Wohnung mieten? Vier Hunde sind kein Problem, vier Kinder schon

Beim Barbier meines Vertrauens eben in Düsseldorf klingelt das Handy des Mannes, der sich gerade liebevoll und kunstfertig um meine Kopf- und Barthaare kümmert. Am Telefon ein potentieller Vermieter, der – leider, leider – absagt. So kommen wir ins Gespräch miteinander.

M. ist ein sympathischer Typ, er spricht fließend Deutsch und lebt seit 15 Jahren hier. Er ist verheiratet, seine Frau und er sind in festen Berufsverhältnissen und bringen zusammen knapp 4.000 Euro im Monat nach Hause. Sie haben vier Kinder, die sind gut in der Schule, eine Tochter geht zusätzlich auf eine Musikschule, weil sie musisch überaus begabt ist.

„Wir suchen eine neue, größere Wohnung, weil die Kinder jetzt älter werden. Vier Zimmer wäre schön, vielleicht 120 oder 130 Quadratmeter Wohnfläche.“ Und es muss nicht in der Großstadt sein, sondern im Umland wäre schön, ein bisschen ländlich, wo „ich mit unseren Kindern spazieren gehen kann“.

M. und seine Familie sind Musterbeispiele für eine gelungene Integration. Das sind genau die Menschen, die wir in Deutschland haben möchten, die arbeiten (und Steuern zahlen), die unsere Sprache sprechen, die Gesetze und Traditionen achten. Die mitmachen.

Und sie bekommen keine Wohnung, 1400, vielleicht 1500 im Monat können sie sicher zahlen, sie sind bestens integriert, und sie bekommen keine Wohnung. Weil sie keine Bio-Deutschen sind? Weil sie vier Kinder haben? Einmal haben sie – aus Spaß – bei einem Bewerbungsfragebogen angegeben, sie hätten vier Hunde, und bekamen sofort einen Besichtigungstermin. Vier Kinder aber sind ein Ausschlusskriterium im besten Deutschland aller Zeiten oder so.

Ganz ehrlich, mich macht das wütend. Ich kann da nichts zusagen, aber ich habe M. versprochen, dass ich mich umhöre, ob ich helfen kann.

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Dieser Artikel wurde 8 mal kommentiert

  1. Mika Antworten

    Wegen Hundelärm kann man einem Mieter kündigen. Versuchen sie mal. wegen Kinderlärm zu kündigen. Der Mieterschutz ist so umfassend geworden, dass man eben als Vermieter kein Risiko mehr eingeht.

    • .TS. Antworten

      Dazu kommt noch daß dieselben Verantwortlichen ein Klima erschaffen haben in dem nicht wenige Eltern diese zugesicherten Freiheiten aufgrund übersteigerter Selbstbezogenheit und mangelndem Verständnis anderer rücksischtslos ausreizen.

      Leidtragende dieser Entwicklung sind, wie bei vielem anderen auch, diejenigen die sich anständig und rücksichtsvoll verhalten.

      Und aus Vermietersicht muß ich sagen: Weder vier Kinder noch vier Hunde sorgen für Begeisterung, denn die Wahrscheinlichkeit daß diese die Wohnung stark abnutzen (=vorzeitiger Renovierungsbedarf) ist dann schon sehr hoch. Dazu oft noch erhöhte Belästigung anderer Bewohner der einen indirekt ebenfallls mit betrifft.
      In Zeiten in denen man als Wohnungsbesitzer immer mehr mit neuen Verordnungen überschüttet und zur Kasse gebeten wird bleibt von der einstigen Bereitschaft solche Risiken zu einem gewissen Grad in Kauf zu nehmen nicht mehr viel übrig.

  2. Nordlicht Antworten

    In einer ähnlichen Situation befand ich mich um 1985, als ich mit drei Kindern beruflich nach Düsseldorf wechselte.

    Ob die von Ihnen berichtete Absage an den Kindern oder an dem migrantischen Hintergrund liegt, wird nicht klar.

    Nach langem Suchen hatte ich damals keine ruhige Wohnung der genannten Grösse gefunden, sondern westlich von Erkrath ein Reihenhaus gemietet. Das würde ich dem Mann auch raten. Durch die S-Bahn ist man wirklich gut mit D´dorf verbunden.

  3. Chris Antworten

    Aha. Jemand, der eine Wohnung in der Größe von 120 m² und darüber vermieten will, ist erstaunt, wenn sich hauptsächlich Eltern mit Kindern dafür interessieren? Ja wer denn sonst?

  4. Querdenker Antworten

    Nach meiner Erfahrung liegt der Kern des Problems im Mietrecht, in dem der Vermieter immer der rechtlose dumme August ist, der auf den Schäden und Kosten sitzen bleibt. Besonders schlechte Karten hat der Vermieter, wenn der Mieter Kinder hat. Die einzige Möglichkeit ist vor Vertragsabschluss alle Risiken auszuschließen. Als Krönung des rechtlichen Irrsinns darf ich meine Absage noch nicht einmal begründen. Obwohl eine ehrlich begründete Absage für die Bewerber durchaus eine Hilfe bei der weiteren Wohnungssuche sein kann. Um keine Probleme zu bekommen, ist mein Standardsatz bei einer Absage, Sie sind sehr nett, aber andere waren netter.

    Zurzeit bin ich als Vermieter an ein schwieriges Mietverhältnis gebunden, das vergleichbar zum beschrienen Fall begonnen hat. Ich habe ein Objekt mit 120qm Wohnfläche an eine Familie mit ausländischen Wurzeln, berufstätig, gute Deutschkenntnisse und vier Kinder vermietet. Dann hat sich das Ehepaar mit einem unschönen Streit vor 18 Monaten getrennt. Mit der Trennung begann für mich als unbeteiligter Vermieter das Drama und die Kinder haben meine rechtlichen Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Als Schlussfolgerung neige ich derzeit auch zu der Überlegung, ausländische Wurzeln und vier Kinder, da finden sich bestimmt Menschen, die netter sind.

    • H.K. Antworten

      Leider richtig.

      Wer eine Wohnung vermietet, an „Neu-Bürger“, Akademiker, und bei 2 von 3 Vermietungen aufs Antlitz stolpert, erinnert sich bei einer Neuvermietung – leider, aber verständlicherweise – eher an die 2 negativen Beispiele als an das eine positive.

      Wer als Vermieter nach der Kündigung – durch die Mieter – dann zur „Wohnungsübernahme“ kommt, dort nicht den Mieter, sondern irgend jemanden Unbekannten vorfindet, der „Kausssion abholen“ soll und dabei feststellt, daß die Wohnung komplett renoviert, ja eher saniert, werden muß, daß mit dem Mieter besprechen will und dann hört „weiß nicht, wo ist. Sssurück in Lübia“, der könnte evtl. aus derartigen Vorfällen lernen – zumal, wenn die Renovierung ihn umgerechnet selbst zu zahlende € 400 pro m2 kostet.

      Über Derartiges wird – leider – das positive Beispiel eines anderen „Neu-Bürgers“, der ein Musterbeispiel an Verhalten, Mietzahlung und Integration, über mehrere Jahre, gewesen ist, völlig vergessen.

      Dummerweise schaut man niemandem HINTER die Stirn.

  5. W.B.B.K. Antworten

    Als Vermieter könnte ich Ihnen ein Buch schreiben. Sie sprechen perfekt deutsch wenn sie die Wohnung haben wollen. Sobald man den Schlüssel hat kann man nichts mehr verstehen und dann ist auf einmal der ganze Clan eingezogen und Sie als Vermieter haben keine Möglichkeit, denn der Staat lässt uns im Regen stehen.
    Beim Auszug reicht die Kaution nicht, denn sie finden eine Bruchbude wieder.
    Sie können in den Vertrag schreiben was sie wollen es hilft Ihnen nicht.
    Die Politik beschimpft die Vermieter wegen der Mietpreise. Die sind nicht das Problem, die Nebenkosten. Was macht der Staat er erhöht Parkgebühren, obwohl
    uns Bürgern die Straßen gehören und wir nicht unerhebliche Steuern dafür bezahlen. Wir lassen zuviele Menschen hierher und wundern uns über die Probleme. Ich bin inzwischen sehr vorsichtig bei der Vermietung und trotzdem fällt man immer wieder darauf. Bei Gericht bekommt man vom Richter gesagt
    ich war auch mal Mieter und weis wie Vermieter ticken. Das Urteil wollen Sie nicht hören.

  6. H.K. Antworten

    Eine Freundin meiner Frau berichtete kürzlich, daß in einer Wohnung im Erdgeschoß ihres 6-Familien-Hauses ( sie ist auch Mieterin ) eine afghanische Familie mit 3 Kindern eingezogen ist.

    Mittlerweile gibt es dort nur noch Geschrei, auch nachts, so daß die Nachbarn regelmäßig senkrecht in den Betten stehen.

    Auf dem Balkon der Neu-Nachbarn werden inzwischen große ( ! ) Gasflaschen gelagert.

    Man fragt sich, wann im Wohnzimmer gegrillt wird und das Haus abbrennt …

    Keiner traut sich, den „Chef“ der Familie anzusprechen. „Der guckt immer so böse …“.

    Jetzt wird der Vermieter eingeschaltet – aber ob der eine Familie mit 3 Kindern im Winter aus einer Wohnung herausbekommt – da werden bei unserer Justiz wohl Jahre vergehen …

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