Likes und Herzchen für den SPD-Kandidaten: Kann man den Staatsfunk bitte einfach abschalten?

Schon vor 40 Jahren sprachen Menschen wie ich in Nordrhein-Westfalen vom „Rotfunk“, wenn die Rede auf den Westdeutschen Rundfunk (WDR) kam. Das war schon damals kein unabhängiges Medium, sondern der Haussender der einst in NRW dominierenden SPD. Die begleiteten all die Kühns, Raus, Clemens‘, Steinbrücks, Krafts auf ihrem Weg durch die Zeit – unterbrochen nur kurz von Jürgen Rüttgers und Armin Laschet (beide CDU). Die unterirdische Performance des Letzgenannten als Parteichef und Kanzlerkandidat bescherte Hendrik Wüst eine kurze Amtszeit als Ministerpräsident, die aber mit einiger Wahrscheinlichkeit in wenigen Wochen enden wird. Das liegt nicht nur am Münsterländer Wüst selbst, der im Vergleich zu seinem bis vor kurzem Kollegen Tobias Hans (Saarland) und noch Kollegen Daniel Günther (Schleswig-Holstein) geradezu Strahlkraft entwickelt hat. Es liegt auch an der ganz besonderen Mediensituation an Rhein und Ruhr, die immer noch dominiert wird vom…jetzt „Grünfunk“ WDR.

Dabei sind die in manchen Bereichen gar nicht schlecht, etwa bei der lokalen Berichterstattung aus ihren Landesstudios. Und ich verehre geradezu die WDR 2-Moderatorin Steffi Neu, die natürlich vom Niederrhein stammt und so ist, wie Radiomoderatoren immer sein sollten – sympathisch, interessiert, verbindlich ihren Hörern gegenüber. Und ich bin nicht allein, wie ein Blick eben kurz in Wikipedia beweist. Die erste zu beantwortende Frage, die mir das Internet-Lexikon anbietet lautet: Ist Steffi Neu verheiratet? Algorithmus machts möglich. Diese Frage haben offenbar schon viele bei Google gestellt. Und ja, sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Glückwunsch dazu!

Aber ich möchte eigentlich von den zwangegebührenfinanzierten Ärgernissen sprechen, etwa der Jugendwelle namen „1Live“. Das müssen Sie sich vorstellen wie früher das sogenannte „Bürgerradio“, nur mit deutlich besserer Musik. Die meisten Moderatoren – Abteilung Jugend funkt. Die sogenannte Comedy – weder witzig noch tiefsinnig. Nachrichten – Klima retten und Kampf gegen Rechts. Ansonsten irgendwie weitgehend Sex-Gespräche im Stil von „wie masturbiere ich richtig?“ Nicht, dass sowas das junge Publikum nicht interessieren könnte, aber die haben halt jetzt Spotify – nur eben ohne gutmenschliche Volksbelehrung.

1Live hat jetzt den SPD-Herausforderer von Wüst namens Thomas Kutschaty zum Interview eingeladen. Wüst kommt auch noch. Das Bemerkenswerte beim SPD-Politiker war – wie BILD herausfand – dass die Aussagen Kutschatys gepostet auf Instagram mit Likes und Emojis begleitet wurden – vom neutrallen öffentlich-rechtlichen Sender. „Ich finde Thomas macht das gut“ mit Herzchen – zack, Daumen hoch vom Grünfunk, den wir alle finanzieren müssen.

Kutschaty sei „mal eine wirklich gute Perspektive“ schreibt einer und gleich stimmt der Sender zu „Auf jeden Fall“. Völlig irre und absolut schamlos. Und es wird noch besser.

BILD fand heraus, dass eine Userin, die schrieb, sie werde Hendrik Wüst wählen, im Netzwerk von 1Live auf unsichtbar gestellt wurde, ebenso eine andere, die über Kutschaty schrieb: „Den wähle ich auf keinen Fall“ – einfach ausgeblendet – vom Staatsfunk. Inzwischen hat sich der WDR selbst zu dem skandalösen Vorgang zu Wort gemeldet: „Journalistische Unabhängigkeit und Distanz sind die Grundlagen unserer Berichterstattung. Was die Reaktionen des 1Live-Social-Teams auf User-Posts angeht, wurde diese Distanz aus unserer Sicht nicht ausreichend gewahrt.“ Ja, kann man so sagen.

Ich wäre für Abschalten. Alles.

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Dieser Artikel wurde 7 mal kommentiert

  1. U. J. Gottlieb Antworten

    Stimme vollkommen zu, Herr Kelle. Es wird mehr als unerträglich. Keiner der ARD-Sender ist schamloser und dreister im Zur-Schau-Stellen der politischen Gesinnung und des ideologischen Unterbaus als der WDR.
    Ich weiß von einem Bekannten, der für den WDR arbeitet, dass er vor vielen Jahren aus der Jungen Union ausgetreten ist und bei den Grünen eintrat. Wenige Monate nach dem Eintritt bei den Grünen wurde er als „fester freier Mitarbeiter“ übernommen, nachdem er dies als JU-Mann jahrelang erfolglos probiert hatte. Framing, Nudging, Haltung – das bekommt der Konsument geboten. Ich brauche das nicht, ich will es nicht und es tut mir weh, dass ich seo einen Sch… auch noch zwangsweise finanzieren muss.

  2. H.K. Antworten

    Nicht nur der „Rotfunk“ geht so manchem tierisch auf den Sender, hier insbesondere mit ideologisch verklärtem grünem Gutmenschenblick und Indoktrination statt Information.

    Eine Analyse, WER dort WIE zu welchen Konditionen arbeitet, könnte tiefgreifende Einblicke hervorbringen.

    Auch ARD und ZDF mit all ihren „Unter-Sendern“, die auf GEZ-Kosten ständig neben ein paar wenigen örtlichen Produktionen wesentlich die „Erzeugnisse“ ihrer Muttersender wiederholen, wiederholen und wiederholen, machen, was sie wollen.

    Ob Gendergagastottersprech, „Quoten-POC“ in nahezu JEDER Produktion, inkl. Nachrichtensprecher*/-/:/_/Innen und Kommissar*/-/:/_/Innen-Darsteller*/-/:/_/Innen, Dauer-Bimmeleinblendungen ohne Ende ( „Sendung verpasst ?“, „Jetzt noch eine Folge“, „Weitere Krimis in der Mediathek“, „Anne Will 3 Minuten später“ etc etc etc ) und das alles mit den/die Zuschauer*/-/:/_/Innen erfreuendem Gebimmel.

    Die ARD hat sich angewöhnt, nach wenigen Minuten eines jeden Films mindestens zwei Einblendungen vorzunehmen ( 1. „Das Erste“, 2. „ARD-Degeto“ ) und das gleiche nochmals ziemlich genau in der Mitte des Films, damit auch der dümmste Zuschauer trotz Dauereinblendung von „Das Erste“ ( oder „ZDF“ ) kapiert, welchem Sender er denn nun dieses tolle Produkt verdankt.

    Protestbriefe werden entweder gar nicht oder nur mit Worthülsen beantwortet.

    Wozu auch ?

    Die genervten Zuschauer*/-/:/_/Innen sollen ruhig ARD, ZDF & Co. von ihrer Senderliste streichen. ZAHLEN müssen sie trotzdem.

    Abschalten sollte man diese Sender m.E. nicht – aber zukünftig bitte OHNE GEZ-Gebühren selbstständig wirtschaften ( oder ideologisch wurschteln ? ) lassen.

    Im Kino, wo ich für einen Film Eintritt zahlen muß ( genau wie bei ARD und ZDF ) würde sich jeder Besucher ( pardon: jede/r Besucher*/-/:/_/In ) Störungen verbitten ß zu Recht.
    Wenn es nichts nützt, hat mich das Kino zum letzten Mal gesehen – als zahlende/n Zuschauer*/-/:/_/In …

  3. H.K. Antworten

    Tja, so wirklich scheint das Thema kaum jemanden zu interessieren.

    Ich schreibe es trotzdem mal:

    Unter dem Titel

    „CDU sauer über „getarnte Parteinahme“ für SPD

    Neuer Wahlkampf-Wirbel um WDR“

    berichtet gerade die „Zeitung mit den vier Buchstaben“ ( VOR der Bezahlschranke ) erneut über einseitige Parteinahme des westdeutschen Rotfunks.

    Schon interessant, wie da so gearbeitet wird …

    • gerd Antworten

      „Tja, so wirklich scheint das Thema kaum jemanden zu interessieren.“

      Wenn der WDR und andere ö.r. Sender über den Ukraine Krieg schreiben, haben sie ein dankbares und treues Publikum. Da wird alles geglaubt, was der Staatsfunk sendet. Im vorauseilenden Gehorsam wird dann großflächig in unserem Land Russenbashing produziert. Im übrigen werden mir zwangsmäßig die Gebühren aus der Tasche gezogen. Den Rotz anschauen oder anhören, das tue ich mir bestimmt nicht mehr an. Es interessiert mich nun wirklich nicht die Bohne, was diese Schreiberlinge an Betrug und Lug produzieren.

      • H.K. Antworten

        Wenn einem im Supermarkt an der Kasse 1 € zuviel berechnet wird, so steht der deutsche Michel ( und die Micheline auch ) quasi auf der Ladentheke.

        Wenn demselben Michel jedes Jahr € 220,32 aus dem Säckel gezogen werden, ohne bzw. ohne annähernd ausreichende Gegenleistung, dann, ja daaaaannnn

        passiert gar nix.

        Der Michel schweigt und genießt. Und die Micheline auch …

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