Putin in der Zwickmühle. Gewinnen kann er nicht, verlieren darf er aber auch nicht…

Immer noch rätselt die ganze Welt, was es mit dem amerikanischen Militärflugzeug vorgestern in Moskau auf sich hat.

Überwiegend herrscht die Meinung in den großen internationalen Medien, führend hier Bloomberg (wie ich finde) vor, CIA-Chef John Ratcliffe habe seinem Amtskollegen vom rusischen GRU – und damit dem Führer im Kreml – mitgeteilt, dass man handfeste Informationen über bevorstehende hybride russische Angriffe auf NATO-Staaten, vermutlich im Baltikum oder an der skandinavischen Nordflanke, besitze und einem solchen Vabanquspiel Putins nicht zusehen werde.

Uns alle erinnert das sehr an 2021, als der damalige CIA-Chef William J. Burns in gleicher Mission nach Russland flog, um die Moskauer Führung vor einer Vollinvasion der Ukraine zu warnen. Das brachte damals kein Ergebnis, denn der von Minderwertigkeitskomplexen geplagte KGB-Tschekist im Kreml möchte doch so gern als Imperator in die Geschichtsbücher eingehen.

Nun sind wir viereinhalb Jahre weiter und die Chancen für Putins ehrgeizige Pläne stehen eher schlecht.

Zwar lässt er Nacht für Nacht ukrainische Städte mit Drohnen und balistischen Raketen beschießen und viele Zivilisten töten, aber in den umkämpften Regionen im Donbass, Luhansk  und Cherson kommen die Russen militärisch kaum voran, im Gegenteil. Immer wieder melden ukrainische Verbände kleine Rückgewinne von Landstrichen.

Man darf also erstmal davon ausgehen, dass auch eine wahrscheinliche Warnung von Ratcliffe den Kreml nicht sonderlich beeindruckt haben wird.

Allerdings sind die NATO und insbesondere die europäischen NATO-Staaten heute nicht mehr die gleichen wie 2022.

In Brüssel, Riga, Helsinki und Paris, aber auch in Berlin, hat man gelernt, dass Zurückhaltung und Rücksichtnahme auf Russland zu keinen Ergebnissen und schon gar nicht zum Frieden führt. Ein „Stresstest“ für die NATO würde mit großer Wahrscheinlichkeit dieses Mal zu einem Stresstext für Russland werden.

Dafür gibt es Pläne einer schnellen Reaktion, und es gibt die Mittel dafür. Putin sollte sich sehr überlegen, ob er den Weg in die Geschichtsbücher tatsächlich über Auslösung des Dritten Weltkrieges erreichen möchte.

Interessant ist noch die chinesische Karte

Denn Peking hat offen immer mal wieder verkündet, dass man eine Niederlage Russlands im Ukraine-Krieg nicht hinnehmen werde.

Und das ist logisch, denn Xi weiß, dass wenn die Amis und der Westen Russland aus dem Spiel genommen haben, Kapazitäten vorhanden sind, sich intensiver in Südostasien einzumischen, etwa, wenn es um die Bedrohung Taiwans geht.

Aber China (und Indien) haben auch immer wieder zu erkennen gegeben, dass sie einen Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg auf gar keinen Fall akzeptieren. Genau mit solchen Gedanken spielt man aber derzeit in Moskau, wenn entsprechende Berichte über den Einsatz kleiner strategischer Atomwaffen zutreffen.

Auch das wäre für Putin also ein unkalkulierbares Risiko

Das derzeitige Hauptproblem des Kreml-Führers scheint mir zu sein, dass er keinen wirklich sicheren Ausgang aus dem Ukraine-Krieg hat.

Die ganze Welt sieht, dass Russland den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen wird. Einzig ein paar Gebiete abgreifen, um des Friedens willen, wäre in Moskau bei den Eliten kein großer Sieg, der Hunderttausende tote Russen und eine ruinierte Volkswirtschaft rechtfertigen würde.

Und man weiß, wie leicht in Russland Verlierer aus Versehen auch mal auf dem Fenster fallen oder Tee aus dem Samor trinken und plötzlich sehr grün im Gesicht werden…

 

 

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Dieser Artikel wurde 7 mal kommentiert

  1. Harald Antworten

    Laut New York Times hat CIA-Direktor Ratcliffe der russischen Seite wohl eine „düstere Einschätzung“ des Kriegs in der Ukraine überliefert, um Putin zu einer raschen Einigung zu drängen, bevor sich die Situation für Russland noch weiter verschlimmere.

    Offensichtlich glaubt die CIA, dass Putins Berater ihm schon seit längerem nicht mehr die Wahrheit über die militärische Lage sagen, umgekehrt Putin als ehemaliger KGB-Mann Berichte anderer Geheimdienste aber durchaus Ernst nimmt.

    NYT: C.I.A. Chief Delivered Bleak Assessment of Russia’s War in Secretive Moscow Visit

    Mir erscheint dies schlüssiger als die Warnung vor „bevorstehenden hybriden russischen Angriffen auf NATO-Staaten…“. Diese finden ja längst statt, seit vielen Jahren, neuerdings bald wöchentlich und das auf verschiedenensten Ebenen.

    • Klaus Kelle Antworten

      @Harald,

      aber die offensichtlichen negativen Entwicklungen in Russland stehen in jeder Zeitung bei uns. Kaum vorstellbar, dass Putin das nicht wissen soll…

      • Harald Antworten

        @ Klaus Kelle

        Für die negativen Entwicklungen in Russland muss Purin keine westliche Zeitung lesen. Es reicht ein Blick aus dem Kreml-Fenster. Dass Putin vor einigen Wochen in St. Petersburg auf einem Wirtschaftsgipfel die ukrainischen Drohnen um die Ohren flogen, dürfte ihm nicht entgangen sein.

        Ob Putin der westlichen oder ukrainischen Berichterstattung bzgl. des Kriegsverlaufs viel Glauben schenkt steht indes auf einem anderen Blatt. Wir glauben dem, was alltäglich in russischen Medien kolportiert wird bis hin zu offen nuklearer Drohung ja auch nicht.

        Falls die NYT Recht hat und er der CIA unter der eher wohlwollenden Trump-Administration mehr Glauben schenkt, weiß ich natürlich auch nicht. Trotzdem klingt das für mich schlüssiger als vor etwas „Zukünftigem“ warnen, das ja längst allwöchentlich eh schon passiert.

        Aber, wie Sie an anderer Stelle schrieben: Nix genaues weiß man nicht. Viel eher würde mich interessieren, ob die westlichen Bündnispartner von dem Ratcliff-Trip und dessen Reisegrund im Vorfeld unterrichtet wurden. Selbst falls das passierte, wird man das eher nicht erfahren, zumindest dann nicht, wenn man es mit Geheimdienst Ernst nimmt. Sprich: Sowas gehört nicht in die Öffentlichkeit, auch wenn es noch so viele gerne wissen würden.

  2. aha Antworten

    Momentan wird die Welt neu aufgeteilt. Der Flug denke ich hatte einen pragmatischen Hintergrund. Die Amis wollen verhindern dass Russland mit seinen Bodenschätzen vollends ins Fahrwasser der Chinesen gerät.

    Warum mangelt es an Patriot-Raketen?

    Es ist doch unrealistisch zu glauben, die USA hätten einen Mangel oder könnten keine produzieren. Die wollen es sich nur nicht noch weiter mit den Russen verderben und liefern keine.

    • Klaus Kelle Antworten

      @aha,

      Die wollen es sich nur nicht noch weiter mit den Russen verderben und liefern keine.

      Ich denke, dass es den USA ziemlich wurscht ist, ob sie es sich mit den Russen verderben oder nicht. China ist das Problem, und China will ganz sicher keinen atomaren Schlagabtausch – auch nicht in Europa. Weil, wenn die Büchse der Pandorra einmal geöffnet wurde, weil niemand, wohin das führt.

  3. S v B Antworten

    In diesem Zusammenhang fällt mir eine interessante Erkenntnis ein, die ich vor wenigen Tagen erst im Radio hörte: „Frieden bedeutet nicht Feigheit, sondern ist Weisheit.“ Ich fand die Aussage auf den Punkt gebracht. Mal schauen, wer sich als erster für Weisheit entscheidet…

    • Johannes Antworten

      @S v B:

      Ich hoffe, wie Sie, auch auf Weisheit (von allen Seiten) die zum Frieden führt.

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