Großbritannien beschließt den Brexit: Alle Uhren auf Null!

Ist Demokratie nicht wunderbar? Die Briten haben eine historische Entscheidung über den zukünftigen Weg ihres Landes gefällt. 51,8 Prozent wollen raus aus der europäischen Staatengemeinschaft EU. Das ist ein klares Votum für die Rückgewinnung der Souveränität Großbritanniens. Und so sei es nun! Nigel Farage, Chef der Unabhängigkeits-Partei UKIP machte am frühen Morgen auf Hollywood, als er in der Helden-Pose von Bill Pullman als amerikanischer Präsident in dem Science-Fiction-Film „Independence Day“ verkündete, dass nun auch die Briten ihren Independence Day, ihren Unabhängigkeitstag, feiern werden. Nun ja, bei allem Respekt, aber die europäischen Partnerländer mit dem Angriff von Aliens aus dem All zu vergleichen, das empfinde ich dann doch,..sagen wir… ein wenig…übertrieben.

Was sind die Lehren der gestrigen Entscheidung auf der Insel? Die Welt wird nicht untergehen, und die Europäische Union auch nicht. Großbritannien hatte immer das deutliche Unbehagen, zu viel seiner Souveränität nach Brüssel abzugeben. Und wahrscheinlich war diese Skepsis angebrachter als die oftmals devote Haltung Deutschlands gegenüber der EU. Großbritannien hat entschieden und wird für diese Entscheidung einen Preis zahlen. Zufällig war ich gestern in Brüssel und hatte die Gelegenheit, mit einigen Politikern und auch mit Leuten aus zwei Denk-Fabriken über das Thema Brexit zu sprechen. Unisono sagten sie alle: Wenn die Briten aussteigen, dann werden sie auch wirklich aussteigen. Anders formuliert: Reisende soll man nicht aufhalten. Alle Uhren auf Null! Die EU wird auch in Zukunft mit Großbritannien Geschäfte machen. Und auch wenn sie formal raus sind, gehören die Briten zur europäischen Familie, nicht zuletzt sind sie einer der wichtigsten Partner in der Verteidigungsgemeinschaft NATO. Und sie werden das bleiben. Aber die Regeln des Handels zwischen EU und England werden nun neu ausgehandelt, und ich habe nicht den Eindruck, dass man es den Briten leicht machen will.

Die Börse in London erlebt heute morgen einen „Black Friday“, einen Schwarzen Freitag. Fast 11 Prozent Absturz der Kurse – der schlimmste Rückgang seit 31 Jahren. Das ist ein deutliches Zeichen, was die englische Wirtschaft von der Entscheidung ihres Volkes hält. Die Grundstimmung bei den großen britischen Unternehmen ist an diesem Tag mit deppressiv noch nett beschrieben. Und wenn gleich um 9 Uhr die Frankfurter Börse öffnet, dürfte es auch dort ungemütlich werden. Doch das kann sich auch ändern.

Der konservative britische Premier David Cameron hat verloren, denn er hat sich für den Verbleib seines Landes in der EU engagiert. Viele Beobachter vermuten, dass er heute zurücktreten werde. Warum eigentlich? Er hat großen Mut bewiesen, sein Volk entscheiden zu lassen. Mehr Mut als die meisten Staaten der Europäischen Union – auch mehr Mut als Deutschland. Warum sollte ein Regierungschef der Mut zeigt, in der Sache kämpft und eine Abstimmung verliert, zurücktreten? Ich sehe dafür keinen Grund.

Und die EU? Die bemerkenswerte Chefredakteurin der BILD-Zeitung, Tanit Koch, hat in dieser Woche einen bemerkenswerten Kommentar geschrieben. Unter der Überschrift „Keine Strahlkraft mehr“ schreibt sie:

„Das große europäische Integrations-Projekt, das stets das Gute will und oft das Schlechte schafft, ist abgekoppelt. Von den Menschen, die statt positiver Ziele (Klimaschutz) nur den Bürokratismus (Glühbirnen-Unsinn) wahrnehmen.

Ob mit oder ohne Brexit – die EU muss ihre Anziehungskraft zurückgewinnen. In dem sie abspeckt, bei Kommission und Regulierung. Und zuhört, den Bürgern.“

Genau das ist es! Der heutige Tag ist ein schwarzer Tag für die EU. Und wahrscheinlich auch kein guter für Großbritannien. Aber er ist die Chance, Europa neu zu denken. Es ist die Chance darüber nachzudenken, was wir, was die Politik, was Brüssel anders machen müssen, um das Vertrauen der Menschen in den Mitgliedsstaaten zurückzugewinnen. So kann aus dem Brexit vielleicht für die Zukunft sogar etwas Gutes wachsen!

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Dieser Artikel wurde 70 mal kommentiert

  1. Stefan Winckler Antworten

    Die Pro-Brexit-Wähler werden es sehr bald schon bereuen. Ein rabenschwarzer Tag für GB. Und die Zentralisten in der EU werden keine oder nur unzureichende Schlüsse daraus ziehen. Diese Chance wird nicht wahrgenommen werden.

    • labrador12 Antworten

      Wirklich lieber Herr Winckler?
      DE exportiert wesentlich mehr nach GB als es von dort importiert. Wer würde da wohl bei Handelseinschränkungen verlieren?

      Wenn Spanien sonnenhungrige englische Pensionistn rauswerfen sollte, Bulgarien oder Rumänien haben auch Sonne, sind schön und würde sie (trotz EU) mit Handkuss wịllkommen heißen.

      Wenn die Bösen jetzt verlieren, dann ist das die Voraussetzung für die nächste Kursrallye.

      Wo wir aber übereinstimmen: Auch ich zweifle, dass Brüssel diesen Denkanstoß wahrnehmen wird.

      • labrador12 Antworten

        freudscher Versprecher, sollte natürlich Börsen und nicht Bösen heißen 🙂

  2. Steffen Kangowski Antworten

    Der Brexit ist die letzte und die einzig wirksame Medizin, die die Geschwüre und Auswüchse des Patienten Europäische Union wirksam heilen könnte. Wenn, ja wenn sich der Patient behandeln lassen will. Genau aber daran wird er zu Grunde gehen dieser überbordend arrogante Beamtenpatient. Der Unwillen, zu erkennen wie krank er ist, versperrt ihm die Akzeptanz einer wirksamen Heilmethode…

    Statt dessen maßregelt Mutti weiter alle die sich nicht ihrem rumwurschtel-Pseudopragmatismus unterwerfen wollen … Zur Ablenkung wirtschaftlicher Probleme gibt es ja die Griechen, für Besserwisser-Anfälle macht man den arroganten Wichtigtuer in Polen oder in einem anderen Osteuropäischem Nachbarland und um zu zündeln kann man ja weiter ein paar weitere kleine Ukraine-Feuerchen legen …

  3. Steffen Kangowski Antworten

    Man stelle sich nur vor, was passiert wäre, wenn die Briten nicht für den Brexit gestimmt hätten… RICHTIG: Happy Hour, Euro-Phrasen-Freibier für alle… !!!
    Ich hab schon die Mutti-Schwafelsätze gehört „… ist eine Bestätigung unserer erfolgreichen Politik … „

  4. Felix Becker Antworten

    Alles o.k. Herr Kelle. Abwarten!
    Innerhalb der EU wird es m.E. insbesondere für Deutschland sehr viel schwerer, da wir mit den Briten einen Verbündeten für unsere Art und Auffassung zur Wirtschaftspolitik verlieren. Ich befürchte, dass Deutschland nunmehr von den Südeuropäern direkt „ausgenommen“ wird oder dass Deutschland wieder einmal seine Kassen öffnet.
    Bei uns Deutschen, denen ein normales patriotisches Verhalten als Folge der verheerenden Nazizeit aberzogen wurde und wird, müsste jetzt mehr Verständnis dafür entstehen, dass eine nationalstaatsorientierte Weltsicht keineswegs ausgestorben ist.

    • Walter Lerche Antworten

      Vergleichbar mit einer Familie, wenn ein gewichtiges Familienmitglied abhanden kommt. Der Mittelpunkt der Familie verschiebt sich und es stellt sich ein anderes Gleichgewicht ein.

    • Uwe Monheimius Antworten

      Lieber Herr Becker.

      Ich verstehe es nicht!

      Was wurde „uns“ aberzogen, bitte was und von wem?

  5. Ralf Schuler Antworten

    Gute Analyse (nicht nur wegen des Lobes für Tanit Koch :-). Vor allem gefällt mir die maßvolle Tonlage, die sich wohltuend von den hyperaktiven Schnellsprechern des Politik-Betriebs abhebt. Man wird auch sehen müssen, ob Rest-Europa jetzt wirklich harte Bandagen gegen die Briten anlegt. Denn einerseits schießt man sich Handelsrestriktionen selbst ins Knie, andererseits wäre es nicht logisch gleichzeitig an weltweiten Freihandelsabkommen zu basteln und innerhalb Europas wieder auf Strafzölle zu setzen.

  6. Walter Lerche Antworten

    Einerseits ist es ganz bestimmt besser, wenn die europäischen Länder zusammenhalten und gemeinschaftlich arbeiten. Somit ist es um jeden Aussteiger schade.
    Andererseits kann es in und aus Brüssel wie bisher nicht weitergehen.
    Die Umsetzung des Traums eines geeinten Europas ist m. E. mit den derzeitigen Strukturen und Akteuren in Brüssel und den in der EU dominierenden Regierungen nicht möglich. Bis dato ist das eine Illusion!
    Der Vorteil des Brexits wiegt m. E. sehr viel positiver und nachhaltiger als die kurzfristige Nachteile, z.B. infolge von Spekulanten und Buchmachern an den Börsen. – Aber auch nur dann, wenn man Brüssel und die EU reformiert. Bliebe es beim „weiter so“, dann wäre die Illusion ohnehin bald am Ende. Der Brexit erzeugt nun Druck auf den Kessel, was ja gut für Bewegung ist und bereits der alte James Watt erkannt hat.
    Man spricht seit Wochen darüber, dass die konservative Partei Camerons ihn im Oktober sowieso ablösen will. Damit wäre er politisch verbrannt. Nun kommt Cameron dem zuvor und wird damit künftig politisches Gewicht behalten, wenn auch nicht an der Spitze. Somit wäre es müßig, lieber Herr Kelle, seinen Verbleib im hohen Amt als angemessen zu wünschen.
    Die Glaubwürdigkeit von Politikern in Brüssel, Berlin und scheinbar überall ist deshalb in den Keller geraten, weil diese uns Leuten nur noch verkaufen, was es real nicht gibt. Zugelassen sind dort nur Rhetorik-Experten, die zuvor mit realer, nützlicher Arbeit gescheitert sind. Sie sind allesamt Vertreter jeweiliger Lobbys, letztendlich des großen Geldes, d. h. der eigentlichen Macht. Deren Aufgabe ist es, das Volk dahin zu bringen, höchste Profite und seit dem Fall des Eisernen Vorhangs auch die Umverteilung der Vermögen der fleißigen Leute zu ermöglichen. Mir konnte bisher niemand ein europäisches oder deutsches Projekt der letzten 25 Jahre nennen, welches mir als Normalo einen greifbaren Vorteil gebracht hätte (bin nicht schwul). – Im Gegenteil, ich verliere jedesmal ein stückweit mehr.
    Wenn Draghi den Euro entwertet und die Zinsen senkt, soll das angeblich gut und nötig sein. Wenn das Pfund fällt und die Zinsen in GB steigen, dann sei das sehr nachteilig. – Was denn nun? Gut, richtig und nachhaltig ist das m. E. nicht, was die EZB veranstaltet, jeden Monat ungedeckte 80 Mrd. Euro in den Markt zu werfen. Wer ist eigentlich der Erste, der solches Geld in die Hand nimmt. Von wem hat er es bekommen? Warum schiebt man dieses Geld nicht sofort nach Griechenland oder nach Afrika? Also hier scheint mächtig was im Busch zu sein. Übrigens geht mich das etwas an, weil meine Altersvorsorge täglich schrumpft und unser Gesetzgeber, insbesondere die SPD, kräftig dabei mithilft, indem die gesetzlichen KK im Wortbruch 19% meiner damaligen Direktversicherung enteignet.
    Der größte Fehler der Macher der EU war die Einführung des Euro in den schwächeren südeuropäischen Ländern, ohne dabei die Strukturen für Wirtschaft und das Staatswesen den Ländern denen anzupassen, die den Euro stark mach(t)en.
    Man nahm den Euro damals gern, weil deren Bonität sprunghaft stieg und weiteres Schuldenmachen damit plötzlich billig geworden war. In Brüssel hütete man dieses Wissen über 10 Jahre, bis der Krug brach.
    In Spanien stehen Wahlen an. die Leute sind der Spar-Doktrien aus Brüssel müde. Mittel, um deren Unmut zu lindern, wären Mittel erforderlich, die in diesen Ländern nicht mehr vorhanden sind. Also holt man sich die Mittel aus den nördlichen, reicheren Ländern. Aber auch dort haben die Leute das erkannt und sind es satt, für so viel eingestielten Unsinn immer wieder und mehr zu leisten. Sind das etwa die Vorzüge der EU?
    Mit dem „Vermitteln der Vorteile“ meinen Politiker nur „Marketing“, nur Worte, keine Taten und keine realen für die arbeitenden Leute spürende Realität.
    Hätte ich einen Vorteil in der Hand, bräuchte mir diesen niemand erklären. Die Leute sind vielleicht doch nicht so dumm, wie die Medien sie zu machen glauben.
    Ich wünsche mir eine EU, die für die Bevölkerung Europas arbeitet, die zu Entscheidungen fähig ist, auch unpopuläre und nicht erst nach 100 Sitzungen.
    Ich wünsche mir Ehrlichkeit in der Berichterstattung. Ich möchte, dass jeder Journalist vor der Abgabe seiner angeblich „neutralen“ Bewertung seine ideologische Richtung angibt, damit die Hörer das einordnen können.
    Überhaupt sollten Journalisten und Medien weniger bewerten, sondern stattdessen besser recherchieren und Fakten berichten.
    Auch das Thema „Abschaffung des Bargeldes“ wäre ein Grund, die EU zu verlassen.
    Damit verlöre die Hochfinanz und es gewännen die einfachen, ehrlichen, arbeitenden Leute. – Aber wie gesagt: Unvernunft hat keine Bremsen.

  7. Walter Lerche Antworten

    Ich bin überzeugt davon, dass Emotionen nicht gut für’s Geschäft und für die Politik sind. Sie sind jedoch ein gutes Medium, um Menschen an den Wahlurnen zu beeinflussen.
    Zunächst ist GB mindestens 2 – 3 Jahre noch dabei.
    Und es würde mich am Ende nicht wundern, wenn es am Ende weiterhin dabei bleibt. Natürlich wird das wieder mit Börsensprüngen begleitet. Und da Geld sich nicht in Luft auflöst, stellt sich mir immer wieder die Frage, „wem nützt das?“.
    Oh ja, da fallen mir einige Großmächtige ein. Nein, nicht nur USA und Russland. Ich wäre auch nicht verwundert, wenn wir eines Tages erfahren, dass es Profiteure auch bei uns und innerhalb der EU gibt. Die Vorteile infolge Bildung der EU wurden und werden anscheinend privatisiert, wobei die Nachteile sozialisiert werden. Habe ich das so richtig verstanden?

    • Alexander Droste Antworten

      … Geld sich nicht in Luft auflöst …

      95% aller Finanzen sind Giralgeld und existiert nur und ausschließlich als Forderung und Versprechen. Sicher ist, dass sich Luft nicht in Luft auflösen kann. Wenn nur einer sein Versprechen nicht halten kann, brechen weitere windige Versprechen ein. Das ganze Giralkonstrukt stürzt ein wie ein Kartenhaus: Börsencrash.

      Die Briten spielen nicht mehr mit im Kaufladen Europa. So sind also schon mal viele Versprechen obsolet. Die Reaktion der Börse spricht für sich selbst. Welche Wellen das wirft, werden wir noch sehen.

      • Walter Lerche Antworten

        Wenn das stimmt und wenn das für uns nicht gut ist, warum machen wir das mit? Warum wird es in Berlin nicht beim Namen genannt? Wenn an der Börse „Wetten“ gehandelt werden, wenn damit die einen reich werden und die anderen arm, ohne dass dahinter reale Wirtschaft steht, warum wählen wir Vertreter ins Parlament, die es nicht als ihre Hauptaufgabe sehen, diese Unvernunft deutlich zu bremsen? Was trägt der Journalismus zu diesem Thema bei? Ich bekomme den Eindruck, dass alles das, was wahr ist, geheim sein soll.

        • Alexander Droste Antworten

          Den ganzen Schmuh spielen wir mit, weil die Bier so schön prickelt in meine Bauchnabell.
          Kaum einer durchblickt den Betrug, der da hinter steckt, auch nicht die Politik. Und weil das alles, was wir sehen (alles auf Pump) so schön ist, meckert ja auch keiner, bis auf die, die nichts vom Luftkuchen abbekommen.
          Sehr lehrreich dazu ein Interview mit dem Finanzprofessor Franz Hörmann, Wien auf Youtube oder auch der Börsenspezialist Dirk Müller (Mr. Dax).

          • S v B

            Interessanter Diskurs zwischen den Herren Lerche und Droste. Vielen Dank Ihnen beiden .

            Was sich mir bis heute nicht erschließt ist die Tatsache, dass es doch ursprünglich wohl Herr Cameron war, der anfing, mit den Muskeln zu spielen und das Referendum unbedingt auf den Weg gebracht haben wollte. Nachdem er dann seitens der EU mit ein paar Bröckchen (Sonderkonditionen) für Großbritannien abgespeist worden war, machte er eine rasante Kehrtwendung (eine Wendehalsbewegung eben, die man bei Politikern jeglicher Couleur leider oft beobachten kann). Und nun reagiert er verschnupft und gibt sich tief enttäuscht von dem in demokratischer Manier zustande gekommenen Ergebnis einer Abstimmung, die ursprünglich ja sein „brain-child“ war. Was denn nun eigentlich, Herr Cameron?

            Natürlich gehört GB zu Europa. Wer wollte dies je bezweifeln? Insofern ist der Austritt (der als eine sich über Jahre hinziehende Entwicklung betrachtet werden muss) natürlich sehr schade. Aber, ganz ehrlich, der Tritt in die Kniekehlen der selbstgefälligen Europaverweser (vorneweg die deutsche Bundeskanzlerin), ein etwas heftigerer Weckruf fürs „Resteuropa“, kam vielleicht gerade noch zur rechten Zeit. Auf jeden Fall kommt endlich Bewegung in die Kiste. Vielleicht gar eine Chance für Europa?

  8. Helmut Schliebs Antworten

    Nun haben die Briten demokratisch entschieden, wieder souverän zu werden und nicht den ganzen EU-Unsinn weiter über sich ergehen zu lassen. Das soll laut Kommentaren der heutigen Presse eine Lehre für die EU sein? Das glaube ich nicht, denn die Eurokraten sitzen derart hochmütig und satt in ihren Sesseln, dass sie nicht bereit sind, Lehren zu ziehen. Da wird wohl nur noch „hart“ mit GB verhandelt, sonst nichts.
    Und lernt Deutschland daraus etwas? Nein, solange Mutti das Sagen hat, auf keinen Fall. Wir dürfen wegen der Nazi-Vergangenheit ohnehin nur noch kuschen, „bis ins siebte Glied“, wie es so schön heißt.

    • Klaus Kelle Antworten

      Lieber Herr Schliebs, Mutti hat so lange das Sagen, wie sie eine Mehrheit der deutschen Wähler hinter sich versammelt. Das ist ihr schon mehrfach gelungen, und ich bin sicher, dass wird ihr auch nächstes Jahr wieder gelingen. Wegen #alternativlos

      • Tina Hansen Antworten

        Ich glaube das auch. Aber ob ich mich freuen soll, weiß ich nicht so recht…

      • S v B Antworten

        Bloß nicht! Ich las gerade vorhin einen Online-Artikel (seriöses Blatt, erinnere allerdings nicht mehr welches), in welchem just dies gefordert, ja für unabdingbar erklärt, wurde. Von wegen Aufrechterhaltung, bzw. Wiedererlangung, der Stabilität in Europa nach der herben Brexit-Enttäuschung, die in manchem Medium gar als schwerer Schicksalsschlag dargestellt wurde, welcher konsequenterweise den Ruf nach Gottes Beistand (sic) rechtfertigte. Wahrlich nicht mehr zu überbieten, diese Medien-Hysterie. Oder vielleicht doch: durch den Ruf nach einer erneuten Amtszeit unserer Mutti. Hiiilfe!

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  10. H. Urbahn Antworten

    Die Briten haben etwas erreicht, was uns Deutschen von unserer Politik verwehrt wird. Sie durften über ihr Schicksal selbst entscheiden. Wenn jetzt hier wieder einmal von dem „Friedensprojekt“ EU gesprochen wird, dann kann man nur sagen: Es gab noch nie soviel Streit und Auseinandersetzungen in der EU seit beschlossen wurde, einen Superstaat zu errichten, am erklärten Willen der Völker vorbei. Die Verträgsbrüche sind kaum noch zu zählen. Es werden z.B. Verträge geschlossen, die die EU ermächtigen, die Todesstrafe wieder einzuführen und zwar an denjenigen, die gegen eine solche Diktatur opponieren. Das EU-Parlament ist eine demokratische Farce, denn ohne gleiches Wahlrecht hat es keine demokratische Legitimation. Das hat sogar das BVG erkannt. Wir haben einen EuGH, der willkürlich Verträge auslegt und erweitert, obwohl so etwas nie beschlossen wurde. Die EU-Kommission finanziert Verbände wie den WWF und greift damit mittelbar in den politischen Meinungskampf ein. Letztlich endlich läuft die bisherige Politik auf eine wohlwollende (wenn wir Glück haben) Dikatatur hinaus, in der die Bürger nur noch Arbeitskräfte und Konsumenten sind, aber nicht mehr der Souverän. Dieser Politik haben sich die Briten nun entzogen. Ein amerikanischer Staatsmann hat im 19. Jahrhundert einmal gesagt: besser selbst regiert als gut regiert. Genau diese Entscheidung haben die Briten getroffen.

    • Walter Lerche Antworten

      „Besser selbst als gut regiert“ finde ich interessant, wenn man es auf Polen anwendet. Soweit ich das mit meinen bescheidenen Kenntnissen zur Geschichte Polens weiß, wurden die Polen häufig friedlich fremd regiert und immer in diesen Phasen ging es der Bevölkerung dort besser. Ich denke dabei auch an die Zeit der Sachsenkönige. Und jedesmal wurde es dann schwierig, wenn wieder die eigenen Landsleute das Ruder übernahmen. – Und wenn ich aktuell dorthin schaue, finde ich mich damit eher bestätigt als eines besseren belehrt.

  11. Jens P. Antworten

    Verletzte Gefühle unserer EU-Fanatiker haben keinen Platz. Warum sollen wir GB das Leben schwer machen? Es ist keiner Seite damit geholfen. Wenn Freihandel mit den USA vorteilhaft ist, dann ist auch ein Freihandel mit dem uns bekannten Partner GB von Vorteil. Bitte nun pragmatisch handeln. Wahrscheinlich wird ein bißchen der Marktplatz London darunter leiden und Frankfurt oder Paris profitieren. GB muss nun alleine in der Welt Handelsabkommen schließen. Das kann Nachteile haben, weil es kein großer Wirtschaftsraum ist, aber auch Vorteile, weil man keine Sonderwünsche von anderen Ländern berücksichtigen muss.
    Vielleicht gibt es eine Delle in der Wirtschaft von GB. Aber das setzt wieder Kräfte frei und man wird sich erholen. Deutschland hatte immer in der Vergangenheit einen Währungskursnachteil, doch das wurde ausgeglichen durch Effizienz, Innovation und Unternehmertum. Davon profitieren wir heute, aber wir setzen immer mehr Fett an. Wer erinnert sich nicht daran, wie die EURO-Ideologen gelacht und gelästert haben, dass die Schweiz nun wirtschaftlich einbrechen wird, als sich sich von EURO abgekoppelt haben. Ich höre nichts mehr Negatives und habe letztens gelesen, dass die Schweiz immer noch eines der lebenswertesten Länder sein soll. Eigentlich habe ich nach den Sprüchen eine Elendseinwanderung aus der Schweiz erwartet.

      • Walter Lerche Antworten

        Das TTIP scheint so gut zu sein, dass die Parlamente der EU-Staaten gar nicht mehr darüber zu entscheiden haben. Das entscheidet jetzt Brüssel allein. Mag sein, dass deshalb unsere Parlamentarier den Vertragstext nicht bekommen haben und niemand, den wir kennen oder gar vertrauen, die Verhandlungen nachvollziehen kann. Wahrscheinlicher ist, dass sowohl Text auch Verhandlungsprotokolle derart bedenklich bis ungünstig für uns Normalos sind, dass es niemand wissen darf.
        Dabei geht es wie immer um’s große Geschäft zum Vorteil derselben wie immer.
        Ich bin sehr für freien und ehrlichen Handel. Da ich TTIP nicht kenne und ich niemand kenne, der es kennt, und weil dazu im Vorfeld so ein Primborium gemacht wurde, weil ich inzwischen die Prämissen unerer Eliten, deren Ziele und Charaktere zur Durchsetzung weiß, mahnt mich mein gesunder Menschenverstand zur Vorsicht und Zurückhaltung. Fehlende Transparenz unterstellt Tricksereien.
        Und das soll bedeuten, „wir wollen unser Europa schöner bauen“?

  12. Alexander Droste Antworten

    Meine unfundierte Meinung ist, dass die Briten demokratisch gewählt mehr Probleme bekommen als vorher und diese sind größer als die von Rest-EU. Ein Interview mit A. Graf-Lambsdorf heute mittag in WDR2 stützt diese unfundierte Meinung.
    An und für sich sind alle Mitglieder souverän. Was eben nicht funktioniert, ist die uneingeschränkte nationalistische Selbstbehauptung in einem eigentlich als Gemeinschaftsprojekt gedachten Verbund. Das treibt Europa auseinander, nicht solche Kinkerlitzchen wie eine Gurkennorm. Aus diesen Egoismen sind viele Ungerechtigkeiten entstanden, die nun von den Betroffenen quittiert wurden.

    Die Schwäche der EU ist ihre Uneinigkeit. Eine weitere ist eine mangelnde und eben nicht übertriebene Bündelung von Kernkompetenzen wie z.B. Fiskalangelegenheiten. Da ist ein Stück weit vielleicht zu viel Demokratie, oder? Oder man beschränkt sich wieder weitgehend auf Handelsbeziehungen ohne Regierungsambitionen. Dann brauchen wir auch keine Gemeinschaftswährung. Wir brauchen dann auch kein Gemeinschaftsparlament, keinen gemeinsamen Gerichtshof und keine gemeinsame Polizei oder Militär. Alles das brauchen wir nicht, wenn alle auf Nationalismus bestehen. Allerdings wird dann eben alles teurer, unsicherer und schwieriger.

  13. Andreas Scheidgen Antworten

    Müsste es nicht eine vordringliche Aufgabe der deutschen Politik sein, jetzt einen Rachefeldzug Brüssels gegen das „unbotmäßige“ Britannien zu verhindern? Dafür gäbe es bestimmt Verbündete in der EU.

  14. druckkosten@yahoo.de Antworten

    Zum Brexit habt Ihr alle nun schon so viel gesagt, dass ich dem nichts Neues mehr hinzufügen möchte… nur einen kleinen Hinweis auf den wirklich eloquenten Kommentar der Zeitschrift „stern“ zum Thema. Hier wird unter dem Titel „Now we have the salad“ ausgeführt, dass man das Volk halt nicht abstimmen lassen sollte… weil… äh… es sich ja um das Volk handelt, das auch „Schwiegertochter gesucht“ guckt und in Regionalzügen fährt.
    Ja.
    Nun.

    • S v B Antworten

      Es kursiert wohl ein Interview mit Bundespräsident Gauck im Netz, in welchem er wohl „die Bevölkerungen“ als „problematisch“ erachtet, nicht jedoch die (sgn.!) Eliten. Auch dies eindeutig ein Hinweis darauf, dass der einfältigen Wählerschaft die Urteilsfähigkeit bei politischen Entscheidungen abgesprochen wird. Dies würde Ihre Ausführungen bestätigen. Der vom Stern gewählte denglische Titel ist nichtsdestoweniger einfach köstlich.

      • Andreas Antworten

        War es nicht so, das nach dem Arbeiteraufstand in der DDR die Herrschenden befanden, dass die Werktätigen nur mit verstärktem Arbeitseinsatz das Vertrauen der Regierung zurückgewinnen könnten?

        Gauck spricht in dieser Tradition und Geisteshaltung.

        • Tina Hansen Antworten

          Das Zitat ist natürlich aus dem Kontext gerissen, aber er hat es wortwörtlich so gesagt, und meine erste Assoziation war auch die DDR. Man findet den Link zu dem Interview auf der Facebook-Seite von Frauke Petry (für die ich hier nicht werben will, es geht mir nur um eine Quellenangabe!!!) mit Datum vom 22. Juni. Der von ihr eingestellte Link führt zur Seite der tagesschau und dort zu einem langen Interview mit unserem elitären Bundespräsidenten. Das Zitat ist in der Sendung etwa bei Minute 11.

          • S v B

            Danke, Frau Hansen, für Ihren freundlichen Hinweis. Er ermöglicht es mir, mich doch noch persönlich von der getätigten Aussage unseres BP zu überzeugen. Mal schauen, ob diese wirklich so abgehoben rüberkommt wie kolportiert wird.

            Dafür, dass Ihnen Frauke Petry nicht unbekannt ist, bedarf es nun wahrlich keiner Rechtfertigung. Ich jedenfalls stehe zu „meiner Bekanntschaft“.

            MfG, S v B

  15. Konrad Kugler Antworten

    Ich bin Gaullist, also für ein Europa der Vaterländer!

    Der Traum von einem vereinigten Europa ist zwar schön zu träumen, aber die traurige Wirklichkeit ist Egoismus, Charakterlosigkeit und die Gier nach dem Geld der Deutschen. Dabei ist DE selbst so verschuldet, daß es die eigenen Schulden nie mehr tilgen kann. [2 Billionen geteilt durch 20 Milliarden ist gleich 100 Jahre] An den Börsen wird Buchgeld hin- und hergeschoben.

    Das Schlimmste aber ist die geistige Ausrichtung der EU durch ideologische Unterwanderung: Homo, Abtreibung. Genderismus und jeden anderen Blödsinn.

    • S v B Antworten

      Stimme Ihnen fast zu 100% zu. Die monströsen Schulden (natürlich in geduldiger Buchgeldwährung, wie Sie richtig feststellen) machen auch mir Angst. Das Ganze erinnert auf recht ungute Weise an den berüchtigten Tulpenzwiebelbörsen-Crash in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts oder auch, viel näher, an meine Großmutter, die mir zu erzählen pflegte, wie sie nach dem 1. Weltkrieg als Multi-Milliardärin(!) mit einem Wäschekorb voller Geldscheine zum Bäcker ging, um Brot zu kaufen. Irrsinn gab’s zu allen Zeiten. Auch unsere ist davon nicht verschont, wie Sie selbst feststellen.

  16. jochen horstmann Antworten

    auditur et altera pars so macht der Kelle Blog immer wieder Sinn und Freude….
    und noch etwas positives: Die 8 Nullen im Spendenkonto , da verschreibt man sich nicht so leicht

  17. Friedrich Albrecht Antworten

    Die heutigen Probleme der EU erklären sich für mich folgendermaßen: Die europäische Einigung wurde nach dem verheerenden 2. Weltkrieg von verantwortungsvollen, christlichen Politikern – Adenauer, Schuman und de Gasperi – gestartet mit dem Ziel, für die Zukunft vor allem kriegerische Auseinadersetzungen zwischen den Europäern auszuschließen. Dieses Ziel ist nach wie vor begrüßens- und aller Anstrengungen wert. Auch der gemeinsame Markt ist eine gute Sache. Leider hat man statt einer gebotenen, vernünftigen Subsidiarität eine überbordende Bürokratie in Brüssel aufgebaut und in vielen EU-Gremien geben heute nicht mehr christlich gesinnte Politiker, wie die Gründungsväter, sondern ziemlich gottlose „Sesselfurtzer“ (Zitat von Herrn La Fontain) den Ton an. Dadurch hat die europäische Idee leider viel von ihrer Strahkraft verloren und ist in Gefahr, von diesen negativen Entwicklungen überwuchert zu werden.

  18. Anna Rengs Antworten

    Ich vermisse eine Anmerkung zu folgendem Punkt: Der Abschied von GB bedeutet, dass ein Nettozahler der EU verloren geht. Wer stopft das Loch. Wahrscheinlich die Deutschen. Das die EU ihre Ausgaben an die verringerten Einnahmen anpasst, halte ich für ausgeschlossen.

    • Walter Lerche Antworten

      Ganz einfach: Die Bilanz wird kleiner. Das heißt, die Summe der Einzahlungen und Ausgaben wird kleiner.
      Es ist wohl eine typische öffentlich-rechtliche Denkweise, dass die Ausgaben bleiben und wachsen dürfen, und die Einahmen werden mit allen drastischen Mitteln den Ausgaben angepasst.
      In einem gesunden Wirtschaftsmodell kann man nur das ausgeben, was man eingenommen hat.
      Wenn EU-Partner von der Ausgabenseite mehr profitieren als andere, dann sollten sie daran interessiert sein, dass Einzahler bleiben und weitere hinzukommen.
      Die Kuh, die man täglich melkt, kann man nur einmal schlachten.

  19. Peter Hirth Antworten

    Eine Chance zu einer Neuausrichtung bestünde jetzt gewiss. Aber mit diesem Personal? No way. Es sind alles bestbezahlte unbelehrbare Realitätsverweigerer, einschließlich der sie entsendenden bzw. wählenden Nationalregierungen. Selbst der Europäische Gerichtshof nimmt sich zu wichtig und entscheidet über Fragen, die nun wirklich nicht den Bestand der Gemeinschaft gefährden würden.

    Wer wird sich aufmachen und diesen Filz aus den Brüsseler Prachtpalästen ausräuchern? Allein die üppigen Pfründen sind besserer Klebstoff als alles, was die Firma Henkel zu bieten hätte.

    Also stellen wir uns den Realitäten und finden wir uns mit dem Brüsseler Monstrum ab, um den Preis des lieben (aber nicht teuer genug zu würdigenden) europäischen Friedens willen. Gerade in diesen Zeiten kann man doch sehen, was in Europa los sein könnte, gäbe es nicht hunderte von Zirkeln und Kommissionen, denen es am Ende doch immer noch gelungen ist – zu welch frustrierendem Preis auch immer – uns den Frieden zu bewahren.

  20. Dr. Hans Dolhaine Antworten

    @ Helmut Schliebs

    Mannomann – wer sind denn „die Briten“.

    Mal gerade ca 51% von wieviel Wahlberechtigten haben für den Brexit gestimmt?
    Wie man liest, Jung gegen Alt, Land gegen Stadt etc.. Nicht so wirklich ein eindeutiges Ergebnis.

    Ich bin gespannt wie es weitergeht. Vielleicht wird aus Groß- alsbald Kleinbritannien. War es das wert?

    Bei aller Kritik an der EU. Jahrundertelang hat es in Europa alle naselang Kriege gegeben. Seit 70 Jahren – abgesehen vom Balkan – nicht mehr. Das ist doch was wert – oder?

    • labrador12 Antworten

      Lieber Herr Doktor Dolhaine,

      Lesen Sie doch mal „Die Rollator-Legende?“ von Hadmut Danisch um sich etwas umfassender zu informieren.

      Die „70 Jahren – abgesehen vom Balkan –“ wie Sie so schön schreiben, haben natürlich nichts mit

      – den ersten 20 Jahren, wo US Truppen in allen wichtigen Ländern Europas stationiert waren (DE, GB, FR, … aus Frankreich sind die Amerikaner ja 1966 abgezogen)

      – den 67 Jahren NATO, deren Existenz neben der militärischen Impotenz der Griechen wesentliches zur Verhinderung eines Flächenbrandes infolge des Zypernkonfliktes beitrug.

      – dem Kalten Krieg, dessen klare Fronten europäischen „kleinmächten“ Krieg nicht attraktiv erscheinen lies, was hätte man den gewinnen können? zu tun.

      Einzig das „Friedensprojekt EU“ scheint Ihnen dafür verantwortlich, obwohl

      – der Vorgänger EWG erst Anfang 1957 begann

      – und die EKGS (als Vorläufer der EWG) auch erst 1951 und damit 2 Jahre nach der NATO startete,

      – viele (NATO) Staaten erst (sehr) viel später der EU beitraten.

      – mit dem Ende des Kalten Krieges die von Ihnen erwähnten Kalamitäten am Balkan begannen

      Bitte verzeihen Sie, aber sie klingen wie ein Apparatschik (in Österreich sagen wir Kammerfunktionär dazu, aber das werden Sie als Deutscher wohl nicht verstehen)

      • Alexander Droste Antworten

        Dazu kommt, dass die EU-Osterweiterung gezielt mit einer NATO-Osterweiterung einherging mit dem Motiv, Russland von Resteuropa abzuschneiden und eine Phalanx gegen Russland zu bilden. Wir haben zwar (noch) keinen militärischen Krieg, aber die Vorbereitungen dazu laufen auf allen Ebenen.
        Welche Rolle GB dabei spielt, liegt bei mir noch im Dunkeln, sie sind jedoch mit USA enger verbunden und wesensgleicher als mit der EU.

        Interessanter weise fühlen sich viele Brexitbefürworter jetzt falsch und schlecht informiert und wollen ihre Entscheidung revidieren. Echte Katerstimmung. GB ist zur Zeit tief zerstritten. Mal sehen, wie es sich weiter entwickelt.

        • labrador12 Antworten

          Lieber Herr Droste,

          ich kann Ihnen wieder einmal nicht so ganz folgen:
          – Wie schneidet die „NATO-Osterweiterung Russland von Resteuropa“ ab?
          – Kann man jetzt nicht mehr z.B. durch Polen nach Russland fahren oder über Polen nach Russland fliegen?
          – von welchem Resteuropa wird Russland abgeschnitten? Von Schweden, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, … oder von russophilen Teil Deutschlands?

          Haben Sie sich je gefragt, warum die Baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn Rumänien etc. mit solcher Vehemenz in die NATO wollten. Womit könnte das Ihrer Meinung nach zu tun haben?

          • Alexander Droste

            Ich verweise hiermit auf die vielen von mir genannten Namen.

          • Klaus Kelle

            „Haben Sie sich je gefragt, warum die Baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn Rumänien etc. mit solcher Vehemenz in die NATO wollten.“

            Ich bin sicher, das hat Herr Droste noch nicht.

          • Alexander Droste

            Oh, Herr Kelle gibt sich bösartig …

            „Ich bin sicher, das hat Herr Droste noch nicht.“ Doch,

            Herr Droste hat und zwar:

            Wie viel ist gefühlte Bedrohung und wie viel ist reale Bedrohung?
            Woher kommt das Gefühl und wer hat Interesse daran dieses zu schüren?
            Welches Interesse hat der Eine oder der Andere Grenzen zu verrücken bzw. Einfluss geltend zu machen?

            Der Warschauer Pakt ist tot, doch die NATO ist noch da und zwar mit einer neuen Ausrichtung. 1200 Militärstützpunkte (wofür?) gegen zwei. Wo ist er denn, der Aggressor? Was nach 1990 abgeht, hat nichts mehr mit Sowjetunion zu tun. Die Amerikaner sprechen von einem amerikanischen Imperium, von der alleinigen Weltherrschaft, sie basteln sich die Welt, wie es ihnen gefällt, nicht aber die Russen. Diese sprechen von einem Wirtschaftsraum und gründen BRICS.

            Manche ethnische Konstellationen in den ehemaligen Sowjetrepubliken sind historisch gewachsen, manche werden jetzt nationalistisch gehandhabt. Manche Parteien werden gezielt politisch gegeneinander ausgespielt und aufgehetzt (original zitierbar von Stratfor und andere). Es werden Kriege vom Zaun gebrochen mit erfundenen Geschichten als Rechtfertigung. Nicht so von Russen! So sind im Baltikum russische Minderheiten zwar sehr groß aber staatlich nicht gleichberechtigt. Das schürt Misstrauen, Frust und Angst und diese Angst schürt Hass. Das muss nicht sein.
            Aus Polen wurden alle Deutschen zwangsumgesiedelt. Aus dem Baltikum werden es die Russen nicht. So bleibt dort die Frage: Arrangieren mit Gleichberechtigung oder Ausweisung von Menschen, die seit mehreren Generationen heimisch sind?
            In Polen ist man derzeit sehr nationalistisch. Man fühlt sich stark mit der NATO im Rücken. Da kann man sich trauen, sich gegen einen alten Feind aufzulehnen. Das läuft dann nach der Art: „Ich spuck dich an und wenn du mich haust, ruf ich meinen großen Bruder.“ Aus erster Hand weiß ich, wie das Verhältnis der Polen zu den Russen ist, und zu den Schlesiern, die noch da sind, und zu den Deutschen … Die Polen sind nicht so harmlos, wie sie vorgeben.
            Die Ukraine wurde nachweislich von Amerika bezahlt in Aufruhr gebracht und der damalige Präsident geputscht. Nachweislich wurden faschistische Nationalisten ins Parlament genommen und nachweislich sollte die Ukraine der NATO angegliedert werden – mit der Krim nebst Sevastopol. Raketenabwehrschirm in Rumänien und Raketen in Polen. Vertragsbrüche am laufenden Band. Lügen, dass die Balken sich biegen. Eine Blutspur hinter den wirklichen Aggressoren von mehreren Millionen Toten in Vietnam, Afghanistan, Irak … Das steht in keinem Verhältnis zu irgendwelchen Kriegshandlungen durch Russland. Erfolglose Gesprächsangebote aus Russland und eine kalte Schulter im Westen, das wird sogar von westlichen Politikern beklagt. Wäre ich russischer Regierender, würde ich das alles als Bedrohung verstehen. Sie nicht?

            Seit bald 20 Jahren rüstet die NATO an der Grenze zu Russland auf. Wäre ich russischer Regierender, würde ich nervös werden, Sie nicht? Also wird irgend etwas gemacht um Präsenz und Potenz zu zeigen. Das macht dann den „Aggressor“, den bösen Russen, die Bestie Putin. Die Hintergrundgeschehnisse habe ich schon reichlich angeführt.

            So sehen die Verhältnisse aus. Ich bin für Frieden und für konstruktiven Austausch mit Russland und den USA und alle anderen Staaten. Ich habe nichts gegen Putin. Ich habe mich mit ihm beschäftigt, ausgiebig. Viele Vorwürfe gegen ihn halte ich für grobe Unterstellung und Tatsachenverdrehung. Manche mögen stimmen und dann halte ich sie für kritikwürdig aber nicht für kriegswürdig. Sehen Sie, das geht sogar so weit, dass Behauptungen aufgestellt werden wie Edward Snowden sei ein russischer Agent. Putin selbst hat ironisch einmal angemerkt, er würde sogar für das schlechte Wetter verantwortlich gemacht.

            Hören Sie endlich auf, Feindschaft zu schüren und dem Russen die Wurst auf der Stulle nicht zu gönnen.

            Wenn das so weiter geht, fliegt uns innerhalb der nächsten 10 Jahre alles um die Ohren.

          • Klaus Kelle

            Lieber Herr Droste,

            Bösartigkeit ist mir als Katholikem fremd.

            Ich habe überlegt, auf Ihren langen Beitrag mal ausführlich zu antworten, aber dann stieß ich auf diesen Satz:

            „Die Ukraine wurde nachweislich von Amerika bezahlt in Aufruhr gebracht und der damalige Präsident geputscht“

            Und da habe ich mich entschlossen, hier auszusteigen. Ich kann nicht jeden Tag meine Zeit mit solchen Absurditäten verbringen. Das ist nicht gut für meine Gesundheit. Lesen Sie Kopp-Verlag oder schauen Sie RT – dies ist ein freies Land.

          • labrador12

            Ich versuche mal in Ihrem Text (ziemlich gut versteckte) Antworten auf meine 3 Fragen zu finden.
            Zu den 2 Fragen wer von wem wie abgeschnitten wird, finde ich auch nach mehrmaligem suchen nichts.
            Auf die Frage warum „die Baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn Rumänien etc. mit solcher Vehemenz in die NATO wollten“ finde ich als Antwort
            „Wie viel ist gefühlte Bedrohung und wie viel ist reale Bedrohung?“
            sowie
            „Woher kommt das Gefühl und wer hat Interesse daran dieses zu schüren?“

            Der ganze Rest sagt mehr aus über ihre Gefühlswelt, lässt manches Mal Ihre Denk- und Argumentations-weise erkennen, beantwortet aber meine konkreten Fragen nicht. daher werde ich mich diesem großen Rest gesondert widmen (sollte ich dazu Lust haben). In diesem Abschnitt werde ich nur einige besonders erhellende Zitate daraus bringen.

            Die Frage „Wie viel ist gefühlte Bedrohung und wie viel ist reale Bedrohung?“ hat immer eine gewisse Berechtigung, WENN, ja wenn sie denn von Ihnen neutral und nicht manipulativ gestellt würde!
            An dieser Voraussetzung scheitern Sie grandios, wenn sie schreiben „Wäre ich russischer Regierender, würde ich das alles als Bedrohung verstehen. Sie nicht?“
            Also z.B der große Bär (144 Millionen Einwohner) gegen Baltische Maus (zusammen 6,3 Millionen) und bedroht ist ÜBERRASCHUNG der Bär!

            Richten wir doch die selbe Frage an Russland!
            Russland ist ein unendliche weites Land. Sowohl Napoléon als auch Hitler sind an der Weite und am Klima fulminant gescheitert. Historisch könnte man gegen alle Umkreisungsrhetorik sagen, dass Russland den allergeringsten Grund hat, vor einer „Okkupation“ Angst zu haben. wer sollte dieses riiiesige Land den besetzen. Einzig China hätte vielleicht (derzeit noch, es wird aufgrund der Ein-Kind-Politik bald schrumpfen) eine Bevölkerung, die groß genug wäre. Im Fernen Osten gibt es da in den Grenzregionen durchaus einen gewissen Migrationsdruck auf Russland/Sibirien, aber davon werden Sie sicher schon gehört haben.

            Sie können gerne naiv sein, und alles glauben, Sie können ganz skeptisch sein, ja Sie können gerne auch an Aluhüte glauben. Ich ersuche Sie einzig um „Gleichbehandlung“

            Sie können gerne scharfsichtig sein oder auch fast blind, aber bitte versuchen sie es doch in beide Richtungen gleichsichtig.

            „Der Warschauer Pakt ist tot“.
            Richtig, dumm, dass sich die NATO nicht unter einem anderen Namen neu konstituiert hat …

            „Wäre ich russischer Regierender, würde ich das alles als Bedrohung verstehen. Sie nicht?“
            Klar, die Femen verstehen sich auch immer als Opfer. Diese Rolle hat etwas für sich …

            „So sind im Baltikum russische Minderheiten zwar sehr groß aber staatlich nicht gleichberechtigt. Das schürt Misstrauen, Frust und Angst und diese Angst schürt Hass. Das muss nicht sein.“
            Also nach all dem was dort passiert ist sind die Forderungen der zugezogenen Russen berechtigt und die Ängste der Balten nicht gerechtfertigt?

            Sorry Herr Droste, aber das schlägt dem Fass den Boden aus. Warum in aller Welt tun sich die dort so heimischen (was meinen Sie damit eigentlich, heimisch geworden/lokale Sprache gelernt haben Sie ja oft nicht) Russen diese Qual an? Warum kehren Sie nicht von sich aus heim zu Mütterchen Russland, wenn es ihnen dort so viel besser geht? In Neukölln zB gibt es Mittelstandstürken, die dort aufgewachsen, wegziehen, weil Sie es dort nicht mehr aushalten. Warum machen das die ach so verfolgten Russen des Baltikum nicht ebenso? Wäre doch ein riesiger Propagandaerfolg für Putin! Also entweder
            – ginge es ihnen (trotz aller Verfolgung im Baltikum) in Russland noch viel schlechter und sie bleiben deshalb
            – oder die Verfolgung ist nicht so arg wie von Ihnen beschrieben
            – oder sie verbleiben für ein höheres Gut (zB politische Ziel)
            – oder die dort lebenden Russen sind mental handlungsunfähig …

            Die im Baltikum neu angesiedelten Russen (damit meine ich jene, die von den Kommunisten dort angesiedelt wurden) hatten eine gesellschaftlich bevorzugte Stellung. Es war soweit mir zugänglich, eine Auszeichnung und keine Strafe, dorthin geschickt zu werden. Diese Stellung haben sie mit der Eigenständigkeit der baltischen Staaten verloren. viele tun sich schwer das zu akzeptieren.

            An Ihrer Stelle wäre ich vorsichtig nur diese beiden Alternativen zu betrachten: „Arrangieren mit Gleichberechtigung oder Ausweisung von Menschen, die seit mehreren Generationen heimisch sind“,
            denn wenn sich die Russen dort zu lange zu blöd spielen, keine Loyalität zu den (neuen) Staaten zeigen, in denen Sie (jetzt) wohnen, wenn sie zu oft gewillt sind, die 5-te Kolonne für Putin oder Russland zu spielen, wenn sie sich wehren, die Landessprache zu lernen, dann könnte es sein, das das Pendel in Richtung der von Ihnen angeführten Alternative ausschlägt. Ich denke, das wollen wir beide nicht!

            Deutschland kann die im Vergleich wesentlich geringere Anzahl von Russland-deutschen, die sich so betätigen (zB Vergewaltigungshoax), ignorieren. Aber auch da frage ich mich, ebenso wie bei den Migranten aus anderen Erdteilen, wo die Loyalität mit dem Staat bleibt, in den man geflüchtet ist, weil man der Überzeugung ist, dass es einem dort besser geht als da, woher man kommt. Ich denke da immer an Leute die den Ast absägen wollen, auf dem sie sitzen.

          • Klaus Kelle

            „Woher kommt das Gefühl und wer hat Interesse daran dieses zu schüren?“

            Wenn man Teile eines Nachbarlandes völkerrechtswidrig annektiert, Söldner und Waffen in die Ostukraine bringt, die bis heute ca. 10.000 Ukrainer umgebracht haben, ein Verkehrsflugzeug abschießt, täglich den Luftraum benachbarter Staaten mit Kampfflugzeugen verletzt, NATO-Schiffe und -Flugzeuge regelmäßig aggressiv provoziert und so weiter, dann braucht man keinen, der etwas schürt. Dann weiß jeder Zeitungsleser, dass da im Kreml Leute sitzen, die für ihr eigenes Volk nichts zustande bringen, deren Wirtschaft nicht entwickelt und nur wenig produziert, deren Bevölkerung weit weg vom Wohlstand westlicher Staaten ist, aber die große Schnauze haben. Russland war mal ein Land, das die Welt wenigstens mit seiner Kultur und Literatur begeistert hat, heute ist es ein Dritte-Welt-Land mit Atomraketen.

          • labrador12

            Lieber Herr Droste

            ein bisschen Spaß habe ich noch. Daher werde ich mir einige Punkte heraus greifen, und dann werde ich mir, um mich selbst zu belohnen, Mozart auf einem Stehplatz in der Staatsoper gönnen und in der Pause Russen-Oligarchen-Proleten schauen 🙂 Ja, die gibt es immer noch (trotz …..), die kaufen sich gerade wieder mal kräftig in Österreich ein

            1) Think Tanks und so
            2) „3D-Denken anstelle von flächigem Denken“
            3) Ihr Kriegsgeschrei
            4) Selig die auf einem Auge blinden, ..

            1) Think Tanks sind genauso wie Generalstäbe beim Militär zum Denken und Pläne machen da. Ihr zitieren irgendwelcher papers scheint mir ähnlich intelligent, wie das Kriegs und Friedensgeschrei, das jedes mal ausbrach, wenn irgend ein Plan (sei es von Russen oder Amerikanern) geleakt wurde um „Dänemark zu besetzen“.

            Da in unseren Breiten „jeder“ Englisch und kaum einer Russisch kann, erfreuen sich die amerikanischen Think Tanks natürlich größerer „Beliebtheit“. Die Dokumente sind viel leichter zugänglich und Ich denke da gibt es auch ein bisschen freundliche Unterstützung …

            Mich persönlich würden viel mehr noch als die russischen, die chinesischen Entsprechungen zu den amerikanischen Think Tanks interessieren.

            2) Herr Kelle kann, „trotzdem er Amerika liebt“, in einen blog schreiben, dass er sich auf das Ende der Ära Obama freut. Für uns muss nicht alles Gut oder Alles schlecht sein. Mir scheint gerade den Russland-Freunden fehlt diese Fähigkeit siehe auch 4). So wird gnadenlos alles hingebogen oder ignoriert, was nicht in ein makellose Bild passt.
            Allerdings scheint mir Russland flächiger zu sein als die USA. Für mich hat Putin mehr mit der Sowjetunion zu tun, als Obama mit G.W Bush. Vielleicht erklärt das Ihre Wahrnehmung.

            3) derzeit sehe ich keinen Grund für den nächsten Krieg. Wer könnte was gewinnen? In den nächsten Jahren und vor allem so wie Sie ihn zeichnen scheint er mir unwahrscheinlich. Die europäischen Armeen, allen voran die deutsche, beschäftigen sich mehr mit Kinderkrippen und Gleichstellung. Das Gerät ist oft nicht einsatzfähig. Die Stärke ist stark geschrumpft.

            Was ich aber bedenklich finde ist IHR Kriegsgeschrei. Den das könnte man wirklich als Vorbereitung auf einen Krieg deuten. Da Sie (ich denke Sie sind kein false flag Amerikaner) aber für die Russen schreiben, würde das nahelegen, dass der Krieg von dort kommt.

            4) Es gelingt Ihnen,
            – die Deportation der Deutschen aus Polen zu erwähnen und die Westverschiebung Polens nach WKII zu unterschlagen
            – Vietnam alleine den Amerikanern zuzuordnen, obwohl dort die Franzosen begonnen haben und sowohl Russen als auch Chinesen beteiligt waren.
            – Afghanistan nur den Amerikanern zuzuordnen ohne rot zu werden.
            – den Polen alles mögliche nachzusagen, ohne die Leiden der Polen unter Russen zu erwähnen
            – usw. usf.

            Ich gebe Ihnen 3 Namenpaare:
            2 unangenehme Journalisten (obwohl Anna die wesentlich bessere ist):
            Anna Politkowskaja – Michael Moore
            2 unangenehme Geheimdienstler:
            Alexander Litwinenko – Edward Snowden
            2 (3) Politiker:
            Wiktor Juschtschenko (Julija Tymoschenko) – Wiktor Janukowytsch

            Wer lebt noch und wer ist tot
            Wer wurde vergiftet und wer nicht
            Wer musste einfahren und wer nicht?

            Der Vergleich macht mich sicher!

          • Alexander Droste

            „Ich habe überlegt, auf Ihren langen Beitrag mal ausführlich zu antworten, aber dann stieß ich auf diesen Satz:

            „Die Ukraine wurde nachweislich von Amerika bezahlt in Aufruhr gebracht und der damalige Präsident geputscht“

            Und da habe ich mich entschlossen, hier auszusteigen. Ich kann nicht jeden Tag meine Zeit mit solchen Absurditäten verbringen. Das ist nicht gut für meine Gesundheit. Lesen Sie Kopp-Verlag oder schauen Sie RT – dies ist ein freies Land.“

            Dazu nenne ich Dr. Daniele Ganser und Dr. Rainer Rothfuß als Historiker der jüngeren Geschichte. Ggf noch Ray McGovern als Wistleblower und ehemaliger Regierungsberater der CIA. Da waren noch ein paar andere, die nicht Kopp oder RT sind. Ich meine, man kann das als seriös betrachten.

            Ich will ja nicht behaupten, dass die Russen heilig und fromme Lämmchen sind. An manchem von Herrn Labrador und Ihnen genannten Argumenten ist gewiss etwas dran. Aber nun bin ich zufrieden, denn wir haben beide Seiten. Argumente für und gegen beide Parteien. Was letztendlich wahr ist, bekommt man nur heraus, wenn man sich vollberuflich ins Getümmel stürzt. Angelesenes Wissen bleibt unvollständig. Und dieses Forum ist wohl nicht geeignet bis ins letzte Detail zu gehen. Mir erscheinen aber trotzdem bisweilen die Amerikaner als bedrohlicher als die Russen. Aus vielerlei Gründen.

          • Walter Lerche

            Schade, dass so viele Meinungsmacher hierzulande nicht bereit und fähig sind, die Interessen anderer, in diesem Fall Russlands, zu sehen und versuchen, sie zu verstehen.
            Schade, dass so viele Meinungsmacher hierzulande die Welt durch ihre Brille nach hiesigen Maßstäben bewerten.
            Eben diese Besserwisser kennen nur Boykott und Embargo. Nichts anderes hört man sie rufen. Seit der Brexit-Wahl hört man das sogar gegen GB. Immer wenn jemand anders tickt, anders funktioniert, andere Vorstellungen hat als hierzulande gewünscht, wird die eigene Ideologie zu Hilfe genommen, die bösen Seiten des Gegenüber aufgelistet und die eigenen Schandtaten ausgeblendet.
            Wenn ein intelligenter Journalist dies zu einem bestimmten Thema auffällig oft und stur tut, könnte man meinen, es wird von ihm „erwartet“ und verschafft sich somit Freiraum für andere Themen.
            Ich beobachte, dass viele Journalisten als Meinungsmacher ihre jeweiligen spezifischen „Schwerpunkte“ diesbezüglich betreiben. Insgesamt ergibt sich eine breite Abdeckung zur Meinungsführung.
            Und dazu passt auch, dass es umgekehrt zahlreiche Tabu- und Schweigebereiche gibt, an die sich kein Journalist traut oder darf.
            Wenn man mit Russland auskommen will und sich mit Russen an einen Tisch setzen will, dann muss man deren Interessen kennen und respektieren. Dann darf man nicht seine eigene Interessen über die des anderen stellen und schon gar nicht die Russen nach rot-grün-schwarzen Bewertungsmaßstäben maßregeln.
            Hier geht es um große Macht und riesige Geschäfte. Alles Menschliche spielt für die Player keine Rolle. Wir Europäer befinden uns dazwischen und sollten uns so verhalten.
            Was nicht oft vorkommt, aber in diesem Fall rate ich sehr, auf die Worte von Herrn Außenminister Steinmeier zu hören.

          • Klaus Kelle

            Wenn man eineh Hooligan als Nachbar hat, dann will man nicht mit ihm auskommen, und man will sich mit ihm auch nicht an einen Tisch setzen. Denn er ist ein Krimineller, den man in Schach halten muss.

          • labrador12

            Lieber Herr Lerche

            „Schade, dass so viele Meinungsmacher hierzulande nicht bereit und fähig sind, die Interessen anderer, in diesem Fall Russlands, zu sehen und versuchen, sie zu verstehen.“
            Sind Sie sich da wirklich so sicher? Vielleicht sieht/versteht Herr Kelle oder meine Wenigkeit die Interessen nur zu gut?

            „Schade, dass so viele Meinungsmacher hierzulande die Welt durch ihre Brille nach hiesigen Maßstäben bewerten.“
            Ich bin zwar kein Meinungsmacher, aber wollen Sie damit andeuten, Anna Politkowskaja, Alexander Litwinenko und Wiktor Juschtschenko hätten das ihnen jeweils zugemutete Schicksal verdient?, nach dem Motto: Pech gehabt, im falschen Land geboren?

            Nebenbei, ich bedaure den Brexit, aber nicht deshalb, weil ich um die Zukunft der Briten Angst hätte, sondern weil innerhalb der EU eine meist vernünftige Stimme verschwindet!

            „… die bösen Seiten des Gegenüber aufgelistet und die eigenen Schandtaten …“
            Wie war das mit dem Glashaus lieber Herr Lerche … Wie viele Schandtaten der Russen könnten Sie aus dem Stegreif aufzählen?

            Da ich kein Journalist bin, werden Sie sich mit Ihren journalistischen Verschwörungstheorien ebi mir nur eiskalte (sibirische) Füße holen.

            und als Höhepunkt schreiben Sie:
            „Wenn man mit Russland auskommen will und sich mit Russen an einen Tisch setzen will, dann muss man deren Interessen kennen und respektieren. Dann darf man nicht seine eigene Interessen über die des anderen stellen“.

            Um die impliziten Fallen Ihrer obigen Behauptung darzustellen, eine Arbeitshypothese: Nehmen wir an, Russland möchte nicht nur den Ostblock wieder unter seinem Einfluss stellen, sondern auch die ehemalige DDR wieder haben.
            Wenn wir also Ihrer geschätzten Meinung nach mit Russland auskommen und an einen Tisch setzen wollten, dann sollten wir nicht nur diesen Umstand KENNEN, nein, das reicht nicht, wir müssten Ihnen zufolge diesen Wunsch auch RESPEKTIEREN! Deutschland dürfte das Interesse an seiner eigenen Integrität NICHT über das hier hypothetisch angenommene Interesse der Russen an seiner Zerschlagung stellen.

            Das wären Konsequenzen Ihres allgemeingültigen obigen Statements. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das wirklich so haben wollen!

            Das gleicht der alternativlose Haltung der Bundesmutti bei anderen Themen.

            Nebenbei bemerkt, es geht Ihnen nur um die Interessen DE’s und die Interessen Russlands. Wo bleiben dabei die Interessen der Balten/Polen/Tschechen/Slowaken/Ungarn/Rumänen/Ukrainer, ja sogar der Bulgaren, die frühen die engsten Partner Russlands waren?

            Sie alle kommen in Ihrer Vorstellungswelt anscheinend nicht vor sind allenfalls von den Amerikanern böswillig gesteuerte Marionetten ohne eigene Wünsche.

            In Ihrer Welt werden die Kleinen zwischen den beiden Mühlsteinen zerrieben!

          • Walter Lerche

            #labrador12 – Ihr Kommentar zu meinem ist Wortklauberei. Was Sie daraus ableiten und mich indirekt zum Zwecke Ihrer eigenen Wortführung fragen oder entgegenstellen, passt nicht zu dem, was und wie ich es meine. Ich verbuche das mal unter der Rubrik „Getroffene Hunde bellen“.
            Es wäre ja schön, wenn ich mich in vielen meiner kritischen und provokanten Gedankenspiele irren sollte. Ich würde was drum geben, dass unsere Welt schöner wäre, als sie mir erscheint.
            Und auch wer einen Raufbold als Nachbarn hat, wird nicht umhinkommen, gelegentlich mit ihm etwas klären zu müssen. Wohl dem, dessen Grundstück so groß ist, dass dass er sich vermeintlich unerreichbar darin zurückziehen kann, wenn es am Nachbarszaun brodelt. Mitunter beneide ich Sie und all jene, die eine Ideologie ihr Eigen nennen, welche die Welt einfach erklärt und in Gut und Böse einteilt. Bemerkenswert ist, dass alle Ideologen IMMER auf der guten und richtigen Seite stehen. Da kann ich leider nicht mithalten.

          • labrador12

            Lieber Herr Lerche,

            Zum ersten Absatz:
            – Was Sie etwas meinen kann ich entweder Ihrem Text entnehmen oder im Kaffeesatz lesen. Ich bevorzuge ersteres.

            – Was Sie wo und wie verbuchen ist aufgrund der Meinungsfreiheit ganz Ihre Sache, solange ich Ihre Bilanz nicht gegenzeichnen muss.

            – Ich wüsste allerdings gerne, wo Sie glauben getroffen zu haben.

            Zum zweiten Absatz:
            Ich danke meinen Eltern, dass ich von Ihnen eine solide Basis erhalten habe, und dass sie meinen Hausversand gefördert haben.

            Beides zusammen ermöglicht ein einigermaßen zuverlässiges Urteil.

          • labrador12

            „Was Sie etwas meinen …“ sollte „Was Sie meinen …“ sein.

      • labrador12 Antworten

        Frieden ist sehr, sehr viel Wert. das merkt man sofort wenn man durch noch immer zerstörte Teile Bosnien-Herzegowinas oder Kroatiens fährt.

        Umso wichtiger scheint mir daher, dass die Antwort auf die Fragen nach dem oder den „Friedensbringer(n)“ bedachtsam und objektiv beantwortet wird.

        Einfach wie Herr Dr. Dolhaine die EU dafür zu nominieren scheint mir vorschnell, daher gefährlich, weil man so andere wichtige Friedensbringer übersehen könnte. (siehe oben)

        Dominik Feusi schreibt in der baz dazu unter anderem:
        „Die Zukunft Europas ist – nach allem, was wir über Bedingungen für Wohlstand wissen – nicht ein homo­gener Staat vom Nordkap bis nach Sizilien, sondern ein dezentraler Klub von souveränen Staaten. Das ist seit 1951 der Grundlagenirrtum der EU. Schumann und die anderen Gründerväter der EU haben ihn sehenden Auges begangen. Getarnt wurde der Irrtum als «Friedensprojekt», wobei geflissentlich weggelassen wurde (und meist heute noch wird), was Tausende von amerikanischen Soldaten für den Frieden taten.“ (gerade im Unterberger Blog gefunden)

  21. Andreas Schneider Antworten

    Es ist eine große Unsitte, dass weite Teile von Medien und „Politik“ die Begriffe „EU“ und „Europa“ – sei es aus reiner Schludrigkeit, sei es aus Berechnung – permanent durcheinander würfeln.

    Das Ende dieser (!) EU mag durch das britische Referendum eingeleitet sein – aber wer vermag mit Sicherheit zu sagen, dass darüber „Europa“ zugrunde ginge? Der geographische Kontinent nimmt auf politische Befindlichkeiten ohnehin keine Rücksicht, und das, was der überwiegende Teil der Bürger (zumindest in meinem Dunstkreis) unter „Europa“ versteht, hat mit der EU herzlich wenig zu tun.

    Wenn der Austritt des Britischen Königreiches aus der EU ein besseres „Europa“ nach sich zieht, wird die gleiche Presse, deren Vertreter sich heute das Maul über die „dummen Engländer“ zerreißen, das Referendum des 23. Juni 2016 als dessen Geburtsstunde lobpreisen. Nur: denken wir einmal zurück. Warnende Stimmen vor der EU-Erweiterung, vor der Einführung des Euro etc. gab es genug. Die Kritiker hat man stets in eine „nationalistische“ Ecke verschoben. Heute, da sich viele, allzu viele Kritikpunkte bewahrheiten, gleicht die beleidigte Reaktion auf den „Brexit“ oftmals einem Scheidungskrieg: „hau bloß ab – aber das Haus und die Kinder bleiben hier!“

    Und an diesem Punkt zeigen die Protagonisten der EU in aller Deutlichkeit, wieso sich so viele Bürger von ihr abgewandt haben bzw. nicht vertreten fühlen – nicht aber, dass sie lernfähig wären.

  22. Walter Lerche Antworten

    Gleichnis: Wer findet sich und andere in folgender kleinen Geschichte wieder?

    Ein guter Mitarbeiter stellt in den Raum, sein Arbeitsverhältnis in der Firma zu beenden, weil ihm das Betriebsklima nicht mehr gefällt und er sich besser selbstständig machen möchte.
    Der Chef versucht ihn zu halten, führt viele Gespräche mit ihm, bietet ihn Sonderkonditionen an, die kein anderer Mitarbeiter bekommt.
    Seine Mitarbeiter sind freundlich zu ihm, geben ihm Wärme, streicheln ihn, loben ihn, bitte ihn, zu bleiben.
    Dann gibt der gute Mitarbeiter seinen bevorstehenden Abschied bekannt.
    Der Chef spricht schlecht über ihn, möchte, dass er sofort geht. Er gibt ihm die Schuld an vielen ungelösten Problemen, an allem, was in der Firma schief läuft.
    Der Chef sagt: „Wir brauchen Dich nicht, wir kommen besser ohne Dich aus, bitte geh sofort!“
    Die Mitarbeiter sind traurig, wütend und auch neidisch. Sie empfinden im tiefen Inneren Verständnis und glauben, dass der abgehende Kollege im Vorteil sei, sagen es aber nicht. Sie fühlen, dass mit der Firma etwas nicht stimmt, das Klima sich verschlechtert hat und Ungerechtigkeiten nerven. Sie wissen, dass der ehemalige Kollege gut gerudert hat. Nach Außen hin reden sie ihrem Chef zu Munde und verunglimpfen den Ehemaligen und schieben ihm alle Defizite zu, unter denen sie leiden.

    Genau das, was uns medial nach der Brexit-Wahl angeboten wurde und wird, ist dieses untere Mittelmaß, was uns im Alltag dominiert und in Europa regiert.

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