„Am Morgen ein Joint, und der Tag ist Deine Freund!“ Dieser Jahrzehnte alte Hippiespruch könnte Leitmotiv für eine parlamentarische Initiative der Grünen sein, mit der sich heute der Deutsche Bundestag beschäftigen muss. Ich halte das zunächst einmal für eine gute Nachricht, denn es kann einem Land nicht ernsthaft schlecht gehen, dessen gewählte Repräsentanten Zeit und Muße haben, sich mit der Verwirklichung von Kiffer-Träumen (oder auch dem Gender-Quatsch) zu beschäftigen. Ein ganzes Jahr lang sollen die Grünen an dem Vorstoß gearbeitet haben, der nun 60 Seiten umfasst. Die Vorschläge in Kürze: Anbau, Besitz und Verkauf von Cannabis sollen erlaubt werden. Bis zu 30 Gramm soll ein erwachsender Bürger für den Eigenbedarf besitzen und daheim lagern dürfen. Auf staatlich kontrollierten Flächen soll der Anbau erfolgen, und die Ernte wird dann in Fachgeschäften zum Verkauf feilgeboten. Und, weil ja Grüne staatsgläubige Menschen sind: Natürlich soll auch eine Steuer auf Cannabis-Produkte erhoben werden. Bis zu zwei Milliarden Euro Einnahme erwarten die Grünen daraus, und sie wollen das Geld dann direkt – Achtung, jetzt festhalten! – für Suchtprävention ausgeben. Schöne neue Gutmenschenwelt!
Ich will aber nicht nur Spott ausgießen. Im Grunde ist es richtig, dass sich Politiker mit der Frage auseinandersetzen, wie man den kriminellen Sumpf, der auch den Handel mit einer vergleichsweise (!) leichten Droge umschließt, trocken legt. Aber dass mit den Grünen ausgerechnet eine Partei, die den selbstbestimmten Zigarettenraucher im öffentlichen Raum drangsaliert wie keine zweite, sich zum Vorreiter macht, den Zugang zu einer speziellen Art des Rauchens zu erleichtern, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Und ehrlich gesagt: Ich habe immer mal wieder den Eindruck, als seien bewusstseinsverändernde Drogen schon heute in der grünen Politik erkennbar. Der grüne Bochumer Kommunalpolitiker Karsten Finke zum Beispiel bereicherte den öffentlichen Diskurs diese Woche mit einem Blog-Beitrag zu den massiven Gewaltexzessen linksradikaler Schlägerbanden rund um den EZB-Neubau in Frankfurt. Er schrieb: „Brennende Polizeiautos sind ideologisch gesehen eigentlich noch ganz gut vertretbar, denn hier wird der Staat als Solches angegriffen. Ähnlich ist es mit Sabotageaktionen gegen die Bundeswehr oder Vergleichbares.“ (mit Rechtschreibfehlern zitiert wie im Original) Ich kenne Herrn Finke nicht, aber wenn Haschisch-Genuss dazu führen würde, dass dieser Mann friedfertiger wird – wäre ich für Legalisierung. Wenn Haschisch-Genuss aber dazu führt, dass dann alle Konsumenten solche wirren Gedanken hervorbringen, dann muss die Initiative dringend gestoppt werden.

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Dieser Artikel wurde 10 mal kommentiert

  1. Uwe_aus_DO Antworten

    Ich unterschreibe fast jedes Wort – aber eine Ergänzung halte ich für sinnvoll. Sie schreiben, sehr geehrter Herr Kelle, Cannabis sei ein vergleichsweise leichte Droge. Das stimmt wohl, wenn man es mit Heroin oder gar Crystal Meth vergleicht.

    Ich habe aber einmal eine junge Frau erlebt, die sich in den Cannabis-Konsum derart hinein gesteigert hat, dass sie die „Tüten“ rauchte wie andere Leute Zigaretten. Da zeigte sich dann -wieder einmal- eines: keine Droge ist leicht. Alles, was süchtig machen kann, ist gefährlich, macht Leben kaputt, körperlich und geistig, früher oder später.

  2. Friedrich-Wilhelm Giroud Antworten

    Herr Kelle und „Uwe“. Ich kann nicht kommentieren, weil Sie beide alles gesagt haben, was zu diesem Thema und speziell zu den „Grünen“ zu sagen ist. Bravo!!

  3. Friedrich Albrecht Antworten

    Wie bei der von Ihnen, Herr Kelle, oben beschriebenen Aktion, sehe ich leider mal wieder meine Befürchtung bestätigt, daß die Grünen für unsere Gesellschaft fast genau so gefährlich werden können, wie HIV-Viren für die einzelne Person, indem sie schleichend immer wieder versuchen, zu recht bestehende Tabus und Umgangsformen auszuhöhlen, angefangen mit dem Versuch, Sex mit Kindern zu „entkriminalisieren“ bis nun neuerdings das Bestreben, in die Freigabe von Drogen einzusteigen.

  4. Alexander Droste Antworten

    Hanf ist eine uralte Kulturpflanze, die vor allem für Öl und Fasern gebraucht wird. Sie ist resistent gegen die meisten Pflanzenschädlinge wegen ihres THC-Gehalts. Die Viehcher gehen davon kaputt, wenn sie es nicht meiden, so auch Menschen. Giftpflanzen sind aber bei sinnvollem gebrauch Medizinpflanzen. Daher gehört sie als Droge in die Apotheke und soll nur auf Rezept heraus gegeben werden.

    Alles, was verboten wird, ist besonders interessant. Das ist psychologisch logisch. Durch das Verbot weckt man Interesse und erschafft bekanntermaßen eine Parallelwelt mit allen bekannten Auswirkungen wie Wucherpreise, Sucht, Kriminalität und wenn man so will, entgangene Steuern. Bei kontrollierter Abgabe wäre Hasch als Extrakt , die Fasern, und das Öl legal, Besitzer und Anpflanzer keine Verbrecher mehr und ja, auch Suchtkranke eben krank. Bei mäßigem Gebrauch ist Hasch nicht suchtgefährdend, bei Missbrauch entstehen geistige Störungen. Um dem vorzubeugen, bin ich für mehr Kontrolle, die leichter wird, wenn der Anbau der Pflanze legalisiert und die Extrakte über Apotheken vertrieben werden.
    Ich bin nicht grün sondern liberal.

    • Friedrich-Wilhelm Giroud Antworten

      Hallo Herr Droste,
      wenn der Anbau legalisiert und über Apotheken vertrieben wird, wäre auch keine Kontrolle gegeben, da dann der „Konsument“ zu soviel Apotheken gehen kann wie er will. Sie müßten das dann schon von Ärzten verschreiben lassen. Die Artzpraxen sind auch so schon voll. Sollen dann die Krankenkassen ( genauer: die Mitglieder ) das alles bezahlen?? Den Mißbrauch werden Sie auch so nicht vermeiden können!

      • Alexander Droste Antworten

        Schlimmer als die Folgen von Alkohol- und Tabakkonsum wird es wohl nicht werden, oder?

        • Friedrich-Wilhelm Giroud Antworten

          Ich denke schon. Zumindest muss man nicht noch eine Droge zu den von Ihnen genannten hinzufügen.

  5. Felix Becker Antworten

    Eine Schande, dass jemand wie der GRÜNE Karsten Finke noch kein Verfahren wegen „Staatsverhetzung“ an seinem Halse hat!

    • Jo Tillmanns Antworten

      Hallo Herr Becker, vor allen Dingen ist es eine Schande, dass der Steuerzahler die Kosten dieser „Demonstration“ zu tragen hat.

  6. St.Ex Antworten

    Mit Drogenproblemen habe ich mich, auch nicht im familieären Umfeld, noch nicht beschäftigt/gen müssen. Insofern könnte ich nur grob meine Meinung äußern, indem ich alles, was nicht zur qualifizierten Daseinsfürsorge gehört mit gehöriger Vorsicht unter die Leute gebracht wird. Wie z. B. bei der Alkohol- und Nikotinabgabe an Kinder/Jugendliche. Der Staat sollte verantwortungsvoll handeln und nicht alles erlauben was spinnerte Wichtigtuer gerade für opportun halten.
    Gewaltig stört mich jedoch, dass heutzutage „Verhaltensweisen“ von Verantwortlichen Personen (wobei sie sich m. E. nur selbst dafür halten!) offen postuliert werden, die zu früheren Zeiten von ordentlichen und vernünftigen Leuten höchstens hinter vorgehaltener Hand erzählt wurden.

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