Alexis Tsipras hat’s verbockt. Der griechische Ministerpräsident hat sich überschätzt, er hat gedacht, mit Taschenspielertricks und jugendlichem Elan könnte er Euro-Länder, IWF und EZB auf öffentlicher Bühne vorführen. Aber er hat sich getäuscht und sein Land an den vorläufigen Abgrund geführt. Vorläufig deshalb, weil auch eine eintretende Zahlungsfähigkeit in der kommenden Woche nicht zwingend bedeutet, dass Griechenland aus dem Euro ausscheiden muss. Aber es bedeutet, dass die Gläubiger nicht mehr bereit sind, Herrn Hokuspokus Tsipras weiter gutes Geld nachzuwerfen. Spät hat man die Notbremse gezogen, manche sagen zu spät. Kann sein, aber die unmittelbaren Folgen für Deutschland sind überschaubar, echte Milliardenverluste wären laut Finanzplanung des zuständigen Bundesministeriums erst ab 2020 zu verbuchen. Bis dahin weht noch viel Staub über die Akropolis. Die EU-Länder, die NATO sowieso und wohl auch eine Mehrheit in der Euro-Gruppe wollen Griechenland weiter als gleichberechtigen Teil der europäischen Staatenfamilie behalten. Aber mit den Dilettanten der momentanen Regierung wird das nichts. Was jetzt passieren muss? Bei der Volksabstimmung sollte das griechische Volk klar bekennen, dass es weiter zu EU und Euro gehören möchte. Spricht sich die Mehrheit gegen die „Nein“-Empfehlung von Tsipras aus, muss es nach normalem demokratischen Verständnis Neuwahlen geben. Dabei hätten die Griechen die Chance, sich wieder eine seriöse Regierung zu wählen, die ein Partner für neue Verhandlungen über Geld und notwendige Reformen sein könnte.

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Dieser Artikel wurde 15 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Die Tageszeitung „Avgi“, Sprachrohr der Regierungspartei Syriza, stellt ein riesiges „Nein“ auf ihre Titelseite. Darunter schreibt sie: „Nein zu Erpressungen und Ultimaten, Nein dazu, dass die Gesellschaft in den Bankrott getrieben wird, Nein zu Rettungspaketen und Sparplänen. (…) Dies ist eine demokratische Wahl für Griechenland und Europa. Für die Souveränität, die Würde und den Wohlstand des Volkes. Für ein Griechenland, das ein Gleiches unter Gleichen ist in einem geeinten Europa.“ Quelle: DER SPIEGEL

    Liebe Syriza,

    deine Unabhängigkeit und dein Stolz in Ehren, dein Votum für Europa sei gelobt. Du hast aber auch ein Pech gehabt – die Bankenkrise … .

    Aber etwas mehr Realitätsbezug wäre ja schon angebracht, so kurz vor dem Erwachen aus den Träumen vom süßen Leben auf Pump. Dein Land hat sehr hohe Schulden, die es nicht bezahlen kann und es gab viele, großzügige Hilfsangebote und Zugeständnisse derer, die deinen Laden noch am laufen halten, nämlich die, die dir Geld leihen in einer Größenordnung von sieben Überseecontainern voller 500 € – Scheinen. Deinen Bürgern geht es sch….. , aber nicht wegen denen, die euch füttern, sondern wegen denen, die denen, die euch füttern immerfort kräftig in die Hand beißen und auf den Schuh sch…. , sprich die dumme Propaganda und ideologischem Quark. Die Nase weniger hoch und die Brust etwas weniger geschwollen würde dir auch gut stehen. Was macht dich so groß- und einzigartig, dass die Völkergemeinschaft deinem Land all seine Schulden einfach so erlässt, nachdem es trotz frühzeitiger Warnungen in der Vergangenheit bis heute gegen alle Vernunft wirtschaftet? Etwas mehr Gutwille würde die Not deiner Leute bestimmt viel schneller lindern! Aber so ….

  2. Uwe_aus_DO Antworten

    Die Generation meiner Eltern und Großeltern hat einen Großteil ihres Lebens für den zweiten, manche sogar auch für den ersten Weltkrieg opfern müssen. Die Angst, die Verluste an Leib, Leben und Existenzen, Hunger und Not, die knallharten Jahre des Wiederaufbaus. Das war nun einmal der Preis dafür, dass das Deutsche Reich zwei Kriege geführt hatte.

    Nun haben die griechischen Regierungen über Jahrzehnte zu viel Geld ausgegeben. In krimineller Weise. Und die Frage, warum das bei der Euro-Einführung niemand bemerkt hat, obwohl da doch ganz offensichtlich etwas nicht stimmen konnte (Drachme, aber auch Lira, Pesete und so weiter verloren gegen die D-Mark stetig an wert – und die Gründe dafür sind „einfach so“ verschwunden, nur weil alles plötzlich Euro heisst, sich aber sonst nichts ändert?!), warum die Betrüger nicht gefunden und bestraft wurden, hat niemand ernsthaft verfolgt – aber das wäre ein weiterer Beitrag, das führte hier zu weit.

    So wie die Generationen vor uns einsehen mussten, dass nicht die Siegermächte für ihr Schicksal, ihre verlorene Jugend und so weiter verantwortlich waren, so müssten die Griechen begreifen, dass nicht die Geberländer an der aktuellen Situation schuld sind, sondern nur die von ihnen gewählten Volksvertreter, seit mehreren Jahrzehnten.

    Nein, mehrere Generationen haben deutlich über ihre Verhältnisse gelebt, und dummerweise werden die jetzigen dafür bezahlen müssen. So lange die Griechen das nicht einsehen, und dann einfach in die Hände spucken und anpacken, wird nichts besser werden.

    Merkel, Schäuble, Juncker und Co. haben sehr viel getan, um den Griechen noch einmal weiter zu helfen, manche werden sagen, zu viel, und erst die Geschichte wird zeigen, wer recht hat.

    Aber jetzt brauchen die Griechen einen Ruck, sie müssen lernen, dass das Wirtschaftsleben heute nun einmal hart ist und nun sieben schwere Jahre beginnen. Und das muss ihnen jemand klar sagen.

    Die Herren Tsipras und Varoufakis hingegen kommen wir vor wie Kriminelle, die einen totgeweihten Patienten für Experimente und zynische Machtspielchen missbrauchen. Liebe Griechen, bitte werdet wach, jagt sie aus dem Amt!

  3. Gisbert Britz Antworten

    Das Ziel der Gläubiger war und ist „den linken Spuk“ zu beenden, so dass in Spanien, Portugal oder sonst wo auch ja niemand nur auf die Idee kommt, eine linke Regierung zu wählen, die nicht nur die Austeritätspolitik, sondern gleich den ganzen Neoliberalismus hinterfragt. Denn wer weiß – hätten diese linken Regierungen Erfolg, könnte dies das Dogma der Alternativlosigkeit auch anderswo erschüttern und daran können die Herren und Damen der Alternativlosigkeit natürlich kein Interesse haben.

    Eine echte Alternative haben die Griechen nicht. Was Europa hier betreibt, ist eine Erpressung, wie es sie noch nie gegeben hat. Ein ohnehin schon gedemütigtes Volk hinterfragt das neoliberale Dogma und wird dafür gnadenlos bestraft. Demokratie, Solidarität, friedliches Zusammenleben, Fortschritt, Wohlstand – all dies waren die Säulen, auf denen ein gemeinsames Europa ursprünglich errichtet wurde. Sämtliche dieser Säulen gelten im modernen Europa nichts mehr. Europa ist tot.

    Und Merkel hats verbockt.

    • Alexander Droste Antworten

      Weder ist Europa tot noch hat Frau Merkel etwas verbockt. Europa steht da wie ein begossener Pudel. Aber wenn der ganze Stress vorbei ist, ist Europa noch größer als vorher, auch ohne Griechenland im EURO.

      Lieber Herr Zipras Britz, wenn Sie einem Kollegen über 20 Jahre lang Geld leihen und nach 15 Jahren mal nachfragen, wofür und dann feststellen, dass der fast alles im Casino verzockt, dann könnte es sein, dass Sie ihm sagen, dass er mal anfangen soll, sein (Ihr) Geld vernünftig zu verwenden. Roulette wird schon mal gestrichen und Lotto auch. Das ist aber ganz unerhört unsozial von Ihnen! Sie geben ihm kein Geld mehr, nur wenn er anfängt zu wirtschaften, gibt es wieder was. Was für eine Erpressung!

      Und dann die These mit dem Sozialismus: Die Erfahrung hat gezeigt, dass Sozialismus und Kommunismus eine Illusion sind. Menschen sind nicht fähig dazu. Aber zu Egoismus sind sie fähig. Wenn ein System dieses so steuern kann, dass der Egoismus der Allgemeinheit dienlich wird, dann nennt man das liberal. Liberal ist kein Schimpfwort, sondern eine reife Erkenntnis, dass das Recht auf Selbstbestimmung eine Art von Freiheit ist, die eine Motivation beinhaltet, sich für etwas anzustrengen. Und genau das bringt eine Industriekultur weiter. Die Haltung „ich pflege meinen Bauch und die andern bezahlen“ funktioniert nicht in einer multinationalen Völkergemeinschaft. Wenn dann noch die Freiheit hinzukommt, die beinhaltet freiwillige Selbstbeschränkung für den Andern, dann sind wir einem sozialen System der Marktwirtschaft schon ganz nah. Die EU hat diesen Anspruch nach meiner Einschätzung. Die Kommission wie EZB haben den Herren Regierenden Griechenlands sehr viel Geduld und Großmut entgegengebracht. Die Herren Regierenden haben im Gegenzug Unfähigkeit und Unwille demonstriert und dazu noch freche Forderungen gestellt. Mit Hinhalterei und Gegängele hat sie die Gemeinschaft erpresst und vorgeführt. Wer ist da unsozial und erpresserisch angesichts derer, die ihren Beitrag geleistet haben und nun erhobenen Hauptes der Zukunft entgegen schauen können? Das Baltikum, Tschechien, Portugal, Irland, Italien, Frankreich … sie alle sind zurecht sauer, nicht etwa auf die EU sondern auf Griechenland, speziell „Ziprofakis“. Und die Griechen selber sind es auch. Und Merkel hat das moderiert so gut sie konnte, gemeinsam mit Schulz, Junker, Draghi und den ganzen Wirtschaftsministern. Sie hat dem Ziprofakis noch bis heute die Stange gehalten – aus Rücksicht auf die Griechische Bevölkerung und auf den Zusammenhalt der Völkergemeinschaft. Die Griechenvorturner schaffen es noch, einen Keil da hinein zu treiben?! Was machen die Trottel? Sie wälzen ihre Inkompetenz auf die Bevölkerung ab und verlangen, genau so bescheuert zu sein! Ich hoffe, dass die Griechen ein wenig von ihrer Gabe zur Philosophie übrig behalten haben.

      Lieber Herr Zipras Britz, rufen Sie zu einer Spende für die hungernde Syriza auf. Vielleicht können Sie ja Griechenland retten!

  4. Hans-Jürgen Merten Antworten

    Auf Kreta herrschen folgende Verhältnisse:

    Im Dorf Omalos leben einige Dutzend Familien. Alle haben Grundbesitz, doch nur wenige Grundbesziter haben einen Stromanschluss. Ist Kreta nun Teil eines unterentwickelten Landes, dessen Regierung es nicht einmal schaffft, seine Bürger mit elektrischer Energie zu versorgen?
    Nein! Denn wer auf Kreta einen Stromanschluss anmeldet, muss Grundbesitzabgaben/Steuern entrichten. Also melden einige wenige Griechen einen Stromanschluss an und verkaufen dann den Strom über Zwischenzähler an ihre Nachbarn weiter. Die Nachbarn sparen so zumindest einen Teil der Grundbesitzabgaben/Steuern.
    Wer also glaubt das nur die griechischen Regierungen für das aktuelle Problem verantwortlich sind, der liegt falsch. Das Probelm ist die griechische Mentalität und Bauernschläue.

  5. Gisbert Britz Antworten

    Tsipras ist erst seit knapp 6 Monaten im Amt. Lasst ihn wie Adenauer bei Null anfangen. Kein Mensch hat von Adenauer verlangt, dass er in 1 Jahr alle Rheinbrücken baut, alle Schienen, Loks und Bahnhöfe erneuert und ohne Benzin einen Primärüberschuss erwirtschaftet.
    Unmögliches erledigt Tsipras sofort, Wunder dauern etwas länger.
    Und ich bin sicher, das griechische Volk wählt Tsipras erneut.

    Merkel schafft noch nicht mal eine Gesundheitskarte.

    • Alexander Droste Antworten

      Merkel ist nicht Königin von Deutschland, sondern Kanzlerin. Über eine Gesundheitskarte befinden die Gesundheitsminister mit den Krankenkassen.

      6 Monate im Amt entbindet nicht von Verpflichtungen, und der Ton macht die Musik. Der Ton von Ziprofakis ist rüpelhaft.

    • Uwe_aus_DO Antworten

      ??
      Über Jahrzehnte wurde zu viel Geld ausgegeben, von den jeweils gewählten Volksvertretern, egal aus welcher Partei sie stammten.

  6. Gisbert Britz Antworten

    „Spricht sich die Mehrheit gegen die „Nein“-Empfehlung von Tsipras aus, muss es nach normalem demokratischen Verständnis Neuwahlen geben. Dabei hätten die Griechen die Chance, sich wieder eine seriöse Regierung zu wählen“ (Kelle)
    So denkt die Troika. Aber auch bei Neuwahlen siegt Tsipras. Nur Volksunruhen mit Toten führen zu Veränderungen.

  7. Gisbert Britz Antworten

    Irren ist menschlich, sprach der Igel und stieg von der Kleiderbürste

    „Das Pferd wird es immer geben, Automobile hingegen
    sind lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung.“
    (Der Präsident der Michigan Savings Bank, 1903)

    „Kinder kriegen die Leute immer.“ (Adenauer)

    „Wenn Tsipras weg ist, wird alles gut.“ (Klaus Kelle)

  8. Gisbert Britz Antworten

    @ Droste
    Zitat:
    „Vielleicht können Sie ja Griechenland retten!“
    Vielleicht. Ich würde den Sprücheklopfer Schäuble als Finanzminister einsetzen. Soll der doch zeigen, wie man die Forderungen der EU erfüllt, ohne dem griechischen Volk zu schaden.
    Gesucht wird die Quadratur des Kreises.

    • Alexander Droste Antworten

      Die Idee hatte ich auch schon. Ich fürchte nur, dass die Griechen, die es gewohnt sind nur innerhalb ihrer eigenen Taschen zu denken, ihm da keine Unterstützung geben.

      Dennoch: Das kann man nun in der Zeitung lesen: Zipras und Varoufakis haben in ihren eigenen Reihen keinen Rückhalt mehr. Deren Propaganda hat die Deutschen zu Staatsfeinden gemacht, einen in Griechenland hochgelehrten und renommierten, linksliberal gesinnten Geschichtsprofessor für die Richtigstellung bestimmter Propagandainhalte als Nazi und Volksverhetzer angeklagt. Sie haben das griechische Volk für ihren Stolz und Übermut in Geiselhaft genommen und bezichtigen die Vinanzpartner, die den Griechen wirklich helfen wollen, nur eben nicht zu jedem Preis, da auch Interessen einer ganzen Völkergemeinschaft zu verteidigen sind, als Erpresser. Zuletzt wollen sie anscheinend drohende Proteste mit Militärgewalt unterdrücken. (Rheinische Post, Fr. 3. Juli 2015).
      Wer jetzt noch an Ziprofakis glaubt ist nicht mehr zu retten.

  9. Gisbert Britz Antworten

    @ Herr Droste

    So, die Entscheidung ist gefallen: Tsipras ist mit 61 Prozent WIEDERgewählt worden. Und was heißt das? Nix! Übermorgen, am Dienstag, überlegen Merkel und Hollande, was sie tun wollen. Das Ergebnis kennt keiner, nur ich. Nix! Der Austritt aus dem Euro und aus Europa wird weiter vertagt. Es werden keine Kredite mehr gewährt, die Kredite werden in „humanitäre Maßnahmen“ umbenannt. Wir zahlen weiter. Von Tsipras werden Reformen verlangt. Welche, das bleibt Tsipras überlassen. Man kann ja einer autarken Regierung nicht dreinreden. Das ist wie bei Hitler und seinen Generälen. „Ich will, dass gewonnen wird.“ Waffen, Munition und Personal gab es nicht.

    Man hat Tsipras 150 Wirtschafts-Experten angeboten. Können die Experten Griechisch in Wort und Schrift?

    Was kann er selbst? Was hat er gelernt? Weiß er, wie eine Steuerverwaltung funktioniert? Ihm sind von der Schweiz 30 mögliche Steuerhinterziehungskonten genannt worden. Mögliche, nichts Genaues weiß man nicht. Für eine Beschlagnahme durch die Schweizer Polizei reicht das nicht. Tsipras muss wohl sein Militär in die Schweiz einmarschieren lassen. Griechenland ist Nato-Land. Ist Merkel in der Bündnispflicht? Wenn wir die Freiheit am Hindukusch verteidigen, warum nicht in den Alpen?
    Die Mentalität der Bevölkerung ist natürlich ein Problem. Siesta halten, nix schaffe, schaffe Häusle bauen. Aber ist das in anderen südeuropäischen Ländern anders? Schon Hitler hatte mit Italien Schwierigkeiten.
    Die Absicht der Troika, Tsipras zum Abdanken zu zwingen, ist jedenfalls in die Hose gegangen. Die Griechen haben GEGEN Merkel und Schäuble gestimmt. Aber die dürfen weiterwurschteln.
    Tsipras braucht genaue Vorgaben (in Griechisch). Das Katasterwesen wird am Datenschutz scheitern.

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