Die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat einen neuen Job – Professorin für Global Leadership und Co-Direktorin des Masterprogramms „Master of Public Administration in Global Leadersgip“ an der New Yorker Columbia Universität, einer absoluten Top-Hochschule in den USA.
Erwartungsgemäß kassiert sie in diesen Tagen jede Menge Häme von allen Seiten
Professorin ohne Promotion, schlechtes Englisch, ihr einstiges Buch nach Plagiatsvorwürfen nicht mehr gedruckt, Ungenauigkeiten im Lebenslauf und dann die peinliche Nummer mit ihrer unabsichtlichen Kriegserklärung gegen Russland.
Annalena Baerbock ist schon ein besonderer Typus Politiker
Und als ihre Karriere in der deutschen Politik abrupt endete, da fuhr sie rücksichtslos die Ellbogen aus und verdrängte für einen prestigeträchtigen Job bei den Vereinten Nationen die ursprünglich dafür vorgesehene und verdiente deutsche Top-Diplomatin.
So weit, so schlecht alles. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass Politik heute so geworden ist.
Im TV-Morgenmagazin der „Welt“ hatten sie gestern einen Studiogast, der Baerbock zur „Gewinnerin des Tages“ erklärte, die sich trotz zweifelhafter Qualifikation und schwacher Leistung als Bundesaußenministerin immer wieder durchboxt und oben geblieben ist. Und ja, das kann man so sehen, wenn man auf guten Stil und Anstand wenig Wert legt.
Ich persönlich denke, dass sie den Job an der Columbia vermutlich gar nicht so schlecht machen wird
Denn ihre Lehrtätigkeit dort ist keine klassische Forschungsprofessur, Baerbock muss dort keine wissenschaftlichen Arbeiten verfassen. Als „Professor of Professional Practice“ soll sie den Studenten über ihre Erfahrungen in politischen Top-Strukturen berichten. Und – auch wenn ich ihre politische Agenda komplett ablehne, denke ich, dass eine Parteichefin der Grünen und deutsche Außenministerin und dann Präsidentin der UN-Generalversammlung das kann – gewinnbringend auch für die Zuhörer im Audimax.
Dass sie sich nebenbei bei der Ankunft in New York vor einem Jahr für Instagram bauchfrei neben einem Yellow Cab zum Horst gemacht und Jessica Parker imitiert hat – geschenkt. Kleines Mädchen aus Niedersachsen eben…



Man kann ja glauben, dass sich Annalena durchgeboxt hat…..ich halte das für ausgemachten Schmarrn. Die ist genau da, wo man sie hinstellt.
Die KI „Gemini“ antwortet zur Art der Professur: „Es handelt sich um eine praxisorientierte Professur für Personen mit herausragender praktischer [sic] Berufserfahrung. Eine akademische Laufbahn (wie eine Promotion oder Habilitation) ist dafür im US-Hochschulsystem nicht erforderlich.“
Ihre „Berufung“ zu einer solch‘ gearteten Professur für drei Jahre gerade an eine solche „Alma Mater“ ist eindrücklicher Beleg dafür, wie sehr Annalena Baerbock die willkommene, weil gefügige „Marionettin“ der „Puppenspieler“ dieser Welt ist. An den Köder der Eitelkeit kann sie nicht vorbei. Sie soll den jungen, einst die Geschicke dieser Welt lenken sollenden Damen nacheifernswerte Galionsfigur sein. Das allein ist ihr Mandat. Wahre Kompetenz der „Puppe“ würde das „Spiel“ nur stören.
Die Un(i)versität bietet den Rahmen der Wissenschsftlichkeit und damit Seriösität. Wss für eine leicht durchschaubare Farce und Verspottung eines wahren Wissenschsftsbetriebs, der DNA dieser ranghöchsten Lehranstalt. Dieser „Missbrauch“ ist eindrücklicher Beleg dafür, wiekatastrophal es um die Un(i)versitäten des Westens inzwischen bestellt ist, insbesondere im Land mit den meisten renommiertesten. Eitelkeit ist zu einem unverhandelbaren Wert geworden, den zu erwerben höchst erstrebenswert ist und schließlich erworben große Verehrung garantiert.
Der Schriftsteller Reinhold Schneider schrieb 1936 in der dritten Strophe seinem bekannten Gedichts „Allein den Betern kann es noch gelingen“:
„…
Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt.
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,
…“
@ Sarnersee
Derartige Professuren gibt es gerade im angelsächsischen Raum schon sehr lange. Die Liste an Politikern, die nach ihrer ihrer aktiven Zeit im Politikbetrieb als „Professor of Practice“ o.ä. auch ohne entsprechende akademische Ausbildung berufen wurden, ist lang und reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, ist also sicherlich kein „eindrücklicher Beleg dafür, wie katastrophal es um die Universitäten des Westens inzwischen bestellt ist“.
Sie schreiben es ja selber, dass es bei dieser Art von Professur ausdrücklich nicht um traditionelle wissenschaftliche Forschung und Lehre geht sondern um Vermittlung praxisnaher Politikererfahrungen an zukünftige Führungskräfte.
Ich würde es also gerade umgekehrt positionieren. Dass angelsächsische Universitäten derartige Professuren anbieten, könnte durchaus ein Grund dafür sein, warum es die meisten Eliteuniversitäten in den USA und Großbritannien gibt.
@Harald,
„Ich würde es also gerade umgekehrt positionieren.“
Einspruch.
Zu meiner Studienzeit nannte man dieses Lehrpersonal aus der Praxis schlicht „Dozent“, in Großbritannien übrigens „Lecturer“ – der Unterschied zwischen den USA und dem britischen „System“ ist hier erheblich. In den USA sind erst einmal alle Lehrende an einer Universität „Professor“.
Im UK und Europa unterschied und unterscheidet man ganz bewusst zur ordentlichen Professur.
Die „deutschen“ typischen Begrifflichkeiten wurden in den beiden letzten Jahrzehnten zunehmend ausgelöscht und die „britischen“ eingeführt (wie Bachelor und Master statt Diplom, die klassischen Fachhochschulen traten plötzlich im Namen als „University“ auf). Frau Baerbock ist Vertreterin genau jener Generation, die diesen Paradigmenwechsel von der Kompetenz zur Eitelkeit als Studentin erlebt hat. Koketterie sticht Kompetenz. Professor statt „nur“ Dozentin. Das passt zu ihrem Buch, zu ihrem hochgestapelten Curriculum Vitae. Das Lehrpersonal war inzwischen ein anderes geworden.
Den ab Mitte der 1960er Jahre Geborenen wurde erklärt, die berufliche Karriere müsse Maxime in ihrem Leben sein. Wenn dann mangelnde Eignung und Kompetenz den Sprung in die Führungsetagen oder auf den Lehrstuhl zunächst verhinderte, ließen sich inzwischen andere Wege finden. Die gleichzeitig erstarkenden Medien mit ihren bewegten Bildern für jedermann zu jederzeit waren willkommene Helfer, deren Effizienz sich schnell als unverzichtbar erwies. Als erstrebenswert wurde immer erst der Titel angepriesen, möglichst erworben an einer namhaften Lehranstalt. Der(!) Türöffner schlechthin. Das erworbene Wissen, die Kompetenz rückte zunehmend in den Hintergrund. Eine Entwicklung, die den heute überall sichtbaren Niedergang des Westens unausweichlich machte.
Vielkeicht noch eine abschließende Bemerkung:
Zumindest in meiner akademischen Disziplin wird und wurde die Qualität der Lehre an den US-amerikanischen Elite-Universitäten völlig überhöht. Das erlebe ich gerade heute jeden Tag mehr denn je.
@ Sarnersee
Das sehe ich etwas anders. Wie gesagt, in den USA sind solche Professuren seit jeher üblich und ob man die in UK früher anders nannte, ist irrelevant. Über Baerbocks Berufung an eine Hochschule in GB hätte man auch hergezogen, wäre sie „nur“ zur Dozentin ernannt worden. Wobei ich mir erspare darzulegen, was ich persönlich von ihr als Bundesaußenministerin hielt bzw. halte.
Auch in Punkto Titelversessenheit widerspreche ich. Es war (und ist noch) eher Deutschland und vor allem Österreich, in denen der akademische Titel wie ein Popanz vor sich hergetragen wird. In den USA ist das weit weniger wenn nicht gar völlig irrelevant.
Dass hierzulande im Rahmen des Bologna-Prozesses die deutschspezifischen Diplome und Magister durch Bachelor und Master ersetzt wurden, hatte verschiedene sinnvolle Zubringer (internationale Vergleichbarkeit, schnellere praxisnahe Abschlüsse), aber natürlich auch Nachteile (sehr kondensiert, stärker verschult). Wenn sich Universitäten in dem Kontext auch „University“ nennen bzw. „Fachhochschulen“ als „University of Applied Science/UAS“, dann muss man das nicht als Untergang des Abendlandes dramatisieren. Es ist im internationalen Wettbewerb um kluge Köpfe schlicht notwendig. Auch, dass immer mehr Studiengänge gleich in Englisch angeboten werden. Wissenschaft ist international und Publikationen sind in Englisch.
Ihre Meinung bezüglich überhöhter Einschätzung wissenschaftlicher Lehrqualität an US-Eliteunis teile ich (zumindest in dem Bereich meiner akademischen Disziplin; nur dort kann ich es einigermaßen beurteilen). Wo US- oder GB-Unis stets im Vorteil waren, war deren Sprache und die Vergleichbarkeit und Anerkennung ihrer Studienabschlüsse. Es ist essentiell beim Werben um die führende Köpfe weltweit. Das hat sich durch Bologna verbessert.
Worum ich US-Studenten auch heute noch beneide ist, dass sie schon während ihres Studiums aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm geführt wurden, mit praxisnaher Ausbildung, wie Vorlesungsreihen durch Gastdozenten oder -professoren aus Wirtschaft oder Politik. Denn die wenigsten Studenten auch aus non-UAS schlagen eine akademische Karriere ein.
Sprich, es sind diese Nebenaspekte, warum so viele US- aber auch UK-Unis Eliteunis sind, was sich schlicht daran bemisst, wie viele ihrer Absolventen z.B. in Spitzenpositionen in der Wirtschaft auftauchen.
Joschka Fischer hat sich doch auch schon aushören lassen. Habeck auch und jetzt Baerbock.
Das scheint eine Schwäche der Grünen zu sein. Die fühlen sich noch geehrt wenn sie an den Unis was sagen dürfen und werden dabei nur ausspioniert.
Der Kampf gegen Rechts hat einen gesunden Egoismus vernichtet.
Titel, Titel…
Wenn ich mich nicht täusche, ist es in Deutschland einzig und allein der Doktor-Grad (Dr. , egal in welcher Disziplin), der im Pass einer ihn – möglichst durch akademische Leistung – erworben habenden Person vor dem Nachnamen eingetragen werden darf. Wenigstens daran hat sich bis heute nichts geändert. In Österreich hingegen gibt es, u. v. a., bis heute den Herrn Ingenieur, oder auch die Frau Magister bzw. Magistra. Heute nicht mehr aktuell schien mir eine Ehr-Bezeichnung für eine längst verstorbene Frau (oder war’s gar eine Dame?), die oder deren Familie wohl darauf bestanden hatte, den Zusatz Kaminfegermeisterswitwe in den gleichen goldenen Lettern wie die des Namens auf dem schwarzen Marmor eines Grabsteins im Salzburgischen verewigt haben wollte. War es ein nun Zeichen berechtigten Stolzes oder einfach nur das Heischen nach Achtung und Aufmerksamkeit? Also Politur für ihr Selbstbewusstsein – retrospektiv? Was auch immer – möge auch sie in Frieden ruh’n.
Apropos Titel… zu meiner Hotelzeit hatte ich die Ehre, nicht nur Paul Getty, sondern auch Consul Weyer, damals Teil des internationalen Jet Sets, kennenzulernen. Ein Gast, der gerne auch aus Acapulco anreiste (was er lauthals in der Hotelhalle verkündete), und der sich auf die kostenpflichtige Vermittlung aller möglichen Titel – akademisch wie adelsrechtlich – spezialisiert hatte. Er bediente die Ambitionen geltungssüchtiger Zeitgenossen, die ihn dafür großzügig entlohnten. Eine Tätigkeit also, die ihm hochkomfortable Lebensumstände gewährte. – Weyer verstarb im August 2023 in seinem Penthouse an der Copa Cabana in Rio, standesgemäß.
@Harald,
wir haben offensichtlich gänzlich andere Erfahrungen und Erwartungen hinsichtlich der Funktion einer Universität. Ich betrachte nicht das Erscheinungsbild und die der allg. Globalisierung zwangsläufig geschuldeten erbesserten Anschlussfähigkeit an internationale Ausbildungsstandards sowie die ebenso selbstverständlich frühstmögliche, konkrete Einbindung in die Praxis. Das sind alles Binsen.
Es geht mir allein um die Gesinnung, die heute an den Universitäten unter dem Deckmantel des „Wissenschaftlichen“, des Elitären geformt werden soll. Das Niveau der Lehre und in der Folge die Ansprüche sowie die Erziehung zu Durchhaltevermögen und Verzicht auf Muße sind längst zweitrangig bis unbedeutend. In den Geisteswissenschaften, die allen „praktischen“ akademischen Disziplinen vorausgingen, ist inzwischen allein die politische Gesinnung für den Erfolg entscheidend, egal ob es es um einen guten Magisterabschluss, um ein Staatsexamen oder um die Berufung auf eine begehrte Institutsstelle oder eben eines Lehrstuhls geht. Die pol. Linke hat die Universität gekapert. Der Traum vom globalen Sozialismus ist so lebendig wie nie. Und wo, wenn nicht an der Universität, wo die vermeintlich geistigen Eliten herangezogen werden, könnte ein besserer Nährboden dafür bereitet werden. Und wenn es nicht intellektuelle Kompetenz ist, dann müssen frühere Ämter als Aushängeschild von „Professoren aus der Praxis“ dienen, egal wie kompetent die Ämter ausgeübt wurden.
Die Zunahme der Betonung der Praxis an den klassischen Universitäten ging und geht einher mit dem Rückgang des Niveaus der Lehre und den Anforderungen. Beides verhält sich umgekehrt proportional zueinander. Seit gut zwei Jahrzehnten darf man regelrecht erschüttert sein über das immer dürftiger werdende Wissensniveau junger Universitätsabsolventen. Mitnichten sind sie natürlich weniger klug und intelligent oder aufnahemfähig. Sie sind allein Opfer eines übersatten, selbstgefälligen Lehrbetriebs, der nicht mehr mit Leidenschaft seinen Schülern und Studenten geduldigst errungenes Wissen, altes wie neues, vermitteln möchte, sondern anderen, narzisstischen Idealen folgt.
Zu meiner Zeit gab es in bestimmten Fächern auch schon mal Durchfallquoten von über 90%, über 80% waren es regelmäßig. Kam ein neuer Professor und seine Durchfallquote sank plötzlich auf unter 50%, dann musste er beim Präsidenten zum Rapport. Das motivierte uns „Studierende“ zu Verzicht und Durchhalten und förderte geistige Höchstleistungen. Natürlich gelten hier dieselben Prinzipien wie im Leistungssport.
Heute bedarf es wohl eher woker Stuhlkreismentalität, der richtigen pol. Gesinnung und des aktiven Einsatzes für alte und neue Spaßfaktoren. Die Uni als Freizeitpark der Woken. Diese Entwicklung liegt perspektivisch ganz auf Linie mit der Ideologie der Gleichmacherei wie sie eben der Sozialismus propagiert. „Höchste“ Bildung für alle. Keine wirklichen intellektuelle Eliten, die der pol. Linken gefährlich werden würden. Tatsächlich zeigt sich in den USA (aber auch anderswo) langsam eine Trendwende unter der wieder deutlich konservativer werdenden Jugend. Das macht zumindest Hoffnung.
Noch eins: die Umwidmung der Fachhochschulen in University (of Applied Science) habe ich natürlich nicht als Untergang des Abendlandes dramatisiert, Das ist Unfug, und das wissen Sie auch. Ohne die Fachhochschulen würden die klassischen Universitäten ihr errunges Wissen nicht für das Gemeinwohl nutzbar machen können. Es war und ist eine ideale, hochwirksame Allianz, die diesem Land viel Wohlstand bescherte.
Hervorragender Kommentar. Danke, Sarnersee. Die technischen Fachhochschulen siedeln wohl zwischen technischen Hochschulen und Meisterberufen im Handwerk. Ein Jammer nur, dass gerade „dar gute, alte Handwerksberuf“ schon seit etlichen Jahren sträflich aus dem Blickfeld der Politik geraten ist. Dieses Versäumnis gilt es jetzt schleunigst aufzuholen. – Vor einigen Jahren las ich die Diplomarbeit einer Fachhochschul-Absolventin im Fach Soziale Arbeit Korrektur. Sie war – bzw. ist noch immer – die Tochter von guten Freunden. Niveau und Schreibstil der Arbeit entsprachen in etwa schulischem Mittelstufen-Niveau. Das Diplom gab es trotzdem. Dies vielleicht auch oder gerade aufgrund meiner massiven inhaltlichen und stilistischen Intervention. Die junge FH-Absolventin tat mir irgendwie leid. Wie schön, dass sie schon bald eine Stelle im Öffentlichen Dienst antreten konnte.
@ Sarnersee
Mit Verlaub, aber das klingt sehr nach plumpem antiwokem Klassenkampf: Heute werden und sind alle Studenten verhätschelt und überhaupt, früher war mehr Lametta. Ich habe Sie sehr viel sachlicher und differenzierter in Erinnerung.
Ich will nicht ausschließen, dass es solche Entwicklungen gibt und gerade bei Geisteswissenschaften fehlt mir der persönliche Einblick.
Im MINT-Bereich kann ich das definitiv nicht bestätigen. Ich habe viele Jahre im Bereich Recruiting für Forschung und Entwicklung eines großen Konzerns mitgearbeitet und kann Ihre Einschätzung in keinster Weise bestätigen. Meine Kinder haben alle studiert bzw. tun es noch. Durch sie bin ich regelmäßig in Kontakt mit deren Kommilitonen und bei keinem habe ich den Eindruck, dass sie eine ruhige Kugel schieben können. Im Gegenteil. Vor bald 30 Jahren war ich Co-Autor einer Lehrbuchreihe für den Studiengang Diplom-Biologie. Mitte der 2000er musste ich den Inhalt und Konzept auf Bachelor kondensiert anpassen und mit neuen Erkenntnissen ergänzen. Keine 10 Jahre später war diese zweite Lehrbuchreihe Grundlage für den gymnasialen Leistungskurs Biologie. Heute ist das dortige Wissen Voraussetzung, um im ersten Bachelor-Semester Biowissenschaften überhaupt mitzukommen.
Meine persönlichen Erfahrungen.
Noch eine Anmerkung zu Ihren „früher war mehr Lametta“-90% Durchfallquoten. Die kenne ich auch noch. Haben diese uns zu Verzicht, Durchhaltevermögen und geistigen Höchstleistungen motiviert? Durchaus ja, wenn Sie geschicktes Taktieren dazuzählen. Natürlich wussten wir, welche Professoren Erstklausuren lancieren, die selbst mit 24/7-Pauken kaum zu packen waren. Wir schrieben mit, um mit dem sicheren Durchfallen das Ticket für die Zweitklausur zu ziehen, bei der dann die realistische Chance bestand, mit gutem Lernen zu bestehen. Also spielten wir das Spielchen des Professors mit, auf dass er seine Reputation als harter Knochen pflegen konnte, aber ließen uns nicht kirre machen. Weil auch wir wussten: Eine generelle Durchfallquote von 90% auch nach Zweitklausur kann sich keine Fakultät leisten, schon gar nicht in einem Pflichtfach.
Sehr harte Benotungen gibt es heute übrigens auch noch in einigen MINT-Disziplinen oder Jura. Dort gelten meines Wissens nach 9/18 Punkten (befriedigend, also Note 3) als Spitzenleistung (Prädikatsexamen).
Danke @S v. B
für Ihre sehr zutreffende Antwort.
Dass das klassische, traditionelle Handwerk, das dieses Land einst so ordentlich und im gewöhnlichen Alltag, der 99% der Lebenszeit eines jeden ausmacht, höchst lebenswert gemacht hat, so sträflich von der Politik vernachlässigt wird, insbesondere von der Union, aber auch von SPD, den Grünen und Linken sowieso, ist ein Kardinalfehler, der unverzeihlich ist und entlarvt, wie ahnungslos die Politik hinsichtlich der Einschätzung ist, wer es eigentlich ist, der die täglich ganz konkret erfahrbaren Werte unsere Lebens schafft: der Bäcker und Konditor, der Metzger, der Milch-, Obst- und Gemüsebauer, der Heizungsbauer und der Kfz-Meister, damit es kuschelig warm ist und wir stets mobil sind, wenn ein Arztbesuch ansteht. Und und und.
Es ist geradzu erschütternd, dass die hohe Politik diese Leistungen als selbstverständlich, quasi gottgegeben erachtet und diese offensichtlich deshalb keiner weiteren Erwähnung bedürfen. Die Quittung erhält sie jetzt, insbesondere die Union, die früher vergleichsweise viele Handwerker wählten, die jetzt ihr Kreuz bei der AfD machen. Und das ist absolut verständlich, wenn man so seit Jahren behandelt wird. Aber die Handwerker, die es bleiben und werden wollen, dürfen sich bereits aktuell über hohe Einkünfte freuen, denn noch gilt das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage. Infolge der Schwemme schlecht qualifizierter Akademiker und der Mangel an wirklich guten Handwerkern wird die künftige Lohnentwicklung die Akademiker kaum mehr erfreuen.
Werter @Harald,
offensichtlich lag ich mit meiner Einschätzung hinsichtlich unserer sehr unterschiedlichen Erfahrungen beim Blick auf die Universität nicht ganz falsch, obwohl wir bzgl. Generation und Orte der Sozislisierung und Ausbildung nicht weit auseinander liegen dürften. Ich bin übrigens auch ein MINTer.
Ich habe Sie tatsächlich auch anders in Erinnerung, als jemanden, der ganz sicher nicht jemanden mit martialischen Begriffen angeht.
Ich werde hier ganz sicher nicht öffentlich aus dem Nähkästchen plaudern. Auch ich arbeite seit meinem Berufsstart in einem großen internationalen Konzern und habe viel Berührung mit ähnlich qualifiziertem Personal anderer Unternehmen, auch und insbesondere aus anderen Ländern und Erdteilen, sogar branchenfremden Akademikern, die in „meinen“ Konzern gewechselt sind. Ich habe hier eine vorzügliche Umgebung, um unmittelbare Vergleiche anzustellen.
Die Ergebnisse der bekannten internationalen Studien hinsichtlich Qualität der schulischen und „hoch-schulischen“ Ausbildung entsprechen gänzlich meinen Erfahrungen.
Unser Land ist in den letzten 30 – 40 Jahren zu satt geworden. Schätzen Sie sich glücklich, dass Sie offensichtlich in einer noch „heilen“ Branche tätig sind, in der Sie wohl gänzlich andere Erfahrungen machen, und dazu dann Kinder haben, die noch eine Ausbildung auf hohem Niveau genießen dürfen. Wir haben selber sehr viele selbst akademisch ausgebildete Kollegen und Freunde mit Kindern, die aktuell in Deutschland studieren: Medizin, Jura, verschiedene MINT-Wissenschaften, Geisteswissenschaften. Sie berichten in der deutlichen Mehrzahl alle von anderen Erfahrungen. Selbstverständlich glaube ich Ihnen die Ihrige. Es freut mich sogar und macht Hoffnung. Das sei hier nicht in Zweifel gezogen.
„Lametta auf das Früher“ ist ebenfalls unangemessen bis beinahe despektierlich. „Heute“ ist nämlich sehr vieles um vieles besser, gerade was die bewusste, nachhaltige Lebensweise betrifft, zu der sich viele junge Menschen überzeugt entscheiden, obwohl nahezu alles schon vor 40 und mehr Jahren bekannt war. Die Jugend, die heute vor Abitur bzw. Studium steht, macht ihren Eltern heute genau die Vorwürfe, die unsere Eltern damals uns machten. Das ist kurios: beispielsweise ihnen nicht den christlichen Glauben, der unübersehbares Fundament des einstigen und wieder von dieser Jugend herbeigesehnten Werte-Westens mit seinem Bildungs-, Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswesen ist, näher gebracht zu haben.
Ich bezog mich in meiner „Replik“ lediglich auf die Qualität der akademischen Ausbildung, die heute, den Lauf der Dinge folgend, von vielen der in den 80er Jahren Geborenen betrieben wird, für die die Ostentation des Ichs zu einer Selbstverständlichkeit wurde, die letztlich in eine vom pathologischen Narzissmus durchseuchten Gesellschaft geführt hat, ohne selbst diesen höchst beklagenswerzen Zustand überhaupt zu erkennen. Auf diesem Wege sind wir gerade mit Hochgeschwindigkeit unterwegs und ich fürchte, er ist noch lange nicht zu Ende. Wir werden am Ende eine Gesellschaft von lauter „Rumpelstielzchens“ sein und uns schließlich selbst zerstören.
Und darauf allein wollte ich mit meiner Kritik zu der Berufung von Frau Baerbock an die Columbia University hinweisen. Unumwunden zugegeben, mit einem Rundumschlag, den Sie, und dss ist Ihr gutes Recht, als „woken Klassenkampf“ einordnen.
… „als plumpen antiwoken Klassenkampf einordnen“ muss es am Ende natürlich heißen.
Lieber @ Sarnersee
Vielleicht liegen wir gar nicht so weit auseinander.
Natürlich gibt es allgemeine Entwicklungen, nicht zum Besseren, die ich nicht leugne. Stichwort PISA.
Dies kommt schon seit über 10 Jahren auch an den Universitäten an. Regelmäßig beschweren sich Professoren, dass viele Abiturienten oft gravierende Defizite mitbringen, gerade im Leseverständnis längerer Texte (hierzu gleich noch mehr). Nicht umsonst gibt es mittlerweile für viele Studiengänge Vorkurse. Tatsächlich schaffen es deutsche Unis so, nach wie vor ein sehr hohes Ausbildungsniveau zu halten, auch im internationalen Vergleich.
Was ich und viele Kollegen feststelle ist der Bologna-Effekt: Kondensierte, stark verschulte Studiengänge mit viel „Bulimie“-Lernen anstatt breites, tiefergehendes Verständnislernen. Das hat Vor- und Nachteile: Die Hochschulabsolventen stehen dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung, sind aber weniger agil im Denken und Problemlösen.
Zurück zur abnehmenden Lese- und Textverständniskompetenz. Mittlerweile ist belegt, dass dies nicht nur die Schule betrifft sondern PISA der Indikator einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung ist. Lesekompetenz, Aufmerksamkeitsspanne, Geduld und Konzentration, sich durch einen längeren Text zu arbeiten, haben dramatisch abgenommen. Ein Zubringer: Neue online und vor allem (a)soziale Medien mit immer kürzeren Sätzen und Texten, Schlagworten und clickbait-Titeln, oft im „Multitasking“ konsumierbar, bedienen unsere Informationsbequemlichkeit. Geduld und Beharrlichkeit, mal einen längeren Artikel zu lesen, der komplexere Zusammenhänge vermittelt, geht uns mehr und mehr verloren. Ich merke es an mir selber.
Hinzu kommt das multimediale Online-Überangebot, das unser Wohlfühlbedürfnis bedient und uns das zuschieben, was leicht verdaulich weil kompatibel mit unserer Meinungsvoreinstellung ist. Gegenthesen kommen dort nicht vor und so nimmt unsere Resilienz ab, unbequeme Wahrheiten auszuhalten und zu realisieren, dass es für gravierende Probleme keine einfachen Lösungen gibt.
Das macht mir wirklich Sorgen, und es betrifft uns alle, nicht nur die Jüngeren.
Meine persönliche Einschätzung.
Werter @Harald,
unsere Mutter erzählte uns früh von der bekannten, ehemalige Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Christa Meves, inzwischen im stolzen 102 Lebensjahr. Die Entwicklung der vergangen Jahrzehnte und die heutige psychische Situation der Jugend hatte sie schon früh in den 70er Jahren vorausgesehen. Sie sah das gesellschaftliche Übel im Angriff auf die Familie, die Kinder frühstmöglich in staatliche Obhut, möglichst von morgens bis späten Nachmittag. Die Ganztags- und Gesamtschule war bekanntlich auch im Westen ein Projekt der Sozialisten. Ebenso die katastrophal die irrige Einschätzung, Frauen könnten nur im unmittelbaren Wettbewerb mit dem Mann ihr Selbstwertgefühl stärken. Nichts steht so sehr für den Sozialismus wie die Gleichmacherei, die Egalisierung oder Auflösung der Geschlechter, die Negierung biologischer Fakten, wie sie im Genderismus seine ideologische und gar „wissenschaftliche“ Gestalt bekamen.
Kinder brauchen nicht ein Mehr an Beschulung, sondern Zeiten, in denen sie sich geliebt wissend und spürend kreativ und neugierig im familiären und außerschulischen Bereich sein dürfen und sollen, um selbsständige, selbstbewusste, resiliente (weil Sie es erwähnen) Persönlichkeiten werden zu können, die später die Säulen einer weitgehend gesunden und solidarischen Gesellschaft bilden. Das hat Jahrzehnte gut funktioniert, bis die 68er Rebellen die Politik, v.a. die Medien und die Institutionen, insbesondere die Bildungsstätten kaperten.
Vor ein paar Jahren arbeitete ich in einem Projekt über einen längeren Zeitraum mit einer jüngeren Ungarin, einer Akademikerin, die denselben Studiengang absolvierte wie ich selbst, zusammen, die für ein großes, internationales, nicht in Deutschland ansässiges Hochtechnologie-Unternehmen in Budapest tätig war. Immer wieder musste ich mich beim Staunen ertappen, wie exzellent sie ausgebildet war. Meine unmittelbaren Kollegen im ähnlichen Alter wie die Ungarin, ausgebildet in Deutschland, waren meilenweit entfernt von ihrem Niveau. Ihr Verhältnis von Kompetenz zu Gehalt war genau reziprok zu dem meiner Kollegen.
Das spricht Bände und lässt erahnen, wohin die Reise geht. Wir sind ein Land von Lifestyle-Politiker, Lifestyle-Journalisten, sogar Lifestyle-Piloten geworden.
Nun war es doch ein Nähkästchen.
Lieber @ Sarnersee
Unsere Ansichten liegen wohl doch weiter auseinander. Wieder dieses „früher war mehr Lametta“. Dass Sie sich auf Christa Meves berufen, passt dazu. Ich will mich zu all dem, was sie vertritt und sie damit auch mein Sein, wie ich bin, ablehnt, nicht weiter äußern, nur so viel: Jemand, der das traditionelle Familienbild propagiert und kritisiert, dass Frauen Selbstbestätigung in eigener beruflicher Karriere suchen, selbst aber genau das tut, nämlich studiert, viele Jahre als bekannte Psychologin praktiziert, über 100 Bücher schreibt, Herausgeberin einer Zeitung wird, ist für mich nicht glaubwürdig.
Auch Ihr „Kinder brauchen nicht ein Mehr an Beschulung“ sondern Zeiten, in denen sie geliebt werden, klingt sehr nostalgisch verklärend. Als ob beides ein Widerspruch wäre. Ich glaube, nächste Woche werden die Ergebnisse der neuen PISA-Studie veröffentlicht. Neben all dem, wo wir uns bei früheren Erhebungen nur noch im Mittelfeld befanden, fiel eines besonders ab: In keinem anderen Industrieland hängt der Bildungserfolg der Kinder so stark vom sozialen Status des Elternhauses ab. Auch die Gründe benennt PISA: Deutlich unterdurchschnittliche Finanzierung gerade von Kitas und Grundschulen, weniger Ganztagschulen und viel frühere Selektion in weiterführende Schulen im Vergleich zu anderen Ländern. Die Welt und die Anforderungen von heute sind ganz andere als 1960, ergo ist das, was Jahrzehnte vor den „68er Rebellen“ gut funktioniert hat, irrelevant. Was zählt ist das heute und wie Deutschland im heutigen internationalen Vergleich bestehen kann.
Generell reagiere ich allergisch, wenn Menschen gesagt wird, wie sie zu sein und zu leben haben. Das bezieht sich auf Gendern, Wokeness aber auch vice versa. Die Anti-Gendern und Anti-Wokeness-Ideologie steht dem Ursprung in Aggressivität und Absolutheitsanspruch in nichts nach. Gleiches gilt für das Familien- oder Frauenbild. Gerade Frauen können heute machen was sie wollen, immer findet sich jemand, der sie kritisiert. Entweder Heimchen am Herd oder Rabenmutter.
Lasst junge Familien selbst entscheiden, wie sie leben und ihre Kinder großziehen wollen. Und hört auf das, was sie bemängeln: Ausreichend Kitas und Schulen mit Ganztagsbetreuung. Wenn Eltern entscheiden, dass sie beide berufstätig sein wollen, dann lasst sie!
Lieber Harald,
da könnte Ihnen jetzt die Frau des Blog-Betreibers fachkundig antworten.
Wie ein „Lebensentwurf“ letztlich ausgestaltet ist, hängt verständlicherweise von einer nicht überschaubaren Menge an Faktoren ab.
Nur eins: fast 50 Prozent der 8,3 Mrd. Menschen müssen von 8 USD pro Tag leben – das reicht gerade mal für die Grundbedürfnisse. 20 Prozent sogar von der Hälfte, wiederum 10 Prozent erleiden extreme Armut. Für all diese Menschen ist der Begriff „Lebensentwurf“ reiner Spott!
Das werden Sie nicht leugnen können. Für sie ist Familie oft die einzige Hoffnung, Mutter und Vater, die sich für ihre Zöglinge regelrecht aufopfern, damit sie es einmal besser haben werden. So hat es die Natur zu 96 Prozent (Evolutionsbiologie – aber wem schreibe ich das?!) eingerichtet. Ich habe das selbst mehrfach in Afrika und Asien hautnah erlebt.
Das heisst mitnichten, dass ich andere Formen des Zusamnenlebens ablehne oder mir ein Urteil darüber anmaßen würde. Nichts läge mir ferner. Die Natur hat Spielarten und der Mensch hat Freiheiten. Das ist Fakt. Sie können lebensbejahend und lebensverneinend sein. Das ist wohl das große Geheimnis der Menschheit. Und dass der Menschen die Schwäche hat, Irrtümern anheimfallen zu können, ist eine Binse, ebenso seine seinem Stolz geschuldete Unfähigkeit, diese später eingestehen zu können.
Nein, hier liegen wir offensichtlich ganz weit auseinander, antipodisch sozusagen.
In der jüngeren katholischen Mystik wäre eine Aussage zu zitieren, die, ist man ehrlich zu sich selbst, mit den eigenen Beobachtungen übereinstimmt.
Die 2005 im hohen Alter verstorbene Portugiesin Sr. Lucia dos Santos, die älteste Seherin von Fatima (Portugal, 1917) schrieb 1980 in ihrem berühmt gewordenen Brief an den damaligen Pater (später Kardinal) Carlo Caffarra, dass der entscheidende Endkampf zwischen Gott und Satan um die Ehe und die Familie geführt wird. Die unabhängigen Untersuchungen zu dem Ereignis von 1917 in Portugal sind so umfangreich gewesen, dazu alle wissenschaftlichen Kriterien erfüllend, dass sie als glaubwürdig und damit wahrhaftig erachtet werden müssen. Die katholische Kirche hat dieses Phänomen nach 13-jähriger Untersuchung schließlich anerkannt.
„Lametta“ ist das alles nicht und damit möchte ich diesen, durchaus interessanten Diskurs von meiner Seite beenden.