Es ist rund 30 Jahre her, seit ich in Bremen gelebt habe. An einem Sonnentag war ich in der Sögestraße unterwegs, einer schönen, Großstadt-typischen Einkaufsstraße mit Geschäft an Geschäft. Und als ich da langflanierte, sah ich einen Mann, wohl einen Obdachlosen, vollgekotzt in einem Blumenbeet liegen. Er bewegte sich, lebte also offenbar, hatte sich aber nicht unter Kontrolle. Nur wenige Meter entfernt waren in einem Straßencafé alle Tische besetzt, es gab Eisbecher mit Sonnenschirmchen, Torte und – draußen gibt’s nur Kännchen – Kaffee. Zahlreiche Bummler und Einkaufswillige gingen vorbei – so wie ich auch. Niemand kümmerte sich, eine tragische Existenz vom Bodensatz unserer wohlhabenden Gesellschaft, lag hilflos in seinem Erbrochenen. Ich habe dieses kurze Erlebnis bis heute nicht vergessen, und im Grunde schäme ich mich noch immer dafür, dass ich damals nichts unternommen habe.

Vielleicht hat der ein oder andere beim Vorbeigehen gedacht „Schrecklich, da müsste der Staat doch etwas tun.“ Gar nicht so einfach. Klar, einer hilflosen Person muss man helfen, aber was wenn er morgen wieder da liegt, aus eigener Entscheidung besoffen bis zum Abwinken. Und Obdachlose oder Drogensüchtige einfach einsammeln, gar kasernieren, gegen ihren Willen wieder zurück in die bürgerliche Gesellschaft führen – das darf der Staat in einer freien Gesellschaft gar nicht. Und dann noch das Geld-Argument: Wer sollte denn so ein rabiates Hilfsprogramm finanzieren bei den klammen Kassen unserer Öffentlichen Haushalte?

Und sehen Sie, DAS ist der Grund, warum ich heute überhaupt mit dieser alten Geschichte zu Ihnen, meinen Lesern, komme. Hunderttausende Flüchtlinge strömen derzeit in dieses Land. Und es funktioniert auf einmal alles. Es gibt Unterkünfte, es werden Milliarden Hilfsgelder zur Verfügung gestellt, Kirchengemeinden und ganz normale Bürger nehmen wildfemde Leute in einer Notlage bei sich auf. Und unwillkürlich stellt sich mir die Frage: Warum hat diese Gesellschaft, warum haben Staat und Kirche früher nicht mit gleicher Hilfsbereitschaft auf unsere Landsleute in Not reagiert? Warum hat man Menschen, denen vielleicht nach einer Scheidung oder Pleite das Leben völlig entglitten ist, nicht ebenso geholfen? Wenn ich jetzt die Bilder von jubelnden Menschen mit „refugeeswelcome“-Schildern sehe, frage ich mich unwillkürlich: Wo wart ihr eigentlich bisher?

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Dieser Artikel wurde 21 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Profilierung vor der Welt. Seht her, die Deutschen sind gut, keine Nazis. Und, Obdachlose sind igitt. Und, die wollen es ja nicht anders.

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  3. MaryRose Antworten

    …. spricht mir aus dem Herzen …. finde hier in dem Text Gedanken wieder, die ich heute Vormittag, als ich mit dem Auto unterwegs war, bereits hatte … „wie würden sich unsere Obdachlosen, die auch oft unverschuldet in eine Extremsituation geraten sind (durch schwierige Lebensumstände) fühlen, wenn sie einmal so herzlich begrüßt, ermutigt und unterstützt würden? … oder ein Kirchengemeindemitglied, oder eine (r ) Nachbarin, die/ der noch nach der 500.Bewerbung trotz weiterer Ausbildung keine gute Stelle bekommen hat … Menschen, die in unserer Gesellschaft dadurch immer mehr isoliert leben, da sie deshalb oft „Hartz IV“ „sind“ … .
    Diese Hilfsbereitschaft ist ergreifend und ermutigend … da viele der Flüchtlinge in existenzieller Not sind, und von Krieg und Verfolgung bedroht waren …doch solch eine Frage taucht doch ab und zu verstohlen auf … „wo waren (und sind) sie bei Menschen in ihrem Umfeld, die in Not oder schweren Lebenssituationen sind“ ?

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  5. Andres Antworten

    Sehr guter Beitrag. Überrascht dürfte ja sowieso niemand sein, zumal Motivation kein zu komplexes Thema ist. Wir helfen, wenn es sich relativ zum nötigen Aufwand ausreichend für uns auszahlt. Ist der Anstieg unseres Ansehens und unserer Selbstachtung nicht gross und wichtig genug, oder erhalten wir keine Belohnung in alternativer Form, helfen wir auch nicht.

  6. Uwe_aus_DO Antworten

    Ich kann und will keinem der Gedanken, keiner der hier aufgeworfenen Fragen widersprechen, Und dennoch gehöre ich zu den Menschen, die damals in Bremen -bestenfalls- bei 112 angerufen und eine hilflose Person gemeldet hätten, aber nun ernsthaft über Möglichkeiten zur Hilfe nachdenken.

    Meine Triebfeder ist eine Mischung aus Frust und Optimismus, wie ich sie seit mindestens 30 Jahren nicht erlebt habe.

    Frust über eine völlig gescheiterte Ausländer-, Einwanderungs- und Multikultipolitik. Der hier und heute real existierende Zustand, z.b. fünf Kilometer von mir entfernt in der Dortmunder Nordstadt, geht gar nicht. Und nach wie vor habe ich große Angst vor einer Islamisierung, einer weiteren Aushöhlung unserer Grundrechte.

    Aber was macht man nun aus dieser Situation? Ich bitte alle, die sich hier besorgt über den Flüchtlingszustrom äußern, einmal ernsthaft unsere demographische Entwicklung in Betracht zu ziehen. Wir „Deutschen“ sterben aus. Wenn wir unsere Grundrechte, unsere Freiheit, unsere Kultur, auch Sozialkultur, auch Sozial- und Rentensystem erhalten wollen, muss etwas passieren.

    Jedem, der aufmerksam die Entwicklung beobachtet hat, könnte/sollte das bewusst sein. Dennoch ist jahrelang nichts passiert, gar nichts.

    Ich hatte jede Hoffnung verloren, dass sich hieran etwas entscheidendes ändert. Nun gibt es eine Chance. Selbst die selbsternannten Gutmenschen sollten jetzt einsehen, dass sich unser Umgang mit Asylbewerbern ändern muss. Kurz gefasst: Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, Syrien ja- aus osteuropäischen Ländern nein. Und wenn „nein“, dann auch schnelle Abschiebung. Und Anfechtungsklagen werden, wenn, dann aus dem Ausland geführt. Und die, die bleiben, werden systematisch in Deutschkurse, Schulen, Berufsausbildung, Stellen geführt. Und so weiter.

    Für eine solche Änderung unserer Einwanderungspolitik braucht es viel mehr Optimismus, Mut, Durchsetzungsfähigkeit, und noch mehr Unterstützer. Ich werbe hiermit dafür.

  7. Wolfgang Wenger Antworten

    Wo diese Menschen waren? Ja, eigentlich waren sie immer da, doch es „zerreißt“ gerade gesamt Europa und sogar innerhalb Deutschlands zeigt sich ein Spalt. Das ist vielleicht nicht neu, aber plötzlich offenkundig!

    So wie Westdeutschland an der Grenze gejubelt hat, als die Ostdeutschen praktisch „aufgenommen“ wurden (räusper: auch wieder über Ungarn *g*), so jubeln sie auch jetzt den Flüchtlingen entgegen. Natürlich wird das wieder stressig werden und wenn ich an den Witz von Harald Schmidt denkt mit dem riesen Stück Torte: „Schaut mal Ossis – solche Teile gabs vor der Wende bei uns im WEsten“, dann war das lustig – obwohl es schon damals manchem Wessi sauer aufstieß – aber die hatten wir unter Kontrolle

    Jetzt jubeln wir wieder und wir sehen erstarrt nach Osten, weil da keiner jubelt und wir denken uns unser Teil.
    UND wir sehen nach Ungarn und sehen, wie die die Menschen an der Grenze behandeln und wir müssen die Flüchtlinge sozusagen vor dem Schechener-Abkommen retten, weil wir DAMALS davon ausgingen, innerhalb Europas hätten wir NUR noch sowas wie Rechtsstaaten.
    Schief gewickelt: Das sind alles nur Flüchtlinge, die jetzt schreien: Das Boot ist voll, weil alle um ihre eigenen Fördergelder fürchten.

    Ja, und zum Ende deines Artikels: Ja, im Moment gibt es tatsächlich einen Boom (besser: Boooom) in Freiwilligenarbeit. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch sich auch auf Dauer Leute gewinnen lassen, denen die Arbeit gefallen hat und die weiter machen möchte – dann auch schon MIT den ersten Flüchtlingen, die dann schon Arbeit haben und MITMACHEN bei der Freiwilligenarbeit, weil sie ihnen selbst so geholen hat 🙂

    PS: Wieso kritisierst du aber in diesem Zusammenhang die soziale Arbeit mit Obdachlosen. Genau oben beschreibst du ja das tatsächliche Problem: Es gibt so viele Bedürfitge, da hättest du eine tolle Hilfe anzubieten, aber die Leute stürzen irgendwann wieder ab und liegen dann wieder für 1-3 Sommer im Park. Ja, was willst da machen. Da ist mir auch ein Ausländer lieber, der inzwischen anerkannt ist und der mir ständig die Tür einrennt, weil er schon wieder einen neuen Deutschkurs brauchte und auch noch einen gebrauchten PC – was einfaches, nur mit USB, damit er ins Internet kommt, um dort noch besser deutsch zu lernen….. naja, da bin ich auch nur Mensch – das motiviert eben mehr 🙂

    • Klaus Kelle Antworten

      Ich kritisiere die Arbeit mit Obdachlosen nicht. Ich möchte nur darauf hinweisen, was mit dieser großen Hilfsbereitschaft auch schon früher an Not hätte gelindert werden können.

  8. Tanja Antworten

    Diese Menschen waren nie weg. Sie sind immer unter uns. Sie helfen der Alleinreisenden, den Kinderwagen aus der Bahn zu heben, kaufen regelmäßig das Obdachlosenmagazin und geben noch nen Euro obendrauf, spenden für Greenpeace, Brot für die Welt und Amnesty, unterschreiben Petitionen und gehen zu Bürgerversammlungen. Sie schieben den Wagen an, der nicht anspringen will und schaufeln bei einer Flut tausende Sandsäcke. Sie kaufen für den kranken Nachbarn ein, geben kostenlose Nachhilfe, leiten Chöre und trainieren Fußballkids. Sie sammeln den auf der Straße verstreuten Einkauf auf und spendieren eine neue Tüte als Ersatz für die zerrissene alte. Sie haben schon immer bei der Tafel geholfen, in der Kleiderkammer oder bei der Bahnhofsmission. Sie nehmen kein Geld als Küster, Hausmeister oder Gärtner, waschen die Wäsche der Nachbarsfamilie, weil deren Waschmaschine kaputt ist. So ließe sich das bis in alle Ewigkeit fortsetzen. Noch Fragen?

  9. sophie ostermann Antworten

    Wo waren sie all die Jahre ? Ältere Menschen mit wenig Rente irgendwie oder irgendwo unterstützt in irgendeiner Weise ? 85 Jährige frisch operiert. Krankenkasse da können sie jemanden nehmen , das müssen sie aber selber bezahlen. Rollatorzuschuss ? Nein, sie müssen schon den nehmen den wir ihnen geben. Heizkostenübernahme für Bedürftige ? Aber da steht man natürlich auch nicht im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Je mehr man springt und tut je mehr werden diese Invasionen gefördert. Millionen Arbeitsplätze, woher sollen die kommen? Es ist der Wahnsinn was da noch auf uns zukommt

  10. Anonyma Antworten

    Es wird gesagt, wir brauchen Einwanderer, um die demographische Katastrophe zu verhindern. Jetzt werde ich hier meinen anonymen Kommentar schreiben: Anonym, weil zu persönlich, aber ich denke ich bin nicht allein, es gibt 1000der solcher Geschichten. Ich denke, sie ist typisch für unsere Gesellschaft.

    Ich hätte gerne Kinder gehabt. Aber die Männer, die mir in meinem Leben begegnet sind, waren nicht bereit, Verantwortung für Kinder geschweige denn für eine Frau zu übernehmen. Ich spreche hier nicht von Hilfe. Sondern davon, Verantwortung zu übernehmen.
    Wenn ich überlege, wo diese Männer jetzt sind, und was sie zur momentanen Einwanderung sagen . . . Einer dieser Männer ist in der Schweiz, damit er nicht so viel Steuern zahlen muss. Der andere hat jahrelang Grün gewählt, für diese Partei im Gemeinderat gesessen. Die Partei, die die Einwanderung ganz besonders massiv unterstützt und dafür ist, dass der deutsche Steuerzahler für alle Kosten der Asylbewerber aufkommt. . . . Für die eigene Familie hat er keine Verantwortung übernehmen wollen .
    Vielleicht ist es ein „Männlichkeitsproblem“ in unserer Gesellschaft ? Und die Hilfsbereitschaft bei der Einwanderung ein Ablenkungsmanöver ?
    Ich denke, ich bin kein Einzelfall. Ich kenne viele Frauen, deren Geschichte so oder ähnlich ist. Einige schaffen sich dann irgendwann „alleine“ ein Kind an, trotz des Armutsrisikos als Alleinerziehende. Bei anderen ist es irgendwann zu spät. Wenn ich zurückdenke. Monate und Jahre des Diskutierens, Kummers. so etwas kann auch eine ganz persönliche Tragödie sein . . . . Mein Ex wollte mich dann zum Psychologen schicken.
    Und jetzt. Ich sehe viele „Flüchtlinge“. Mit der Familienzusammenführung werden sie ihre Ehefrauen nachholen. Bald werden es nicht mehr Einzelpersonen sein, sondern Familien. . . . Da wird keiner verhüten und keiner wird von seiner Frau verlangen zu verhüten. Nein, im Gegenteil: Sie werden 3 und mehr Kinder bekommen. Und dann ist es unsere Aufgabe, ihnen den Lebensunterhalt zu bezahlen oder ihnen Jobs und Arbeit zu verschaffen. Wer verschafft mir eigentlich Arbeit ? Oder einer alleinerziehenden deutschen Mutter. . . . . oder ist die vielleicht assozial ?

  11. Thomas Antworten

    Und zum Thema des Mangels an Mitgefühl für Menschen, denen – wie der Autor so schön sagte „Das Leben nach einer Scheidung oder nach einer Pleite entglitten ist“ – wäre aus einer weiteren, in den heutigen äusserst geschichtsträchtigen Zeiten berechtigter Weise die zivilisationskritische Sichterweiterung hinzuzufügen, dass doch die vielen Schicksale erst aus den entfremdenden Sachzwängen und Verirrungen entstehen, die unsere Seelen doch schon von Geburt ab vollkommen schänden und vergewaltigen!!!

  12. S v B Antworten

    Vielleicht ist es die exotische Ausstrahlung von Hilfsbedürftigen, die manche Deutschen offenbar in besonderem Maße „anturnt“. Habe Ähnliches auch schon öfters beobachtet. Verschafft man sich auf diese Weise gar auch ein kleines bisschen Urlaubsfeeling? Parallelen finden sich durchaus auch in Sachen Glaube und Medizin. Für manch einen müssen es unbedingt Heilslehren und -methoden aus fernen Ländern sein. Auch die Spiritualität und Riten fremder Kulturen verfügen oft über eine geradezu magische Anziehungskraft. Warum sollte man sich auch an den Priester oder Pfarrer wenden, wenn gleichzeitig ein zentralasiatischer Schamane einem anbietet, der Seele Beistand zu leisten?

    Übrigens: hat nicht schon Bismarck(???) irgendwann einmal etwas über die Deutschen und ihren Hang zu Fremdartigem bemerkt? Oder verwechsele ich da jetzt was?

    • S v B Antworten

      Voilà, ich hab’s gefunden, das Bismarck-Zitat:

      „Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eigenen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheitsform, deren geographische Verbreitung leider auf Deutschland beschränkt ist“ (Zit. in Bismarck – der Reichsgründer von Otto Pflanze, Verlag C. H. Beck 1997, S. 608).

      Seit Bismarcks Zeiten scheint sich hierzulande demnach nicht viel verändert zu haben. Das, was zur Zeit abgeht, ist folglich wohl nur als Aufflackern eines alten Volksleidens zu betrachten.

      • Andreas Schneider Antworten

        Werte(r?) S v B,

        googelt man nach diesem Zitat, so erscheint an zweiter Position ein Beitrag der „NPD“, die sich dessen bedient.

        So wird leichtgläubiges Fußvolk, so richtig Bismarck lag (und mal ehrlich: mit dem Abgang des „Lotsen“ begann das deutsche Verhängnis) wohl annehmen, dass Bismarck ein „Nazi“ gewesen sein muss.

        Die alktuelle Debatte kennt keinen wirklichen Dialog mehr, keine Grauzonen, nur Schwarz und Weiß. Und fatalerweise erinnert mich so mancher Auftritt eines wackeren „Kämpfers gegen Rechts“ in seiner Überzeugung und Entschiedenheit fatal an meinen 1964 verstorbenen Großonkel, dem man ähnliche Überzeugtheit bei überschaubarer Intelligenz nachsagt.

        Der feine Herr war 11 stolze Jahre lang Ortsgruppenleiter der NSdAP.

        Die Ideologien mögen noch so konträr ausgelegt sein: die Mechanismen wiederholen sich. Ist das nun „typisch deutsch“?

  13. Andreas Schneider Antworten

    Kein schlechtes Gewissen bitte, Herr Kelle. Wir sind alle nur Menschen.

    Der vollgekotzte „Penner“ im Blumenbeet berührt uns unangenehm. Er ist i. w. S. „Einer von uns“, und irgendwo in den Tiefen unserer Gehirnwindungen mag sich die Vorstellung nach vorn drängen wollen, wie es wohl wäre, selbst dort….

    Nein, dann doch lieber schnell weiter! Wir haben ja „den Staat“, der sich um „so etwas“ kümmert. Das Unangenehme wird verdrängt. Nur nicht identifizieren müssen!

    Der „Flüchtling“ hingegen, ob nun echt oder Opportunist unserer Willkommenshype, ist fremd. Keiner von uns. Und bei allen Vergleichen mit den „Ossis“, die 1989 nach der Grenzöffnung in den Westen drängten, so besteht hier eben doch eine Distanz zu diesen Menschen. Sie sind anderer Herkunft, anderen Aussehens, haben eine andere Geschichte. Es mag ihnen schlecht gehen, aber sie sind „Keine von uns“. Da entfällt die o. g. unangenehme Regung. Wir, die wir sie heute „begrüßen“, waren nie in der Situation, der sie sich entzogen haben.

    Was aber bei mir eine andere unangenehme Regung aufbringt: trägt unsere „Willkomenskultur“, die in diesen Tagen geradezu absurde Ausmaße annimmt, dann nicht in gewisser Weise rassistische Züge?

    Ihre „Unsortierten Gedanken“ lassen sich in der Tat fortführen. Auch hier.

  14. Alexander Droste Antworten

    Ich wollte ja nur allen Bedenkenträgern noch dieses hinzufügen:

    Die Ausländer und ehemaligen Asylanten, die jetzt neue Deutsche sind, welche ich persönlich kenne finden, dass die Ausländer, die sich nicht mit den deutschen Regeln anfreunden wollen, sich nicht zu wundern haben, wenn man sie anfeindet. Sie bewundern die Deutschen, ihre Kultur, ihre Mentalität (auch wenn es manchmal bizarr erscheint) und fühlen sich stolz als Neudeutsche. Sie sind loyal. Sie betrachten die Wiedervereinigung und die EU als ein Wunder. Und wir haben nichts besseres zu tun, als dieses Wunder mit Egoismen zu zerstören.

  15. Tina Hansen Antworten

    Ich habe es gelesen und an eine Geschichte aus meinem eigenen Leben gedacht: Vor etwa 10 Jahren wohnte ich in einer Gegend, wo viele Menschen mit wenig Geld wohnten. Darunter auch viele Migranten, die selbstverständlich dazu gehörten – mit ihren Döner-Läden, ihren kleinen Kiosken und Reinigungen und Handy-Läden und Internet-Cafés. Zu vielen hatte ich ein herzliches, persönliches Verhältnis. Aber dies nur: by the way.
    Es war eine westdeutsche Mittel-Großstadt mit ca. 200.000 Einwohnern.
    Es war Winter.
    Im Hinterhof gegenüber meiner kleinen, aber schönen Altbauwohnung in diesem sozial schwachen Stadtteil starb über Wochen ein Obdachloser. Er war schwerst alkoholkrank. Wir alle, Nachbarn und sonstige Anwohner, hatten Angst vor ihm, denn wenn man an ihm vorbeiging, konnte es passieren, dass er einen in seinem Zustand ansprang, beleidigte oder mit Angriffen drohte, zu denen es dann doch nie kam.
    Der Winter war kalt, ich dachte: Wie schafft er das bloß? Schafft er das?
    Eines Mogens war er tot.
    Niemand hatte Hilfe geholt, ich auch nicht.
    Ich konnte ihn von meinem Wohnzimmerfenster aus sehen, in diesem Winter. Ich habe keine begeisterten Helfer gesehen. Und keine deutsche Presse. Niemanden.

    Daran musste ich gerade denken, als ich diesen Beitrag las.

  16. M. Sachse Antworten

    „…frage ich mich unwillkürlich: Wo wart ihr eigentlich bisher?…“ Diese Frage stelle ich mir auch täglich. Wir sollten von diesen Leuten eine Antwort verlangen.

    Ich stelle mir auch die Frage, weshalb über Jahre selbst Cent-Beträge für einfachste kommunale Aufgaben fehlen und nun Geld in Milliardenhöhe gedruckt wird, ohne den Steuerzahler zu fragen, ob er das mitträgt!

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