Von der Unfähigkeit, mit anderen zu reden: Im Herbst explodiert die Brandmauer – ob das Herrn Merz gefällt oder nicht

„Die Brandmauer wird in diesem Herbst zusammenbrechen und die Union ist nicht darauf vorbereitet.“ So lautet die Kernaussage von Professor Dr. Andreas Rödder, der – meine Formulierung – als der letzte halbwegs konservative Intellektuelle in der CDU gilt, heute Morgen bei WELT TV. Und Rödder hat mit jedem Wort recht, wenngleich er die Zeichen der Zeit auch lange nicht erkannt hat, die sich seit Jahren an Deutschlands politischem Horizont abzeichnen.

Ich erinnere mich noch gut an seinen Auftritt bei einer meiner bürgerlich-konservativen „Schwarmintelligenz“-Konferenzen vor Jahren, wo er einräumte, man müsse als Union eine Antwort auf den Erfolg der AfD finden, gleichzeitig aber die Politik Angela Merkels positiv würdigte.

Nun ist Rödder auch in der Wirklichkeit angekommen

Willkommen im Club!

Keine Woche vergeht, in der nicht immer deutlicher das Versagen, insbesondere der CDU, offen ausgesprochen wird. Nicht das politische Versagen, nicht die gebrochenen Wahlversprechen, nicht die devote Haltung gegenüber dem Koalitionspartner SPD im Bundestag. Das historische Versagen der Union ist die völlige Unfähigkeit, auf eine aktuelle dynamische Entwicklung zu reagieren und mit neuen Akteuren zu reden.

Ich habe seit 2017 versucht, so etwas auf die Beine zu stellen. Eine Art „Pizza-Connection“ hinter verschlossener Tür – mit Abgeordneten der CDU und der damals noch jungen AfD.

+++Konservativ und bürgerlich – das muss es auch in den Medien geben+++Deshalb gibt es uns+++Bitte spenden Sie für unsere publizistische Arbeit nach Ihren Möglichkeiten auf das Konto DE18 1005 0000 6015 8528 18 oder über  PayPal auf das Konto @Vers 1 Medien GmbH+++

Da war noch nix mit „Nazi“ und völkischem Dummgequatsche. Prof. Bernd Lucke, Professor Hans-Joachim Starbatty, Ulrike Trebesius, Hans-Olaf Henkel – kein Hauch von radikal, höchstens als radikale Verteidiger eines Europas, in dem nicht die deutschen Steuerzahler die Zeche anderer wirtschaftlich schwacher EU-Staaten bezahlen sollten (und haben).

Warum sollte man mit der neuen aufstrebenden Kraft namens AfD also nicht sprechen?

Aber man verweigerte es. CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nachgesagt, sie habe damals ihrem Präsidium die Order gegeben: „Mit denen reden wir nicht!“

Und es hatte ja auch immer so schön funktioniert vorher, wenn sich eine neue Partei anschickte, in den Gewässern der damals noch Volkspartei CDU zu fischen. Konsequent ignorieren wie bei den Republikanern in den 90ern – dann sind die irgendwann weg.

Die AfD wird nicht irgendwann weg sein

Bei Hans-Georg Maaßens WerteUnion hat die Strategie des Konrad-Adenauer-Hauses noch ein letztes Mal funktioniert. Konsequent meiden, Parteiausschlussverfahren, widerliche „Krebsgeschwür“-Vergleiche abgehalfterter CDU-Granden.

Doch jetzt droht der Super-GAU

Und die AfD ist heute nicht mehr die Partei, mit der man sich in politischen Fragen weitgehend hätte einigen und Mehrheiten für die Zukunft schmieden können.

Die AfD ist heute keine Professorenpartei mehr mit liberalen, ja libertären Zielen. Die AfD ist heute rechts, was überhaupt kein Drama ist. Rechts gehört zu einer Demokratie dazu wie Links, als belebender Kontrapunkt, der die Mitte ständig herausfordert, damit die nicht übermütig wird.

Aber in ihrer ständigen Benachteiligung durch Medien und mit Geschäftsordnungstricks, durch ihre Ausgrenzung, die soziale Ächtung und gewaltsame Angriffe auf ihre Repräsentanten bis hin zu Mitgliedern, die aus dem Kirchengemeinderat oder dem Fußballverein geworfen wurden, hat sich die AfD erkennbar immer mehr radikalisiert. Und wie Angela Merkel es lakonisch sagen würde: Jetzt sind sie nun mal da…

Stark und selbstbewusst wie nie

Die AfD in Sachsen-Anhalt kratzt an der absoluten Mehrheit der Mandate am 6. September. Und die ekelhafteste Partei in Deutschland, Sahra Wagenknechts BSW, ranzt sich gehörig ran gerade, um als weiterer politischer Paria irgendwie mit in Ulrich Siegmunds Regierungsboot zu klettern. In der Politik ist nahezu alles möglich, aber ehrlich, mir fehlt die Fantasie, wie der Durchmarsch dieses begnadeten Wahlkämpfers im September noch aufzuhalten sein könnte.

Sie haben es versemmelt, die CDU und die CSU, die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Konrad-Adenauer-Haus. Nicht weil da dumme Leute säßen, sondern weil sie vor allem eines nicht sein wollen: irgendwie mit einem Hauch von „Räächts“ behaftet. Ein bisschen rechts ist aber genau das, was der Union und unserem Land seit spätestens 2016 fehlt.

Gestern habe ich in Berlin ein paar „Wesselmänner“ gesehen, so heißen die mobilen Großplakate mit Parteiplakaten drauf (erfunden hatte die einst die Agentur Wesselmann in Bochum).

Da wird Stefan Evers plakatiert, Typ Schwiegermutters Liebling wie Wüst in Nordrhein-Westfalen.

Überhaupt, wenn Sie mit dem Auto durch Berlin fahren: Alle Kandidaten der CDU, die da gezeigt werden, wirken auf mich wie Mitarbeiter einer Sparkassen-Filiale. Nichts Buntes, nichts Kreatives, nichts Witziges, kein Hip-Hop, nichts Freches – einfach alle freundlich und gut gekleidet. Wie „Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer“ in den 70er Jahren.

Aber zurück zu Stefan Evers, der lässt sich in großen Buchstaben plakatieren mit „Ich bin konservativ – und das ist auch gut so“, wohl in Anlehnung an den früheren SPD-Regierungschef Klaus Wowereit mit seinem legendären Satz auf dem Nominierungsparteitag: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“

Wowereit ist homosexuell und er hat mit seinem Bekenntnis damals gewonnen.

Aber Stefan Evers ist nicht konservativ, und jeder weiß das in der Berliner CDU und bei den Bürgern, die ihn wählen sollen.

Schon wieder eine Mogelpackung

Die CDU muss sich ehrlich machen, sie muss ihren politischen Kurs, sofern man das überhaupt noch so nennen kann, radikal ändern – personell wie inhaltlich. Professor Dr. Werner Patzelt, einer der klügsten Politexperten Deutschlands, hat es vor Jahren auf den Punkt ausgedrückt: „Die CDU wird konservativ sein oder sie wird nicht sein.“

image_pdfimage_print

Dieser Artikel wurde 15 mal kommentiert

  1. Michael Fabian Antworten

    Herr Kelle,
    das Benennen der offensichtlichen Folgen der Politik seit 2015 und der sich notwendigerweise daraus ergebenden Konsequenzen als „völkisches Dummgequatsche“ abqualifizieren und fix noch auf den längst abgefahrenen Zug des „Nazi“ -Framings aufspringen, aber im gleichen Atemzug den Repräsentanten der CDU attestieren nichts begriffen zu haben – sie gestatten ein amüsiert-genervtes Schmunzeln?
    Sonnige Grüße, garniert mit einem ordentlichen Schuß Vorfreude auf den 6.9. von einem Ex-CDU-Mitglied aus Sachsen-Anhalt

  2. Gerd Franken Antworten

    „hat sich die AfD erkennbar immer mehr radikalisiert.“

    Etwas Sarkasmus gefällig? Siegmund stiefelt durch Sachsen-Anhalt und ruft zum radikalen Umsturz auf. So in etwa?

  3. Martin Ludwig Antworten

    Der größte Fehler der CDU ist und war Angela Merkel und ihr Erbe. Wenn die Union überhaupt eine Chance haben möchte wieder glaubhaft zu sein, dann muss Sie sich von Merkel, Merz und ihren Anhängern innerhalb der Partei lossagen.
    Wir kennen alle die Geschichte von unserer Angela, die zuerst versucht hat bei der SPD Fuß zu fassen und sich nur deshalb für die CDU entschieden hat, weil dort der Weg in politische Ämter viel einfacher und kürzer war.

    Kohl hat mit seinem Mädchen einen Kuckuck herangezogen, dessen unbedingter Wille es war, der größte und mächtigste Vogel weit und breit zu werden und der nicht davor zurückgeschreckt hat, Eier und Kücken aus allen Nestern im Baum zu werfen, wenn der Nachwuchs hätte gefährlich werden können.
    Warum jedoch alle „Altvögel“ dabei zugesehen und sich dem Kuckuck sogar angebiedert haben, wird für mich auf immer ein Rätsel bleiben.

    Die Wahl von Merz hat deutlich gezeigt, dass die Menschen im Land bereit waren, der CDU die Ära Merkel zu verzeihen. Merz ist schließlich der Klassenfeind von Merkel gewesen und hat in seinem Wahlkampf laut und offen gegen das gepoltert, was die Mutti der Nation so alles verbockt hat.
    Was danach kam, wird jedoch vermutlich selbst für den überzeugtesten CDU-Wähler ein Schock gewesen sein. Es wurde nicht nur jedes Wahlversprechen gebrochen, es wurde sogar aktiv das exakte Gegenteil von dem getan, was zuvor versprochen wurde. Der Beschluss über die Neuverschuldung hat dem ganzen die Krone aufgesetzt und ist in meinen Augen unverzeilich.
    Merz hat mit einer abgewählten Regierung die Zukunft meiner Kinder, deren Kinder und deren Kindeskinder geraubt. Er leiht sich Geld von Ungeborenen um es für seine Zwecke (und die ausländischer Mächte) zu missbrauchen. Das ist nicht nur charakterlich ein völlig neuer Tiefpunkt, es ist hinterhältig, widerwärtig und mit absolut nichts zu entschuldigen.

    Damit komme ich zurück zu meinem 2. Satz.
    Die CDU braucht sich nichtmehr von ihren „Lichtgestalten“ lossagen – es ist zu spät dafür und vollkommen überflüssig. Denn das Vakuum, dass von der Union geschaffen wurde, hat sich eine neue, glaubhafte und demokratischere Partei zu Nutzen gemacht.
    Wer früher überzeugter CDU wähler war und sich selbst als konservativ bezeichnet, der muss nur das Wahlprogramm der AfD lesen und sich die Reden im Bundestag anhören um eine neue (alte) politische Heimat zu finden.
    Denn die AfD hat das Rad mitnichten neu erfunden. Im Gegenteil, sie hat einfach die 4 hervorragend eingefahrenen Räder aus dem Lager der Union geholt, entstaubt und an ihren neuen Karren montiert.
    Wer dann noch überrascht war, dass die Räder völlig rund laufen und der Karren offensichtlich geeignet ist, auf dem sehr holprigen Parkett der Demokratie zu bestehen, der hat Demokratie im Kern niemals verstanden.
    Die Herrschaft des Volkes hat derjenige inne, der sich dem Willen des Volkes fügt. Wer jedoch meint, er könnte seine Herrscher von oben herab behandeln, an deren Willen vorbei regieren und versucht ihm seinen eigenen Willen aufzuzwingen…. der wird ganz hart auf dem Boden des Parketts aufschlagen – und hoffentlich unter die Räder der Demokratie geraten.

    Die Union hat ausgedient. Die leere Hülle der einstigen Volkspartei beschmutzt nur das große Erbe guter Politiker und sollte deswegen möglichst zeitnah auf dem Müllhaufen der Geschichte landen. (Frei nach L. Trotzki)

  4. Johannes Antworten

    Die Union hätte sich die Einschätzung von Horst Seehofer zu Herzen nehmen sollen, der am 5. September 2018 während einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag sagte: „Die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land.“

    Exakt dieses Thema, wurde von der gesamten Union liegen gelassen und von der AfD berechtigt und begründet aufgenommen.

    Heute, 8 Jahre später, hat das Thema Migration in Deutschland (und Europa) in nahezu ALLEN Bereichen, zu deutlich schlechteren Verhältnissen geführt..

    Drei Jahre vor Seehofer, noch im September 2015, so berichtet die Welt, soll Merkel in der Bundestagsfraktion der Union, angesprochen auf die Migration gesagt haben: „Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin, nun sind sie halt da“, und dieser Satz, so die Welt, verstörte einige Teilnehmer.

    Die Zerstörung der heutigen Union war 2018 noch nicht weit fortgeschritten, aber Seehofer erkannte die enorme Bedeutung für die Gesellschaft und die Politik; vielleicht auch für die Union; wer weiß? Nur: er handelte nicht entsprechend …

    Martin Ludwig schreibt sehr, sehr treffend: „Die Union hat ausgedient.“

    Das hat sie in der Tat. Und dies komplett selbstverschuldet.

    Und: Die vier gut eingefahrenen Räder sind nicht weg, Sie sind nur woanders.

  5. Angelika Antworten

    Die AfD erhält nicht die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Potentielle CDU-Wähler, die natürlich nicht wollen, dass die AfD regiert, werden über ihren Schatten springen und strategisch die SPD oder die Grünen wählen. Damit fällt die CDU auf 20%, aber SPD und Grüne schaffen es sicher in den Landtag und die All-Parteien-Koalition gegen die AfD kommt an die Macht.
    Und dann geht es weiter wie bisher. Die KuK-Monarchie konnte sich jahrzehntelang durchwursteln, obwohl sie bei fast allen verhasst war. Die Sowjetunion überlebte auch lange.
    Wie soll derzeit denn die Brandmauer fallen? Die CDU koaliert in verschiedenen Ländern mit SPD und Grünen. Die lassen es nicht zu, dass die CDU umfällt.
    Und zu „Da war noch nix mit „Nazi““: Auch Bernd Lucke war damals schon laut Mainstream „Nazi“.

    • S v B Antworten

      @Angelika

      „Auch Bernd Lucke war damals schon laut Mainstream „Nazi“

      Ja, genau so war es. Seltsam nur, dass sich keiner mehr so recht daran erinnern mag, wie unfair, ja schäbig die neue konservative Partei schon ab dem Tag ihrer Gründung von allen Seiten angefeindet, ja regelrecht angegiftet wurde. Schon damals zeigten sich erste Risse im Fundament der deutschen Demokratie.In den Folgejahren wurde der ehemals grundsolide demokratische Unterbau immer mehr ausgehöhlt. Diese unselige Entwicklung hat schließlich zu der parteipolitischen Misere geführt, die gerade von der CDU jetzt so wehleidig beklagt wird. An ihrem – vermutlich unausweichlichen Weg in die Bedeutungslosigkeit trägt diese ehemals große, verlässliche, genuin konservative Volkspartei selbst schuld – und zwar die alleinige. Ein entschiedenes Zurück in die Vor-Merkel-Zeit kann und wird es nicht mehr geben. Erschreckend leichtfertig, kurzsichtig und selbstverliebt hat die CDU ihre Wähler über die Jahre einfach davonziehen lassen. Schließlich wollen auch konservative Wähler ehrlich umworben und überzeugt werden. Und nun… will’s mal wieder keiner gewesen sein. Lachhaft. Die Frage nach dem Warum hat sich doch längst schon selbst beantwortet.

  6. Harald Antworten

    Die Brandmauer wird fallen. Anders wird es ja gar nicht gehen. Wenn es überhaupt notwendig ist und Siegmund nicht sogar die absolute Mehrheit holt.

    Das wird die Probleme aber nicht lösen. Diese liegen tiefer. Bei uns allen. Solange wir im Erwartungshaltungs-Dornröschenschlaf vor uns hindämmern, mit einer AfD aber auch dem BSW und den Linken, die uns mit ihren Gute-Nacht-Geschichten weiter einlullen, wird sich daran nichts ändern.

    Um es nur mal am Beispiel Rente aufzuzeigen. Dem Thema, das laut Politbarometer den Menschen neben Wirtschaft am meisten unter den Nägeln brennt. Weit vor Migration. Dobrindt und die neuen EU-Beschlüsse sei Dank. Da liegt nun ein Rentenpaket auf dem Tisch. Die Koalition will es in Gänze umsetzen, wie von der Rentenkommission empfohlen. Und was passiert? Die AfD aber auch der BSW ist gegen das Ende der Rente mit 63 und treibt die ostdeutschen Unions-Wahlkämpfer vor sich her, die nun im Bundesrat dagegen stimmen wollen. Und schon grätschen Sozialpolitiker rein: Dann bitte auch andere Härten entschärfen, während auf der anderen Seite Wirtschaftsvertreter aber auch die Junge Union noch mehr fordern. Und so droht, dass das Rentenpaket zum Reförmchen verkümmert, wenn es nicht gar ganz scheitert.

    Und wieder rufen vor allem Ostdeutsche nach dem der Staat, der es bitte für sie richten solle. Rund 2 Billionen (!) Euro, die Bund und EU (die gilt ja gerade im Osten als ganz böse!) in den Aufbau Ost gesteckt haben, Angleichung von Rentenzahlungen, die gar nicht entsprechend gedeckt sind – all das reicht noch nicht.

    Ich kann Peer Steinbrück nur vollumfänglich zustimmen. Er sieht ein Paradoxon. Auf der einen Seite kritisieren viele Bürger gerade im Osten den Staat als übergriffig und paternalistisch und dass er sich gefälligst aus deren Leben raushalten solle, auf der anderen Seite sehen die gleichen Bürger den Staat als eine „Art Lieferservice“, der einem alle Risiken von der Backe halten solle. Völlig zurecht fordert Steinbrück ein Ende der Vollkaskomentalität, ein Ende des Sedierens der Bevölkerung mit wohlfeilen Versprechen und statt dessen die Kommunikation notwendiger Wahrheiten und mehr Eigeninitiative anstatt jede Lösung vom Staat zu erwarten.

    Tatsächlich gibt es nur eine Partei, die das in dem Umfang so deutlich fordert. Und die ist nicht mehr im Bundestag vertreten.

    • Martin Ludwig Antworten

      @Harald

      du kannst nicht ein Zahnrad in einem Uhrwerk tauschen und hoffen, dass die Uhr danach wieder läuft – während das Antriebsrad für Jeden weithin sichtbar ohne Funktion ist, dieses aber nicht als Problem benannt werden darf und deshalb auch nicht repariert wird.

      Die Rente ist ein großes Problem in Deutschland und jeder, der eine Statistik lesen kann, hat gewusst, dass uns diese Thematik mit voller Härte treffen wird. Das ist weder überraschend noch diskutabel. (Bitte deshalb an dieser Stelle nicht wieder die Oma mit dem Kopf in den Ofen und den Füßen in den Gefrierschrank stecken)
      Wir haben jedoch neben der Rente noch Milliarden anderer Probleme – die alle auf das eine Kernthema zurückführen! GELD!!! Genauer gesagt, dessen ausbleiben bzw. fehlen.

      Wir müssen also entweder Einnahmen generieren oder sparen.
      Aktuell hat Deutschland eine der höchsten Steuer- und Abgabenlasten der Welt. Tendenz steigend. Daneben haben wir eines der spätesten Renteneintrittsalter und eine der niedrigsten Rentenquoten.
      Die Eigentumsquote ist auf historischem Tiefstand und das Pro-Kopf-Vermögen von Deutschen Bürgern fällt immer weiter. Wir sind mitlerweile nichtmal mehr in den TOP 20. Der Tag des Steuerzahlers fällt dieses Jahr auf den 13.07.2026. Jeder Euro, der bis zu diesem Tag verdient wurde, ging zurück an den Staat.
      Vom danach verdienten Geld müssen Ausgaben wie Miete, KfZ, Versicherungen, Energie, Lebensmittel etc. getätigt werden. Für viele ist sparen deswegen quasi unmöglich.
      Aus diesem Grund scheidet die Erhöhung der Abgabenlast und damit der Staatseinnahmen offensichtlich aus. Das interessiert aber unseren Staat nicht, er möchte trotzdem mehr…

      Die Ausgabenseite hingegen zeigt auf, dass wir 27,39 Milliarden Euro an die EU übeweisen. An die Ukraine gingen ungefähr 55 Milliarden Euro. Für Entwicklungszusammenarbeit und Klimahilfe gingen 29,1 Milliarden Euro an Drittländer. 528 Millionen Euro fließen als Kindergeld ins Ausland. 6,3 Milliarden Euro Bürgergeld zahlen wir für Ukrainer im Land und die Gesamtkosten der illegalen Migration seit 2015 werden auf über eine Billionen Euro geschätzt.

      Der Zuschuss des Staats zur Rente beträgt 127,8 Milliarden Euro. Nicht erwähnt wird dabei, dass der Staat selbst wahnsinnig viele „Rentenfremde Leistungen“ aus den Rentenkassen heraus nimmt und beispielsweise Reha-Maßnahmen dort ebenfalls mit hinein fallen – und diese, wie auch die Renten werden ebenfalls für Einwanderer und Menschen, die nie in das System eingezahlt haben, finanziert.

      Der Staat könnte also ohne mit der Wimper zu zucken durch Einsparung an der „richtigen Stelle“ nicht nur die Rentenlücke decken. Er könnte sogar das Renteneintrittsalter massiv senken und die Rentenquote massiv erhöhen. In Italien und Frankreich beispielsweise geht der durchschnittliche Arbeitnehmer mit 62 Jahren in Rente. Die Rentenquote liegt in Italien bei 92 % des letzten Nettoeinkommens und die Rente wird nicht versteuert.
      Gleichzeitig sind Frankreich und Italien NEHMERLÄNDER! Der Deutsche Arbeitnehmer finanziert also über die EU die Renten der Nachbarländer, in denen die Arbeitnehmer eine viel höhere Eigentumsquote haben und ein weit höheres Pro-Kopf-Vermögen.

      Nein Harald. Wir brauchen keine Rentenreform. Zumindest nicht jetzt und nicht in die gedachte Richtung! Wir brauchen eine „Germany First“ Politik auf allen Ebenen und wir müssen den Sumpf aus Lobbyismus und Korruption in Deutschland und im Ausland trocken legen und die Remigration mit Vollgas angehen und den Klimaschutz von den Ländern finanzieren lassen, die das Klima nachhaltig schädigen.
      Dann und nur dann klappt es auch wieder mit den Staatsausgaben!

      • Harald Antworten

        @ Martin Ludwig

        Ich weiß nicht, wo Sie Ihre Informationen herhaben. Meine sind gänzlich andere.

        Frankreich und Italien sind keine EU-Nehmer- sondern Geberländer, nach Deutschland die größten.
        In Frankreich und Italien müssen Renten ebenso als Einkommen versteuert werden wie in Deutschland. In Deutschland übrigens anteilig nur auf den Teil, der zur Zeit der Einzahlung steuerbefreit war.
        Vor allem Frankreich aber auch Italien leisten sich ihr Rentensystem (in Italien liegt das offizielle übrigens auch bei 67) mit einer gigantischen Staatsverschuldung. In Italien liegt sie aktuell bei 139% des BIP, in Frankreich bei fast 118%. In Deutschland trotz Sondervermögen bei gerade mal 63,5%.
        Und nein: Rentenfremde Leistungen wie Reha bekommt niemand aus der Rente bezahlt, der nie dort eingezahlt hat. Die relevantesten rentenfremden Leistungen sind die Mütterrente oder Renten für Spätaussiedler. Plus Rente für ältere Ostdeutsche, weil die DDR deren Renteneinzahlungen anderweitig verballert hat.

        Nein, Martin Ludwig. Wir brauchen eine Rentenreform, damit wir nicht bald bei 150Mrd Steuerzuschuss pro Jahr sind. Wie jene Länder, die stets als Vorbilder genannt werden und die schon vor vielen Jahren auf das demographische Problem reagiert und das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt (Schweden, Niederlande) oder direkt hochgesetzt (Dänemark, auf 70 Jahre) sowie eine Kapitaldeckung eingeführt eingeführt haben.

        All das ist im Rentenpaket jetzt endlich auch geplant. Wer das für nicht nötig hält und stets nur auf andere zeigt, tut genau das, was Peer Steinbrück zurecht kritisiert: Der Staat oder wahlweise andere sollen es regeln, aber bitte man nicht selber seinen Beitrag leisten.

        • Martin Ludwig Antworten

          @Harald

          ich habe es so satt, „meinen Beitrag zu leisten“. Ich habe die Situatio so nicht herbeigeführt. Nicht bei der Rente, nicht bei der Staatverschuldung und auch nicht beim bösen Klimawandel.
          Das alles war die Generation von 1970 bis 1990, die gelebt haben als ob es kein Morgen gäbe und alle Chancen dieser Welt hatten.
          Ein Haus in München hat 1980 im Durchschnitt 400.000 DM gekostet. Das entsprach ca. 13 bis 14 Jahresgehältern.
          Ein Haus in München kostet 2026 im Duchschnitt 1,5 Mio. Euro. Das entspricht ca. 25 bis 30 Brutto-Jahresgehältern!
          Welche normale Familie soll sich das noch leisten? Dazu kommt, dass die Oma oder Eltern bis spätestens zum Jahr 2000 ihr Bude abbezahlt haben. Danach hat man sich reich gewohnt – denn das Haus ist trotz „Nutzung“ in diesem Zeitraum um den Faktor 7 im Wert gestiegen.

          1980 finanzierten 3,6 Beitragszahler einen Rentner. Heute sind es 2,1.
          Festgeld konnte mit Renditen zwischen 9 % und 10 % angelegt werden.
          Damals war noch nicht einmal jede zweite Mutter berufstätig, heute sind wir bei mehr als zwei von drei Müttern – gleichzeitig sind immer weniger Familien im Stande ein Eigenheim zu bauen oder zu kaufen.
          Was damals also meist mit 1 Einkommen zu stämmen war, geht heute nichtmehr mit 2.

          Ich für meinen Teil habe einfach keine Lust dabei zuzusehen, wie sich Tante Rosa mit 60 zur Ruhe setzt und ihr Haus für Millionen verkauft – von dem Geld wird dann ein Wohnmobil gekauft und der Winter in Spanien oder Kroatien verbracht, weil Deutschland zu kalt und zu teuer ist. In die Heimat kommt man dann nur zum jährlichen Gesundheitscheck und um seine Rente vom Konto abzuholen. Gleichzeitig sollen wir heute bis 70 arbeiten und haben wenig bis keine Perspektive auf einen solchen Lebensstandard.
          Sorry, so geht das nicht.

          Rentenreform – ja bitte. Aber ich will die Solidargemeinschaft verlassen können. Selbstverständlich unter der Prämisse, dass ich selbst auf jeden Anspruch verzichte.

          Könnte ich das Geld für meine Rente selbst anlegen, könnte ich mit 50 das Arbeiten aufhören.
          Diejenigen die das nicht können, haben oft einfach alles falsch gemacht im Leben oder ihre Kohle sinnlos verballert. Mein Mitleid hält sich da massiv in Grenzen.

          Sozialleistungen für echte Härtefälle gerne. Rente für Tante Rosa mit ihrem 1,5 Mio. € Eigenheim, 1000 m² Grunstück und 250 m² Wohnfläche… Nein danke!

          • Harald

            @ Martin Ludwig

            „Ich für meinen Teil habe einfach keine Lust dabei zuzusehen, wie sich Tante Rosa mit 60 zur Ruhe setzt und ihr Haus für Millionen verkauft – von dem Geld wird dann ein Wohnmobil gekauft…“.

            Genau das steht ja im Rentenpaket: Keine (abschlagsfreie) Rente mit 63 mehr. Die AfD ist strikt dagegen und punktet damit im Osten. Und die dortigen Ministerpräsidenten ziehen nach und drohen damit, das Rentenpaket im Bundesrat abzulehnen.

            Und „Tante Rosa“ können Sie selbst mit 67 die Rente nicht nehmen, nur weil Sie ein 1,5Mio € Eigenheim besitzt. Sie hat sich ihre Rentenpunkte über Jahrzehnte angespart. Ihr das zu nehmen, wäre Enteignung. Sowas will ja noch nicht mal die Linke, und die will schon viel Unsägliches.

            Wir können uns jetzt weiter stundenlang im Kreis drehen und auf andere zeigen, wer Schuld daran hat. Ich sehe da viele Köche, die in der Rentenküche standen und stets das machten, was die große Mehrheit wollte. Und so scheiterte vor über 25 Jahren die Idee der Aktien-Rente an der extrem ausgeprägten Risikoaversion der Deutschen Sparer, die ja heute noch Aktien meiden wie der Teufel das Weihwasser und lieber Sparbuch oder festverzinsliche Wertpapiere bevorzugen und auch bei der privaten Altersvorsorge absolute Sicherheit forderten. So bekamen wir Riester. Andere Länder wie Schweden haben es gewagt mit staatlich kontrollierter Anlage am Aktienmarkt. Die dortige „AP7“ arbeitet mit einer winzigen Kernmannschaft von gerade mal 60-70 Mitarbeitern extrem effizient und erwirtschaftete über die letzten Jahrzehnte zweistellige Renditen pro Jahr. Davon kann man nur träumen. So was will ich auch. Nicht für mich. Ich bin zu alt und habe anderweitig vorgesorgt, sondern für die zukünftige Generation. So wie es im Rentenpaket vorgesehen ist.

          • S v B

            Gemach, gemach, lieber Martin Ludwig.

            Ihre Hauspreise in und um München aus den 80er Jahren lassen mich schmunzeln. Ein einigermaßen bewohnbares Haus für 400.000 DM war schon damals wohl noch rarer als Hühnerzähne. Und auch die verflixten Darlehenszinsen waren um einiges „saftiger“ als die von heute. Man braucht sich doch nur umschauen, um festzustellen, dass die Leute heute teils weitaus anspruchsvoller, aufwendiger und kostenträchtiger leben als dunnemals. Häuser, Wohnungen, Einrichtungen, Autos, E-Bikes und E-Scooter, Nah- und Fernreisen, kulturelle Genüsse aller Arten, auswärts Essen gehen, Kleidung, Uhren, Fitness-Studios und wohl noch etliches andere mehr. Das alles dürfte wohl kaum ausschließlich auf Pump zu haben sein. Allein die ständig wechselnden, modisch angesagten Outfits der jungen Leute, die Smartphones, die Kosten für Nagelstudio- und teils erstaunlich teure Friseurbesuche und, und, und. Sorry, aber das alles hat es „damals“ in dieser Form und Verbreitung (noch) nicht gegeben. Ich habe nicht nur die 80er bei vollem, kritischen Bewusstsein durchlebt, sondern beobachte auch die Zeichen unserer Zeit sehr aufmerksam.

          • Harald

            @ S v B

            Absolut richtig! Schon in den 1980ern galoppierten die Immobilienpreise vor allem in München aber auch Frankfurt/M. Und die Darlehenszinsen lagen 1980 bei 10-12%, aktuell bei knapp 4%, vor kurzem noch deutlich niedriger. Auch hat sich die individuelle Wohnfläche pro Kopf massiv vergrößert.

            Von den anderen von Ihnen heute als selbstverständlich wahrgenommen Luxusansprüchen mal ganz zu schweigen. Sowas gab es damals nur für die oberen Zehntausend.

            Viel spannender hierbei der Blick auf die „Kaufkraft pro Lohnminute“, die klar widerlegt, dass heute alles viel teurer geworden ist. Das stimmt einfach nicht, noch nicht mal bei Benzin.

            Für 1L Superbenzin musste man 1980 7,5 Minuten arbeiten, heute 5.
            Für einen Fernseher damals 70-80 Stunden, heute rd. 20.
            Für 500g Kaffee damals rd. 40 Minuten, heute 20.
            Für 1L Milch damals 8 Minuten, heute 4.
            Das einzige, was 20-30% teurer geworden ist, ist z.B. die Handwerkerstunde.

            Betrachten man den gesamten Warenkorb, musste man für den in Westdeutschland 1991 knapp 32 Arbeitstage schaffen, heute sind es nur noch knapp 14 Arbeitstage.

            In den ostdeutschen Bundesländern läuft seit einigen Wochen eine Aktion, bei der weiße T-Shirts mit „Unser letztes Hemd“ über Ortsschilder gehängt wird. Recherchen ordnen die Bewegung dem rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Protestmilieu zu. Die AfD unterstützt die Aktion. Das Zuhängen von Verkehrs- und Ortsschildern ist übrigens eine Ordnungswidrigkeit!

  7. Querdenker Antworten

    Ich kann und mag diese Diskussionen, oder sollte ich besser Kakophonie sagen, über die Brandmauer nicht mehr hören. Ich sehe in der Brandmauer eine fest zementierte politische Lähmung und eine katastrophale Vergeudung wertvoller Zeit. Die Welt schreitet weiter voran und wartet nicht auf das Zusammenbrechen der Brandmauer in Deutschland. Nach jedem neuen Versuch, die Brandmauer zu überwinden, fällt den Befürwortern nichts Intelligentes ein, als die Brandmauer zu erhöhen. Mittlerweile lauert hinter der Brandmauer das vierte Reich und das Ende der Demokratie. Dabei schreit jede Wahlumfrage unüberhörbar: „Die Brandmauer ist gescheitert!!!!“. Trotz vieler Fehler, Hinweise oder neuer Gegebenheiten wollen oder können die Brandmauer-Verteidiger nichts dazulernen, und deren Lernresistenz ist mir unbegreiflich. Angst und Panik vor ihrem Machtverlust scheinen förmlich große Teile der Gehirne auszuschalten. Sie reagieren wie Menschen mit einer leichten Intelligenzminderung oder einem IQ von 50. Bei Erwachsenen entspricht dies dem Intelligenzalter eines etwa 9- bis 12-jährigen Kindes. Genauso verhalten sich die Verteidiger der Brandmauer. Wenn die Brandmauer im September fallen sollte, sind für mich die CDU und die anderen Altparteien endgültig gestorben, denn ich möchte nicht, dass 9-Jährige regieren. Sollte die CDU glauben, nach dem Fall der Brandmauer ist die Welt wieder in Ordnung, dann irrt sie, in diesem Punkt bin ich fürchterlich nachtragend.

  8. Sobiech Christoph Antworten

    Wie es kam wie es kam wurde schon ausreichend diskutiert auch hier. Nun ist es wie es ist und die CDU-Union wird sich nicht mehr ändern, kann sich nicht ändern dazu hat sie nicht das Personal.
    Ich denke inzwischen sie wird zerbrechen zu einem linken Merkel Verein der sich in dem linken Lager auflöst (denn wer soll die eigentlich wählen?) und einer eher links-mitte Gruppe die dann auch zusammen mit ihren 80+ Wählern wegstirbt.
    Ich bin mir auch sicher das die Chefs der Union das wissen es ihnen aber egal ist, sie gehen wohl davon aus das in den verbleibenden 10 Jahren (Lebenszeit der masse ihrer Wähler) sie + alle anderen links-grünen Parteien noch irgendwie genug Stimmen zusammenkratzen können um sich an die Posten zu klammern und danach.. wayne…

    Wer heute der Union als junger mensch beitritt tritt einer sich noch bewegenden Leiche bei. Viele sind es aber nicht, sieht man ja jedesmal wenn in einer Schule eine Probeabstimmung stattfindet oder bei Wahlergebnissen der 18+ Gruppe.

    Zum wohle Deutschlands wäre es gut wenn die Union am besten noch heute verschwinden würde denn jeder Tag an dem die Union irgendwo irgendwas zu sagen hat mehr treibt das land mehr in den rot-grünen Untergang.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert