Friedrich Merz hatte seine Chance – warum jetzt die zweite Reihe übernehmen muss, um die CDU vor dem Absturz zu retten

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist eine einzige Enttäuschung – für mich, der 2025 nach 16 Jahren bei einer Bundestagswahl erstmals wieder die CDU gewählt hat – gerade auch wegen Friedrich Merz – aber auch für viele andere bürgerliche Wähler in Deutschland, die die Mitte noch nicht aufgeben und zusehen wollen, wie sie zwischen dynamischen Rechten und Linken zerrieben wird.

Wer historisch ein bisschen belesen ist, erkennt die Parallelen zum Ende der Weimarer Republik – wenngleich TikTok-Heidi nicht mit den Kommunisten und Alice Weidel überhaupt nicht mit der Nazipartei zu vergleichen sind. Nicht einmal im Ansatz!

Mir geht es um die Funktionsweisen, wie auf demokratischem Wege ein „System“ komplett ausgehebelt werden kann.

Genau daran arbeiten Extremisten auf beiden Seiten, an einer „Querfront“, die erst einmal unser in vielen Bereichen überaus erfolgreiches System und seine Repräsentanten aus dem Weg schaffen will, um dann „etwas Neues“ zu schaffen. Auch das kennen wir aus der Geschichte, und nein, meistens endet das gar nicht gut.

Aber reden wir über Kanzler Merz und die Union

Inzwischen ist sie die zweitstärkste, aber immer noch dominierende Parteienfamilie in Deutschland – Tendenz stark fallend.

Die Hasser der Christdemokratie prophezeien bereits seit zehn Jahren, dass der Weg der CDU in den Abgrund führt. Lesen Sie nach, wie die Democrazia Cristiana (DC) in Italien pulverisiert wurde, Herr Kelle!

Das wird in Diskussionen in den (a)sozialen Netzwerken immer gern vorgebracht, damit es dramatisch klingt. Aber DC und CDU sind nur vergleichbar darin, dass sie einst auf einem christlichen Wertefundament gegründet wurden und dass sie jahrzehntelang die Geschicke ihrer Länder leiten konnten – und das bei weitem nicht immer schlecht.

Doch das Scheitern der DC war nicht die Folge falscher politischer Orientierung, sondern krimineller Verstrickungen mit dem Organisierten Verbrechen, volkstümlich: mit der Mafia.

Denken Sie nur als ein prägnantes Beispiel an den siebenmaligen DC-Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, dem enge Kontakte zur sizilianischen Cosa Nostra nachgewiesen wurden.

Diese Enthüllungen zerstörten das christlich-wertkonservative Fundament der Partei total, die sich 1994 nach massivem Wählerschwund, internen Flügelkämpfen und dem totalen moralischen Bankrott offiziell auflöste.

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Das ist nicht zu vergleichen mit der Spendenaffäre um Helmut Kohl, der auf geheimen Wegen Geld einwarb, um im letzten Volkskammerwahlkampf mit der „Allianz für Deutschland“ gegen die DDR-Kommunisten und ihr Milliardenvermögen bestehen zu können.

Weder Kohl noch Schäuble, weder Merkel noch Merz kann irgendjemand ernsthaft vorwerfen, sich persönlich bereichert und mit dem Organisierten Verbrechen paktiert zu haben.

Giulio Andreotti war dazu über Jahre hinweg im Zentrum eines der spektakulärsten Mordprozesse der europäischen Nachkriegsgeschichte. Ihm wurde vorgeworden, die Ermordung des investigativen Journalisten Carmine „Mino“ Pecorelli im Jahr 1979 in Auftrag gegeben zu haben. Das ist eine ganz andere Kategorie, als wenn Helmut Kohl seine Staatsgäste immer wieder zum „Saumagen“-Essen einlud.

Ich bin überzeugt, dass die CDU eine Chance hat

Eine Chance zu überleben und die Chance, auch wieder stärkste politische Kraft in Deutschland zu werden.

Aber nicht mit diesem Führungspersonal, nicht mit dieser Hasenfüßigkeit und „Brandmauer“ und vor allem: nicht jetzt.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte das Ende von Friedrich Merz als Regierungschef einläuten.

Könnte, persönlich glaube ich nicht an eine absolute Mehrheit der AfD im Magdeburger Landtag. Weil nicht nur die Rechten taktisch wählen können, sondern auch die anderen nicht doof sind.

Ob die CDU in Sachsen-Anhalt mit 23 oder 20 Prozent verliert, ist egal. Wenn dafür SPD, Grüne und FDP mit Leihstimmen knapp über die Fünf-Prozent-Hürde gehievt würden.

Dann hat Herr Siegmund keine absolute Mehrheit der Mandate

Aber: Das löst kein Problem, denn die Union und die anderen traditionellen Parteien müssten eine Allparteienkoalition bilden, und das wäre schlecht. Niemals darf die Union mit der Linken gemeinsame Sache machen!

Eine Minderheitsregierung der CDU in Sachsen-Anhalt unter Kooperation mit der AfD oder diese als Juniorpartner – man kann sich vieles vorstellen. Aber keine Koalition mit dem einzigen gemeinsamen Nenner, bloß die AfD zu verhindern. Wenn die das erneut versuchen, ist die absolute Mehrheit der AfD beim nächsten Mal sicher.

In dem vielen Hickhack um Friedrich Merz, Jens Spahn und Patrick Schnieder in den vergangenen Tagen ist eine Personalie aus Brandenburg nicht sonderlich aufgefallen. Aber sie ist es wert, genau betrachtet zu werden

Denn die 29-jährige JU-Landesvorsitzende Laura Strohschneider, eine Juristin und Geschäftsführerin eines mittelständischen Immobilienunternehmens, galt als stilles, aber eines der profiliertesten Nachwuchstalente der Christdemokraten in Ostdeutschland. Ohne Bundestagsmandat führte sie als JU-Chefin ihren Verband mit klarem politischem Kompass, was in der notorisch zerstrittenen Brandenburger CDU an sich schon ein Wert ist.

Ihr Rücktritt als Landesvorsitzende der Jungen Union und gleichzeitig der Austritt aus der CDU reißt die Fassade der personellen Geschlossenheit ein, die Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Thorsten Frei, mühsam aufrechtzuerhalten versucht.

In ihrer fulminanten Austrittserklärung sezierte Strohschneider die Glaubwürdigkeitskrise der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung.

Sie warf der Parteispitze vor, aus nackter „Angst vor dem Verlust des Koalitionspartners SPD“ notwendige Reformen zu blockieren. Konkret geißelte sie die Verwässerung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse zu Beginn der Legislaturperiode und die jüngsten Pläne zur Einkommensteuerreform. Diese führe in Verbindung mit explodierenden Sozialabgaben dazu, dass „die Fleißigen“ in der Gesellschaft immer weniger Netto vom Brutto übrigbehalten.

Das „Zünglein an der Waage“ war für sie jedoch die unappetitliche, rein machtpolitisch motivierte Kabinettsrochade von Kanzler Merz: Dass ausgerechnet Carsten Linnemann – einst als programmatischer Hoffnungsträger der Jungen gefeiert – nun das Bundesgesundheitsministerium übernimmt, obwohl er dieses Amt zuvor explizit für sich abgelehnt hatte, empfand Strohschneider als finalen Bruch mit jeglicher politischer Wahrhaftigkeit.

Ähnliches gelte für den Umgang mit dem gestürzten Fraktionschef Jens Spahn, dessen privates Handeln im eklatanten Widerspruch zu den offiziell verkündeten Leitlinien der Partei stehe. „Ich habe angefangen, mein politisches Engagement in Gesprächen zu umschiffen, weil ich es nicht mehr rechtfertigen konnte“, so ihr bitteres Fazit.

Frau Strohschneider ist jetzt raus

Aber sie hat ihrer Partei einen unschätzbaren Dienst erwiesen, nämlich die Erkenntnis, dass pragmatische Kompromisse kein Ersatz für anständige Politik im Sinne der eigenen Wähler sein können.

Und in der zweiten und dritten Reihe der CDU sitzen junge, kluge Köpfe, die sich noch erinnern, was christdemokratisch bedeutet und dass man die Versprechen an seine Wähler auch nach dem Wahltag halten muss.

Pascal Reddig, Chef der Jungen Gruppe der Bundestagsfraktion, wäre da zu nennen, der das Netzwerk der unter 35-jährigen Abgeordneten organisiert.

Oder Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU), der frisch in den Bundestag eingezogen ist. Winkel liefert die rhetorische und inhaltliche Munition für den Generationenkonflikt. Er treibt die Partei in der Renten- und Steuerpolitik vor sich her und warnt unermüdlich vor einer Politik, die auf Kosten der Jugend die Gegenwart finanziert.

Johannes Volkmann fällt mit schneidigen Reden auf. Der Enkel von Altbundeskanzler Helmut Kohl hat sich im Auswärtigen Ausschuss längst aus dem Schatten seines berühmten Großvaters herausgearbeitet. Volkmann argumentiert hochgradig analytisch, sachbezogen und fernab von plattem Populismus. Er verkörpert den Typus des intellektuellen Realpolitikers, der die strategischen Fehler der Merkel- und Merz-Jahre penibel seziert, um außen- und wirtschaftspolitisch neue Leitlinien für ein zukunftsfähiges Deutschland zu entwerfen.

Wollen Sie noch mehr? Marc Henrichmann, Vorsitzender des extrem wichtigen Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) für die Geheimdienste, den Sie in diesen Tagen auf allen Fernsehkanälen finden. Carolina Bosbach wäre zu nennen, Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates der CDU. Sie transportiert die ordnungspolitische Kritik des Nachwuchses medienwirksam in Talkshows und Wirtschaftsforen.

Die CDU steckt in einer tiefen Krise, um das zu erkennen, müssen Sie kein Politologe sein.

Aber zu glauben, Merz, Wüst oder Günther würden den Weg aus der Sackgasse finden, ist naiv.

Diese Leute sind nicht die Hoffnung für bürgerliche Christdemokraten, sie sind der Weg in die Bedeutungslosigkeit der großen, stolzen Volkspartei von Konrad Adenauer und Helmut Kohl.

Es wäre zu wünschen, dass dieses Kabinett und dieser Bundeskanzler bald an ihr Ende kommen.

Und danach darf auf gar keinen Fall weitergewurschtelt werden wie in den vergangenen Jahren. Sie erinnern sich: Kramp-Karrenbauer, Laschet, Spahn. Jetzt muss konsequent verjüngt und neu aufgestellt werden. Dann klappt’s auch wieder mit dem Wähler.

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Dieser Artikel wurde 33 mal kommentiert

  1. Johannes Antworten

    Die von Ihnen genannten, jungen Köpfe, die auch m.M. nach das Potenzial einer Wiederbelebung der CDU hätten, werden leider keine Chance bekommen. Ich brauche Ihnen, werter Herr Kelle, gewiss nicht den kompromisslosen Machtapparat innerhalb der CDU erklären; wäre ja so, als würde ich Eulen nach Athen tragen.

    Dieser Machtapparat wird diese jungen Köpfe leider nicht in die Positionen kommen lassen, die für die notwendigen Veränderungen sorgen könnten. Es ist nur eine Hypothese: ich denke, zur dieser Erkenntnis ist wohl auch Frau Strohschneider gekommen.

    Der Typus der Wüsts und Günthers, der inzwischen exemplarisch für diesen Machtapparat stehen, ist dafür zu Einflussreich und mächtig. Und wenn dieser Machtapparat eine Verjüngung zulässt, dann wohl den Typus für den exemplarisch Philipp Amthor steht.

    Es braucht für den Niedergang der einst stolzen CDU keine organisierte Kriminalität von außen; es reicht dazu allein der innerparteiliche Machtapparat.

    • Klaus Kelle Antworten

      @Johannes,

      Einspruch Euer Ehren! Der Machtapparat (Merkels) hat auch versucht, Merz zu verhindern (mit AKK und Laschet). Letzlich hat er sich doch durchgesetzt, weil wir alle irrtümlich gedacht hatten, Merz wäre der Anti-Merkel. Das war leider ein Fehler…

      kk

      • Johannes Antworten

        @KK:

        Einspruch in Teilen angenommen 🙂

        Der alte Machtapparat hat Merz nicht verhindern könne – ja!. Inzwischen – denke ich – hat sich dieser Machtapparat neu aufgestellt, verjüngt und wirkmächtiger formiert.

        Der Typus der Wüsts und Günther hat Merkels Platz eingenommen & entwickelt die CDU leider weiter in eine verhängnisvolle Richtung.

        Wir werden es am kommenden Personaltableau erkennen können

        • Klaus Kelle Antworten

          @Johannes,

          ja, klar, alles ist im Fluß. Aber Günther hat in der jüngsten Umfrage 12% Verlust prognostoziert bekommen. Auch Wüste verliert in NRW immer mehr, wenn auch (noch) nicht so dramatisch.

          Und Merkel selbst spielt keine Rolle mehr, ihr letzter Erfolg war, gegen den Willen von Merz AKK an die Spitze der Adenauer-Stiftung zu bringen. Die Zukunft der Union sind die alle nicht.

      • GJ Antworten

        Daß Merz nicht zu glauben und zu vertrauen ist, wußte ich schon vor der Wahl und habe meine Wahl anders getroffen. Um wen es mir richtig leid tut ist Carsten Linnemann. Er scheint komplett gebrochen zu sein.

  2. S v B Antworten

    @KK

    „Aber zu glauben, Merz, Wüst oder Günther würden den Weg aus der Sackgasse finden ist naiv.“

    Wohl wahr, lieber Klaus. Aber als ich das las, konnte ich mir ein erstauntes Schmunzeln nicht verkneifen. Hier in Deinem Blog war es doch schon seit geraumer Weile nur noch Du selbst, der sich zäh an die Hoffnung klammerte, Merz, Wüst und/oder Günther würden den alten Kahn, die CDU, wieder flott kriegen, gar zu alter Größe führen. .Über dieses Stadium war die kritische Foristen-Gemeinschaft schon lange hinaus. – Was den Fortbestand der CDU nach einer Verjüngungskur angeht, muss ich leider Johannes recht geben. Fähige Junge Leute, die mit ihrer Partei einen anderen Weg einschlagen wollen als den ausgetretenen, werden mit Macht klein gehalten, damit sich an den eingefahrenen Strukturen bloß nichts verändert. Nur diejenigen Jüngeren, die den Geist der Merkel- und Nachmerkel-CDU längst in sich aufgesogen haben, dürften eine Chance auf Berücksichtigung haben. Johannes benannte Philipp Amthor als typisches Exemplar der jungen Weiterso-CDU. Er dürfte damit recht haben.

    An der nordafrikanischen Küste sammeln sich derweil Zehntausende von Menschen auf ihrem Marsch gen Europa. Die Zahl der als arbeitslos Gemeldeten ist erneut gestiegen und hat wieder einmal die magischen 3 Millionen geknackt. Ganze Industriezweige wissen schon längst nicht mehr ein noch aus… Man könnte fast endlos weitere, ähnlich oder genauso gravierende Probleme des Landes aufzählen. Das Land steckt in einer massiven Krise. So massiv, dass man darüber phasenweise dem Trübsinn verfällt. Wo sind sie nur, die wortgetreuen, uneitlen, fähigen, verlässlichen, klugen, vorausschauenden, mutigen – gerne auch etwas jüngeren – Politiker, die zu ihrem Wort stehen und die unser Land, langsam, aber sicher wieder zu dem Land machen, welches einmal in aller Welt erstaunlich neidlos bewundert wurde?

    • Klaus Kelle Antworten

      @ S v B

      „Hier in Deinem Blog war es doch schon seit geraumer Weile nur noch Du selbst, der sich zäh an die Hoffnung klammerte, Merz, Wüst und/oder Günther würden den alten Kahn, die CDU, wieder flott kriegen, gar zu alter Größe führen.“

      Liebe Freundin, auch durch häufige Wiederholung wird es nicht wahr, was Du behauptest.

      Die Herren Wüst – ich kenne ihn persönlich und ganz gut – und Günther waren NOCH NIE irgendeine Form von Hoffnung für mich für die Zukunft der CDU und unseres Landes. Noch nie! Du hast immer eine Vorstellung, was ich wohl meinen müsste, die aber in diesen beiden Fällen zu 100% geradezu absurd ist.

      In Friedrich Merz habe ich meine Hoffnung tatsächlich gesetzt, ihn gewählt und ihm ein paar Monate lang die Chance eingeräumt, den Laden auf Vordermann zu bringen.

      Ich habe mich geirrt und das hier auch immer wieder bekannt. Gleichzeitig habe ich ausführlich begründet, warum trotz vieler guter Kontakte und Schnittmengen ich die AfD nich mehr wählen werde, explizit wegen ihrer Russland.Schmeimerei und Empathielosigkeit gegenüber dem geschundenen und tapferen Volk der Ukraine.

      Und da ich die Diskussion zu diesem Thema hier intensiv verfolgt und mich beteiligt habe weiß ich, dass von „kritischer Foristen-Gemeinschaft“ hier aber auch gar nichts zu sehen war, wenn ist lese, wie hier jeden Tag alle putinschen Narrative bis hin zu billiger Hetze gegen Präsident Selenskyj nachgebetet wurde. Das darf man hier, weil man hier nahezu alles darf, außer mich persönlich anzupöbeln.

      Inzwischen freue ich mich, wie sich die Diskussion hier in den vergangenen Tagen positiv entwickelt, was auch angesichts deutlicher Meinungsunterschiede überhaupt kein Problem ist, wenn zwei, drei Trolle weg sind. Dafür werden neue Foristen kommen, die unsere Diskussionen auffrischen und beleben.

      „Wo sind sie nur, die wortgetreuen, uneitlen, fähigen, verlässlichen, klugen, vorausschauenden, mutigen – gerne auch etwas jüngeren – Politiker, die zu ihrem Wort stehen und die unser Land, langsam, aber sicher wieder zu dem Land machen, welches einmal in aller Welt erstaunlich neidlos bewundert wurde?“

      Ich habe einige hier benannt, von denen ich wiederum einige auch persönlich getroffen habe. Deshalb bin ich so positiv eingestellt, aber natürlch kann ich mich auch irren. Carsten Linnemann, den ich seit vielen Jahren persönlich kenne und überaus schätze, hat sich auch als Generalsekretär deutlich verändert und leider nicht zum Guten.

      Es bleibt für mich nur, weiter als Wechselwähler unterwegs zu bleiben. Wohnte ich noch in NRW würde ich nächstes Jahr Martin Vincentz wählen, jetzt im September werde ich in Berlin CDU wählen – aus Verzweiflung, weil nichts anderes für Bürgerliche da ist und Wegner definitiv weg ist. Irgendwie wählt man nur noch nach Ausschlussprinzip.

      Das war früher anders, da habe ich oft in großen Menschenmengen gestanden, schwarz-rot-goldenen Schal um den Hals und „Helmut, Helmut“ gebrüllt. So etwas werde ich vermutlich niemals mehr erleben.

      Aber konservativ, Christ und Patriot werde ich auf jeden Fall bleiben.

      Klaus

      • Gerd Franken Antworten

        @Klaus Kelle

        „warum trotz vieler guter Kontakte und Schnittmengen ich die AfD nich mehr wählen werde“
        „Wohnte ich noch in NRW würde ich nächstes Jahr Martin Vincentz wählen“

        Sie wissen aber schon, dass Vincentz Mitglied in der Partei der Putintrolle ist.

        • S v B Antworten

          @Gerd Franken

          Welch freimütiges Geständnis.des Wählers und Journalisten Klaus Kelle! Aber es scheint, gerade aus dessen Munde vernommen, nicht wirklich stimmig zu sein. Weil KK hier im Blog immer wieder durchblicken lässt, wie unwählbar er die AfD nach wie vor findet. Und so zumindest etliche ihrer Repräsentanten auch. – Dennoch, eine gute Portion Zivilcourage braucht es – gerade in KKs Situation – wohl doch, eine Aussage wie besagte öffentlich zu machen. Respekt.

          • Gerd Franken

            @S v B
            @Klaus Kelle

            Auf diese „Unstimmigkeit“ wollte ich nur hinweisen. Ich persönlich stelle fest, dass dieser Blog der einzige weit und breit ist, wo jeder, auch die Trolle, ein Recht haben, ihre Meinung zu posten. Denn auch der Troll darf eine Meinung haben und der Hausherr darf entscheiden, welchen Troll er schreiben lässt und welchen nicht. Wenn niemand zur (ideologischen) Gewalt aufruft ist in einer Demokratie alles erlaubt. Na ja der Begriff „alles“ müsste dann noch näher erläutert werden. Nun denn in Sachen M. Vincentz bin ich mit dem Hausherrn auf einer Linie. Der ist z.B. in der Sache Ukraine Krieg der Auffassung, dass eine weitere Kriegsrethorik, wie z.B. den Krieg nach Russland zu bringen, nicht hilfreich ist. Das ist für jeden bürgerlich konservativen Bürger (Christ) nachzuvollziehen.
            Gleich geht es ab zur hl. Messe: Schönen Sonntag!

        • Sarnersee Antworten

          @Gerd Franken,
          „Sie wissen aber schon, dass Vincentz Mitglied in der Partei der Putintrolle ist.“
          Wenn man trotz großer und völlig berechtigter Unzufriedenheit heute eine Union wählt in der Hoffnung, dass sich irgendwann neue Kräfte aus den zweiten, dritten und vierten Reihen durchsetzten, so darf aus selben Motiven auch eine AfD gewählt werden. Der Merz-Wüst-Günther-Prien-Komplex in der Union muss ebenso überwunden werden wie die Schnellroda-Fraktion in der AfD. So einfach ist das!

          • Gerd Franken

            @Sarnersee

            Wobei es ungleich schwieriger ist den Merz-Wüst-Günther-Prien-Komplex abzuwählen als die Schnellroda-Fraktion, die ja noch nicht einmal über politische Verantwortung verfügt. So einfach ist das dann auch wieder nicht. Ausserdem haben wir als BRD kaum noch Zeit uns über das Wahlverhalten zu streiten, weil das Licht am Ende des Tunnels der entgegenkommende Zug ist.

      • S v B Antworten

        @KK

        Du und in Berlin wählen? Das überrascht mich, weil ich felsenfest der Meinung, war, dass Du im Raum Potsdam eine neue Heimat gefunden hättest – wofür ich bestes Verständnis hatte, bzw gehabt hätte…

  3. Harald Antworten

    Carsten Linnemann das Zünglein an der Waage für Frau Strohschneider? Ich schrieb es schon an anderer Stelle: Ein Ministeramt nur widerwillig annehmen entgegen früherer Bekundungen muss kein Nachteil sein. Im Gegenteil: Wir hatten schon Minister, auf die das auch zutraf und die einen fulminanten Job hingelegt haben. In der Wirtschaft ist es übrigens durchaus üblich, high potentials auf Positionen zu setzen, die so gar nicht auf ihrer Wunschliste stehen. Die gehen nämlich unvoreingenommen mit der notwendigen Härte an unvermeidbare Entscheidungen ran. Und sind wir mal ehrlich: Der letzte Minister auf diesem Posten, der den Job wollte und als Arzt auch die medizinischen Kenntnisse mitbrachte, den will ja wohl niemand zurück haben.

    Aber zu Merz und der Lage der Union. Dass Kommunikation nicht zu Merz‘ Stärken zählt, war ja wohl schon vor der Wahl klar. Ich glaube auch nicht, dass Fettnäpfchen und provokante Aussagen der Grund für die sinkende Wählergunst der CDU ist. Wäre dem so, dürfte die AfD nicht so gut dastehen. Ich fürchte, es liegt an den Reformen, die jetzt vorliegen und die von allen einiges abverlangen sowie an der chaotischen Personalrochade.

    Ersteres ist unvermeidlich und Merz und die Union sind nicht der ersten, die sich den Zorn der Wählers einfangen, weil zwar jeder Reformen will aber keine, die einen selber treffen. Letzteres indes ist selbstverschuldet. Und hier frage ich mich: von wem? Innerhalb der Union wohlbemerkt. Weil: Dass Merz es war, der z.B. die Entlassung von Schnieder an die Presse weiterreichte, möchte ich dann doch stark bezweifeln. Wenn man sich dann fragt „cui bono?“ kommt man um ein paar Namen nicht drum rum. Was auch darauf hindeutet, dass Merz eben alles hat, aber nicht die uneingeschränkte Unterstützung seiner Partei. Da hatte jene, die ihn einst abgesägte, ihm einiges voraus.

    Meine Hoffnung ruht indes wirklich auf der Jungen Union. Aber, das wird noch dauern.

    • Nadine Antworten

      Carsten Linnemann erinnert ein wenig an Dirk Niebel. Der wollte das Ministerium für Entwicklungshilfe abschaffen und hat es dann selbst besetzt …

    • S v B Antworten

      @Harald

      Zu Ihrem 2. Absatz: Sie unterschätzen offenbar die Zahl der Bürger bzw. Wähler, die es „auf den Tod“ nicht leiden und auch nicht verzeihen können, wenn jemand, aber insbesondere wohl ein erst im zweiten Anlauf – noch dazu mithilfe der Ex-SED-Linken – gewählter zukünftiger Lenker der deutschen Geschicke schon heute nicht mehr zu dem steht, was er noch gestern seinen vertrauensseligen CDU-Wählern vollmundig verkündet hatte. Diesbezüglich hat Merz schon ab Stunde null seiner Kanzlerschaft „geliefert“, nein, jämmerlich versagt natürlich. All das sitzt nach wie vor tief. Gewiss nicht nur für mich war Merz‘ Verhalten schon in den ersten Tagen nach der Wahl völlig inakzeptabel. Bisher hat mich wirklich nichts von seiner Eignung zum Bundeskanzler überzeugen können. Bis zur Stunde habe ich noch keinen Anlass gehabt, meine kritische Haltung gegenüber dem Kanzler zu revidieren. Wie die üblichen Umfragen immer wieder zeigen, stehe ich mit meiner unversöhnlichen Haltung nicht allein auf Deutschlands weiter Fur. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade Merz mit seiner mehr als verblüffenden Wendefreudigkeit der AfD den größten Stimmenzuwachs beschert hat. Waren, bzw. sind doch gerade seine Entscheidungs-Kapriolen, Zeichen einer den Wähler zutiefst verunsichernden Unberechenbarkeit. Gerade diese kommt beim konservativen Wähler wohl am schlechtesten an. Tja, all das alles dürfte sich entsprechend tief ins kollektive Gedächtnis der konservativen Wählerschaft eingebrannt haben.

      • Harald Antworten

        @ S v B

        Für mich passt vieles von dem, wie Wählerinnen und Wähler auf die Politik blicken, nicht zusammen.

        Dass Merz eine große Enttäuschung ist (Außenpolitik vielleicht mal ausgenommen) ist klar. Im Politbarometer belegt er den drittletzten Platz. Ich weiß nicht, wie viele Jahre Angela Merkel beständig Platz 1 des Politbarometers hielt und die mit Abstand beliebteste Politikerin Deutschlands war.

        Auf dem letzten Platz noch deutlich weiter abgeschlagen und das schon seit langem die beliebteste und profilierteste Politikerin der AfD, Alice Weidel. Wie passt mit den wachsenden Umfragewerten der AfD zusammen?

        Betrachtet man sich die Zufriedenheit mit der Regierung seit Amtsantritt mit den Oppositionsparteien so sieht man eine sinkende Zufriedenheit mit der Regierung (aktuell -1,4, das ist durchaus üblich, gerade wenn Regierungen unliebsame Reformen angehen; etwas das Merkel fast ihre gesamte Regierungszeit vermied und entsprechend gut abschnitt), doch dann wird es bemerkenswert. Die Oppositionspartei, die am besten abschneidet, sind die Grünen (-0,6), gefolgt von den Linken (-0,8). Die größte Oppositionspartei liegt mit -2,7 ganz unten, Tendenz sinkend. Auch hier wieder: Wie passt mit den wachsenden Umfragewerten der AfD zusammen?

        Fragt man nach den drängendsten Problemen, dann ist das Thema, das die AfD groß machte – Asyl und Migration – von knapp 90% 2015/16 mittlerweile auf „unter ferner laufende“ 16% gefallen. Auch hier wieder: Wie passt mit den wachsenden Umfragewerten der AfD zusammen?

        Der Wähler – ein scheues und undurchschaubares Reh, das vielleicht nur weiß, was es nicht will: Merz.

        Dann doch Pistorius, seit Jahren der beliebteste Politiker? Oder Özdemir, kurz dahinter?

    • S v B Antworten

      @Harald

      Minister, die einen „fulminanten(!) Job“ hingelegt hätten, dürften so rar wie Hühnerzähne sein. Eher scheint es, als habe man in den vergangenen Jahren die Anforderungsschrauben Millimeter um Millimeter gelockert. – Als prominentestes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit wäre Robert Habeck zu nennen, Ko–Autor von Büchern für Kinder im Vorschulalter, der tatsächlich meinte, Deutschlands Wirtschaftsminister (Wirtschaftsminister!) werden zu müssen. Damit nahm das wirtschaftliche Desaster unserer Tage wohl einen Anfang…

  4. Chrigel Brugger Antworten

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie Teile der Jungen Union die „Macht“ ergreifen können. Zu stark ist das Netzwerk Merkel. Wenn es den Jungen Ernst wäre, würden sie geschlossen austreten und eine Neue „Partei“/Verbindung gründen, wäre das glaubwürdiger, als innerhalb der CDU zu opponieren, wohl wissend, dass sie innerhalb der Partei nicht in die Machtposition kommen werden, aber ihre Bundestags- oder sonstige Mandate behalten. Glaubwürdig ist das alles nicht.

    Eine weitere Frage, die mich umtreibt ist, wie viel Zeit bleibt uns noch, um das Ruder herum zu reißen, damit Schiff Deutschland wieder in ruhigere Fahrwasser kommt, um die nötigen Reparaturen zu bewerkstelligen?

    • Klaus Kelle Antworten

      @Chrigel Brugger,

      das ist wirklich die entscheidende Frage. Wenn Merz erstmal weg ist, wird es ja nicht besser. Wüst oder Günther wären genauso unterirdisch.

      kk

      • Gerd Franken Antworten

        Wobei die Frage erlaubt ist, ob Merz einfach so verschwindet. So wie ich ihn wahrnehme lebt der Mann ausserhalb jeglicher Realität. Der denkt wirklich er ist auf einer Mission. Was genau er missionieren will, weiß momentan niemand, nicht einmal er selbst. Deswegen ist das so gefährlich für unser Land.

        • Klaus Kelle Antworten

          Es geht ja nicht nur darum, was Herr Merz will. Wenn die Union unter 20% rutscht, was durchaus vorstellbar ist, dann bangen viele um ihre schönen Mandate und Pöstchen. Das setzt auch in der CDU irgendwann Energie frei

  5. Querdenker Antworten

    Ich würde nicht nur auf die Probleme der CDU blicken. Das gesamte politisch-mediale System der traditionellen Parteien ist morsch und im Inneren marode. Überspitzt fängt das beim Nachwuchs bereits mit der Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal Laufbahn an. Zwischendrin wird brav von einem Großkopferten die Aktentasche getragen und nach dem Plenarsaal erhalten sie unter der Hand ein lukratives Pöstchen mit Vollversorgung. Wer in seiner politischen Laufbahn nicht spurt, widerborstig ist oder Gott bewahre sogar selber denkt, erlebt schnell seinen EDEKA (Ende der Karriere) Moment. Die CDU als Kanzler-Wahlverein ist eine Hauptkomponente dieses Systems und der gegenwärtige Deutschland-Zug fährt in die falsche Richtung. Daran wird sich nichts ändern, wenn man den Lokführer Merz durch Wüst oder Günther ersetzt. Beim gegenwärtigen EDEKA Prinzip kann ich mir auch nicht vorstellen, dass der CDU Nachwuchs den Deutschland-Zug auf ein anderes Gleis stellen und in eine andere Richtung steuern kann. Sie müssen dazu nicht nur das CDU interne EDEKA System überwinden, sie müssten auch aus der Oligarchie der traditionellen Parteien ausbrechen.

    • S v B Antworten

      @Querdenker

      Wow, ist das mit dem EDEKA-Moment Ihr Einfall gewesen, oder haben Sie ihn woanders aufgeschnappt? Aber, wie dem auch sei, ist es ein Ausdruck, der zumindest in kritischen Foren nicht zum letzten Mal aufgetaucht sein dürfte. Kompliment!

      • S v B Antworten

        Nachtrag: EDEKA hatte ich bisher hauptsächlich mit der Beschaffung von Lebensmitteln, seltener mit einer Eselsbrücke zum Erlernen der fettlöslichen Vitamine in Verbindung gebracht…

      • Querdenker Antworten

        Als im Bundestag über das Rentenpaket der Bundesregierung abgestimmt wurde und angesichts der Rentenrebellen in den Reihen der Unionsfraktion die Zustimmung wackelte, habe ich EDEKA als Synonym für das Ende der Karriere erstmals gehört. Sinngemäß wurde gesagt, in der Operation „Beichtstuhl“ wird im Beichtstuhl-Gespräch auch über EDEKA gesprochen. Ich kann nur nicht mehr absolut sicher sagen, wer es war. Es könnte sein, dass es Wolfgang Bosbach war.

  6. gerd_rau Antworten

    Ich denke ebenfalls das die zweite Reihe keine Chance bekommt, weil die die jetzt an der Macht sind, mit allen Mitteln an der Macht kleben, es lebt sich ja so schön auf Kosten der Bevölkerung. Spätestens seit Schröder hat sich doch kein Kanzler mehr um das Wohlergehen des Landes gekümmert, das einzige was die interessiert hat ist das eigene Wohlergehen und das Wohlergehen der Staatsbediensteten.

  7. s v B Antworten

    Bleibt dem Bürger also nur, auf bessere Zeiten zu hoffen; auf eine sinnvolle, zeitgemäße Erneuerung „unserer „Demokratie sowie einer Art Transformation der politischen Klasse nebst ihrer Aufgaben und Leistungen. Wie das zu geschehen hätte, bzw. zu erreichen wäre, weiß heute wohl noch niemand. Allerdings könnten im Verborgenen sehr wohl Ideen schlummern. Keine sonderlich beruhigende, und erst keine sorgenfreie Nachricht an das Wahlvolk nebst seiner Gesellschaft.. Und auch hier passt wieder einmal der Titel eines berühmten Xavier Naidoo-Songs, der da, nur „mäßig aufmunternd“, lautet „Dieser Weg wird kein leichter sein…“

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