GASTSPIEL PATRICK ZÄUNER: 13 Euro Eintritt für den Kölner Dom?
Der Kölner Dom und ihm folgend wohl auch andere Kirchen werden für den Besuch außerhalb von Messzeiten Eintritt verlangen. Für den Dom sind Preise von bis zu 13 EUR im Gespräch. Die Gier der Kirchenfunktionäre scheint keine Grenzen zu kennen.
Ich empfinde es immer schon als ein Übel, wenn man Kirchen zu Museen degradiert und Eintritt verlangt. Auch wenn das vielerorts üblich ist, so widerspricht es doch meinem religiösen Empfinden, dem tiefen Wunsch, einen Ort der Nähe Gottes aufzusuchen, um im Schatten des Tabernakels mit Blick auf das Ewige Licht mein Herz öffnen zu können.
Die kunst- und kulturhistorischen Schätze, die für vielen den Reiz eines Kirchenbesuchs ausmachen, wurden von vielen Generationen tiefgläubiger Christen unter großen Mühen und mit der Bereitschaft, einen großen Teil ihres oft kargen Einkommens zur höheren Ehre Gottes abzugeben, geschaffen. Sie sind nicht museal, sondern werden von Christen nach wie vor als Teil ihres religiösen Lebens benötigt.
Wer in eine Kirche geht, um sich die Schätze aus Wertschätzung der menschlichen Leistung anzusehen, der hat nicht verstanden, worum es geht. Alles, was in der Kirche Wert hat, soll zu Christus führen. Es soll eine Vorstellung des Himmlischen Jerusalems ermöglichen, katechetisch Szenen aus der Heiligen Schrift und den uns vorangegangen Heiligen erläutern und somit im Glauben stärken.
Wer für den Erhalt dieser Dinge Eintritt verlangt, offenbart damit eine Glaubensferne, wie man sie eigentlich nur von Atheisten her kennt. Das Anliegen, auch Menschen ohne und mit anderem Glauben an die Frohe Botschaft, das Evangelium, heranführen zu wollen, ist nicht gegeben. Man reduziert die Gottesbegegnung auf Zeiten, an denen man seine als Liturgie getarnten Polit-Propagandashows aufführt, zu der die Messen und sonstigen „Gottes“dienste heute regelmäßig verkommen.
Es ist an sich schon ein Unding, Kirchen nicht den ganzen Tag über für Publikumsverkehr geöffnet zu haben. Zwar verstehe ich, dass man die Gotteshäuser vor Vandalismus schützen möchte, aber wenn ich auf einer Wanderung an einer Kirche vorbeikomme, möchte ich kurz reinschauen, ein kleines Gebet verrichten, evtl. eine Kerze anzünden. Die Gitter unter der Empore, wie man sie oft im süddeutschen Raum hat, sehe ich da als möglichen Kompromiss, aber ein völliges Schließen lässt am Sinn des Erhaltes eines solchen Ortes grundsätzlich zweifeln.
Wir sind kein esoterischer Club, der sich mit seinem Geheimwissen abschottet und hin und wieder (sei es über Beziehungen oder für Bezahlung) ein Fenster öffnet. Für Christen gibt es den klaren Auftrag, das Heil zu verkünden und gerade in der heutigen Zeit, wo selbst Kirchgänger kaum mehr Glaubenswissen haben, wäre das eine grundsätzliche Notwendigkeit.
Stattdessen sperren wir die Kirchen für Arme! Wer sich in der heutigen Zeit selbst die einfache Lebenshaltung, immer weniger leisten kann, der soll nun für eine Familie 50 EUR Eintritt in den Dom zu Köln ausgeben? Man bekommt den Eindruck, dass die Stuhlkreischristen, die Verwalter und Veruntreuer im kirchlichen Verkündigungsdienst in erster Linie Strategien zur Fernhaltung von Menschen im Sinn haben, soweit sie nicht direkt vermarktet werden können – sei es ideell oder finanziell.
Was Christus von Geschäften im Tempel gehalten hat, sollten sie aber dennoch vage in Erinnerung halten. Dies zu ignorieren zeigt entweder von völliger Unkenntnis der eigenen Lehre oder aber es zeugt von dem Bewusstsein, sich nicht an sie halten zu müssen. So oder so: Als Vertreter und Verkündiger des Glaubens sind solche Menschen bestenfalls eine Fehlbesetzung.
Der Text von Patrrick Zäuner erschien erstmals hier



Selbst das Flächenbombardement der Allierten im 2. Weltkrieg schafften es nicht den Dom zu bezwingen. In einer nahezu vollständig zerstörten Altstadt ragte der Dom als Zeichen Gottes in den Himmel. Was die Bomber damals nicht geschafft haben, bringt nun eine Amtskirche, die völlig ohne Glaubensubstanz in der Welt umherirrt, dann doch noch fertig. Das Menetekel zeichnete sich ab, als am 24.12.2021 eine sog. Impfstrasse im Dom angelegt wurde, als „Zeichen der Nächstenliebe“ die Menschenleben schützen sollten. Jesus im Tabernakel wird sich wohl seine Gedanken gemacht haben.
In 2024 hatte die kath. Kirche ein Nettoaufkommen an Kirchensteuer von 6,628 Mrd. Euro (Quelle: Deutsche Bischofskonferenz).
Finde, das ist überaus auskömmlich.
Nimmt man diese Info aus der Abendpost hinzu:
„Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie die Kirchen Gehälter von 15.000 Euro und mehr im Monat für höhere Kirchenmanager (Kardinäle, Bischofe, etc.) bezahlen können? Ja, sie können es sich leisten, denn die Kirchen bezahlen sie nicht, sondern der Staat und damit der Steuerzahler.
Man unterscheidet Kirchenbeamte auf Landesebene, die vom Bundesland bezahlt werden und Bundesbeamte, die vom Bund bezahlt werden.
Der Staat zahlt rund 442 Millionen Euro pro Jahr für die Gehälter der Kirchendiener. Plus Kirchensteuern. Damit wird jeder Steuerzahler zur Kasse gebeten, ob er Kirchenmitglied ist oder nicht.
Der Hintergrund liegt im Februar 1803, als die Reichskirche durch die Reichsdeputation Regensburg enteignet wurden. Die Kirche verlot mehr als zweihundert Klöster, achtzig Abteien, achtzehn Bistümer und vier Erzbistümer. Mit den Besitztümern entschädigte man die Fürsten, die ihre Gebiete an Napoleon abtreten mussten. Seitdem zahlt der Staat der Kirche jedes Jahr eine Entschädigung. Die Ampel-Koalition wollte die kirchlichen Staatszahlungen eigentlich einstellen, wurde aber nie beschlossen.“
Dann fällt für mich das Eintrittsgeld in den Bereich der puren Abzocke und ist schlichtweg ein Riesenskandal.
Die Medaille hat – wie jede – zwei Seiten.
Das Argument der Abzocke trifft es ziemlich gut.
In Italien z.B. ist es in vielen ( den meisten ? ) Kirchen üblich, die kleinen Teelichter, „Opferkerzen“, nicht wie hier gegen ein paar Cents in den „Opferstock“ anzubieten, sondern, sondern es gibt eine elektrische Vorrichtung, quasi eine Vitrine, in der Glühbirnchen aufleuchten, nachdem eine entsprechende Münze in den „Zahlschlitz“ gesteckt wurde.
Dieses Birnchen leuchtet dann gefühlt eine Minute und wer dann mit seinem Gebet noch nicht fertig ist, muß die nächste Münze nachwerfen.
Hat mich beim ersten Mal total geärgert .
Als ich vor längerer Zeit in meiner alten Heimatkirche zum Gottesdienst war, zuckten alle Anwesenden unwillkürlich zusammen, als der Dechant während seiner Predigt plötzlich laut schrie „ihr verlasst sofort die Kirche ! Auf der Stelle !“
Es waren zwei Jugendliche in die Kirche gekommen, die er offenbar kannte. Die drehten sich unverzüglich um und verschwanden.
Der Dechant erklärte uns, daß er genau diese beiden Jugendlichen vor wenigen Tagen, als er in die Kirche kam, „vögelnd in der dritten Reihe erwischt“ hätte.
In meiner aktuellen Gemeinde wurde kürzlich der Opferstock, in dem zusammen vielleicht ein paar Euronen stecken, komplett und brutal aus der Wand gerissen, wobei ein deutlicher Schaden entstanden war.
Vandalismus in Kirchen ist offenbar an der Tagesordnung, was dazu führt, daß viele Kirchen mittlerweile nur zu Gottesdienstzeiten geöffnet sind.
Es wird geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Böse Zungen behaupten, daß dies in den letzten elf Jahren massiv zugenommen hat.
Im Petersdom sprang kürzlich ein Mann auf den Hauptaltar und urinierte in die Gegend. Das Video ist wohl noch bei youtube zu sehen.
Auch im Kölner Dom sind inzwischen „Aufpasser“ unterwegs, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollen.
Und für Gottes Lohn werden die sicher auch nicht den ganzen Tag da stehen.
Von daher sind Sicherheitsmaßnahmen, die dummerweise Geld kosten, offenbar immer nötiger.
Aber den Eintritt in den Kölner Dom nur für Gottesdienstbesucher zu Meßzeiten kostenfrei zu machen, sollte man sicher überdenken.
Wenn ich in Köln zu tun habe, gehe ich auch gern einmal kurz in den Dom, um ein paar Worte mit meinem Freund da oben zu wechseln.
Schon bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren in Barcelona wurde für den Eintritt in die „Sagrada Familia“ ein mehr als deftiger Eintritt verlangt. Damals € 20. Mittlerweile sind es rund € 40 incl. Turmzugang.
Für eine vierköpfige Familie ein komplettes Abendessen.
Es fragt sich aber, warum ein Bischof oder Kardinal wie ein Ministerpräsident bezahlt werden muß.
Fehlt nur noch das Blaulicht und die Polizeieskorte …
Die Besitzverhältnisse am Kölner Dom sind befremdlich. Der Dom gehört sich selbst. Entscheidungen, die den Dom betreffen, trifft nicht der Erzbischof sondern das Domkapitel mit dem Dompropst an der Spitze, der auch für die Verwaltung des Domvermögens zuständig ist.
Die TAGESPOST weist am 3. Juni 2026 darauf hin, daß es um den Erhalt des Gebäudes aber auch um eine Regulierung der Besuchermassen geht.
Der Erhalt und Betrieb des Domes kosten pro Tag 44.000 Euro. Die Beseitigung von Kaugummi kostet jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag. Die Zahl der Kirchensteuerzahler geht aber immer weiter zurück. Vielen Reisegruppen aus aller Welt dient der Kölner Dom als kostenloser Besichtigungsort.
Die Höhe des Eintrittsgeldes finde ich auch abschreckend. Wer als Tourist den Dom kennen lernen will, für den mag der Betrag okay sein. Wer aber als Gläubiger außerhalb der Gottesdienste einen kurzen Abstecher zum lieben Gott machen will, der ist mit 12 Euro überfordert. Der Besuch der Sakramentskapelle sollte frei sein. Auch Kinder sollen freien Eintritt haben.
Die Frage einer Eintrittsgebühr kann man also durchaus unterschiedlich beantworten.
Die praktische Handhabung der Erhebung eines Eintrittsgeldes für „Nichtbeter“ kann ich mir auch noch nicht recht vorstellen.
Liebe Frau Königs-Albrecht,
am Kölner Dom wurde insgesamt 632 Jahre gebaut. Über 300 Jahre lag die Baustelle brach, weil u.a. auch das Geld fehlte. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, für das Gotteshaus Eintritt zu verlangen, oder eine Steuer, man wartete lieber ab, was Gott mit dem Dom weiter vorhat. Letzten Endes ist nämlich er der Bauherr und nicht die Dombauhütte. Sie ist nur ausführendes Organ. So zumindest der Glaube der Altvorderen. Stichwort Glaube. Der ist innerhalb der Kirche zu einem linkswoken Wolkenkuckucksheim degeneriert. Nun will man eine Mission durch Eintrittsgelder ersetzen. Wird nicht klappen. Mal schauen wie lange es dauert, bis ein Gotteshaus wieder von Gott bewohnt wird. Kann schon mal 300 Jahre dauern.
Aber steht nicht auch in der Bibel, „macht euch die Welt untertan“? Für mich heist das immer, wartet nicht das etwas passiert, sondern gebraucht euren Kopf. Rein Grundsätzlich sehe ich es auch so das Kirchen immer offen sein sollten, aber der zunehmende Vandalismus in Kirchen ist natürlich auch ein Problem und die Kosten die das verursacht sind teilweise immens. Wer das bezahlt wird den Dom wirklich sehen wollen und hat nicht vor zu randalieren.
Ich bin hier geteilter Meinung.
Ja, der Unterhalt von Kirchen kostet viel Geld und in anderen Ländern ist es seit jeher üblich, bei besonders bekannten, touristenattraktiven Kirchen Eintritt zu verlangen. Und wer das stille Gebet sucht, tut das weniger in mit Touristen überfüllten Gotteshäusern.
Wenn ich mir umgekehrt aber die immensen Vermögensverhältnisse vor allem der katholischen aber auch der evangelischen Kirche betrachte (sehenswert der wirklich nüchterne WISO Deals-Beitrag hierzu) als auch, wie viel Kirchensteuer ich alleine im letzten Jahr gezahlt habe, dann frage ich mich: Geht’s noch?
Trotz Säkularismus ist die politische und finanzielle Macht der Kirchen nach wie vor enorm. Das gilt sogar rechtlich. Siehe Kirchenrecht, das zum Teil in diametralem Widerspruch zu weltlicher Rechtsprechung steht. Grundgesetzlich garantiert.
Solange das so ist, bleibt den Menschen nur der Kirchenaustritt. Was ja auch immer mehr Menschen tun.
Es ist immer ein Verlust, wenn ein Mitglied der katholischen Kirche aus finanziellen oder ideologischen Gründen aus der Kirche austritt.
Die Kirchensteuer ist vielen Menschen ein Ärgernis und es gibt auch innerhalb der katholischen Kirche Stimmen, die eine andere Regelung vorziehen würden. Mir gefällt das italienische System. Da wird eine Steuer erhoben, deren Zweck der Zahler aus einer Liste selbst bestimmen kann. Es ist gerechter, weil jeder zahlen muß. Denn man sollte nicht vergessen, daß die Kirchen sich für die gesamte Gesellschaft im sozialen Bereich engagieren: Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime, Caritas, Diakonie usw.
Daß die Kirchen das Recht der Religionsfreiheit in Anspruch nehmen, ist Gottseidank noch immer eine Selbstverständlichkeit. Wer z.B. gegen grundlegende Voraussetzungen wie das „Recht auf Leben“ agiert, verstößt gegen ein Kerngebot der katholischen Kirche. Wer meint, er könne sich seine Religion selbst zurecht stricken, sollte freiwillig ausscheiden.
Das italienische Modell kenne ich, und finde es auch besser als unseres.
Auch weiß ich, dass Kirchen sich stark im sozialen Bereich engagieren. Interessanterweise sind deren Beiträge (Kindergärten, Pflegeheime, Krankenhäuser etc.) aber nicht geringer als die privater und staatlicher Träger. Was die Schlussfolgerung zulässt, dass sie die Kirchensteuern dafür nicht einbringen, auch nicht für Kirchenmitglieder.
Dass ein Krankenhaus in katholischer Trägerschaft keine Abtreibungen anbietet, kann ich noch nachvollziehen. Was ich aber für vollkommen inakzeptabel hielt ist, wenn einem geschiedenen Arzt, der wieder heiratet, gekündigt wird. Jeder andere Arbeitgeber hätte sich dafür eine sowas von fette Klage eingehandelt. Zurecht!
Dem hat der EuGH Gott sei Dank einen Riegel vorgeschoben. Bezeichnend, dass es erst soweit kommen musste.
Als Protestantin darf ich hier mal nachfragen: Wann wurde denn die Regelung aufgehoben, dass Geschiedene nicht für die Kirche arbeiten dürfen? Und: War das grundsätzlich so? Ich meine mich dunkel an eine entfernte Verwandte zu erinnern, die sich und ihre Tochter nach der Scheidung als Sekretärin bei der katholischen Kirchengemeinde durchbrachte. Das muss in den 80er Jahren gewesen sein.
Wenn mich nicht alles täuscht war das bis Ende der 2010er/Anfang der 2020er noch möglich, bis das Bundesarbeitsgericht auf Vorgabe des EuGH das grundsätzlich anders entschied.
Erst vor kurzem musste der EuGH aber nochmal nachlegen bzgl. Kirchenaustritt. Danach ist der bloße Austritt aus der Kirche für eine Entlassung auch nicht mehr pauschal ausreichend.
Vor Ort wurde nicht immer so rigoros vorgegangen wie es auf dem Papier stand. Und das war vollkommen in Ordnung.
Werte @Tina.Hansen,
nicht die Scheidung ist das Problem gewesen, sondern es wäre die Wiederverheiratung gewesen. Wenn Ihre Bekannte „nur“ (staatlich) geschieden war, ist das nie ein Problem gewesen, da für die Kirche die „sakramentale Ehe“ weiter bestanden hat und das bis heute auch tut.
Schlussfolgerungen bringen keine wirkliche Erkenntnis darüber, wie die Kirchensteuer eingesetzt wird. Wenn man sich dafür interessiert, gibt es Wege sich zu informieren.
@Harald,
da bin ich ausnahmsweise mal anderer Meinung als Sie. Die größten materiellen Werte der Kirche sind die Kulturschätze und Kirchenbauten. Die bringen aber kein Cash, sondern die kosten immense Summen. Allein der Kölner Dom jedes Jahr siebenstellige Beträge nur für Erhalten und Saubermachen. Die katholischen Strukturen in Afrika, all die Missionarstationen, Schulen, Krankenhäuser, all die praktische Hilfe zum Überleben – das sind Milliarden jedes Jahr, die sich nicht selbst wieder „einspielen“ wie hier
Wer austreten will, soll das tun, freies Land und so. Und wenn die Kirche noch politische Macht hätte, dann gäbe es in Deutschland diese Art der Massenabtreibungen nicht, dann gäbe es keine Sterbehilfe, dann gäbe es nicht einmal die „Homo-Ehe“. Die Kirche in Deutschland ist ein Bettvorleger, ein zahnloser Tiger. Die Bischöfe stehen nicht mit ihrem Hirtenstab im Sturm des Zeitgeistes, sondern sie stellen sih mit Porzellantellern an den Buffets der Mächtigen an und wollen Häppchen abbekommen.
Diese Kirche in Deutschland ist nicht die Kirche Jesu, aber ich bin drin, um den Kampf für eine Wende zu führen – auch dort.
Klaus Kelle
@Klaus Kelle
„Diese Kirche in Deutschland ist nicht die Kirche Jesu,“
Das ist der entscheidende Punkt in der ganzen Diskussion. Als Jesus seine Kirche gründete, mit Stellvertreter und Nachfolgern, wusste er genau, was aus dieser Kirche wird, wenn sie den Menschen in die Hände fällt. Er hat es trotzdem getan, weil es nämlich SEINE Kirche ist und nicht die Kirche der Päpste, Bischöfe und Priester oder der Laien. Auch ich bleibe in dieser Kirche und kämpfe den oft einsamen Kampf gegen ihre Verflachung und Verweltlichung.
Lieber Klaus Kelle,
Es ist gut, eine andere Meinung zu hören. Auch als Korrektiv. Nur sowas bringt einen persönlich weiter.
Ich sagte ja, dass ich geteilter Meinung bin, weil der Erhalt der Kulturschätze und Kirchenbauten immens wichtig aber eben auch immens teuer ist. In anderen Ländern ist es schon lange üblich, Eintritt zu verlangen (Sagrada Familia, Westminster Abbey, Mailänder Dom etc.). Der Kölner Dom steht deren Bedeutung in nichts nach.
Umgekehrt verfügt die Kirche über ein unfassbares Vermögen, darunter unzählige vermietete Immobilien. Und sie nimmt monatlich satte Kirchensteuer ein. Bei ihren sozialen Angeboten (Kindergärten, Pflegeheime etc.), machen Kirchen hierzulande keinen Unterschied bei Kirchenmitgliedern und generell sind deren Beiträge nicht geringer als die staatlicher oder privater Träger. Das hinterlässt ein G’schmäckle wenn die Kirche stets betont, man nutze die Kirchensteuer ja für viel Soziales.
Interessant auch, dass man auf der einen Seite die Entwicklungshilfe Deutschlands kritisiert, gleichzeitig aber betont, wie wichtig die kirchlichen Hilfen für Afrika sind. Auch diese sind im wesentlichen (kirchen)steuerfinanziert.
Sie sehen, da wird viel vermengt, sehr inkonsequent, wie ich finde.
Was politische Entscheidungen anbelangt, bin ich froh, dass die Kirche nicht mehr viel zu sagen hat, gerade die katholische Kirche nicht. Wo kämen wir hin, wenn 23% der Bevölkerung (Katholiken) der großen Mehrheit vorschreibt, wie wir als Gesellschaft mit Abtreibung, Homo-Ehe oder Sterbehilfe umgehen? Meine Meinung zu den ersten beiden Themen kennen Sie, und ja: ich bin auch für Sterbehilfe. Bei allen drei Themen die eindeutige Mehrheitsmeinung in diesem Lande.
Gerade Konservative tappen hier schnell in die Falle respektive betreiben Rosinenpickerei nach eigenem Gutdünken. Bei Themen wie Klimaschutz (Bewahrung der Schöpfung) und Flüchtlingspolitik (Nächstenliebe) ist man nämlich auf einmal auf absolutem Kontrakurs zur katholischen Kirche.
Auch hier wieder: Konsequent geht anders!
Wir sind gut beraten, unseren Säkularismus aufrecht zu erhalten und ggf. sogar noch nachzuschärfen.
1. Kath. Kindergärten usw. werden nicht komplett durch die kath. Kirche finanziert. Die Kirche trägt einen Eigenanteil, der Kindergarten bekommt öffentliche Zuschüsse und die Beiträge der Eltern. Die Einrichtungen stehen auch Kindern anderer Konfession oder Glaubens offen. Warum sollten die kath. Eltern weniger Beitrag zahlen?
2. Sozialengagement der Kirche: Caritas. Pflege, Wohnungslosenhilfe, Suppenküche, Jugendarbeit, Migration, Hilfswerke wie Misereor, Adveniat, Kirche in Not usw.
3. Entwicklungshilfe sollte immer Hilfe zur Selbsthilfe sein. Sie wird im kirchlichen Bereich durch unzählige Projekte geleistet. Allerdings werden keine Radwege in Peru gefördert.
4. Die Haltung zu Abtreibung und anderen ethischen Fragen muß man gar nicht an der Lehre der Kirche festmachen, sondern sie kann durchaus aus dem Naturrecht hergeleitet werden.
Schon in der Antike waren mit dem Eid des Hippokrates die Grenzen der Heilkunst gezogen worden. Daß heute Abtreibung und Sterbehilfe von Ärzten geleistet werden soll, widerspricht diesen ethischen Grundsätzen diametral.
5. Klimaschutz heißt in der Kirche „Schöpfung bewahren“. Papst Franziskus hat dazu die Enzyklika „Laudato sì“ geschrieben.
Der jetzige Papst Leo hat sich auf seiner Reise nach Spanien und auf die Kanaren sehr klar zur Migrationsproblematik geäußert und auf den Primat der Menschenwürde hingewiesen.
Auch die Ablehnung der Homo-Ehe ist unabhängig von den Geboten der Kirche herzuleiten. Biologisch gibt es zwei Geschlechter, die durch ihre Verbindung/Ehe für Nachkommen sorgen. Ohne Nachkommen geht ein Gemeinwesen zugrunde. Homo-Ehe ist unter diesem Gesichtspunkt ein Nonsens. Dazu gibt es großartige Ausarbeitungen, nicht zuletzt die Rede von Papst Benedikt am 22.September 2011 vor dem deutschen Bundestag, der etliche Abgeordnete der Grünen, der SPD und der Linken fernblieben.
6. Böckenförde: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“
Vielen Dank Dr. Hildegard Königs-Albrecht.
Zu 1 und 2: Zustimmung. Wobei man als Kirche dann aber vorsichtig sein sollte die Kirchensteuer damit zu rechtfertigen, wenn deren Kindergärten, Pflegeheime letztlich genauso teuer sind wie die anderer Träger.
Zu 3: Ebenfalls Zustimmung. Dann sollte man als Konservativer, der dieses kirchliche Engagement begrüßt, aber nicht stets pauschal auf staatliche Entwicklungshilfe schimpfen, die letztlich in vielen Bereichen das gleiche tut. Die „Fahrradwege in Peru“ sind ein ähnlich ausgelutschtes Argument wie der berühmte Dachdecker beim Renteneintrittsalter, zumal ein Großteil der Peruförderung keine klassische Entwicklungshilfe sondern Kredite sind, die Peru mit Zinsen zurückzahlen muss,
Zu 4: Bei der Ehe (für alle oder nur für Mann und Frau) werden stets zwei Dinge miteinander vermengt: Bund für’s Leben und Familie. Entweder, man unterstützt als Staat den Lebensschwur zweier sich liebender Menschen, dann aber gleiches Recht für alle. Oder, man gibt das Eheprivileg nur an Paare, die auch in Familie machen. Auch hier wieder gleiches Recht für alle, und keine Ehe für heterosexuelle Paare, die kinderlos bleiben, aus welchem Grund auch immer und Ehe für homosexuelle Paare, die eine Familie haben, seien es adoptierte Kinder oder Kinder aus früheren heterosexuellen Partnerschaften.
Abtreibung: Ein ethischer Konflikt, natur(rechts)bedingt. Man kann dagegen sein, gleichzeitig aber akzeptieren, dass das ultimativ letzte Wort die Frau haben muss. Schließlich ist es ihr Körper und der Fötus Teil ihres Körpers, solange dieser alleine nicht lebensfähig ist. Niemand sollte über den Körper eines anderen verfügen.
Sterbehilfe: In unserem Grundgesetz steht nicht etwa das Leben sondern die Würde eines Menschen als unantastbar ganz oben, gleich im ersten Artikel. Was ist bedeutender für die Menschenwürde als die Selbstbestimmtheit des Individuums, im Leben wie im Sterben? Beides gehört zusammen. Leben heißt Sterben, kein Leben ohne Sterben. Wir streiten ja nicht darüber, ob jemand, sondern nur wann jemand stirbt bzw. sterben darf und unter welchen Bedingungen. Die Kirche und unsere Gesellschaft zwingt einigen Schwerkranken aktuell ein unfassbares Leid und Martyrium am Ende ihres Lebens auf. Gegen deren ausdrücklichen Willen. Das verstößt meines Erachtens nach nicht nur fundamental gegen die Menschenwürde sondern auch gegen das Gebot der christlichen Nächstenliebe.
Vor bald 25 Jahren scheiterte Diane Pretty mit ihrem Wunsch auf aktive Sterbehilfe vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Zwei Wochen später starb Pretty an den Folgen von ALS. Nach unfassbarem Leid. Genau so, wie sie es befürchtete und gerne verhindert hätte. Man hat ihr ihren Wunsch verwehrt und ihr damit die Menschenwürde genommen.
Schon damals wurde ein Leserbrief von mir veröffentlicht, in dem ich meine Fassungslosigkeit über das Urteil, dessen Begründung und die Verlogenheit unserer Gesellschaft zum Ausdruck brachte. Schon damals erhielt ich einige zustimmende Zuschriften. Das ist nun bald 25 Jahre her und seit dem mussten tausende Menschen das gleiche Leid am Ende ihres Lebens durchmachen. Gegen ihren ausdrücklichen Willen. Tausendfacher Verstoß gegen deren Menschenwürde!
Und leider tragen beide Kirchen mit ihrer strikten Ablehnung der Sterbehilfe dazu bei.
Die Debatte weiter zu führen, würde das Format sprengen. Es bleiben für mich damit etliche Punkte offen.
Zum Beispiel die Frage, warum Kindergärten in katholischer Trägerschaft billiger sein sollen als andere.
Oder warum das Zusammenleben von homosexuellen Paaren als Ehe bezeichnet werden soll. Artikel 6 des GG bekräftigt den besonderen Schutz von Ehe und Familie wohl nicht, weil es das Zusammenleben von Liebenden auf dem Schirm hat, sondern weil Ehe und Familie sich als stabile Träger der Gesellschaft im Hinblick auf deren Fortbestehen erwiesen haben.
Träger der kirchlichen Entwicklungshilfe sind überwiegend Ordensangehörige, die oft unter Einsatz ihres Lebens den Menschen in schwierigsten Situationen beistehen und denen es nicht nur um wirtschaftliche Hilfe sondern um Lebenshilfe geht. Das kann man nicht mit staatlicher Entwicklungshilfe vergleichen.
„Niemand sollte über den Körper eines anderen verfügen.“ Einverstanden. Wann fängt für Sie dann der Körper an? Wenn das Herz des Embryos schlägt? Wenn der Foetus im Geburtskanal ist? Oder erst wenn der Mensch sich selbst versorgen kann?
In schweren Krankheitszuständen mag der Wunsch nach Beendigung des Lebens aufkommen. Dann ist Hilfe dringend nötig. Ärzte können helfen indem sie keine lebenserhaltenden infausten Maßnahmen mehr vornehmen, Schmerzen mit entsprechenden Medikamenten bekämpfen. Hospize sind wunderbare Häuser für Sterbenskranke. Zum Töten kann die Kirche nicht ihr Plazet geben.
@ Dr. Hildegard Königs-Albrecht
Staatliche Entwicklungshilfe unterstützt ebenso Organisationen, deren Mitarbeiter Menschen in schwierigsten Situationen unterstützen, Lebenshilfe leisten und sich dabei sogar selbst in Gefahr begeben.
Ehe und Familie. Wie ich schon schrieb: Gleiches Recht für alle. Ein kinderloses heterosexuelles Ehepaar tut für die Gesellschaft genauso wenig wie ein kinderloses homosexuelles Ehepaar und ein homosexuelles Paar, das Kinder großzieht genauso viel für die Gesellschaft wie ein heterosexuelles Paar.
Wann fängt der Körper an? Juristisch mit der Geburt, biologisch-medizinisch ab der 20. Schwangerschaftswoche. Ab dann kann der Fötus Dank moderner Medizin auch ohne den Körper der Mutter überleben. Nach derzeitiger Rechtsprechung ist Abtreibung idR nur bis zur 12. SW möglich.
Hospize sind extrem wichtige Einrichtungen und für die meisten Menschen am Lebensende deren Präferenz. Dennoch gibt es Menschen, die wünschen sie etwas anderes und auch gibt es Erkrankungen, bei denen selbst die Palliativmedizin an ihre Grenzen kommt. Wie zum Beispiel ALS, bei der manche Patienten qualvoll ersticken müssen. Und Sie wissen sicherlich auch, wie Medizinier schwerste Schmerzen am Lebensende behandeln. Die erforderliche Morphiumdosis wird irgendwann letal. Das ist, wenn Sie so wollen, Sterbehilfe. Man nennt es nur nicht so.
1. Der Kirche geht es um den ganzheitlichen Menschen, um Körper und Seele. Für Nichtgläubige vielleicht schwer einzusehen.
2. Laut GG Art. 6 ist die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau(!) und steht unter besonderem Schutz des Staates. Sie ist von Natur aus angelegt auf Nachwuchs. Das genügt dem Staat. Homosexuelle Partnerschaften werden nicht als Ehe bezeichnet, auch wenn sie ähnlich behandelt werden.
3. Laut BVerfG genießt das ungeborene leben Menschenwürde und Lebensrecht aus Art. 2 Abs. 2 GG. Deshalb ist Abtreibung nach § 218 StGB eine Straftat, die unter bestimmten Bedingungen straffrei bleibt.
4. Ich bleibe dabei, daß ein Arzt dem Leben verpflichtet ist und keine Beihilfe zum Suizid leisten sollte. Das bedeutet nicht, daß ein Sterbender mit allen Mitteln am Leben erhalten werden soll, was ein Problem sein kann.
Stirbt ein Mensch zu Hause und die Angehörigen rufen den Notarzt, ist dieser verpflichtet, eine Wiederbelebung zu versuchen. Bei sehr alten und kranken Menschen ist das oft wenig sinnvoll und weder im Sinn des Patienten noch der Pflegenden.
Es ist gut vergleichen zu können!
Da ich mich in der Vergangenheit oft in Russland aufgehalten habe, bin ich natürlich auch mit der orthodoxen Kirche in Berührung gekommen.
Es ist eine Offenbarung zu sehen, wie gesund diese ist, wenn auch nicht ohne Fehler.
Selbst auf kleinen Dörfern sind Messen gut besucht und die Kirchen reichlich mit Geistlichen ausgestattet.
Während der normalen Zeiten, zwischen 9 und 18 Uhr sind selbst kleinste Kirchen geöffnet. Meist auch darüber hinaus.
Und immer ist jemand, meist eine alte Dame, oder eine Frau die außerhalb eines Klosters das Leben einer Nonne führt, anwesend.
Die kann einem Besucher einen Rat geben, ein Gespräch mit einem Geistlichen vermitteln, oder auch nur Kerzen, Ikonen oder geistliche Literatur verkaufen.
Das alleine schon strahlt Wärme und Gemeinschaft aus, man ist mit seinen Sorgen nicht allein gelassen.
Eintritt für den Besuch einer Kirche?
Ich kann mir gut vorstellen, was ein orthodoxer Geistlicher über den Abfall vom Glauben im Westen sagen würde, wenn er dies hörte.
Der Erhalt eines religiösen Bauwerks hat durch Steuermittel des Staates zu erfolgen. Auch gerne durch freiwillige Spenden.
Wer für den Besuch einer Kirche Eintritt erhebt, hat Christus bereits den Rücken zugewandt. Vielleicht sollte man für den Besuch des Kölner Doms 30 Silberlinge erheben?
Irgendwann habe ich verstanden, was Gott mir sagen wollte, als er mir den orthodoxen Glauben in seiner Lebendigkeit und Menschlichkeit mit eigenen Augen hat wahrnehmen lassen. Das verlangt eine Reaktion, sonst wird es sündhaft, dem nicht zu folgen.
Ich bin konvertiert.
Danke an alle, die mir geantwortet haben!
@Tina.Hansen,
Nachtrag: Error in declarando: es darf natürlich nicht „staatlich“ hießen, sondern „zivilrechtlich“.
Vor gefühlt unendlichen Jahren hatte ich hier mal den Fall einer Freundin geschildert, die 1992 oder Anfang 93 eine Abtreibung vornehmen liess. Obwohl ich damals (ganz jung) glaubte, wir seien die engsten Freundinnen der Welt, hat sie mir erst viele Jahre später unter bitteren Tränen davon erzählt. Sie war jung, der Mann, mit dem sie wirklich zusammen gewesen war, hatte sich sofort vertschüsst. Sie schilderte mir, wie sie zu Pro Familua ging und sagte, es gebe doch an der Uni so eine Krabbelgruppe. Vielleicht könne sie es schaffen. Man riet ihr zum Abbruch. Danach wandte sie sich an ihre Eltern, die meinten, wenn sie das Kind haben wolle, müsse sie ins Elternhaus zurück kehren und ihr Studium abbrechen. Sie wollte weiter eigenständig sein… Bei aller berechtigten Verurteilung von Abtreibungen bitte ich seither immer wieder um die Vermeidung von eonseitiger Verurteilung der Frauen.
Liebe Tina,
die Frauen, die abgetrieben haben darf man niemals verurteilen. Viele leiden ihr Leben lang an den Folgen.
Verurteilen müsste man die, die es nicht fertig bringen, die Frauen zu unterstützen. Da wäre zunächst der Erzeuger, die Familie, die Freunde und nicht zuletzt der Staat, der viel Geld für allerlei Tinnef ausgibt, zu wenig für Eltern und Kinder tut und nicht erkennt, wie wichtig Kinderreichtum für unsere Gesellschaft ist.
Es gibt eine Reihe von Hilfsorganisationen. Zu ihnen gehört 1000plus, eine Organisation, die sich psychisch und finanziell um werdende Mütter kümmert. Diese Organisation arbeitet ausschließlich mit Spenden, sie bekommt keine staatlichen Zuschüsse wie zum Beispiel die Puppies (das sind Menschen, die sich in einem erotischen Rollenspiel als Hund verkleiden und bei CSD-Veranstaltungen auftreten).
Gründer und Geschäftsführer ist Christijan Aufiero, ein überaus sympathischer und warmherziger Mensch.
🧡