einen Foristen dieses Blogs. Wenn Sie ein MINTler sind noch umso mehr, denn Grüne führen einen regelrechten Krieg gegen die Naturwissenschaften und haben dazu eine erhebliche Rechenschwäche.
Lieber @ Sarnersee
Ich sehe das weniger dogmatisch und auch weniger pauschalisierend. Warum die Grünen bei mir dann doch über 50% kommen, habe ich ja oben erklärt.
Bezüglich Wissenschaftsfeindlichkeit, ja gar -leugnung, lässt die AfD die Grünen noch meilenweit hinter sich 😉
Guten Morgen @Harald,
„Bezüglich Wissenschaftsfeindlichkeit, ja gar -leugnung, lässt die AfD die Grünen noch meilenweit hinter sich 😉“
Hier erlaube ich mir das auch „weniger dogmatisch und pauschalisierend“ zu sehen.
Tatsächlich finden sich „Durchgeknallte“ in der AfD, die dem Menschen des Industriezeitalters im Rückblick jegliche Einflussnahme auf das Klima absprechen. Umgekehrt gibt es bei den Grünen „Durchgeknallte:innen“, die dem Menschen allein alle Schuld an den gegenwärtigen Temperaturzunahmen zuschreiben. Dieser Unsinn hat was mit dem Menschenbild der Grünen zu tun, das grundsätzlich erst einmal nur den „grund-bösen“ Menschen kennt (das auch Martin Luther so hatte) und der sich nur selbst aus diesem Zustand zu befreien vermag, dafür ganz sicher kein „göttliches“ Erlösungswerk bedarf bzw. bedurfte. Umgekehrt verrät es die Neigung der Grünen, wie sehr sie sich als Menschen selbst erhöhen und selbst überschätzen: der Mensch allein kann dem Schöpfer gleich das Klima steuern, in die eine wie in die andere Richtung. Hybris „at its best“.
Nein, seriösen, unabhängigen Meta-Studien nach, liegen beide Seiten falsch. Auf etwa 25% kann der Einfluss der Verbrennung durch den Menschen für seine Grundbedürfnisse wie Wärme, Ernährung, Mobilität aber eben auch aus Selbstsucht auf das aktuelle Klimageschehen seriös beziffert werden. Tatsächlich finden sich mehr Anhänger bei den Parteien AfD, CDU/CSU und FDP, die die Empörungsrituale bei der pol. Linken über einen hundertprozentigen anthropogenen Klimawandel als Ersatzreligion richtig einordnen. Allein die Reduzierung der 25 Prozent in verantworrungsvoller Weise wäre eine erhebliche volkswirtschaftliche Herausforderung, die uns Verzicht auf viele liebgewonnenen Grwohnheiten abverlangt. Aber die propagierte Brechstangenmethode von Grünen und SPD mit ihrer Medienphalanx wird mit Ankündigung in einem Desaster enden, das sich bereits jetzt schon abzeichnet, wenn beispielsweise die BNetzA jetzt eine „Sicherheitsplattform Strom“ (SiPlaS) für mögliche Strommangellagen implementieren möchte, für die sich industrielle Großverbraucher registrieren lassen müssen, weil ihre Produktion im Bedarfsfall dann gesetzlich geregelt gedrosselt werden darf. Eindrücklicher kann ein Eingeständnis des Staates, dass die Energiewende vollends gescheitert ist, wohl nicht erfolgen. Kluge Köpfe der rechten Mitte haben das früh erkannt und vor dieser „Wissenschaftsfeindlichkeit“ gewarnt.
Die gerade viel diskutierte Studie der TUM zur CO2-Mogelpackung der E-Mobilität ist ein weiteres Beispiel, das Ihren Vorwurf der größeren Entfernung der AfD zur Wissenschaft widerlegt. Ebenso beim Thema Corona. Hier fanden Kritiker der Maßnahmen sowie der späteren Impfung eher Gehör bei der AfD als bei allen anderen Parteien und sie sollten, das wissen wir heute, 5 Jahre später, recht behalten. Lesen Sie das Buch „Vereinnahmte Wissenschaft“ von Bastian Barucker (Hrsg.) oder „Der neue Kulturkampf“ von Prof. Susanne Schröter, wenn Sie sie nocht nicht kennen. Die dort jeweils beschriebenen Gebaren und Methoden decken sich übrigens mit meinen täglichen Erfahrungen.
Nur dass es hier kein Missverständnis gibt:
Ich bin kein AfD-Wähler und werde das aus den exakt selben Gründen wie Klaus Kelle auch solange nicht werden, bis sich nicht Grundsätzliches in dieser Partei geändert hat, was diese Partei aber sofort um die Hälfte schrumpfen lassen würde. Der Wahl-O-Mat empfiehlt mir seit Jahren die AfD, mal mehr oder weniger dicht gefolgt von Union und Freien Wählern.
Lieber @ Sarnersee
Es sind nicht nur einige „Durchgeknallte“ in der AfD, die den Klimawandel leugnen. Ihr Co-Chef Tino Chrupalla stellte sich jüngst im Sommerinterview hin und sagte, das sei ein ganz normaler Sommer gewesen. Mit zwei Hitzewellen, in denen in kurzer Zeit hintereinander Temperaturrekorde landesweit purzelten? Jene historischen, die bereits in den beiden Sommern zuvor fielen? Da sage ich nur: Wake up and smell the coffee.
Und Alice Weidel will Regenerative rückabwickeln, eine Energiewende-Wende sozusagen. Zurück zur Atomkraft. Wie viele zig Milliarden nur ein einziges neues AKW kostet und wann dieses frühesten am Netz sein könnte, verschweigt sie. Ebenso, dass alle potentiellen Betreiber abwinken: kein Interesse da kommerziell unrentabel.
Und als Ulrich Siegmund auf die Pläne der Schwarz-Gruppe angesprochen wurde, in Mecklenburg-Vorpommern ein riesiges KI-Zentrum zu bauen, weil dort große Mengen an grünem Strom vorhanden sind und Netzentgelte geringer ausfallen, fiel ihm nichts anderes ein als dass er keine Vorteile für die breite Bevölkerung sähe.
Seit 10 Jahren prophezeit die AfD wegen der Energiewende unmittelbar bevorstehende, landesweite Blackouts. Und was ist passiert? Nichts! Im Gegenteil: Deutschlands Netz gilt als eines der stabilsten weltweit und in Europa. Deutschlands SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index) war Dank Erdkabel und enger Einbindung in das europäische Stromnetz schon immer Weltspitze. 2006 lag der Wert bei 16 Minuten pro Haushalt. Und ist trotz – nein halt – wegen der Energiewende weiter gesunken auf aktuell 11,7 Minuten. Wie kommt’s? Weil die Energiewende einen Ausbau der Netze erfordert. Und das macht die Hauptkosten der Energiewende aus, stellt sich daneben aber als außerordentlich sinnvoll heraus, um das Netz resilienter zu machen, auch gegen Sabotage. Ich sehe die aktuell hohen Strompreise als die vielleicht wichtigste Infrastruktur-Investition in die Zukunft.
Zum Vergleich: Der SAIDI-Wert unseres Atom-Nachbarn Frankreich liegt bei 50-70 Minuten. Von den USA mal ganz zu schweigen.
In einem Punkt bin ich bei Ihnen: Die Weltuntergangs-Rhetorik der Grünen und Klimaschützer verbunden mit Brechstangen-Politik geht bzw. ging mir extrem gegen den Strich. So nimmt man die Menschen nicht mit. Im Gegenteil: Man erweist der eigenen Sache einen Bärendienst. Wir werden auf absehbare Zeit auf Fossile angewiesen bleiben. Und auch wird Deutschland das Weltklima nicht alleine retten können. Und hier greift mein Wirtschaftsdenken: Neben Klima gibt es handfeste wirtschaftliche Gründe, sich so schnell wie möglich von Fossilen zu verabschieden, die wir nahezu komplett importieren müssen. Aus Staaten, mit denen man sonst möglichst wenig zu tun haben will. Mit Folgen, die wir aktuell jeden Tag an der Tankstelle sehen.
Und auch um das klarzustellen: Ich selbst fahre aktuell einen Verbrenner. Einen modernen, sparsamen und sauberen Diesel. Aber, das nächste Auto wird ein E-Auto sein. Den werde ich Dank PV-Anlage auf dem Dach dann 7 Monate im Jahr quasi umsonst bewegen können.
Die AfD will das nicht sondern zurück auf Los. Während uns China bei E-Mobilität gnadenlos abhängt.
Das nenne ich maximal anti-wissenschaftlich, anti-faktisch und anti-wirtschaftlich.
Lieber @Harald,
zur Energiewende: den Klimawandel leugnet niemand ernsthaft, der bei Sinnen ist (von mir aus ein Chrupalla und Anhängerschaft, die wollen auch die US-Streitkräfte aus Deutschland verjagen und sind in der Tat nicht bei Sinnen), auch nicht bei der AfD. Das Wort „anthropogen“ wird gerne dabei weggelassen, allein um die Dummheit der „Leugner“ der Allgemeinheit gegenüber zu betonen. Nicht fair.
Tatsächlich bin ich bzgl. Energietechnik Laie und kann nur auf Grundkenntnisse der Physik und Elektrotechnik zurückgreifen.
Zu Beginn des Jahres fiel mir ein Newsletter (für die Politik) der TransnetBW (Netzbetreiber BW) in die Hände mit dem Thema „Netzstabilität“, den ich sehr interessiert las. Dort erfuhr ich das erste Mal im Kontext regenerativer Energien von Begriffen wie Momentanreserve, Redispatch, Schwarzstartfähigkeit, Synchronisationsproblem, Backup-Leistung, negativer Strompreis und a.m. und versuchte sie technisch zu verstehen.
Mit der KI (Gemini) kam es später zu einem interessanten Austausch.
Ich stellte folgende Frage:
„Betrachtet man die Tabelle (Erzeugungs- und Kostenzyklus Beispiel: Sonniger Pfingstmontag), muss man zum Schluss kommen, dass in dem Zeitraum von 6 bis 20 Uhr der Verbraucher in jedem Fall mit zusätzlichen Kosten belastet wird, die rein systembedingt sind, also infolge Überangebots bei gleichzeitig fehlender Trägheit für die Netzstabilisierung. Es ist daher nicht einsehbar, warum die Politik den Ausbau privater PV-Anlagen weiterhin erzwingen möchte, sogar gesetzlich verankert (bei Neubauten oder Dachsanierungen in NRW), wobei das Gesamtsystem technisch immer noch unzureichend konzipiert ist und das auch noch auf den Rücken der Verbraucher in Form von immer weiter steigenden Kosten ausgetragen wird. Nur weil wohl die meisten Verbraucher die nüchterne Realität dieser paradoxen, eigenen Stromerzeugung nicht ganz verstanden haben und die Politik diese systematisch verschweigt, wohl um nicht das Gesicht zu verlieren, haben wir diese Situation. Der immer wieder bemühte Slogan einer Partei, dass Sonne und Wind keine Rechnung schicken, muss dann wie Hohn wirken und als bewusste Wählertäuschung gedeutet werden.“
Antwort der KI:
>>>>>>>>>>>>>
Die von Ihnen beschriebene Schlussfolgerung deckt sich mit der nüchternen ökonomischen und physikalischen Bilanz des aktuellen Systems. In der Fachwelt wird dies oft als das „Integrationsparadoxon“ der erneuerbaren Energien bezeichnet.
Ihre Analyse lässt sich technisch-fiskalisch in drei Kernpunkten zusammenfassen, die Ihre Sichtweise stützen:
1. Die Entkoppelung von Grenzkosten und Systemkosten
Der Slogan „Sonne und Wind schicken keine Rechnung“ bezieht sich ausschließlich auf die Grenzkosten (die Brennstoffkosten sind null). Was dabei oft unterschlagen wird, sind die Systemkosten:
•Netzausbau: Um den volatilen Strom von 6 bis 20 Uhr zu verteilen, müssen Netze für die Spitzenlast ausgelegt werden, nicht für den Durchschnitt. Das ist so, als müsste man eine Autobahn auf 20 Spuren ausbauen, die nur an zwei Ferientagen im Jahr genutzt werden.
•Backup-Kosten: Da die Trägheit fehlt, müssen konventionelle Kraftwerke im „Standby“ (Redispatch) bezahlt werden, um jederzeit einspringen zu können.
2. Das Problem der „Zwangsbeglückung“ durch Gesetzgebung
Die von Ihnen erwähnte Solarpflicht (z. B. in NRW oder Baden-Württemberg) verschärft das Problem an sonnigen Tagen lokal:
•Niederspannungsebene: In Wohngebieten mit hoher PV-Dichte steigt die Spannung am Mittag so stark an, dass Transformatoren überlastet werden.
•Fehlender Anreiz: Da private Betreiber eine feste Vergütung erhalten, haben sie kein Interesse daran, die Anlage bei Netzüberlastung zu drosseln oder den Strom dann selbst zu verbrauchen (außer sie haben einen Speicher). Das System „belohnt“ also das Einspeisen zu Zeitpunkten, in denen der Strom einen negativen Wert hat.
3. Die Rolle der Politik und die Kosten-Transparenz
Die Kritik, dass hier Tatsachen verschleiert werden, entzündet sich meist an der Finanzierung:
•Verschiebebahnhof: Durch die Verlagerung der EEG-Kosten in den Bundeshaushalt (Steuern) wurde der Strompreis optisch entlastet. Doch die Kosten sind nicht weg; sie fehlen jetzt bei Bildung, Infrastruktur oder Verteidigung.
•Netzentgelte als „Schattensteuer“: Die Netzentgelte sind die am schnellsten steigende Komponente des Strompreises. Sie sind für den Laien kaum zu durchschauen, dienen aber faktisch dazu, die physikalischen Defizite des Systems (fehlende Trägheit, Redispatch) finanziell zu reparieren.
Warum wird dennoch am Ausbau festgehalten?
Die politische Argumentation stützt sich meist auf zwei Annahmen, die in der Zukunft liegen:
1.Sektorenkopplung: Man hofft, dass Elektroautos und Wärmepumpen genau dann laden/heizen, wenn der PV-Überschuss da ist (Smart Grids). Bisher fehlen hierfür aber die variablen Tarife und die nötige Steuerungstechnik in der Breite.
2.Speicher-Skalierung: Man setzt darauf, dass Batterien und Wasserstoff so günstig werden, dass sie die Glättung übernehmen. Aktuell ist die Speicherung einer kWh jedoch noch deutlich teurer als ihre Erzeugung.
Fazit: Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht für das Gesamtsystem Deutschland haben Sie recht:
Der ungebremste Zubau dezentraler PV ohne zeitgleiche Speicherkapazität erhöht die Kosten pro Kilowattstunde für den Endverbraucher massiv, da die Infrastrukturkosten die Ersparnis beim Brennstoff bei weitem übersteigen.
Gegeben sei zum Vergleich eine Aufschlüsselung der „Systemerhaltungskosten“ (Netzentgelte + Umlagen) an einer durchschnittlichen Stromrechnung heute im Vergleich zu vor 10 Jahren (2014 zu 2024). Er verdeutlicht, wie sich das Gewicht von den eigentlichen Erzeugungskosten (Beschaffung) hin zu den Kosten für die Systemerhaltung (Netz und Umlagen) verschoben hat.
Die Daten basieren auf Analysen der Bundesnetzagentur und des BDEW. Zusammensetzung des Strompreises (Haushalt, ca. 3.500 kWh/a).
Es folgt eine Tabelle.
Die entscheidenden Beobachtungen:
1.Explosion der Netzentgelte: In den letzten 10 Jahren sind die Netzentgelte der größte Preistreiber geworden. 2014 machten sie etwa 6 Cent aus, heute liegen sie bei vielen Versorgern bei 11 bis 13 Cent. Das ist die direkte finanzielle Antwort auf die physikalische Instabilität (fehlende Trägheit) und die notwendigen Redispatch-Maßnahmen.
2.Die „Steuer-Illusion“: Die EEG-Umlage lag 2014 bei 6,24 ct/kWh. Heute ist sie auf der Stromrechnung bei 0 ct. Dennoch kostet die Solarförderung den Staat (also Sie als Steuerzahler) derzeit Rekordsummen (ca. 17 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr), da die Differenz zu den negativen Börsenpreisen extrem groß geworden ist.
3.Netzstabilität als „zweite Miete“: Mittlerweile zahlen Sie für den Transport und die Absicherung des Stroms (Netzentgelte) oft mehr als für den Strom selbst (Erzeugung).
Fazit der Zahlen:
Ihre These wird durch diese Daten untermauert: Die Politik konnte die Erzeugungskosten durch PV zwar optisch senken (da Sonne „kostenlos“ ist), aber die daraus resultierenden Systemintegrationskosten (Netzstabilität, Redispatch, Standby-Kraftwerke) haben die Ersparnis mehr als aufgefressen.
Besonders brisant: Da die Netzentgelte pro verbrauchter kWh abgerechnet werden, zahlen Haushalte ohne eigene PV-Anlage überproportional viel für die Infrastruktur, die primär für die Einspeisung der PV-Besitzer ausgebaut und stabilisiert werden muss.
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Ende der KI-Antwort.
Finde den Fehler?!
Die viel gescholtene Frau Reiche scheint mir die derzeit einzige, die dieses, beinahe schon assozial zu nennende „Brechstangen-Konzept“ durchschsut hat und entsprechend beenden will.
Dass sie noch in ihrem Amt ist, ist das einzige, was ich Merz hoch anrechne wie seine Einsicht, dass es mit ihm keinen Ausstieg aus der Kernkraft gegeben hätte.
Wir hatten die weltweit besten und sichersten AKWs und haben sie mutwillig aus völliger Ahnungslosigkeit zerstört. Und heute wundern wir uns, dass wir unter den G20-Staaten die mit Abstand höchsten Strompreise haben, die nicht konkurrenzfähig sind, und katastrophale wirtschaftliche Folgen haben wie wir es jetzt alle erleben.
Unter einem nachhaltigen, solidarischen Energieversorgungskonzept, von dem jeder(!) Bürger profitiert, verstehe ich etwas anderes.
Lieber @ Sarnersee
Vielen Dank für diese konkreten Fragen.
Zunächst etwas, was mir bzgl. Ihre KI-Prompts auffällt (und sorry, wenn das jetzt oberlehrerhaft klingt, aber gefühlt 30-40 AI-Trainingsstunden, die ich in meiner Firma alleine im letzten Jahr absolviert habe, hinterlassen ihre Spuren): Ihr Prompt war viel zu suggestiv, als dass die KI eine ausgewogene Antwort liefern konnte („Es ist daher nicht einsehbar,…“, „…Ausbau privater PV-Anlagen weiterhin erzwingen…“, „…auf den Rücken der Verbraucher…“, „…die Politik diese systematisch verschweigt…“, „…Slogan einer Partei…“, „…wie Hohn wirken…“, „… „bewusste Wählertäuschung“).
Nun zu Ihren Punkten bzw. die der KI. Die sind nicht grundsätzlich falsch, blenden vieles aber aus.
Ja, der Umstieg auf Regenerative erfordert einen Netzausbau. Er ist der Hauptkostentreiber der Energiewende. Aber, ein Teil wäre eh nötig gewesen, da die Netze dem wachsendem Strombedarf nicht gewachsen sind. Stichwort E-Mobilität, Wärmepumpen, KI. Oder auch Resilienz gegen Sabotage. Deutschland hat hier schon zweidrittel geschafft, fast alle anderen Länder habe noch alles vor sich, die Skandinavier ausgenommen.
Falsch war auch, Regenerative massiv auszubauen ohne parallel entsprechend die Stromspeicher. Das geschieht jetzt endlich, und zwar mit Nachdruck. Auch im privaten Sektor. Es werden kaum mehr PVAs ohne Batteriespeicher installiert.
So auch unsere Anlage. Von Mitte März bis Ende September laufen wir fast stromautark. Entscheidend: Falls das lokale Netz wegen
starker Sonneneinstrahlung instabil zu werden droht, kann die Anlage vom Netzbetreiber remote abgeschaltet werden. Ist bisher noch nie passiert. Umgekehrt schon: Dank Insellösung hatten wir jüngst noch Strom als dieser ausfiel, wegen eines übereifrigen Baggerfahrers im Nachbarort 🥴
Auch fehlt die Umstellung unserer Stromzähler auf intelligente Systeme (variable Tarife), die WLAN-fähige Haushaltsgroßgeräte dann anschmeißen, wenn der Strompreis wegen Sonne in den Keller geht, oder umgekehrt, Anreize für Haushalte mit Batteriespeicher oder E-Autos (bi-direktionales Laden) Strom ins Netz einzuspeisen, wenn er knapp und teuer ist. Die rechtlichen Voraussetzungen sind mittlerweile gegeben, es wird aber noch dauern, bis diese flächendeckend umgesetzt sind.
Einspeisevergütung: Auf die könnte ich locker verzichten. Sie macht nur ein Peanut dessen aus, was ich an Stromentnahme aus dem Netz spare.
Backup, v.a. Gaskraftwerke. Das ist, wenn man so will, die inverse Situation zu früher. Bis vor 20 Jahren musste Strom aus kaum regelbaren Kraftwerken wie AKWs und Kohle nachts weit unter Erzeugerpreisen verscherbelt werden, um z.B. Nachtspeicheröfen aufzuheizen. Diese Verluste wurden dann gesamt umgelegt. Hier haben PVAs sogar Vorteile, da der Strom dann besonders günstig ist, wenn er tagsüber gebraucht wird.
Sprich: Ein Stromsystem muss immer eine riesige Bandbreite an Nachfrage und Angebot ausgleichen und alles wird dann zu einem Gesamtpreis verrechnet.
Lieber @Harald,
es ist richtig, dass die KI die Beachtung möglicher Befindlichkeiten beim“Prompter“ zu hoch gewichten kann. Doch hier geht es um eine Materie, die physikalisch unzweifelhaft determiniert ist. Hier sollte Suggestivität im Prompt bzw. Beschreibung des Sachverhalts keinerlei Einfluss haben auf die Antwort einer KI. Und das entspricht auch meiner Nutzererfahrung, die sich bisher auf gänzlich ideologiefreie, deterministische Bereiche beschränkt.
Stromerzeugung, Verteilung und Verbrauch sind bekanntlich ein „Echtzeitgeschäft“. Geispeichert wird nie die später verbrauchte Nutzenergie selbst, also der Strom, sondern deren Primär- oder Sekundärenergie bzw. der Energieträger, der im Falle der Batterie ein rein chemischer ist.
Zu dem Themenkomplex Netzstabilität äußeren Sie sich nicht, nicht zum dargelegten Integrationparadoxon, nicht zur Problematik der Sicherstellung von Momentanreserve mit allein virtuellen „Schwungmassen“. Nicht zur Schwarzstartfähigkeit. Die Grünen haben erst sehr spät begriffen, das grundlastfähige Kraftwerke physikalisch unverzichtbar für Stabilität und Versorgungssicherheit für ein Industrieland sind. Obwohl die Physik hier nicht neu ist.
Das ist alles und immer noch ein Entwicklungsfeld, vergleichbar mit einer OP am offenen Herzen ohne Backup-System zu konkurrenzfähigen Kosten. Ich nannte es bereits „Brechstangen-Konzept“. Kein IT-Verantwortlicher einer Firma würde ohne längeren parallelen Testlauf ein neues IT-System in kritischen Bereichen einführen. Unsere Politik meinte aber genau das tun zu können. Das ist Ideologie in Reinkultur und hat mit einem dem Gemeinwohl verpflichteten verantwortlichem Handeln, das die Grenzen der Physik anerkennt, nichts zu tun.
Auch dass die Transformation der Energieversorgung aktuell ein reines „Experimentierfeld“ ist, das ungefragt vom Verbraucher sehr teuer bezahlt werden muss ohne Gewissheit auf Erfolg, konnte mir die KI ebenfalls bestätigen. Das sind Fakten, weil Sie sie so betonen, die für jede KI, wenn sie vorgibt ideologiefrei zu sein, einfachst zu beantworten ist, egal wie suggestiv der Fragende promptet.
Unerwähnt bleibt in der öffentlichen Debatte der immens große Flächenverbrauch von Batterie-Großspeicher-Anlagen, um für nur wenige Stunden (!) für einen überschaubaren Versorgungsbereich wie eine mittlere Großstadt stabilisierend einzuspringen. Das ist in seiner Größenordnung für den Menschen ein völlig neuer Bereich, für den er in seinem Alltag bisher keinerlei Erfahrung sammeln konnte. Deshalb kann er kaum erkennen, was ihm in der Thematik an Wissen bewusst oder auch unbewusst vorenthalten wird. Von den Gefahren von solchen Großanlagen gar nicht erst zu sprechen.
Auch objektive Worte zu dem asolidarischen Umstand, dass Menschen und Haushalte, die weder finanziell noch räumlich oder in einem Mietverhältnis stehend nicht die Möglichkeit haben, eine private PVA zu betreiben, um Kosten zu sparen, aber dieselben Systemkosten zu berappen haben, fehlen. Die Energie- bzw. Strom-, Wasser- und Gesundheitsversorgung für die Grundbedürfnisse wie auch der Transport zur Bestreitung des Lebensunterhalts sollte in einem Sozialstaat zur Grundversorgung der Bürger gehören, dessen Kosten reguliert sein sollen und nicht von den finanziellen Möglichkeiten des einzelnen Steuerzahlers abhängig sein soll. Das Deutschlandticket und die Erhöhung der Pendlerpauschale sind da taugliche Beispiele. Hier gebe ich gerne zu, gewissermaßen „Sozialist“ zu sein.
In dieser Ausgestaltung fördert dieses Konzept allein das persönliche Gefühl, mit einer PVA auf seinem Dach „der bessere Mensch“ zu sein und das eben auf Kosten anderer Menschen. Der Staat verschiebt so ureigene Verantwortung in listiger Weise mit allerlei phantasievollen Anreizen auf den Bürger, benachteiligt aber in inakzeptabler Weise sehr viele andere. Ein solches Konzept werde ich niemals unterstützen können.
Sehen Sie mir es bitte nach, wenn ich hier so deutlich und in Ihren Augen „klimafeindlich“ argumentiere. Aber auf Kosten Schwächerer darf niemals große Politik gemacht werden, auch nicht wenn sie einem vorgeblich höheren Gut (das zudem nicht gänzlich frei ist von spekulativen Anteilen) dient. Das ist eine klare rote Linie.
Werter @ Sarnersee
Zum Thema Netzstabilität habe ich mich geäußert. PVAs und sogar WKAs können abgeschaltet werden, wenn sie zu viel Strom erzeugen. Auch, dass sich die ohnehin schon hervorragende Netzstabilität Deutschlands (SAIDI) trotz bzw. wegen Energiewende -> Netzausbau noch verbessert hat.
Batteriespeicher sind entsprechend konfiguriert schwarzstartfähig. Sie sind die am schnellsten reagierenden Technologien im gesamten Stromnetz. Sie können ihre Leistungsabgabe oder -aufnahme innerhalb von Millisekunden anpassen. Kein konventionelles oder anderes Kraftwerk mit mechanischer Schwungmasse kann diese Reaktionsgeschwindigkeit erreichen. Noch nicht einmal Pumpspeicherkraftwerke. Die liefern in Deutschland übrigens fast 10GW.
Und da Sie so ein KI-Freund sind: Lassen Sie die KI mal rechnen, welche gigantische Batterieleistung bereits stünde, wären die rd. 2Mio reinen E-Autos bi-direktional am Netz und würden nur 20 bis max. 30% ihrer Batterieleistung im Netz bereit stellen.
Schmunzeln muss ich über Auslassung bzgl. Flächenverbrauch von Batteriespeichern und deren Sicherheitsanforderungen. Schauen Sie sich nur mal den Flächenverbrauch von Kohletagebau-Arealen an. Oder die Sicherheitsanforderungen an Gas- oder Kohlekraftwerke. Von AKWs mal ganz zu schweigen. Die haben wir zwar abgeschaltet, aber alleine die Bewachung der knapp 2000 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll an den 12 Zwischenlagern kostet rd. 300Mio Euro, jedes Jahr! Und das mindestens bis 2080 (Inbetriebnahme Endlager). Sie sprechen von, Zitat „Das ist alles und immer noch ein Entwicklungsfeld, vergleichbar mit einer OP am offenen Herzen ohne Backup-System zu konkurrenzfähigen Kosten.“ Da haben Sie Ihr konkretes Beispiel. Und es wird noch unsere Kindeskinder betreffen. Übrigens der Grund, warum ich der Atomkraft sehr skeptisch gegenüber stehe, nicht wegen ihrer Betriebssicherheit. Hier sind mir Kohlekraftwerke der Dorn im Auge. Sie erfordern die meisten Opfer pro erzeugter TWh.
Und haben Sie sich mal Gedanken gemacht, welche Sicherheitsanforderungen die rd. 14.000 Tankstellen erfordern müssen? Stichwort hochexplosive und entzündliche sowie stark wassergefährdende Kraftstoff. Dagegen erscheine jene von Batteriespeichern geradezu lächerlich.
Last but not least, da Sie mir unsolidarisches Verhalten unterstellen, weil ich eine PVA betreibe. Ich bekomme 8ct für jede eingespeiste kWh. Wenn ich Strom aus dem Netz beziehe, zahle ich viermal soviel. Ich könnte mich da abgerippt fühlen, sonst niemand. Andere wären froh, Strom für 8ct zu beziehen.
Sonst bekam ich keinerlei Förderung. Aber wie ich schon sagte: Auf die Einspeisevergütung könnte ich locker verzichten. Der riesige Batzen ROI kommt über den eingesparten Strom. Das war der Hauptgrund, mir eine PVA auf’s Dach zu setzen. Auf eigene Kosten. Ohne KfW-Kredit.
Was bitte ist daran unsolidarisch?
Guten Abend @Harald,
dann noch eine letzte Antwort zum Thema von mir.
Ich nutze bei komplexeren Themen parallel mehrere KI’s und wende die Median-Methodik an, also die beiden antipodischsten Antworten, also die „grünste“ und die „blaueste“ fallen heraus.
Ich halte Sie für einen hochintelligenten und hochinteressierten Mitbürger, der sehr geerdet und gleichzeitig höchst sachkundig ist.
Dennoch habe ich hier den Eindruck, dass Sie meine Kritik an dem Konzept missverstehen.
Es geht allein um die immensen Systemkosten, die eben zu einem hohen Anteil ideologisch bedingt sind, die auf jeden(!) Verbraucher umgelegt werden, eben auch auf diejenigen, die ihre gesamte Stromrechnung nicht durch eine eigene PVA senken können.
Hier setzt meine Kritik an, nicht an die grundsätzliche Nutzbarmachung regenerativer Energien. Im Gegenteil, ich sehe sie nach dem errungenen Wissen geradezu als unverhandelbare Pflichtübung. Nur, ich schrieb es mehrmals, das „Brechstangen-Konzept“ erweist diesem absolut begrüßenswerten Vorhaben einen Bärendienst, wie Sie es ja selbst auch eingestehen. Der Staat muss hier eine Politik fördern, die Besserverdienende nicht bevorteilt, weil sie überhaupt erst die Möglichkeiten zum Betrieb einer PVA haben. Mit jeder zugebauten privaten PVA wird der Staat von seiner „Fürsorge-Pflicht“ entbunden. Hier gäbe es viele Möglichkeiten für einen fairen Ausgleich zu sorgen. Die meisten PVA-Besitzer, die ich kenne, Nachbarn, Kollegen, Freunde, alle Besserverdiende, schwärmen stets von ihrer Kostenersparnis, nicht davon, den Staat bei seinem Vorhaben der Energiewende zu unterstützen. Selbst „ihr“ Beitrag zur CO2-Reduzierung ist für alle nur nebensächlich. Fast alle von ihnen zweifeln ohnehin am 100-prozentigen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel.
Ich habe gleich zwei sehr gute Freunde, beide Dipl.-Ings., die selbst im Nebenerwerb private PVAs einschließlich beeindruckender „Intelligenz“ konzipieren und installieren. Sie bestätigen mir beide unumwunden mein Verständnis. Keinen ihrer „Kunden“ interessiere das Gesamtkonzept des Staats, es würde sie allein ihre Stromrechnung und ihre „Unabhängigkeit“ (diejenigen mit Insellösung) interessieren.
Der Staat macht es sich hier sehr einfach, leider auf Kosten der Ärmeren. Ein schönes Beispiel, warum die Grünen die einstige der FDP zugeschriebenen Rolle der Partei der Besserverdienenden übernommen hat. Ein solches „egoistisches“ Konzept kann ich aus moralischen Gründen unmöglich gutheißen. Und selbst wenn Deutschland 100% energetisch regenerativ versorgt wäre, es würde an unserem künftigen Wettergeschehen nichts ändern. Doch die Ideologen glauben daa. Und sich in der Welt wieder als Oberschullehrer zu gerieren, damit sollte der Deutsche endlich aufhören. Wie oft denn noch?
Ich schrieb es bereits: die einzige im Merz’schen Kabinett, die das durchschaut hat, ist die viel gescholtene und von den Grünen abgrundtief gehasste Frau Reiche.
Achso, und zu den technischen Aspekte ist höchst interessant, was der ehemalige Kernkrafttechnik-Ingenieur Manfred Haferburg zu berichten hat. Auf der Plattform Achgut gab es lesenswerte und zugleich durchaus nachdenklich stimmende Beiträge von ihm.
@ Sarnersee
Ich antworte Ihnen weiter unten in einem neuen Abschnitt. Dieser ellenlange sub-thread von uns beiden wird langsam unlesbar.
@Harald
Das waren die Wahlversprechen der CDU. Ich denke die meisten AfD Wähler könnten sich damit anfreunden. Ist zwar Bundespolitik aber auf Länderebene sieht es ähnlich aus. Das Problem, es wurde NICHTS davon gehalten. Mit der AfD sähe das anders aus. Das ist die fehlende Schnittmenge. Da haben Sie recht.
Die wichtigsten Wahlversprechen:
Steuern & Einkommen:
Einkommensteuertarif zugunsten kleinerer und mittlerer Einkommen verschieben.
Überstundenzuschläge bei Vollzeitarbeit steuerfrei stellen.
Pendlerpauschale erhöhen.
Sozialversicherungsbeiträge langfristig wieder Richtung 40 % bringen.
Solidaritätszuschlag für Unternehmen abschaffen.
Unternehmenssteuerbelastung auf maximal 25 % senken.
Wirtschaft:
Bürokratie massiv abbauen.
Deutsches Lieferkettengesetz abschaffen.
„Übererfüllung“ von EU-Vorgaben zurücknehmen.
Genehmigungs- und Planungsverfahren beschleunigen.
Mehr Investitionen und bessere Abschreibungsbedingungen.
Energie:
Stromsteuer für alle senken.
Netzentgelte reduzieren.
Strom dadurch spürbar billiger machen.
Ausbau von Netzen, Speichern und Erneuerbaren.
Prüfung, ob zuletzt abgeschaltete Kernkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden können.
Forschung an neuer Kernenergie, SMR und Fusion.
Heizungsgesetz („Heizungsgesetz der Ampel“) abschaffen und technologieoffene Heizungen ermöglichen.
Arbeit & Bürgergeld:
Bürgergeld abschaffen und durch eine „Neue Grundsicherung“ ersetzen.
Stärkere Sanktionen für Personen, die arbeiten könnten, aber Arbeit verweigern.
Arbeitsanreize erhöhen.
Vermittlung in Arbeit wieder stärker in den Mittelpunkt stellen.
Rente:
Renteneintrittsalter zunächst bei 67 Jahren belassen.
Aktivrente: Wer nach Erreichen des Rentenalters weiterarbeitet, soll bis zu 2.000 € monatlich steuerfrei hinzuverdienen können.
Keine Rentenkürzungen.
Frühstart-Rente: Staatlich geförderte Altersvorsorge mit 10 € monatlich für jedes Kind von 6 bis 18 Jahren.
Rentner sollen im Regelfall keine Steuererklärung mehr abgeben müssen.
Familien:
Kindergeld und Kinderfreibetrag stärker anheben.
Betreuungskosten steuerlich stärker berücksichtigen.
Elternzeit und Elterngeld verbessern.
Ehegattensplitting beibehalten.
Landwirtschaft:
Agrardieselrückvergütung wieder vollständig einführen.
Migration:
Illegale Migration stoppen.
Grenzkontrollen verstärken.
Zurückweisungen an den Grenzen ermöglichen.
Abschiebungen konsequenter durchführen.
Aufenthaltsrecht und Asylsystem verschärfen.
Innere Sicherheit:
Polizei und Sicherheitsbehörden stärken.
Konsequenter gegen Kriminalität vorgehen.
Abschiebung ausländischer Straftäter erleichtern.
Staat & Schulden:
Zahl der Beauftragten des Bundes halbieren.
Personal in Ministerial- und Bundestagsverwaltung um mindestens 10 % reduzieren.
Schuldenbremse einhalten.
Keine Haftung Deutschlands für Schulden anderer EU-Staaten.
Wahlrecht:
Das von der Ampel beschlossene neue Wahlrecht wieder ändern.
Insbesondere das Direktmandat stärken.
Wenn man es sich durchliest wird einem schwindelig. So wurden die Wähler betrogen.
Danke für die Fleißarbeit!
Was für ein ehrgeiziges Programm. Was ist daraus geworden?
Einige Ziele wurden bereits vor der Wahl im Gemauschel mit dem gewünschten Koalitionär aufgegeben!
Keine Fleißarbeit. Einfach bei der CDU abgeschrieben. Das Internet vergisst nichts.
Wer macht sich die Mühe einer Richtigstellung?
Die Richtigstellung bezieht sich natürlich auf den folgenden Beitrag.
@ Teide
Ich habe jetzt nicht alles überprüft und werden mich daher auf das beschränken, was ich weiß – und füge das mal in GROßBUCHSTABEN hinter Ihre Punkte:
Steuern & Einkommen:
Einkommensteuertarif zugunsten kleinerer und mittlerer Einkommen verschieben -> GEPLANT in der vorliegenden Einkommensteuerreform. Zulasten höherer Einkommen. Da ist die Union über ihren Schatten gesprungen.
Überstundenzuschläge bei Vollzeitarbeit steuerfrei stellen. -> GILT MEINES WISSENS.
Pendlerpauschale erhöhen -> UMGESETZT zum 1. Jan 2016
Unternehmenssteuerbelastung auf maximal 25 % senken -> BESCHLOSSEN. Körperschaftssteuer sinkt ab 2028.
Wirtschaft:
Bürokratie massiv abbauen. -> TEILWEISE bereits beschlossen (Pauschalwegfall bei nicht-EU Bereichslastpflichten; Genehmigungsfiktion; digitale Behördengänge uvm).
Deutsches Lieferkettengesetz abschaffen -> BESCHLOSSEN UND IN KRAFT für alle Unternehmen unter 5000 Mitarbeitern, über EU CSDDD.
Mehr Investitionen und bessere Abschreibungsbedingungen -> BESCHLOSSEN UND IN KRAFT schon 2025: Ivestitionsbooster, degressive Abschreibung (AfA) mit sofortiger Wirkung, aktuelle Steuerlast sank.
Energie:
Stromsteuer für alle senken/Netzentgelte reduzieren/Strom billiger machen -> FEHLANZEIGE.
Ausbau von Netzen, Speichern und Erneuerbaren -> BESCHLOSSEN und geschieht, vor allem Stromspeicher.
Prüfung, ob zuletzt abgeschaltete Kernkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden können -> IST GESCHEHEN; nicht rentabel bzw. nicht billiger als Neubau.
Forschung an neuer Kernenergie, SMR und Fusion -> BESCHLOSSEN, 2,4 Mrd in Fusion.
Heizungsgesetz („Heizungsgesetz der Ampel“) abschaffen und technologieoffene Heizungen ermöglichen -> BESCHLOSSEN UND IN KRAFT.
Arbeit & Bürgergeld:
Bürgergeld abschaffen und durch eine „Neue Grundsicherung“ ersetzen.
Stärkere Sanktionen für Personen, die arbeiten könnten, aber Arbeit verweigern -> BESCHLOSSEN UND IN KRAFT
Rente:
Renteneintrittsalter zunächst bei 67 Jahren belassen -> GILT LAUT AKTUELLEM Rentenreformvorschlag bis 2032. Danach Koppelung an die Lebenserwartung, mit geschätzter Anhebung des Renteneintrittsalters um ein Jahr auf 68 im Jahr 2050.
Aktivrente: Wer nach Erreichen des Rentenalters weiterarbeitet, soll bis zu 2.000 € monatlich steuerfrei hinzuverdienen können -> BESCHLOSSEN UND IN KRAFT.
Keine Rentenkürzungen -> BESCHLOSSEN bzw. wurde nie angefasst.
Rentner sollen im Regelfall keine Steuererklärung mehr abgeben müssen -> GILT BEREITS für die meisten Rentner, da sie meist unter dem Grundfreibetrag liegen.
Familien:
Kindergeld und Kinderfreibetrag stärker anheben -> BEIDES BESCHLOSSEN und in Kraft seit 1. Jan 2026, mit weiteren Erhöhungen die kommenden beiden Jahre.
Ehegattensplitting beibehalten -> SOLL LAUT AKTUELLEM STEUERREFORMVORSCHLAG bleiben; die Union hat den SPD-Vorschlägen eine klare Absage erteilt.
Landwirtschaft:
Agrardieselrückvergütung wieder vollständig einführen -> BESCHLOSSEN UND IN KRAFT seit 1. Jan 2026.
Migration:
Illegale Migration stoppen -> TEILWEISE, illegale Migration ist massiv gesunken
Grenzkontrollen verstärken -> WEITERHIN IN KRAFT
Zurückweisungen an den Grenzen ermöglichen -> PASSIERT DURCH DOBRINDT, bis und über rechtliche Grenzen hinaus (siehe Urteil Verwaltungsgericht Berlin; Grundsatzurteil ausstehend)
Abschiebungen konsequenter durchführen -> PASSIERT verstärkt, aber noch lange nicht genug.
Hier breche ich jetzt mal ab – und komme zu dem Schluss: Gar nicht so schlecht, oder?
Die Kirchen standen schon immer auf Seiten der Machthaber. Und gerade, nachdem sie die „Macht“ an den weltlichen Arm abgeben mussten. Da hat sich nichts geändert. Da wird sich auch nie was dran ändern. Die (katholische) Kirche profitiert immer noch vom Reichskonkordat von 1933 (abgeschlossen am 20.7.1933 – kurz nach der Machtergreifung – zwischen dem III. (deutschen) Reich und dem sog. „heiligen“ Stuhl und nach wie vor in Kraft). Diese Leute wissen doch, dass es wenig opportun ist, den Ast abzusägen, auf dem man selber sitzt. Karlheinz Deschner hat das in „Abermals kräht der Hahn“ in Kurzform dargestellt. Das Evangelium spielt doch in Machtfragen keine Rolle. Es wundert mich, dass Sie, sehr geehrter Herr Kelle, davor die Augen schließen.
„Die Linke“ ist nicht die Nachfolgepartei der SED, sondern ist – nach eigenem Bekunden – „rechtsidentisch“ mit dieser. Anderenfalls hätte die SED irgendwann aufgelöst werden müssen, dies ist nicht geschehen. Sie ist lediglich umbenannt worden, zuletzt eben in „Die Linke“.
Gerade die katholische Kirche hat in der Vergangenheit wiederholt Stellung zu politischen Entscheidungen bezogen, die mehr als indirekte Wahlhilfe waren (z.B. schon 1972 bei der Reform des §218).
Bereits 2024 verabschiedete die Deutsche Bischofskonferenz einstimmig eine offizielle Erklärung, nach der die AfD für gläubige Christen „unwählbar“ sei, da die völkisch-nationalistische Ideologie sowie die Menschenfeindlichkeit der Partei (u.a. in der Migrationspolitik) im fundamentalen Widerspruch zum christlichen Menschenbild stünden. Das deckt sich mit Aussagen von Papst Leo XIV, aber auch seinem Vorgänger. Man muss das politisch nicht teilen aber es entspricht der theologische Lehre.
Und jetzt legt die AfD nach. Im offiziellen Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt fordert sie massive Einschränkungen für die christlichen Kirchen (u.a. Streichung von Staatsleistungen und Fördermitteln, z.B. zur Finanzierung kirchlicher Kindergärten bis hin zur Beendigung des Kirchensteuereinzugs). Daneben gab es aus einem AfD-Kreisverband einen Antrag, christliche Feiertage abzuschaffen und durch germanisch-heidnische Feste wie das Julfest oder die Wintersonnenwende zu ersetzen. Dieser wurde zwar abgelehnt, zeigt aber, wie radikal anti-christliche und anti-kirchliche Strömungen innerhalb der AfD gerade in Sachsen-Anhalt vertreten sind.
So betrachtet ist das Lukasevangelium „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.“ sehr eindeutig.
Nur halt in einer ganz anderen Richtung.
Werter @Harald,
hier stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Im „religiös unmusikalischen“ Osten eint AfD und Die Linke ihr völlige Verachtung und Ablehnung des Christentums. Nirgendwo mehr als hier hat der Sozialismus seine Spuren über Generationen hinweg hinterlassen – hat da ganze Arbeit geleistet.
@Sarnersee
Niemand muss Christ sein, um Lügen zu erkennen. Das ist eine von Gott gegebene Gabe auch an die religiös Unmusikalischen.
Amen!
Tja, ein konservativer Mensch kann sich halt keinen Kirchenaustritt vorstellen; dann wäre er ja nicht mehr konservativ. Herr Kelle man kann auch dem Stellvertreter Gottes die erzwungene Mitgliedschaft aufkündigen. Es gibt ja noch andere konservative Vereine mit Stellvertreter Gottes.
Warum sollten die kirchlichen Führer ins Lukasevangelium schauen? Es ist doch alles so, wie es immer schon war. Seit dem frühen Mittelalter haben die kirchlichen Führer zur Sicherung des eigenen Einflusses mit den weltlichen Führern kooperiert. Oft geschah die Christianisierung Europas zuerst durch die Bekehrung der weltlichen Herrscher, worauf die Bevölkerung dann durch eine Mischung aus Überzeugung und Zwang freiwillig-gezwungen folgte. Selbst im Dritten Reich spielten die christlichen Kirchen eine ambivalente Rolle, die von Anpassung, Kollaboration und Mitverantwortung bis hin zu vereinzeltem Widerstand reichte. Die Mehrheit der Kirchenführer arrangierte sich mit dem NS-Regime, um den eigenen Einfluss zu sichern. Viele Geistliche unterstützten den Staat oder beteten sogar für Adolf Hitler. Reinhard Mey hat die Kooperation perfekt zusammengefasst: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, — ich halt‘ sie arm!“
Leider haben Sie, mit ihrer Kritik an den kirchlichen Führern so Recht, Herr Kelle. Ich bin ja in der DDR großgeworden und da war es so, das die Kirche für ihre Mitglieder da war und alle die überhaupt in die Kirche gegangen sind. Jetzt zu sehen wie die Kirche sich dem Zeitgeist anbiedert tut sehr weh und hat mit Kirche nichts mehr zu tun.
Allerdings teile ich nicht diese pauschale Verurteilung der Kirchen wie es ja leider inzwischen gang und gäbe ist. Da sei allen das Buch „Der Skandal der Skandale, die geheime Geschichte des Christentums“ , von Manfred Lütz empfohlen. Ein schönes Beispiel wie sich Vorurteile zu anerkannten Wahrheit entwickeln.
Auf den letzten Metern kann man bei einigen Bischöfen ein vorsichtiges Umdenken erkennen.
Jakob Ranke schreibt in der TAGESPOST vom 4.9.2026, daß der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, zwar immer noch an die Wähler appelliert, ihr Gewissen zu schärfen – was immer das bedeuten mag – aber er distanziert sich von strikten Wahlempfehlungen.
Heiner Koch war schon vor Jahrzehnten der Vertreter für „Multikulti“, er hat nichts dazu gelernt. Seine Aussagen finde ich unerträglich.
Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen, ist gerade vom Amt zurückgetreten und Bischof Feige von Magdeburg wird bald den Bischofsstuhl aus Altersgründen räumen.
Dann werden die Karten neu gemischt.
Es ist zu hoffen, daß die Nachfolger ein besseres Gespür für die ihnen anvertrauten Menschen zeigen.
Jakob Ranke hofft am Ende seines Artikels, daß das erfolglose Modell „politisch dogmatisch, religiös liberal“ demnächst ebenfalls ins Altenteil wandert.
@Dr. Hildegard Königs-Albrecht,
Heiner Koch war schon vor Jahrzehnten der Vertreter für „Multikulti“, er hat nichts dazu gelernt. Seine Aussagen finde ich unerträglich.
Das ist im Grunde richtig, aber es hängt auch damit zusammen, in welchem Umfeld man lebt und wirkt – auch für Bischöfe. Das war ja selbst bei Kardinal Woelki so, als er 2011 nach Berlin zog, um hier Erzbischof zu werden. Während seiner gesamten Zeit wohnte er nicht im Bischofspalais, sondern bescheiden zur Miete in einer Dachwohnung im Berliner Arbeiter- und Problembezirk Wedding.
Katholischer Hochwürden hier in Berlin oder in Köln ist ganz etwas anderes als in Regensburg oder Passau, wo man es leichter hat, sich als Kirchenmann bei einem teils schrillen Publikum Gehör zu verschaffen. Ich lebe meinen Glauben ja auch in Berlin, das ist schon deutlich anders als vorher am Niederrhein, aber es ist genauso ernsthaft katholisch, das dürfen Sie mir glauben.
Schönen Abend! Klaus Kelle
Vorbild : Meisner.
Er hat sich auch in Köln nicht verbiegen lassen.
…ein großartiger Mann, durfte ihn damals in seiner Kölner Zeit persönlich kennenlernen
Einmal mehr wird es für die Bürger, die „noch alle Tassen im Schrank haben“, schwere Kost am heutigen Abend sein, wenn alle geschürte Euphorie für einen Politikwechsel in wenigstens einem Bundesland eine brutale Erdung erfährt. Der alleinige Gewinner wird wieder der selbstverliebte polit-mediale Komplex sein, der sich in seiner intensivierten Diffamierungs- und Ausgrenzungskampagne der letzten Monate bestätigt und mehr noch gestärkt sieht, genauso weiter zu machen. Und der vergleichsweise größte Verlierer, die Union, wird eine Heuchelei an den Tag legen, wie sie noch keiner gesehen und gehört hat und ihren längst entschiedenen Lagerwechsel zu den linken Parteien gar mit Freude bekräftigen, darf sie doch weiterhin den Ministerpräsidenten stellen. Die Union wird morgen und in den nächsten Tagen viele Wähler bundesweit(!!) verlieren, weil sie den Willen der Bürger mit unverschämter Hybris verspottet, denn inhaltlich hat sie nach wie vor die größten Schnittmengen mit der AfD. Auch wenn Herr Siegmund alleine regieren möchte, selbstverständlich würde er in Gespräche mit der Union für eine Zusammenarbeit oder gar Koalitionsverhandlung einwilligen, wenn er entsprechende Signale von der Union bekommt. Die Union hat ihre Zukunft hinsichtlich ihres Status Volkspartei zu bleiben wohl noch nie deutlicher in der Hand gehabt, wie am heutigen Wahlabend.
@Sarnersee
„wenn er entsprechende Signale von der Union bekommt.“
Die Signale der Union sind bis heute eindeutig. Wie weit muss man zurück rudern?? Nun bemüht man Siegmunds AfD um von irgendeiner Brandmauer der Alternativen zu schwafeln, was deutlich zeigt, dass die Union definitiv das Ende erreicht hat. Egal wie die Wahl ausgeht….es gibt mittel- und langfristig nur eine Partei die davon profitiert.
@ Sarnersee
„…denn inhaltlich hat sie (die Union) nach wie vor die größten Schnittmengen mit der AfD.“
Haben Sie vergessen, #Sarkasmus aus# dahinter zu setzen? Weiter oben nannte Klaus Kelle mit Migration eine einzige Schnittmenge. Das war’s dann aber auch schon. Und genau dort wird Ulrich Siegmund auf Landesebene kaum mehr einhebeln können, als das, was Dobrindt nicht längst auf Bundesebene tut.
Bei allen anderen nicht minder relevanten Themen – EU, Euro, Außen- und Sicherheitspolitik, NATO, Russland, Ukrainekrieg, Klimaschutz, Wirtschaft und nicht zuletzt christliche Werte (Sie bestätigen es selber weiter oben) – bewegen sich beide Parteien auf völlig verschiedenen Planeten.
An anderer Stelle („Das war’s dann, Frau Wagenknecht!“) schrieb ich, dass die Brandmauer unnötig ist, weil es sie gar nicht mehr bräuchte. Je lauter in der Union über den Unvereinbarkeitsbeschluss nachgedacht wird, desto mehr geht die AfD selber weiter auf Abstand.
Ulrich Siegmund sagt selbst, dass er sich nur zur Wahl als Regierungschef stellt, wenn seine Partei die absolute Mehrheit holt und er allein regieren kann, weil er keine Schnittmenge mit einer anderen Partei sieht.
Die CDU hat ihren Markenkern aufgegeben, um sich dem linken woken Mainstream anzubiedern. Sowohl die Familienpolitik wie auch die Unterstützung linker NGOs sind eigentlich einer Partei wie der CDU nicht angemessen.
Hier liegt das Potential der AfD, das sie früher oder später umsetzen können wird, auch wenn es diesmal noch nicht reichen sollte.
Sprüche wie „links ist vorbei“, also rechts blinken und links abbiegen, verfangen immer weniger. Eine Zusammenarbeit mit der ehemaligen Mauerschützenpartei wird der CDU schlecht bekommen.
@ Sarnersee
Hier nun die Fortsetzung unserer interessanten Diskussion zu Regenerativen und privaten PVAs weiter oben.
„Der Staat muss hier eine Politik fördern, die Besserverdienende nicht bevorteilt, weil sie überhaupt erst die Möglichkeiten zum Betrieb einer PVA haben. Mit jeder zugebauten privaten PVA wird der Staat von seiner „Fürsorge-Pflicht“ entbunden.“
Was fordern Sie denn statt dessen? Wollen Sie die Installation privater PVAs verbieten, weil ich den Staat teilweise von seiner „Fürsorgepflicht“ entbinde?
Oder was an „viele Möglichkeiten für einen fairen Ausgleich“ schwebt Ihnen denn vor?
Ich habe zwar eine PVA mit Batteriespeicher und Insellösung, hänge aber nach wie vor am Netz, weil ganz ohne das geht es im Winter nicht. Und zahle genau die gleiche Grundgebühr und das gleiche pro bezogener kWh wie jeder anderer auch. Die PVA kann bei Netzüberlastung remote von Netzbetreiber abgeschaltet werden. Ebenso räumte ich ein, dass ich auf die ohnehin extrem mickrige Einspeisevergütung locker verzichten könnte, da sie kaum zum ROI beiträgt.
„Der Staat macht es sich hier sehr einfach, leider auf Kosten der Ärmeren…Ein solches ‚egoistisches‘ Konzept kann ich aus moralischen Gründen unmöglich gutheißen.“
Was ist am Sparen egoistisch? Wollen Sie jenen, die es sich leisten können, die Anschaffung sparsamerer Haushaltsgeräte, Heizungen, Verbrenner oder E-Autos verbieten, weil sie sich ein Stück weit weniger abhängig machen von dem, was der Staat allen zur Verfügung stellt?
Ich verstehe wirklich nicht, auf was Sie hinaus wollen.
Guten Abend @Harald
vor einigen Jahren stieß ich auf einen Artikel auf der Plattform pv-magazine:
„Photovoltaik-Dachanlagen oder die deutsche Lust an der Selbstverzwergung“. Ich habe ihn tatsächlich damals nur überflogen, und werde inzwischen vieles wieder vergessen haben, aber der grundsätzliche Tenor des Artikels war für mich durchaus einsichtig.
@Harald,
der Zufall wollte es, den aktuellen Artikel las ich gerade vorhin:
„Der Energietraum der Realisten“ von Dipl. Physiker Dr. Werner Huber, 2.9.2026.
Ich kann nicht ermessen, ob er frei erfunden ist.
@ Sarnersee
Danke für die obigen Artikel.
Auf das, was in dem ersten genannt wird, haben wir uns ja schon geeinigt: Die feste Einspeisevergütung durch Smartmeter ersetzen.
Der zweite Ansatz aber klingt geradezu grotesk: Private PVAs auf einem Dach eines Hauses, in dem Strom verbraucht wird, genauso zu behandeln wie große Photovoltaik-Anlagen, die nichts selber verbrauchen sondern alles in Netz speisen. Sprich, private PVAs dürfen erzeugten Strom zunächst nicht selbst verbrauchen sondern müssen ihn smartgemetert erst mal ins Netz schieben, um den selbst benötigten Strom dann wieder rückwärts aus dem Netz zu ziehen, weil der direkte Selbstverbrauch auch über Speicher eine versteckte Subvention sei.
Nicht nur, dass der Artikel Freiflächen-Groß-PVAs statt weniger lukrativer Dach-PVAs fordert (was hoch umstritten ist, da Dächer ja schon versiegelt sind, Freiflächen aber nicht), sondern er führt genau das ad absurdum, was ich oben schon schrieb: Strom sparen wird bestraft und das träfe dann auch auf sparsame Haushaltsgeräte oder generell ein stromsparsames Verhalten zu.
Das hat schon fast sozialistische Züge, und da bin ich raus!
@Harald,
was hat eine gerechte Bepreisung mit der Motivation, Strom zu sparen, zu tun? Das erschließt sich mir nicht. Auch gegen die Nutzung eigener (versiegelter, da haben Sie absolut recht) Dachflächen für die eigene wie die dem Gemeinwohl dienende Stromerzeugung verwehre ich mich keineswegs. Es darf nur nicht zu Lasten der genannten Gruppe von Mitbürgern gehen. Und da liegen wir beide über Kreuz.
Wenn wir durch ein Zuviel an PV (wir bezahlen bekanntlich auch dafür, damit Nachbarländer unser Zuviel an Strom abnehmen) die Systemkosten in die Höhe treiben und damit die Kosten für Strom insgesamt, die Nicht-PVA-Besitzer gerade nicht zu verantworten haben, dann ist das Konzept untauglich weil unsolidarisch. Ich verstehe nicht, wie man diese systemische Ungerechtigkeit nicht erkennen kann. Frau Reiche und viele andere haben das längst erkannt. Das heisst mitnichten der intelligenten Nutzung regerativer Energien eine Absage zu erteilen. Im Gegenteil. Ich muss mich hier nicht wiederholen.
Mit Verlaub, mit der Brechstange, aus Ungeduld und teils unsachlicher Panikmache solche, das Wohl und Wehe unserer Gesellschaft zentral beinflussende Konzepte, die nachweislich unausgereift sind (warum ersinnt die BNetzA wohl SiPlaS?, wenn die Versorgungssicherheit, die Netztstabilität voraussetzt, angeblich so hoch ist) gegen alle Vernunft und Sachverstand durchzusetzen, ist pure Ideologie.
Und da bin ich dann draußen.
Auf der Plattform Achgut, auf der oft kritische, unaufgeregte Wissenschaftler von ihren, oft differenzierteren Ergebnissen im Vergleich zum veröffentlichten „Wissen light“ berichten, gibt es inzwischen seit 2019 die Reihe „Woher kommt der Strom?“. Sehr empfehlenswert und erhellend für den Normalbürger. Und mit diesem Hinweis möchte ich nun endgültig schließen.
@ Sarnersee
Ich sehe nicht, dass wir beide über Kreuz liegen. Wie Sie bin ich mit Reiches Gesetz vollkommen d’accord, die feste Einspeisevergütung für ab 2027 neu installierte PVAs schrittweise abzuschaffen und ebenso schrittweise SmartMeter verpflichtend einzuführen.
Bei der derzeitigen festen Einspeisevergütung von knapp 8ct lohnt dennoch mal der Blick auf den allgemeinen gemittelten Strompreis an der Strombörse. Für 2025 lag dieser bei 7,85ct/kWh, also quasi deckungsgleich mit der Einspeisevergütung.
Erst wenn man das auf den „Marktwert Solar“ einengt, wird die Diskrepanz deutlicher. Dieser lag 2025 bei 4,5ct/kWh. Das heißt, wenn es aktuell eine Subvention von nicht-PVA-Besitzern hin zu PVA-Besitzern gibt, dann sind es jene knapp 3,5ct/kWh. Und das wurde nun beendet.
Der Martwert Solar zeigt aber auch eines, was Gegnern von Regenerativen so gar nicht schmeckt. Nämlich dass es der günstigste Strom ist, der erzeugt werden kann. Alle anderen Energieträger, vor allem Atomstrom, ist ungleich viel teurer. Und AKWs sind kaum regelbar. Sie haben ihren Vorteil im Winter, über rd. 4 Monate im Jahr. Für die restlichen Monate erhielten AKW-Betreiber aber auch nur den Preis, der aktuell an der Börse gehandelt wird, und machten im Frühjahr und Sommer Verluste. Deswegen winken viele Energieunternehmen ab, wenn es um den Neubau von AKWs geht, nicht nur in Deutschland.
Da der Bau neuer Reaktoren privatwirtschaftlich am freien Markt unbezahlbar ist, sichern Staaten, die auf Atomstrom setzen, diese Projekte mit massiven finanziellen Schutzschilden ab. Das prominenteste und extremste Beispiel dafür ist das britische Vorzeigeprojekt Hinkley Point C, Baukosten über 50Mrd €. Der Staat hat dem Betreiber einen festen Abnahmepreise von 15ct/kWh vertraglich zugesichert, und das für 35 (!) Jahre.
Ähnlich verhält es sich in Frankreich, nur über andere Mechanismen: Der französische Atomkonzern ist vollständig verstaatlicht und letztlich zahl der Staat die Differenz, also die Franzosen über Steuern. Auch ein Zubringer zu der enormen Staatsverschuldung Frankreichs.
Last but not least zurück zu den SmartMetern – und das lässt mich wirklich an Deutschland zweifeln. Während Länder wie Schweden, Norwegen, Italien oder Spanien bereits seit Jahren eine Abdeckungsquote von nahezu 100 Prozent vorweisen, sind es in Deutschland mickrige 5,5%. Warum: Unsere Datenschutzparanoia. Branchenexperten sprechen von „Geheimdienst-Niveau“, das SmartMeter hierzulande erfüllen müssen und die dafür erforderlichen Sicherheitszertifikate für Anbieter kaum bezahlbar sind, da die Kosten für Einbau und Betrieb gesetzlich gedeckelt sind.
Aber auch hier sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Mit dem GNDEW der Bundesregierung (Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende) wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen endlich vereinfacht und auf den Weg gebracht.
@Harald,
ich kann es mir dann doch nicht verkneifen:
1. „Gegner von Regenerativen“ ist eine Erfindung „auflagenstarker“ Medien, die um ihren Einfluss fürchten. Ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der der intelligenten und realistischen Nutzung von Sonne und Wind feindlich gegenüber gesinnt ist. Das tut der Mensch seit seinem Menschsein.
2. Bzgl. Zukunft von Dual-Fluid-Reaktoren kann ich mangels Wissen nichts sagen. Der Skandal um die Spitzen-AKWs in Deutschland ist die unverschämt verlogene Erzählung „Fukushima“, die als Vorwand einzig dazu dienen sollte, die von dem „grünen U-Boot“ Angela Merkel gewollte Energiewende einzuleiten mit allen Folgen, die wir heute alle erleben und für sehr viele Menschen bisher erhebliche Einbußen ihrer Lebensqualit bedeutete und noch weiterhin bedeuten wird. Das Kind ist hier längst in den Brunnen gefallen. Das war Sinn der mutwilligen Zerstörung hiesiger AKWs. Es sollte auf gar keinen Fall eine Chsnce auf eine mögliche Revision des endgültigen Ausstiegs geben. Lügen werden sich rächen. Das lehrt die Lebenserfahrung.
3. Ich kann es nur wiederholen, es geht um die Systemkosten, nicht um die Gestehungskosten. Die Systemkosten zu verstehen setzt geistige Arbeit voraus. Deshalb die gebetsmühlenartig bemühte „grüne“ Nebelkerze: „Sonne und Wind schicken keine Rechnung!“.
4. Wie es um die IT-Sicherheit in Deutschland bestellt ist, sollte inzwischen jeder wissen. Das erlebe ich jeden Tag in katastrophaler Weise, in einem bekannten, namhaften, internationalen Konzern. Hier habe ich auf absehbare Zeit keinerlei Hoffnung. Da können noch soviele Gesetze erlassen werden. Fakten müssen einer Ordnung folgen und nicht umgekehrt. Es ist genau diese bürokratische Perspektive, die das einfallslose Geschehen in diesem Land bestimmt und die Vorliebe zu kreativarmen, administrativen Tätigkeiten fördert. Warum wird diesen soviel mehr Aufmerksamkeit im durchschnittlichen beruflichen Alltag von unseren „Führungeliten“ geschenkt als einfallsreichen und innovativen? Weil unsere „Führung“ vielleicht selbst Mangel an eigener Kreativität und Mangel an Mut zu Innovationen leidet? Wird damit bewusst oder unbewusst der Belegschaft nicht signalisiert, wie man heute Karriere macht und bequem Macht erhält? Diese bürokratische Perspektive verunmöglicht jede echte Kompetenzerlangung . Wir sind in der Breite zu einem denkfaulen, bequemen Volk geworden. Die Technologie kaufen wir künftig ein, wir „entwickeln“ sie maximal nur noch nachahmend.
Es geht allein um Wissen, daa Wohlstand sichert. Und die, die es wirklich bei uns haben, wandern nach Asien oder in die USA ab. Der Zug ist, so fürchte ich, unter Beibehaltung unseres Fokus auf unsere Selbstgerechtigkeit um nicht zu sagen Wokismus, endgültig abgefahren. Dieses Land braucht einen grundlegenden Paradigmenwechsel, Und der muss bei einer verantwortungsvollen, elterlichen (!) Erziehung beginnen. Doch wer bringt es den Eltern bei, wie eine verantwortungsbewusste Erziehung aussieht? Hier sind wir wieder bei unserem Disput von vor zwei Wochen.
@ Sarnersee
1. Ich kenne jemanden. Sie ist Co-Vorsitzende jener Partei, die einen fulminanten Wahlsieg am letzten Sonntag eingefahren hat. Zitat: „Die Windräder gehören weg, weg, weg!“
2. Da sind Sie aber der üblichen Märchenerzählung aufgesessen. Der Atomausstieg wurde 2001 durch die erste Rot-Grüne Bundesregierung beschlossen. Nach Jahrzehnte langer Diskussion und Protesten. Ein überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wollte es so. Angela Merkel war stets pro-Atomkraft. Noch im Herbst 2010 hat sie mit der Schwarz-Gelben Koalition eine Laufzeitverlängerung beschlossen. Wieder gegen den damaligen Widerstand der Bevölkerungsmehrheit. Dann passierte Fukushima. Sie setzte damals zwei Kommissionen ein (die eine von Klaus Töpfer geleitet, die andere war die Reaktorsicherheitskommission) und beide kamen zu dem Schluss, dass Fukushima, ein Weckruf war bzgl. unvorhersehbarer Risiken, wenn das Hochtechnologieland Japan mit einem der modernsten AKWs einen Tsunami nicht auf dem Schirm hatten. Hinzu kam Merkels machtpolitisches Kalkül. Sie wusste, dass sie politisch weg vom Fenster wäre, hielte sie an ihrem Beschluss vom Herbst 2010 nach Fukushima fest.
3. Ja. Systemkosten. Aber: Die entstehen auch bei AKWs. Siehe oben. 15ct garantierte Einspeisevergütung! Davon können PVA-Besitzer nur träumen. Oder halt alle AKW Betreiber in staatlicher Hand. Dann zahlt nicht der Stromkunde sondern der Steuerzahler. Linke Tasche, rechte Tasche.
4. IT-Sicherheit. Ich arbeite auch in einem großen internationalen Konzern. Was Sie schildern ist nichts deutschspezifisches. Ich kenne es aus vielen Ländern. Regelmäßig kriege ich entsprechende Emails unserer IT-Abteilung. Nein! Unsere Dataschutzparanoia ist nur eines von vielen Symptomen einer Krankheit, für die es sogar einen internationalen Begriff gibt: German Angst. Angst vor AKWs (siehe oben) ist ein anderes Symptom der gleichen Krankheit. Chemophobia ein weiteres. Und ich sehe schon das nächste Spielfeld: die heute vorgestellte d-you-App (EUDI-Wallet). Und ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören! Die Welt digitalisiert sich und in deutschen Amtsstuben tackert das Fax. Und in unseren Kellern altertümliche Stromzähler. Weil man Angst hat, jemand Unberechtigtes könnte sich dafür interessieren, wie viel Strom ich verbrauche und meinen SmartMeter hacken. Das, lieber Sarnersee, ist einer der Hauptgründe, warum Innovation kaum mehr hierzulande stattfindet. Und andere Länder nur noch über uns lachen ob unserer Datenschutzparanoia und Angst vor allem Neuen.
@Harald,
ganz bestimmt bin ich nicht jemand, der das letzte Wort haben möchte, aber Menschenkenntnis scheint bei Ihrem unglaublichen Gedächtnis nicht zu Ihrer Begabung zu gehören.
1. Frau Weidel, die wie Herr Merz und viele andere in der großen Politik für ihr Amt keine ausreichende Menschenkenntnise hat, ist alles andere als dumm, auch wenn ihr Auftreten eben das nicht selten nahelegt. Das von Ihnen genannte Zitat ist ein Paradebeispiel für Populismus, mit der eine ganz bestimmte Klientel bedient werden soll, die leider aktuell hohe Wachstumsraten in diesem Land verzeichnet. Aber solche „Populismen“ können eben auch auch andere Parteien: „Wind und Sonne schicken keine Rechnung“ oder „Die Impfung ist nebenwirkungsfrei“ sind solche.
2. Ja, 2001. Doch ohne Elbhochwasser 2002 hätte der Ausstieg nie stattgefunden. Denn das verhinderte bekanntlich einen Kanzler Stoiber. Sie erwecken den Eindruck, dass Sie die Hintergründe zu Frau Merkels Hinzustoßen zur CDU übersehen haben. Von ihrer Zeit im DA ist immerhin ihr Ausspruch bekannt: „Mit der CDU will ich nichts zu tun haben“ (Ewald König in: Die Zeit 25/2015. 18. Juni 2015). Sie hasst den Katholizismus, einen Hass, der seinen Höhepunkt in der auf völliger Unkenntnis beruhenden Schelte gegenüber Papst Benedikt fand. Das war der endgültige Kipppunkt, mit dem der Niedergang der Union begann und gar eine Unpartei wie die AfD überhaupt erst werden ließ. Viele verließen die Union daraufhin, prominentester wohl der eh. MP von SA Prof. W. Münch. Viele Unionsmitglieder und Unionswähler waren und sind einfach immer noch zu gutmütig, gewissermaßen naiv, welches Spiel die pol. Linke mit ihr spielt. Und Angela Merkel hat die Tore nach links weit geöffnet. Durchschreiten musste die Partei dann schon selber und in ihrer Naivität tat sie das brav. Angeka Merkek konnte die Naiven immer auch sehr beeindrucken. Das habe ich privat und beruflich mit großem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen müssen. Das Ergebnis: obwohl die Konservativen der Mitte-Rechts in diesem Land in der Mehrheit unter den Bürgern sind, drückt sich das in der De-facto-Politik nicht aus. Von „linken Gnaden“ darf die „Konservative“ ein wenig mitspielen, schließlich ist das Leitbild unseres Landes „Vielfalt“. Und das frustiert verständlicherweise und führt eben der AfD nach und nach Wähler zu. Ein perfekter Schachzug von „Screwtape“.
Nein, Frau Merkel war nie Verfechterin der Atomkraft. Ihr Mitspielen war allein ihrer Position und dem Koalitionspartner FDP geschuldet. Sie hätte in der CDU niemals den Vorsitz erreicht, wenn sie sich früh als Atomkraft-Skeptikerin geoutet hätte. Die Schnelligkeit, mit der nach Fukushima dann der Ausstieg erfolgte, verriet, wo ihre wahren Sympathien lagen.
Das meine ich mit mangelnden Menschenkenntnissen. Kohl war da ebenfalls minderbegabt. Sonst wäre er kaum ihr Förderer gewesen.
Was tatsächlich in Fukushima passierte, und das wurde schnell bekannt, interessierte sie nie. Noch im März diesen Jahres, zum 15. Jahrestag der Katastrophe, verbreiteten die Medien immer noch dieselbe Mär von den 20.000 Toten durch die Havarie. Die Wahrheit zu Fukushima war von den öffentlichen Meinungsmachern, mit denen Frau Merkel sich ja bestens verstand und versteht (Friede Springer und Liz Mohn), nicht gewollt. Das wahre Geschehen passte nicht in das grün-woke Narrativ.
Und dann kam 2015, thematisch die beste Ablenkung. Grüne und SPD haben die Union mit dem Beiboot Medien am Nasenring durch die Manege gezogen und in Frau Merkel hatten sie die ideale Verbündete. Das gehört zur Wahrheit dazu. Frau Merkel hatte die Macht zum Ausstieg vom beschlossenenen Ausstieg. Sie wollte nicht. Mit allen Konsequenzen. In der Migrationskrise war der öffentliche Fokus dann ein anderer und die AfD übernahm die Rolle des Feinbildes von der katholischen Kirche in Deutschland.
3. Die Systemkosten des Transports von Norden nach Süden, die Kosten für Redespatch, virtueller Momentanreserven, Großspeicher etc., sprich einer neuen Technologie, gab es bei AKWs nicht. Warum sehen das viele Nachbarländer anders und bauen sogar neue AKWs. Was ist in Deutschland so anders? Mir fällt da nur Emanuel Geibels Gedicht „Deutschlands Beruf“ ein. Das war 1861 so und auch schon 344 Jahre vorher in Wittenberg so.
4. Volle Zustimmung (in Kanada, Japan, Singapur, Spanien, Frankreich, Niederlande, Ungarn, Tschechien, Polen, baltische Staaten ist es definitiv nicht so). Mit „German Angst“ haben Sie alles Notwendige gesagt. Und die Ironie will es, dass die Deutschen vor ihrem dilettantischen Tun tatsächlich Angst haben müssten. Sie sind ahnungslos, ich eingeschlossen. „Transhumanismus“, zu „Oldschool“: der gläserne Mensch, nennt man bekanntlich das, was hier gerade passiert. Die menschliche Freiheit wird konditioniert – durch Selbstermächtigung und Verführung und dem Regisseur „Screwtape“.