„Aufspüren, festnehmen und vernichten“ – die erstaunliche Karriere des Bundespolizisten Sven Hüber

Der zweifelhafte Polizei-Karrierist Sven Hüber ist endlich zurückgetreten, nachdem freie Medien wie Apollo News und die Junge Freiheit (JF) aufgedeckt hatten, was für ein schlimmer Finger dieser Mann in der DDR gewesen sein muss. Dabei stellt sich die Frage, weshalb die meisten Mainstreammedien, die ihre Journalisten gern mit dem Attribut „investigativ“ schmücken, nicht in die Spur gegangen sind und das Leben von Grenztruppen-Hüber selbst durchleuchtet haben.

Wie Tausende Glücksritter aus Ostdeutschland hatte er sich nach der Wende offenbar dem westdeutschen Klassenfeind angedient und eine rasante Karriere hingelegt: 1964 geboren, Politoffizier bei den DDR-Grenztruppen, dann Erster Polizeihauptkommissar im vereinten Deutschland, zweiter Mann an der Spitze der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und als Hauptpersonalratsvorsitzender oberster Vertreter der Interessen von mehr als 30.000 Bundespolizisten – da fällt mir auf Anhieb nur Angela Merkel ein, deren Karriere aus der DDR in der Neuzeit noch rasanter verlief.

Um mehr über den Charakter Hübers zu erfahren, empfehle ich ein ausführliches Stück aus der „Süddeutschen Zeitung“ vom 19. Mai 2010, das überaus erhellend ist.

Historiker wie Hubertus Knabe äußern seit Langem ihr Unverständnis darüber, dass das wiedervereinigte Deutschland mit den Tätern des SED-Regimes von Anfang an so nachsichtig umgegangen ist.

Das hat natürlich Gründe wie etwa das im Grundgesetz verankerte Rückwirkungsverbot, nach dem niemand nachträglich für eine Tat bestraft werden darf, die zum Zeitpunkt der Begehung nach dem damals gültigen (DDR-)Recht legal war.

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So ist zu erklären, dass die bundesdeutsche Justiz in der Wendezeit zwar in über 100.000 Fällen ermittelte, es aber letztlich nur zu 1.021 Verfahren und 753 rechtskräftigen Urteilen kam.

Warum wurde nicht einmal die SED nach der Wende verboten?

Auch das ist eine Frage, mit der sich Hubertus Knabe in seiner Rede bei der „Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“ 2020 in Berlin ausführlich auseinandersetzte – und sie für sich bejahte.

Doch die SED wurde nach der Wende nicht verboten, weil sie clever vorging, öffentlich Krokodilstränen vergoß und der gesamtdeutschen Bevölkerung unter dem smarten Parteichef Gregor Gysi das Rührstück von der geläuterten und reformierten Partei vorsang.

Ein neues demokratisches Programm mit einem Bekenntnis zu Demokratie und Mehrparteiensystem wurde beschlossen. Zudem sind die Hürden des Grundgesetzes für ein Parteiverbot mit der Definition einer „aktiv kämpferischen und aggressiven Haltung“ extrem hoch.

Damit sollten sich auch die Politik-Schreihälse in Berlin beschäftigen, die heute nicht müde werden, ein Parteiverbot der AfD zu fordern. Wenn nicht einmal Todesstreifen, Mauermorde und Stasi ausreichten, die SED zu eliminieren, kann sich jeder juristische Laie vorstellen, wie der Versuch eines AfD-Verbotes enden wird.

Nein, der herrschende politische Wille wollte 1990 die Versöhnung mit der Vergangenheit

Die SED/PDS war damals sogar Teil des Zentralen Runden Tisches und saß in der frei gewählten Volkskammer der DDR. Sie war aktiv an den Verhandlungen zur Deutschen Einheit beteiligt. Es wäre politisch und diplomatisch kaum vermittelbar gewesen, eine Partei zu verbieten, die als demokratisch gewählte Kraft an der Neuordnung des Staates mitschrieb – und nebenbei Spuren verwischte, Akten vernichtete und Milliarden D-Mark beiseite schaffte, wie ich hinzufügen möchte.

In den sogenannten Mauerschützenprozessen wurden zwischen 1991 und 2004 nur 132 Personen zu Freiheitsstrafen verurteilt, wobei der Großteil dieser Urteile zur Bewährung ausgesetzt wurde. Tatsächlich fuhren nur eine Handvoll Mauermörder in ein Gefängnis ein.

Und die politische Spitze?

Der letzte SED-Generalsekretär Egon Krenz wurde für seine Verantwortung für das DDR-Grenzregime und wegen des Totschlags an sogenannten Republikflüchtlingen zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre saß er im Gefängnis Berlin-Plötzensee ab, 2003 wurde er entlassen.

Heute hält er DDR-Verteidigungsreden bei ostdeutschen Nostalgieveranstaltungen. Günter Schabowski und Günther Kleiber erhielten drei Jahre Haft, traten diese zwar an und wurden nach knapp einem Jahr vom Regierenden Bürgermeister begnadigt. Und so weiter…

Wie konnte dieser Herr Hüber Karriere im vereinten Deutschland machen?

Nach 1990 wurden Hunderttausende Angestellte des ostdeutschen öffentlichen Dienstes überprüft. Aber die Prüfung bezog sich fast immer auf eine eventuelle Stasi-Spitzeltätigkeit. Wer „nur“ regulärer Offizier, Politoffizier oder Funktionär in den DDR-Grenztruppen war, galt formell oft als unbescholten bezüglich einer Geheimdiensttätigkeit und rutschte durch dieses Raster.

Hätten Behörden und Medien genauer hingesehen, hätte man möglicherweise entdeckt, dass Hüber im Frühjahr 1988 einen festgenommenen DDR-Flüchtling körperlich durch Tritte gegen den Kopf misshandelt haben soll. Ein Kamerad sagte später aus, Hüber habe dem Festgenommenen zuvor die Dienstpistole in den Mund gesteckt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, er habe vor Soldaten betont, Grenzverletzer seien „aufzuspüren, festzunehmen und zu vernichten“.

Und so ein Mann konnte in Deutschland eine glänzende Karriere hinlegen… Er bestreitet übrigens alles….

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Dieser Artikel wurde 8 mal kommentiert

  1. Delventhal Anne Antworten

    Guten Morgen, lieber Klaus,
    für mich ist es ein Wunder, dass dieser Mann abtreten musste, bevor es neue Opfer gibt!
    Das Dilemma ist, dass die Spaltung, die Angst und Panikmache in jede Richtung funktioniert und unentwegt betrieben wird!
    Wir brauchen dringend Botschafter für Frieden!

  2. Johannes Antworten

    „Besser spät, als nie“; dieser Spruch hat wieder einmal seine Gültigkeit gezeigt.

    So auch bei diesem Herrn, was ich mit einer gewissen Genugtuung verbinde.

    Das er nun alles bestreitet, überrascht wohl niemanden wirklich. Er würde die Sache aber nun am besten auf sich beruhen lassen, zumal er bald a.D. sein wird. Das kann er aber wohl nicht und wer weiß, was da noch alles anˋs Licht kommt. Und wie sich das auf sein Dienstverhältnis noch auswirkt. Der Versuch des sich nachträglichen Reinwaschens kann auch nach hinten losgehen.

  3. Franz R. Antworten

    Was soll man zu der Causa sagen? Festzuhalten ist zunächst, dass der Grenzschutz dem Innenminister untersteht. Innenminister waren seit 1989 die Herren Schäuble, Seiters, Kanther, wieder Schäuble, Schily, de Maizière, Friedrich, wieder de Maizière, Seehofer, die Dame Faeser und nun Dobrindt. Mit Ausnahme Schilys und Faesers allesamt von der Christenunion, die ja auch schon nach 1945 wenig Probleme hatte, verdiente Volksgenossen zum Wiederaufbau zu nutzen. Die „Union“ dreht ihr Fähnchen, wie’s am besten Wind fängt.
    Es verwundert mich, dass manche Scheinkonservative jetzt anfangen, zu lamentieren.
    Dass meine ehemalige Gewerkschaft diesen Täter als stellvertretenden Vorsitzenden inthronisiert hat, verwundert mich angesichts der überwiegend linken bis extrem links-woken Haltung der Gewerkschaftsspitze deutlich weniger. Da ist Fachwissen über effektive Ausschaltung politischer Gegner hoch gefragt.

    • Harald Antworten

      Mir wäre neu, dass die GdP zu dem dem Innenministerium unterstehenden Grenzschutz gehört.

  4. Harald Antworten

    Man könnte den Eindruck gewinnen, dass 1990 etwas ähnliches passierte wie 1945, als viele ehemalige NS-Funktionäre wichtige Positionen in Politik, Justiz und Verwaltung in der BRD übernahmen. Angeblich, weil man sie brauchte.

    Vielleicht noch wichtiger die psychologische Komponente. Deutschland tut sich nach wie vor schwer mit der Aufarbeitung seiner Unrechtsstaathistorien. Linke Politikerinnen wie Sahra Wagenknecht lehnen den Begriff „Unrechtsstaat“ für die DDR ab und versuchen immer wieder, die DDR rein zu waschen während in der AfD führende Politiker von „dämlicher Bewältigungspolitik“ sprechen und „eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ in Bezug auf Nationalsozialismus fordern.

    Auch hier wieder die bemerkenswerte Allianz von Links und Rechts, gerade im Osten. Ulrich Siegmund zielt mit seinen Ausfahrten der DDR-Rollerkultmarke “Simson“ erfolgreich auf ostdeutsche Identität und Nostalgiegefühl. Viele Stimmen dort blicken wehmütig zurück und sagen offen, damals in der DDR sei es besser gewesen als heute in der BRD. Und Björn Höcke ist überzeugt, dass nur im Osten die wahren Deutschen leben während es im Westen nur deutschsprechende Amerikaner seien.

    Ich kann mir das nur psychologisch erklären. Niemand bricht leicht mit der eigenen persönlichen Vitae oder der staatlichen Historie, die viele Jahre des eigenen Lebens prägten.

  5. Gerd Franken Antworten

    An Brandenburgs Schulen sind neuerdings Kugelschreiber, T-Shirts, Buttons und Aufkleber der AfD verboten. Die gelten jetzt als „Propaganda einer verfassungsfeindlichen Organisation“.

    Das erinnert doch stark an DDR Sprech…..antifaschistischer Schutzwall ect…..

  6. Harald Antworten

    Gerade lese ich, dass der ehemalige Stasi-Offizier Frank-Ronald Bischoff für die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kandidiert.

    Und dann suche ich weiter und finde einen bemerkenswerten Artikel in der Welt schon vom Juli diesen Jahres, der eine ganze Reihe an ehemaligen offiziellen Stasi-Mitarbeitern und Offizieren auflistet, die für die AfD bereits in Landtagen und sogar im Bundestag sitzen.

    Warum hört man darüber so wenig?

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