Zwei Staatsmänner, die Ruhe bewahren

Die Chefs der beiden wichtigsten und mächtigsten Staaten der Welt haben heute telefoniert. In dem fast dreistündigen Gespräch, das – so eine Sprecherin des Weißen Hauses – «direkt» und «detailliert» gewesen sei.

US-Präsident Joe Biden habe «die Implikationen und Konsequenzen» für China klargemacht, «falls China Russland maßgebliche Unterstützung gewähren sollte, während es den brutalen Krieg in der Ukraine vorantreibt».

Und Chinas Präsident Xi Jingping appellierte an Biden, sich gemeinsam mit der Volksrepublik für den Frieden in der Welt einzusetzen.

«Die Krise in der Ukraine ist etwas, das wir nicht sehen wollen», sagte Xi in einem Bericht des staatlichen Fernsehsenders CCTV. Als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und wichtigste Volkswirtschaften der Welt sollten beide Staaten auch «internationale Verantwortung übernehmen und Anstrengungen für Frieden und Ruhe in der Welt unternehmen». Konflikte und Konfrontationen seien in niemandes Interesse.

Großartig, oder? Genau so stelle ich mir Staatsmänner vor, die natürlich immer Machtinteressen und immer wirtschaftlichen Erfolg im Blick haben. Aber zivilisiert, fortiter in re, suaviter in modo, wie der Lateiner das formuliert: Hart in der Sache, milde im Ton.

Was für ein Unterschied zum martialischen Auftritt des russischen Präsidenten Putin heute im Moskauer Luschniki-Stadion, der sich von zehntausenden umjubeln ließ wie…Sie wissen schon.

Es ist gut, dass hier zwei besonnene Männer bereit zu sein scheinen, die Welt halbwegs in der Ballance zu halten.

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Dieser Artikel wurde 10 mal kommentiert

  1. S v B Antworten

    So ähnlich wie Sie annehmen, sind sich die beiden Staatsmänner dann doch nicht, lieber Herr Kelle. Im Gegensatz zu den USA (und immer öfter auch Deutschland) tendiert China so gut wie nie dazu, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Im Gegenzug verbittet sich China auch jegliche Einmischung von außen. Die Chinesen wollen wirtschaftlich erfolgreich sein, möglichst zur führenden globalen Wirtschaftsmacht aufsteigen. Die USA hingegen sind und waren bekanntlich geopolitisch immer wieder äußerst rührig. Meist mit eher magerem Erfolg (to say the least) sowie unter Einsatz der einen oder anderen „Notlüge“ (to say the least). Immer wieder hat man sich dabei die Finger verbrannt. Etliche Länder, welchen die USA die Segnungen der Demokratie sowie ihren Way of Life überbringen wollten, welche sie zur geostrategischen und ökonomischen Gefolgschaft „einladen“ wollten, haben sie nicht selten im Chaos zurückgelassen. Na toll.

    Vielleicht sollten Sie sich wirklich einmal die Mühe machen und sich den Vortrag des in internationaler Politik und Geostrategie ausgesprochen kenntnisreichen und erfahrenen Professors Mearsheimer aus dem Jahre 2015(!!!) aufmerksam anhören. Außer Henry Kissinger und bedauerlich wenigen anderen Größen der US-Politk fand der ausnehmend kluge politische Kopf schon damals in Regierungskreisen kaum Gehör. Und bei Toria Nuland sicher am allerwenigsten.

    Internationale Politik ist ein hochkomplexes „Geschäft“. Durchaus vorstellbar, dass die wenigsten Leute, die sich in selbst höchstverantwortlichen Positionen in der internationalen Politik tummeln überhaupt die intellektuellen (aber auch psychischen) Voraussetzungen aufweisen – sowie auf profunde Erfahrung zurückgreifen können -, um hochkomplexe Zusammenhänge, Interdependenzen, Ursachen, Aktionen und Reaktionen nebst deren wahrscheinlichem Folgen auch nur einigermaßen verlässlich einschätzen zu können. Die Anzahl derjenigen, welche der Komplexität globaler Politik überhaupt gewachsen sein dürften, ist im Höchstfalle überschaubar. Alleine die unüberlegte, peinlich undiplomatische, vielleicht sogar einer gewissen Senilität geschuldete öffentliche Bemerkung Bidens, Putin sei ein War Criminal, lässt vor dem Hintergrund der hochexplosiven Lage in Osteurops besonders tief blicken.

    Erst mit Streichhölzchen herumhantieren und dann entsetzt um Hilfe schreien, weil nicht nur die Bude, sondern auch das Kind Feuer gefangen hat. Das „sowas regelmäßig von sowas kommt“, hat man doch schon in Kindertagen von Hofmanns Paulinchen gelernt.

    • Tina Hansen Antworten

      Danke für den Hinweis, liebe SvB! Ich werde mir den Vortrag von Prof. Mearsheimer heute Abend in Ruhe zu Gemüte führen. Er wurde übrigens schon fast 22 Millionen Mal angeklickt…

      • S v B Antworten

        …habe mir das ganze Video gerade eben ein zweites Mal „reingezogen“. Damit die bis heute aktuelle Message von Professor Mearsheimer noch besser im Gedächtnis haften bleibt. Auch die während der Fragerunde angesprochene „deutsche Rolle“ fand ich wiederum bemerkenswert. Wahrlich erschreckend, dass jetzt im Grunde genau das eingetreten ist, was Professor Mearsheimer bereits vor 7(!) Jahren prognostiziert hat. Schon damals war der Westen dumm und überheblich genug, seine warnende Einschätzung in den Wind zu schlagen. Tja…

    • H.K. Antworten

      Die Bemerkung Bidens, Putin sei ein „Mörder“ und jetzt ein „Kriegsverbrecher“, sind sicher zutreffend.

      Es fragt sich jedoch, ob es klug ist, Derartiges öffentlichkeitswirksam zu äußern. Schließlich ist Herr Biden nicht irgendwer.

      Genau wie Herr Obama, der durch seine Bemerkung, Rußland sei eine „Regionalmacht“, das Ego von Herrn Putin sicher positiv angesprochen hat.

      Sowohl Putin als auch Selensky einerseits wie auch Europa und Amerika andererseits müssen die Möglichkeit bekommen, ohne „face losing“ aus diesem Schlamassel herauszukommen.

      Von der Philosophie des „Gesicht Wahrens“ haben die Amerikaner offenbar noch nichts gehört.

      Es gibt noch etwas Anderes als nur „money, money, money“.

      Auch der Gedanke, den Oligarchen inkl. Putin ihre Immobilien in Europa und Amerika eben NICHT wegzunehmen und ihre Familien NICHT auszuweisen, ist dem Westen offenbar noch nicht gekommen.

      Einfrieren/ beschlagnahmen etc: ok.

      Aber:

      WAS würde Herr Putin denn eher aufs Korn nehmen: Die Länder und Städte, in denen sich u.a. SEIN Vermögen, SEINE Immobilien befinden und in denen sich SEINE Leute und Familien aufhalten oder die, in denen ihm und seiner Clique nichts mehr gehört ?

      • S v B Antworten

        Guten Abend, lieber H.K.
        Wie erfreulich, wieder von Ihnen zu hören, bzw. zu lesen. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, wenn ich Ihnen gestehe, dass ich mir schon eine Weile Sorgen um Sie gemacht hatte. Umso größer ist nun meine Freude. Also,ein herzliches Welcome back! Immerhin gibt es – leider – viel Grund zu Auf- und Erregung sowie viel Anlass zur Diskussion in diesen Tagen, Wochen – aber hoffentlich nicht noch Monaten… Denn dies würde bedeuten, dass sich das schreckliche Kriegsgeschehen noch länger hinausziehen würde. Nicht auszudenken.

        • H.K. Antworten

          Guten Abend, liebe SvB !

          Ich habe nicht erwartet, daß mich jemand hier vermissen würde.
          Schön, wenn dem doch nicht so ist.

          Eigentlich wollte ich nichts mehr schreiben, weil ich mich zumindest zweimal geärgert habe.

          Aber die derzeitige Lage läßt wohl keinen Raum für Befindlichkeiten.
          Und ehrlich gesagt habe ich beim gelegentlichen Reinschauen schon leichte „Entzugserscheinungen“ verspürt.

          • S v B

            Erleichternd zu erfahren, dass es keinen wirklich schwer wiegenden Grund für Ihre Blog-Abstinenz gegeben hat, lieber H.K.. Ich denke, dass kurzfristige Verstimmung oder Verärgerung eigentlich keinen Anlass zum Abschied von einem „vertrauten Blog“ bieten sollten. Und falls der Unmut am Ende so groß sein sollte, dass man sich quasi gezwungen sieht, den Blog zu verlassen, fände ich es wünschenswert, ja sogar fair, wenn man die Mit-Kommentatoren und -innen sowie den Blog-Betreiber über den Grund seines Ausstiegs aufklären. Schließlich darf man sich insbesondere als aktive/r Teilnehmer/in an einer Diskussions-Plattform, einem Blog, durchaus als Mitglied einer Gemeinschaft betrachten. Dies schafft, nichtachtend aller Anonymität, eine gewisse Nähe, wie ich finde. Kann doch der Austausch von Meinungen, Sorgen, Kritik und Stimmungen gerade auch in Zeiten wie diesen in mancher Hinsicht ausgesprochen hilfreich sein. Dies dürfte sowohl für die Kommentierenden als auch für die Leser (sorry, Lesenden) gelten. Wie mutig und großzügig, dass Herr Kelle uns eine solche Plattform bietet. Herzlichen Dank dafür! – Meine Bitte an Sie, lieber H.K. : bleiben Sie bei uns!

          • H.K.

            Jaaa, Anschiß ist angekommen.

            Manchmal kommt einfach eins zum anderen und irgendwann läuft das Faß über.

    • Gerd Rau Antworten

      China mischt sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder ein? Man erzählt das man Taiwan wiederhaben will, man annektiert Tibet und und und. Es ist schlecht wenn man vor lauter Antiamerikanismus nicht mehr wahrnimmt was die andere so treiben. Wenn man so manche Äußerung liest, dann könnte man denken die Amis sind in der Ukraine einmarschiert und nicht die Russen.

      • TS Antworten

        Aus Sicht von China ist Taiwan ein Teil von China, Tibet ein Teil von China, … ein Teil von China,…

        Kommt bekannt vor, auch der Kremlkapitän kümmert sich schließlich ausschließlich nur um die Interessen der russischen Bevölkerung – egal ob diese das will oder nicht.

        Und wie weit die westlichen Werte die Amerika über die Weltbringt wirklich im Interesse des nahen Ostens und anderer Gebiete sind ist auch zweifelhaft.

        Die Methoden mögen sich unterscheiden, für die Betroffenen fatal sind sie allesamt.

        Und im Vergleich Biden vs. Xi ist der Fall einfach:
        Biden hat einen Auftrag, Xi ein Ziel.

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