Friedrich Merz hatte seine Chance – warum jetzt die zweite Reihe übernehmen muss, um die CDU vor dem Absturz zu retten
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist eine einzige Enttäuschung – für mich, der 2025 nach 16 Jahren bei einer Bundestagswahl erstmals wieder die CDU gewählt hat – gerade auch wegen Friedrich Merz – aber auch für viele andere bürgerliche Wähler in Deutschland, die die Mitte noch nicht aufgeben und zusehen wollen, wie sie zwischen dynamischen Rechten und Linken zerrieben wird.
Wer historisch ein bisschen belesen ist, erkennt die Parallelen zum Ende der Weimarer Republik – wenngleich TikTok-Heidi nicht mit den Kommunisten und Alice Weidel überhaupt nicht mit der Nazipartei zu vergleichen sind. Nicht einmal im Ansatz!
Mir geht es um die Funktionsweisen, wie auf demokratischem Wege ein „System“ komplett ausgehebelt werden kann.
Genau daran arbeiten Extremisten auf beiden Seiten, an einer „Querfront“, die erst einmal unser in vielen Bereichen überaus erfolgreiches System und seine Repräsentanten aus dem Weg schaffen will, um dann „etwas Neues“ zu schaffen. Auch das kennen wir aus der Geschichte, und nein, meistens endet das gar nicht gut.
Aber reden wir über Kanzler Merz und die Union
Inzwischen ist sie die zweitstärkste, aber immer noch dominierende Parteienfamilie in Deutschland – Tendenz stark fallend.
Die Hasser der Christdemokratie prophezeien bereits seit zehn Jahren, dass der Weg der CDU in den Abgrund führt. Lesen Sie nach, wie die Democrazia Cristiana (DC) in Italien pulverisiert wurde, Herr Kelle!
Das wird in Diskussionen in den (a)sozialen Netzwerken immer gern vorgebracht, damit es dramatisch klingt. Aber DC und CDU sind nur vergleichbar darin, dass sie einst auf einem christlichen Wertefundament gegründet wurden und dass sie jahrzehntelang die Geschicke ihrer Länder leiten konnten – und das bei weitem nicht immer schlecht.
Doch das Scheitern der DC war nicht die Folge falscher politischer Orientierung, sondern krimineller Verstrickungen mit dem Organisierten Verbrechen, volkstümlich: mit der Mafia.
Denken Sie nur als ein prägnantes Beispiel an den siebenmaligen DC-Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, dem enge Kontakte zur sizilianischen Cosa Nostra nachgewiesen wurden.
Diese Enthüllungen zerstörten das christlich-wertkonservative Fundament der Partei total, die sich 1994 nach massivem Wählerschwund, internen Flügelkämpfen und dem totalen moralischen Bankrott offiziell auflöste.
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Das ist nicht zu vergleichen mit der Spendenaffäre um Helmut Kohl, der auf geheimen Wegen Geld einwarb, um im letzten Volkskammerwahlkampf mit der „Allianz für Deutschland“ gegen die DDR-Kommunisten und ihr Milliardenvermögen bestehen zu können.
Weder Kohl noch Schäuble, weder Merkel noch Merz kann irgendjemand ernsthaft vorwerfen, sich persönlich bereichert und mit dem Organisierten Verbrechen paktiert zu haben.
Giulio Andreotti war dazu über Jahre hinweg im Zentrum eines der spektakulärsten Mordprozesse der europäischen Nachkriegsgeschichte. Ihm wurde vorgeworden, die Ermordung des investigativen Journalisten Carmine „Mino“ Pecorelli im Jahr 1979 in Auftrag gegeben zu haben. Das ist eine ganz andere Kategorie, als wenn Helmut Kohl seine Staatsgäste immer wieder zum „Saumagen“-Essen einlud.
Ich bin überzeugt, dass die CDU eine Chance hat
Eine Chance zu überleben und die Chance, auch wieder stärkste politische Kraft in Deutschland zu werden.
Aber nicht mit diesem Führungspersonal, nicht mit dieser Hasenfüßigkeit und „Brandmauer“ und vor allem: nicht jetzt.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte das Ende von Friedrich Merz als Regierungschef einläuten.
Könnte, persönlich glaube ich nicht an eine absolute Mehrheit der AfD im Magdeburger Landtag. Weil nicht nur die Rechten taktisch wählen können, sondern auch die anderen nicht doof sind.
Ob die CDU in Sachsen-Anhalt mit 23 oder 20 Prozent verliert, ist egal. Wenn dafür SPD, Grüne und FDP mit Leihstimmen knapp über die Fünf-Prozent-Hürde gehievt würden.
Dann hat Herr Siegmund keine absolute Mehrheit der Mandate
Aber: Das löst kein Problem, denn die Union und die anderen traditionellen Parteien müssten eine Allparteienkoalition bilden, und das wäre schlecht. Niemals darf die Union mit der Linken gemeinsame Sache machen!
Eine Minderheitsregierung der CDU in Sachsen-Anhalt unter Kooperation mit der AfD oder diese als Juniorpartner – man kann sich vieles vorstellen. Aber keine Koalition mit dem einzigen gemeinsamen Nenner, bloß die AfD zu verhindern. Wenn die das erneut versuchen, ist die absolute Mehrheit der AfD beim nächsten Mal sicher.
In dem vielen Hickhack um Friedrich Merz, Jens Spahn und Patrick Schnieder in den vergangenen Tagen ist eine Personalie aus Brandenburg nicht sonderlich aufgefallen. Aber sie ist es wert, genau betrachtet zu werden
Denn die 29-jährige JU-Landesvorsitzende Laura Strohschneider, eine Juristin und Geschäftsführerin eines mittelständischen Immobilienunternehmens, galt als stilles, aber eines der profiliertesten Nachwuchstalente der Christdemokraten in Ostdeutschland. Ohne Bundestagsmandat führte sie als JU-Chefin ihren Verband mit klarem politischem Kompass, was in der notorisch zerstrittenen Brandenburger CDU an sich schon ein Wert ist.
Ihr Rücktritt als Landesvorsitzende der Jungen Union und gleichzeitig der Austritt aus der CDU reißt die Fassade der personellen Geschlossenheit ein, die Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Thorsten Frei, mühsam aufrechtzuerhalten versucht.
In ihrer fulminanten Austrittserklärung sezierte Strohschneider die Glaubwürdigkeitskrise der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung.
Sie warf der Parteispitze vor, aus nackter „Angst vor dem Verlust des Koalitionspartners SPD“ notwendige Reformen zu blockieren. Konkret geißelte sie die Verwässerung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse zu Beginn der Legislaturperiode und die jüngsten Pläne zur Einkommensteuerreform. Diese führe in Verbindung mit explodierenden Sozialabgaben dazu, dass „die Fleißigen“ in der Gesellschaft immer weniger Netto vom Brutto übrigbehalten.
Das „Zünglein an der Waage“ war für sie jedoch die unappetitliche, rein machtpolitisch motivierte Kabinettsrochade von Kanzler Merz: Dass ausgerechnet Carsten Linnemann – einst als programmatischer Hoffnungsträger der Jungen gefeiert – nun das Bundesgesundheitsministerium übernimmt, obwohl er dieses Amt zuvor explizit für sich abgelehnt hatte, empfand Strohschneider als finalen Bruch mit jeglicher politischer Wahrhaftigkeit.
Ähnliches gelte für den Umgang mit dem gestürzten Fraktionschef Jens Spahn, dessen privates Handeln im eklatanten Widerspruch zu den offiziell verkündeten Leitlinien der Partei stehe. „Ich habe angefangen, mein politisches Engagement in Gesprächen zu umschiffen, weil ich es nicht mehr rechtfertigen konnte“, so ihr bitteres Fazit.
Frau Strohschneider ist jetzt raus
Aber sie hat ihrer Partei einen unschätzbaren Dienst erwiesen, nämlich die Erkenntnis, dass pragmatische Kompromisse kein Ersatz für anständige Politik im Sinne der eigenen Wähler sein können.
Und in der zweiten und dritten Reihe der CDU sitzen junge, kluge Köpfe, die sich noch erinnern, was christdemokratisch bedeutet und dass man die Versprechen an seine Wähler auch nach dem Wahltag halten muss.
Pascal Reddig, Chef der Jungen Gruppe der Bundestagsfraktion, wäre da zu nennen, der das Netzwerk der unter 35-jährigen Abgeordneten organisiert.
Oder Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU), der frisch in den Bundestag eingezogen ist. Winkel liefert die rhetorische und inhaltliche Munition für den Generationenkonflikt. Er treibt die Partei in der Renten- und Steuerpolitik vor sich her und warnt unermüdlich vor einer Politik, die auf Kosten der Jugend die Gegenwart finanziert.
Johannes Volkmann fällt mit schneidigen Reden auf. Der Enkel von Altbundeskanzler Helmut Kohl hat sich im Auswärtigen Ausschuss längst aus dem Schatten seines berühmten Großvaters herausgearbeitet. Volkmann argumentiert hochgradig analytisch, sachbezogen und fernab von plattem Populismus. Er verkörpert den Typus des intellektuellen Realpolitikers, der die strategischen Fehler der Merkel- und Merz-Jahre penibel seziert, um außen- und wirtschaftspolitisch neue Leitlinien für ein zukunftsfähiges Deutschland zu entwerfen.
Wollen Sie noch mehr? Marc Henrichmann, Vorsitzender des extrem wichtigen Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) für die Geheimdienste, den Sie in diesen Tagen auf allen Fernsehkanälen finden. Carolina Bosbach wäre zu nennen, Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates der CDU. Sie transportiert die ordnungspolitische Kritik des Nachwuchses medienwirksam in Talkshows und Wirtschaftsforen.
Die CDU steckt in einer tiefen Krise, um das zu erkennen, müssen Sie kein Politologe sein.
Aber zu glauben, Merz, Wüst oder Günther würden den Weg aus der Sackgasse finden, ist naiv.
Diese Leute sind nicht die Hoffnung für bürgerliche Christdemokraten, sie sind der Weg in die Bedeutungslosigkeit der großen, stolzen Volkspartei von Konrad Adenauer und Helmut Kohl.
Es wäre zu wünschen, dass dieses Kabinett und dieser Bundeskanzler bald an ihr Ende kommen.
Und danach darf auf gar keinen Fall weitergewurschtelt werden wie in den vergangenen Jahren. Sie erinnern sich: Kramp-Karrenbauer, Laschet, Spahn. Jetzt muss konsequent verjüngt und neu aufgestellt werden. Dann klappt’s auch wieder mit dem Wähler.



Die von Ihnen genannten, jungen Köpfe, die auch m.M. nach das Potenzial einer Wiederbelebung der CDU hätten, werden leider keine Chance bekommen. Ich brauche Ihnen, werter Herr Kelle, gewiss nicht den kompromisslosen Machtapparat innerhalb der CDU erklären; wäre ja so, als würde ich Eulen nach Athen tragen.
Dieser Machtapparat wird diese jungen Köpfe leider nicht in die Positionen kommen lassen, die für die notwendigen Veränderungen sorgen könnten. Es ist nur eine Hypothese: ich denke, zur dieser Erkenntnis ist wohl auch Frau Strohschneider gekommen.
Der Typus der Wüsts und Günthers, der inzwischen exemplarisch für diesen Machtapparat stehen, ist dafür zu Einflussreich und mächtig. Und wenn dieser Machtapparat eine Verjüngung zulässt, dann wohl den Typus für den exemplarisch Philipp Amthor steht.
Es braucht für den Niedergang der einst stolzen CDU keine organisierte Kriminalität von außen; es reicht dazu allein der innerparteiliche Machtapparat.
@Johannes,
Einspruch Euer Ehren! Der Machtapparat (Merkels) hat auch versucht, Merz zu verhindern (mit AKK und Laschet). Letzlich hat er sich doch durchgesetzt, weil wir alle irrtümlich gedacht hatten, Merz wäre der Anti-Merkel. Das war leider ein Fehler…
kk
@KK:
Einspruch in Teilen angenommen 🙂
Der alte Machtapparat hat Merz nicht verhindern könne – ja!. Inzwischen – denke ich – hat sich dieser Machtapparat neu aufgestellt, verjüngt und wirkmächtiger formiert.
Der Typus der Wüsts und Günther hat Merkels Platz eingenommen & entwickelt die CDU leider weiter in eine verhängnisvolle Richtung.
Wir werden es am kommenden Personaltableau erkennen können
Daß Merz nicht zu glauben und zu vertrauen ist, wußte ich schon vor der Wahl und habe meine Wahl anders getroffen. Um wen es mir richtig leid tut ist Carsten Linnemann. Er scheint komplett gebrochen zu sein.
@KK
„Aber zu glauben, Merz, Wüst oder Günther würden den Weg aus der Sackgasse finden ist naiv.“
Wohl wahr, lieber Klaus. Aber als ich das las, konnte ich mir ein erstauntes Schmunzeln nicht verkneifen. Hier in Deinem Blog war es doch schon seit geraumer Weile nur noch Du selbst, der sich zäh an die Hoffnung klammerte, Merz, Wüst und/oder Günther würden den alten Kahn, die CDU, wieder flott kriegen, gar zu alter Größe führen. .Über dieses Stadium war die kritische Foristen-Gemeinschaft schon lange hinaus. – Was den Fortbestand der CDU nach einer Verjüngungskur angeht, muss ich leider Johannes recht geben. Fähige Junge Leute, die mit ihrer Partei einen anderen Weg einschlagen wollen als den ausgetretenen, werden mit Macht klein gehalten, damit sich an den eingefahrenen Strukturen bloß nichts verändert. Nur diejenigen Jüngeren, die den Geist der Merkel- und Nachmerkel-CDU längst in sich aufgesogen haben, dürften eine Chance auf Berücksichtigung haben. Johannes benannte Philipp Amthor als typisches Exemplar der jungen Weiterso-CDU. Er dürfte damit recht haben.
An der nordafrikanischen Küste sammeln sich derweil Zehntausende von Menschen auf ihrem Marsch gen Europa. Die Zahl der als arbeitslos Gemeldeten ist erneut gestiegen und hat wieder einmal die magischen 3 Millionen geknackt. Ganze Industriezweige wissen schon längst nicht mehr ein noch aus… Man könnte fast endlos weitere, ähnlich oder genauso gravierende Probleme des Landes aufzählen. Das Land steckt in einer massiven Krise. So massiv, dass man darüber phasenweise dem Trübsinn verfällt. Wo sind sie nur, die wortgetreuen, uneitlen, fähigen, verlässlichen, klugen, vorausschauenden, mutigen – gerne auch etwas jüngeren – Politiker, die zu ihrem Wort stehen und die unser Land, langsam, aber sicher wieder zu dem Land machen, welches einmal in aller Welt erstaunlich neidlos bewundert wurde?