„Ein mächtiger Krieg zwischen Licht und Finsternis“: Warum gedenken unsere Spitzenpolitiker dem christlichen Märtyrer Oskar Brüsewitz nicht?
Warum finden eigentlich keine Gedenkveranstaltungen überall in Deutschland statt? Warum sind Bundespräsident und Bundeskanzler nicht in Sachsen-Anhalt, um an einem Gottesdienst teilzunehmen und einen Kranz niederzulegen?
Denn das wäre mehr als angemessen für einen unerschrockenen christlichen Märtyrer. Der Mann hieß Oskar Brüsewitz und war evangelischer Pfarrer. Am 18. August, also heute vor 50 Jahren, stellte er sein Auto gegen 10:20 Uhr am Vormittag mit zwei Plakaten auf dem Marktplatz vor der Michaeliskirche von Zeitz ab, übergoss sich aus einer großen Milchkanne mit Benzin und zündete sich an.
Eine spektakuläre Tat, die vier Tage später zu seinem Tod führte, und ein Fanal gegen den gottlosen Kommunismus
„Funkspruch an alle: Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen, an Kindern und Jugendlichen“, lautete die Aufschrift eines der Banner von Brüsewitz.
Das Motiv für seine Tat war der staatlich verordnete Atheismus des SED-Staates, besonders aber die glaubensfeindliche Schulpolitik in der DDR.
Schnell war die Staatssicherheit (Stasi) vor Ort, beseitigte, soweit möglich, die Spuren und begann am gleichen Tag mit einer Kampagne gegen den mutigen Pastor.
Brüsewitz sei ein Fanatiker gewesen, ein psychisch gestörter Wirrkopf. Paul Verner, über Jahrzehnte im Umfeld von Erich Honecker, dirigierte den Maßnahmenkatalog der SED – konkrete Schritte, wie die Selbstverbrennung von Brüsewitz dargestellt und weitgehend verschwiegen werden sollte.
Doch die Rechnung ging nicht auf
Denn am gleichen Abend setzte sich ein anderer evangelischer Pfarrer aus einer benachbarten Gemeinde in seinen Trabant und fuhr nach Ost-Berlin, damals Hauptstadt der DDR.
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Dieser evangelische Geistliche, über lange Jahre ein enger christlicher Bruder von mir, ging direkt zur Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der Hannoverschen Straße in Mitte und berichtete dort aktuell über die Ereignisse in Zeitz.
Doch er stieß auf Bonner Diplomaten, die ganz auf die neue Ostpolitik gepolt waren. Ob er das wirklich öffentlich machen wolle, fragten sie ihn. So wie wir das hier heute vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch kennen, wo dramatische Ereignisse, die nicht in die politische Korrektheit passen, gern mal in der ARD-Tagesschau weggelassen werden, weil sie ja nur ein „lokales Ereignis“ seien.
Der Pfarrer blieb hartnäckig, setzte sich erneut in seinen Trabant und fuhr weiter zum nahegelegenen ARD-Studio in der Schadowstraße in Mitte. Irgendwie schaffte er es zum Fernsehkorrespondenten Lothar Loewe durchzudringen, der nicht nur zuhörte, sondern bereit war, über die dramatische Tat von Oskar Brüsewitz noch am selben Abend in der ARD-Tagesschau zu berichten, nachdem es West-Journalisten gelungen war, die Informationen zu überprüfen.
Da die ARD in der ganzen DDR empfangen werden konnte, verbreitete sich die Nachricht über das „Fanal von Zeitz“ wie ein Lauffeuer unter der ostdeutschen Bevölkerung.
Als der Leichnam von Brüsewitz am 26. August 1976 dann in seiner Heimatgemeinde Rippicha unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und im Beisein von 200 evangelischen Pfarrern im schwarzen Talar aus ganz Ostdeutschland beerdigt wurde, gelang es einem Kamerateam der ARD, über die Friedhofsmauern zu filmen. Die Ausstrahlung der Bilder im West-Fernsehen machte das Ausmaß der Proteste deutlich und war ein Desaster für den Mauerstaat.
Als der tapfere Überbringer der Botschaft spätnachts seinen Trabant vor seinem Pfarrhaus abstellte, warteten schon mehrere Herren von der Stasi auf ihn.
Am nächsten Tag wurden er und seine Frau in die Bundesrepublik abgeschoben.
Beim ARD-Korrespondenten Lothar Loewe dauerte es noch bis zum 22. Dezember, bevor er vom SED-Staat ausgewiesen wurde.
Während die DDR-„Medien“ ihm Schimpfwörter wie „Hetzer“ und „Provokateur“ hinterherriefen, galt er in Westdeutschland als der Journalist, der im Kalten Krieg das Kreuz durchgedrückt und ohne Angst vor persönlichen Repressionen dem SED-Regime getrotzt hatte.
Bis heute unterschätzen viele Mächtige die Kraft des christlichen Glaubens
Auch Oskar Brüsewitz war in seiner Gemeinde durchaus populär. Als er seinen Dienst in Zeitz antrat, verloren sich nur eine Handvoll älterer Menschen im sonntäglichen Gottesdienst. Doch von Woche zu Woche kamen mehr, besonders junge Leute, für die er von Jesus erzählte, aber auch Gemeinschaftserlebnisse wie Fußballturniere organisierte.
Die SED erhöhte den Druck auf Brüsewitz, man wollte ihn sogar in einer anderen Pfarrei aufs Abstellgleis schieben, doch er blieb standhaft. Am Kirchturm seines Gotteshauses brachte er sogar ein großes Kreuz aus Neonröhren an, das nachts kilometerweit selbst von der Autobahn aus zu sehen war.
Er wird Gott gefallen haben, dieser tapfere Pfarrer
Der SED war er ein Dorn im Auge, denn die evangelische Kirche der DDR hatte sich damals angepasst und ihr gemütliches Biotop gefunden. „Kirche im Sozialismus“ nannte man die Farce. Aber Brüsewitz machte nicht mit.
In seinem Abschiedsbrief an andere Pfarrer sprach er aus, was viele nicht zu flüstern wagten: In der evangelischen Kirche in der DDR tobe „ein mächtiger Krieg zwischen Licht und Finsternis“.
Ein besonders schmähliches Kapitel der Vorgänge von 1976 lieferte nach der Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Brüsewitz die EKD-Amtskirche in der Bundesrepublik. Der Märtyrertod störte das, was man damals hüben wie drüben als „Entspannungsprozess“ bezeichnete. Man wollte das Projekt der „Kirche im Sozialismus“ auf keinen Fall gefährden.
Und als sich im Oktober 1977 im ostwestfälischen Bad Oeynhausen um den Historiker Olaf Kappelt und christlich-konservative Politiker wie Otto von Habsburg und Heinrich Lummer ein „Brüsewitz-Zentrum“ gründete, um die Verbrechen des SED-Staates zu dokumentieren und die Erinnerung an Oskar Brüsewitz wachzuhalten, protestierten der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR und die westdeutsche EKD in scharfen Worten dagegen.
Der Trägerverein des Brüsewitz-Zentrums, das Christlich-Paneuropäische Studienwerk e. V., soll heute noch bestehen. Alle historischen Dokumente und Akten wurden vor über 20 Jahren an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur übergeben.



„In der evangelischen Kirche in der DDR tobe „ein mächtiger Krieg zwischen Licht und Finsternis“.“
Dieser Kampf tobt m.E. in allen Kirchen und Gemeinden – weltweit. Er tobt, seit Jesus Christus auferstanden ist und Menschen ihm vertrauen und sich zu ihm bekennen.
Die ev. Kirche in Deutschland hat heute – von Einzelgemeinden abgesehen – diesen Kampf bereits verloren. Die historisch kritische Methode der Auslegung der Bibel hat ihr den Garaus gemacht und sie in eine rein innerweltliche soziale Einrichtung transformiert. Geistlich hat sie sich mit der Zeit entkernt und ist nun wie eine Fahne im politischen Wind der Gesellschaft.
Es wundert daher überhaupt nicht, dass die EKD mit scharfen Worten gegen das „Brüsewitz-Zentrum protestierte.
Die ARD war NICHT in der ganzen DDR empfangbar, Herr Kelle.
@ Klaus Kelle
Herzliche Dank für diesen Artikel.
Ich kann mich nicht erinnern, von diesem mutigen Pfarrer gehört zu haben.
Er war einer, der mit seinem Leben für die Freiheit, insbesondere für die Religionsfreiheit aufgestanden ist.
Der Zwang des Unrechtregimes DDR mit einem Schießbefehl auf die Bürger, die in die Freiheit wollten, spielt heute kaum noch eine Rolle. Der ehemalige Politoffizier der DDR-Grenztruppen Sven Hüber machte sogar in der Bundesrepublik Karriere und darf heute ungestraft, zu einem Putsch aufrufen, falls Wahlergebnisse nicht seinen Vorstellungen entsprechen.
Für die konkreten Mißstände an unseren Schulen und Kitas durch Frühsexualisierung und Gender-Gaga sowie die Verächtlichmachung des christlichen Glaubens durch fragwürdige Kunstprojekte hat der Mainstream keinen Blick. Selbst katholische Bischöfe trauen sich bis auf wenige Ausnahmen nicht, gegen die Kirchenfeinde zu kämpfen.
Am Rande fällt mir ein, daß es einen evangelischen Pfarrer gab, der ohne Not von Hamburg aus in die DDR wechselte. Ich frage mich, mit welcher Motivation.
Weil es unseren Spitzenpolitikern nur und ausschließlich um sich selbst geht. Meinung, Haltung, Rückgrat sind doch Begriffe die die nicht kennen.
Es gibt allerdings noch Hoffnung: CDU-Ortsbürgermeister( Altmärkische Höhe) Bernd Prange hat nach eigenen Angaben insgesamt 10.000 Euro an die AfD gespendet und kündigt zugleich an, bei der Landtagswahl selbst sein Kreuz bei der AfD zu machen.
Er begründet dass u.a. mit der Tatsache, dass S. Schulz den Weg zur Einbindung linker Kräfte bereits eingeschlagen hat und davon auch nicht mehr abrücken möchte. Linke Kräfte…..Mauerschützenpartei…….Krieg zwischen Licht und Finsternis…Oskar Brüsewitz.
Und Merz verlängert seinen Urlaub.
Da haben Sie Recht, man muss auch auf die Anständigen hinweisen, sind ja in der Politik leider nicht mehr so viele.
Da möchte ich Sie und gerd_rau fragen, ob Sie es auch hoffnungsvoll und anständig fänden, wenn bei der Landtagswahl ein AfD-Politiker sein Kreuz bei der CDU machen will, um einen absolute Mehrheit der AfD zu verhindern? 🤔
Wahlfreiheit und Meinungsfreiheit sind zu akzeptieren. Ob man es „hoffnungsvoll und anständig“ findet, kann jeder für sich beurteilen.
@ Dr. Hildegard Königs-Albrecht
Da bin ich bei Ihnen. Das gilt dann aber auch für Politiker der AfD, sollten diese anderen Parteien spenden oder offen sagen, diese anderen Parteien auch zu wählen.
Generell stellt sich hier Frage der eigenen Glaubwürdigkeit. Genau deswegen ist ein anderer führender CDU Politiker vor 4 Wochen zurückgetreten.
@Harald
„Das gilt dann aber auch für Politiker der AfD, sollten diese anderen Parteien spenden oder offen sagen, diese anderen Parteien auch zu wählen.“
Hat irgendwer etwas anderes gesagt??
Die Beweggründe sind doch das entscheidende. Und wer sich so gegen die Parteilinie stellt, handelt aus Überzeugung und nicht aus Parteidisziplin. Und gerade in der jetzigen aufgeheizten Stimmung gehört ja Mut dazu das zu machen und zu äußern.
Vor dem Hintergrund, wenn der von ihnen geschilderte Fall eintreten würde und der AfD Politiker würde das aus irgendwelchen Gründen tun, da hätte ich kein Problem damit.
Warum gedenkt Klaus Kelle dem Genitiv nicht, der still und leise von uns gegangen ist?