„Ich reiche Ihnen die Hand“ – Frau Wagenknecht pfeift auf Höckes vergiftetes Angebot

Die Parteigründerin Sarah Wagenknecht (BSW) hat das „Angebot“ des Thüringer AfD-Anführers, sie nächste Woche zur Ministerpräsidentin des Freistaates zu wählen als „weder ehrlich noch seriös“ zurückgewiesen.

Dabei kann man davon ausgehen, dass Höckes Idee – ausgerechnet am 61. Jahrestag des Berliner Mauerbaus – nicht wirklich ernstgemeint gewesen sein dürfte, sondern einfach der ihm eigene Klamauk, um alle anderen in helle Aufregung zu versetzen.

Das ist ihm schon häufiger gelungen, und ganz abwegig wäre das auch nicht. Eine „Querfront“ von rechts-sozialistischer (in Thüringen) und links-sozialistischer Programmatik, gepaart mit DDR-Nostalgie – und mathematisch würde es aus reichen.

So wie es in Magdeburg reichen würde, wenn das BSW einen AfD-Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund auf den Sessel in der Staatskanzlei in Magdeburg befördern würde – was der auch schon abgelehnt hat.

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Aber so sehr politische Macht immer auch von zählbaren Mehrheiten abhängt, so wenig gibt es Politiker vornehmlich linker Parteien, die sich ihre falschen Überzeugungen nicht für schnöden Machterwerb abkaufen lassen wollen, wie das seit Jahren in der CDU zum Geschäftsmodell geworden ist.

Dort ist der Übergangs-Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU tatsächlich in Sachsen-Anhalt nicht in der Lage, ein Bündnis seiner Partei – zur Erinnerung: der Partei Konrad Adenauers und Helmut Kohls, der Partei der Deutschen Einheit – mit der Linke, formerly knows as SED – auszuschließen.

Schulze und ohne Zweifel auch das Bundeskanzleramt und das Konrad-Adenauer-Haus sind wild entschlossen, dieses letzte Tabu niederzureißen, um bloß die AfD zu verhindern.

Ich habe in vielen Beiträgen und Diskussionen begründet, warum ich selbst die AfD nicht wählen würde

In Sachsen-Anhalt sowieso nicht, weil ich dort nicht wohne, aber auch sonst nicht. Und der entscheidende Punkt, die Rote Linie ist die schäbige Haltung von Weidel, Chrupalla & Co. gegenüber den ums nackte Überleben kämpfenden Menschen in der Ukraine.

Die würde auch Wagenknecht und ihr BSW und die früheren Genossen von der Kampfbrigade namens Linke opfern. Aber ein bisschen Selbstachtung hat sich Frau Wagenknecht, die sich angeblich in der Tradition von Rosa Luxemburg – nur im Escada-Kleid – sich bewahrt.

„Das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten ist kein Wanderpokal, den Herr Höcke nach Belieben vergeben kann“, stellt Wagenknecht sehr richtig klar. Natürlich sei der jetzige Amtsinhaber Mario Voigt auch ein CDU-Politiker, der jegliches Vertrauen der Bürger verloren habe. Deshalb müsse das BSW ihm auch das Vertrauen im Erfurter Landtag entziehen. Aber nicht mit unseriösen Taschenspielertricks, wie Höcke sie vorschlägt.

Und in Puncto Ehrlichkeit geht Wagenknecht noch einen Schritt weiter

AfD-Höcke wisse, dass „die Mehrheit derer, die auf BSW-Ticket im Thüringer Landtag sitzen, in Opposition zum Bundesvorstand stehen und mich nicht wählen würden“, analysiert Wagenknecht richtig. Denn die Thüringer BSW-Spitze und ihre prominente Vorturnerin sind seit langem in herzlicher gegenseitiger Ablehnung miteinander verbunden.

Zuvor hatte der AfD-Rechtsaußen ein Video auf X verbreitet, in dem er sich in selten erlebter Peinlichkeit an Frau Wagenknecht heranwanzt. „Werden Sie Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen“, appelierte Höcke darin. Und – da wird es ganz schleimig: „Ich reiche Ihnen die Hand…“

Der 13. August wäre eher der Tag, den Opfern der sozialistischen SED-Diktatur die Hand zu reichen und zu bestätigen, dass in Deutschland nie wieder Sozialisten das Sagen haben dürfen, weder die vom rechten noch die vom linken Rand.

Aber kurz vor den Wahlen in Sachsem-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geraten die politischen Dinge in Deutschland erheblich ins Rutschen

Nichts ist entschieden, aber wenn ich wetten müsste, würde ich darauf setzen, dass Ulrich Siegmund der nächste Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt wird.

In MeckPomm haben Manuela Schwesig und ihre SPD wohl wieder eine Chance, auch die nächste Landesregierung anzuführen. Und in Berlin – Honeckers Rache – könnte die SED als erste durchs Ziel laufen. Das bedeutet aber nicht, dass sie dann das Rote Rathaus übernähme mit 21 Prozent. Wahrscheinlicher erscheint mir eine neue Koalition unter Führung der CDU – ohne Kai Wegner – mit SPD und Grünen.

Egal was der Souverän – das Volk – aus welchen Gründen entscheidet im September: Der Himmel wird uns allen nicht auf den Kopf fallen. Aber Deutschland rückt immer näher darauf zu, nicht mehr stabil regiert werden zu können.

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Dieser Artikel wurde 38 mal kommentiert

  1. Johannes Antworten

    Ihre Meinung zur Ukraine-Haltung der AfD ist bekannt. Und dass Sie sie deshalb nicht wählen würde auch. Von daher verstehe ich schlicht diesen Disclaimer nicht (mehr). Werter Herr Kelle: Wir WISSEN es.

    Zum Höcke „Angebot“: das halte ich für ausgemachten Quatsch; er selbst ist gewiss klug genug, um zu wissen, dass eine SW ihr politisches Schicksal (und das wäre es) nie in seine politischen Hände legen würde. Ich tippe mehr auf den Versuch, die Aufmerksamkeitsökonomie der Presse zu bedienen – mehr nicht. Und das ist ihm auch gelungen – mehr aber auch nicht.

    Vielleicht ist es aber auch eine Prise Neid auf Siegmund noch mit dabei. Denn anders als bei ihm, hat kein Versuch der Presse ihm etwas anzuhängen auch nur im Mindesten verfangen. Im Gegenteil, Teile der Presse berichten inzwischen neutral, mit einer sehr leichten positiven Tendenz über ihn.

    Und ja, der Himmel wird uns allen nicht auf den Kopf fallen. Außer, die Bundesregierung meint aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen, sie müsse eine kommende AfD-Landesregierung, koste es was es wolle und unter Einsatz konstruierter( und damit moralisch unlauterer Mittel) unter Bundeszwang stellen zu müssen.

    Was aber sicher für die Demokratie in Deutschland auch nicht schlimm wäre, sie würde nur Urlaub machen und wäre woanders. Und „UnsereDemokratie“ könnte dann ganz offiziell übernehmen.

    • Joly Antworten

      Ich sehe dieses Angebot als eine echte Chance den gegenwärtigen MP abzulösen. Danach kann niemand die Wagenknecht zur Annahme diese Position zwingen. Dann wäre das Spiel völlig offen; die Karten würden neu gemischt werden. Hallo wir sind hier nicht im Kindergarten sondern im Kampf um die politische Macht. Da darf man auch einem Höcke die Nase lang ziehen. Sarah kann es nicht. Toll reden und analysieren – aber Politik machen kann sie nicht. Ihr Mann konnte es auch nicht. Er kniff damals.

  2. Gerd Franken Antworten

    „Aber Deutschland rückt immer näher darauf zu, nicht mehr stabil regiert werden zu können.“

    Soll ich daraus schliessen, dass Deutschland momentan stabil regiert wird? Ich sehe das nicht.

  3. Gerd Franken Antworten

    @Johannes

    Wer glaubt, dass B. Höcke das Angebot an SW ernst gemeint hat, kann, mit Verlaub, nicht mehr alle Latten am Zaun haben.

  4. Pingback: „Ich reiche Ihnen die Hand“ – Frau Wagenknecht pfeift auf Höckes vergiftetes Angebot | International Affairs - German Media Watch / Nicht Mit Uns - Am Yisrael Chai

  5. Sobiech Christoph Antworten

    Höcke hat das Geschwätz von BSW in Sachsen-Anhalt von möglichen/irgendwie/wie auch immer Mitarbeit/oder auch nicht mit der AfD zerschmettert.

    BSW ist die jüngste Altpartei und das hat er ganz deutlich gezeigt. Jeder in SA weiss nun: willst du wechsel es gibt nur die AFD oder weiter so. Punkt.

    Klappt es dieses mal nicht mit der absoluten mehrheit, dann wird die Trümmertruppe die die altparteien dann zusammenschustern dafür sorgen das bei der nächsten Wahl in SA es nicht mehr um absolze Mehrheit für AFD geht sondern um 50+x
    Zumal, je länger es bis zu der Wahl dauert umso mehr CDU Wähler wegsterben werden.

  6. Gerd Franken Antworten

    Laut Spiegel ist Ulrich Siegmund der gefährlichste Mann in Deutschland. Das wird im Titelbild mit einem „Fahndungsfoto“ untermauert. Fehlt nur noch der Hinweis „Tot oder Lebendig“.

    Wo ist eigentlich der Polier „unserer“ Brandmauer? Man hört auffällig wenig von ihm. Kanzlerdämmerung?

    • Martin Ludwig Antworten

      @Gerd Franken

      Als mir diese Titelseite heute morgen im Edeka in’s Gesicht gesprungen ist, wusste ich nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll.

      Wir leben in einem Land, in dem täglich Gruppenvergewaltigungen begangen werden. Messermorde und die Angst vor Terrorangriffen stehen ebenfalls an der Tagesordnung. Weihnachtsmärkte müssen gesichert werden und tausende Polizisten sind rund um die Uhr mit der Bewachung von Gefährdern und gefährdeten Objekten und Menschen beschäftigt – aber der gefährlichste Mann in diesem Land ist Ulrich Siegmund!

      Warum er das ist, lässt der Artikel ziemlich offen. Er hat wohl einige Menschen in seinem Team und im Landesverband, die als „rechtsextrem“ gelten und hat vor, Leute aus seinem Umfeld in politische Ämter zu bringen.
      Das wäre natürlich fürchterlich für UnsereDemokratie™. Wo sie doch so stolz waren und so lange gebraucht haben, bis der Marsch durch die Institutionen endlich abgeschlossen war.

      Ich bin auch unschlüssig, was der Spiegel mit dieser Schlagzeile bezwecken möchte. Am Ende würde ich sogar behaupten, es ist die ultimative Auszeichnung für Herrn Siegmund weil dadurch die klare Abgrenzung zu unserem (komplett kaputten) System nochmal betont wird. Insofern leistet der Spiegel hier vermutlich sogar ungewollt Wahlkampfhilfe für die AfD.
      Was mir jedoch tatsächlich Sorge bereitet ist, dass mit solchen Schlagzeilen Menschen dazu verlockt werden könnten, dass von Ihnen scherzhaft angefügte „Tot oder Lebendig“ zu implizieren.

      Es gab in den USA ähnliche Berichte und Schlagzeilen über Charlie Kirk. Er war, ähnlich wie Siegmund, ein begnadeter Rhetoriker und ein symphatisch wirkender Typ.
      Genau das hat ihn jedoch zur Zielscheibe für verrückte Linksextremisten gemacht, die gegen die Sachlichkeit und das vorhandene Fachwissen Kirks nichts erwiedern konnten.
      Die Machtlosigkeit gegen diese geballte Kompetenz, Rehtorik und Charisma – gepaart mit der zunehmenden Entmenschlichung Kirks in den Medien haben schließlich dazu geführt, dass jemand die „Sache erledigt“ hat.

      Wir haben reichlich von diesen Fanatikern in Deutschland. Menschen, die sich für Attentäter stark machen, die mit einem Hammer auf den Hinterkopf eines unschuldigen Familienvaters eingeprügelt haben.
      Bei einem dieser Menschen könnte die von den Medien gestreute Saat eines Tages aufgehen und ich unterstelle dem Spiegel (und vielen anderen Medienhäusern dieses Landes), dass sie sich dieser Macht bewusst sind und diese ggf. sogar genau das bezwecken wollen.

      Herrn Siegmund wünsche ich viel Glück und alles Gute und hoffe, dass er der nächste Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt wird und sich geschickt auf dem gefährlichen Parkett der Politik dieses Landes zu verhalten weis.

      • Gerd Franken Antworten

        @Martin Ludwig

        „Ich bin auch unschlüssig, was der Spiegel mit dieser Schlagzeile bezwecken möchte.“

        Meine Meinung: Beim Spiegel sind sie nicht das erste Mal durchgeknallt, was die Titelseite angeht. D. Trump mit dem Sternenbanner bekleidet und brav den rechten Arm erhoben. Ich weiß nicht welche Flachpfeifen in der Redaktion des Spiegel, dieses Siegmund Fahndungsfoto mit Text für ganz toll gefunden haben. Entweder rauchen die besonders starkes Kraut oder die tun das absichtlich um Siegmund auf der Antifa-Liste ganz oben zu plazieren. Beides ist denkbar. Mittlerweile wünsche ich Herrn Siegmund, dass er den restlichen Wahlkampf überlebt.

      • Klaus Kelle Antworten

        Ich bin auch unschlüssig, was der Spiegel mit dieser Schlagzeile bezwecken möchte.

        @Martin Ludwigm##was sie bezwecken wollen, weiß ich auch nicht. Aber eine bessere Werbung für Ulrich Siegmung gibt es nicht.

        • Gerd Franken Antworten

          Die CDU lässt sich allerdings auch nicht lumpen. Wahlplakat der Union in Sachsen:

          „Wir sind die Kraft die Recht und Ordnung schafft. Mit der Einführung der Fussfessel.“

          LOLL!!!

    • Dr. Hildegard Königs-Albrecht Antworten

      Der Spiegel:

      Früher war der SPIEGEL die Bildzeitung der Intellektuellen, in der Corona-Zeit wurde er von Bill Gates alimentiert und schrieb WHO-Propaganda, heute ist der SPIEGEL das Blatt für HASS und HETZE!
      Ist das Journalismus, nein, kann weg!

      • Gerd Franken Antworten

        Das Spiegel Cover wird nun zum ultimativen Wahlkampfmittel der AfD in SA. Die Menschen kaufen sich das Blatt und lassen es von Siegmund signieren.

        LOLL!!!!

  7. Harald Antworten

    Dieser ganze Vorgang sagt viel über den Zustand in vielen Köpfen dieses Landes. Weniger, dass Höcke eine solche PR-Provokation platziert – das tut er ja regelmäßig – sondern wie er aber auch Sarah Wagenknecht unter deren Anhängern dafür gefeiert werden und traditionelle, alternative und soziale Medien das breit ausschlachten. Es scheint einen großen Bedarf für derart absurden Politiker-PR-Zirkus zu geben.

    Aber auch an einer entsprechenden Politik, wie Umfragen zu den anstehenden Landtagswahlen im Osten zeigen, in denen extreme Ränder rechts wie links mehrheitsfähig werden.

    Ja, Deutschland rückt immer näher darauf zu, nicht mehr stabil regiert werden zu können.

  8. Angelika Antworten

    „gegenüber den ums nackte Überleben kämpfenden Menschen in der Ukraine“: Ich gebe zu, die Ukraine liegt in Europa. Aber warum nicht die „ums nackte Überleben kämpfende Menschen in Pakistan“? Oder die „ums nackte Überleben kämpfende Menschen in Burma“?
    Steht irgendwo im Grundgesetz: „Der Bundeskanzler ist dem Volk der Ukraine verpflichtet“ Oder „Der Bundeskanzler ist dem Volk Kanadas verpflichtet.“
    Ich persönlich liebe ja Mauritius so sehr. Deshalb finde ich, wir sollten jährlich 10 Milliarden Euro spenden, um Mauritius zu retten. Das ist unsere moralische Pflicht!
    Ich finde es witzig, wenn Leute meinen, der Staat solle dem Land, welches sie zufällig so sehr mögen, unser Geld geben.
    Was unterscheidet einen Lib-Kon eigentlich von einem Linken, der sagt: „Die Menschen in Afghanistan werden unterdrückt und sie sind so arm, wir sind verpflichtet 1 Million Afghanen jährlich aufzunehmen.“

    • Harald Antworten

      @ Angelika

      Die Antwort geben Sie sich doch schon selber: Die Ukraine liegt in Europa. Und grenzt auf fast 1.400km direkt an EU-Staaten.

      Die Konsequenzen, käme Putin mit seinen ursprünglichen Kriegszielen durch, können Sie sich dann ausmalen.

      • Angelika Antworten

        Mir geht es um Folgendes: Man kann nach logischem Überlegen zu der Ansicht gelangen, dass es für Deutschland von Vorteil ist, wenn die Ukraine Russland stand hält. Aber zu sagen „Das ist so schlimm, wir müssen denen 100 Milliarden Euro geben“, könnte man auch über jedes Land dieser Welt sagen. Das ist nicht anders als die „Argumentation“ von Linken „Holt 10 Millionen Afghanen hierher, denen geht es so schlecht!“.
        Das ist keine Politik. Das ist ein Gefühlsp… .

        • Gerd Franken Antworten

          @Angelika

          In Afghanistan wurde ja mal unsere Freiheit verteidigt. (Peter Struck, SPD) Wie das ausging wissen wir ja heute. Von den 3500 Soldaten der Nato (2001-2021) die dort ihr Leben gelassen haben, waren 60 Deutsche. Das Ergebnis: Die totale Machtübernahme der Taliban. Nachtigall……

          • Klaus Kelle

            @Gerd Franken,

            ja, Bundeswehr, Amis und NATO hätten dort bleiben sollen und den Job zuende bringen.

            So, wie die NATO 2014 auf die Krim mit militärischer Macht konsequent hätten eingreifen sollen.

            Aber wie heißt es so schön? Hätte, hätte, Fahrradkette…

          • Gerd Franken

            „den Job zuende bringen.“

            @Klaus Kelle

            Die haben 20 Jahre gebraucht um festzustellen, dass sie den Job besser nicht angefangen hätten. Dabei hatten sie an den Sowjets doch ein bestes Beispiel wie man es nicht macht.

        • Harald Antworten

          @ Angelika

          Auch wenn es „nur“ um Hilfe geht, sehe ich einen Unterschied bei einem unmittelbar benachbarten Land vs. einem Land am anderen Ende der Welt.

          Bei der Ukraine kommen aber wie gesagt auch ureigene europäische Interessen hinzu, die klar dafür sprechen, Hilfe zu leisten. Das bezieht sich auf
          – Vermeidung weiterer massiver Fluchtursachen in unmittelbarer Nachbarschaft
          – Sicherung zukünftiger Handelsketten
          – Profitieren von der massive militärischen Erfahrung der Ukraine.

          Um nur ein paar zu nennen.

          • Angelika

            „Fluchtursachen“ wird man nie bekämpfen können. Wenn man aber die Grenzen dicht macht, gehen sie halt woanders hin.
            Meine Einstellung zu unserem östlichen Vorfeld:
            1.) Russland und Deutschland ergänzen sich wirtschaftlich sehr gut: Russland hat viele Rohstoffe, die wir brauchen können. Wir können ihnen Industrieprodukte liefern.
            2.) Es ist gut, wenn zwischen Russland und uns andere Pufferstaaten sind (Russland ist kein netter Nachbar:). Diese sind uns aber nicht unbedingt wohlgesonnen. Siehe Polen. Es wäre gut, wenn es zwischen Russland und der Ukraine zu einem Waffenstillstand kommt. Wie das passieren soll, weiß der Himmel.
            3.) Zur „Armee“ Deutschlands: Die USA hätte gerne, dass wir ihnen lokal Aufgaben abnehmen. Unsere europäischen Freunde würden aber laut aufschreien, wenn wir wirklich eine starke Armee hätten.
            Allgemein: Wir können es unseren europäischen Freunden und Nachbarn nicht Recht machen. Sie hätten am liebsten ein Deutschland von der Stärke Luxemburgs, das alle ihre Rechnungen bezahlt. Deutschland muss eine Außenpolitik a la Bismarck spielen: Gute Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn und ebenso zu USA, Russland und China pflegen. Also Realpolitik und kein Kampf Gut-gegen-Böse.

          • Harald

            @ Angelika

            Man wird nicht alle Fluchtursachen bekämpfen können. Richtig. Aber jene, die in unmittelbarer Nachbarschaft von einem fremden Staat verursacht werden, sind es wert, bekämpft zu werden. Weil nein: Sie werden die Grenzen nicht dicht machen können. Wo sollten Ukrainer denn hin außer Richtung EU? Sicherlich nicht nach Belarus oder Russland!

            Zu 1) Ja, Russland und Deutschland haben und würden sich wirtschaftlich gut ergänzen. Das setzt aber Vertrauen und Vertragstreue vor. Ersteres ist von Russland ebenso zerstört wie es unzählige internationale Verträge und Absprachen gebrochen hat (Völkerrecht, Budapester Memorandum, NATO-Russland-Pakt). Von massiven Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen ganz zu schweigen.

            Zu 2) Ich weiß nicht, wie viele Verhandlungen es gab. Von verschiedenster Seite. Ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen. Putin will nicht verhandeln. Das hat gerade zuletzt immer wieder betont. Also was wollen Sie tun?

            Zu 3) Nein! Das stimmt nicht! Unsere europäischen Nachbarn begrüßen Deutschlands militärischen Anstrengungen. Frankreich bietet uns sogar Teilhabe an ihrem atomaren Schutzschild an. Und wir haben gute Beziehungen zu China und den USA, und das obwohl Trump es uns nun wirklich nicht leicht macht sondern uns jeden nur erdenklichen Knüppel zwischen die Beine wirft.

      • Joly Antworten

        Wir sind die Kraft die das Gute will und das Schlechte schafft. Das wäre noch ein Lob für die Union der letzten 20 Jahre. Es ist höchste Zeit, dass diese Parteien der Blockflötenfront bei den kommenden Wahlen unter sonstige geführt werden. Dafür bin ich bereit zu leiden.

    • Klaus Kelle Antworten

      @Angelika,

      Aber warum nicht die „ums nackte Überleben kämpfende Menschen in Pakistan“? Oder die „ums nackte Überleben kämpfende Menschen in Burma“?

      Das ist nun sehr leicht zu beantworten: Weil es im ureigendsten Interesse von uns und ganz Europa liegt, dass der Straßenschläger im Kreml in der Ukraine verliert und sich nicht anderen zuwenden kann, die dringend seine „Befreiung“ wollen.

      Die Ukraine ist das starke Bollwerk dazwischen, und ich bin absolut dafür, dass sie nach dem Krieg Mitglied von EU und NATO werden.

      Klaus Kelle

      • Angelika Antworten

        Wieder „der böse Straßenschläger“ und die „guten Helden“.
        Ja Putin ist ein Straßenschläger. Ja, ich möchte die Russen ganz sicher nicht hier haben. Aber die Polen z.B. hassen uns Deutsche mehr als es die Russen tun. Wenn die Polen könnten wie sie wollten, würden sie Deutschland mindestens bis zur Elbe erobern. Die größten Gegner der deutschen Einheit waren nicht die USA und die Sowjetunion, sondern Frankreich und GB.
        Es geht nie um gut gegen böse. Es geht um Staaten mit Interessen.
        Wenn Deutschland irgendwie normal wäre, würde man pragmatische Außenpolitik wie Bismarck betreiben. Aber ohne moralischer Weltmeister geht es scheinbar nicht. Nicht bei den Grünen, die 10 Millionen Afghanen retten und hierher holen wollen. Und nicht bei Liberal-Konservativen, die 100 Milliarde an die Ukraine verschenken wollen, um sie zu retten.

        • Harald Antworten

          @ Angelika

          Es stimmt einfach nicht, dass uns „die Polen“ mehr hassen als die Russen, schon gar nicht als Staat. Wöchentlich drohen im russischen Staatsfernsehen Moderatoren und Talkshow-Teilnehmer, Deutschland binnen weniger Minuten mit Atombomben auszulöschen.

        • Klaus Kelle Antworten

          @Angela,

          es geht um Interessen, das sehe ich genauso. Und unser deutsches Interesse ist es, uns den Straßenschläger im Kreml konsequent und dauerhaft vom Hals zu halten.

          Ich verstehe auch nicht, warum Sie so herumeiern. Natürlich ist der, der ein Land angreift, der Böse, und der, der seine Leute dagegen verteidigt, der Gute. Was denn sonst?

          Klaus Kelle

          • Angelika

            Ich sehe nicht, wieso man sich so in Russland verbeißen soll, wenn uns das 100 Milliarden Euro oder mehr kostet.
            Die Welt ist ein gefährlicher Ort. Wer heute auf dem Papier unser „Freund“ ist, kann morgen unser Feind sein. Und egal, was wir jetzt machen, Russland wird nicht verschwinden. Ob jetzt ein paar Gemeinden russisch oder ukrainisch sind, macht keinen Unterschied.
            Die USA haben sich in den Vietnamkrieg verbissen. Zum Nachteil der USA. Die Sowjetunion hat sich in Afghanistan verbissen. Die USA haben sich 20 Jahre in Afghanistan verbissen. Ohne jeden Erfolg. Die europäischen Staaten haben sich in den 1. Weltkrieg verbissen. Am Ende waren im Grunde alle Pleite.

          • Klaus Kelle

            @Angelika,

            ich bin sicher, in England, Frankreich oder den USA hat es 1941 auch viele Menschen gegeben, die gedacht haben: „Ich verstehe nicht, wie man sich so in Hitler-Deutschland verbeißen soll?“

            Der einstige britische Premierminister David Lloyd George besuchte Hitler 1936 auf dem Obersalzberg. Danach schrieb er einen berüchtigten Artikel im „Daily Express“, in dem er Hitler überschwänglich als „nationalen Helden“ pries, der sein Land doch nur aus der Armut führen wolle und keinen Krieg plane.

            Ich bin immer wieder fassungslos über die Naivität, die in Teilen Deutschlands gegenüber Russland herrscht. Putin ist kein Staatsmann, er ist ein KGB-Agent, der überall mit Gewaltund Subversion für Unruhe sorgt, der Deutschland massiv bedroht und mit Sabotage und hybriden Angriffen nicht nur droht, sondern sie ausführen lässt.

            Die europäischen Staaten, die Sowjetunion und die USA haben sich im Zweiten Weltkrieg in nichts verbissen, sie haben Hitler konsquent und hart gestoppt. Und genau das muss heute mit Putin geschehen, wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder und Enkel in einer immer unsicheren Welt leben, die – gut möglich – in einem dritten großen Krieg enden kann. Und Sie wollen ernsthaft darüber sprechen, dass ich immer so unfreundlich über Putin schreibe, während die Ukrainer Nacht für Nacht in Kellern sitzen und um ihr Überleben bangen?

          • Angelika

            „Die europäischen Staaten, die Sowjetunion und die USA haben sich im Zweiten Weltkrieg in nichts verbissen, sie haben Hitler konsquent und hart gestoppt. „:
            Zur Info: Deutschland hat Polen am 1.9.1939 angegriffen. Die Sowjetunion hat Polen 16 Tage später angegriffen. Frankreich und GB erklärten Deutschland den Krieg, der Sowjetunion NICHT.
            Am 30.11.1939 griff die Sowjetunion dann Finnland an. Frankreich und GB erklärten auch dann der Sowjetunion NICHT den Krieg. Im Juni 1940 forderte die Sowjetunion Gebiete Rumäniens. Rumänien trat die ab, weil es einen Krieg nicht gewinnen konnte. Frankreich und GB erklärten der Sowjetunion nicht den Krieg.
            1941 kam es dann zum Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion. Finnland und Rumänien waren mit Deutschland verbündet und führt gemeinsam mit Deutschland Krieg gegen die Sowjetunion. Finnland und Rumänien waren damit automatisch die Bösen.

          • Gerd Franken

            @Angelika

            Ein interessanter Diskurs in die Geschichte. Nicht zu vergessen, dass Deutschland mit den Sowjets 1939 (!) einen sog. Nichtangriffspakt geschlossen hatte, wo sie in geheimen Zusatzprotokollen die baltischen Staaten, Polen und Finnland schon mal aufgeteilt hatten.

    • Johannes Antworten

      @Gerd Franken

      In der Welt wurde schon berichtet – hört sich gut an 😎

      Ben wollte auch Schulze und Siegmund diskutieren lassen – unbegleitet, äh… ungeskriptet sollte es natürlich heißen.

      „Außerdem sagte Berndt, er habe auch den amtierenden Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU) eingeladen, um Siegmund im Gespräch herauszufordern. Schulze habe die Einladung jedoch abgelehnt.“

      Warum wohl, hat Schulze abgelehnt. Ich vermute mal, vier Sunden sind ihm einfach zu lang.

      • Gerd Franken Antworten

        „Schulze habe die Einladung jedoch abgelehnt.“

        Wer hätte das gedacht…..?

        😉

  9. Gerd Franken Antworten

    By the way: Wagenknecht hat ausgeknechtet. Sie ist ein wenig der Realität entfleucht.

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