Nobelhotel „Bayerischer Hof“ schmeißt libertäre Denkfabrik raus
Das Ludwig von Mises Institut Deutschland ist eine, vielleicht DIE wichtigste libertäre Denkfabrik unserer Zeit. Auf Basis der ökonomischen Theorien von Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und Murray Rothbard wirbt es für eine Gesellschaftsordnung, die konsequent auf privatem Eigentum, individueller Freiheit und uneingeschränkten freien Märkten basiert.
In einer Vollkasko-Gesellschaft, wie sie offenkundig große Teile der deutschen Bevölkerung bevorzugen, kann das eine Provokation sein für alle Etatisten und Sozialisten, die es in unserer Gesellschaft immer noch viel zu häufig gibt.
Ich persönlich finde, wie haben viel zu wenig Mises und Hayek im modernen Deutschland
Mein Lieblingszitat von Hayek: „Die merkwürdige Aufgabe der Ökonomie besteht darin, den Menschen zu demonstrieren, wie wenig sie über das wissen, was sie sich einzubilden glauben, planen zu können.“
Lesen Sie das ruhig zwei oder drei Mal, da steckt sehr viel Wahrheit drin!
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Und Rothbard trieb sein Gedankenspiel sogar auf die Spitze. Während Mises einen Minimalstaat („Nachtwächterstaat“) für notwendig aber auch ausreichend hielt, lehnte Rothbard den Staat vollständig ab. Alle staatlichen Dienstleistungen – einschließlich Justiz, Polizei und Landesverteidigung – könnten effizienter und moralischer durch den freien Markt und private Unternehmen bereitgestellt werden, so seine Argumentation.
Ich bin früh mit solchen Gedanken konfrontiert worden, als ich während meiner JU-Zeit vor 45 Jahren mal als deutscher Gastredner zu einer Tagung der Jugendorganisation der dänischen Fortschrittspartei („Fremskridtspartiet“) eingeladen war.
Die erlebte ihre politische Hochzeit in den 1970er und 1980er Jahren. Doch – Sie alle kennen das aus Deutschland – nach massiven internen Machtkämpfen kam es zur Spaltung, einige schlossen sich der migrationskritischen Dansk Folkepartei an, der Rest verschwand in der Bedeutungslosigkeit.
Aber damals war noch richtig was los
Mehr als 100 junge Libertäre stritten munter mit mir erst im Saal über konservativ und libertär, später in einer Kneipe in Aahus. Bei Elefant-Bier erzählten mit die dänischen Freunde davon, wie man einen Staat ganz anders organisieren könne, als wir es gewohnt sind.
Wenn es brennt, ruft man die Feuerwehr, die wie bisher zum Löschen anrückt. Anschließend bekommt man eine Rechnung für den Einsatz. Im Gegenzug bezahlt man aber keine Steuern mehr und kann mit seinem Geld wirtschaften, wie man will.
Oder: Wenn das dänische Königspaar jedes Jahr mit viel Geld ausgestattet wird, wieso haben sie Freikarten für die Loge, wenn sie in die Staatsoper in Kopenhagen gehen wollen?
Da könnten sie sich die Eintrittskarten auch selbst kaufen
Für deutsche Ohren wie meine damals noch exotisch klingend, bin ich heute der Meinung, dass auch unser Staat radikal durchgeforstet werden könnte. Aber natürlich mit den Mitteln der Überzeugungskraft und absolut unter Einhaltung demokratischer Prozesse.
Aber auch das ist manchen schon zu viel
Das Münchner Nobelhotel „Bayerischer Hof“ hat jetzt die Zusammenarbeit mit dem Verein „Ludwig von Mises Institut Deutschland“ aufgekündigt, wie die linksgedrehte Münchner „Abendzeitung“ meldet.
Man stehe „seit jeher für Weltoffenheit, Toleranz, Vielfalt sowie die Grundwerte einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft“, schrieb der „Bayerische Hof“ auf Anfrage an die „Abendzeitung“, und mein erster Gedanke: so, wie das Mises-Institut ja auch.
Also muss es irgendwas mit „rääächts“ geben
Und tatsächlich: Ein langjähriges Beiratsmitglied „soll gefordert haben“, Demokraten und Anhänger anderer Lebensweisen in einer libertären Ordnung „physisch getrennt und aus der Gesellschaft entfernt“ zu wissen.
Das ist etwa so, wie im Philosophieunterricht meines Gymnasiums in Bad Salzuflen, wo unser Lehrer erklärte, Kommunismus sei, wenn jeder für die Gemeinschaft einbringe, was er leisten könne, und sich nur das herausnimmt, was er zum Leben brauche.
Lesen Sie das, und Sie wissen sofort, dass so ein Schwachsinn niemals funktionieren kann, weil es an der Natur des Menschen zerschellst.
Ich meldete mich damals und fragte: Was denn aber im Kommunismus mit den Leuten geschehen, die nicht nur das wollen, was sie brauchen, sondern statt Trabbi vielleicht einen 5er BMW? Die Antwort des Pädagogen: solche Elemente müssten aussortiert werden… Und wer etwas von Geschichte versteht, der weiß, was das praktisch bedeutet – Hashtag #stalin #polpol und so weiter
Aber wenn irgendein „Beiratsmitglied“ sowas sagt, dann ist die Existenz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung höchst gefährdet, oder?
2025 hatte der Verein auch noch dem höchst erfolgreichen Präsidenten Argentiniens, Javier Milei, einen Preis verliehen. Ganz schlimm, oder?
Und – endlich mal was mit AfD – das Mises Institut „soll zeitweise am selben Standort registriert gewesen sein wie das Unternehmen des 2021 verstorbenen Münchner Milliardärs August von Finck junior“. Und dessen Goldhandelsfirma solle nicht nur den Verein, sondern in der Gründungsphase „der AfD finanziell geholfen haben“.
Der Mises-Verein wird übrigens nicht vom Verfassungsschutz überwiesen. Aber muss ja nicht, wenn eine Zeitung schreibt, dass sie böse sind, dann sind sie es eben – zumindest für Nobelhotels.



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Mann hofft und wünscht, dass der Verein bald eine neue Heimat finden wird. Selbst wenn es keine ganz so noble Adresse wie die des Bayerischen Hofes sein sollte. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Haltung des Nobelhotels – wie in der Vergangenheit schon manches Mal zu beobachten war – plötzlich gefährliches Ansteckungspotenzial entwickelt; und zwar bundesweit. Dann könnte es zumindest hierzulande tatsächlich eng werden für die Libertären. Man sollte der Denkfabrik viel Glück bei der Suche nach einer neuen Bleibe wünschen. Ihre gedanklichen Ansätze mögen für manchen zunächst einmal gewöhnungs- bedürftig sein, dennoch bieten sie unbedingten Anlass zumindest für interessante Gedankenspiele und zu weiterer bzw. tieferer Reflexion. Wer meint, bzw. entschlossen ist, derlei unbedingt und möglichst für immer aus der Welt zu schaffen, hat m. E. nicht einmal Demokratie richtig verstanden.
Bevor hier nun einige ins Schwärmen geraten, sage ich nur: Obacht! Gerade Rothbards Auslassungen zur Abtreibung, Prostitution, Drogenkonsum oder Kinderarbeit dürfte bei vielen Konservativen Schnappatmung auslösen, ebenso wie neuere Ansichten des Ludwig von Mises Instituts zur Reproduktionsmedizin, Leihmutterschaft und sogar Klonierung. Für alle übrigens. Was technisch machbar ist, steht jedem freien Individuum zur Verfügung, so es sich das leisten kann. Eine andere Ethik und Moral gibt es nicht.
Rothbard selbst verstand sich als Anarchokapitalist. Wobei man das „Kapitalist“ getrost weglassen kann. Entstaatlichung sogar von Polizei und Justiz bedeuten nichts anderes als Anarchie mit Recht des Stärkeren, Reicheren. Anschaulich in den Krisenregionen der Welt, in denen der Staat die Kontrolle verloren hat und Drogenkartelle, Clans, die Mafia oder religiöse Terrorgruppen einen eigenen „Schutzstaat“ im Staate mit Paralleljustiz installieren.
Am gegenüberliegenden Ende der Geraden finden sich die Länder Nordeuropas mit ganz viel Staat. Seit Jahrzehnten belegen die Skandinavier bei Lebensstandard und -qualität, Wohlstand, Umwelt, Pressefreiheit, Sicherheit, Gesundheit, Bildung, gesellschaftlichem Zusammenhalt, Zufriedenheit und persönlichem Glücksempfinden weltweit die Spitzenplätze.
Zurück zum Bayerischen Hof. Dessen Entscheidung zeugt nicht gerade von Resilienz und Rückgrat. Meine Meinung. Wenn ich mich aber neben mich stelle und das Ludwig von Mises Institut an seinen eigenen Maßstäben messe, dann komme ich zu dem Schluss: Alles ok! Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung: Das Institut als Denkfabrik mit seinen oft provokanten Positionen die Basis für die Programmatik vieler Rechter weltweit sind, aber auch die Abendzeitung mit ihrer Recherche, und sei das Blatt noch so „linksgedreht“. Das schließt gegenseitigen Widerspruch ein. Wer seine Meinung sagt, kann nicht erwarten, dass niemand dagegenhält.
Und in diesem Spannungsfeld hat der Bayerische Hof eine freie Entscheidung getroffen. Genau so, wie es die libertäre Denkfabrik propagiert.
@Harald
Kann ein Gebäude – und sei es noch so alt und ehrwürdig wie der Bayerische Hof – Entscheidungen treffen, zudem noch freie? Spaß beiseite, aber es waren wohl eher Menschen (wie man Leute heute nennt), denen wohl von höherer Warte Entsprechendes angetragen wurde. Vielleicht sogar unter Androhung von …? Ja von was eigentlich? 😉
HARALD. Wenn eine linkes Schmierblatt ein Institut das seit zehn Jahren unbescholten und seriös arbeitet, diffamiert und anschwärzt und das Hotel
daraufhin eine “ freie Entscheidung “ fällt, hat das nichts mit libertärem oder
nur liberalem Denken zu tun, sondern mit RUFMORD übeltster Art !
Mal halblang @ Sybille eden!
Rufmord wäre, hätte die AZ die Unwahrheit behauptet, unbelegte Gerüchte verbreitet oder pauschale Schmähkritik geübt. Ihr „linkes Schmierblatt“ entspricht übrigens letzterem. Wie die sozialen Medien voll sind von alle dem, Unwahrheiten, Gerüchten und Schmähkritiken übelster Art. Tagtäglich, zigtausendfach. Alles unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit.
Sollte die AZ die Unwahrheit behauptet haben, können wir davon ausgehen, dass das Ludwig von Mises Institut juristisch dagegen vorgehen wird. Ansonsten hoffe ich, dass Sie Meinungs- und Pressefreiheit allen zugestehen und nicht erwarten, dass Recherchen oder Artikel zurückgehalten werden, weil sie vielleicht unbequem für den einen oder anderen sind.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Entscheidung des Bayerischen Hofs nicht alleine den AZ-Recherchen geschuldet sondern diese nur der Tropfen war, der das Fass für zum Überlaufen brachte. Das Ludwig von Mises ja nun alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Seine libertären Denkanstöße in alle Richtungen sind sehr provokant, um nicht zu sagen radikal. Beispiele, die auch Konservativen Schnappatmung bereiten, habe ich oben genannt. Dass ein renommiertes Haus besonders auf seinen Ruf achten muss, versteht sich von selbst. Dass es sein Recht wahrnimmt selbst zu entscheiden, wem es seine Räumlichkeiten für Tagungen zur Verfügung stellt, darf man kritisieren (das tat ich ja auch oben), sollte aber niemand grundsätzlich in Frage stellen.
Off topic!
Ist’s denn wirklich zu glauben? Annalena Baerbock wird zum Herbst wohl eine Gast-Professur an der New Yorker Columbia Universität annehmen. Ja, richtig gelesen, eine Professur. Diese soll etwa fünf Jahre dauern und sich an Führungskräfte mit mindestens zehnjähriger(!) Berufserfahrung richten.Nach Fischer und Habeck bereits der dritte intellektuelle, sorry akademische Export der Neuzeit übern Großen Teich. Na klar doch, Deutschlands Beste, Deutschlands intellektueller Hochadel als Pfand für transatlantische Treue. Ich fand die Meldung… ähm… bemerkenswert.
Joschka Fischer würde ich für Vorlesungen über Außenpolitik auch engagieren. Der hat einen professionellen Job gemacht. Die beiden anderen…naja
Man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.
Aber inzwischen hat das Label „Eliteuniversität“ offensichtlich seine Bedeutung verloren.
Der Skandal um das schwarze „Wunderkind“ Jason Arday hat gezeigt, daß Universitäten heute nicht mehr Hort der Wissenschaft sondern Zeitgeistclubs geworden sind. Für das tragische Ende des Hochstaplers tragen solche Institute die eigentliche Verantwortung.
Ich denke, dass Annalena keinen Schimmer davon hat, was gerade abgeht. Besser kann eine „Eliteuniversität“ das Ende der sog. Eliten nicht mehr bewerben. Die sind vollkommen am Ende. Wir dürfen uns über die entstandene Realsatire köstlich amüsieren.
Off-topic – und doch voll on-topic.
Wer die Markus Lanz-Diskussion gestern Abend nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen. Thorsten Frei, Michael Bröcker und Frauke Brosius-Gersdorf waren zu Gast.
Natürlich ging es zunächst um die Regierung und Merz sowie die anstehenden Reformen. Da gab es zwar auch einige bemerkenswert klare und offene Aussagen von Frei aber auch Bröcker („Die Brandmauer schützt vor allem die AfD“), wirklich spannend wurde es aber erst im späteren Verlauf der Diskussion mit diversen knackigen Aussagen von Frau Brosius-Gersdorf.
Sie forderte nämlich, dass wir als Gesellschaft noch viel konträre Meinungen aushalten müssten, ohne diese und Andersdenkende „kaputt zu machen“. Eine andere Meinung solle man nicht als Zumutung sondern Bereicherung betrachten. „Vielleicht hat ja auch der Andere mal recht.“ Und bei der Auseinandersetzung sachlich wahrhaftig bleiben. Also ganz im Sinne der obigen libertären Denkfabrik.
Doch Brosius-Gersdorf legte noch nach, und das deutlich. Der Umgang mit der AfD aber auch den Linken sei verfassungsrechtlich fragwürdig, zumindest aber in höchstem Maße unfair und undemokratisch. Beiden Parteien das Vorschlagsrecht für Kandidaten des Bundesverfassungsgerichts zu versagen, sie aus parlamentarischen Arbeitsgruppen auszuschließen oder AfD-Kandidaten wiederholt nicht zu wählen, sei grundfalsch.
Ich könnte mir denken, dass einige, die vor einem Jahr die Kampagne gegen ihre Wahl zur Bundesverfassungsrichterin orchestriert haben, sich heute ein Monogramm in den Hintern beißen.
@Harald
So schnell wie Sie lasse ich mich von gegenteiliger Rede nicht überzeugen. Besagte Frau Professor ist schließlich eine Frau, noch dazu eine hochintelligente. Und so könnte es durchaus sein, dass Sie Ihre – der Dame des Hauses ihr wohlgeneigte – Interpretation einer überraschenden Aussage bewusst herausgefordert hat, um Reuegedanken bei den Zuschauern – bzw. Zuhörern – zu erwirken. Vorstellbar wär’s. Bisweilen lohnt es sich, um zwei oder gar noch mehr Ecken zu denken. Insbesondere im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. 😉
@ S v B
Da gebe ich Ihnen grundsätzlich Recht. Denkbar ist viel.
Fakt ist, Brosius-Gersdorf hat nichts mehr zu verlieren. Das BVerfG-Richteramt ist perdu und es dürfte keine Fraktion sie in absehbarer Zeit mehr dafür vorschlagen.
Fakt ist, die Plagiatsvorwürfe gegen Brosius-Gersdorf die der „Plagiatsjäger“ Stefan Weber unmittelbar vor ihrer Wahl im Bundestag kolportierte, waren haltlos.
Fakt ist, Brosius-Gersdorf hat nie gefordert, dass Schwangerschaftsabbruch bis unmittelbar vor der Geburt legalisiert werden soll, so wie ihr es vorgeworfen wurde.
Fakt ist, dass das einzige, was Brosius-Gersdorf fordert, die unsägliche strafrechtliche Krücke des $218 (Abtreibung unter Strafe verboten aber straffrei bis zu 12. SSW unter bestimmten Umständen) endlich sauber geregelt wird. Das wünschen sich mehr als 70% der Bevölkerung.
Es geht mir hier nicht darum, rückwirkend Frauke Brosius-Gersdorfs Eignung für das BVerfG zu bewerten. Das kann ich nicht, wie es 99% der Bevölkerung auch nicht können, weil sie gar nicht die juristische und verfassungsrechtliche Expertise haben, dies fachlich beurteilen zu können.
Was ich beurteilen kann ist, dass es unmittelbar vor ihrer letztendlichen Nichtwahl eine beispiellose Kampagne aus rechtskonservativen Kreisen gegen sie gab und sich die Unionsfraktion, die zuvor ihrer Wahl zustimmte, sich davon wie Schulkinder hinter die Fichte hat führen lassen. Schon damals hat Jens Spahn übrigens eine ganz ärmliche Leistung abgeliefert.
@Harald
Jedem seine Meinung. Ich habe es damals – und auch heute noch – eben anders gesehen als Sie. So what?
Lieber Klaus Kelle,
das mit Ihrem Philosohielehrer und dem Kommunismus würde ich nicht so einfach als „Schwachsinn“ bezeichnen. Man sollte nämlich nicht die historischen Zusammenhänge und die Verhältnisse der betreffenden Zeit ausser Acht lassen: In der Epoche Karl Marx` und zu Zeiten der extremen Ausbeutung und Not der in der aufkommenden Industriegesellschaft arbeitenden Bevölkerung (einschliesslich der im 16-Stunden-Arbeitstag mitarbeitenden Kinder) war der von ihm erdachte „Ur“- Kommunismus durchaus eine verdienstvolle Idee, und eine die nicht ohne Grund schließlich wie nichts auf der Welt „so mächtig (war) wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ (Victor Hugo). Der Staat Israel würde nicht existieren ohne das bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts dort etablierte“ urkommunistische“ Kibbuz-System: „Jeder tut, was er kann, und jeder bekommt was er braucht“. Es gab kein privates Eigentum, Alte und Kranke wurden versorgt. Es gab aber in den überschaubaren Kommunitäten auch weder Drückeberger, noch Langfinger. Das hat dort funktioniert, weil alle gemeinsam das eine wollten: überleben und den Erfolg. Und weil die „Szene“ überschaubar war, in der sich keiner verstecken konnte.
Ich glaube nicht, dass Karl Marx und die Pioniere Israels daran gedacht haben, dass dieser „Sozialismus“ pp. einmal entartetet und letztlich eine unwirkliche kostenlose „rundum-sorglos-und Wohlfühl-Traumwelt“ bedeuten sollte, in der sich jeder gesunde und arbeitsfähige Mensch, auch wenn er noch nie einen Beitrag geleistet hat aussuchen kann, ob er für seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie selber sorgt und oder sich hinlegt und sich die gebratenen Tauben von denen servieren lässt, die morgens aufstehen und im Gegensatz zu ihnen einer geregelten Arbeit nachgehen. Im damaligen Kibbuz völlig unvorstellbar. Ich glaube, dass auch Karl Marx zu dieser heutigen Form der staatlich geförderten Ausbeutung etwas gesagt hätte, wenn sich solcherlei damals bereits abgezeichnet hätte.
B. Minzenmay
Massarosa (It.)
Guten Morgen, lieber Herr Minzenmay!
Das wäre mal ein Thema für einen langen Abend mit einem Fläschchen Rotwein…
Aber, bitte entschuldigen Sie, Ihr Vergleich hinkt gleich an zwei entscheidenden Stellen.
Eintritt und der Verbleib in einem Kibbuz waren und sind absolut freiwillig für die Mitglieder. Sie entscheiden sich bewusst für dieses Lebensmodell und können auch ohne Konsequenzen jederzeit aussteigen. Im Sozialismus wird Eigentum verstaatlicht und die Mitglieder der Gesellschaft gezwungen, sich zu fügen.
Ein zweiter wichtiger Unterschied ist, dass der Kibbuz zwar intern nach dem sozialistischen Prinzip funktionierte, nach außen aber kollektive Akteure innerhalb einer Marktwirtschaft, meinetwegen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung agierte, die Agrar- und Industrieprodukte gewinnorientiert auf einem freien Markt verkauften. Zugegeben, das Prinzip haben die klassischen Sozialisten dann irgendwann auch übernommen, um ihren maroden Laden über Wasser zu halten.
Mit herzlichen Grüßen
Klaus Kelle
Lieber Klaus Kelle,
Sie haben ja keineswegs unrecht. Der Geist ist häufig willig, aber das Fleisch dann leider schwach. Theorien (und Ideologien!) sind das eine, die Praxis dann oft etwas ganz anderes. In Epochen des Überflusses und der datengeschützten
Anonymität funktioniert das „jeder tut, was er kann …“-Modell eh nicht mehr. Jahrtausende alte Grundsätze der Logik wie etwa „wer arbeiten kann, aber nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ (2. Paulus-Brief an die Thessaloniker 3,10 – nur zur Klarstellung: steht im NEUEN Testament, nicht im Alten!) sind obsolet. Es gilt heute im Gegenteil das andere Extrem: das staatlich geförderte Bärbel-Bas-Modell“: Jeder macht, wenn er will, wozu er Lust hat – und jeder nimmt sich, soviel er kriegen kann. Nur ein Beispiel: Seit längerem und unter den sehenden Augen unserer Regierungen industriemässig bis zur professionellen Perfektion praktiziert durch die Balkan-Mafia: Zehntausende, in der Regel kinderreiche rumänische Männer pp. reisen nach Deutschland und versorgen sich wechselseitig mit Mini-Jobs; die beantragte und gewährte exorbitante „Aufstockung“ aus unseren Sozialkassen einschließlich gesetzliches Kindergeld fließt anschließend großenteils an die „Vermittler“ in Südosteuropa. Getoppt wird dies noch durch die Vermietung von Wohnungen in Schrottimmobilien, die sich in der Hand dieser Mafiosi befinden. Auch die unrealistischen Top-Mieten zahlt unser „Sozial“-Staat. Das – und viele andere Beispiele – sind inzwischen so abartig übertrieben, dass selbst ein „Volk in Lethargie“ jetzt beginnt, aufzubegehren. Trotz „Brandmauer“ (warum hat übrigens eine Brandmauer obenauf eine Stacheldrahtrolle und muss von Heerscharen bezahlter NGO-Komparsen gegen Menschen auf der andren Seite geschützt werden?) und trotz desinformatorischer Heckenschützen-Unterstützung aus Regierung und Medien wird niemand mehr das Aufbegehren aufhalten. Auf das Ergebnis am 06.09.2026 und die Zeit danach bin ich gespannt!
VG
B. Minzenmay