Zeitenwende in der AfD: Die Ära Meuthen ist vorbei – doch was folgt jetzt?

Letztlich war es keine Überraschung mehr. Prof. Jörg Meuthen, lange das bürgerliche Gesicht an der Spitze der AfD, schmeißt hin. Beim Bundesparteitag im Dezember wird er nicht mehr für den Vorsitz antreten. Wer ihm nachfolgt, ist noch unklar. In den rechten Zirkeln von Schnellroda (Sachsen-Anhalt) und Thüringen hat man da zweifellos genaue Vorstellungen.

Was nun genau passieren wird, bleibt erstmal völlig offen. Ein Jörg Meuthen hätte vielleicht noch das Potential gehabt, das Ruder im Dezember haarscharf rumzureißen, denn im Westen der Republik hat der bodenständige und bürgerliche Politiker durchaus noch viele Unterstützer. Aber im Osten ist es ganz dunkel für ihn, im Bundestagswahlkampf gab es kaum AfD-Wahlveranstaltungen, zu denen er noch eingeladen wurde. Kann das aus Dauer gut gehen? Ich denke nicht. So macht Meuthen Platz für andere und wird selber, ja, was eigentlich?

Es werden Namen genannt, natürlich, die aber – jedenfalls von mir – nicht auf den offenen Markt getragen werden. Auch überraschende Namen sind dabei. Aber, egal wer antritt, das Rennen ist vollkommen offen.

Und unübersehbar ist, dass die AfD keine homogene Partei ist, vielleicht war sie es nie. Die Kameraden im Osten, viele kamen in Scharen von den linksextremen SED-Nachlassverwaltern, ticken in der Breite ganz anders als die West-Riege, die sich im Wesentlichen aus früheren CDUlern rekrutiert hat, die enttäuscht über den stetigen Linkskurs der Merkel-Union irgendwann der Partei Adenauers und Kohls den Rücken gekehrt haben.

Ist die AfD wirklich eine Partei mit einem gemeinsamen Ziel? Ich habe große Zweifel. Viele AfDler im Osten träumen von der „guten alten Zeit“, bejubeln unreflektiert jeden Winkelzug Putins gegen Deutschland, Europa und den Westen, halten den Sozialismus eigentlich für eine gute Idee, wenn man patriotisch oder völkisch davor schreibt. So ähnlich wie bei den Grünen übrigens, bei denen der Sozialismus auch viel netter aussieht, wenn man öko davor schreibt. So wächst zusammen, was….aber lassen wir das.

Wenn die AfD als Gestaltungskraft überleben will, braucht sie einen neuen bürgerlichen Kopf, der eingebunden wird an der Spitze. Setzen sich die Rechtsaußen durch, dann ist die AfD in wenigen Jahren mausetot. Denen, die einfach nur zur Beutegemeinschaft gehören, wird das egal sein, für unsere Gesellschaft ist das schlecht, wenn es überhaupt kein konservatives Angebot an die Bürger mehr gibt. Und konservativ oder auch patriotisch ist ganz etwas anderes als rechtsextrem. Das sind keine natürlichen Verbündeten, sondern erbitterte Gegner.

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Dieser Artikel wurde 13 mal kommentiert

  1. Ketzerlehrling Antworten

    Meuthen ist zwar ein Bürgerlicher, aber ein bisschen zu wenig Beisskraft. Die habe ich vermisst., auch Intellektuelle sollten klare Kante zeigen, dies ist keine Schwäche, keine in Beton gegossene Positionierung der Person, oder Partei, oder ein „Privileg“ der Bildungsfernen, vieles ist verhandelbar, aber gar nicht zu beissen, sich zu ducken, das ist nicht gut. Nicht gut für die Partei, nicht gut für Deutschland. Vielleicht wäre die Spaltung der AfD nicht das Schlechteste, ob allerdings die Ost-AfD und der grüne Khmer zusammenwachsen, ist im Moment wohl eher nicht zu befürchten. Aber wer weiss, was noch geschieht. Die Parasiten bei der AfD, vergleichbar mit den Parasiten in den Altparteien, interessieren sich dafür nicht, sie sitzen am Fleischtrog, wenn sie Glück hatten, bleiben sie im Bundestag und die Altersversorgung ist geritzt. Wohin die Reise geht für die AfD? Weiss sie vermutlich selbst nicht, denn eine klare Linie ist nicht erkennbar, vor allem hat die AfD in den Krisen, Corona, Energiewende und Flut, versagt. Sie hat die Möglichkeiten nicht genutzt, das rächt sich. Eine echte Opposition sitzt nicht bei den Regierungen, wie Meuthen so manches Mal, auf dem Schoß, sondern hat eine eigene Position, die sie vertritt, eine Linie. Punkt. Alles andere ist Verrat an den eigenen Vorstellungen, sofern welche vorhanden sind, und da hapert es offenbar auch in der AfD bei vielen. Sind eben in der Mehrheit auch Deutsche.

    • Wolfgang Andreas Antworten

      Sie haben komplett die 4. Staatsgewalt vergessen, die mit Hilfe der Altparteien die echten Patrioten aus der Afd-Partei getrieben hat . Warum? Damit sie selber auf ihren Sesseln kleben bleiben können! Da war ihnen keine Dreckschleuder zu schade. Dabei haben sie sich an die Linken verkauft, wurden farblos und nicht wählbar. Es ist ein Jammer, daß sich die Union psychoanalytisch hat über den Tisch ziehen lassen. Es bleibt dahingestellt, ob das alles von Mutti eingefädelt worden ist. Was passen würde nach den Erfahrungen von Ettlingen, Hamburg, und dem letzten Parteitag.

  2. Günther Konorza Antworten

    Einfach erklärt: Liegt hier nicht ein Deal vor? Abgabe des ohnehin zukunftslosen Parteivorsitzes – gegen eine weitere Amtszeit im EU-Parlament mit 14.000 netto?

    • Ruth Antworten

      Das klingt ja fast so wie Kommentare über AKK und den alten Peter, die sich auch weiterhin vom Steuerzahler bestens finanzieren lassen – für was? Ja für was eigentlich? Ähnlich wie der beste Bundespräsident aller Zeiten Wulff, dem wir ja zu verdanken haben, dass wir jetzt wissen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Auch für ihn zahlt der Steuerzahler reichlich, Monat für Monat ….Jahr für Jahr, für was?

  3. Martin Ludwig Antworten

    Und wieder droht ein Vakuum zu entstehen, wie es seinerzeit auch die Union geschaffen hat. Es muss eine bürgerliche Mitte-Rechts-Option auf dem Wahlzettel geben, sonst überlassen wir den Ökosozialisten und Kommunisten das Feld. Auf der anderen Seite sehe ich eine weitere Aufsplitterung bzw. eine zusätzliche Partei kritisch, da mit jedem weiteren Mitbewerber die Koalitionsverhandlungen in Zukunft schwierig werden.
    Es mag sein, dass sich hier eine gigantische Chance für die CDU/CSU auftut, die mit ein wenig strategischem Geschick genutzt werden kann. An einen Zufall mag ich in diesem Zusammenhang jedoch nicht wirklich glauben. Fakt ist, dass die Werteunion das Ruder übernehmen muss und eine komplette Neuaufstellung der Union absolut überfällig ist. Sollte in diesem Zusammenhang eine konservative Mitte-Rechts-Union aus den 2000ern entstehen, würde ich als überzeugter AfD-Wähler ggf. meine Stimme der Union geben. Voraussetzung dafür muss aber auch sein, dass mit der AfD zusammengearbeitet und nicht weiter gegen sie gehetzt wird. Sollte die AfD zwischenzeitig zu weit nach rechts driften, wird sie durch geschickte Besetzung der bürgerlichen Themen früher oder später das gleiche Schicksal ereilen wie einst die NPD. Das steht und fällt damit, ob die Union es schafft nach 16 Jahren Staatszersetzung von ihrem hohen Ross zu steigen und eine bürgerliche Partei zu werden. Ich glaube insgeheim nicht daran und ich fürchte, dass zu starke politische Ränder früher oder später zu politischen und sozialen Unruhen im Land führen werden. Schön wäre es trotzdem, wenn zwischen all den Brandbeschleunigern ein silberstreifen am Horizont sichtbar werden könnte.

  4. H.K. Antworten

    „Erst das Land, dann die Partei, dann die Person/ der Einzelne“.

    Sieht man ja deutlich, daß das noch immer gilt.

    Sowohl bei der Union als auch bei der AfD.

    Äääähemmm …

    Abgesehen davon:
    Ich habe es von Anfang an für einen verhängnisvollen Fehler gehalten, daß ein Meuthen im fernen, nicht wirklich präsenten Brüssel sitzt statt im Bundestag.

    Aber wer nicht hören will, …

  5. Christian Wiesner Antworten

    Meuthen mag politisch durchaus nicht unumstritten sein, aber er hätte eventuell – neben HG Maaßen, der aber leider in einer unglücklichen Liebe mit ’seiner‘ CDU verhaftet bleibt, die ihn dagegen noch nie geliebt hat – das Potential eine neue bürgerliche Bewegung anzuführen, und auch zum Erfolg zu bringen.

    Es ist aber fraglich, ob er dazu überhaupt bereit sein könnte. Das würde wohl auch maßgeblich von seinem Umfeld abhängen, als ‚einsamer Recke‘ wird er sich wohl keinesfalls auf ein neues Schlachtross setzen wollen.

    So oder so, das wird ein spannender Herbst…..

  6. Ruth Antworten

    Wenn es so weitergeht ist die Alternative bald auch keine Alternative mehr.

    Wenn sich die AfD lieber an den Mitgliedern orientiert, die sich besser in der NPD engagieren würden, statt an den Mitgliedern, die der CDU und FDP davon gelaufen sind – ja wo soll das hinführen. Die Abwanderer von CDU und FPD werden völlig heimatlos.

  7. Johannes Antworten

    Bei der AfD ist (immer noch) alles möglich. Aufstieg oder Untergang. Der Bundesvorstand steht jetzt vor der sehr schwierigen Aufgabe, eine für die westlichen Landesverbände geeignete Person zu finden. Jeglicher faule Kompromiss zulasten der westlichen Landesverbände würde ein Scheitern der AfD auf mittlere Sicht nach sich ziehen.

  8. S v B Antworten

    Na, dann haben wir eben jetzt schon zwei Parteien, die in ihrem Innern jeweils merklich auseinander klaffen und sich – um (wieder) einigermaßen erfolgreich zu werden – neu profilieren und aufstellen müssen. Auch um die Homogenität der CDU ist’s doch schon seit einer ganzen Weile wirklich mies bestellt, lieber Herr Kelle. Ist diese Partei doch seit Jahren unter dem jahrelangen und wirkmächtigen Einfluss Merkels auseinander gerissen worden. Zumindest Insidern war dies längst wohlbekannt, sollte man jedenfalls meinen. Nur wurde diese Spaltung im Zusammenhang mit der Wahl nun auch für den Letzten in erschreckender Deutlichkeit sichtbar. Leider mehren sich bei mir die Zweifel, ob es noch zu Lebzeiten – na, sagen wir aller jetzt über 60jährigen – wieder zu einer Partei kommen wird, die, was eine „gesunde“ konservative Ausrichtung, die Zahl ihrer Anhänger sowie die Höhe ihres Wahlstimmen-Anteils betrifft, der großen, gesunden vormerkelschen Volkspartei CDU entsprechen könnte. Ich wittere ein solches Potenzial zur Zeit jedenfalls weder bei der jetzigen CDU noch bei der AfD. Mit anderen Worten, meine Hoffnung schwindet täglich ein bisschen mehr, dass es auf absehbare Zeit in Deutschland zu einer deutlichen Hinwendung zu dem geben dürfte, was man noch bis zum Kanzleramts-Antritt Merkels locker als mittig-rechts bezeichnet hätte. Die überaus geschickte Verbreitung linker, bzw. linksgrüner, Denk- und Redemuster in der Gesellschaft hat sich politisch als enorm erfolgreich erwiesen. Alle Institutionen des Landes waren sowohl an der Verbreitung als auch an einer Verfestigung dieser besonderen Muster beteiligt. Wenn die „Gegenseite“, sprich die Konservative, es wagte, auch nur einen Spalt breit ihren Mund zu öffnen, wurde jedwede ihrer Äußerungen umgehend als rechtsextrem gebrandmarkt. An diesem unseligen Verhaltens-Automatismus hat sich bis heute nur sehr wenig, vielmehr gar nichts, verändert. Wie, fragt man sich zwangsläufig, soll sich überhaupt ein neuer konservativer politischer Denk- und Handlungsspielraum herausbilden, gar etablieren können, wenn andererseits sofort und stets alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um gerade dies unter allen nur möglichen Umständen zu verhindern. Um dieses destruktive Ziel zu erreichen, legt man sich nicht nur verbal, sondern gar nicht selten auch physisch erstaunlich eindrucksvoll ins Zeug. Im Laufe der vergangenen Jahre, ja Jahrzehnte, hat sich die Konservative des Landes immer öfter und bereitwilliger einschüchtern lassen. Sie hat sich, wie es scheint, zunehmend in ihrer politischen Gleichmut gefallen, sich passiv verhalten und in jahrelangem Schweigen verharrt. Dabei ist nicht einmal gänzlich auszuschließen, dass dieses Schweigen von manchen als Zustimmung gedeutet wurde. Eine krasse Fehlinterpretation, wie sich jetzt langsam herauszustellen beginnt. Die Konservative hat sich viel zu lange in politischer Gleichmut gefallen, sich unentschuldbar passiv verhalten und in jahrelangem Schweigen verharrt. Deshalb wird es ihr nicht erspart bleiben, die bitteren Folgen ihrer politischen Dauer-Apathie auszubaden. Schmerzlich, aber einleuchtend.

  9. H.K. Antworten

    Ich sagte es bereits weiter oben:

    “Erst das Land, dann die Partei, dann die Person“.

    ALLE sagen es, KEINER meint es wirklich.

    Alle sehen in erster Linie ihre persönliche Macht, ihren persönlichen Geldbeutel.

    Die AfD zerfleischt sich genauso genüßlich selbst, wie es die SPD mit ihren zahllosen Vorsitzenden praktiziert hat.

    Und statt aus deren Fehlern zu lernen, machen Union und AfD es denen nun nach.

    Wenn die AfD meint, sich weiter nach rechts orientieren zu müssen und den Höcke- und Kalbitz-Kurs einzuschlagen, wird sie über kurz oder lang in der Versenkung verschwinden.

    Und wenn die CDU glaubt, mit einem Norbert Röttgen an der Spitze, der kaum einen Satz unfallfrei herausbringt, 2025 den Kanzler zu stellen, fliegt sie auch auf die Nase.

    „Röttgen vor Merz und Spahn“ war heute im ntv-Laufband zu lesen.
    Fragt sich, wen sie da gefragt haben …

    Die Parteienlandschaft wird sich weiter verändern – und zersplittern.

  10. Der Zeitzeuge Antworten

    Die AfD ist ein Chor, dessen Mitglieder zwar taubstumm sind, die aber trotzdem durch das Absingen der deutschen Nationalhymne für ihre Partei und auch für sich persönlich ein paar Millionen Euro kassiert haben

    • H.K. Antworten

      Ach, so einfach würde ich das nicht sehen.

      Ich denke, daß z.B. seinerzeit durch die Grün*/:/-/_/Innen das Thema Umweltbewußtsein Impulse erhalten hat, die vorher nicht da waren oder einfach verdrängt wurden. Ob man diese Partei heute tatsächlich noch braucht, …

      Ebenso meine ich, daß allein durch die Existenz der AfD das Verhalten anderer bzw. deren Haltung zu bestimmten Themen eine andere Richtung erhalten hat.

      Allein schon, daß man(n) meint, man dürfe „denen da“ nicht dieses oder jenes Thema „überlassen“.

      Welche persönlichen Animositäten und / oder Eitelkeiten dazu führen, daß sich der Laden letztendlich selbst zerlegt, ist eine andere Sache.

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