Die politische Mitte ist mausetot – die asymetrische Demobilisierung hat sie gekillt

Es bahnte sich bereits an, bevor Frau Merkel mit ihrem CDU-Vernichtungsprogramm begann, es folgte der Verzicht der SPD auf die Interessen ihrer Stammwähler und schließlich verstarb abrupten auch die FDP: Die politische Mitte in Deutschland ist tot, mausetot.

Die neuen Wahlsieger unserer Zeit heißen Siegmund und Eralp

Frau Schwesig konnte sich in Mecklenburg-Vorpommern noch einmal knapp über die Ziellinie retten – obwohl sie hinter der AfD landete – nicht weil sie in der SPD ist. Man hat die Frau wieder mit einem respektablen Ergebnis ausgestattet, obwohl sie in der SPD ist.

Machen wir uns nichts vor: Die traditionellen Volksparteien von einst sind gar keine mehr. Besonders deutlich wird das in den ostdeutschen Bundesländern, wo die klassischen Mitte-Parteien, selbst wenn man die Grünen hinzuzählt – was sich für mich verbietet –, in vielen Wahlkreisen zusammen deutlich weniger als 50 Prozent Zustimmung vom Wähler erhalten.

Dabei haben CDU/CSU, SPD und FDP nach 1949 im Großen und Ganzen gute Arbeit geleistet. Aber mit der Vergangenheit und wehmütigen Erinnerungen an Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß, Helmut Kohl, Willy Brandt, Erich Mende und Hans-Dietrich Genscher sind heute keine Wahlen mehr zu gewinnen. Heute stehen da Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Wolfgang Kubicki, und die sehen verdammt alt aus in dieser Krise.

AfD, Linke und auch das unsägliche BSW absorbieren unzufriedene Wählerströme, weil es einen massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung gibt.

Hauptgründe: die katastrophale Migrationspolitik, die wirtschaftliche Stagnation – sogar bei den Musterknaben der deutschen Automobilindustrie – und inzwischen auch der unübersehbare Verfall der Infrastruktur. Das kann man sich als lebenslanger Mitte-Wähler wie ich auch nicht mehr schön saufen.

Dabei ist diese Mitte ja nie ein monolithischer Block gewesen. Was hat man sich damals über die großen politischen Themen gefetzt?

Aber mit dem Einzug hipper Politberater und Agenturen, die erfolgreich empfahlen, bloß nicht mehr zu streiten, weil das auch „die Gegenseite mobilisieren“ könnte („asymetrische Demobilisierung“), hat man eine Entwicklung eingeleitet, von der viele Bürger heute nur noch abgestoßen sind. Von diesem Theater, das uns auf großer Bühne vorgespielt wird.

Es sind die fehlenden Köpfe, zu denen wir aufschauen könnten, und es sind die weichgespülten Inhalte in den Wahlprogrammen und Koalitionsvereinbarungen, wo auf 150 eng beschriebenen Seiten nichts drinsteht außer Luftblasen.

Wir werden uns in der Analyse vermutlich weitgehend einig sein, aber die entscheidende Frage für mich lautet: Ist die Mitte noch zu retten?

Brauchen wir die Mitte überhaupt noch, oder ist es Zeit für etwas Neues?

Gestern Nachmittag habe ich mit einem sehr guten Freund in dessen Garten gesessen, um noch ein paar Spätsommer-Sonnenstrahlen zu erhaschen, ein Brot mit selbstgemachtem Obazda und ein Pils zu verkosten. Erwartungsgemäß unterhielten wir uns viel über Politik und wir starteten beiläufig eine Art Quiz: Mit wem und wie wäre der freie Fall der CDU jetzt noch aufzuhalten? Und wissen Sie was? Uns beiden ist nichts eingefallen – wirklich gar nichts.

7 Kommentare

  1. Werter Herr Kelle,

    ich würde das Brot, mit selbstgemachter Obazda und einem Pils genießen, ohne ein Politikgespräch zu führen. Kann helfen….

    1. In Wirklichkeit war es noch schlimmer…

      Mein Freund war kürzlich in Mittelamerika in Ulraub und hat mir Zigarren aus Nicaragua mitgebracht. Ich glaube, da war was drin, Nowitschok oder so. Oder eine Sonde…hoffentlich kollidiert die in meinem Gehirn nicht versehentlich mit dem Implantat von Bill Gates…

  2. Die politische Mitte ist nicht tot.

    Sie ist inzwischen nur woanders. Sie hat sich zu ansehnlichen Teilen bereits eine neue Heimat gesucht und weitere haben sich auf den Weg gemacht.

    Die angeführten Hauptgründe haben für viele nicht nur gefühlt, sondern real existenziell bedrohliche Ausmaße angenommen. Und immer mehr merken schlicht, dass den hehren Worten von Union und SPD keine Taten folgen, die ihre Lebenssituationen verbessern. Die Grünen werden ohnehin von den meisten als belehrend wahrgenommen (was diese Partei inzwischen auch selbst in Teilen erkennt). Die Linke, die sich immer mehr dem politischen Islam öffnet, transformiert sich zusehends in eine antisemitische Partei und hat außerhalb Berlin keine Zukunft.

    Die Mitte braucht nicht gerettet zu werden. Die Mitte braucht nur die UMSETZUNG von ANGEKÜNDIGTEM.

    Mehr nicht.

    Nach vielen Jahrzehnten ihres Wirkens haben sich insbesondere Union und SPD in politische Institutionen verwandelt, deren Partei-Spitzen im praktischen Doing im Bundestag und in den Landtagen schlicht die Erdung, die Bodenhaftung verloren haben. Etwa so wie „Major Tom“ verzweifelt nach der „Groundcontrol“ funkt.

    Wählen bedeutet die Übertragung von Macht auf Zeit. Die Mitte überträgt ihre Macht zunehmend an Parteien von denen sie denkt, dass diese in ihrem Sinn handeln. Wenn diese neuen Parteien nicht liefern, sucht sie sich eine andere, vielleicht alte Heimat, die sich glaubhaft erneuert hat.

  3. Die politische Mitte ist zerstreut in Form von # Bündnis Deutschland
    # Wir Bürger # Team Freiheit # Werte Union teilweise #Freie Wähler…..da will ich von Handwerkerpartei und weiteren sonstige nicht reden.
    Ich glaube das ist gewollt.
    So richtig schlechte Laune ist auch nicht bei Michel und Michaela weil eben dies und das und jenes gegen Luft ablassen spricht und ( wie in DDR) alle sich eine Nische suchen.
    Im Zweifelsfall noch am Wahltag aber da ist es zu spät. Oder eben in den Kommentarspalten im Internet.
    So muss zurück in meine Nische.
    Denke aber 30 Jahre Zeitinvestitionen ( und Geld)in Splitter Parteien reichen. Mach jetzt auf Rente

  4. @ Klaus Kelle

    Bei den Gründen für die politische Misere in Deutschland, die Sie Verlust der politischen Mitte nennen, haben Sie die unsäglichen Corona-Jahre vergessen.
    Maßnahmen wie Lockdowns und fragwürdige Anordnungen haben die Wirtschaft heruntergefahren und bei einem großen Teil der Bevölkerung das Vertrauen in die Politik zerstört.
    Daß diese Zeit in den Medien nicht zum Thema gemacht wird, daß sie in der Politik nicht lückenlos aufgearbeitet wird, spricht Bände um die Beschaffenheit unserer Gesellschaft.
    Ich schätze, daß ein Viertel bis ein Drittel unserer Bevölkerung seit Corona den Politikern großes Mißtrauen entgegen bringt.

    1. @Dr. Hildegard Königs-Albrecht

      So wie ich Frau Merkel neuerdings verstehe, war es Bill Gates der die Fäden beim Coronawahn gezogen hat. OT bei Handelsblatt-Podcast Meckel & Matthes am 9.9.2026: „Und er hat dann auch sozusagen die Kraft gehabt, qua Geld moralischen Druck auszuüben. Und dann hat er jedem afrikanischen Regierungschef gesagt: Die Merkel, die war dieses Jahr geizig und damit hatte er eine große Macht erlangt.“
      Merkel ist ja drauf reingefallen, was die Spekulationen über ein Bill Gates Implantat in ihrem Gehirn neue Nahrung gibt.

  5. In den letzten 20, 30 Jahren, insbesondere seit 2015, hat sich in diesem Land dermaßen viel verändert, daß so Mancher seine „Heimat“ nicht mehr wiedererkennt.

    Und in dieser Zeit haben AUSSCHLIEßLICH die Parteien der „Mitte“ regiert.

    Wie unser Land inzwischen aussieht, bleibt auch dem Blindesten nicht verborgen:

    Straßen marode, Brücken stürzen ein, die berühmten Schulklos stinken zum Himmel, der Staat hat Steuereinnahmen wie noch nie zuvor und kommt trotzdem mit dem Geld nicht aus, weil er es für Alles und Jedes in die ganze Welt verplempert.

    Gleichzeitig werden Steuern und Abgaben, Nebenkosten, Krankenkassen- und Pflegebeiträge immer weiter erhöht bei gleichzeitiger Kürzung def Leistungen.

    Millionen Menschen, die nie auch nur einen Vent in unsere Sozialkassen eingezahlt haben, leben wie die Made im Speck, teils mit 16 und mehr Identitäten.

    Straftäter schießen wie Pilze aus dem Boden und werden zu Hunderttausenden nicht abgeschoben und laufen frei herum.

    Die Regierung streitet sich 36 Stunden am Tag und bringt nichts voran.

    Nirgends sind die „Bio-Deutschen“ mehr sicher – auch zuhause nicht.

    Der Staat zockt sein Volk ab und kümmert sich ein Sch… um die Sicherheit der Menschen.

    Und DA wundern sich die Parteien der „Mitte“, daß die Bürger schlicht die Nase voll haben und die wählen, die bisher noch nicht bewiesen haben, daß sie es NICHT KÖNNEN ?!?!

    Das Chaos in Deutschland, in Europa, ist hausgemacht und selbst verschuldet.

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