Hans-Thomas Tillschneider (AfD) und die russische Armeetasse

Mir kann niemand vorwerfen, dass ich der AfD Böses will. In zig Artikeln, Reden und Diskussionen habe ich die Unfairness kritisiert, mit denen die Partei vom Establishment in „Altparteien“ und Medien behandelt wird. Sie alle wissen, was ich meine: Ausschussvorsitze und Platz im Präsidium des Deutschen Bundestages, Geld für die Desiderius-Eersamut-Stiftung und ähnliches.

Gleichzeitig werde ich nicht müde, öffentlich zu begründen, warum ich persönlich die AfD derzeit nicht wählen kann und werde – nämlich wegen ihrer schwammigen bis menschenverachtenden Haltung gegenüber der Ukraine und gegenüber Putin.

Im aktuellen Podcast von Paul Ronzheimer ploppt jetzt genau dieses Thema wieder auf

Denn Ronzheimer hat sich zum Interview mit dem ideologischen Kopf der AfD zumindest in Sachsen-Anhalt getroffen, im Wahlkreisbüro des Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider. Dort fiel Ronzheimer gleich zu Beginn eine schwarze Tasse mit rotem Stern in einem Regal in Tillschneiders Büro auf.

Darauf angesprochen versuchte der AfD-Politiker, der nach einem Wahlerfolg am kommenden Sonntag bei der Landtagswahl Bildungsminister werden soll, abzuwiegeln und reagiert dann zunehmend unwirsch. Nach dem Interview versuchte Tillschneider Medienberichten zufolge, den Teil mit der Tasse im Gespräch per Rechtsanwalt verhindern zu lassen.

Tatsächlich war auf der Tasse in russischer Sprache der Schriftzug „Armee Russlands“ zu lesen: „Armija Rossii“

Solche Tassen sind in einem russischen Onlineshop zu bestellen, der nach BILD-Recherchen mit der russischen Armee kooperiert.

Von Ronzheimer gefragt entwortete der AfD-Politiker: „Die Tasse steht da einfach rum. Ich verbinde damit nichts Großes. Die ist mir mal geschenkt worden.“ Und als das Gespräch hitziger wurde, schnauzte Tillschneider den Journalisten an: „Jetzt hören Sie mit dieser blöden Tasse auf.“

Naja, es ist schon erhellend, was es bedeutet, wenn jemand, der zukünftig die Erziehung der Kinder in Sachsen-Anhalt verantworten soll, eine Fan-Tasse der russischen Armee in seinem Büro stehen hat, die seit mehr als vier Jahren zerstört, vergewaltigt und tötet in der Ukraine.

Ich finde Politiker gut, die eine Tasse der deutschen Bundeswehr in seinem Büro stehen hätte. Denn als Volksvertreter gewählt werden sie gut dafür bezahlt, DEUTSCHE Interessen zu vertreten, nicht die Interessen von Staaten, die in Deutschland Sabotage und Terroranschläge betreiben.

Medien berichen inzwischen, dass Tillschneider wenige Monate nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine nach Russland gereist war. Damals brach er die Reise ab, weil der damalige Bundesvorstand der Partei über diese nicht abgesprochene Tour wenig amüsiert war. Im Oktober 2025 entblödete sich Tillschneider dann nicht, in der russischen Botschaft in Berlin auch noch den Geburtstag des Kriegstreibers Wladimir Putin mitzufeiern.

Ja, die politischen Darbietungen von CDU, SPD, Grünen und FDP in den vergangenen Jahren waren und sind unterirdisch. Und ich verstehe jeden, der sagt, er habe genug von der Stümperei und werde die AfD wählen.

Aber ist bei solchen Gestalten wie Tillschneider nicht eine Grenze überschritten?

Im Wahlprogramm der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird unter Punkt 14 gefordert, den Russisch-Unterricht an den Schulen im Land auszubauen. Dazu sollen gezielt akademisch gebildete russische Muttersprachler als Seiteneinsteiger für den Schuldienst gewonnen werden.

Und man fragt sich: Warum eigentlich?

Russland ist in der zivilisierten Welt inzwischen ein Paria, die Bevölkerung schrumpft massiv, die Wirtschaft liegt am Boden und die Gesellschaft ist deutlich überaltert. Warum also soll der Russisch-Unterricht in einem deutschen Bundesland ausgebaut werden? Wem dient das? Deutschland ganz sicher nicht, den jungen Menschen in Magdeburg und Stendal auch nicht.

Russische Geheimdienste lassen Sabotage und Terroranschläge in unserem Land verüben, im russischen Staatsfernehen wird immer wieder von Atomangriffen auf deutsche Städte schwadroniert, ohne dass jemand widerspricht.

Ulrich Siegmund hat einen fulminenten Wahlkampf hingelegt, und die AfD wird kommenden Sonntag die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gewinnen.

Wie hoch, das werden wir sehen. Aber ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere Wähler dort durch Herrn Tillschneider daran erinnert wird, was auf dem Spiel steht. Wenn der Mann seiner AfD einen Dienst erweisen will, dann sollte er noch heute zurücktreten und seine Kandidatur für Sonntag aufgeben.

Ronzheimer zum Thema hören Sie hier 

Und hier

 

 

 

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Dieser Artikel wurde 3 mal kommentiert

  1. Sobiech Christoph Antworten

    Warum AfD wählen, der Grund bleibt der selbe. Mit AfD an der Regierung gibts es eine 50:50 Chance das es besser wird und eine, ich würde sagen nahezu 100% Chance das es zumindest in den ultra wichtigen Bereichen Migration, Energie, Klimawahn sowie NGO Pest besser wird.
    Mit den Blockparteien gibt es keine Chance sonern eine 100% gewissheit das es schlimmer wird, da gibts es nicht mal eine Chance hinter komma das irgendetwas besser wird.
    Als Beweis dienen die letzten gut 20 Jahre. Nur scheisse am laufenden Band und immer schlimmer.

    Da ändern Tassen oder sonstwas gar nichts daran. Wer irgendeine änderung will muss AfD wählen oder es vergessen das sich was ändert.

    Übrigens witzig die grüne in Sachsen-Anhalt und ihr man….hört man irgendwie nichts davon in altmedien…..

  2. Sarnersee Antworten

    Es spricht ganz und gar nicht für den charismatischen, erfrischenden und sehr geerdet wirkenden Ulrich Sigmund einer solchen Personalie nicht unmissverständlich von vornherein eine Absage für jedwedes Amt in der Landespolitik zu erteilen.

    Solange die AfD solche Personalien in ihren Reihen duldet, solange bleibt sie für verzweiftelte Unionswähler weiterhin unwählbar. Eher würden sie ihre Stimme an Kleinstparteien „verschenken“, um ihnen zumindest einen kleinen Achtungserfolg zu ermöglichen und sie zu ermuntern, weiter zu machen. Offensichtlich bleibt dem Bürger mit traditionellen Tugenden gar keine andere Wahl mehr. Und das ist das eigentlich tragische in diesen Zeiten. Der tugendhafte Bürger bleibt von der konkreten politischen Mitgestaltung zunehmend außen vor, da ihm das Eingehen von Kompromissen abverlangt wird, dazu aber nicht mehr bereit ist.

    In einem Kommentar las ich jüngst:
    Der Spiegel nannte ihn, Herrn Tillschneider, „Dr. Rechtsextrem“, „Moskaus Gotteskrieger in Magdeburg“ die SZ, Die Zeit: „der Deutsch-Ultra“, für die NZZ ist er „der Mann, der die patriotische Wende einleiten will“.

    Deutschland mir graust’s vor dir.
    Auf der einen Seite Selbstaufgabe, Inkompetenz, Narzissmus und ein perfektionistischer Neosozialismus, auf der anderen Seite nationalistische Autokratiesehnsüchte, an deren Ende wieder der Stechschritt in Lederstiefeln stehen soll. Ganz düstere Aussichten.

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